Sonntag, 17. Februar 2019

Sonne und Wind statt Braunkohle / Atomstrom

Freitag für Freitag gehen seit Wochen weltweit Zehntausende junge Leute auf die Straße, um per „Schulstreik“ gegen die Klimaerhitzung zu protestieren – nach dem Vorbild der 16-jährigen behinderten Greta Thunberg in Schweden. Ein Kommentar des deutschen Energiepublizisten Franz Alt, der nicht nur für das nördliche Nachbarland gilt.

Der Greta-Effekt wird am 15. März 2019 Hunderttausende Schüler und Studenten auf der ganzen Welt auf die Straßen treiben – beim Welt-Demonstrationstag der Jugend. „Ein historischer Erfolg für die Bewahrung der Natur“: In Bayern haben soeben 1.7 Millionen Menschen die Petition „Rettet die Bienen“ unterschrieben. Die Aktion dürfte  der erfolgreichste deutsche Volksentscheid aller Zeiten werden - auch ein Votum für mehr Klimaschutz und gegen das Artensterben.

Nach dem Hitzesommer 2018 haben sich bei den Landtagswahlen in Bayern und Hessen die Stimmen für die Grünen verdoppelt und die alten Parteien haben dramatisch verloren. Doch was machen die Klima-Ignoranten der Groko in Berlin? Sie begreifen immer noch nichts. Das geplante Klimaschutz-Gesetz wurde jetzt von der Tagesordnung genommen, weil Union und SPD einen Koalitionskrach vermeiden wollten. Eine Ohrfeige für die Umweltministerin, die das Gesetz kommende Woche der Öffentlichkeit präsentieren wollte. 

Klimaerwärmung ist größte Sorge: Weltweit sagen die Menschen bei Umfragen, vor dem Klimawandel hätten sie am meisten Angst. Er sei die größte Bedrohung unseres Jahrhunderts. Doch die Groko in Berlin hat noch mehr Angst vor sich selbst und vor einer klaren Entscheidung. So treibt man Wählerinnen und Wähler zur Verzweiflung, wenn man die größte Herausforderung verdrängt und vor der alten Energiewirtschaft in die Knie geht. Gier, Geschäft und Gewinn aus dreckigen Energien sind wichtiger als Gesundheit und Zukunft und das Wohl der jungen Generation

Die Dummheit der zurzeit in Berlin Regierenden scheint grenzenlos. Die Angst vor der Kohle-Lobby ist noch größer als die Angst vor den Wählern. Kohle-Ausstieg bis 2038 empfiehlt die Kohlekommission der Bundesregierung. Als hätten wir ewig Zeit, die Klimaerhitzung zu bekämpfen. Dabei sagen uns fast alle Klimaforscher auf der ganzen Welt, dass wir so rasch wie möglich das fossile Zeitalter hinter uns lassen und zu 100% auf erneuerbare Energien umsteigen müssen.

Und: dass dieser Umstieg nicht nur ökologisch nötig ist, sondern auch ökonomisch sinnvoll, weil er Gewinn bringt. Und weit mehr neue Jobs schafft als bei den alten Energieträgern verloren gehen. Ein Kohleausstieg bis 2028 ist möglich. In Deutschland kann heute die Kilowattstunde Solarstrom für ca. fünf Cent produziert werden, in Afrika, in Südindien, Chile oder in arabischen Ländern bereits für ca. 2,5 Cent. Deshalb plant jetzt die EnBW, die ersten großen Solar- und Windparks ohne jede staatliche Förderung zu errichten. Doch die deutsche Politik verschläft den richtigen Zeitpunkt für den Einstieg ins Solarzeitalter. Solarstrom und Windstrom sind schon heute die Billigmacher der Energiewende.

Mit Erneuerbaren den Strompreis deutlich senken: Seit dem Jahr 2.000, seit dem Erneuerbare-Energien-Gesetz, ist der Preis für Strom aus Solaranlagen um 90% gesunken. Und diese sensationelle Preisentwicklung zugunsten der erneuerbaren Energien und zu Lasten der fossil-atomaren Energieträger ist noch lange nicht am Ende. Sonne und Wind schicken keine Rechnung.

Hoch subventionierter Strom aus Kohlekraft oder Atomkraft ist nicht nur teurer als erneuerbarer Strom, sondern hat auch riesige Folgekosten für künftige Generationen. Aber die heutige Kurzfristpolitik der Groko interessiert sich nicht für die künftigen Generationen. Dabei können Solar- und Windstromanlagen sinnigerweise auf ehemaligen Braunkohle-Tagebaustätten betrieben werden – am intelligentesten als Bürgerenergie-Anlagen von Genossenschaften oder durch Stadtwerke oder Kommunen. Worauf warten wir denn noch?

Quelle: sonnenseite.com

Freitag, 15. Februar 2019

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Mittwoch, 13. Februar 2019

Ernst Schweizer AG: Auch solar erfolgreich

Die Ernst Schweizer AG mit Sitz in Hedingen (ZH) konnte das Jahr 2018 mit einem Wachstum von vier Prozent beim Auftragseingang gegenüber Vorjahr abschliessen. Das Familien-Unternehmen pflegt laut dem Mediencommuniqué ein sorgfältig diversifiziertes Sortiment in Technik, Design und Energie. Zum guten Abschluss haben die Geschäftsbereiche Fassaden, Holz/Metall, Fenster, Briefkästen und Paketboxen sowie Solarsysteme beigetragen.

PV-Montagesystem MSP-FR-EW
beim Dienstleistungs-Center
Walter Meier (Klima Schweiz)
in Schwerzenbach
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Bei eben diesen Sonnenenergie-Systemen erwies sich das Photovoltaik-Montagesystem MSP als Zugpferd und konnte ein grosses Umsatzwachstum erzielen. Nähere Angaben macht das Familienunternehmen zu den Zahlen einzelner Geschäftsbereiche traditionellerweise nicht. Schweizer ist aber einer der letzten operationell im Solargeschäft in grösserem Stil tätigen Schweizer Unternehmen. Beim ebenfalls wichtigen Geschäftsbereich Fassaden war der Gewinn von perfekt auf die Kernkompetenzen zugeschnittenen Fassaden von grossen Überbauungen und Hochhäusern ausschlaggebend, wie beispielsweise die Projekte «Helix» in Cham, «Centurion Tower» in Brugg oder das Kompetenzzentrum «OYM» für Spitzenathletik und Forschung in Cham. 

Auch die vielen Produktinnovationen und die stetige Weiterentwicklung des umfassenden Produktsortiments haben zu diesem guten Ergebnis beigetragen. So sorgt zum Beispiel das isolierte Minimal-Fenster mit seinen grossen Glasflächen und den schlanken Profilen für einen maximalen Lichteinfall und schafft ein neuartiges, transparentes Raumgefühl. Und mit der PaketboxCasa wird das Versenden und Empfangen von Paketsendungen rund um die Uhr jetzt auch fürs Ein- und Zweifamilienhaus zur praktischen Lösung. Für den Export wurde eine leichte Holz/Metall-Schiebetüre entwickelt. 

Auch für 2019 erwartet die Ernst Schweizer AG für alle Geschäftsbereiche ein Wachstum. Der optimistische Ausblick gründet gemäss Medienmitteilung zum einen auf den bereits gut gefüllten Auftragsbüchern, aber auch in den vielen Produktneuheiten sowie in einer klaren Unternehmensstrategie mit Massnahmen zur weiteren Verbesserung der Produkte, des Vertriebs sowie der Produktivität.

Sonntag, 10. Februar 2019

Vielleicht doch - nicht?

Es könnte einer der ersten greifbaren Erfolge der Jugend-Klima-Demonstrationen werden: Die kleine Kammer des Schweizer Parlamentes scheint bereit, eine Flugverkehrs-Ticket-Abgabe einzuführen. Sie könnte dank neu verfügbarer Finanzmittel der für die Klimaproblematik so wichtigen Energiestrategie Impulse verleihen, vor allem über den dringend nötigen Ausbau der Solarstrom- und -wärmeproduktion.

Solaranlage auf Parkhaus
Flughafen Zürich - als ein Beispiel
Jetzt also vielleicht doch: Der klimaschädliche Flugverkehr soll auch in der Schweiz mit einer Abgabe verteuert und damit eingeschränkt werden. Wobei eine spürbare Einschränkung trotz einer solchen Steuer allerdings in den Sternen steht. Wenn die NZZ am Sonntag heute von der Bereitschaft der Mitglieder des Ständerats berichtet, das Fliegen entgegen den Intentionen des Nationalrats doch zu verteuern, taucht auch sofort die Frage auf: Wohin mit dem vielen Geld, das da zusammenkommt – selbst wenn die Abgabe tief wäre ginge der Betrag schnell mal in die Hunderte von Millionen Franken.

Klar, dass PolitikerInnen um Vorschläge nicht verlegen sind. So will etwa der Zürcher FdP-Ständerat Ruedi Noser, der sich ja mit dem Einsitz in Komitee der Gletscher-Initiative hervorgetan hat, die Elektrifizierung der Flugzeuge vorantreiben. Ich hätte da eine andere Idee, nicht unbedingt neu, aber im Rahmen der Klimadiskussionen vielleicht doch noch zielgerichteter. Wie etwa Swisscleantech und auch die Agentur für Erneuerbare Energien und Energieeffizienz (siehe Solarmedia vom 3.2.19) schon gefordert haben, muss unbedingt und vordringlich der Ausbau der Erneuerbaren Energien vorangetrieben werden – und weil dabei in der Schweiz die Solarenergie im Vordergrund steht, muss die Photovoltaik ebenso wie die Solarwärmegewinnung gewaltig gepusht werden. Konkrete Vorschläge sind etwa:

·      Solardächer für alle Schulhausbauten der Schweiz – finanziert durch Bund und Kantone resp. Mittel aus der Flugverkehrsabgabe. Das könnte leicht einmal den bisherigen Zubau (200 bis 300 Megawatt Leistung jährlich) um die Hälfte steigern. Und hätte die erwünschte Zusatzwirkung, dass die SchülerInnen des Landes mit der neuen Energiequelle vertraut werden (siehe Solarmedia Video vom 5.12.18).
·      Ein gleiches Programm ist für öffentliche Bauten von Bund, Kantonen und Gemeinden denk- und wünschbar – wie Gemeindehäuser, Quartierbüros / -anlagen in grösseren Städten, Infrastrukturbauten wie Werkhöfe.
·      Propagierung und Unterstützung von Eigenverbrauchsgemeinschaften, welche den Zugang zur Solarenergie für MieterInnen vorantreiben. Diesbezüglicher Abbau vorhandener regulatorischer Restriktionen. Zu prüfen ist auch, inwieweit die noch immer mehreren hundert Elektrizitätswerke in der Schweiz durch ein Anreizprogramm zur Förderung solcher Eigenverbrauchsgemeinschaften animiert werden können.
·      Forschungsprogramme, die die Optionen eines weiteren Ausbaus überprüfen und bestmögliche Wege aufgrund von Versuchsprojekten aufzeigen.
·      Neben der Solarstromproduktion – die über den Einsatz bei neuen Wärmepumpen bereits auch für die Heizwärme nutzbar ist – bedarf es spezifischer Förderung der Solarwärmeproduktion. Denn die Gebäude- und Prozesswärme für die Industrie sind noch immer der grösste Energiefresser unseres gesellschaftlichen Daseins.
·      Um das Mass vollzumachen – aber vor allem um der Komplexität der Klima- und Energiefrage gerecht zu werden - ist die Elektrifizierung der Mobilität mit gezielten Projekten voranzutreiben, denn der Solarstrom ist bei Realisierung obiger Massnahmen dann ja vorhanden – oder wie  die Gegner einer solchen Entwicklung stets monieren – sogar im Überfluss. Wenn dabei etwas für den Flugverkehr getan wird, soll es recht sein – zuvorderst auf der Prioritätenliste aber steht das sicher nicht.

© Text: GuntramRehsche / Solarmedia

Montag, 4. Februar 2019

Grosser Schritt für Edisun Power


Im Rahmen ihrer Wachstumsstrategie macht die Schweizer Solar-Beteiligungsgesellschaft Edisun Power einen weiteren, signifikanten Schritt. Die Gesellschaft hat die Verträge zum Kauf eines 49 MW-Photovoltaik-Bauprojektes im Nordosten Portugals unterzeichnet. Verkäuferin des Projektes ist die Schweizerische Smartenergy Invest AG. Der Vollzug des Verkaufs ist von marktüblichen Bedingungen abhängig und soll spätestens im zweiten Quartal 2019 abgeschlossen werden. 

Zwischen Edisun Power und Smartenergy besteht eine etablierte Geschäftsbeziehung. Im Februar 2017 kaufte Edisun Power von Smartenergy das 12 MW-Projekt Requena bei Valencia in Spanien. Seit dem Anschluss im März 2018 speist die Anlage mit erfreulichen Leistungswerten ins Netz ein. Im Rahmen der neuen Transaktion wird sich die Smartenergy mittels einer Kapitalerhöhung durch Sacheinlage an der Edisun Power beteiligen. 

Die neue 49 MW-Anlage läutet eine neue Ära für Edisun Power ein, da die produzierte Energie ohne jegliche staatliche Subventionen oder Einspeisetarife am Markt verkauft werden wird. Dank der hohen Sonneneinstrahlung und tiefen Investitionskosten liegen die Produktionskosten weit unter den aktuellen Marktpreisen. Zur Absicherung der Erträge ist für die ersten Betriebsjahre vorgesehen, ein PPA (Power Purchase Agreement) mit preislich festen Abnahmeverpflichtungen abzuschliessen. 

Der Bau der Anlage wird noch dieses Jahr beginnen und die Anlage sollte im ersten Halbjahr 2020 ans Netz angeschlossen werden. Auf einer Fläche von gut 65 Hektaren werden jährlich rund 80 Millionen Kilowattstunden Strom produziert, was einem Jahresbedarf einer Stadt mit rund 20'000 Einwohnern entspricht. Das Projekt wird auf annualisierter Basis ab 2020 ein Nettoergebnis von rund CHF 1 Mio. erzielen. 

Die Investition wird aus bestehenden Mitteln, einer Projektfinanzierung sowie einer Kapitalerhöhung durch Sacheinlage abgedeckt. Die Sacheinlage erfolgt durch Ausgabe von 80'715 Aktien aus dem genehmigten Kapital, womit die Smartenergy nach Abschluss der Transaktion einen Anteil von rund 13.6% an Edisun Power halten wird. Anlässlich der Generalversammlung der Edisun Power vom 17. Mai soll ein Vertreter von Smartenergy zur Wahl in den Verwaltungsrat vorgeschlagen werden, was die engere strategische Zusammenarbeit untermauert. Die Transaktion markiert gemäss dem Unternehmen nicht nur einen weiteren wichtigen Meilenstein in der Entwicklung der Gruppe, sondern mit der Beteiligung der Smartenergy Invest AG auch ein klares Zeichen der Fortsetzung der Wachstumsstrategie. 

Quelle:  www.edisunpower.com

Sonntag, 3. Februar 2019

Ohne Alternative: Es braucht Ausbau der EE

Der Bundesrat hat mit der Revision des Stromversorgungsgesetzes nur die halbe Arbeit gemacht. Die Dachorganisation der Schweizer Wirtschaft, AEE SUISSE, begrüsst zwar die verschiedenen Liberalisierungsschritte. Es mangelt gemäss folgender Medienmitteilung der Vorlage aber an einem verbindlichen Ausbaupfad für erneuerbare Energien (EE). Die Energiestrategie 2050 ist demnach als übergeordnetes und verbindliches Regelwerk für die Gestaltung des Stromversorgungsgesetzes und damit des neuen Strommarktdesigns zwingend zu berücksichtigen.
Im 2017 hat die Schweiz mit der Energiestrategie 2050 und der Ratifizierung des Pariser Klimaabkommens zwei zentrale und die Schweizer Energie und Klimapolitik prägende Entscheide gefällt. Jede nachgelagerte Legiferierung im Energie- und Klimabereich hat sich konsequent und kompromisslos an diesen beiden Grundsatzentscheiden zu orientieren. Die Ziele sind klar: ein starker Ausbau der erneuerbaren inländischen Energien, eine Steigerung der Energieeffizienz sowie eine massive Reduktion der Treibhausgase. Damit diese Ziele erreicht werden können, muss auf das 1. Massnahmenpaket der Energiestrategie 2050, deren erste Elemente 2022 auslaufen werden, ein weiteres Paket folgen. Ohne zusätzliche Investitionsanreize ist die Energiestrategie nicht zu realisieren. Die AEE SUISSE hat dazu im Rahmen ihres integralen Marktmodells  ausführlich Stellung genommen.
Ausbau der inländischen Stromproduktion fördert die Versorgungssicherheit: Die Revision des StromVG muss auf diese Herausforderung der Transformation des Energiesystems eine Antwort geben und deshalb auch Instrumente ausweisen, die Investitionsanreize in inländische, erneuerbare Stromproduktion garantieren. Diese lassen sich unterschiedlich ausgestalten: als Einspeiseprämie mit Direktvermarktung, welche die Differenz zwischen dem Marktpreis und den Gestehungskosten ausgleicht, als investitionsbezogene Einmalvergütung oder im Rahmen von Ausschreibungen (Auktionen). Gianni Operto, Präsident AEE SUISSE: «Der Markt ist bereit für die Umsetzung der Energiestrategie 2050. Er braucht aber klare Signale und ein dazu passendes Strommarktgesetz. Noch haben wir hier grossen Optimierungs- und Handlungsbedarf.»
Positives mit viel Luft nach oben: Die AEE SUISSE ist im Grundsatz mit der Einführung eines wettbewerblichen Strommarktes einverstanden, der aber zwingend an einen verbindlichen Ausbaupfad für erneuerbare Energien gekoppelt sein muss. Auch wird das Festhalten am Prinzip der Grundversorgung mit einem Mindestanteil an erneuerbaren Energien begrüsst. Der Anteil muss aber, soll er tatsächlich im Sinne der Energiestrategie Wirkung entfalten, auf 100% erhöht werden. Die AEE SUISSE traut grundsätzlich den Marktteilnehmern zu, dass sie selber für Reserven besorgt sind gemäss ihren eingegangenen Lieferverpflichtungen. Die aktuelle Gesetzgebung liefert eine genügend verbindliche Grundlage für Interventionen der Akteure Elcom und Swissgrid. Die AEE SUISSE versteht aber den Ruf nach Schaffung einer Speicherreserve zur zusätzlichen Absicherung der Schweizer Versorgungssicherheit im Energy-Only-Markt bei unvorhersehbaren ausserordentlichen Ereignissen (wie extremen und andauernden Wetterlagen). Diese aktive Reserve soll technologieneutral ausgestaltet sein und lediglich als Ergänzung zum Energy-Only-Markt im Sinne einer Versicherung zum Einsatz kommen. Das vorgeschlagene Netznutzungsentgelt erachtet die AEE SUISSE als ungenügend und nicht den Realitäten einer zunehmend dezentralen Energieversorgung entsprechend, wie sie mit der Energiestrategie 2050 angestrebt wird. Und schliesslich fordert die AEE SUISSE einen Paradigmenwechsel beim Messwesen, der es erlaubt, mit dezentralen (privaten) Messinfrastrukturen erhobene Daten – wie sie insbesondere durch Smart-Home-Anwendungen generiert werden - für Markt- und Abrechnungszwecke einzusetzen. Damit wird die Installation eines Verteilnetzbetreiberzählers in diesen Fällen obsolet und eine Ablösung von den zentralen Strukturen hin zu dezentralen Strukturen und einer kundenzentrischen Sichtweise befördert. Mit dieser vorgeschlagenen Liberalisierung der Messdaten wird die Zuständigkeit für die Messung der Netzbetreiber um die Möglichkeit ergänzt, dass die Verteilnetzbetreiber die Daten von intelligenten Messsystemen von Privaten beziehen.

Auch der Wirtschaftsverband der Cleantech-Unternehmen hat sich zum Strommarktgesetz geäussert und hält unter anderem fest: Swisscleantech begrüsst zwar die vom Bundesrat vorgeschlagene Liberalisierung des Strommarkts. Doch der Vernehmlassungsentwurf zur Revision des Stromversorgungsgesetzes ist ungenügend. Es fehlen Anreize für den dringend nötigen Ausbau der inländischen erneuerbaren Stromproduktion.

Die geplante vollständige Öffnung des Schweizer Strommarkts bietet den Versorgungsunternehmen die Chance für neue, innovative Dienstleistungen. Zudem ist die Marktöffnung eine Bedingung, um mit der EU das für die Schweiz wichtige Stromabkommen abzuschliessen. Dem vorliegenden Entwurf des Stromversorgungsgesetzes (StromVG) kommt aber nur die Bedeutung einer Zwischenrevision zu. Es fehlen zentrale Reformschritte, um die aktuellen Herausforderungen der Energieversorgung zu adressieren.
 
«Obwohl die bestehenden Förderinstrumente für den Ausbau erneuerbarer Energien bald auslaufen, enthält der vorliegende Entwurf keine neuen Anreize. Damit droht die Gefahr, dass die Schweiz die Ausbauziele der Energiestrategie 2050 verfehlt. Was es jetzt braucht, sind grundlegend neue Anreize, um Investitionen in inländische, erneuerbare Stromproduktion sicherzustellen. Die Preissignale des Markts werden nicht ausreichen», sagt Christian Zeyer, Geschäftsführer von swisscleantech. 

Netztarife, damit das Stromnetz optimal genutzt wird: Ungenügend ist auch der Vorschlag des Bundesrats, den Leistungsanteil der Netztarife auf 50% zu erhöhen. Ein effizienter Strommarkt braucht Netznutzungstarife, welche die Kostenwahrheit abbilden. Dabei soll sich die Entschädigung der Netzkosten nach der effektiv verwendet Infrastruktur sowie deren Knappheit richten. So wird das Netz optimal genutzt und die Kosten für den Netzausbau können minimiert werden.
 
«Solange die Netznutzungstarife keine Kostenwahrheit garantieren, ist davon abzusehen, den Leistungstarif zu erhöhen. Diese Änderung bringt das Geschäftsmodell von PV-Anlagen, das auf Eigenverbrauch basiert, in Gefahr. Eine Absenkung des Arbeitstarifs verschlechtert die Rentabilität von PV-Anlagen, was sich negativ auf den weiteren Ausbau auswirkt», so Zeyer.


Quelle: erwähnte Verbände