Freitag, 6. Dezember 2019

Europäer wollen Umweltschutz

Was erwarten die Europäer von Europa? Die aktuelle Ausgabe der "eupinions" zeigt, dass Umweltschutz ganz oben auf der To-do-Liste vieler Bürger steht. Persönlich sorgen sich die Europäer aber vor allem um steigende Lebenshaltungskosten und ihre Arbeitsplätze.

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Ginge es nach den Europäern, müsste sich Brüssel vor allem um Umweltschutz sowie wirtschafts- und sozialpolitische Maßnahmen kümmern. Befragt nach den Themen, die ihnen zurzeit besonders wichtig und schützenswert sind, rangiert der Umweltschutz mit 40 Prozent ganz oben auf dem Aufgabenzettel der Europäer. Gleichzeitig sagt rund die Hälfte (51 Prozent), dass ihr persönlich steigende Lebenshaltungskosten aktuell die größten Sorgen bereiten. Das sind die Ergebnisse der neuen Ausgabe der "eupinions", mit denen wir regelmäßig EU-weit Bürger zu aktuellen Themen befragen. Die Umfrage ist repräsentativ für die EU und sechs der größten Mitgliedsstaaten, darunter auch Deutschland. Über 12.000 Personen wurden insgesamt befragt.

Umwelt, Jobs und Soziale Sicherheit: Das erwarten die Europäer
Mit 40 Prozent ist der Umweltschutz das mit Abstand wichtigste Thema für die Europäer, gefolgt von "Arbeitsplätzen" (34 Prozent) und "Sozialer Sicherheit" (23 Prozent). Zwischen den größten EU-Staaten gibt es jedoch einige Unterschiede auf ihren Prioritätenlisten: So ist der Umweltschutz jeweils in Deutschland (49 Prozent), Frankreich (39 Prozent) und den Niederlanden (35 Prozent) das wichtigste Thema. Vielen Italienern hingegen ist die Sicherheit ihrer Arbeitsplätze wichtiger (60 Prozent). Auch in Spanien (40 Prozent) ist den Menschen der Schutz ihrer Arbeitsplätze deutlich wichtiger als Umweltschutz.

Ein Blick auf die Altersverteilung zeigt, dass der Umweltschutz vor allen bei den jungen Europäern hoch im Kurs steht. Am stärksten ist das Thema bei den 16- bis 25-Jährigen ausgeprägt (47 Prozent). Ein weiteres Thema für die junge Generation: Einsamkeit. Die Sorge vor Einsamkeit ist bei ihr doppelt so stark ausgeprägt wie bei den älteren Jahrgängen (46- bis 65-Jährige). Mit zunehmendem Alter rückt zudem das Thema "Soziale Sicherheit" stärker in den Vordergrund. Für ein Drittel (29 Prozent) der Europäer zwischen 56 und 65 Jahren ist dieses Thema wichtig, während es zum Beispiel bei den 16- bis 25-Jährigen nur 14 Prozent sind. 

Angst vor steigenden Lebenshaltungskosten prägt Blick in die Zukunft
Auf der persönlichen Sorgenliste der Europäer stehen "steigende Lebenshaltungskosten" (51 Prozent) an erster Stelle. In Polen (62 Prozent) und Frankreich (61 Prozent) sind diese Ängste laut Umfrage am stärksten ausgeprägt, in Deutschland, der größten Wirtschaftsmacht Europas, hingegen am schwächsten (44 Prozent). In Italien ist dagegen die Furcht vor einem Arbeitsplatzverlust (46 Prozent) der größte Sorgentreiber.

Beim Blick auf die Altersverteilung fällt auf, dass gerade die jüngeren Europäer ziemlich besorgt auf ihre Karrierechancen schauen. In den Altersgruppen der bis zu 35-Jährigen sorgen sich jeweils knapp ein Drittel der Europäer über Unsicherheiten am Arbeitsmarkt. Mit zunehmendem Alter nehmen diese Ängste  leicht ab.

"Den Europäern ist Umweltschutz wichtig, aber gleichwohl sorgen sie sich auch um steigende Lebenshaltungskosten. Längst nicht alle Anliegen der Europäer liegen im Kompetenzbereich der Kommission, umso wichtiger ist es für Brüssel, das Funktionieren und den Mehrwert Europas zu erklären", so Isabell Hoffmann. 

Je jünger, desto optimistischer: Welche Zukunft hat die EU?
Das Stimmungsbild gegenüber der EU ist, wie auch schon in früheren Umfragen der "eupinions" sichtbar, durchweg positiv. 54 Prozent der Europäer unterstützen eine weitere Vertiefung der EU und 50 Prozent haben ein optimistisches Bild bezüglich der Zukunft der EU. Den größten Rückhalt für ein starkes Europa erhält die EU interessanterweise dort, wo die Sorgen um Arbeitsplätze am stärksten ausgeprägt sind. Die Italiener wünschen sich zu 70 Prozent mehr "politische und ökonomische Integration" in der EU, während 63 Prozent der Polen und 61 Prozent der Spanier optimistisch in die europäische Zukunft blicken.

Vergleicht man die Altersgruppen, zeigt sich, dass jüngere Europäer etwas optimistischer sind: Die größte Zustimmung für eine EU-Vertiefung sowie den optimistischsten Ausblick in die EU-Zukunft sehen die Studienautoren bei den 16- bis 25-Jährigen. Ältere Jahrgänge sind immer noch mehrheitlich pro-europäisch, aber etwas weniger optimistisch als die jungen Generationen. 
Bertelsmann Stiftung (Hrsg.) Isabell Hoffmann, Catherine E. de Vries "Große Erwartungen - Die neue Europäische Kommission, ihre Ziele und die öffentliche Meinung in Europa"

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Mittwoch, 4. Dezember 2019

Speicherbranche wächst mit Erneuerbaren

Nachdem der weltweite Zubau der erneuerbaren Energien im vergangenen Jahr auf hohem Niveau stagnierte, hat er in diesem Jahr wieder Fahrt aufgenommen. Laut der Internationalen Energieagentur IEA wächst der Zubau 2019 um knapp 12 Prozent gegenüber dem Vorjahr – das stärkste Wachstum seit 2015. Weltweit prognostiziert die Agentur einen Kapazitätszubau von fast 200 Gigawatt, angestoßen vor allem durch Photovoltaik und Windkraft. 

Isoliert betrachtet prognostiziert die IEA für den globalen Photovoltaik-Markt in diesem Jahr sogar einen Zuwachs von mehr als 17 Prozent gegenüber 2018. Auch die ees Europe, die größte und internationalste Fachmesse für Batterien und Energiespeichersysteme in Europa, profitiert davon und wird sich 2020 erneut vergrößern. Bereits ein halbes Jahr vor der Messe sind mehr als 90% der Flächen gebucht. Die ees Europe ist Teil von The smarter E Europe, der Innovationsplattform für die neue Energiewelt, und wird vom 17. – 19. Juni 2020 auf der Messe München stattfinden.

2019 wird der globale Zubau an Photovoltaik nach dem Jahr 2018 erneut die 100-Gigawatt-Marke übertreffen und voraussichtlich gegenüber dem Vorjahr nochmals etwas zulegen. Auch der Zubau im Bereich Onshore-Wind erlebt ein starkes Wachstum und wird voraussichtlich in diesem Jahr weltweit um 15 Prozent auf 53 Gigawatt steigen, getrieben vor allem von den USA und China. Selbst der Zubau im Bereich Offshore-Wind zeigt ermutigende Anzeichen und dürfte 2019 bei rund fünf Gigawatt Wachstum stabil bleiben. Laut der IEA sind diese Technologien die tragenden Säulen der weltweiten Bemühungen zur Bekämpfung des Klimawandels, zur Verringerung der Luftverschmutzung und zur Bereitstellung des Energiezugangs für alle.

Speicher neben Elektroenergie wichtigster Baustein für Erreichung der Klimaschutzziele
: Erneuerbare Energien, unterstützt durch Lithium-Ionen-Batteriespeicher, werden laut Bloomberg New Energy Finance (BNEF) bis 2050 international einen Anteil an der Stromerzeugung von 48 Prozent (heute 7 Prozent) erreichen – getrieben durch die kontinuierlich sinkenden Kosten. In zwei Dritteln der Länder der Erde sind Photovoltaik und Windkraft bereits die günstigste Quelle der Stromerzeugung. Wenn es um die Dekarbonisierung weltweit geht, dann wird Europa führend sein, wie die Analysten von BNEF in ihrem aktuellen „New Energy Outlook“ erklären. Sie erwarten, dass Europa bis 2050 dank der CO2-Preise und anderer unterstützender Maßnahmen 92 Prozent seines Stroms aus erneuerbaren Energien erzeugen wird. Öl wird demnach bis Mitte des Jahrhunderts als Energiequelle verschwunden und die Kohlekraft – die heute 37 Prozent der Stromerzeugung liefert &nda sh; wird auf einen Anteil von 12 Prozent reduziert sein.

Ohne Energiespeicher wird die Energiewende nicht funktionieren. Daher entstehen immer mehr großvolumige Speicherprojekte. In Holland errichtet der Energiekonzern Vattenfall für gut 60 Millionen Euro einen Windpark mit 22 Megawatt (MW), eine Photovoltaik-Anlage mit 38 MW und einen Batteriespeicher mit 12 MW und kombiniert diese drei Elemente an einem Standort. Das erste erneuerbare Vollhybrid-Kraftwerk des Energieversorgers soll auch eine Blaupause dafür sein, was ab 2020 in Deutschland ohne Förderung realisiert werden könnte. Vattenfall hat dabei besonders die deutschen Kohlereviere im Blick. Die Nachnutzung bergbaulicher Flächen bietet ein großes Potenzial für Photovoltaik und Windkraft.

Die Allgäuer Überlandwerke (AÜW) haben ein Hybridkraftwerk mit neuem Batteriespeicher errichtet. Hier ist der Speicher mit einer Gasturbine verknüpft. Es ist nach Angaben der AÜW das erste Hybridkraftwerk in Deutschland, das für den Primärregelenergiemarkt zugelassen wurde. Mit 16 MW Leistung und 8,5 MWh Kapazität wurde im August 2018 auf dem Gelände der AÜW in Sulzberg bei Kempten der Energiespeicher in Betrieb genommen. Derzeit nutzt das Unternehmen den Batteriespeicher für die Stabilisierung des Stromnetzes.

Das Leistungs- und Geschäftsmodell der Tesla Big Battery in Australien ist seit ihrer Inbetriebnahme eine Quelle der Faszination für die Branche. Tesla-Gründer und CEO Elon Musk bestätigte kürzlich, dass sich die 95 Millionen Dollar teure Anlage innerhalb weniger Jahre amortisieren werde. Die Batterieanlage, die sich im Besitz von Neoen Australia als Betreiber befindet, erhält von der Regierung eine jährliche Zahlung von vier Millionen Dollar für die Bereitstellung von Netzdienstleistungen.

Speicher-Community liefert Regelenergie durch virtuellen Netzspeicher: Solarspeicher im privaten Besitz sind Teil eines Pilotprojekts für Engpassmanagement von TransnetBW und Netze BW. Als Teil der neuen digitalen Plattform DA/RE sollen diese Solarspeicher als virtuelle Batterie helfen, das Engpassmanagement der Zukunft zu gestalten. Durch intelligente Steuerung werden die dezentral verteilten Solarspeicher in der Region je nach Bedarf be- oder entladen, um zum Beispiel überlasteten Netzknoten gezielt Strom abzunehmen. Je näher ein Speicher dabei an einem Engpass helfend eingreift, desto größer ist der Nutzen für das Stromnetz. Das im April 2019 gestartete Pilotprojekte wird unterstützt vom baden-württembergischen Umweltministerium. Neben verschiedenen Netz- und Anlagenbetreibern beteiligt sich die Firma sonnen an dem Projekt – mit einem virtuellen Kraftwerk ausschließlich aus dezentralen Heimspeichern.

Diese innovativen Beispiele zeigen: Es gibt eine ungeheure Dynamik im Speichermarkt mit immer neuen Lösungen, um die wachsenden Mengen an gesammelter Elektronenergie zu speichern und zur Verfügung zu stellen, wenn die Energie benötigt wird. Ob CATL, BYD, Samsung SDI oder LG Chem, ob Tesla, SAFT und Varta oder sonnen, E3DC, Solarwatt und SENEC: die Marktführer der Speicherbranche werden sich vom 17. - 19. Juni 2020 wieder bei der ees Europe auf der Messe München treffen und ihre Lösungen und Geschäftsideen einem fachkundigen Publikum präsentieren.
 
Weitere Informationen im Internet unter:
www.ees-europe.com
www.TheSmarterE.de


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Donnerstag, 28. November 2019

Mehr Lenkung, flexibler, mehr Erneuerbare

Die Nationalen Forschungsprogramme (NFP 70 & 71) sind bald Geschichte - nun werden deren Resultate in die Öffentlichkeit getragen - so auch diese Woche an der ETH zu Markt- und Regulierungsfragen.

Beat Hotz-Hart präsentierte
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"Für einen funktionierenden Strommarkt sind Lenkungsmassnahmen der Förderung vorzuziehen. Lenkung ist gesamtwirtschaftlich erheblich wirksamer und kostengünstiger. Die neuen Anforderungen an das Stromsystem müssen deshalb in Marktanreize übersetzt und die verschiedenen Bereiche – in Abstimmung mit der Entwicklung in der EU – entsprechend organisiert und reguliert werden", hält Beat Hotz-Hart fest. "Abgaben auf CO2-Emissionen mit Rückerstattung an die Bevölkerung und an die Wirtschaft haben kaum negative Auswirkungen auf die wirtschaftliche Entwicklung, sind effizient und tragen zu Innovationen bei", begründet Hotz-Hart diese Empfehlung der Synthese zum Themenschwerpunkt "Marktbedingungen und Regulierung". Damit der Markt effizient und sozialverträglich spielen kann, braucht es jedoch weitere aufeinander abgestimmte Massnahmen.

 

Erneuerbare Energien schrittweise dem Markt aussetzen

Heute kann der Markt alleine die gemäss der Energiestrategie 2050 nötigen Investitionen für den Ausbau der neuen erneuerbaren Energien ­ – Sonne, Holz, Biomasse, Wind, Geothermie und Umgebungswärme – noch nicht auslösen. Um diese in das Stromsystem zu integrieren und schrittweise in den freien Markt zu überführen, braucht es abhängig von der Marktreife der einzelnen Technologien eine zeitlich befristete Unterstützung; in den nächsten Jahren etwa über ein Auktionsmodell, in dem Zubaumengen technologieneutral versteigert werden, oder mit einer flexiblen Preissteuerung über Marktprämien.

 

Flexibilität bei Angebot und Nachfrage erhöhen

Mit steigendem Anteil der neuen erneuerbaren Energien entsteht ein massiv höherer Bedarf an flexibel einsetzbaren Kapazitäten. Dies gilt künftig nicht nur auf der Angebotsseite, sondern auch der Verbrauch sollte für das Glätten von Nachfragespitzen und die Anpassung an die Angebotsschwankungen genutzt werden. Wie verschiedene Untersuchungen im Rahmen des NFP "Energie" zeigen, sind zum Beispiel dynamische Tarife, Bonus-Malus-Systeme für Strom oder Energieberatung geeignete Massnahmen. Auch die Flexibilität in der Netznutzung sollte einen Preis erhalten, indem die heute üblichen verbrauchsabhängigen Netztarife durch eine dynamische Leistungstarifierung ersetzt werden. Zudem brauchen dezentrale Speicherlösungen geeignete Rahmenbedingungen für einen wirtschaftlichen Betrieb.

 

Neue Akteure integrieren

Mit dem Ausbau der erneuerbaren Energie treten neue Akteure in den Strommarkt ein: Energiegenossenschaften, Eigenverbrauchsgemeinschaften, regionale Verteilnetz- und Stromspeicherbetreiber sowie "Prosumer", die sowohl als Kleinproduzenten wie auch als Verbraucher agieren. Die Regulierung muss optimale Bedingungen für die Entwicklung und effiziente Integration dieser neuen Akteure in das Stromsystem schaffen.

 

Versorgungssicherheit wirtschaftlich erhöhen

Mittelfristig können vertraglich gesicherte strategische Reserven und zertifikatsbasierte Leistungsverpflichtungen sowie ein diversifizierter Kraftwerkspark die Versorgungssicherheit zusätzlich erhöhen. Für Reserveleistungen sowie spezielle Netz- und Speicherinfrastrukturen dürfte längerfristig eine zusätzliche finanzielle Unterstützung notwendig sein. Ohne Stromabkommen mit der EU dürften jedoch auch die Kosten für Versorgungssicherheit steigen. Allerdings ist auch mit einem EU-Stromabkommen längerfristig die Erzeugungskapazität in der Schweiz zu vergrössern.

NFP 70 und 71: das Nationale Forschungsprogramm "Energie"

In den Nationalen Forschungsprogrammen "Energiewende" (NFP 70) und "Steuerung des Energieverbrauchs" (NFP 71) des Schweizerischen Nationalfonds (SNF) haben über 300 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in mehr als 100 Forschungsprojekten Erkenntnisse zur substanziellen Verringerung des Energieverbrauchs, zu neuen Technologien sowie zu gesellschaftlichen Rahmenbedingungen für deren Implementierung in den kommenden 10 bis 30 Jahren erarbeitet.
Aufgrund zahlreicher Wechselbeziehungen haben die parallel laufenden NFP 70 und NFP 71 von Beginn an eng zusammengearbeitet. Beide NFP werden unter dem Titel "Nationales Forschungsprogramm Energie" anfangs 2020 abgeschlossen sein. Bereits wurden die Ergebnisse zu den Themenschwerpunkten "Akzeptanz", "Mobilitätsverhalten", "Gebäude und Siedlungen" sowie "Marktbedingungen und Regulierung" veröffentlicht. In Kürze werden die Synthesen zu den Themenschwerpunkten, "Energienetze" sowie "Wasserkraft und Markt" und im Januar 2020 das abschliessende Programmresümee publiziert.
Weitere Informationen zu den einzelnen Forschungsprojekten und zum Nationalen Forschungsprogramm "Energie" stehen ab sofort auf dem Webportal www.nfp-energie.ch zur Verfügung
Die Forschungsprojekte, die vollständige Synthese und ausführliche Informationen zum Themenschwerpunkt "Marktbedingungen und Regulierung" sowie laufend aktuelle Ergebnisse zum "NFP Energie": www.nfp-energie.ch

Quelle: nfp70.ch

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Mittwoch, 27. November 2019

CH-Klimaschutz braucht 50 GW Solarleistung

Anlässlich der Einreichung der Gletscher-Initiative weist der Sonnenfachverband Swissolar darauf hin, dass es für den Ersatz von Brenn- und Treibstoffen und für den gleichzeitigen Atomausstieg einen grossen Bedarf an zusätzlicher erneuerbarer Stromproduktion in der Schweiz gibt – sofern eine deutlich erhöhte Importabhängigkeit vermieden werden soll.

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Mit einem Ausbau der Photovoltaik-Leistung auf 50 Gigawatt (GW) – 25 Mal mehr als heute – kann der zusätzliche Strombedarf gedeckt werden. Diese Leistung kann zum grössten Teil auf unseren Gebäuden installiert werden. Swissolar fordert Bundesrat und Parlament auf, die dafür nötigen Rahmenbedingungen zu schaffen.

 
Innert kurzer Zeit waren die über 100’000 Unterschriften für die heute bei der Bundeskanzlei eingereichte Gletscher-Initiative beisammen, was den Volkswillen zum entschlossenen Handeln gegen die drohende Klimakatastrophe eindrücklich belegt. Die Initiative unterstützt das bundesrätliche Ziel von Netto Null Treibhausgasemissionen bis 2050. Sie präzisiert zusätzlich, dass dabei ab 2050 in der Schweiz keine fossilen Brenn- und Treibstoffe mehr in Verkehr gebracht werden sollen.
 
Treibhausgas-Ausstieg bedeutet massiven Ausbau der Solarenergie: Die Gletscher-Initiative lässt offen, wie die zur Umsetzung des Pariser Klimaprotokolls notwendige Dekarbonisierung der Schweiz erreicht werden soll. Die Analysen von Swissolar und anderen zeigen, dass der naheliegendste Weg über einen massiven Ausbau von Solarstrom führt. Keine andere erneuerbare Energie hat auch nur ansatzweise dasselbe Potenzial in der Schweiz wie die Photovoltaik[1].
 
Der Ersatz von fossilen Heizungen durch Wärmepumpen und von Verbrennungs-  durch Elektromotoren wird zu einem steigenden Stromverbrauch führen. Zugleich gilt es, schrittweise den Atomstrom zu ersetzen: „Wir brauchen jährlich 40-45 Terawattstunden Solarstrom, den wir zum grössten Teil auf unseren Dächern und Fassaden produzieren können“ sagt David Stickelberger, Geschäftsleiter vom Fachverband Swissolar. Die dafür benötigte installierte Leistung liegt bei rund 50 Gigawatt, das ist rund 25 Mal mehr als heute bereits installiert ist.
 
Sonnenenergie sinnvoll kombiniert mit Wind und Wasser: Die einzige Alternative zu Solarstrom in Griffnähe wäre ein massiver Ausbau des Stromimports, was jedoch mit zusätzlichen Abhängigkeiten und angesichts bevorstehender Kraftwerksstilllegungen in den Nachbarländern mit erhöhten Risiken verbunden wäre. Der solare Zubau kann geringer ausfallen, wenn der aktuelle Stillstand beim Ausbau der Windenergie in der Schweiz überwunden wird. Diese kann ebenso wie die Wasserkraft eine wertvolle Ergänzung zum Solarstrom – insbesondere im Winter – leisten.
 
Rahmenbedingungen für den Ausbau schaffen: Der Fachverband Swissolar fordert Bundesrat und Parlament auf, ergänzend zum aktuell verhandelten CO2-Gesetz einen Massnahmenplan zum Photovoltaik-Ausbau zu erarbeiten. Mit den aktuellen Rahmenbedingungen ist lediglich ein jährlicher Zubau von einem halben Gigawatt möglich – das Ziel würde somit erst im Jahr 2120 und damit 70 Jahre zu spät erreicht. Deshalb müssen jetzt die Voraussetzungen geschaffen werden, damit jährlich mindestens 1.5 Gigawatt Photovoltaik in der Schweiz installiert werden. Anzusetzen ist dabei primär bei Grossanlagen auf Industrie-, Gewerbe-, Dienstleistungs-, Infrastruktur- und Landwirtschaftsbauten sowie auf Parkplätzen. Mit den aktuellen Rahmenbedingungen können diese Anlagen oft nicht wirtschaftlich betrieben werden, weshalb derzeit ein immenses, technisch einfach erschliessbares Potenzial nahezu brach liegt.
 

[1] Siehe u.a. Roger Nordmann: Sonne für den Klimaschutz (2019); Studie R. Rechsteiner/SES (2019); BFE-Studie „Schweizer Hausdächer und -fassaden könnten jährlich 67 TWh Solarstrom produzieren“ (15.4.19)

Über Swissolar
Swissolar vertritt als Branchenverband die Interessen von 700 Verbandsmitgliedern mit rund 6‘000 Arbeitsplätzen der Schweizer Solarenergiebranche in der Öffentlichkeit, der Politik und gegenüber den regulierenden Behörden. Die Sonne liefert der Schweiz jährlich 200-mal mehr Energie als wir brauchen. Swissolar setzt sich für die Energiewende hin zu einer Energieversorgung ohne den Einsatz fossiler oder nuklearer Energieträger ein. Wärme und Strom von der Sonne nehmen dabei eine zentrale Stellung ein.

Quelle: www.swissolar.ch

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Montag, 25. November 2019

D: Glänzende Aussichten

Ankündigungen der deutschen Bundesregierung für schnelleren Solartechnikausbau lassen Branchenstimmung steigen. Auch Solarthermie hofft auf positiven Turnaround im Jahr 2020. Andreas Bruske ist für das Handwerk neu im BSW-Vorstand.

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Der vom Bundesverband Solarwirtschaft (BSW) erhobene Geschäftsklimaindex Photovoltaik befindet sich auf einem Allzeithoch (siehe Grafik rechts). „Die vom Bundeskabinett im Klimaschutzpaket beschlossene Abschaffung des 52-Gigawatt-Förderdeckels sorgt für Zuversicht. Die Unternehmen verlassen sich darauf, dass die Marktöffnung für Solardächer wie versprochen noch in diesem Jahr erfolgt. Wir erwarten eine schnelle Anhebung der Photovoltaik-Ausbauziele und Zielkorridore im Erneuerbare-Energien-Gesetz“, erklärte BSW-Hauptgeschäftsführer Carsten Körnig anlässlich der diesjährigen BSW-Mitgliederversammlung in Berlin.  

Die Bundesregierung hatte im Rahmen des Klimaschutzprogramms beschlossen, bis zum Jahr 2030 die installierte Solarstromleistung auf rund 100 Gigawatt zu verdoppeln. Nach übereinstimmender Auffassung des Branchenverbandes und von Marktforschern muss diese Marke bereits Mitte der 20er Jahre erreicht werden. Nur so könne eine Stromerzeugungslücke infolge des Atom- und Kohleausstiegs vermieden werden, ohne die Klimaschutzziele weiterhin zu verfehlen. Solartechnik genießt in der Bevölkerung höchste Akzeptanzwerte und ist inzwischen sehr preiswert geworden.

Der BSW forderte die Bundesregierung auf, zur Umsetzung angemessenerer Ausbauziele schnell weitere Marktbarrieren einzureißen. Seit Jahren ganz vorne auf der Wunschliste der Unternehmer: die Streichung der anteiligen EEG-Umlage auf selbst verbrauchten oder direkt belieferten Solarstrom für Miet- und Gewerbequartiere. „Die Diskriminierung solarer Selbst- und Direktversorger muss jetzt beendet werden“, so Körnig.

Die Klimaschutzpläne der Regierung sorgen auch im Bereich der Solarwärme für Optimismus. „Wichtig ist auch hier, Ankündigungen wie zum Beispiel die Abwrackprämie für Ölheizungen oder die steuerliche Förderung von Solarheizungen schnell umzusetzen, damit geplante Investitionen nicht hinausgezögert werden“, so Körnig. „Es ist höchste Zeit, dass auch in den Wärmesektor mehr Modernisierungsdynamik kommt und das große Potenzial der Solarthermie in der Raum-, Prozess- und Fernwärme deutlich stärker genutzt wird.“  

Quelle: Deutscher Bundesverband Solarwirtschaft

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Sonntag, 24. November 2019

Solaraktien im Rückwärtsgang


Der Solaraktienindex PPVX fiel letzte Woche um 1,4% auf 1.339 Punkte, der NYSE Arca Oil um 2,1%. Seit Jahresanfang 2019 liegt der PPVX mit +49,1% währungsbereinigt rund 40 Prozentpunkte vor dem Erdölaktienindex (+9,0%). Die Top-3-Titel seit Jahresanfang sind Enphase Energy (+310%), SolarEdge Technologies (+118%) und SMA Solar Technology AG (+87%).Der PPVX-Börsenwert beträgt rund 37,2 Mrd. Euro. Die grössten Gewinnerder Woche waren JinkoSolar Holding(+16%) und Meyer Burger Technology AG(+8%), die grössten Verlierer GCL Poly Energy Holding(-17%) und SunPower(-13%). Seit Anfang 2003 liegt der PPVX (+376%) rund 216 Prozentpunkte vor dem Erdölaktien-Index (mit +160%).

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Der Solaraktienindex PPVX erscheint auf Solarmedia jeden Monat neu

Quelle: oeko-invest.net 

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Donnerstag, 21. November 2019

Bund muss und will sich weiter anstrengen

Die Umsetzung der Energiestrategie 2050 befindet sich auf Kurs der kurzfristigen gesetzlichen Richtwerte bis 2020 - oder hat diese bereits erreicht. Längerfristig zeichnet sich jedoch ab, dass es weitere Anstrengungen braucht, um das Energiesystem schrittweise umzubauen und insbesondere den Ausbau der erneuerbaren Energien und die Energieeffizienz voranzutreiben. 


Neben vielen anderen Themen und Indikatoren beobachtet das Monitoring der Energiestrategie 2050 die Richtwerte zum Ausbau der erneuerbaren Energien und der Wasserkraft sowie die Richtwerte zur Senkung des Energie- und Stromverbrauchs, die im Energiegesetz festgeschrieben sind, das seit dem 1. Januar 2018 in Kraft ist. Der am Donnerstag publizierte zweite jährliche Monitoringbericht 2019 zeigt die Situation per Ende 2018. Zu den einzelnen Bereichen:

 

Stromproduktion aus erneuerbaren Energien (ohne Wasserkraft): Sie steigt seit 2000 an, seit 2010 hat sich das Wachstum verstärkt. 2018 lag die erneuerbare Stromproduktion bei 3'877 Gigawattstunden (GWh) oder bei 6,1% der gesamten Netto-Elektrizitätsproduktion. Der Richtwert 2020 beträgt 4'400 GWh. Vom angestrebten Zuwachs von 3'000 GWh zwischen dem Basisjahr 2010 und 2020 waren 2018 bereits knapp 83% erreicht. Der Richtwert für das Jahr 2035 liegt bei 11‘400 GWh. Um ihn zu erreichen, ist ein Nettozuwachs von durchschnittlich 443 GWh pro Jahr erforderlich.

 

Stromproduktion aus Wasserkraft: 2018 lag die mittlere Netto-Produktionserwartung aus Wasserkraft bei 35'986 GWh. Der Richtwert 2035 beträgt 37‘400 GWh. Basisjahr ist hier 2011, bis 2035 wird ein Nettozuwachs von rund 2'000 GWh angestrebt (kein Richtwert 2020 im Gesetz). Davon waren 2018 knapp 31% erreicht. Um den Richtwert 2035 zu erreichen, braucht es in den kommenden Jahren einen Nettozuwachs von durchschnittlich 83 GWh pro Jahr.

 

Endenergieverbrauch pro Kopf: Er hat seit 2000 abgenommen. 2018 lag er 18,8% unter dem Basisjahr 2000, witterungsbereinigt beträgt der Rückgang 17,2%. Damit wurde der Richtwert 2020 (-16%) bereits erreicht. Um den Richtwert 2035 (-43%) zu erreichen, muss der witterungsbereinigte Endenergieverbrauch pro Kopf künftig um durchschnittlich 2,2% pro Jahr sinken.

 

Stromverbrauch pro Kopf: Dieser nahm bis 2006 zu, seither ist der Trend rückläufig. 2018 lag er 6,9% unter dem Wert von 2000, witterungsbereinigt betrug der Rückgang 6,4%. Auch hier ist der Richtwert 2020 (-3%) bereits erreicht. Um den Richtwert 2035 (-13%) zu erreichen, muss der witterungsbereinigte Stromverbrauch pro Kopf künftig um durchschnittlich 0,4% pro Jahr sinken.

 

40 Indikatoren in 7 Themenfeldern: Der ausführliche Monitoring-Bericht enthält insgesamt rund 40 Indikatoren in sieben Themenfeldern: Energieverbrauch und -produktion, Netzentwicklung, Versorgungssicherheit, Ausgaben und Preise, energiebedingte CO2-Emissionen, Forschung und Technologie und Internationales. Die wichtigsten Indikatoren sind auch in einer Kurzfassung (siehe Beilage) verfügbar. Beide Berichte sind im Internet verfügbar (www.energiemonitoring.ch, siehe Link). Alle fünf Jahre erfolgt zudem eine Berichterstattung des Bundesrats zuhanden des Parlaments mit vertiefenden Untersuchungen und einer energiepolitischen Standortbestimmung.

Quelle: http://www.bfe.admin.ch

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Samstag, 16. November 2019

Europäischer Solarpreis für Kirche Ebmatingen

Zuerst der Schweizerische Solarpreis - nun auch noch der europäische! Am Freitag fand im luxemburgischen Esch-sur-Alzette die  Verleihung des Europäischen Solarpreises 2019 für herausragende Leistungen und Engagement im Bereich Erneuerbare Energien statt. Auch dieses Jahr konnte sich trotz sehr starken Konkurrenzprojekten aus verschiedenen EU-Ländern wieder ein Schweizer Projekt durchsetzen.

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Die 1989 erstellte Röm.-Kath. Kirche St. Franziskus Ebmatingen (ZH) ist nach der energetischen Sanierung 2018/19 emissionsfrei. Dank erheblich verbesserter Dachdämmung, der solarbetriebenen Erdsonden-Wärmepumpe, der Solarwärmenutzung mit 161 m2 photovoltaisch-thermischen Modulen (PVT) und der LED-Beleuchtung konnte der bisherige Gesamtenergiebedarf von 84’400 kWh/a um rund 35% auf 54’700 kWh/a reduziert werden. Die alte Ölheizung wurde herausgerissen. Damit konnten jährlich 7’000 Liter Heizöl eingespart und 21 t CO2-Emissionen pro Jahr vermieden werden. Die vorbildlich ganzflächig integrierte 90 kW starke PV-Anlage in nord-südlicher Ausrichtung erzeugt 78’900 kWh/a. Damit weist die Kirche eine Eigenenergieversorgung von 221% auf.

Mit dem Schweizer Solarpreis werden Gemeinden, Unternehmen, Eigentümer und Einzelpersonen ausgezeichnet, die sich um einen nachhaltigen Nutzen von Sonnenenergie bemühen. Dabei hat das Beispiel einer Kirchensanierung Eindruck gemacht. Der 29. Solarpreis der Schweiz wurde am 18. Oktober in Genf verliehen. Die Konzeption und Umsetzung innovativer Technologien zur Nutzung erneuerbarer Energien wurde in diesem Jahr unter anderem an die Kirche St. Franziskus Ebmatingen im Pfarrvikariat Maur im Kanton Zürich vergeben. Die römisch-katholische Kirche wurde erst 1989 gebaut. Nach der für 1,2 Millionen Franken erfolgten Renovation in den Jahren 2018/2019 gilt sie sowohl ökologisch als auch energetisch als vorbildlich.  Nun wurden diese Anstrengungen sogar mit dem europäischen Solarpreis honoriert.

Quellen: Solar-Agentur und weitere

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