Mittwoch, 3. August 2022

Hört, hört - Schweiz übertrifft Deutschland !

Die deutsche Bundesnetzagentur meldet gemäss der Zeitschrift Photon für den Monat Juni neu gemeldete, über das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) geförderte Solarstromanlagen mit 573,8 Megawatt Megawatt (MW) Gesamtleistung. Eine Hochrechnung auf das Gesamtjahr ergibt derzeit einen Zubau von 6,436 GW, eine Steigerung um 22,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr (5,263 GW). Aber pro Einwohner*in übertrifft die Schweiz diese Zahlen noch.

Dafür kann die Energiepolitik nichts - aber die Stromproduktion
der vielen, alten wie neuen PVAnlagen
sorgen dank rekordlanger Sonnenschein-Dauer für rekordhohe Solar-Strom-Erträge landauf und landab. Bereits rund 7% des Stroms
stammen im Inland direkt von der Sonne! (Bild: Guntram Rehsche)

Die Zubauzahlen in Deutschland sind zweifellos erfreulich und bemerkenswert. Aber entgegen der häufig beklagten Untätigkeit der Schweiz im Bereich des Zubaus Erneuerbarer Energien - und der damit verbundenen Kritik an Bundesrätin Sommaruga (deren Abberufung die SVP fordert) - zeigen diese Zahlen auch: Die Schweiz macht mehr! Denn deutsche Verhältnisse resp. Zahlen lassen sich füglich durch Zehn teilen, um bei einer Bevölkerungszahlen von 10 zu 1 auf Vorteil Schweiz zu kommen (bei angenommenen rund 80 Millionen Einwohner*innen in Deutschland und deren 8 in der Schweiz).

Die Schweiz wird, nach knapp 0,7 GW Zubau im vergangenen Jahr im 2022 schon gegen 0,9 erreichen (gemäss informellen Schätzungen des Fachverbands Swissolar). Vereinfacht ausgedrückt: der Zubau von Solarenergie hierzulande geht um bis zu 40 Prozent schneller vonstatten als im nördlichen Nachbarland. Zugegeben: Bei Betrachtung des Zubaus von Erneuerbaren total (also insbesondere unter Einschluss der Windenergie) fällt die Schweiz stark ab. Dann rangiert sie europaweit unter den schlechtesten Nationen. Aber in der Solarwirtschaft ist das Land, auch entgegen den jeweils publizierten jährlichen Angaben der Schweizerischen Energie Stiftung SES, durchaus eine Ernst zu nehmende Grösse (siehe Solarmedia 17.Juni 2021). Zumal die Schweiz über eine bemerkenswerte Forschungsinfrastruktur, viele geradezu berühmte Wissenschafter und doch über einige bedeutende Unternehmen verfügt - und sie ist beim Zubauziel der Energiestrategie 2050 im Solarbereich voll auf Kurs!

Quelle zu Deutschland: Photon / Bundesnetzagentur

© Solarmedia Guntram Rehsche

^^^ Nach oben

Freitag, 29. Juli 2022

Holzenergie: Wichtig für CH-Energieversorgung

Kommt es nächsten Winter zu Engpässen in der Energieversorgung? Gas und Öl aus Russland werden möglicherweise ausbleiben. Das ist gut so, denn damit finanzieren wir Putins Krieg gegen die Ukraine. Wir sollten russisches Erdgas aber nicht langfristig durch Flüssiggas ersetzen und so den Teufel mit dem Beelzebub austreiben. Viel bessere Lösungen warten direkt vor unseren Haustüren.

Holzenergie Schweiz setzt sich seit Jahrzehnten für eine von Scheichs, Diktatoren und Autokraten unabhängige Energieversorgung ein. Und noch nie war das Anliegen dringender und wichtiger als heute. Denn die fossilen Energien heizen nicht nur das Klima an, sondern viele Öl- und Gaslieferanten finanzieren damit ihre masslose Bereicherung, ihre demokratiefeindlichen Systeme und im schlimmsten Fall ihre Kriege. Diese unbequeme Wahrheit ist in Europa angekommen und fordert jeden Tag hunderte von Opfern. Wie befreien wir uns aus dem Würgegriff? Ranghohe Vertreter der Schweiz pilgern nach Katar, um Ersatz für russisches Erdgas zu finden. Das Emirat am Persischen Golf scheint die Notsituation der Schweiz und Europas aber ausnützen zu wollen, indem es nur dann Gas liefern will, wenn Lieferverträge mit einer Laufzeit von 20 Jahren abgeschlossen werden. Damit würden wir in die nächste fossile Falle tappen und den Klimaschutz nachhaltig sabotieren.

Milliarden gegen oder für sich selber einsetzen? Würde unser Land gleich viel Kraft und Mittel in den Ausbau der erneuerbaren Energien investieren wie in das Festhalten an fossilen und nuklearen Energieformen, wäre eine weitgehende Umstellung auf eine zukunftsfähige Energieversorgung in zehn bis fünfzehn Jahren möglich. Die Technologien stehen marktreif bereit und warten darauf, vermehrt zum Einsatz zu kommen. Zählt man die sinnvoll nutzbaren Potentiale der Sonnen-, Holz-, Biomasse- und Windenergie sowie der Wasserkraft und der Umgebungsenergie aus Boden, Gewässern und Luft zusammen, resultiert daraus ein Mehrfaches unseres heutigen Energieverbrauchs. Dazu kommt noch das grosse Potential der Energieeffizienz, d.h. der Einsparmöglichkeiten beispielsweise durch besser isolierte Gebäude, durch Elektromobilität oder ein schnelles Verbot von Stromheizungen.

Welchen Beitrag kann die Holzenergie zusätzlich leisten? Holzenergie Schweiz geht in einem ausführlichen Grundlagenpapier (April 2022) von einer aktuellen Jahresnutzung (2020) von rund 5,58 Millionen Kubikmetern Holz sowie von einem zusätzlich nutzbaren Potential von noch mindestens 1,8 Millionen Kubikmetern Holz aus. Nachfolgende Tabelle zeigt, aus welchen Quellen das Holz stammt:

 

Nutzung 2020

Gesamtes Potential

Zusätzlich nutz-bares Potential

Holzkategorie

[m3/a]

[m3/a]

[m3/a]

Waldholz

2'830’000

4'150’000

1'320’000

Landschaftsholz (Feldgehölze, Hecken, Gartengehölze)

270’000

500’000

230’000

Restholz

1'410’000


2'750’000


270’000

Altholz

1'070’000

Total

5'580’000

7'400’000

1'820’000

Die aktuelle Energieholznutzung lässt sich noch um rund einen Drittel erhöhen. Der Anteil der Holzenergie am Schweizerischen Wärmeenergiemarkt würde dadurch von heute 12 auf etwa 16 Prozent steigen. Dazu kommt noch ein weiterer, willkommener Effekt: Dank griffiger Programme zur Steigerung der Energieeffizienz sinkt der Energiebedarf der Gebäude in den nächsten Jahrzehnten. Die verfügbare Menge an Energieholz kann dank besser isolierten Gebäudehüllen einen noch deutlich höheren Anteil am Wärmemarkt erreichen.

Stückholz, Schnitzel oder Pellets? Energieholz ist in drei Formen verfügbar, die ein sehr breites Einsatzspektrum erlauben. Stückholz in Form von Scheitern oder Spälten eignet sich für alle Formen der Wohnraumfeuerungen sowie für Stückholz-Zentralheizungskessel. Holzhackschnitzel kommen in Schnitzelfeuerungen zum Einsatz und eignen sich für die Beheizung grösserer Gebäude oder ganzer Wärmenetze. Pellets schliesslich sind der Brennstoff für die verschiedenen Kategorien der Pelletheizungen, von der Kleinanlage im Wohnraum bis zur Zentralheizung für Mehrfamilienhäuser. Alle drei Formen des Energieholzes haben ihre Besonderheiten und Vorteile. Holzenergie Schweiz weist für das Jahr 2020 folgende Verteilung der genutzten Holzsortimente aus.

Nutzung 2020 von Energieholz nach Holzsortimenten
Umgerechnet in Kubikmeter Holzfestmasse  [m3/a]

Stückholz
[m3/a]

Schnitzel
[m3/a]

Pellets
[m3/a]

1'140’000

3’810’000

630’000


Stark steigende Nachfrage: Das Bedürfnis nach Sicherheit und Zuverlässigkeit sowie die Notwendigkeit der vermehrten Nutzung klimaneutraler Energiequellen haben die Nachfrage nach Holzfeuerungen und Energieholz seit längerem und seit Russlands Krieg in der Ukraine ganz besonders stark ansteigen lassen. Es steht genügend Holz zur Verfügung. Neue Projekte sind aber sorgfältig und langfristig zu planen, damit sich die Anbieter und Lieferanten von Holzfeuerungen und Energieholz anpassen können.

Holzenergie Schweiz setzt sich dafür ein, das jährlich zusätzlich vorhandene Energieholzpotential von 1,8 Millionen Kubikmeter möglichst rasch zu nutzen und damit die Nachfrage nach fossilen Energien und Strom zu drosseln. Damit kann Holz einen wichtigen Beitrag an die Versorgungssicherheit der Schweiz leisten.  

 

Über Holzenergie Schweiz

Der Branchenverband Holzenergie Schweiz betreibt seit 1979 einen professionellen Informations- und Beratungsdienst und setzt sich bei Behörden und Entscheidungsträgern für eine vermehrte Nutzung der „Wärme aus dem Wald“ ein. www.holzenergie.ch

Autor: Christoph Rutschmann - Im Auftrag von Holzenergie Schweiz

^^^ Nach oben

Donnerstag, 28. Juli 2022

Effizienteste Solarzelle: 47,6 % Wirkungsgrad

Forscherinnen und Forschern am Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE ist es gelungen, mit Hilfe einer neuen Antireflexbeschichtung die Effizienz der bisher besten Vierfachsolarzelle von 46,1 auf 47,6 Prozent bei 665-facher Sonnenkonzentration zu erhöhen. Ein Meilenstein, denn es gibt gegenwärtig keine effizientere Solarzelle auf der Welt.


Seit zwei Jahren wird am Fraunhofer ISE an dem ehrgeizigen Projekt mit dem Namen »50Prozent« gearbeitet. Gefördert durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz BMWK soll erstmals eine Solarzelle mit 50 Prozent Wirkungsgrad entstehen. Hierzu wird jede einzelne Schicht der komplexen Mehrfachsolarzellen noch einmal weiter optimiert und prozesstechnologische Verbesserungen an den Metallkontakten sowie verbesserte Antireflexionsschichten eingebaut. Nun gelang dem Projektteam ein erster Durchbruch: Ihre neueste Solarzelle erzielt einen Wirkungsgrad von 47,6 Prozent unter konzentriertem Sonnenlicht.

»Wir sind begeistert von diesem Ergebnis, welches nur ein Jahr nach der Eröffnung unseres neuen Zentrums für höchsteffiziente Solarzellen erzielt werden konnte«, sagt Dr. Frank Dimroth, Abteilungsleiter für III-V Photovoltaik und Konzentrator-Technologie am Fraunhofer ISE. »Wir wollen mit unserer Arbeit einen Beitrag leisten, um die konzentrierende Photovoltaik noch effizienter und wettbewerbsfähiger zu machen, denn wir glauben, dass dies die nachhaltigste Form der erneuerbaren Stromerzeugung ist«.

Die Schichtstruktur der neuen Solarzelle wurden bereits 2016 gemeinsam mit der französischen Soitec AG entwickelt, einem Designer und Hersteller innovativer Halbleitermaterialien. Es handelt sich hierbei um eine obere Tandemsolarzelle aus Gallium-Indium-Phosphid (GaInP) und Aluminium-Gallium-Arsenid (AlGaAs), die von Soitec auf eine untere Tandemsolarzelle aus Gallium-Indium-Arsenid-Phosphid (GaInAsP) und Gallium-Indium-Arsenid (GaInAs) gebondet wurde.

Die Solarzellenschichten wurden nun im Zentrum für höchsteffiziente Solarzellen des Fraunhofer ISE mit verbesserten Kontaktschichten und einer 4-lagigen Antireflexionsschicht versehen. Hierdurch sinken Widerstandsverluste ebenso wie die Reflexion an der Vorderseite der Zelle, welche in einem breiten Spektralbereich von 300-1780 Nanometern empfindlich ist. Herkömmliche Solarzellen aus Silicium absorbieren das Sonnenlicht nur bis zu einer Wellenlänge von 1200 Nanometern und benötigen damit keine solch breitbandige Entspiegelung.

Mehrfachsolarzellen aus III-V-Verbindungshalbleitern gehören seit jeher zu den effizientesten Solarzellen der Welt. Sie entfalten ihr höchstes Potenzial, wenn das Sonnenlicht zusätzlich durch Linsen auf wenige Quadratmillimeter kleine Bauelemente gebündelt wird. »Zu den Anwendungsmöglichkeiten solcher höchsteffizienten Tandemsolarzellen gehören Konzentrator-Photovoltaik-Systeme, die in sonnenreichen Ländern zur effizienten Energieerzeugung beitragen,« sagt Prof. Dr. Stefan Glunz, Bereichsleiter Photovoltaik Forschung am Fraunhofer ISE. »Mit der Tandemphotovoltaik ist es möglich, die Grenzen von Einfachsolarzellen hinter sich zu lassen und damit letztendlich eine Senkung der Solarstromkosten zu erreichen«.

Quelle: Fraunhofer ISE

^^^ Nach oben

Montag, 25. Juli 2022

Solaraktien-Index: Zur Abwechslung aufwärts


Vergrössern mit Klick auf Darstellungen !






 
Der Solaraktienindex PPVX erscheint auf Solarmedia jeden Monat neu
  
 Quelle: oeko-invest.net

^^^ Nach oben

Samstag, 23. Juli 2022

Die Erde hat Fieber

In Europa herrscht Feuerwetter. Nicht nur im Süden wie bisher, sondern auch im Norden und in London, wo es erstmals bis zu 40 Grad heiß wurde. Ein Kommentar von Franz Alt.

Es wird „wirklich brenzlig“, schreibt die FAZ Sonntagszeitung. Die Klimawandelleugner sind hörbar still. Allein in Südfrankreich mussten in diesen Tagen 20.000 Menschen wegen Waldbränden evakuiert werden. In Kalifornien verursachten die Waldbrände in den letzten zwei Jahren Schäden von 150 Milliarden Dollar.

Europa ist ein Hotspot der neuen Waldbranddynamik: Unser Kontinent ist heute bereits um knapp zwei Grad wärmer als in der vorindustriellen Zeit. Mit dem Industriezeitalter begann das Verbrennen von fossilen Rohstoffen im großen Stil. Die Zusammenhänge sind offensichtlich. Wir verbrennen heute an einem Tag, was die Natur in einer Million Tagen an fossilen Rohstoffen angesammelt hat. Das ist eins zu einer Million mal gegen die Natur gewirtschaftet. Die Quittung erleben wir gerade.

Wissenschaftler sind sich sicher, dass der Klimawandel die Hauptursache für das derzeitige europäische Feuerwetter ist. Die immer höheren CO2-Emissionen sind die Ursache für die Waldbrände, sagt der Weltklimarat: „Der Klimawandel hat die Kontrolle über das Feuerwetter übernommen.“ Deshalb  entstehen auch in Nordeuropa immer mehr feuersensible Regionen.

Die Feuerrisiken sind im Frühjahr und Sommer am höchsten. Sie sind umso größer je trockener es ist. Die Feuersaisons werden global jedes Jahrzehnt um etwa sieben Prozent länger. Spanische Wissenschaftler haben die Alpen, die baumreichen Regionen der Pyrenäen, das französische Zentralmassiv, den Apennin in Italien, die Karpaten und den Kaukasus als besonders gefährdet bezeichnet.

Die zunehmenden Waldbrände emittieren Millionen Tonnen CO2 und belasten natürlich auch die europäische Klimabilanz zusätzlich. Zur Zeit können die europäischen Wälder noch jedes Jahr 360 Millionen Tonnen CO2 aufnehmen. Doch durch die Waldbrände wird diese CO2-Senke Jahr für Jahr kleiner. Dadurch wird die Erderhitzung zusätzlich angetrieben, was wiederum zu weiteren Waldbränden führen wird.

Feuerwetter bedeutet Feueralarm in ganz Europa: Die Feuer werden intensiver, die Schäden größer und die rasche Energiewende immer dringlicher. Der Königsweg: Rascher Umstieg auf erneuerbare Energien und gesunde Mischwälder. Dafür sind die nächsten acht Jahre entscheidend.

Die von den Regierungen dem UN-Klimasekretariat zugesagten Klimaschutzziele reichen allerdings bei weitem nicht aus. Die große Chance: Die Kosten für Sonnen- und Windenergie sowie Batterien sind seit 2010 um bis zu 85 Prozent gesunken. Und dieser Prozess für immer mehr und immer rascher erneuerbare Energie ist noch lange nicht am Ende. Die globale solare Revolution ist die erste wirkliche Weltrevolution. Sonne und Wind schicken keine Rechnung. Sie sind Geschenke des Himmels.

QUELLE: 
FRANZ ALT 2022 | www.sonnenseite.com

^^^ Nach oben