Mittwoch, 25. Mai 2016

Energiestrategie schafft Investitionssicherheit

An der Generalversammlung des schweizerischen Fachverbands für Sonnenenergie (Swissolar) von Mittwoch in Zürich standen die weiterhin unsicheren Rahmenbedingungen für den Ausbau der Photovoltaik und der Solarwärme im Fokus. Nationalrat Roger Nordmann, Präsident des Verbands, betonte die Wichtigkeit der Energiestrategie 2050 für die dringend notwendige Abkehr von Verschwendung und Importabhängigkeit bei der Energieversorgung.


Nationalrat Roger Nordmann, Präsident von Swissolar, erläuterte in seinem Vortrag den anwesenden Verbandsmitgliedern den Stand der parlamentarischen Beratungen zur Energiestrategie 2050. Trotz vielen bedauerlichen Abstrichen am ursprünglichen Vorschlag des Bundesrats schafft die Vorlage weiterhin wesentliche Anreize zur Sicherung einer langfristig sicheren und klimaschonenden Energieversorgung unseres Landes. Dies gilt keineswegs nur für den dringend notwendigen Ersatz der bestehenden Atomkraftwerke, sondern genauso für die Dekarbonisierung unserer Wärmeversorgung und der Mobilität. „Nur die Energiestrategie 2050 schafft die notwendigen Anreize für Investoren. Ohne sie fahren wir weiter mit Energieverschwendung und gefährlicher Auslandabhängigkeit“ betonte Nordmann.

Photovoltaik und Solarwärme mit grossem Potenzial: Beide Technologien zur Nutzung der Solarenergie sind von grösster Bedeutung für unsere zukünftige Energieversorgung. Mindestens zwei Drittel der heutigen Atomstromproduktion könnten durch Photovoltaikanlagen erzeugt werden. Dafür bräuchte es eine Fläche von rund 100 Quadratkilometern, was weniger als einem Viertel der bestehenden Dachflächen entspricht. Photovoltaik wird dadurch zum zweiten Standbein der Stromversorgung neben der Wasserkraft. Mit Sonnenkollektoren kann zukünftig rund 10 Prozent des Warmwasser- und Heizenergiebedarfs gedeckt werden.
 
Kanton Zürich spart am falschen Ort: An der Generalversammlung wurde zudem ein offener Brief an den Regierungsrat des Kantons Zürich verabschiedet. Darin wird ein Rückkommen auf den Entscheid verlangt, im Rahmen des Sparpakets sämtliche Förderbeiträge für energetische Gebäudemodernisierungen zu streichen, darunter auch Beiträge an Solarwärmeanlagen. „Der Kanton Zürich lässt jene Hausbesitzerinnen und -besitzer im Regen stehen, die ihren persönlichen Beitrag zur Energiewende leisten wollen“, meinte dazu David Stickelberger, Geschäftsleiter von Swissolar. Er wies darauf hin, dass die Kantone gemäss Bundesverfassung für die Reduktion des Energieverbrauchs in Gebäuden zuständig sind. 

Quelle: Swissolar / Bild: Guntram Rehsche

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Bedeutender Preis für CH-Solarforscher

Mit der Verleihung des Becquerel-Preises 2016 an Prof. Christophe Ballif würdigt die Europäische Kommission die Verdienste herausragender Forscher in der Photovoltaik. Der Preis gehört weltweit zu den zwei prestigeträchtigsten Auszeichnungen der Branche und ehrt Ballifs herausragendes, seit über 20 Jahren währendes Engagement im Dienste der Solarenergie. 

Damit werden die Arbeiten von Christophe Ballif in der Forschung und der Industrialisierung diverser Solar-Technologien geehrt, insbesondere die Entwicklung von hocheffizienten Heterojunction-Siliziumzellen sowie von Tandem- oder Mehrfachzellen. Die Untersuchungen umfassen Aspekte der Materialwissenschaften, der Schnittstellen von verschiedenen Solarzellen-Typen, aber auch Fertigungsprozesse bis hin zur Produktion und Entwicklung von zuverlässigen und architektonisch hoch ansprechenden Solarmodulen. Die wissenschaftliche Exzellenz von Christophe Ballif und sein bedeutender Beitrag zur Entwicklung des Fachgebiets drücken sich in der Publikation von über 400 wissenschaftlichen Fachartikeln sowie in zahlreichen Patentanmeldungen aus.

Christophe Ballif leitet in Neuenburg sowohl das Photovoltaik-Labor der EPFL (Eidgenössische Technische Hochschule Lausanne) wie auch das Photovoltaik-Zentrum des CSEM (Kompetenzenzzentrum für Innovation) ; während sich ersteres auf die Grundlagenforschung konzentriert, widmet sich das zweite dem Technologietransfer in die Industrie. Diese Doppelfunktion ermöglicht Ballif, sich optimal für die Valorisierung der Sonnenergie für Wirtschaft und Gesellschaft einzusetzen. Zusammen mit seinem CSEM-Forscherteam erhielt er erst kürzlich den Schweizer Umweltpreis für die Lancierung der weltersten weissen Solarpanels (siehe Solarmedia vom ).

Die EU-Kommission hat den Becquerel-Preis 1989 in Erinnerung an die 150-jährige Entdeckung des photovoltaischen Effekts durch den französischen Forscher Alexandre Edmond Becquerel ins Leben gerufen. Die Auszeichnung würdigt die Verdienste herausragender Persönlichkeiten aus Forschung, Technik oder Wirtschaft, die wesentlich zur weltweiten Verbreitung der Photovoltaiktechnologie beigetragen haben. Nach Prof. Arvind Shah, der als Gründer des Photovoltaik-Labors der EPFL im Jahre 2007 mit diesem Preis gewürdigt worden war, wird zum zweiten Mal ein Forscher aus Neuenburg für seine hervorragenden Arbeiten in der Solarbranche geehrt. Damit wird auch das hohe Engagement der Stadt Neuenburg anerkannt, die Sonne als Energiequelle für eine nachhaltige Zukunft zu positionieren.

Quelle: CSEM

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Dienstag, 24. Mai 2016

Ökosteuer auf Solarstrom ?

Das deutsche Bundesfinanzministerium schlägt vor, künftig selbst erzeugten Solarstrom mit der als "Ökosteuer" eingeführten Stromsteuer zu belasten. Betroffen wären Bürger, die selbst erzeugten Solarstrom nutzen oder für die Mieter-Direktversorgung einsetzen. 

"Die Stromsteuer wurde eingeführt, um die Energiewende zu beschleunigen, nicht sie zu bremsen. Eine Ökosteuer auf Solarstrom zu erheben wäre ein Schildbürgerstreich und würde den Zweck des Gesetzes auf den Kopf stellen", so Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Solarwirtschaft e.V. (BSW-Solar). Der dem BSW-Solar vorliegende Referentenentwurf des Bundesfinanzministeriums (BMF) sieht vor, neue und bestehende solare Eigenstromerzeuger mit der Steuer in Höhe von 2,05 Cent je Kilowattstunde zu belasten. "Die Regelung würde große Teile des Solarstrommarktes auf einen Schlag unrentabel machen", so Körnig. Bereits heute wären mehr als 100.000 Anlagen mittelständischer Betriebe, Landwirte und genossenschaftlicher Betreiber betroffen. Von der Steuer ausgenommen wären nach den BMF-Vorschlägen nur sehr kleine Solarstromanlagen im Eigenheimbereich. 

Körnig: "Die Bundesregierung sollte sich darauf konzentrieren, nach den Beschlüssen des Klimagipfels in Paris Hindernisse für Ökostrom ab- und nicht aufzubauen. Die Solarwirtschaft erwartet, dass der absurde Vorschlag dieser 'Sonnensteuer' schnell wieder kassiert wird, auch um eine Verunsicherung im Markt zu verhindern." Die für Energie und Klima zuständigen Ressorts im Wirtschafts- und Umweltministerium müssten den Referentenentwurf des BMF stoppen, auch im Interesse der ebenfalls betroffenen Kraft-Wärme-Koppelung (KWK), so Körnig. Während im Ausland die Photovoltaik-Nachfrage inzwischen massiv vorangetrieben wird, gerät sie in Deutschland zunehmend ins Stocken. 2016 droht das dritte Jahr in Folge zu werden, in dem die von der Regierung selbst gesteckten Ausbauziele für Solarstrom deutlich verfehlt werden. 

Quelle: Bundesverband Solarwirtschaft

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Samstag, 21. Mai 2016

D: Windenergie überholt Atomstrom

Die Stromerzeugung aus Windkraftanlagen an Land und auf dem Meer in Deutschland wird im Jahr 2016 erstmals die Stromproduktion aus Atomkraftwerken überholen. Das geht aus einer ersten Hochrechnung des Internationalen Wirtschaftsforums Regenerative Energien (IWR) auf der Basis aktueller Daten hervor.

Windanlagen bei Freiburg i.Br. - Bild Guntram Rehsche
Grund ist der letztjährige Zubau an Windkraftanlagen, der sich 2016 in den Erzeugungsdaten erstmals ganzjährig auswirkt, sowie der aktuelle Ausfall mehrerer Atomkraftwerke (Grohnde, Philippsburg 2 und Gundremmingen B) über einen längeren Zeitraum. Ein wesentlicher Treiber für den Schub bei der Windstromerzeugung sind die Windkraftanlagen auf dem Meer, die in diesem Jahr die volle Produktionsleistung erreichen. „Allein die deutschen Offshore-Windkraftanlagen werden im Jahr 2016 sicher erstmals die Marke von 10 Milliarden Kilowattstunden Strom knacken können“, sagte IWR-Direktor Dr. Norbert Allnoch in Münster.

Im Jahr 2015 lag die Stromerzeugung aus Windenergie in Deutschland mit insgesamt 88 Mrd. Kilowattstunden (kWh) nur noch knapp hinter der Produktion aus Kernenergie mit 91,8 Mrd. (kWh). Für 2016 erwartet das IWR einen Rückgang der Stromproduktion aus deutschen Kernkraftwerken auf deutlich unter 90 Mrd. kWh und damit auf den niedrigsten Stand seit Anfang der 1980iger Jahre. Die Windstromerzeugung in Deutschland könnte je nach Windjahr erstmals die Marke von 100 Mrd. kWh erreichen.


Statistik Energiemix Deutschland - Zeitliche Entwicklung der Stromerzeugung aus Windkraftanlagen und Atomkraftwerken in Deutschland:
http://www.energiefirmen.de/wirtschaft/statistik/strom
Statistiken Windenergie weltweit: http://www.windbranche.de
Statistiken Offshore-Windenergie: http://www.offshore-windindustrie.de

Quelle:  Internationales Wirtschaftsforum Regenerative Energie IWR

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Freitag, 20. Mai 2016

CH-PV-Markt stabilisiert sich

Der Markt der neuen, mit dem Netz verbundenen Photovoltaik-Anlagen hat sich in der Schweiz im Jahre 2015 bei 300 Megawatt Leistung (MW) stabilisiert. Allerdings hat dieser Markt wichtige Veränderungen erfahren – sowohl was seine Struktur betrifft wie auch die Faktoren, die sein Wachstum (respektive eine Stabilisierung) unterstützen. Der Markt der Anlagen zwischen 30 und 50 Kilowatt (kW) ist nahezu vollständig eingebrochen.

Die durch die Einführung der Einmalvergütung unterstützten kleinen Anlagen (100 kW) lässt indessen Raum für einige Hypothesen, da dieses Volumen nicht den positiven Bescheiden entspricht, die 2015 gewährt wurden. Die Kostendeckende Einspeisevergütung (KEV) war in den letzten Jahren der wichtigste Wachstumstreiber des PV-Marktes. Obschon die Kontingente 150 MW nie überstiegen, wurde ein grosser Teil des Marktes (gesamthaft 300 MW) von „zukünftigen“ positiven Bescheiden getragen. Das heisst, Investoren entschieden sich für den Bau einer Anlage in der Hoffnung, einige Jahre später in den Genuss einer KEV-Finanzierung zu kommen. Dieses Verhalten kann anhand der Anlagen auf der Warteliste festgestellt werden, für welche Inbetriebnahme-Meldungen eingereicht wurden und für die kein positiver Bescheid vorlag.

Es fällt auf, dass dieses Vorgehen seit Anfang 2015 rückläufig ist. Dennoch setzen sich Inbetriebnahmen von grossen, für die KEV angemeldeten Anlagen fort, selbst wenn ihre Chance, eine KEV-Finanzierung zu erhalten, gering ist. Die Daten können auch aus einem anderen Blickwinkel betrachtet werden, indem die Auswirkungen eines Kontingents untersucht werden. Hier die Kennzahlen des Kontingents von April 2015 mit einem Der Photovoltaik-Markt: Marktbeobachtung 2016 Volumen von 100 MW. Das Volumen des Kontingents hat aufgrund von Erweiterungen oder Abweichungen zwischen angemeldeten und realisierten Leistung bis heute um 17 MW zugenommen.

Der Einfluss des im April 2015 freigegebenen Kontingents von 100 MW auf 29 MW plus 5 MW aus Erweiterungen von vor 2015 in Betrieb genommenen Anlagen ist begrenzt. Es gilt hier zu beachten, dass sich 32 MW an positiven Bescheiden des Kontingents von 2015 noch auf dem Markt befinden und ihre Früchte 2016 tragen werden (ein positiver Bescheid ist 15 Monate gültig). Ausserdem wurden 2015 45 MW aus früheren Kontingenten noch realisiert. Es ist klar ersichtlich, dass die Kontingente vertrauensbildend auf den Markt wirken, jedoch keineswegs mehr wirtschaftlicher Antrieb der Photovoltaik sind.


Das BFE hat eine Marktpraxis zur Kenntnis genommen, welche die positiven Bescheide betrifft. Die Projekte mit positivem Bescheid hatten bis Ende 2015 das Recht auf Realisierung im Umkreis von einem Kilometer. Dieses Vorgehen hat seinen Ursprung bei Windenergie-Projekten, deren genauer Standort durch Machbarkeitsstudien ermittelt werden muss. Die Regeln für die Photovoltaik-Anlagen ermöglichten es somit, ein Projekt für 5 kW anzumelden und es einem anderen Projektträger zu übergeben, der 5000 kW erstellt.

Gewisse Investoren haben diese Möglichkeit ausgenutzt und „Jagd“ auf positive Bescheide gemacht. Sie wandten sich an die kleinen Projektträger mit positiven Bescheiden und boten ihnen eine (bisweilen beträchtliche) Geldsumme für den Kauf ihres Anrechts auf eine KEV-Finanzierung. Derart konnten grosse Projekte verwirklicht werden, da Leistungsabweichungen bei der Realisierung zulässig sind. Diese bis dahin durchaus legale Praxis führte zu einer offensichtlichen Diskriminierung der „passiven“ Projektträger, die ruhig auf der Warteliste verharrten, bis sie an die Reihe kamen. So entstand ein echter Schwarzmarkt (oder eher ein grauer Markt, weil er rechtmässig war). Dies bescheinigt den positiven Bescheiden auch eine gewisse Attraktivität, da deren Kauf dann selbstverständlich durch den Verkauf von Elektrizität an die KEV bezahlt werden muss.

Sobald das Vorgehen dem BFE bekannt war, wurde die Regel im Januar 2016 geändert. Diese Praxis verfälscht auch die Statistiken auf erhebliche Weise, weil es schwierig ist zu wissen, welcher Projektträger sich für oder gegen die Verwirklichung eines Projekts entscheidet.

Dieser Übertragung von positiven Bescheiden unter Investoren zum Trotz ermöglicht die Analyse der KEV-Daten der Anlagen, die nach dem positiven Bescheid erstellt wurden, die folgenden Feststellungen. Dabei ist anzumerken, dass im Falle zu tiefer KEV-Vergütungen, Projekte nicht mehr verwirklicht werden und die positiven Bescheide an Swissgrid zurückgegeben werden. Wie der Grafik links zu entnehmen ist, das Kontingent 2015 von 100 MW ist durch Erweiterungen sowie Abweichungen zwischen angemeldeten und realisierten 117 MW gross geworden.

Man stellt allgemein fest, dass die positiven Bescheide für noch nicht gebaute Anlagen – unter Berücksichtigung der aufgegebenen – einen Zielerreichungsgrad von rund 140 % bewirken (2014 = 157%). Einfacher ausgedrückt hat die Finanzierung von 10 MW den Bau von 14 MW zur Folge. Dieser überraschende Unterschied erklärt sich dadurch, dass die 2011 angemeldeten Projekte verhältnismässig klein waren. Bei der Verwirklichung 2015 waren die Anlagenpreise tiefer und die Träger konnten ein Projekt finanzieren, das grösser war als angemeldet.

Obschon mehrere Einflussfaktoren noch keine abschliessende Beurteilung ermöglichen (deutliche Senkung der KEV auf den 1. Oktober 2015, Übertragung von Projekten auf andere Investoren) kann man davon ausgehen, dass die gegenwärtigen KEV-Sätze attraktiv bleiben. Der von gewissen Branchenvertretern vorausgesagte Einbruch des Marktes aufgrund der Senkung der KEV-Tarife in 2015 war nicht begründet.


Quelle: Bundesamt für Energie

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Mittwoch, 18. Mai 2016

Solarspeicher werden wirtschaftlich

Zu den Eigenheim-Photovoltaikspeichern kommen zentrale Riesenspeicher und dezentrale virtuelle Großspeicher. Überlegungen aus Baden-Württemberg, die sinngemäss auch für die Schweiz gelten.

Bald rechnen sich auch Solarstromspeicher. Neubau am Rande des Odenwaldes mit Photovoltaikanlage. (Foto: KACO new energy.)
Bald rechnen sich auch Solarstromspeicher. Neubau am Rande des Odenwaldes mit Photovoltaikanlage. (Foto: KACO new energy.)
Für Hauseigentümer mit neuen Photovoltaikanlagen ist es profitabel, ihren Solarstrom selbst zu verbrauchen, da er nur halb so teuer wie vom Energieversorger ist. Mit Batteriesystemen lässt sich der gewinnbringende Eigenverbrauchsanteil auf rund 60 Prozent verdoppeln. Lange waren die Solarstromspeicher aber nicht wirtschaftlich. „Aktuelle Zahlen zeigen jetzt, dass das bei Hausspeichern in ein oder zwei Jahren der Fall sein wird“, sagt Carsten Tschamber vom Solar Cluster Baden-Württemberg. „Die Kombination von Photovoltaik und Speicher wird sich angesichts der bevorstehenden Wirtschaftlichkeit immer mehr verbreiten.“ Und das nicht nur im Eigenheim: Neue Konzepte setzen auf zentrale Speicher für ganze Quartiere oder wollen Speicher im Land zu einem virtuellen Großspeicher vernetzen. 


Die seit März in Deutschland wieder finanziell geförderten Batteriespeicher werden sich künftig als ein integraler Teil von Solaranlagen etablieren. Das ist nur noch eine Frage der Zeit. Bereits jetzt legt sich die Hälfte aller privaten Solaranlagenkäufer ein Speichersystem zu. Rund 19.000 Speicher wurden seit dem Start des Förderprogramms finanziell unterstützt. Anfang 2016 waren im Bundesgebiet insgesamt 34.000 Stück installiert. Das ergibt der von der RWTH Aachen im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums erstellte Speichermonitoring-Bericht 2016, der Ende Mai veröffentlicht wird.

Der Zuwachs liegt besonders an den stark gesunkenen Speicherkosten. In den Jahren 2014 und 2015 sind die Systempreise für Lithiumspeicher pro genutzter Kilowattstunde um jeweils 18 Prozent gefallen. „Ähnlich wie bei der Photovoltaik sehen wir auch bei Speichern eine Lernkurve, die bei jeder Verdoppelung der Installationszahlen eine Preisreduktion von rund 20 Prozent vorhersagt“, erklärt Kai-Phillip Kairies von der RWTH Aachen. „Derzeit ist ein Speichersystem auf Lithium-Ionen-Basis inklusive Wechselrichter und Installation bereits ab rund 1.300 Euro pro genutzter Kilowattstunde (kWh) Speicherkapazität erhältlich“, berichtet Tschamber. Die Grenze, unter der die Kleinspeicher mehr einbringen als sie kosten, liegt bei rund 1.000 Euro. Erreicht wird sie auch mit der kürzlich neu aufgelegten Förderung noch nicht. Experten wie Dr. Peter Eckerle vom Verein StoREgio Energiespeichersysteme prognostizieren aber künftig weiter fallende Speicherpreise – rund 10 Prozent pro Jahr sind ihm zufolge realistisch. Steigt der Haushaltsstrompreis und fallen die PV-Anlagenkosten dann noch weiter wie bisher, könnten die Speicher 2017 oder 2018 wirtschaftlich sein.
 
Neue Modelle, Solarstrom zu speichern: Zentral und dezentral - Derzeit werden die Speicher vor allem im Einfamilienhausbereich für die eigene Versorgung genutzt. Neue Wege, Solarakkus einzusetzen, beschreiten derzeit mehrere Projekte in Deutschland. Sie bauen auf zentrale Speicher im Stadtteil oder bundesweite Schwarmspeicher. Das eröffnet zudem die weitere Nutzungsmöglichkeit, Regelenergie am Strommarkt anzubieten. Die Projekte haben Namen wie „Strombank“ oder „Sonnencommunity“.
Für Solaranlageneigentümer in Mannheim ohne Speicher und gewerbliche Eigentümer von Blockheizkraftwerken ist die „Strombank“ gedacht. Der Energieversorger MVV Energie und die Firma ads-tec haben vor einem guten Jahr einen Großspeicher auf Lithium-Ionen-Basis mit einer Kapazität von 116 kWh in Betrieb genommen. 14 private Haushalte und 4 Gewerbebetriebe sind über das Niederspannungsnetz der MVV Energie an den Quartierspeicher angeschlossen. Das mehrfach preisgekrönte Modell gleicht Erzeugung und Verbrauch dezentral aus: Die Teilnehmer verfügen über eine Art Girokonto für Strom mit einer Größe von 4 kWh, in das sie überschüssigen Strom einspeisen und bei Bedarf wieder abrufen können. Hinzu kommt ein Vermarktungskonto, über das sie in das MVV-Netz einspeisen können, wenn das Girokonto voll ist und sie zuhause weiterhin einen Stromüberschuss erzielen. Der Batteriespeicher kann aufgrund seiner hohen Flexibilität aber auch Dienstleistungen zur Stabilisierung des Stromnetzes in Form von Regelenergie anbieten.

Der Vorteil: Aufgrund des großen Formats ist der Speicher pro kWh rund halb so teuer wie 18 einzelne. Zudem können die Speicherkapazitäten besser genutzt werden. Nicht alle Haushalte und Unternehmen brauchen den Riesenakku gleichzeitig, ihr tageszeitlicher Verbrauch ergänzt sich. Das senkt die Kosten pro gespeicherter kWh weiter. Jedoch fallen im Gegensatz zu Home-Speichern Netzentgelte, EEG-Umlage und Stromsteuer für denjenigen an, der Strom speichert und ihn dafür durch das öffentliche Stromnetz leitet. Und das nicht nur beim Einspeichern, sondern zusätzlich auch beim Strombezug aus dem Speicher. Das bremst eine Verbreitung der Idee in andere Regionen derzeit aus.

Dezentral vernetzte Photovoltaikanlagen mit Kleinspeichern nutzt das Ende 2015 gestartete Modell „Sonnencommunity“ des Marktführers Sonnen. Das Prinzip: Eigentümer neuer Photovoltaikanlagen kaufen bei dem Unternehmen einen Solarspeicher. Wer am Projekt teilnimmt, bekommt im ersten Jahr vom Unternehmen 1.000 Kilowattstunden Strom in seinen Speicher geladen. Außerdem wechseln sie komplett zu dem auch als Stromversorger auftretenden Anbieter. Wie bisher nutzen die Anlageneigentümer einen Teil ihres erzeugten Solarstroms selbst, ein weiterer Teil wird zur späteren Verwendung in der Batterie gelagert. 

Überschüssiger Strom kommt in einen virtuellen Strompool, der allen Mitgliedern zur Verfügung steht. Hier versorgen sich die, die gerade nicht genug Strom haben, etwa weil bei ihnen die Sonne nicht scheint. Per App können sich die Nutzer informieren, wo gerade Strom aus erneuerbaren Energien in den Pool eingespeist wird. Ist nicht genug Strom im Pool, kauft das Unternehmen Strom aus Biogas-, Windkraft- und Photovoltaikanlagen hinzu, zur Not auch an der Strombörse EEX. Auch Haushalte ohne eine Möglichkeit zur eigenen Stromerzeugung oder eigenen Batteriespeicher können übrigens Strom aus dem Pool beziehen. Die Steuerung des gesamten Vorhabens übernimmt eine Onlineplattform.
 
Die schwarmstromfähigen Batterien sollen künftig auch die Möglichkeit bieten, am Regelenergiemarkt teilzunehmen. Der Batterieeigentümer wird, wie bei den Angeboten der Konkurrenten Lichtblick, Caterva und Deutsche Energieversorgung, an den dort erlösten Erträgen beteiligt, dafür verzichtet er auf einen Teil seines Speichers. Mit der Einbindung in die Regelenergie würde aus den im Land verteilten dezentralen Speichern ein virtueller Riesenspeicher, der dazu beiträgt, das Stromnetz stabil zu halten. Denn im Stromnetz müssen sich Erzeugung und Verbrauch immer die Waage halten. Abweichungen werden durch den Einsatz von Regelenergie ausgeglichen.

Das neue Modell Sonnencommunity ist eines der innovativsten, das derzeit auf dem Markt ist. Im Vordergrund steht für den Kunden das Ziel, durch Zusammenschluss mit anderen Kunden und dezentralen Erzeugern gemeinsam mehr erneuerbaren Strom zu verbrauchen. Dafür werden sinnvolle Änderungen in der Tarifstruktur und die individuelle Bereitstellung von Speichern akzeptiert. Je nach Verbrauchsverhalten kann sich das finanziell lohnen oder auch nicht – das steht aber nicht im Vordergrund. Für den Strom, den die Mitglieder allen zur Verfügung stellen, bekommen sie zwar mehr Geld als bei der EEG-Einspeisevergütung. Sie zahlen auch einen sehr günstigen Strompreis, der mit 23 Cent vier bis fünf Cent unter dem handelsüblichen Preis liegt. Das Unternehmen leitet den eingekauften Strom nur weiter, ohne daran zu verdienen. Zudem erhalten sie einmalig die 1.000 Kilowattstunden gratis in ihren Speicher geladen. Die Kunden zahlen aber einen monatlichen Mitgliedsbeitrag von 20 Euro. Das Unternehmen wagt den innovativen Schritt trotz der gegenwärtigen Entgeltstrukturen, die diese Art der Dienstleistung für den Stromanbieter verteuert: Sonnen verdient an dem Speicher einmalig und an dem Mitgliedsbeitrag monatlich, muss dafür aber Gratis-Kilowattstunden, die Messinfrastruktur und die Energiesoftware bezahlen.

Experten räumen den neuen Speicherkonzepten trotz der momentanen Hindernisse große Marktchancen ein. „In den nächsten Jahren wird der Siegeszug solcher Modelle nicht mehr aufzuhalten sein“, sagt Carsten Tschamber vom Solar Cluster. „Sinkende Speicherpreise, steigende Stromkosten und die weiter fallende EEG-Einspeisevergütung werden die neuen Sonnenstromspeicherkonzepte wirtschaftlicher machen. Nötig sind aber auch bessere gesetzliche Rahmenbedingungen, damit Speicher gleichberechtigt Zugang zum Energiemarkt bekommen.“

Quelle: http://www.solarcluster-bw.de

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