Mittwoch, 27. Juli 2016

Atomstrom unbezahlbar – Solarstrom immer preiswerter

Der Abriss des alten DDR-Atommeilers Lublin sollte ursprünglich 3,2 Milliarden Euro kosten. Doch inzwischen – so eine ARD-Dokumentation vom 25. Juli 2016 rechnen Fachleute mit mehr als den doppelten Kosten, nämlich mit über 6.5 Milliarden Euro – ohne Endlagerung. Spätestens jetzt zeigt sich, dass die alte Behauptung vom billigen Atomstrom schon immer eine Mär war. Atomstrom wird, wenn die Folgekosten der Müll-Lagerung mit berechnet werden, für die Konzerne unbezahlbar. Wir alle werden als Steuerzahler zur Kasse gebeten werden müssen. Das kann man als unfair empfinden, aber es wird genau so kommen - von Franz Alt.

Für den Rückbau ihrer Meiler haben die vier Großkonzerne RWE, Eon, EnBW und Vattenfall in Deutschland 40 Milliarden Euro zurückgestellt. Doch dieses Geld wird nicht reichen, sagt die Energieexpertin des Deutschen Instituts der Wirtschaft (DIW) Prof. Claudia Kemfert. Sie vermutet, dass der Rückbau aller deutschen AKW bis zum Jahr 2.100 mehr als das Vierfache kosten wird, nämlich 169 Milliarden Euro. 

Die Kosten für die Müllentsorgung über etwa eine Million Jahre sind ohnehin niemals zu finanzieren. Das ist weit länger als die Lebensdauer der vier deutschen Energiekonzerne. Sie wirtschaften bis heute nach dem Motto: Nach uns die Sintflut. Zur selben Zeit aber errechnen Wissenschaftler, dass der Solarstrom immer preiswerter wird. Heute kostet die Produktion einer Kilowattstunde Solarstrom in Deutschland etwa zehn Cent. In zehn Jahren wahrscheinlich  noch fünf Cent.

Vor allem Dünnschicht-Solarzellen werden durch immer höhere Wirkungsgrade immer preisgünstiger und effizienter. Sie werden bald billigeren Strom liefern als die schmutzigen Kohle- oder Braunkohlekraftwerke, berichtet die Süddeutsche Zeitung am 26. Juli 2016 auf ihrer Wissenschaftsseite. Der Strom aus der Steckdose kostet heute in Deutschland zwischen 26 und 30 Cent je Kilowattstunde. Doch in Deutschland kann Strom aus Dünnschichtzellen an Haus-Fassaden bald günstiger erzeugt werden als aus Kohle-, Braunkohle- oder Gaskraftwerken. Der Leiter des „Zentrums für Sonnenenergie und Wasserstoff-Forschung in Baden-Württemberg“ (ZSW), hält Wirkungsgrade von 24 oder 25 Prozent bei Dünnschichtzellen bald für möglich - Voraussetzungen für immer günstigere Solarstrompreise in südlichen Ländern wie Afrika, Südasien oder Südamerika. In diesen Regionen wird Solarstrom schon in wenigen Jahren für drei Cent je Kilowattstunden produziert werden können und damit unschlagbar preisgünstig sein – hauptsächlich, weil keine Brennstoffkosten anfallen. Die Sonne schickt uns keine Rechnung. 

Es ist klar, wem die Zukunft gehört: Nicht dem Atomstrom. Bürger zur Sonne, zur Freiheit. Die Süddeutsche titelt: „Sonne zum Sonderpreis“. Nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch gehört die Zukunft den Erneuerbaren.
Quelle: sonnenseite.com 

Dienstag, 26. Juli 2016

Solar Impulse II ist am Ziel

Bertrand Piccard und André Borschberg haben am Steuer von Solar Impulse 2 (Si2), dem schadstofffreien, solargetriebenen Elektroflugzeug, abwechselnd ihren verrückten Traum der ersten Weltumrundung in einem Solarflugzeug verwirklicht. Die Landung in Abu Dhabi fand nach insgesamt 23 Flugtagen, 17 Etappen und 43’041 Kilometern statt.

Das Solarflugzeug zu Zeiten des Probebetriebs
Nach seinem Flug aus Ägypten landete Bertrand Piccard am Dienstag  Morgen um 04.05 Uhr Ortszeit (UTC+4) in Abu Dhabi und beendete die letzte Etappe. Mit dieser Landung schliesst sich der Kreis der historischen Weltumrundung, die am 9. März 2015 begonnen hatte, als Si2 mit André Borschberg am Steuer in Abu Dhabi gestartet war. Bertrand Piccard und André Borschberg wechselten sich am Steuer des 3,8m3 grossen Cockpits des Einsitzers ab, um in 17 Etappen über Asien, den Pazifik, die USA, den Atlantik, das Mittelmeer und den Nahen Osten die Welt zu umrunden. Dabei stellten sie insgesamt 19 Weltrekorde auf, die zum Teil noch vom Weltluftfahrtverband (FAI) bestätigt werden müssen, insbesondere die historische Pionierleistung von André Borschberg, an fünf aufeinanderfolgenden Tagen und Nächten den Pazifik von Japan nach Hawaii zu überqueren (längste Flugdauer für einen Einsitzer) und die erstmalige Überquerung des Atlantiks in einem Solarflugzeug durch Bertrand Piccard. 

Einige Stunden vor der Landung in Abu Dhabi sprach Bertrand Piccard mit UN Generalsekretär Ban Ki-moon, live aus dem Cockpit der Si2: „Solar Impulse hat mehr als 40 Tausend Kilometer ohne Treibstoff aber mit unerschöpflicher Tatkraft und Inspiration zurückgelegt. Dies ist ein historischer Tag für Kapitän Piccard, das Solar Impulse Team und die Menschheit, “ sagte der UN Generalsekretär. „Sie mögen heute die Weltumrundung erfolgreich beenden, aber die Reise in eine nachhaltigere Zukunft hat gerade erst begonnen. Das Solar Impulse Team hilft uns dabei in diese zu steuern.“

Bertrand Piccard und André Borschberg werden in Zukunft weiterhin aktiv für den Einsatz moderner, sauberer Technologien werben, um die Lebensqualität auf der Erde zu verbessern. Dies erfolgt zunächst im Rahmen der bereits angekündigten internationalen Kommission für saubere Technologien, die auf der Initiative #futureisclean aufbaut und die wichtigsten globalen Entscheidungsträger im Bereich sauberer Technologien zusammenbringt, um unabhängige und glaubwürdige energiepolitische Handlungsempfehlungen für Regierungen und Unternehmen zu bieten. Ausserdem wird die Arbeit des Ingenieurteams an unbemannten und leistungsstarken Elektroflugzeugen fortgesetzt, die monatelang in grossen Höhen fliegen können, um exponentiellen Mehrwert zu schaffen und flexible und nachhaltige Unterstützung bei Aufgaben heutiger Satelliten zu leisten.

Die schweizerische Bundesrätin Doris Leuthard
hiess diese aussergewöhnliche Leistung mit einer optimistischen Botschaft für die internationale Gemeinschaft willkommen: „Solar Impulse schaffte das, woran Ikarus scheiterte. Eine Schweizer Idee zeigte der Welt, dass wenn wir in Innovationen und nachhaltige und saubere Energien investieren, alle unsere Träume wahr werden können. Nun müssen wir diesen einzigartigen Erfolg mit einer guten Umsetzung weiterführen“, erklärte sie.


Text: Solar Impulse

Montag, 25. Juli 2016

Solarenergie und Ortsbildschutz

Das Bundesamt für Kultur (BAK) hat ein Pilotprojekt lanciert, das die Produktion von Solarenergie und den Schutz von Ortsbildern besser aufeinander abstimmt. In Zusammenarbeit mit dem Kanton Genf und der Stadt Carouge erarbeitet ein interdisziplinäres Team in den kommenden zwölf Monaten eine Gesamtplanung für die Stadt Carouge, in der intakte Ortsbilder geschont und gleichzeitig geeignete Strategien zur optimalen Förderung von Solarenergie aufgezeigt werden. Diese Planung kann in der Folge auf vergleichbare Gemeinden in der Schweiz übertragen werden. 

Die Schweiz verfügt über ein vielfältiges Kulturerbe. Im Zuge der Energiewende wird die Installation von Solaranlagen stark gefördert. Dies kann im historischen Umfeld zu Zielkonflikten führen, wenn die Anlagen uneinheitlich platziert werden. Das Bundesamt für Kultur (BAK) lässt untersuchen, wie die beiden Anliegen – Produktion von Solarenergie und Schonung des Ortsbilds – besser in Einklang gebracht werden können.

Das BAK hat deshalb einen Auftrag an ein interdisziplinäres Team unter der Leitung der Haute école du paysage, d’ingénierie et d’architecture (Hepia) vergeben. Dieses Team wird in Zusammenarbeit mit den Ämtern für Energie, Städtebau und Denkmalpflege des Kantons Genf sowie der Stadt Carouge aufzeigen, wie der individuelle Ansatz und Anreiz zur Installation von Solaranlagen überwunden und die Ortsbilder erhalten werden können.

Die Planung bezweckt eine höhere Rechtssicherheit für öffentliche wie private Eigentümerschaften und reduziert den Verwaltungsaufwand bei Bewilligung und Installation der Anlagen. Dabei werden alle erforderlichen gesetzlichen, ökonomischen und technischen Rahmenbedingungen einbezogen. Es wird untersucht, wie mit verschiedenen Installationsarten, neuen Technologien und Modellen baukulturverträgliche Massnahmen entwickelt und gefördert werden können. Aufgrund der Identifikation von Faktoren, die die Solarenergieproduktion begünstigen oder behindern, werden Perimeter mit unterschiedlichen Bestimmungen ausgeschieden.

Der Schlussbericht, ergänzt durch Karten und Pläne, wird im Herbst 2017 vorliegen. Die Resultate können danach auf weitere Schweizer Gemeinden übertragen werden. Dieses Projekt ist das erste Element der in der Kulturbotschaft 2016–2020 angekündigten «Materialien Energiewende». Diese sollen aufzeigen, wie bauliche Massnahmen geplant und ausgeführt werden können, ohne die baukulturellen Werte des Bestandes zu beeinträchtigen.


Bundesamt für Kultur (BAK): Brigitte Müller, Sektion Heimatschutz und Denkmalpflege, Tel. 058 463 54 72

Kanton Genf, Département de l’aménagement, du logement et de l‘énergie (DALE):
Olivier Epelly, Leiter des kantonalen Energiedepartements, Tel. +41 (0)22 327 93 64
Sabine Nemec-Piguet, Leiterin des Amtes für Heimatschutz und Denkmalpflege, Tel. +41 (0)22 546 60 95.

Stadt Carouge: Pascale Lorenz, cheffe du service de l’urbanisme de la Ville de Carouge, tél. +41 (0)22 307 89 82

Herausgeber: Bundesamt für Kultur Internet: http://www.bak.admin.ch  

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Freitag, 22. Juli 2016

Photovoltaik wird wichtigste Energiequelle

Laut einer neuen Studie von Frost & Sullivan (London, UK) etabliert sich die Photovoltaik weltweit als eine der wichtigsten Energie-Technologien. Zu den Marktbeschleunigern zählten nicht nur Umweltziele, Energieunabhängigkeit und die dezentrale Energieerzeugung, sondern vor allem Solarstrom-Einspeisevergütungen - so die Zusammenfassung von solarserver.de.
 
Zusammen mit regulatorischen Vorgaben und Förderprogrammen sanken auf diese Weise die Solarstrom-Gestehungskosten (LCOE). Frost & Sullivan rechnet damit, dass mit zunehmenden Skaleneffekten sowohl kleine Solarstrom-Anlagen als auch große PV-Kraftwerke im Jahr 2020 Netzparität erreichen. Daher erwarten die Marktforscher ein kräftiges Wachstum bei Anbietern von Rohmaterialien, Herstellern von Solarzellen und Photovoltaik-Modulen, Anbietern von Komponenten sowie Systemintegratoren und Installateuren. Laut der Studie „Global Solar Power Market – 2016 Update“ betrug der globale Marktumsatz im vergangenen Jahr 113,75 Milliarden USD und wird mit einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von 9,5 % bis 2020 auf 179,13 Mia. USD wachsen. Gleichzeitig soll die installierte Photovoltaik-Leistung von 50,78 GW auf 76,6 GW wachsen (8,6 % CAGR). 

„Solar-Förderprogramme und die kürzlich beschlossenen Klimaziele von COP 21 stellen sicher, dass der PV-Markt auch in den kommenden 5 Jahren exponentiell wächst“, sagte der Analyst Pritil Gunjan. „Weitere Markttreiber sind die Netzintegration von erneuerbaren Energien und Initiativen, um Investitionen in Energiespeicher auszulösen.“ Bei den Regionen wird das aggressivste Wachstum in Asien erwartet. Gründe sind das Wirtschaftswachstum, die zunehmende Urbanisierung und Elektrifizierung

Der Marktanteil Asiens wird bis 2020 voraussichtlich auf 64,1 % wachsen, wobei der größte Teil (80 % des Zubaus der nächsten 5 Jahre) auf China, Indien und Japan entfällt. Auch in Nordamerika rechnen die Marktforscher mit einem kräftigen Wachstum, u. a. aufgrund der Verlängerung der ITC-Förderung bis 2019, technologischer Fortschritte und neuer Solar-Leasing-Modelle. Europa wird wohl eher einen Rückschlag erleben, da Förderprogramme auslaufen, enorme Überkapazitäten vorhanden sind und die Preise für Solarmodule sinken, was es Anbietern schwer machen wird, Gewinne zu erzielen. In neuen Märkten in Lateinamerika und Afrika hingegen werden Investitionen in die Netzinfrastruktur erwartet, hauptsächlich in abgelegenen Gebieten, was die Nachfrage ankurbeln könnte. 

Weitere Informationen: frost.com/

Quelle: Frost & Sullivan | solarserver.de

Donnerstag, 21. Juli 2016

Grösste Solarmodul-Fabrik der Schweiz

Neuer Standort, doppelte Kapazität: Der Solarmodul-Hersteller Megasol Energie AG hat in Deitingen (SO) seine Produktionsstätte erweitert. Mit einer Jahreskapazität von 80 Megawatt ist sie die grösste der Schweiz und eine der grössten Europas.
Blick in die neue Modulproduktion von Megasol
Megasol produziert seit 2013 in der Schweiz Solarmodule mit Glas-Glas-Technologie. Nach der Übernahme des ehemaligen ABB-Industrieareals im Oktober 2015 wurde die bestehende Solarmodul-Produktion von Langenthal nach Deitingen umgezogen und weiter ausgebaut. „Dank den besseren Platzverhältnissen und der Erhöhung des Automatisierungsgrades konnten wir die Kapazität auf 80 Megawatt verdoppeln“, erklärt Gründer und CEO Markus Gisler. Damit können pro Jahr weitere 17'000 Haushalte mit Solarstrom versorgt werden.

Sichere Rendite während Jahrzehnten: Produktionsschwerpunkt sind gebäudeintegrierte Photovoltaik-Lösungen wie beispielsweise dachintegrierte Hochleistungs-Solarmodule oder Elemente für Fassaden und Überdachungen. Diese können in beliebigen Farbtönen und sogar mit unsichtbaren Solarzellen hergestellt werden. Deren Einsatz lohnt sich als Alternative zur herkömmlichen Gebäudehülle, da sie bei nur geringfügig höheren Investitionskosten einen regelmässigen Ertrag abwerfen und sich über die Jahre selber amortisieren.

Die hochwertigen Fabrikate weisen eine Lebensdauer von über 50 Jahren auf. „Durch die längere Amortisationszeit haben unsere Swiss-Made-Module ein besseres Preis-Leistungsverhältnis als herkömmliche Solarmodule“, betont Gisler. Aus diesem Grund kommen sie auch oft in Grossprojekten zum Einsatz, bei denen die langfristige Planungssicherheit der Rendite im Fokus steht.

200 Arbeitsplätze entlang der Wertschöpfungskette: Anlässlich des Umzugs nach Deitingen hat Megasol ausserdem den Cleantech Businesspark ins Leben gerufen. Unter dessen Dach sind zahlreiche weitere Cleantech-Firmen ansässig geworden. Heute arbeiten am Standort bereits knapp 100 Personen in den Bereichen Gebäudeintegrierte Energieerzeugung, Smartgrid-Technologien, Speichersysteme und nachhaltige Mobilitätslösungen. In den nächsten fünf Jahren sollen nochmals rund 100 Arbeitsplätze angesiedelt werden.

Der Cleantech Businesspark und die Solarmodul-Fabrik als sein Herzstück werden am Freitag, 16. September 2016 offiziell eingeweiht und der breiten Bevölkerung vorgestellt. Ab 15 Uhr erwarten die Besucher Führungen durch die Fabrik, Präsentationen zum Thema Solarstrom und Energieeffizienz sowie ein begleitendes Unterhaltungsprogramm.


Quellen: www.megasol.ch   www.cleantechbusinesspark.ch

Freitag, 15. Juli 2016

Soziale Faktoren beeinflussen Energiewende

Was mein Nachbar hat, will ich auch: Ob Solarpanels auf dem eigenen Dach installiert werden, hängt vom sozialen Umfeld ab. Das zeigt eine Studie des Mannheimer Forschers Dr. Christoph Siemroth und seiner Kollegen Justus Inhoffen (Universität Amsterdam) und Dr. Philipp Zahn (Universität St. Gallen). Die Ergebnisse lassen Schlüsse zu, wie sich die Kosten der Energiewende senken lassen.

Der Ausbau erneuerbarer Energien ist ein zentraler Punkt in der Energiewende. Stromverbraucher in Deutschland unterstützen den Bau von Solarpanels durch eine Abgabe im Rahmen des Erneuerbare Energien Gesetzes (EEG). Zu beobachten ist in Deutschland eine starke lokale Konzentration von Solarpanels. Welche Gründe es hierfür gibt, hat der Mannheimer Ökonom Dr. Christoph Siemroth gemeinsam mit Kollegen in einer aktuellen Studie untersucht. Die Ergebnisse zeigen: Die Wahrscheinlichkeit, ein Solarpanel zu bauen steigt, wenn Nachbarn und Bekannte auch eins haben. Dabei spielt die Tatsache, ob die Region sonnenarm oder sonnenreich ist, keine entscheidende Rolle.

Für ihre Untersuchung haben die Wissenschaftler Daten der vier deutschen Netzbetreiber verwendet, welche die Installationszeitpunkte und Postleitzahlen aller EEG-geförderten Solarpanels von 2000 bis 2012 aufweisen. Um den Effekt sozialer Interaktion auf den Panelausbau zu berechnen, suchten sie für jede Gemeinde, als gerade deren erstes Panel installiert wurde, eine vergleichbare Gemeinde, wo noch kein Panel installiert wurde. Während in der Gemeinde mit existierenden Panels soziale Interaktionen stattfinden können (die Betreiber können etwa von ihren Erfahrungen berichten und eine Panelinstallation empfehlen), ist dies in der Gemeinde ohne Panels nicht möglich. Die Forscher beobachteten dann die Unterschiede im Panelausbau für alle Paare solcher vergleichbaren Gemeinden über einen Zeitraum von einem Jahr. Es wurden rund 11.000 Gemeindepaare für die Analyse ausgewertet.

Die Ergebnisse der Studie bestätigen die Hypothese, dass soziale Interaktion den Panelausbau maßgeblich beeinflusst: Die Anzahl der neu installierten Panels ist in Gemeinden mit existierenden Solarpanels um etwa 50 Prozent höher als in den vergleichbaren Gemeinden ohne Panels. Die Wahrscheinlichkeit, dass mindestens ein weiteres Panel innerhalb eines Jahres installiert wird, ist um etwa 25 Prozent höher. Der soziale Effekt auf den Panelausbau ist in Gebieten mit höherer Sonneneinstrahlung und niedrigerer Arbeitslosigkeit stärker. Zudem zeigte sich, dass der soziale Effekt den Panelausbau ebenfalls, wenn auch in abgeschwächter Form, in weniger geeigneten Gebieten mit niedriger Sonneneinstrahlung beeinflusst.

Wie die Studie zeigt, machen die über dem Marktniveau liegenden EEG-Zahlungen den Panelausbau auch in Gebieten attraktiv, wo es sich weniger lohnt zu installieren. „Aus wirtschaftlicher Perspektive ist dies ineffizient, da das gleiche Panel an anderer Stelle in Deutschland deutlich mehr Strom produzieren könnte“, erklärt Dr. Christoph Siemroth. „Schließlich ist es im Sinne der Verbraucher, wenn deren Mittel bestmöglich eingesetzt werden.“

Siemroth und seine Kollegen ziehen daher folgende Schlüsse für das bestehende EEG: „Die Fehlanreize durch die gegenwärtige Förderung des EEG sind wohlbekannt und wurden etwa vom Sachverständigenrat bereits kritisiert. Unsere Ergebnisse zeigen, dass diese Fehlanreize jedoch noch stärker sind als allgemein erwartet. Die Entlohnung der Solarpanels sollte daher umso mehr wettbewerbsorientiert gestaltet werden. Ein geeignetes Auktionsverfahren etwa würde den Zuschlag vorrangig an die Panelbetreiber geben, die am günstigsten produzieren, und das würde auch den Nachahmungsausbau in Gegenden mit ineffizient niedriger Sonneneinstrahlung beschränken. Zusammen könnte es die Kosten der Energiewende senken.“


Link zur Studie:  http://ssrn.com/abstract=2796130

Quelle: Universität Mannheim