Mittwoch, 29. Juni 2016

Netzzuschlag (ein wenig) auf 1,5 Rappen erhöht

Der Bundesrat hat am Mittwoch  eine Erhöhung des Netzzuschlags 2017 beschlossen. Für die Förderung der Stromproduktion aus erneuerbaren Energien und Gewässersanierungen bezahlen die Schweizer Stromkonsumentinnen und -konsumenten somit ab 1. Januar 2017 einen Zuschlag von 1,5 Rappen pro Kilowattstunde (Rp./kWh).


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Durch das Ausschöpfen des gesetzlich festgelegten Maximums des Netzzuschlags können einige neue Anlagen in die KEV aufgenommen werden: Im Juli 2016 erhalten somit 1’139 Photovoltaikanlage (wovon 684 bereits in Betrieb sind), 7 Biomasse-, 19 Kleinwasserkraft- und eine Geothermie-Anlage eine Förderzusage. Die Warteliste für Photovoltaik-Anlagen kann dadurch bis und mit Anmeldedatum vom 8. November 2011 abgebaut werden. Weiter ermöglicht die Erhöhung des Netzzuschlags in diesem Jahr die Freigabe von zusätzlichen Kontingenten bei der Einmalvergütung. Rund 5’000 zusätzliche Einmalvergütungen können an die Betreiber von kleinen Photovoltaik-Anlagen bis 30 kW Leistung ausbezahlt werden. 

Für die Förderung der Stromproduktion aus erneuerbaren Energien und Gewässersanierungen bezahlen die Schweizer Stromkonsumentinnen und -konsumenten ab 1. Januar 2017 einen Zuschlag von 1,5 Rappen pro Kilowattstunde (Rp./kWh). Dies hat der Bundesrat in einer Revision der Energieverordnung festgelegt. Er schöpft damit das gesetzlich festgelegte Maximum aus. Trotz der Erhöhung um 0,2 Rp./kWh gegenüber dem Jahr 2016 kann die Warteliste mit rund 40’000 Photovoltaik-, Wind- oder Biomasse-Anlagen nur unwesentlich abgebaut werden. Die zusätzlichen Mittel fliessen grösstenteils in Projekte, die bereits seit längerer Zeit über eine Förderzusage verfügen. Das bedeutet auch, dass neue Anmeldungen für die kostendeckende Einspeisevergütung (KEV) nicht mehr berücksichtigt werden können. Einmalvergütungen für kleine Photovoltaik-Anlagen bis 30 Kilowatt (kW) werden aber weiterhin ausbezahlt. 

Der bei den Stromkonsumentinnen und -konsumenten erhobene Netzzuschlag fliesst in den so genannten Netzzuschlagsfonds: 2016 werden es mit dem aktuellen Netzzuschlag von 1.3 Rp./kWh rund 740 Millionen Franken sein. Mit diesem Fonds werden die KEV, die Einmalvergütungen für kleine Photovoltaik-Anlagen, die wettbewerblichen Ausschreibungen für Stromeffizienz, die Rückerstattungen an Grossverbraucher, die Risikogarantien für Geothermie-Projekte, die Mehrkostenfinanzierung, die Gewässersanierungsmassnahmen sowie die Vollzugskosten finanziert (siehe auch Grafik für das Jahr 2015 oben). 

Die Belastung für einen 4-Personen-Haushalt mit einem durchschnittlichen Jahresverbrauch von 4’500 kWh steigt damit um 9 Franken auf 67,50 Franken pro Jahr (2016: 58,50 Franken). Stromintensive Grossverbraucher können wie bis anhin die Rückerstattung des Netzzuschlags beantragen, sofern sie eine Zielvereinbarung zur Steigerung ihrer Energieeffizienz mit dem Bund abschliessen.

Seit 2009 wird in der Schweiz der Zubau von Stromproduktionsanlagen aus neuen erneuerbaren Energien (Photovoltaik, Biomasse, Windkraft, Kleinwasserkraft, Geothermie) staatlich gefördert. Die Stromkonsumentinnen und -konsumenten bezahlen dafür einen Zuschlag auf jede verbrauchte Kilowattstunde Strom. Dieser Zuschlag ist im geltenden Energiegesetz auf 1,5 Rp./kWh begrenzt. Der Bundesrat hat diesen Zuschlag seit 2009 jeweils bedarfsgerecht festgelegt. Von 2009 bis 2013 lag er bei 0,45 Rp./kWh. 2014 stieg er auf 0,6 Rp./kWh, 2015 auf 1,1 Rp./kWh und 2016 auf 1,3 Rp./kWh.

Aus dem so geäufneten Netzzuschlagsfonds werden derzeit (Stand 31.03.2016) KEV-Vergütungen für insgesamt 10’578 Photovoltaik-, 31 Wind-, 490 Kleinwasserkraft- und 272 Biomasse-Anlagen ausbezahlt. Diese Anlagen produzieren pro Jahr rund 3,2 TWh Strom. Zusätzlich wurde mit der Revision des Energiegesetzes per 1. Januar 2014 das Instrument der Einmalvergütung für kleine Photovoltaikanlagen geschaffen, die 20 bis 30% der Investitionskosten erstattet. Bis jetzt (Stand 31.03.2016) wurden 13‘238 solcher Einmalvergütungen ausbezahlt mit einer Gesamtsumme von 138 Millionen Franken. Der Grossteil der durch die Erhöhung des Netzzuschlags zusätzlich generierten Gelder fliesst in Anlagen, die bereits seit längerem über eine Zusage für die KEV verfügen, aber aufgrund von langjährigen Bewilligungsverfahren erst jetzt in Betrieb gehen. 

Weiter ermöglicht die Erhöhung des Netzzuschlags in diesem Jahr die Auszahlung von rund 5’000 zusätzlichen Einmalvergütungen an die Betreiber von kleinen Photovoltaik-Anlagen bis 30 kW Leistung. Derzeit zahlt Swissgrid jeden Monat rund 800 Einmalvergütungen aus. Allerdings gibt es auch hier längere Wartezeiten: Momentan beträgt diese 9 Monate ab Einreichen der vollständigen Unterlagen. Rund 40’000 Projekte befinden sich derzeit auf der Warteliste für die kostendeckende Einspeisevergütung, monatlich melden sich rund 1’000 Projekte neu an. Die heute gesetzlich zur Verfügung stehenden Fördermittel reichen bei weitem nicht aus, um die gesamte Warteliste abzubauen. Klar ist, dass die Mittel zur Finanzierung der Einspeisevergütungen 2018 vollständig ausgeschöpft sein werden und spätestens ab diesem Zeitpunkt keine neuen KEV-Förderzusagen für Projekte auf der Warteliste mehr möglich sind. Bis dahin kann die Warteliste nur noch minimal abgebaut werden. Die Kontingente für 2017 stehen noch nicht fest; deren Grösse ist von der Marktsituation abhängig. 

Die Energiestrategie 2050, die derzeit im Parlament beraten wird und frühestens 2018 in Kraft treten könnte, sieht eine Erhöhung des Netzzuschlags auf 2,3 Rp./kWh vor. Diese zusätzlichen Mittel würden einen weiteren Abbau der Warteliste ermöglichen. Allerdings werden auch dann nicht alle Anlagen auf der Warteliste finanziell gefördert werden können. Dies auch deshalb, weil das Parlament in seinen Beratungen bereits festgelegt hat, die Einspeisevergütung fünf Jahre nach Inkrafttreten des revidierten Gesetzes einzustellen und die Mittel für die KEV bei 2,3 Rp./kWh zu deckeln. 

Für Projektanten ist Folgendes wichtig:


  • Wer sich heute neu für die KEV anmeldet, kann mit dem aktuellen geltenden Kostendeckel von 1,5 Rp./kWh nicht in das Fördersystem aufgenommen werden.

  • Von den Projekten, die bereits heute auf der Warteliste sind, können im besten Fall nur noch wenige ins Fördersystem aufgenommen werden.

  • Projektanten von Photovoltaik-Anlagen mit einer Leistung von weniger als 30 kW wird empfohlen, sich für die Einmalvergütung zu entscheiden. Zur Zeit zahlt Swissgrid jeden Monat rund 800 Einmalvergütungen aus. Allerdings gibt es auch hier längere Wartezeiten: Momentan beträgt diese 9 Monate ab Einreichen der vollständigen Unterlagen zur Inbetriebnahme.

  • Projektanten, die ihre Anlage nicht mehr realisieren möchten, werden gebeten, ihren Antrag bei der Swissgrid zurückzuziehen. 
Quellen: Swissolar / Bund

Dienstag, 28. Juni 2016

Weltweiter Solarthermie-Markt schrumpft

Weltweit sind im Jahr 2014 neue Solarthermie-Anlagen mit einer thermischen Leistung von etwa 46.700 Megawatt installiert worden. Gegenüber dem Vorjahr bedeutet das einen deutlichen Markteinbruch um rund 15 Prozent. Dieser Trend wird sich im Jahr 2015 nach Schätzungen der IEA wohl beschleunigt fortsetzen.

In der Schweiz ebenfalls abnehmende Tendenz
beim Zubau von Sonnenkollektoren.
Bild: Solarwärmeanlage in Bergün - Guntram Rehsche
Nach den aktuellen Zahlen des neuen Marktreports "Solar Heat Worldwide 2016" vom Solarthermie-Programm der Internationalen Energieagentur (IEA) waren Stand Ende 2014 weltweit insgesamt rund 410.200 Megawatt thermische Solarleistung installiert. Für Ende 2015 wird eine Prognosezahl von 435.000 MW genannt. Zum Vergleich: Die Photovoltaik-Anlagen rund um den Globus kamen Stand Ende 2015 etwa auf 227.000 MW elektrische Leistung. Mit Abstand größter Nutzer von Sonnenkollektoren ist China.

Doch die Entwicklungstrends bei Solarwärme und Solarstrom laufen in entgegengesetzte Richtungen. Während die Photovoltaik weltweit boomt, sinken die Zubauzahlen im globalen Solarthermie-Markt. Im Jahr 2013 wurden weltweit insgesamt neue Solarkollektoren mit einer thermischen Leistung von 55.000 MW installiert. 2014 waren es mit 46.700 MW bereits 15 Prozent weniger. Auch für 2015 rechnen die Experten der IEA nur noch mit einem Zubau von 24.800 MW, was einen drastischen Rückgang um mehr als 50 Prozent bedeuten würde. Zu den Trends aus dem Jahr 2014 zählt die IEA Großanlagen im Megawatt-Bereich für Quartier-Heizsystem sowie größere Heiz- und Kühlsysteme im kommerziellen und industriellen Sektor. Die beiden größten Systeme seien 2014 in Dänemark für lokale Heiznetzwerke installiert worden. Dennoch sei der Solarthermie-Markt nach wie vor geprägt von Kleinanlagen für den Hausgebrauch (Anteil bei etwa 94 Prozent).

Ken Guthrie, Chairman des IEA-Programms Solar Heating and Cooling, betonte, dass 47 Prozent der globalen Energienachfrage durch die Nachfrage nach Wärme entsteht. So werde das große Potenzial des solaren Heizens und Kühlens sich weiter ausweiten. Zu den Top-Märkten bei neuen Warmwasser-Sonnenkollektoren zählten 2014 China (36.680 MW), die Türkei (1.332 MW) und Brasilien (1.009 MW). Nach den Zahlen des Bundesverbands Solarwirtschaft wurden in Deutschland 2015 Solarwärmesystem mit einer Leistung von 564 MW neu installiert. Auch in Deutschland ist seit Jahren ein abnehmendes Marktvolumen zu beobachten. Nach dem Rekord im Jahr 2008 bei knapp 1.500 MW ist der deutsche Markt immer weiter geschrumpft.

Bezogen auf die Einwohnerzahl sind die Zubauzahlen in Israel top, dahinter folgen China und die palästinensischen Gebiete. Auch bei der kumulierten Solarthermie-Leistung ist Steht China unangefochten und mit extremen Abstand zur Nummer 2 an der Spitze. Im Reich der Mitte sorgen Solarkollektoren mit einer Leistung von 289.520 MW für solare Wärme (Stand Ende 2014). Es folgen die USA (16.996 MW), Deutschland (12.780 MW), die Türkei (12.730 MW) und Brasilien (7.712 MW).

Quelle: IWR Online/solarbranche.de

Sonntag, 26. Juni 2016

Wahnsinn hat Methode

Derzeit entsteht in Südfrankreich die Kernfusionsanlage Iter, unter Beteiligung aller führenden Wirtschaftsnationen, so der USA, von China, Indien und auch der EU und der Schweiz. Der Rat der Trägerstaaten hat jetzt das Datum für erste konkrete Ergebnisse um fünf Jahre auf 2025 verschoben und weitere rund fünf Milliarden € für die Realisierung beschlossen. 

Für das Projekt gilt schon seit 50 Jahren ein Running Gag: Die Kernfusion wird für den Menschen alle Energieprobleme lösen – in den kommenden 50 Jahren. Das  Vorhaben, das Geschehen auf der Sonne quasi nachzubauen und eine unbegrenzte Energiequelle zu schaffen, steht in Tat und Wahrheit aber unter einem ähnlich schlechten Stern wie die sonstige Atomforschung: Sie ist ein Fass ohne Boden und vertröstet stets erneut auf den Sankt Nimmerleinstag, wenn es um konkrete und brauchbare Ergebnisse geht. Kommt jetzt noch der Brexit hinzu, der die internationale Atomzusammenarbeit ganz allgemein erschwert.

ITER (Apronym: englisch für International Thermonuclear Experimental Reactor, lateinisch für Weg) ist ein seit 2007 im Bau befindlicher Kernfusionsreaktor. Und die jüngste Meldung zu diesem Iter ging im Trubel des Brexit sowie der Fussball-EM unter – sie wurde aber wohlweislich vielerorts aber auch gleich unterdrückt. Nur der Neuen Zürcher Zeitung sind die Details zum Beschluss zu verdanken – während es bei der Nachricht des hiesigen Atomlobbymediums, der Website nuklearforum.ch, bei verschleiernden Informationen blieb, so hiess es wörtlich: «Am 18. Iter-Ratstreffen in St. Paul-lez-Durance am 15. und 16. Juni 2016 genehmigten Vertreter der sieben Iter-Mitglieder China, Europäische Union, Indien, Japan, Korea, Russland und Vereinigte Staaten einen revidierten Kosten- und Zeitplan. 

Demnach wird der Iter im Dezember 2025 – fünf Jahre später als ursprünglich vorgesehen – den Betrieb aufnehmen. Die Erzeugung des ersten Plasmas sei jedoch nur der Anfang, so der Iter-Rat. Er forderte die Iter-Organisation auf, die Federführung zur Verlängerung des aktualisierten Kosten- und Zeitplans bis zum Deuterium-Tritium-Betrieb zu übernehmen. Der Vorschlag solle «ausreichend detailliert» sein, damit der Rat an seiner nächsten Tagung im November die überarbeiteten Projektausgangsbedingungen verabschieden könne.» Von den Kostenfolgen ist beim Nuklearforum hingegen keine Rede. Doch im Klartext bedeutet der Beschluss der Mitglieder des internationalen Iter-Projekts, dass das Projekt nicht nur erneut eine massive Verzögerung erfährt (um rund fünf Jahre), sondern dass es sich weiter massiv verteuert (zusätzlich zu den bereits beschlossenen 14 deren weitere fünf Milliarden Euro).
Davon wird auch die Schweiz betroffen sein, die sich an Iter beteiligt. Gemäss dem Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation hat sie sich bislang mit 183 Millionen Franken an Iter beteiligt – berücksichtigt man die nunmehr um rund einen Drittel erhöhten Aufwendungen, wird für die Schweiz eine weitere Kostenspritze von rund 60 Millionen fällig. Das ist immerhin fast soviel, wie im Rahmen der Kostendeckenden Einspeisevergütung KEV hierzulande jährlich für Solarprojekte aufgewendet werden. 

Aus den USA und aus Deutschland kamen in den vergangenen beiden Jahren jeweils Berichte von grossen Fortschritten in anderen Projekten der Fusionsforschung – doch wohl aus Gründen der Geheimhaltung sind die Angaben derart vage, dass sie kaum überprüfbar sind. Gemäss http://reneweconomy.com.au/2016/nuclear-fail-new-reactor-took-43-years-to-build-shut-down-after-2-days-92176. War der Watts Bar-2 reactor nach Inbetriebnahme am 3. Juni – und einer Bauzeit von 43 Jahren – gerade mal zwei Tage am Netz und schaltete sich dann von selbst ab, Grund vorderhand unbekannt.
 
Und dann noch dies: Einen guten Aspekt kann man dem in dieser Woche überraschend beschlossenen Brexit vielleicht abgewinnen – er macht die Zusammenarbeit zwischen Frankreich und Grossbritannien in der Atomtechnologie auf jeden Fall nicht einfacher. Womit das Gross-AKW-Projekt Hinkley Point, das auf wesentliche Unterstützung  französischer Technologie und Finanzkraft zählt, unwahrscheinlicher denn je wird

© Solarmedia Guntram Rehsche

Donnerstag, 23. Juni 2016

Solarenergie kann bis 2030 13% des Weltenergiebedarfs decken

Drastische Kostensenkungen können eine Verachtfachung der globalen Stromerzeugungkapazitäten der Photovoltaik bewirken.  

Der Anteil der weltweit durch Photovoltaik (PV) erzeugten Energie könnte sich nach einem neuen Bericht der Internationalen Agentur für Erneuerbare Energien (IRENA) von derzeit 2 Prozent auf 13 Prozent im Jahr 2030 erhöhen. In dem heute bei InterSolar Europe veröffentlichten Bericht Letting in the Light: How Solar Photovoltaics Will Revolutionize the Electricity System (Lasst die Sonne rein: Wie Solar-Photovoltaik-Systeme den Stromsektor revolutionieren werden) wird festgestellt, dass die Solarbranche für eine deutliche Expansion, die vor allem vom Kostenrückgang angetrieben wird, bestens gerüstet ist. Den in diesem Bericht angegebenen Schätzungen zufolge könnte die Solar-PV-Erzeugungskapazität von derzeit 227 GW bis 2030 auf 1760 bis 2500 Gigawatt (GW) ansteigen.

„Aktuelle Analysen der IRENA zeigen, dass eine Fortsetzung des Kostenrückgangs für Solar und Wind zu erwarten ist; so ist im Bereich der Photovoltaik in den kommenden zehn Jahren eine weitere Senkung um bis zu 59 Prozent möglich“, erklärt Adnan Z. Amin, Generaldirektor der IRENA. „Dieser umfassende Überblick über die Solarbranche macht deutlich, dass der Kostenrückgang in Verbindung mit anderen weltweit begünstigenden Faktoren  zu einer rasanten Expansion der Solarenergie führen kann. Die Wende  hin zu erneuerbaren Energien ist bereits im Gange  und die Solarenergie spielt dabei eine zentrale Rolle.“

Mit den  Schwerpunkten auf Technologie, Wirtschaft, Einsatzmöglichkeiten, Infrastruktur, Politik und Auswirkungen bietet der Bericht einen Überblick über die weltweite Solar-PV-Branche und ihre Aussichten für die Zukunft. Der Bericht enthält Daten und Statistiken zu folgenden Themen:

  • Erzeugungskapazität: Photovoltaik ist die am weitesten verbreitete Energiequelle der Welt, bezogenauf die Zahl der Anlagen, und sie verbreitet sich immer schneller. Im Jahr 2015 war die PV für 20 Prozent der gesamten neuen Stromerzeugungskapazität verantwortlich. In den letzten fünf Jahren ist die weltweit installierte Erzeugungskapazität von 40 GW auf 227 GW angestiegen. Zum Vergleich: Die gesamte Stromerzeugungskapazität in Afrika beträgt 175 GW.
  • Kosten: Solar-PV kostet in Europa, China, Indien, Südafrika und den Vereinigten Staaten in der Regel nur zwischen 5 und 10 US-Cent pro Kilowattstunde (kWh). Im Jahr 2015 erreichten die Preise in den Vereinigten Arabischen Emiraten (5,84 Cent/kWh), Peru (4,8 Cent/kWh) und Mexiko (4,8 Cent/kWh) ein Rekordtief. Im Mai 2016 wurde im Rahmen einerPV-Auktion in Dubai ein Angebot von 3 Cent/kWh angenommen. Diese Rekordtiefststände deuten darauf hin, dass der Trend anhält und Potenzial für einen weiteren Kostenrückgang besteht.
  • Investitionen: Auf Photovoltaik entfällt inzwischen mehr als die Hälfte aller Investitionen im Sektor der erneuerbaren Energie. In 2015 beliefen sich die weltweiten Investitionen für PV-Dachanlagen auf 67 Mrd. US-Dollar, für Systeme im Kraftwerksmaßstab auf 92 Mrd. US-Dollar und für netzunabhängige Systeme auf 267 Mio. US-Dollar.
  • Arbeitsplätze: Derzeit sind in der PV-Wertschöpfungskette 2,8 Mio. Menschen in den Bereichen Herstellung, Installation und Wartung beschäftigt; damit ist die Anzahl der Beschäftigten im PV-Bereich höher als bei allen anderen erneuerbaren Energien.
  • Umwelt: Die Stromerzeugung durch PV-Systeme hat bereits zu einer Reduzierung der Kohlendioxid (CO2)-Emissionen um bis zu 300 Mio. Tonnen jährlich geführt. Bis 2030 ist eine weitere Steigerung der Emissionsminderungen auf bis zu drei Gigatonnen CO2 pro Jahr möglich.
„Es ist zu erwarten, dass der weltweite Strombedarf bis 2030 um mehr als 50 Prozent ansteigt, was größtenteils auf den steigenden Bedarf in den Entwicklungs- und Schwellenländern zurückzuführen ist“, erklärt Amin. „Um diesen Bedarf zu decken und gleichzeitig globale Entwicklungs- und Nachhaltigkeitsziele zu erreichen, müssen die Regierungen eine Politik verfolgen, die der Solartechnologie die volle Ausschöpfung ihres Potenzials ermöglicht.“

Die Realisierung eines Anteils von 13 Prozent PV an der weltweiten Stromerzeugung bis 2030 erfordert in den nächsten 14 Jahren eine Verdoppelung der durchschnittlichen jährlichen Wachstumsraten der Erzeugungskapazität. In dem Bericht wird auf fünf Empfehlungen abgehoben, die dazu beitragen können, diese Kapazitätserhöhungen zu ermöglichen:  Anpassung der politischen Rahmenbedingungen an den aktuellen Entwicklungsstand der  Innovationen, staatliche Förderung kontinuierlicher Forschungs- und Entwicklungstätigkeiten, Schaffung und Akzeptanz von globalen Standards , Anpassung  der Marktstrukturen und Einsatz von Unterstützungstechnologien wie intelligente Netze und Speicher.

Letting in the Light ist die dritte solarspezifische Publikation, die von der IRENA in diesem Sommer veröffentlicht wird. In der letzten Woche veröffentlichte die IRENA den Bericht The Power to Change (Energie für den Wandel), der die Prognose enthält, dass die durchschnittlichen Kosten für durch Solar- und Windtechnologien erzeugten Strom bis 2025 um 26 bis 59 Prozent sinken könnten. Anfang dieser Woche veröffentlichte die IRENA den Bericht End-of-Life Management: Solar Photovoltaic (End-of-Life-Management: Solar-Photovoltaik-Module), in dem festgestellt wurde, dass das technische Potenzial von Materialien, die aus ausgedienten Solar-PV-Modulen gewonnen werden, bis 2050 mehr als 15 Mrd. US-Dollar betragen könnte und somit eine überzeugende Geschäftsmöglichkeit darstellt.
Zurück zur Übersicht Quelle   IRENA - International Renewable Energy Agency 2016

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Solar Impulse II ist in Europa angekommen




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Freitag, 17. Juni 2016

PV und Wind mit grösstem Kosten-Senkungs-Potential

Die Analysten von Bloomberg New Energy Finance rechnen mit langfristigen Investitionen von 11,4 Billionen US-Dollar in den Aufbau neuer Stromerzeugungskapazitäten. Etwa zwei Drittel davon in erneuerbare Energien. Bis 2040 werden die Kosten für neue Photovoltaik- und Windkraftanlagen demnach deutlich sinken. Anders als bislang erwartet wird aber auch die Stromerzeugung aus Kohle und Gas günstig bleiben. 

Bloomberg New Energy Finance (BNEF) geht in seinem  „New Energy Outlook 2016“ von weiter rapide fallenden Kosten für Photovoltaik und Windkraft aus. So würden die Stromgestehungskosten für Photovoltaik bis 2040 um etwa 60 Prozent sinken, für Windkraft an Land um 41 Prozent, heißt es in dem Bericht. Dies werde diese beiden Energieformen zur günstigen Erzeugungsart für Strom machen. In einigen Ländern werde diese bereits in den 2020er Jahren erreicht, in den meisten dann aber in den 2030er Jahren.

Zugleich passten die BNEF-Analysten ihre langfristigen Kostenprognosen für Kohle und Gas an. Entgegen früherer Erwartungen sei davon auszugehen, dass auch diese Stromerzeugungsquellen weiterhin zu niedrigen Kosten nutzbar seien, zumal es ein Überangebot bei diesen beiden Rohstoffen gebe. Bei den erwarteten Investitionen in neue Kapazitäten hätten die Erneuerbaren die Nase vorn. Etwa 7,8 der 11,4 Billionen US-Dollar würden bis 2040 in Photovoltaik, Windkraft und Co. investiert. Davon würden allein 3,4 Billionen US-Dollar in neue Photovoltaik-Anlagen investiert und 3,1 Billionen US-Dollar in neue Windparks. 2,1 Billionen US-Dollar würden in neue fossile Kohle- und Gaskraftwerke fließen, so die Analysten in ihrem Report.

Die Zeichen für die Photovoltaik stehen in dem Bericht auf starkes Wachstum – auch wegen der verstärkten Kombination mit Batteriespeichersystemen. Nach Ansicht von BNEF werden kleine Photovoltaik-Dachanlagen mehr als zehn Prozent der Stromerzeugungskapazitäten im Jahr 2040 ausmachen. Sie würden dann rund 1795 Terawattstunden der globalen Stromnachfrage abdecken. Auch der kombinierte Anteil von Windkraft und Photovoltaik werde sich bis 2040 weltweit verneunfachen und auf 10591 Terawattstunden steigen. Dies seien dann ein Anteil von 30 Prozent – gegenüber fünf Prozent im vergangenen Jahr. In einigen Ländern wie Deutschland, Mexiko, Großbritannien und Australien erreiche die Photovoltaik-Windkraft-Durchdringung 2040 bereits mehr als 50 Prozent.

Angesichts des Klimaschutzziels, die Erderwärmung auf 2 Grad zu begrenzen, reichten die Investitionen in Photovoltaik und Windkraft nicht aus. Bis 2040 müssten zusätzlich noch 5,3 Billionen US-Dollar in klimafreundliche Energieerzeugung investiert werden, um die CO2-Emissionen zu senken. Einen zusätzlichen Bedarf an Energie werde der Ausbau der Elektromobilität mit sich bringen. Für die Elektrofahrzeuge würden etwa 2701 Terawattstunden verbrauchen, was im Jahr 2040 etwa acht Prozent der globalen Stromnachfrage entspreche, heißt es im BNEF-Bericht weiter. Zu diesem Zeitpunkt gehen die Analysten davon aus, dass 35 Prozent der Neufahrzeuge elektrisch betrieben seien, was etwa 41 Millionen Autos entspreche.

Vom weiteren Ausbau der Erneuerbaren und der Weiterentwicklung der Elektromobilität wird nach Ansicht von BNEF auch der Speichermarkt profitieren. Für kleine Batteriespeicher erwarten die Analysten für 2040 ein Marktvolumen von etwa 250 Milliarden US-Dollar. Die Elektromobilität werde dazu beitragen, gerade die Kosten für Lithium-Ionen-Batterien deutlich zu senken. Diese würden damit dann verstärkt bei privaten und kommerziellen Photovoltaik-Projekten zum Einsatz kommen.

In ihren regionalen Szenarien gehen die BNEF-Analysten davon aus, dass in Europa bis Erneuerbaren bis 2040 die Stromerzeugung dominieren und ihren Anteil auf 70 Prozent mehr als verdoppeln werden. In den USA würden die Erneuerbaren Gas von der Spitze der Stromerzeugung verdrängen. BNEF erwartet bis 2040 einen Anstieg ihres Anteils auf 44 Prozent, während der von Gas auf 31 Prozent leicht sinken werde. In China sei damit zu rechnen, dass die Kohleverstromung weniger stark als bislang angenommen steigen werde, dafür aber mehr erneuerbare Energien zugebaut würden. Indien dagegen werde zur Deckung seines steigenden Strombedarfs wohl weiterhin stark auf Kohlekraftwerke setzen.


Quelle   sonnenseite.com / pv-magazine.de | Sandra Enkhardt 2016

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