Freitag, 11. Oktober 2019

So geht Solarwärme

Über 100 Sonnenkollektoren der Ernst Schweizer AG aus Hedingen (ZH) sowie eine Holzschnitzelheizung sorgen für ökologisches Warmwasser im Schwimmbad der jurassischen Gemeinde Boncourt – damit lässt sich auch in Zukunft mit gutem Gewissen wellnessen. Ein Beispiel für den (dringend nötigen) Einsatz von Solarwärme.

Bild: Ernst Schweizer AG -
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Rund 1200 Einwohnerinnen und Einwohner zählt die jurassische Grenzgemeinde Boncourt. Eine der Hauptattraktionen des Dorfes ist das Schwimmbad. Das 1993 erbaute und durch seine pinkfarbene Fassade augenfällige Hallenbad bietet seinen Besuchern zwei Schwimmbecken, ein Jacuzzi, eine Sauna und ein Dampfbad. Da nach 25 Jahren Betrieb das bestehende Heizsystem am Ende seiner Lebensdauer angelangt war, wurde es im Frühling 2019 komplett erneuert.

Bauherrin ist die Gemeinde Boncourt, welche die Anlage von der bisherigen Eigentümerin, einer Stiftung, übernommen hatte. Im Zuge der Sanierung wurde die bisherige, insbesondere für den Sommerbetrieb nicht optimal dimensionierte Heizung ersetzt und das Schwimmbad an das von der Gemeinde bereits realisierte, mit einer Holzschnitzelanlage betriebene Fernwärmenetz angeschlossen. Während der kalten Jahreszeit erfolgt die Wärmeerzeugung hauptsächlich mit dem Holzkessel. Sollte die Holzschnitzelheizung einmal ausfallen, besteht die Möglichkeit, das Schwimmbad mit einer Öl-Zusatzheizung weiter zu beheizen.

Zur Wärmegewinnung trägt neu auch auch eine 250 Quadratmeter grosse Sonnenkollektor-Anlage von Schweizer bei, die mit einem Neigungswinkel von 30° auf dem Flachdach installiert wurde. Die Solarproduktion wird gemäss einer Medienmitteilung hauptsächlich während den Sommermonaten zur Deckung des Bedarfs für die beiden Schwimmbecken und die Warmwasserbereitung genutzt. Gemäss Planung wird die fertige Anlage jährlichen einen Solarertrag von 746,7 kWh/m² erbringen. Der Entscheid zugunsten der Sonnenkollektoren des Typs FK2-XS von Schweizer fiel aufgrund der hohen Materialqualität, der einfachen Montage und des hohen Wirkungsgrads. Um den Energiebedarf des «Piscine des Hémionées» zu reduzieren, entschied sich die Gemeinde gleichzeitig für die Umsetzung energetischer Sanierungsmassnahmen. So wurde das Dach mit einer Isolation versehen und die gesamte Verglasung ersetzt.

Die Erneuerungsarbeiten und Installation der ersten 83 Kollektoren erfolgten während dem laufenden Betrieb und im Frühling 2019, weitere 24 Kollektoren werden noch folgen. Jetzt baden und wellnessen die Besucherinnen und Besucher des «Piscine des Hemionées» also deutlich ökologischer.

Wie kommt man beim Heizen weg von Öl und Gas? Zum Beispiel eben mit der „Kombination von Solarthermie und Biomasse“, sagen die Bio- und Holzenergie-Verbände. Und deshalb hatte die Holz-Sonnen-Kombi beim deutschen Fachkongress Holzenergie auf der Festung Marienberg Würzburg Ende September sogar ihr eigenes Forum mit diesem Namen. "Nicht Energiewende: Energiesystemwende wäre der bessere Begriff. Denn wir brauchen die komplette Umstellung auf Erneuerbare Energien“, sagt Professor Harald Thorwarth von der Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg. Und ihm ist bewusst: „Es geht nicht nur darum, Strom erneuerbar zu erzeugen, sondern auch bei Wärme und Verkehr muss umgestellt werden (Deutsche Gesellschaft für Sonnenenergie vom 10.10.19).

© Solarmedia

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Dienstag, 8. Oktober 2019

Marktöffnung bedroht Ausbau der Erneuerbaren

Die Ende September vom Bundesrat vorgeschlagene vollständige Öffnung des Strommarktes gefährdet den notwendigen raschen Ausbau der erneuerbaren Energien. Insbesondere dürfte der Rückliefertarif für unabhängige Produzenten sinken, was den wirtschaftlichen Betrieb der Anlagen gefährdet.  Ein Rückblick auf die Stellungnahme des Solar-Fachverbands Swissolar.

Die vorgeschlagenen flankierenden Massnahmen sind gemäss diesem Fachverband ungenügend und für die Photovoltaik diskriminierend. Swissolar schlägt vor, Ausschreibungen für alle Technologien für Anlagen ab 1 Megawatt Leistung einzuführen. Für kleinere Anlagen ist der bürokratische Aufwand unverhältnismässig und nur von grossen Energieversorgern zu bewältigen. In der Schweiz wird es in den nächsten 30 Jahren einen zusätzlichen Strombedarf von über 40 Terawattstunden pro Jahr geben, einerseits durch den Wegfall der Atomenergie, andererseits durch den steigenden Strombedarf in der Mobilität und der Gebäudebeheizung infolge des Wegfalls von Verbrennungsmotoren und fossilen Heizungen. 

Dieser zusätzliche Bedarf kann nur mit einem massiven Ausbau der Photovoltaik bewältigt werden, wenn nicht eine stärkere Importabhängigkeit entstehen soll. Das Potenzial dafür ist vorhanden: Allein auf den besonders geeigneten Dächern und Fassaden unserer Gebäude könnten 67 Terawattstunden mit Solaranlagen produziert werden. Um fristgerecht genügend Solarstrom zur Verfügung zu haben, müssten jährlich 1500 Megawatt zusätzliche Photovoltaikleistung installiert werden – 4 bis 5-mal mehr als heute. Zudem liefern Photovoltaikanlagen den günstigsten Strom aller neuen Kraftwerke.
 
 
Strommarktliberalisierung nur mit flankierenden Massnahmen für die Erneuerbaren: Eine vollständige Öffnung des Strommarktes gefährdet diesen dringend notwendigen Ausbau der Photovoltaik, aber auch der anderen erneuerbaren Energien. Insbesondere dürfte der Rückliefertarif für Solarstromproduzenten weiter sinken, also die Vergütung für jenen Strom, der nicht selbst verbraucht werden kann, sondern ans öffentliche Netz abgegeben wird. Mit durchschnittlich 8.8 Rp./kWh (1) liegt er schon heute tiefer als die Produktionskosten der meisten Anlagen. Wenn an der vollständigen Liberalisierung festgehalten werden soll, so braucht es im Gegenzug eine deutliche Stärkung der Förderung des Ausbaus der erneuerbare Energien. Die heute vom Bundesrat skizzierten Begleitmassnahmen (Revision Energiegesetz) vermögen nicht zu überzeugen.
 
Inakzeptable Benachteiligung der Photovoltaik! Für den Bau grosser Photovoltaikanlagen, oft ohne massgeblichen Eigenverbrauch, sind schon heute die Investitionsanreize ungenügend, obwohl diese für die zukünftige Versorgungssicherheit von grösster Bedeutung sind und Strom zu Preisen deutlich unter jenen anderer Technologien liefern können. Nun soll deren Bau nochmals komplizierter werden, indem die Förderbeiträge neu mittels Ausschreibungen festgelegt werden. Die Erfahrungen aus dem Ausland zeigen, dass solche Ausschreibeverfahren zu einem grossen bürokratischen Aufwand führen, der praktisch nur von grossen Energieversorgungsunternehmen bewältigt werden kann. Absolut unverständlich ist, weshalb die Förderbeiträge für die anderen Technologien nicht dem gleichen Verfahren unterstellt, sondern fix festgelegt werden sollen.

Swissolar verlangt eine Gleichbehandlung aller Technologien und die Beschränkung des Ausschreibeverfahrens auf Anlagen ohne Eigenverbrauch mit einer Leistung über 1 Megawatt. Zusätzlich braucht es eine erhöhte Einmalvergütung für PV-Anlagen zwischen 100 kW und 1 MW, die keinen Eigenverbrauch aufweisen – damit kann ein grosses Potenzial auf Infrastrukturanlagen, Landwirtschaftsdächern und Lagerhallen erschlossen werden. Gleichzeitig begrüsst der Fachverband in seiner Stellungnahme, dass die Zubauziele für die Jahre 2035 und 2050 verbindlich im Gesetz festgelegt werden sollen. Dies gibt ein wichtiges Signal an die Investoren und die politischen Instanzen unseres Landes. Allerdings müssen sie deutlich höher als bisher festgelegt werden.
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1) Die Höhe des Rückliefertarifs variiert innerhalb der Schweiz stark. Siehe www.pvtarif.ch

Quelle: Swissolar

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Sonntag, 6. Oktober 2019

Deutlicher Vorsprung für Solaraktienindex PPVX


Der PPVX war letzte Woche unverändert bei gut 1.365 Punkten, der NYSE Arca Oil fiel um 3,5%. Seit Jahresanfang 2019 liegt der PPVX mit +52,0% währungsbereinigt rund 46 Prozentpunkte vor dem Erdölaktienindex (+5,8%). Die Top-3-Titel seit Jahresanfang sind Enphase Energy (+396%), SolarEdge Technologies(+144%) und SunPower (+112%).Der PPVX-Börsenwert beträgt rund 37,2 Mrd. Euro. Die grössten Gewinner der Woche waren Solaria Energia y Medio Ambiente(+20%) und Vivint Solar(+6%), die grössten Verlierer REC Silicon (-26%) und Sunnova Energy Int.(-11%). Seit Anfang 2003 liegt der PPVX (+385%) rund 233 Prozentpunkte vor dem Erdölaktien-Index (mit +152%).

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Der Solaraktienindex PPVX erscheint auf Solarmedia jeden Monat neu

Quelle: oeko-invest.net 

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Donnerstag, 3. Oktober 2019

Greta Thunberg's Film über die Klimakrise



Zusammen mit dem Journalisten George Monbiot hat die Klimaaktivistin Greta Thunberg ein Video produziert. Dessen Botschaft: Es gibt drei Schlüssel, mit denen wir das Klima noch retten können - schützen, wiederherstellen und finanzieren!

Quelle: Youtube

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Dienstag, 24. September 2019

Atomkraft nicht «klimaeffektiv»

Am Dienstag wurde in Budapest der World Nuclear Industry Status Report 2019 vorgestellt. Der Bericht, der auch von der Schweizerischen Energie-Stiftung SES unterstützt wird, gibt einen umfassenden Überblick über Situation der Atomindustrie weltweit. 

Die diesjährige Ausgabe legt einen Fokus auf die Atomkraft als vermeintliche Lösung gegen den Klimawandel. Darin wird aufgezeigt, dass Atomkraftwerke zu teuer sind und zu langsam gebaut werden können, um fossile Energieträger zur Begrenzung des Klimawandels zu ersetzen. Amory Lovins, Wissenschaftler am Rocky Mountains Institute in Colorado, erklärt im Fokus-Kapitel des Reports, dass neben der CO2-Bilanz auch Baukosten und -zeit entscheidende Argumente im Einsatz gegen den Klimawandel darstellen. Lovins verwendet dafür den Begriff «Klimaeffektivität» (climate-effectiveness). Weil die Kosten für PV und Windräder stetig sinken, sind sie einiges klimaeffektiver als Atomkraftwerke der neusten Generation. Er bestätigt damit die Schlüsse der kürzlich veröffentlichten SES-Kurzstudie «Klimawandel und Atomkraftwerke».
 
Betriebskosten entscheidend
Lovins verweist im Weiteren darauf, dass die Schliessung von unrentablen AKW und Kohlekraftwerken auch bezüglich CO2-Bilanz Sinn machen kann. Entscheidend dafür seien die «klimatischen Opportunitätskosten»: Die Mittel für den Betrieb könnten für Erneuerbare und Effizienzmassnahmen eingesetzt werden. Die reinen Betriebskosten der Schweizer AKW machen ungefähr 700 Mio. Franken pro Jahr aus. Das entspricht ca. 2/3 der heutigen jährlichen Fördergelder für Erneuerbare.

 
Ausschreibungen für CO2-arme Produktion
Um die klimaeffektivsten Projekte zu stützen, empfiehlt Lovins Ausschreibungen für CO2-arme Stromproduktion. Die Projekte mit der besten Klimaeffektivität sollen Fördergelder erhalten. Die Schweiz kennt bislang im Vergleich zu den meisten EU-Ländern kein wettbewerbliches Mittel wie Ausschreibungen für Wind- oder PV-Anlagen.

 
Alle Welt will Erneuerbare
Die neusten Zahlen des WNISR belegen, dass weltweit vor allem in erneuerbare Energien wie Wind und Solar investiert wird. Letztes Jahr wurden 273 Mrd. $ für Erneuerbare ausgegeben, während in neue AKW 33 Mrd. $ investiert wurden. Selbst der grösste Investor in Atomkraft, China, gibt mehr Geld für Erneuerbare aus als für AKW. Dies liegt unter anderem daran, dass die Kosten für Wind- und Solarenergie seit 2014 deutlich unter jenen für Atomstrom liegen.

 
Neue Erneuerbare: Schweiz noch zögerlich
Seitdem die Preise tief sind, holen Wind und Solar bei der weltweiten Jahresproduktion in grossen Schritten auf und lieferten 2018 insgesamt 1855 TWh. Atomenergie trug 2563 TWh bei. Ähnlich sieht es in der EU aus, in der Sonne- und Windkraft in ein paar Jahren die Beiträge der Atomenergie überholt haben werden. In der Schweiz hingegen bewegt sich weiterhin wenig. Der Ausbau der Erneuerbaren kommt kaum voran

Quelle: Schweizerische Energie-Stiftung

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Freitag, 20. September 2019

D: Förderdeckel für Solaranlagen fällt

Die deutsche Solarbranche gibt sich erleichtert über die Streichung des so genannten Solardach-Deckels - Insgesamt ist ihr das Klimapaket aber eher ein 'Flüglahmer Flickenteppich'.

Erleichterung über den Fall des Solardach-Deckels, insgesamt aber eher ernüchternd - so erste Reaktionen aus der Solarbranche auf das jüngst geschnürte Klimapaket der Bundesregierung. "Die Streichung des Förderdeckels für Solardächer wird in letzter Minute einen Markteinbruch abwenden, wenn sie jetzt umgehend gesetzlich fixiert wird. Insgesamt bleibt das Eckpunktepapier aber eher zaghaft und vage. Statt den Solarturbo zu starten, knüpft man einen fluglahmen Flickenteppich", sagt Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Solarwirtschaft (BSW).

"Die Konkretisierung der Eckpunkte und der vereinbarte jährliche Monitoring-Prozess zur Einhaltung der Sektorziele wird hoffentlich zeigen, ob die Bundesregierung endlich die Reißleinen verfügbarer Fallschirme zieht. Denn nur armerudernd lässt sich der freie Fall in die Klimakatastrophe nicht abfangen", kommentiert Carsten Körnig die Klimaschutz-Eckpunkte.

Unklar bleibt der Umfang der dringend notwendigen Beschleunigung des Photovoltaik-Ausbaus. Mehr als fraglich ist, ob mit dem Maßnahmenpaket die ebenfalls gewaltigen Potenziale der Solarthermie für die Raum- und Prozesswärme endlich gehoben werden. Erst jüngst warnten Marktforscher infolge des notwendigen Atom- und Kohleausstiegs vor einer Klimaschutz- und Stromlücke für den Fall, dass das jährliche Ausbautempo der Solarenergie nicht um ein Vielfaches beschleunigt werde.

Der BSW befürchtet, dass die riesigen Klimaschutzpotenziale im Gebäudesektor weiter größtenteils brach liegen werden. "Der Versuch, einen schlafenden Riesen im Flüsterton zu wecken, ist vermutlich zum Scheitern verurteilt", so Körnig. Den Einstieg in die Bepreisung von Kohlendioxid im Wärmesektor bezeichnet der BSW als erfreulich. Allerdings wird die starke Deckelung von CO2-Preisen - weit unter den tatsächlichen Klimafolgekosten - bei gleichzeitig weitgehendem Verzicht auf gesetzliche Mindeststandards der Herausforderung nicht gerecht. "Gegen diese strukturellen Defizite der Klima- und Energiepolitik wird die Bundesregierung nicht ansubventionieren können", so Körnig.

Im Rahmen der Konkretisierung der Eckpunkte könnten an einigen Stellen zumindest noch entscheidende Nachbesserungen erzielt werden. So müsse die geplante Förderung des Heizungstausches auch alte Gaskessel umfassen und den zumindest anteiligen Einsatz Erneuerbarer Energien voraussetzen. Mit der Solartechnik steht eine millionenfach bewährte und inzwischen sehr preiswerte Klimaschutztechnik zur Verfügung. Solarenergie genießt höchste Akzeptanzwerte und könnte ein Vielfaches der Treibhausgasemissionen einsparen. 

Quelle:  Bundesverband Solarwirtschaft

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Donnerstag, 19. September 2019

Solarplan für die Schweiz - im Videofilm


Swissolar hat die Podiumsdiskussion mit ihrem Präsidenten und Buchautor Roger Nordmann («Sonne für den Klimaschutz») sowie mit Martin Neukom (Regierungsrat Kt. ZH) Ende August aufgezeichnet und auf Youtube gestellt. Ausserdem gab es in der Zwischenzeit Interviews und Reaktionen zum Buch. 

Buchzusammenfassung im Axpo-Blog
Interview mit der BKW 


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Samstag, 14. September 2019

Twitter - Social-Media-Plattform der Stunde!

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Vor den eidgenössischen Wahlen besonders aktuell: Kurz und prägnant informiert über Twitter - dort ist auch Solarmedia aktiv! Einfach auf den Twitter-Button der Solarmedia-Site drücken (Spalte links oben) oder direkt hier: www.twitter.com/rehsche. Wer allerdings ganz allgemein twittern möchte, geht zur Einstiegssite www.twitter.com und meldet sich dort an (kostenfrei und ohne weitere Verpflichtungen). Unter #es2050 spielt sich eine dauerhaft heftige Auseinandersetzung zwischen Befürwortern und Gegnern der Energiestrategie 2050 ab. Dort kann man seine Favoriten kennzeichnen und diesen zu mehr Publizität verhelfen. Und immer ist diese Solarmedia-Site präsent mit neuesten Meldungen aus der Solarbranche!

© Text und Bild: GuntramRehsche / Solarmedia

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Donnerstag, 12. September 2019

Grosse Einsparungen dank Gebäudeprogramm

Das Gebäudeprogramm von Bund und Kantonen, ein wichtiger Pfeiler der Schweizer Energie- und Klimapolitik, hat im Vergleich zum Vorjahr einen Fünftel mehr Mittel ausgeschüttet. 2018 wurden zudem erstmals Massnahmen in den Bereichen Bildung, Information und Qualitätssicherung gefördert.  

Die im Berichtsjahr ausbezahlten Gelder bewirken, über die Lebensdauer der geförderten Massnahmen gerechnet, dass der Energieverbrauch um 5,4 Milliarden Kilowattstunden und der CO2-Ausstoss um rund 1,3 Millionen Tonnen CO2 sinkt. 

Wärmedämmungs-und Haustechnikprojekte am meisten gefördert: Insgesamt wurden im Berichtsjahr 211 Mio. Fr. Fördergelder ausbezahlt (2017: 174 Mio.). Den grössten Anteil habenmit 108 Mio. Fr. Wärmedämmprojekte. An zweiter Stelle folgt der Heizungsersatz mit 37Mio. Fr. (Ersatz fossiler oder elektrischer Heizungen durch Heizsysteme mit erneuerbaren Energien). Stark gestiegen sind 2018 die Beiträge an Systemsanierungen (umfassende energetische Sanierung der Gebäudehülle, oft kombiniert mit einem Heizsystemwechsel): 35 Mio. Fr.gegenüber 14 Mio. Fr. im Vorjahr. Erstmals seit Programmstart wurden 2018 auch indirekte Massnahmen in den Bereichen Information, Beratung, Aus-und Weiterbildung sowie Qualitätssicherung und Betriebsoptimierunggefördert (7 Mio. Fr.). Die übrigenFördergelder flossen an energieeffiziente Neubauten (16Mio. Fr.) und an Wärmenetze (7 Mio. Fr.). 

Energieverbrauch und CO2-Emissionen dauerhaft reduziert: Die von 2010 bis 2018 durch das Gebäudeprogramm geförderten Massnahmen bewirken, dass der Schweizer Gebäudepark jährlich 2,1 Mia. kWh weniger Energie verbraucht und 0,55Mio. t weniger CO2 ausstösst. Über die gesamte Lebensdauer der Massnahmen gerechnet, sind dies fast 55 Mia. kWh und mehr als 13 Mio. t CO2, die eingespart werden. Zudem erzielte das Gebäudeprogramm 2018 einen positiven Beschäftigungseffekt von 2000 Vollzeitäquivalenten und rund 75 Mio. Fr. zusätzliche inländische Wertschöpfung. Die Details zu den Resultaten und Wirkungen des Gebäudeprogramms sowie zu den Ausschüttungen in den einzelnen Kantonen finden sich im neuen Jahresbericht 2018 unter: https://www.dasgebaeudeprogramm.ch/jahresbericht.

Über das Gebäudeprogramm: Gebäude sind für rund 40 Prozent des Energieverbrauchs der Schweiz und einen Drittel der CO2-Emissionen verantwortlich. Über eine Million Häuser sind nicht oder kaum gedämmt und damit energetisch dringend sanierungsbedürftig. Zudem werden zwei Drittel der Schweizer Gebäude heute noch immer fossil oder elektrisch beheizt. Mit dem seit 2010 bestehenden Gebäudeprogramm wollen Bund und Kantone den Energieverbrauch und den CO2-Ausstoss des Schweizer Gebäudeparks erheblich reduzieren. Das Gebäudeprogramm ist damit ein wichtiger Pfeiler der Schweizer Energie-und Klimapolitik. Das Gebäudeprogramm wird über teilzweckgebundene Mittel aus der CO2-Abgabe und aus Fördergeldern der Kantone finanziert. Es unterstützt Massnahmen zur Reduktion des Energieverbrauchs oder des CO2-Ausstosses von Liegenschaften. Gefördert werden etwa die Wärmedämmung der Gebäudehülle, der Ersatz fossiler oder elektrischer Heizungen durch Heizsysteme mit erneuerbaren Energien oder durch den Anschluss an ein Wärmenetz, umfassende energetische Sanierungen oder Sanierungen in grösseren Etappen sowie Neubauten im Minergie-P-Standard. Die Kantone legen individuell fest, welche Massnahmen sie zu welchen Bedingungen fördern. Die Basis dafür bildet das Harmonisierte Fördermodell der Kantone (HFM 2015).

Quelle:  dasgebaeudeprogramm.ch

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Dienstag, 10. September 2019

Mehr Tempo bitte!

Der Ständerat hat am Dienstag eine Motion von Damian Müller, FDP LU, angenommen, die dem Bundesamt für Energie grössere Freiheiten bei der Förderung von erneuerbaren Energien gewähren soll. Dieser Entscheid ist ein klares Signal, dass die Energiestrategie 2050 so rasch wie möglich umzusetzen ist. Die Schweizerische Energie-Stiftung SES begrüsst den Entscheid und fordert den Nationalrat auf, dem Ständerat zu folgen. 

So wünscht sich selbst die FdP
die Schweiz ...
Vor rund einem Jahr hat eine von der SES herausgegebene Studie gezeigt, dass bei der Solarenergie bürokratische Hürden einen raschen Ausbau verhindern. Für die Erreichung der Klimaziele und die Umsetzung des Atomausstiegs ist ein rascher Ausbau aber nötig. Aus dem Netzzuschlag zur Förderung erneuerbarer Energien wurden bis Ende letzten Jahres knapp 1 Milliarde CHF angespart, während sich die Wartefristen für neue Photovoltaik-Anlagen zum Teil auf mehrere Jahre erstrecken. Eine Situation, die von der SES als unbefriedigend kritisiert worden ist, da sie den dringenden Ausbau der Photovoltaik künstlich verlangsamt.

Grössere Freiheiten für das BFE:  Gemäss Bundesamt für Energie BFE liegt eine Ursache darin, dass sich der Fonds, in dem die Gelder verwaltet werden, gemäss Gesetz nicht verschulden darf. Dies obwohl das BFE selbst davon ausgeht, dass bereits in einigen Jahren die Einnahmen aus dem Netzzuschlag die Ausgaben übersteigen werden. Die Motion Müller will dem Bundesamt für Energie nun mehr Freiheiten zugestehen, indem sie eine vorübergehende Verschuldung des Netzzuschlagsfonds erlaubt.

Bürokratische Hürden weiter abbauen, Ausbautempo steigern: SES-Projektleiter Felix Nipkow kommentiert: «Beim Ausbau der Erneuerbaren verlieren wir heute noch zu viel Energie mit bürokratischen Hürden. Wenn wir die Klimaziele erreichen wollen, müssen wir diese rasch eliminieren.» Die SES begrüsst diese simple aber effektive Massnahme und fordert den Nationalrat auf, sie zu bestätigen.

Quelle: energiestiftung.ch 

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Donnerstag, 5. September 2019

Lehren aus gescheiterten Energiepolitiken

Obwohl Strom aus Solar- und Windanlagen immer günstiger wird, ist der Ausbau der erneuerbaren Energien weiterhin auf politische Unterstützung angewiesen. Fehlt diese, kommt es häufig zu Rückschritten beim Umbau des Energiesystems – so geschehen in den einstigen Vorreiterländern Spanien und Tschechien. Welche Lehren können wir daraus für die Energiepolitik ziehen?

Eine in der Zeitschrift „Energy Policy“ erschienene Studie gibt Empfehlungen für eine wirksame Ausgestaltung politischer Maßnahmen. Der Abbau der Förderung erneuerbarer Energien ist erheblich weniger erforscht als die Ausbaumaßnahmen. „Dabei gibt uns gerade die Analyse des Politikabbaus wichtige Hinweise darauf, wie Gesetze und Regulierungen so robust gestaltet werden können, dass sie auch politisch und wirtschaftlich herausfordernden Zeiten standhalten“, betont Rainer Quitzow, einer der Autoren des Artikels und Sprecher des Forschungsbereiches „Energiesysteme und gesellschaftlicher Wandel“ am IASS. Am Fall von Spanien und Tschechien werde deutlich, dass Förderstrategien flexibel genug sein müssen, um auf technologischen Fortschritt und veränderte Marktbedingungen angemessen zu reagieren. Gleichzeitig sollten Ausbauziele eine hohe Verbindlichkeit haben, so dass der Ausbau der erneuerbaren Energien das notwendige Maß an Kontinuität erhält.

Fortschritte beim Ausbau der Erneuerbaren belohnen
In beiden untersuchten Ländern mangelte es laut den Autoren an der notwendigen Flexibilität. In Spanien sah die gesetzliche Regelung keine angemessene Anpassung der Fördersätze für den Fall vor, dass sich die Preise für Erneuerbare-Energien-Technologien ändern. Als Photovoltaik billiger wurde, konnten die Fördersätze nicht schnell genug abgesenkt werden. So profitierte der Staat nicht von den sinkenden Kosten. Stattdessen stieg die Rentabilität der Anlagen und der Ausbau wuchs exponentiell an. Dadurch schossen die staatlichen Ausgaben in die Höhe – zu einer Zeit, in der das Land auch unter den Folgen der Weltfinanzkrise litt. Im September 2008 zog die Regierung die Notbremse und baute die Förderung für Erneuerbare erheblich ab.

Anders war die Lage in Tschechien: Das Land führte seine Energiewende-Strategie ein, um EU-Ziele zu erreichen. Die Kosten wurden über die Stromrechnung an die Verbraucherinnen und Verbraucher weitergegeben. Der Ausbau der Erneuerbaren ging aufgrund sinkender Preise für Solarmodule schneller als geplant: Bereits im Jahr 2013 wurde das EU-Ziel für das Jahr 2020 erreicht. Aus Kostengründen war eine Fortsetzung des Erneuerbaren-Ausbaus nach der Zielerreichung politisch nicht mehr durchsetzbar. Ein anpassungsfähigeres Regelwerk auf EU-Ebene, das frühe Fortschritte belohnt und Stagnation verhindert, hätte den notwendigen internationalen Druck auf die Entscheidungsträger aufrechterhalten können.

Ausschreibungen helfen bei Kostenkontrolle
Aus den beiden Fallstudien leiten die Autoren mehrere Empfehlungen ab, die Entscheidungsträger bei der künftigen Ausgestaltung der Energiewende-Politik berücksichtigen sollten. „So haben Ausschreibungen gegenüber fixen Einspeisevergütungen unter entsprechenden Rahmenbedingungen den Vorteil, dass sie bei der Kontrolle von Mengen und Kosten des produzierten Ökostroms helfen“, erläutert Konrad Gürtler vom IASS. Ein weiterer wichtiger Punkt sei die Verteilung der Kosten: Beide Fallstudien zeigten, dass die Lobbyarbeit von Unternehmen für den politischen Abbau der Energiewende-Gesetzgebung eine wichtige Rolle spielt. Ausnahmeregelungen für die Industrie stellen eine Strategie dar, um diese potenzielle Quelle des Widerspruchs zu mildern. Allerdings können solche Ausnahmen selbst eine Quelle des politischen Widerstands darstellen. Ein Mittelweg kann eine zeitlich befristete Begünstigung sein.

Die Politik sollte der Studie zufolge den Strukturen des Energiesektors stärker Rechnung tragen. Spanien stehen keine nennenswerten Exportmärkte für überschüssigen Strom zur Verfügung, deshalb hatten die etablierten Versorger ein wirtschaftliches Interesse daran, den Einsatz der Erneuerbaren zu begrenzen. Eine aktive Politik zum Ausbau der Leitungen nach Frankreich hätte den Druck verringern können. Letztlich muss jede Energiewende-Strategie auch Lösungen für die rückläufige Auslastung konventioneller Kraftwerke enthalten.
  • Gürtler, K., Postpischil, R., Quitzow, R. (2019 online): The dismantling of renewable energy policies. The cases of Spain and the Czech Republic. - Energy Policy, 133, 110881. | DOI: http://doi.org/10.1016/j.enpol.2019.110881

Quelle: IASS Potsdam 

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Montag, 2. September 2019

Aktien erneut im Plus


Der Index der Solaraktien (PPVX) stieg letzte Woche um 2,3% auf 1.377 Punkte, der NYSE Arca Oil sank um 3,3%. Seit Jahresanfang 2019 liegt der PPVX mit +53,3% währungsbereinigt rund 49 Prozentpunkte vor dem Erdölaktienindex (+4,0%). Die Top-3-Titel seit Jahresanfang sind Enphase Energy (+527%), SunPower(+152%) und SolarEdge Technologies (+133%).Der PPVX-Börsenwert beträgt rund 38,0 Mrd. Euro. Die grössten Gewinner der Woche waren Sunnova Energy Int. (+22%) und Jinko Solar Holding(+18%), die grössten Verlierer Enphase Energy(-11%) und Shunfeng Int. Clean Energy(-5%). Seit Anfang 2003 liegt der PPVX (+390%) rund 242 Prozentpunkte vor dem Erdölaktien-Index (mit +148%).

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Der Solaraktienindex PPVX erscheint auf Solarmedia jeden Monat neu

Quelle: oeko-invest.net 

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Donnerstag, 29. August 2019

Energiewende braucht einen solaren Schub

Mit einem gewaltigen Wachstumsschub will der Politiker Roger Nordmann die Schweizer Energiewende in die Gänge bringen. Dazu soll insbesondere die Solarenergie radikal ausgebaut werden. 

Roger Nordmann (Mitte) im Gespräch
mit dem neuen Zürcher Regierungsrat
Martin Neukom (rechts) - Bild
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Es war eigentlich schon länger klar, nur die Solarenergie kann's richten. Entsprechend braucht die Energiewende Schweizer Prägung neuen und zusätzlichen Schub, mit kleinen Schrittchen ist sie nicht zu stemmen. Jetzt kommt ein so genannter Solarplan aufs Tapet. Er stammt vom Lausanner SP-Nationalrat und Präsidenten von Swissolar, dem Fachverband für die Solarwirtschaft. Der Plan wurde am Mittwoch anlässlich der Präsentation seines Buches (Sonne für den Klimaschutz - Zytglogge-Verlag) im Züricher Kosmos vorgestellt.  

Nur mit sehr viel mehr Sonnenenergie - bis zu 25mal die bereits installierte Menge - bis zum Jahr 2050 sind die Ziele der Energiewende zu erreichen. Das entspräche dann einer jährlich verfügbaren Solarstrommenge, die jene der Wasserkraft hierzulande noch übersteigt. Damit will Nordmann erreichen, dass nicht nur rechnerisch genügend Strom nach dem Abstellen der Atomkraftwerke zur Verfügung stünde - sondern dass dieser eben auch im Winter helfen könnte, den Bedarf zu decken - wohl gemerkt aus hiesiger Produktion. Zu decken wären dabei auch die Energiebedürfnisse der Gebäude und im Verkehr - was gesamthaft einer deutlich höheren Strommenge als heute entspräche (rund 80 statt 60 Terawattstunden). 

So viele neue Solaranlagen könnten dann im Winter ihren nötigen Beitrag liefern (würden aber immer noch nicht genügen). Und sie produzieren im Sommer gar zu viel - vorderhand nicht speicherbare - Energie, die in der Fachsprache abzuregeln wäre, übersetzt einfach verloren ginge. Was gemäss Nordmann verkraftbar wäre, weil die CO2-Belastung aus ergänzender gasbasierter Winterstromerzeugung geringer wäre als die CO2-Minderung aus der Elektrifizierung von Gebäude- und im Verkehrsbereich. Eine solche Dekarbonisierungsstrategie würde also den CO2-Zielen gerecht.

Der obige Veranstaltungs-Bericht verzichtet bewusst auf verwirrende Zahlenangaben. Sie können dem erwähnten Buch entnommen werden - und kommen hier auf Solarmedia  wieder zur Sprache (zum Buchinhalt siehe weiter auch die Rezension auf Solarmedia vom 20. August 2019).

© Text und Bild: GuntramRehsche / Solarmedia

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Mittwoch, 28. August 2019

Solarenergie konkret

Wer Lust auf Infos zur Solarenergie hat, wird in diesen Tagen in Zürich optimal bedient. Heute findet ein Vortrag statt mit Roger Nordmann, dem Autor des epochalen Buches «Sonne für den Klimaschutz». Und noch das ganze Jahr über führt eine Ausstellung in der Stadtgärtnerei in das Thema ein!

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Heute Mittwoch 28.August um 18.30 Uhr im Kosmos an der Ecke Lagerstrasse /  Langstrasse: Roger Nordmann präsentiert sein neues Buch, das bereits für viele Schlagzeilen gesorgt hat (siehe Bild). Und sogar die Schweizer Stromgiganten haben schon reagiert. Nun also der Autor live zum Buch und im Gespräch mit dem neuen Grünen Regierungsrat des Kantons Zürich, Martin Neukom. Solarmedia hat bereits eine Zusammenfassung des Buchs veröffentlicht (siehe Beitrag vom 20.August 2019)  - ist heute Abend auch vor Ort und wird von der Veranstaltung über Twitter und dann auch hier auf Solarmedia berichten.

Das Buch "Sonne für den Klimaschutz" des Swissolar-Präsidenten und Nationalrats Roger Nordmann entwirft eine nach dem heutigen Stand der Technologie konkret umsetzbare Energiestrategie für unser Land, bei der sich wie heute die Stromimporte und –exporte im Jahresverlauf ungefähr die Waage halten. 

Zentrales Element ist dabei der Ausbau der Photovoltaik-Leistung von heute 2 auf 50 Gigawatt. Dieser Ausbau um den Faktor 25 kann fast ausschliesslich auf Dächern und Fassaden bestehender Gebäude erreicht werden. Und dank der massiven Kostensenkung bei der Photovoltaik ist der so erzeugte Strom billiger als aus jedem anderen neuen Kraftwerk.

Und wer die Veranstaltung nicht besuchen kann, ist gut bedient mit einer anderen: der Ausstellung «Solarstrom für Alle» des Elektrizitätswerks der Stadt Zürich (ewz) -  alle Info über diese beiden Bilder:

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© Text und Bild: GuntramRehsche / Solarmedia

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Freitag, 23. August 2019

Kraftwerk vor Fenster

Eine an der ETH Zürich entwickelte Solarfassade kombiniert Stromproduktion mit intelligenter Beschattung und ermöglicht so Räume mit positiver Energiebilanz.

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Gebäude zu heizen oder zu kühlen benötigt Energie. Mit intelligenten Fassaden könnte man viel davon sparen. Ein an der ETH Zürich entwickeltes System verwendet bewegliche Solarpanels, die Strom produzieren und zugleich genau so viel Sonne durchlassen oder Schatten spenden, wie es Wetter und Raumklima erfordern. Arno Schlüter, Professor für Architektur und Gebäudesysteme, hat mit seiner Gruppe ein Fassadensystem entwickelt, mit der sich der Energiehaushalt von Räumen so regulieren lässt, dass sie über das Jahr gesehen mehr Energie produzieren als verbrauchen. Das zeigt eine Studie, die kürzlich in der Zeitschrift «Nature Energy» erschienen ist.

Die neuartige Fassade besteht aus einem leichten Seilnetz mit reihenweise angeordneten Solarpanels, die einzeln angesteuert und von einem weichen pneumatischen Element vertikal und horizontal bewegt werden. Die sogenannt «weichen Aktuatoren» bilden das Herzstück der Fassade: Dank der Kombination von weichen Materialien, die unter Druck ihre Form verändern, und einem festen U-Gelenk können sie sich auf Wunsch so versteifen, dass sie problemlos nauch einen Sturm überstehen.

Mit mehreren Prototypen auf dem Campus Hönggerberg haben die Forschenden die Wettertauglichkeit der Anlage getestet und Messungen durchgeführt. Sie wollten insbesondere wissen, wie viel mehr Solarenergie die beweglichen Panels im Vergleich zu einer statischen Solarfassade generieren. Das Resultat: Die beweglichen Solarpaneele erzeugten an einem Sommertag rund 50 Prozent mehr Energie als statische Fassaden-Paneele.

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Die Fassade kann aber nicht nur Strom produzieren, sondern auch regulieren, wie viel Licht die Fassade durchdringt und dadurch, wie viel Wärme im Raum entsteht. Ein lernfähiger Algorithmus steuert die Bewegungen der Paneele so, dass die Stromgewinnung und die Einsparungen bei Heizung und Kühlung zusammen einen möglichst geringen Gesamtenergiebedarf ergeben. Dabei berücksichtigt der Algorithmus auch, wie der Raum gerade genutzt wird und optimiert das Klima entsprechend. Um zu eruieren, um wieviel sich der Energiebedarf eines Raumes theoretisch reduzieren lässt, haben die Forschenden anhand der Daten aus dem Prototypen mehrere Szenarien simuliert. Sie berechneten das Energiesparpotenzial von Räumen, die mit beweglichen Solar-Fassaden bestückt sind, in Kairo, Zürich und Helsinki. Dabei haben sie jeweils einen Büro- und einen Wohnraum simuliert.

Die Ergebnisse zeigen: In Büros lässt sich mit der Fassade tendenziell mehr Energie einsparen als in Wohnräumen, in warmen Klimazonen mehr als in kalten, am meisten aber in gemässigten Zonen wie in Mitteluropa. Arno Schlüter resümiert: «Je variabler die Rahmenbedingungen, desto grösser sind die Vorteile der adaptiven Fassade». Die beste Bilanz zeigten die Simulationen für einen Büroraum in einer gemässigten Zone, beispielsweise in Zürich, der gemäss dem neusten Baustandard erstellt wurde. In diesem Szenario, bei dem der Raum über das Jahr sowohl Heizung wie Kühlung bedarf, produzierte die Fassade 115 Prozent der Energie, die für ein angenehmes Raumklima benötigt würde. 

Ein ähnlich gutes Ergebnis zeigt die Simulation für einen Büroraum in einem vor 1920 erbauten Haus in Kairo, für den viel Verschattung und Kühlung benötigt wird. Hier erzeugte die Anlage 114 Prozent der benötigten Energie. Die Studie verspricht also sowohl für Neubauten wie für alte Gebäude Energiesparpotenzial, allerdings muss die Fassade immer im Zusammenspiel mit dem Raum dahinter betrachtet werden. 

«Wir möchten den Widerspruch zwischen Komfort und Energieeffizienz bei Gebäuden auflösen», sagt Arno Schlüter. «Der energieeffizienteste Raum wäre theoretisch nämlich einer ohne Fenster. Es freut uns deshalb zu zeigen, dass wir mit einer intelligenten Schnittstelle zwischen dem Innen- und Aussenraum ein ideales Raumklima und zugleich sogar einen Energie-Überschuss produzieren können.» Die Wirkung der adaptiven Solarfassade wird Schlüters Gruppe bald schon an einem echten Gebäude messen können: Sie ist Teil der futuristischen Gebäude-Einheit «HiLo», die auf der obersten Plattform des Forschungsgebäudes NEST in Dübendorf gebaut wird.

 Quelle: ETH-Z

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