Dienstag, 17. Januar 2017

Mit solaren Gebäudehüllen Architektur gestalten

Für ästhetisch hochwertige Architektur werden Technologien benötigt, die dem Architekten mehr Gestaltungsspielraum für Niedrigst- und Plusenergiegebäude geben. Im Projekt »ArKol« entwickeln Forscher des deutschen Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern aktuell zwei Fassadenkollektoren für solare Wärmeerzeugung, die ein hohes Maß an Designflexibilität erlauben: einen Streifenkollektor für opake sowie eine solarthermische Jalousie für transparente Fassadenanteile. Der aktuelle Stand der beiden Entwicklungen wird auf der BAU 2017 vorgestellt.

Visualisierung einer Fassade mit
solarthermischer Jalousie. ©Facade-Lab
Im Projekt »ArKol – Entwicklung von architektonisch hoch integrierten Fassadekollektoren mit Heat Pipes« entwickelt das Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern zwei neuartige Fassadenkollektoren von der Idee bis zur Anwendungsreife. Beide Entwicklungen sollen gegenüber marktüblichen Kollektoren wesentlich flexibler in die Gebäudehülle integrierbar sein und so die architektonische Integration von Solarkollektoren in Fassaden attraktiver machen. Durch die Multifunktionalität der Gebäudehülle und die Verwendung von massengefertigten Teilkomponenten werden die Kosten der solarerzeugten Wärme dennoch deutlich unter den Kosten konventioneller Solarthermiekollektoren liegen. In den vergangenen Monaten konnte das Projektteam hierfür zwei vielversprechende Ansätze konkretisieren. Zum einen arbeitet es an einem Streifenkollektor, bei dem der Abstand und das Material zwischen den Streifen frei gewählt werden können. Zum anderen entsteht eine solarthermische Jalousie, die zwischen Glasscheiben eingesetzt werden kann. Beide Entwicklungen verwenden sogenannte Heat-Pipes (Wärmerohre) mit einer trockenen thermischen Anbindung an den Sammelkanal und erlauben so eine flexible Gestaltung des Kollektordesigns. Dadurch lassen sich die Kollektoren optimal in gängige Gebäudehüllen integrieren. 

Die erste Produktidee besteht aus streifenförmigen Heat-Pipe-Kollektoren, die in der Länge variabel sind und flexibel angebracht werden können. Das Heat-Pipe-Konzept ist dabei so angelegt, dass alle Ausrichtungen inklusive der horizontalen möglich sind. Durch die besondere Anbindung des Wärmesammlers erwarten die Forscher einen verringerten thermischen Widerstand. Die Sammleranbindung ist in Form eines Heat Pipe-Kondensators ausgeführt, der formschlüssig in einen entsprechend extrudierten Sammelkanal greift. Sie ermöglicht zudem einen stufenlos einstellbaren, flexiblen Abstand der einzelnen Heat-Pipes und trägt so weiter zur Individualisierung der Anwendung bei. »Der Streifenkollektor vereint hohe Effizienz mit architektonischer Gestaltungsvielfalt«, so Dr.-Ing. Christoph Maurer, Teamleiter Solarthermische Fassaden am Fraunhofer ISE. »Im Bereich zwischen den verglasten Kollektorstreifen können klassische Materialien wie Holz oder Putz, Strukturen und Farben verwendet werden.« Durch die Verwendung von Heat-Pipes auf Basis stranggepresster Profile erwartet das Projektteam eine kostengünstige fertigungstechnische Realisierung von unterschiedlichen Kollektorstranglängen. Auch die Verschaltung unterschiedlich langer Heat-Pipes mit einem gemeinsamen Sammelkanal ist im Gegensatz zum direkt durchströmten Kollektor hydraulisch unproblematisch. Der modulare Aufbau des Kollektors und die »trockene« Anbindung der Heat-Pipe an den Sammelkanal führen außerdem zu einer einfacheren Wartung des Kollektors sowie geringeren Installationskosten.
 
Die zweite Produktidee ist eine solarthermische Jalousie (siehe auch Bild) die erstmals eine energetisch optimale Regelung der Energieströme durch die Fassade ermöglicht. Um diesen Effekt zu erzielen, können Jalousielamellen mit spektralselektiver Beschichtung eingesetzt werden. Über eine Heat-Pipe wird die Wärme von der Lamelle an den seitlichen Sammelkanal transportiert. Wenn außenliegende Jalousien nicht erwünscht oder möglich sind, werden schon heute oft Jalousien zwischen zwei Glasscheiben eingesetzt. »Solche Jalousien werden sehr warm, was den Kühlbedarf des Gebäudes erhöht. Die solarthermische Jalousie ist genauso beweglich wie eine normale Jalousie, aber sie liefert gleichzeitig Wärme und verringert den Energieeintrag in das Gebäudeinnere«, so Maurer. Die schaltbare Anbindung an den Sammelkanal ermöglicht es dem Nutzer, die Jalousie zu drehen und zu raffen. Somit können die Sonnenschutz- und Wärmegewinn-Funktionen je nach Sonnenstand geregelt werden. Wird die Anbindung geöffnet und die Jalousie gerafft, können die passiven solaren Erträge den Heizbedarf des Gebäudes senken. Im Vergleich zu bisherigen opaken oder teiltransparenten Kollektoren bedeutet dies ein schaltbares Energiemanagement. Die Verwendung von Heat-Pipes zur thermischen Ankopplung macht die Nutzung beweglicher Lamellen für eine Energiegewinnung erst technisch machbar. Durch die Regelbarkeit und bei Bedarf vollständige Aufhebung der Verschattung sowie die gestalterische Ausführung des Kollektors als Jalousie kann dieser Fassadenkollektor sehr gut für ökologische Hochhäuser genutzt werden.

Das Projekt »ArKol« startete Anfang 2016 und wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) gefördert. In den ersten eineinhalb Jahren entwickeln die Projektpartner detailliert kostenoptimale Teilfunktionen der Fassadenkollektoren. 2017 werden die Musterkollektoren am Fraunhofer ISE erste Labortests durchlaufen. 2018 wird die Vermessung und Kalibrierung der Simulationsmodelle vorgenommen. Auf deren Basis lassen sich die Vorteile der Technologien präzise voraussagen. Zum Projektabschluss 2019 wird für jede der beiden Technologien eine Demofassade realisiert. Direkt im Anschluss ist für 2020 ein Folgeprojekt geplant, mit ersten kommerziellen Umsetzungen der Technologien. Interessierte Architekten, Bauherren und Planer können sich ab sofort direkt an Dr.-Ing. Christoph Maurer wenden.

Auf der Messe BAU vom 16. bis 21. Januar 2017 in München stellt das Fraunhofer ISE seine Entwicklungen im Rahmen des Projekts »ArKol« vor. Besuchen Sie uns am Stand der Fraunhofer-Allianz BAU in Halle C2, Stand 538.

Quelle: https://arkol.de/de

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Freitag, 13. Januar 2017

Die Erneuerbaren Energien werden gewinnen

„Der Trend zu erneuerbaren Energien ist unumkehrbar und wird sich fortsetzen“, schreibt Noch-Präsident Barack Obama in der Wissenschaftszeitung „Science“. Ein Kommentar von Franz Alt.

pixabay.com | mikebrice |
„Der Trend zu erneuerbaren Energien ist unumkehrbar
und wird sich fortsetzen“, Noch-Präsident Barack Obama
Eine wichtige Botschaft in einer Zeit, in der Klimaleugner immer mehr Schlüsselpositionen in der neuen Regierung Trump besetzen und der künftige US-Präsident den Klimawandel für eine „Erfindung der Chinesen“ hält, um „der US-Wirtschaft zu schaden“. Obama nennt vier Gründe für seinen realistischen Optimismus:
  1. Klimaschutz und Wirtschaftswachstum sind keine Gegensätze mehr. Die Wirtschaft wächst weiter, aber die globalen Emissionen bleiben weltweit konstant. In den USA sind seit 2008 die Treibhausgase um 9,5% gesunken, aber die Wirtschaft ist in derselben Zeit um ca. 18% gewachsen.
  2. In den USA spielt bei immer mehr Firmen und Verbrauchern Energie-Effizienz eine immer größere Rolle. Energiesparen lohnt sich finanziell.
  3. Erneuerbare Energie wird auch in den USA immer preisgünstiger. Strom aus Windkraft ist in den USA seit 2008 um 41%, Solarstrom sogar um 64% günstiger geworden
  4. Obama weist auch darauf hin, dass inzwischen 110 Staaten dem Paris-Abkommen beigetreten sind. Kein Klimaschutz, so Obama, läuft also auch den wirtschaftlichen Interessen der USA entgegen. Die USA seien nicht allein auf der Welt.
Es sind also im Wesentlichen ökonomische Gründe, die nach Obama für die Energiewende sprechen. Ob der Unternehmer Trump dieser Einsicht folgen wird, muss sich freilich erst noch zeigen. Allerdings: Wenn die ganze Welt es vormacht, wird auch Donald Trump an den ökonomischen Vorzügen der künftigen ökologischen Energieversorgung auf Dauer nicht vorbeikommen.

Die Politik orientiert sich nicht immer an Fakten, sondern kann auch „postfaktisch“ sein, die Wirtschaft aber orientiert sich an Zahlen und zwar an faktischen und nicht an „postfaktischen“. Unternehmer wie Trump werden bald den Hauptsatz der Energie-Ökonomie verstehen: Sonne und Wind schicken keine Rechnung und haben so gut wie keine Folgekosten. Energiewende kostet, das ist richtig, aber keine Energiewende kostet die Zukunft. „It´s the economy, stupid“ (Bill Clinton). Na also!
Quelle:   Sonnenseite / FRANZ ALT 2017

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Mittwoch, 11. Januar 2017

Bund beurteilt differenzierte Stromabgabe kritisch

Für die zweite Etappe der Energiestrategie hatte der Bundesrat dem Parlament erst eine Verfassungsänderung vorgelegt, die den Grundsatz regeln würde. Das Fördersystem sollte durch ein Lenkungssystem abgelöst werden. Dann verlangte das Parlament mehr Info

Ziel des ganzen Vorhabens ist es, die Energieeffizienz zu steigern und den Ausstoss von Treibhausgasen zu verringern. Die Energiekommission des Nationalrates (UREK) nahm die Beratungen dazu vor einem Jahr in Angriff - und verlangte von der Verwaltung zusätzliche Informationen. Insbesondere wollte sie wissen, ob die Stromabgabe differenziert ausgestaltet werden könnte. Der Bericht der Verwaltung liegt nun vor, wie die Kommission mitteilte.

Mit einer differenzierten Stromabgabe würde die Stromproduktion aus erneuerbaren Energien von einem niedrigen Abgabesatz profitieren, während Strom aus Kernkraftwerken und fossiler Energie einem höheren Satz unterlägen. Die Schweizer Produzenten würden davon aber nicht zwangsläufig profitieren, da das europaweite Angebot von Strom aus erneuerbaren Quellen die gesamte Schweizer Stromproduktion um ein Mehrfaches übersteigt. Ein solches Instrument gäbe also kaum Anreize für die Produktion und den Ausbau von erneuerbaren Energien im Inland, heisst es im Bericht. Würde eine differenzierte Stromabgabe so umgesetzt, dass ausländische Stromproduzenten schlechter gestellt wären, verstiesse dies gegen die internationalen Vorgaben. Die Pflicht zur Nicht-Diskriminierung sei ein Grundprinzip des internationalen Handelsrechts, hält das Umweltdepartement fest. Prinzipiell liesse sich ein solcher Verstoss zwar möglicherweise gestützt auf Ausnahmebestimmungen zum Schutz des Klimas rechtfertigen. Ob das gelinge, hänge aber von den konkreten Umständen ab und sei tendenziell eher zu bezweifeln.

Im Bericht werden auch weitere mögliche Modelle dargestellt, darunter das Quotenmodell. Damit würden alle Lieferanten verpflichtet, einen Mindestanteil ihrer Elektrizität aus neuen erneuerbaren Energien zu liefern. Dieser würde über die Jahre kontinuierlich zunehmen. Das Problem bei diesem Modell ist dasselbe: Beschränkt sich die Förderwirkung auf den inländischen Kraftwerkpark, werden ausländische Produzenten diskriminiert. Hinzu kommen weitere Schwierigkeiten. Ein Quotenmodell für neue erneuerbare Energien sei in der Schweiz eher ungeeignet, da nicht genügend Liquidität im Markt bestehe, heisst es im Bericht. Werde das Modell auf bestehende erneuerbare Energien ausgedehnt, könnten hohe Mitnahmeeffekte entstehen.

Ein Auktionsmodell wiederum wäre mit erheblichem Aufwand verbunden. Zudem könnte die Wasserkraft in einem technologieneutralen Auktionsmodell nur profitieren, wenn sie im Vergleich zu den anderen Technologien kostengünstig zugebaut werden könnte. Ein Marktprämienmodell, wie es im ersten Massnahmenpaket zur Energiestrategie für die Grosswasserkraft beschlossen wurde, sieht das Umweltdepartement eher als Übergangslösung. Ungeachtet eines Verstosses gegen internationales Recht sei ein solches nur ausserhalb eines Stromabkommens mit der EU gangbar, schreibt es.

Als langfristige Massnahme schlägt der Bericht das Instrument eines Kapazitätsmarktes vor: Eine vorgegebene Leistung wird langfristig auktioniert. Je nach Ausgestaltung des Modells müsste die Leistung mit einer gesicherten Energiemenge hinterlegt sein. Ein solches Modell würde den Kraftwerken helfen, genügend Deckungsbeiträge an die Kapitalkosten zu erwirtschaften, damit die langfristige Wettbewerbsfähigkeit mit Erneuerungsinvestitionen gewährleistet ist.

Im Fazit hält das Umweltdepartement fest, die aufgezeigten Modelle seien alle umsetzbar, mit "mehr oder weniger grossen Hindernissen". Falls der Bundesrat einen Auftrag zur detaillierten Erarbeitung eines Modelles erhalten sollte, müsste aber festgelegt werden, welche Ziele verfolgt werden sollten - ob es um den Ausbau der erneuerbaren Energien oder Reinvestitionen für den Erhalt der bestehenden Kraftwerke gehe. Die Nationalratskommission will die Modelle nun prüfen.

Anmerkung Solarmedia: Die einfachste Option wird ignoriert: Optimieren der bewährten Einspeisevergütung (KEV). Warum auf Teufel komm raus ein neues System? 

Quelle: Diverse Agenturen

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Dienstag, 10. Januar 2017

Lange für Schweiz erwartet: Merkblatt PV-Anlagen mit Batterie

In Deutschland wird schon jede zweite neue Photovoltaikanlage mit einem Batteriespeicher kombiniert. In der Schweiz ist dies bisher noch eine Ausnahmeerscheinung, aber das dürfte sich angesichts sinkender Preise und dem Trend zu hohem Eigenverbrauch rasch ändern. Das neue Merkblatt von Swissolar verschafft interessierten Fachleuten eine Übersicht zur Dimensionierung, Integration ins PV-System, Vorschriften, Kosten, Wirtschaftlichkeit und weiteren Fragen rund um dezentrale Stromspeicher.
 
Wer heute eine Photovoltaikanlage baut, muss in der Regel auf eine möglichst hohe Eigenverbrauchsquote achten. So kann er den Verkauf des überschüssigen Stroms zu tiefen Tarifen an den Verteilnetzbetreiber minimieren. Batteriespeicher ermöglichen es, selbst erzeugten Solarstrom auch in den Abendstunden zu nutzen und je nach Nutzerprofil und Anlagenauslegung die solare Selbstversorgungsquote auf 60 Prozent und mehr zu verdoppeln oder gar zu verdreifachen. 
  
Deutschland zeigt, wohin die Entwicklung geht: Dort wird bald jede zweite neue Solarstromanlage zusammen mit einem stationären Batteriespeicher installiert. Bereits sind über 50‘000 Speicher in Betrieb, 2016 kamen mindestens 15‘000 hinzu. In der Schweiz steht diese Entwicklung erst am Anfang, 2015 wurden rund 150 Speicher installiert. Doch das Interesse an Batteriespeichern nimmt auch hierzulande rapide zu, getrieben unter anderem durch sinkende Rückliefertarife der Energieversorger und den faktischen Wegfall der KEV.

Das neue Swissolar-Merkblatt „PV-Anlagen mit Batterien“ richtet sich primär an Solarprofis, die ihre Kunden bei der Wahl und Auslegung eines Batteriespeichers kompetent beraten möchten. Es wurde innerhalb der Swissolar-Arbeitsgruppe „Dezentrale Stromspeicher“ erarbeitet. Folgende Themen werden behandelt:

·         Wechselspannungs- oder gleichspannungsseitige Kopplung (AC- und DC-Systeme). Erstere eignen sich unter anderem für die Nachrüstung von bestehenden Bauten mit PV-Anlagen, letztere sind kostengünstiger und benötigen weniger Platz.

·         Technik: Es werden Vor- und Nachteile der beiden üblichen Technologien, nämlich Lithium-Ionen- und Blei-Säure-Batterien, vorgestellt.

·         Kosten und Wirtschaftlichkeit: Die relevanten Parameter werden erläutert, die für eine korrekte Berechnung der Wirtschaftlichkeit eines Stromspeichers benötigt werden.

·         Vorschriften und Anforderungen: Das Merkblatt bietet eine vollständige Übersicht aller relevanten gesetzlichen Bestimmungen und Werkvorschriften.

·         Betriebsweise der Speicheranlage: Hier geht es um die Grundsatzfrage, ob der private Nutzen oder die ideale Netzentlastung im Vordergrund steht.

·         Eigenverbrauch optimieren: Für EFH zeigen diverse Simulationen übereinstimmend, dass kleine Speicher mit ca. 2-5 kWh nutzbarer Speicherkapazität den Eigenverbrauchsanteil signifikant erhöhen. Ab 8 kWh nutzbarer Speicherkapazität verringert sich der Gewinn pro zusätzlicher kWh – eine Überdimensionierung ist also zu vermeiden. Das Merkblatt zeigt auch, wie eine signifikante Erhöhung des Eigenverbrauchs durch eine Einbindung von geschalteten Lasten (z.B. Warmwasserspeicher) erreicht werden kann.

·         Speicher im Netz und Energiemarkt: Auch kleine Speicher können zu einem virtuellen Kraftwerk zusammengeschlossen werden und können dadurch am Regelenergiemarkt teilnehmen.

·         Entsorgung und Recycling: Firmen, die Batterien erstmals in Verkehr bringen, müssen sich bei der Interessenorganisation INOBAT melden, die eine vorgezogene Entsorgungsgebühr erhebt.

·         Checkliste zum Umgang mit Batterien, z.B. Raumtemperatur, Luftfeuchtigkeit, Brandschutz und Zugänglichkeit.
 

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Montag, 9. Januar 2017

Good & Bad News zur deutschen Energiewende

Die Jahresauswertung von Agora Energiewende zeigt: Erneuerbare Energien legten in Deutschland zu, während Kohleverstromung und Energieverbrauch sanken. Das Tempo reicht jedoch nicht, um die Klima- und Effizienzziele 2020 zu erreichen. 

Das Jahr 2016 hat für die Energiewende sowohl gute als auch schlechte Nachrichten gebracht: Einerseits ist das Stromsystem das dritte Jahr in Folge klimafreundlicher geworden, konnten sich Gaskraftwerke von Kohlekraftwerken Marktanteile zurückerobern, verlief der Atomausstieg nach Plan, lieferten Erneuerbare-Energien-Anlagen so viel Strom wie nie zuvor, sank der Stromverbrauch und ist die Zustimmung der Bevölkerung zur Energiewende auf sehr hohem Niveau weiterhin gewachsen. Andererseits wurde Ende 2016 deutlich, dass die Gesamt-Klimagasemissionen Deutschlands abermals gestiegen sind, die Strompreise für Haushalte 2017 erstmals die Marke von 30 Cent pro Kilowattstunde überspringen werden, und die Fortschritte so langsam erfolgen, dass die für 2020 gesetzten Ziele für Klimaschutz und Effizienz nur noch mit einer großen zusätzlichen Kraftanstrengung zu erreichen sind. Das zeigt die heute vorgestellte Jahresauswertung 2016 von Agora Energiewende. 

Demnach lieferten Erneuerbare-Energien-Anlagen beinahe jede dritte Kilowattstunde Strom, die verbraucht wurde: 32,3 Prozent. Somit wuchs der Ökostrom-Anteil 2016 um 0,8 Prozentpunkte. Dass trotz des starken Zubaus insbesondere von Windkraftanlagen (5 Gigawatt) sowie von Solarstromanlagen (1 Gigawatt) nur 4 Terawattstunden mehr Ökostrom als im Vorjahr produziert wurden, ist den unterdurchschnittlichen Wind- und Sonnenbedingungen im Jahr 2016 geschuldet. „Daraus können wir für die weitere Energiewende lernen, dass sich der Ausbau der Erneuerbaren Energien an den regelmäßig auftretenden schlechten Windjahren orientieren sollte. Denn nur dann ist der Klimaschutz im Energiesystem wirklich gesichert“, sagt Dr. Patrick Graichen, Direktor von Agora Energiewende. Sehr deutlich legten Erdgaskraftwerke zu – sie produzierten gut ein Viertel mehr Strom als im Vorjahr. Mit einem Anteil von 12,1 Prozent am Erzeugungsmix lieferten sie fast so viel Strom wie Kernkraftwerke (13,1 Prozent), deren Erzeugung sich seit 2000 annähernd halbiert hat. 

Infolge des Wachstums bei der Verstromung von Erdgas und bei Erneuerbaren Energien sank der Anteil von Braunkohle an der Stromerzeugung auf 23,1 Prozent (-0,8 Prozentpunkte), der Anteil der Steinkohle verminderte sich auf 17 Prozent (-1,2 Prozentpunkte). Damit hält der 2014 begonnene Rückgang der Kohleverstromung weiter an. „Wenn man den Rückgang der Kohleverstromung in 2016 in der Zukunft so fortsetzen würde, so würde ungefähr Anfang 2038 das letzte Kohlekraftwerk vom Netz gehen“, sagt Graichen. „Das entspricht dem von Agora Energiewende vorgeschlagenen Kohlekonsens-Pfad. Nach der Bundestagswahl müssen hierzu zügig die Gespräche beginnen, um einen gesamtgesellschaftlichen Konsens für Klimaschutz, Strukturwandel und Versorgungssicherheit zu erreichen.“ 

Der verminderte Kohleeinsatz schlägt sich auch in der Klimabilanz des Stromsystems nieder: Dessen CO2-Emissionen gingen 2016 leicht zurück und lagen bei 306 Millionen Tonnen (-1,6 Prozent gegenüber 2015). Demgegenüber sind die Gesamt-Treibhausgasemissionen Deutschlands von 908 auf 916 Millionen Tonnen gestiegen (+0,9 Prozent). Damit sind die CO2-Emissionen des Stromsektors nun im dritten Jahr in Folge gesunken, während in den Sektoren Industrie, Wärme und Verkehr kaum Klimaschutz stattfindet. „Die Energiewende ist nicht nur eine Sache des Stromsektors – jetzt müssen auch Industrie, Wärme und Verkehr ihre Klimaschutzbeiträge liefern“, so Graichen. 

Der Stromverbrauch ging 2016 zwar leicht zurück und liegt mit 592,7 Terawattstunden um 2,4 Terawattstunden unter Vorjahresniveau. Um das für 2020 gesetzte Effizienzziel der Bundesregierung zu erreichen, müssten von nun an jedoch 9 Terawattstunden pro Jahr eingespart werden. „Deutschland wird zwar immer effizienter im Umgang mit Strom. Denn trotz eines Wirtschaftswachstums von 1,8 Prozent ist der Stromverbrauch gesunken“, sagt Graichen. „Es muss hier aber noch viel mehr geschehen. Jede gesparte Kilowattstunde macht die Energiewende kostengünstiger.“ 

In der Bevölkerung wird die Energiewende weiterhin positiv gesehen – die Zustimmung ist 2016 sogar noch gewachsen. So halten 93 Prozent der Bundesbürger in einer jährlich wiederholten Umfrage die Energiewende für „wichtig“ oder „sehr wichtig“ – eine Verbesserung um drei Prozentpunkte seit 2015 und der höchste Wert in fünf Jahren. Auch die Umsetzung wird besser beurteilt: 47 Prozent der Befragten halten sie inzwischen für „gut“ oder „sehr gut“. Das entspricht ebenfalls einer Verbesserung um drei Prozentpunkte. 

Die Jahresauswertung zeigt auch, dass 2016 das Jahr der billigen Energie war. So sanken sowohl die Weltmarktpreise für Kohle, Öl und Gas als auch die Strompreise an der Börse. Diese lagen mit 26,60 Euro pro Megawattstunde auf einem 10-Jahres-Tief. Zugleich hat die deutsch-dänische Solarenergie-Auktion gezeigt, wie günstig Solarstrom sein kann: Nur noch 5,38 Cent pro Kilowattstunde wird die Vergütung hier betragen. Das ist der niedrigste je in Europa erzielte Betrag für Solarstrom. 

Doch während Börsenstrom, Erdgas und Heizöl immer billiger werden, gilt dies aufgrund von steigenden Abgaben und Umlagen nicht für den Haushaltsstrompreis. Er übersteigt 2017 die Marke von 30 Cent pro Kilowattstunde. „Bleibt das System der Abgaben und Umlagen wie es ist, so ist bis 2023 ein weiterer Anstieg der Strompreise absehbar“, sagt Graichen. „Erst danach kommen die ‚Ernte-Jahre‘ der Energiewende. Nach der Bundestagswahl sollte die Energiepolitik daher das System der Steuern, Abgaben und Umlagen auf Energie komplett überarbeiten. Denkbar wäre es etwa, die Stromkosten zu senken, und die Abgaben und Umlagen auf klimaschädliche Energieträger wie Kohle, Heizöl, Diesel, Benzin und Gas zu verlagern.“ 

Für die rund 50-seitige Analyse „Die Energiewende im Stromsektor: Stand der Dinge 2016“ hat Agora Energiewende zahlreiche öffentlich zugängliche Daten analysiert und miteinander in Zusammenhang gesetzt. Die Publikation steht auf der Internetseite www.agora-energiewende.de kostenfrei zur Verfügung. 

Quelle: agora-energiewende.de

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