Samstag, 17. Juli 2010

Solarchampions aus dem Süden

Unstetig zwar, aber mit wachsender Bedeutung etablieren sich Spanien und Italien in der solaren Stromerzeugung. Während die Stiefelnation 2010 wohl definitiv der weltweit zweitwichtigste Markt für Photovoltaik wird, erobert der frühere PV-Champion Spanien die Spitze in der solarthermischen Elektrizität. Die geschaffenen Kapazitäten erreichen AKW-Dimensionen.

Vor zwei Jahren noch glänzte Spanien mit einem bis dahin für unmöglich gehaltenen Zubau bei der Photovoltaik (PV). Annähernd drei Gigawatt Leistung wurden für die direkte Umwandlung von Sonnenlicht in Strom errichtet. Die finanzielle Dauerbelastung erwies sich in der Folge als zu gross und die regierenden Sozialdemokraten fuhren die PV-Förderung radikal zurück. Dafür gelangte eine andere solare Energiegewinnung in Spanien die Oberhand, begünstigt durch sowohl die klimatischen Verhältnisse als auch die wenig besiedelten ländlichen Regionen. Concentrated Solar Power (CSP) lautet das Stichwort, gemeint ist das Einfangen der Sonnenstrahlen mit riesigen Spiegelanordnungen, die entweder die Flüssigkeit in einem so genannten Receiver erhitzen – meist kommt ein Öl zur Anwendung. Oder die Spiegel lenken das Sonnenlicht auf einen Turm (siehe Bild), über den dann die Energie wie beim «flachen» System zu Turbinen gelenkt und in Elektrizität umgewandelt wird.

In der CSP-Technologie hat Spanien nun sogar die bislang führenden USA überholt. Diese hatten schon in den 80er Jahren in den Wüsten Nevadas Grossanlagen errichtet. Sie funktionierten an sich klaglos, wurden aber angesichts der Ölpreisbaisse der folgenden beiden Jahrzehnte bedeutungslos. Erst jetzt planen auch die USA, sogar mit hundertmillionenfacher Dollarunterstützung der Regierung, neue CSP-Werke. Spanien hat sie schon und damit, wie die Madrider Tageszeitung El Pais diese Woche meldete, vom Volumen her gesehen, die Spitze übernommen (mit installierter Leistung von 432 MW gegenüber 422 MW der USA). Bereits sind rund 20 weitere Anlagen auf der iberischen Halbinsel im Bau, an denen auch ein CH-EW beteiligt ist (siehe Solarmedia 6. August 2009). El Pais setzt die vorhandene Leistung jener eines ganzen AKW gleich und hebt als Vorteil gegenüber der Photovoltaik hervor, dass dank Speichermöglichkeit auch ein Teilbetrieb bei Dunkelheit möglich ist. Bis 2013 sollen sich die Kapazitäten verfünffachen.

Derweil setzt Italien voll auf die Photovoltaik, allen Berlusconi-Bekenntnissen zu neuen Atommeilern zum Trotz. Zwar wird die Einspeisevergütung über kurz oder lang sinken, neueste Meldungen sprechen von 20 bis 30 Prozent, oder auch einem schrittweisen Vorgehen mit dreimaliger Absenkung um jeweils deren sechs Prozent. Außerdem will die italienische Regierung den Ausbau der Photovoltaik deckeln. Das Limit soll demnach bei 3000 Megawatt bis 2013 liegen. Die Absenkung der Solarförderung in den kommenden drei Jahren wird nach Ansicht des Solarverbands GIFI das Wachstum aber nicht stoppen. Investitionen in Photovoltaik-Anlagen bleiben interessant.

So oder so erreicht Italien bereits 2010 einen Photovoltaik-Zubau von über einem Gigawatt Leistung (2009 waren es über 700 MW). Damit wird sich das Land an bedeutenden Mitbewerbern wie den USA oder Japan sowie der Ländergruppe Frankreich, Tschechien und Belgien vorbei an die weltweit zweite Position schieben. Einsamer Champion aber bleibt das viel nördlichere Deutschland, dem unterdessen ein sagenhafter Zubau von rund 8 GW vorausgesagt wird – auch das dann eine Kraftwerksleistung, die die Stromproduktion eines mittleren AKW erreicht.

© Solarmedia
/ Quellen: El Pais / Photovoltaik

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