Mittwoch, 22. Oktober 2014

So sieht die Energiezukunft aus

Das Photovoltaik-(PV)-Unternehmen Endreß & Widmann Solar GmbH hat in Neuenstadt am Kocher (Baden-Württemberg) einen vollständig energieautarken Büro- und Werkstattkomplex in Betrieb genommen. «EnFa – Die Energiefabrik» kommt zu 100 Prozent ohne Anschluss an das öffentliche Stromnetz aus und nutzt ausschließlich Erneuerbare Energien.  

Photovoltaik- und Speicheranlagen für die unabhängige Stromversorgung lieferte die IBC SOLAR AG, eines der nach eigenen Angaben weltweit führenden Systemhäuser für Photovoltaik. Entwickler und Bauherr der EnFa ist der Solarunternehmer Friedhelm Widmann, ein „Zertifizierter Fachpartner“ von IBC SOLAR und Visionär, wenn es um die Energieversorgung der Zukunft geht. Nach neunmonatiger Bauzeit war es geschafft: EnFa – Die Energiefabrik versorgt seither die Nutzer der gut 350 m² großen Produktions- und ca. 600 m² großen Bürofläche ausschließlich mit Erneuerbaren Energien. Einen Anschluss an das öffentliche Stromnetz gibt es nicht. Auf einer Grundfläche von rund 30 m² ist die komplette Energiezentrale als Herzstück des autarken Gebäudekomplexes aufgebaut worden.

„Die Motivation für den Bau der EnFa liegt in der unsäglichen Diskussion um die Machbarkeit und die Finanzierung der Energiewende“, sagt Bauherr und Diplom-Ingenieur Friedhelm Widmann. „Ich wollte zeigen, dass wir schon im Jahr 2014 in der Lage sind, eine stabile und wirtschaftlich interessante Energieversorgung zu realisieren, welche ausschließlich auf Erneuerbaren Energien basiert. Die EnFa zeigt schon jetzt eine Möglichkeit, wie Deutschland im Jahr 2050 einzig und allein mit Erneuerbaren Energien versorgt wird.“ Die Gestehungskosten für den EnFa-Strom sprechen für sich. Widmann kann, je nach Erzeugungsform, mit dauerhaft niedrigen Preisen zwischen 6 und 20 Cent pro Kilowattstunde (kWh) rechnen. Deutlich weniger, als jeder Energieversorger verlangt.

Die autarke Versorgung der EnFa basiert auf einem Mix verschiedener Erzeugungs- und Speicherarten. Ein Photovoltaiksystem mit 112 Kilowattpeak (kWp) stellt eine gleichmäßige Energieerzeugung über den gesamten Tag sicher. Dafür wurden die Module auf dem Dach und an der Fassade in unterschiedliche Himmelrichtungen ausgerichtet. Ist überschüssige Sonnenenergie vorhanden, die nicht direkt verbraucht werden kann, wird diese in einen 400 kWh großen Batteriespeicher geladen. Ein mit Biogas gespeistes Blockheizkraftwerk (BHKW) mit 40 kW elektrischer Leistung wird dann eingesetzt, wenn an strahlungsarmen Tagen die Sonnenenergie nicht ausreicht. Photovoltaik- und Batteriesystem wurden von IBC SOLAR geliefert. Der Anteil des Photovoltaiksystems an der Gesamtenergieversorgung der EnFa liegt bei rund 80 Prozent.

Da für die autarke Versorgung nicht nur Strom benötigt wird, werden die Büroräume mit einer Wärmepumpe gekühlt und beheizt. Büros mit hohen Raumtemperaturen gehören damit der Vergangenheit an: Gerade im Sommer, wenn Kühlung benötigt wird, scheint die Sonne besonders  intensiv und versorgt so die Wärmepumpe. Reicht hingegen im Winter die Sonnenenergie für die Beheizung der EnFa durch die Wärmepumpe nicht aus, wird das BHKW zusätzlich als Energielieferant angefordert.

Bei der Nutzung der Energie geht die EnFa aber noch einen entscheidenden Schritt weiter. Über drei Elektrotankstellen werden die firmeneigenen E-Fahrzeuge vor Ort geladen: „Das Fahrgefühl mit Elektroautos, welche ausschließlich mit erneuerbarem Strom betrieben werden, ist fantastisch“ erläutert Friedhelm Widmann. Und günstig ist es obendrein: 100 Kilometer Fahrt mit dem grünstrombetanktem E-Auto kosten gerade mal 85 Cent, wohingegen der klassische Benzinbetrieb mit satten 9 Euro zu Buche schlägt.

Die Abstimmung zwischen Erzeugern und Verbrauchern erfolgt über eine eigens entwickelte Software. In diese hat der Diplom-Ingenieur Widmann das Know-how seiner 20-jähringen Berufserfahrung einfließen lassen. Die Software greift auf eine Wettervorhersage über drei Tage zu, errechnet daraus den Wärme- bzw. Kühlbedarf für das Gebäude und managt die variable Gestaltung der Raumtemperaturen, die Nutzung von abschaltbaren Verbrauchern, die optimierte Beladung der Elektroautos sowie die Stabilisierung des autarken Stromnetzes. EnFa – Die Energiefabrik zeigt damit in prototypischer Weise, wie ein vernetztes und intelligentes Stromnetz funktionieren sollte. Ganz so, wie man es sich für das Jahr 2050 deutschlandweit erhofft.


Quelle: IBC-Solar

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Montag, 20. Oktober 2014

Kontakte für höheren Wirkungsgrad

Gemeinsam mit den Industriepartnern MERCK, HERAEUS und ASYS haben Forscher des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ISE neuartige Materialien und Verfahren für das kontaktlose Applizieren feinster, homogener Kontaktfinger entwickelt. 

Die sogenannte Dispens-Technologie kann problemlos in herkömmliche Produktionslinien für Siliciumsolarzellen integriert werden und dort den für das Aufbringen der Vorderseiten-Metallkontakte üblichen Siebdruck ersetzen: der Materialverbrauch wird reduziert, die Kontakte werden dünner und mehr Halbleiterfläche ist dem Sonnenlicht ausgesetzt, was eine Erhöhung der Stromausbeute und somit des Wirkungsgrads um ca. 2 % relativ zur Folge hat. Auch andere Produktionsschritte in der Solarzellenfertigung lassen sich mit dem neuen Verfahren optimieren.

Bei der Dispens-Technologie werden die von den Projektpartnern MERCK und HERAEUS neu entwickelten Materialien in einem kontaktlosen Druckverfahren durch feinste Öffnungen eines hochparallelen Druckkopfes auf der Solarzellenoberfläche platziert. Bei dieser neuen, auch Extrusionsverfahren genannten Methode werden die Materialien durch sehr feine Öffnungen eines Druckkopfes gedrückt, ähnlich wie Zahnpasta durch die Tubenöffnung, nur dass die Forscher hier Düsendurchmesser von der Dicke eines menschlichen Haars verwenden (ca. 50 µm) und viele Düsen parallel arbeiten, um die gewünschten Strukturen schnell zu fertigen.

»Am Fraunhofer ISE steht uns mit dem Photovoltaik Technologie und Evaluationscenter PV-TEC eine hervorragende Infrastruktur für derartige Neuentwicklungen zur Verfügung«, so Projektleiter Dr. Florian Clement. »Hier können wir alle Schritte von der ausführlichen Charakterisierung des Fließverhaltens der Medien bis hin zur Herstellung hocheffizienter Siliciumsolarzellen durchführen. Zur Entwicklung der Druckkopf-Architektur haben wir die Fluiddynamik des Extrusionsprozesses simuliert.« Die hergestellten Dispensköpfe konnten so in mehreren Iterationsstufen optimiert und im Anwendungslabor auf Praxistauglichkeit erprobt werden. Der Partner ASYS entwickelte unter Einbeziehung der gesammelten Erfahrungen einen Dispensautomaten, der im Frühjahr 2014 am Fraunhofer ISE in Betrieb genommen wurde. Dieser hochflexible Automat erlaubt die Integration und Ansteuerung der entwickelten Dispensköpfe und kann einfach in den herkömmlichen Fertigungsprozess einer Standardsolarzelle integriert werden, um die Metallisierungsstruktur mit Präzision auf die Solarzelle aufzubringen.

Mehrere hundert Solarzellen wurden bereits mit der Anlage und einem für die Vorderseitenmetallisierung optimierten Druckkopf metallisiert. Feinlinienkontakte mit Kontaktbreiten von weniger als 35 µm auf industriell vorprozessierten Solarzellen wurden dabei erreicht. Dies entspricht einer Verringerung der Kontaktbreite um etwa ein Drittel bei gleichbleibender Kontaktquerschnittsfläche im Vergleich zum industriell weit verbreiteten Siebdruckverfahren. Ein Ergebnis, das die Leistungsfähigkeit dieser Technologie eindrucksvoll unterstreicht. Zudem erlaubt das neue Verfahren eine äußerst homogene Extrusion der Kontakte, so dass keine sogenannten »mesh-marks«, wie sie bei Siebdruckverfahren auftreten können, beobachtet werden. Die Dispens-Technologie des Fraunhofer ISE hat das Potenzial, herkömmliche Druckmaschinen in der Solarzellenfertigung zu ersetzen, da nur leicht adaptierte Pasten verwendet werden, die Druckgeschwindigkeiten sogar erhöht werden können und auch der Feuerungsprozess unverändert bleiben kann. Darüber hinaus bietet sie Einsparungspotenzial im sogenannten Dualdruckverfahren, bei denen Busbar und Kontaktfinger der Solarzelle in zwei separaten Druckschritten gefertigt werden, um noch höhere Wirkungsgrade bei gleichzeitig reduzierten Silberverbrauch zu erzielen. Im Vergleich zum Siebdruck kann hier durch den kontaktlosen Druckprozess auf einen zusätzlichen Trockenprozess nach dem Busbar-Druck verzichtet werden, so dass nass in nass gedruckt und somit ein Trockner eingespart werden kann. Das berührungslose Verfahren verspricht zudem bei der Verwendung dünnerer Siliciumwafer eine geringere Ausschussrate.

Solarzellenhersteller zeigen bereits großes Interesse an der Dispens-Technologie und stellen Testwafer zur Verfügung, die am Fraunhofer ISE mit dem neuen System metallisiert werden. Im nächsten Schritt ist geplant, einen noch leistungsfähigeren Druckkopf zu entwickeln und in das System zu integrieren. Die Arbeiten wurden unter dem Projektnamen »Gecko« durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gefördert und von den genannten Industriepartnern mitfinanziert. Die Ergebnisse werden auf dem Metallisierungs-Workshop »Fifth Workshop on Metallization of Crystalline Silicon Solar Cells« am 20./21. Oktober 2014 in Konstanz vorgestellt.

Sonntag, 19. Oktober 2014

D: Böses Spiel mit der EEG-Umlage

Es ist fast wie das Warten auf das Christkind: Jedes Jahr orakeln ganz Deutschland über die EEG-Umlage, bis diese dann im Oktober endlich offiziell verkündet wird. Dieses Jahr sinkt die EEG-Umlage erstmals von 6,24 auf 6,17 Cent pro Kilowattstunde. Ein Kommentar von Volker Quaschning - gemäss Wikipedia Ingenieurwissenschaftler und Professor für Regenerative Energiesysteme an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin.

Minister Gabriel ließ auch gleich über eine Pressemitteilung den Erfolg seiner Politik verkünden: „Dabei hat die jüngst in Kraft getretene EEG-Novelle bereits einen unmittelbar dämpfenden Einfluss auf die EEG-Umlage 2015.“ Sicher hat alles Mögliche Auswirkungen auf die aktuelle Höhe der EEG-Umlage. Die Behauptung, die erst am 1. August 2014 beschlossene EEG-Novelle hätte einen spürbaren Einfluss, ist allerdings mehr als gewagt. Möglicherweise wurde die Pressemitteilung bereits am Anfang des Jahres verfasst. Schon damals war absehbar, dass für 2014 die EEG-Umlage zu hoch festgelegt wurde. Als Konsequenz wies das EEG-Umlagekonto bereits vor der EEG-Novelle ein deutliches Plus auf.

Folglich wurde ein Rückgang der EEG-Umlage bereits Mitte des Jahres von zahlreichen Analysten vorhergesagt. Das ist offensichtlich ein Grund, warum Minister Gabriel bei der EEG-Novelle so sehr aufs Tempo drückte. Wäre die Reform erst am 1. Januar in Kraft getreten, hätte man den Rückgang der EEG-Umlage im Oktober nicht ernsthaft als Erfolg der eigenen Politik verkaufen können.

Nun werden die Haushalte wie versprochen spürbar entlastet. Bei einem jährlichen Verbrauch von 3500 Kilowattstunden sprudeln am Jahresende 2 Euro 45 in die Haushaltskasse – vorausgesetzt die Energiekonzerne geben die Entlastung weiter. Allein die Brief- und Portokosten für die Verkündung der Entlastung dürften allerdings die Einsparungen schon wieder auffressen. Dabei hatten die meisten Analysten einen deutlich größeren Rückgang der EEG-Umlage erwartet. Somit wird das EEG-Umlagekonto vermutlich auch im nächsten Jahr wieder ein deutliches Plus aufweisen.

Die nächste homöopathische Senkung der EEG-Umlage ist so schon vorprogrammiert und damit auch schon eine positive Presseerklärung des Bundeswirtschaftsministers im nächsten Jahr. Lässt sich das auch im übernächsten Jahr fortsetzen, ist das für den Minister hinsichtlich der kommenden Bundestagswahl sicherlich nützlich.

Erkauft wurden die Erfolgsmeldungen der Bundesregierung mit einer Zerschlagung großer Teile der deutschen Solarbranche. Vermutlich sollen die positiven Nachrichten auch den Niedergang der Photovoltaik in Deutschland zugunsten der großen Energiekonzerne kaschieren. Auch der Klimaschutz wurde mit der EEG-Novelle aufgegeben und selbst ein geordneter Kernenergieausstieg könnte schwierig werden. Da aber diese Punkte derzeit auf der politischen Wahrnehmungsskala unter ferner liefen rangieren, sind vermeintliche wirtschaftliche Erfolgsmeldungen politisch gesehen deutlich wertvoller.

Bereits in der Vergangenheit hatte die Höhe der EEG-Umlage einen sehr launischen Verlauf. Unter Minister Röttgen wurde für 2012 die EEG-Umlage deutlich zu niedrig festgelegt. Damals wollte die Politik demonstrieren, dass trotz hastig beschlossenem Kernenergieausstieg die Kosten der Energiewende überschaubar bleiben. In den beiden Folgejahren musste die EEG-Umlage dafür umso drastischer angehoben werden, was dann die nötige Rechtfertigung für das Ausbremsen der durch das Reaktorunglück in Fukushima erzwungenen Energiewende lieferte. Ein Schelm wer der Politik dabei Absicht unterstellt.

Echte Lösungen für die Energiewende liefern solch taktischen Spielchen mit der EEG-Umlage allerdings nicht. Wirkliche Antworten auf die großen Herausforderungen bleiben mit der aktuellen deutschen Energiepolitik Fehlanzeige. Die deutschen Energieimporte belaufen sich inzwischen auf fast 100 Milliarden Euro pro Jahr. Und der von der Politik versprochene Rückgang der Kohlendioxidemissionen um 40 Prozent bis 2020 lässt sich höchstens noch durch eine saftige Wirtschaftskrise oder die Hoffnung auf himmlischem Beistand erreichen.

Irdische Mittel wären die drastische Steigerung der Energieeffizienz und des Ausbaus erneuerbarer Energien. Dazu müsste unter anderem der Photovoltaikzubau auf 10 Gigawatt pro Jahr vervierfacht werden. Um die Solarstrommengen dann noch sinnvoll ins Netz zu integrieren, bräuchten wir umgehend einen Ausstiegsplan aus der Kohlenutzung und Konzepte zur Netzintegration von großen Photovoltaikleistungen, beispielsweise über einen sinnvoll geplanten Ausbau von dezentralen Energiespeichern.

Von einer Regierung, die aber lieber das Senken der EEG-Umlage um 0,07 Cent pro Kilowattstunde als politischen Erfolg verkauft, sind allerdings wohl keine zielführenden Vorschläge zum Erhalt der Lebensgrundlagen künftiger Generationen zu erwarten.

Freitag, 17. Oktober 2014

Nächstes Konzept für Energiewende

Die eigenständige Vermarktung von Ökostrom plus Kapazitätszahlungen sollen den Ausbau der Erneuerbaren Energien und deren Systemdienlichkeit gewährleisten.

Einen weiteren Vorschlag für eine grundlegende Neugestaltung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) stellt Agora Energiewende zur Diskussion. Dieser sieht vor, dass Erneuerbare-Energien-Anlagen künftig nicht mehr je produzierte Kilowattstunde Strom, sondern für die installierte betriebsbereite Kapazität vergütet werden. Denn die bisherige Art der Förderung führt bislang dazu, dass Wind- und Solaranlagen nicht so gebaut und betrieben werden, dass sie optimal mit dem Stromsystem harmonieren. Dem Vorschlag zufolge sollen sich die Vergütungen stattdessen vor allem am Wert der Anlagen für das Stromsystem bemessen. Sie sollen sich daher aus zwei Quellen speisen: Zum einen aus den durch den Stromverkauf erzielten Erlösen. Zum anderen soll die Leistungsbereitschaft der Anlagen – die so genannte Kapazität – vergütet werden. Dazu sollen fixe jährliche Zahlungen eingeführt werden. Das System ist dabei so aufgebaut, dass sowohl Über- als auch Unterförderungen verhindert werden. 

Das nächste EEG wird für Anlagen gelten, die weit über 2030 hinaus unser Stromsystem prägen. In diesem Zeitraum werden die Erneuerbaren Energien ihren Anteil am Strommix auf 50 Prozent steigern und zur dominanten Stromerzeugungsform werden. Systemdienliche Auslegung und Betrieb der Erneuerbaren-Energien-Anlagen werden daher zentral, sonst steigen die Gesamtsystemkosten“, sagt Dr. Patrick Graichen, Direktor von Agora Energiewende. Die Umstellung von dem bisherigen Vergütungssystem für Ökostrom mit der gleitenden Marktprämie – ein variabler Zuschuss je Kilowattstunde – wird der Studie zufolge nötig, um die nächste Phase beim Ausbau der Erneuerbaren Energien zu bewältigen. Die vorgeschlagene Kombination aus Kapazitätszahlungen und Einnahmen aus dem Stromverkauf soll dem Anlagenbetreiber eine ähnliche Investitionssicherheit wie das aktuelle EEG bieten, gleichzeitig aber die Anlagenbetreiber aber auch dazu anspornen, ihre Kraftwerke bestmöglich in das Stromsystem zu integrieren. 

Die neue Vergütungsregel soll zunächst nur für große Anlagen gelten. Für kleinere Kraftwerke – insbesondere Bürgerenergieprojekte – empfehlen die Autoren der Studie Sonderregeln, um auch in diesem Segment weiterhin einen kontinuierlichen Zubau zu ermöglichen.

Die unter dem Titel „Erneuerbare-Energien-Gesetz 3.0 – Konzept einer strukturellen EEG-Reform auf dem Weg zu einem neuen Strommarktdesign“ erschienene Studie wurde vom Öko-Institut im Auftrag von Agora Energiewende erarbeitet. „Wir brauchen einen langfristig stabilen Investitionsrahmen für den notwendigen Erneuerbare-Energien-Ausbau. Die Diskussion darüber muss jetzt beginnen und darf sich nicht allein auf die Frage des Designs von Ausschreibungen beschränken“, sagt Graichen. „In diesem Sinne möchten wir unsere Studie als Diskussionsvorschlag zur Rolle der Erneuerbaren Energien in einem künftigen Marktdesign verstanden wissen.“

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Donnerstag, 16. Oktober 2014

BYD mit weltgrösster Batterie

Das chinesische Unternehmen BYD hat gemäss dem Portal solarserver.de den derzeit größten kommerziell genutzten Energiespeicher der Welt ans Netz gebracht: 20 Megawatt (MW) Wechselrichterleistung bei 40 Megawattstunden (MWh) Kapazität stehen auf dem Werksgelände von BYD bei Hongkong zur Nutzung bereit, berichtet das Unternehmen.

Der Batterie-Speicher mit einer Kapazität von 40 Megawattstunden schafft 20 Megawatt WechselrichterleistungDer neue BYD-Großspeicher an der Unternehmenszentrale in Shenzhen dient vor allem dazu, Lastspitzen in der Energienachfrage abzufedern: Insbesondere nachts, wenn der Energiebedarf geringer ist, lädt die Riesenbatterie überschüssigen Strom aus dem Netz; tagsüber entnehmen die Verbraucher den Strom wieder aus den 32 einzelnen Speichereinheiten mit je 1.250 kWh, aus denen das große Energy-Storage-System (ESS) besteht.

Neben diesem „Peak Shaving“ kann das System auch zur Frequenzstabilisierung im Netz beitragen. Insgesamt knapp 60.000 einzelne Lithium-Eisenphosphat-Zellen mit je 230 Amperestunden Kapazität bilden den Verbund, der in seinem Speicherumfang etwa einer halben Million Laptop-Batterien oder 2.000 Elektroautos entspricht. „Die Dimensionen und Kennzahlen dieses Systems sind beeindruckend. Hier ist in einem Gebäude etwa so viel Batteriekapazität installiert, wie wohl alle bisher in diesem Jahr in Deutschland vereinten Heimspeicher zusammen haben“, rechnet FENECON-Geschäftsführer Franz-Josef Feilmeier hoch, der eng mit BYD zusammenarbeitet.
Er vertreibt mit seinem Team in Europa die Heimspeicher des chinesischen Anbieters. Gemeinsam planen beide Partnerunternehmen ähnliche Projekte.

„In China gibt es keine alteingesessene Energielobby, die sich Stromspeicher mit der Behauptung vom Leib halten will, man brauche diese erst in 20 Jahren. Im Gegenteil, dort werden die relevanten Geschäftsfelder der Zukunft erkannt und die Weichen entsprechend gestellt. Entscheidend ist es, die Funktionsvielfalt von Speichern zu erkennen und zu nutzen. Mit kombinierten Anwendungen für Regelleistung, Dienstleistungen im Verteilnetz und den Anwendungsfunktionen bei dezentralen Stromverbrauchern erzielen Speicher bereits jetzt auch in Deutschland eine hohe Wirtschaftlichkeit bei optimierter Versorgungssicherheit.“

Der Startschuss für das Energiespeicher-Projekt in China fiel im Oktober 2013, Betriebsbeginn war im Juni 2014. Die Hälfte der insgesamt nur zehn Monate dauernden Zeit von Planungsbeginn bis Inbetriebnahme war für den Aufbau der Gebäude erforderlich. Die eigentliche Installation des Speichers nahm drei Monate in Anspruch. Der Kraftwerksleitstand ist im Gebäude aufgebaut und stammt wie alle weiteren Komponenten vom Unternehmen selbst. Ein redundantes und von der Zelle über das Batteriemodul bis zum System durchgehendes Sicherheitskonzept gewährleistet einen gefahrlosen Betrieb der Lithium-Eisenphosphat-Akkus. 

Der Großteil der Gelder stammt von BYD, zu einem kleinen Anteil sind auch Investoren beteiligt; die Nutzung von Preisunterschieden zwischen Beladen und Entladen durch Tag- und Nachtstrom, ein vermiedener Netzausbau für Spitzenlasten und Einnahmen für Netzdienlichkeit ermöglichen einen wirtschaftlichen Betrieb ohne Förderung oder Subventionen. Der Rekordspeicher löst mit den bisherigen Spitzenreiter ab, ein 2011 installiertes 6 MW/36 MWh Regelspeicherkraftwerk in der Nähe Pekings, das ebenfalls von BYD realisiert wurde. Derweil gehen die Planungen für die nächste Generation von netzdienlichen Speichern weiter: aktuell werden 3 Standorte für ein 1.000 MW/200 MWh Speicherkraftwerk geprüft. Die Speicherexpertise und überlegene Batterietechnik des Unternehmens hat auch Daimler erkannt: Das Unternehmen fertigt für den chinesischen Markt mit BYD in einem Joint Venture das Elektrofahrzeug DENZA.

Mittwoch, 15. Oktober 2014

EU-Studie zeigt Kostengünstigkeit

Eine von der EU-Kommission veröffentlichte Studie zu Kosten und Subventionen der verschiedenen Energieträger zeigt, wie günstig Erneuerbare Energien geworden sind. „Strom aus Windkraft an Land ist finanziell auf Augenhöhe mit Kohlestrom, und Solarstrom ist so günstig geworden, dass sein Preis nur noch minimal über dem von Gas und Atomkraft liegt“, sagt Dr. Hermann Falk, Geschäftsführer des Bundesverbandes Erneuerbare Energie (BEE).

Das Beratungsunternehmen Ecofys hatte im Auftrag von EU-Kommissar Günther Oettinger die Kosten der Energieerzeugung ohne staatliche Eingriffe errechnet. Danach liegt Strom aus Steinkohle bei 75 Euro je Megawattstunde (MWh), Wind onshore unwesentlich höher, Atomenergie und Strom aus Gaskraftwerken liegen bei 100 Euro je MWh und
Solarstrom bei 100 bis 115 Euro je MWh (je nach Anlagengröße). Dabei muss berücksichtigt werden, dass die Ecofys-Zahlen von 2012 stammen. Seitdem sind die Erneuerbaren Energien noch kostengünstiger geworden.

Noch klarer werden die Vorteile der sauberen Energien, wenn man die sogenannten externen Kosten wie Umwelt- und Gesundheitsschäden mit einrechnet.
Diese Kosten beziffert Ecofys für alle EU-Staaten auf 150 bis 310 Milliarden Euro im Jahr 2012. Deutschland führt die Negativrangliste mit 42 Mrd. Euro an. Hauptgrund ist der immer noch viel zu hohe Anteil der Kohle an der Energieerzeugung. Darauf entfallen 45 Prozent der Schäden. Die Kohle hat Folgekosten von bis zu 140 Euro je MWh, Erdgas kommt auf 60 Euro. Atomkraft und Sonnenenergie liegen bei 20 Euro je MWh, Biomasse schlägt mit 25 Euro zu Buche. Windkraft hat laut Ecofys faktisch keine Folgekosten. 

Bei der
Berechnung der externen Kosten der Atomkraft hat Ecofys extrem niedrige Kosten für einen nuklearen Unfall angesetzt: umgerechnet 0,5 bis 4 Euro je MWh. Die deutsche Versicherungswirtschaft war in einer Studie für den BEE auf 140 Euro je MWh gekommen. Auch berücksichtigt Ecofys nicht den Wert der verschenkten Verschmutzungszertifikate im EU-Emissionshandel und den staatlichen Verzicht auf eine angemessene Versicherung der Atomreaktoren – beide Faktoren hätten die Gesamtrechnung noch deutlich zulasten der Kohle- und Atomwirtschaft ausgeprägt, was derzeit in der EU wohl nicht gewollt ist.  „Wer sich all diese Zahlen vor Augen hält, sollte klar sehen, dass sich Erneuerbare Energien ökologisch und ökonomisch rechnen“, so BEE-Geschäftsführer Falk abschließend. 


Quelle: Deutscher Bundesverband Erneuerbarer Energien

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