Dienstag, 15. August 2017

Weniger Ernte, mehr Energie

Die Holzerntemenge aus Schweizer Wäldern befindet sich auf einem Rekordtief. Mit insgesamt 4,46 Millionen Kubikmetern wurde letztes Jahr 2 Prozent weniger Holz geerntet als 2015. Dagegen ist die Absatzmenge beim Energieholz leicht angestiegen und fängt den Sinkflug wieder auf.   

Wie das Bundesamt für Statistik (BFS) im Juli mitteilte, wurde 2016 im Schweizer Wald so wenig Holz geerntet wie seit zehn Jahren nicht mehr. Insbesondere beim Stammholz, dem mengenmässig wichtigsten Sortiment, ging das Erntevolumen mit einem Minus von 4% gegenüber dem Vorjahr am stärksten zurück. Abgefedert wurden die rückläufigen Zahlen vom zweitwichtigsten Sortiment, dem Energieholz: Gegenüber 2015 hat die gesamte Energieholzmenge um 1% zugenommen und befindet sich damit weiterhin im Aufwind. Anders als beim Stamm- und Industrieholz, die viel stärker dem internationalen Markt ausgesetzt und von Wechselkursschwankungen betroffen sind, ist die Energieholznutzung aufgrund langfristiger Verträge wesentlich konstanter und der Absatz über Jahrzehnte gesichert. Da Energieholz vorwiegend aus Laubholz, Landschaftspflegeholz sowie Ast- und Kronenmaterial gewonnen wird, geht seine erhöhte Nutzung nicht auf Kosten anderer Holzsortimente. Von den insgesamt genutzten 4,46 Mio. Kubikmeter entfielen 2,21 Mio. Kubikmeter auf Stammholz, 1,74 Mio. Kubikmeter auf Energieholz und 0,51 Mio. Kubikmeter auf Industrieholz. 

Nahezu 100% des genutzten Energieholzes stammt aus der Schweiz; und weil Energieholz meist im Umkreis von wenigen Kilometern geerntet, verarbeitet und schliesslich einer Holzheizung zugeführt wird, verbleibt der grösste Teil der Wertschöpfung in der Region. Dabei liegt der zunehmende Energieholzabsatz nicht nur im Interesse von Waldbesitzern und Forstbetrieben, sondern ist darüber hinaus vielerorts ein wichtiger Baustein der kantonalen Energiepolitik. Ein Beispiel hierfür ist der Kanton Thurgau. Das kürzlich von Holzenergie Schweiz überarbeitete Thurgauer Energieholzkonzept zeigt, dass dank konsequenter Holzenergieförderung bereits drei Viertel des nachhaltigen Energieholzpotenzials ausgeschöpft ist. 

Über den Verein Holzenergie Schweiz

Seit bald 40 Jahren fördert Holzenergie Schweiz eine sinnvolle, umweltgerechte, moderne und effiziente energetische Verwendung von Holz, dem zweitwichtigsten erneuerbaren und einheimischen Energieträger der Schweiz. Mit einer Vielzahl von attraktiven und modernen Dienstleistungen sind wir für Fachleute, Bauherren, Politiker, Firmen und interessierte Privatpersonen ein wichtiger und kompetenter Ansprechpartner im Bereich Holzenergie.  

Mehr unter www.holzenergie.ch

Samstag, 12. August 2017

Blamage für Trump

Der Klima-Ignorant im Weißen Haus blamiert sich weiter. Nach seinem angekündigten Austritt aus dem Pariser Klima-Abkommen erstellten jetzt 13 Wissenschaftsinstitute der USA einen Klimareport für den US-Kongress. Ergebnis, das soeben die Süddeutsche Zeitung so publizierte. Ein Kommentar von Franz Alt.

„Die vergangenen Jahrzehnte seien die wärmsten der zurückliegenden 1700 Jahre gewesen. Seit 1880 hat sich die Welt demnach insgesamt um 0,9 Grad Celsius erwärmt, ein Großteil dieses Temperaturanstiegs ist klar auf menschliche Aktivitäten zurückzuführen. Selbst wenn sämtliche Emissionen sofort eingestellt würden, wäre ein Temperaturanstieg von weiteren 0,3 Grad Celsius in diesem Jahrhundert unvermeidbar.“ 

Dieser Report ist mit über 500 Seiten die umfangreichste Klimauntersuchung seit dem letzten Bericht des Weltklimarats IPCC aus dem Jahr 2013. 

Die Regierung Trump hat die Veröffentlichung des Berichts noch nicht freigegeben. Doch Beteiligte haben ihn der New York Times zugespielt, weil sie fürchten, dass die Regierung den Report noch verwässern werde. Viele Autoren dieses Klimaberichts sind namhafte Wissenschaftler der Meeres- und Klimabehörde NOAA. 

Im Bericht heißt es wörtlich: „Es gibt reichlich Beweise, dass sich das Klima verändert, von der obersten Atmosphäre bis in die Tiefe der Ozeane“. 
 
Das Tempo, in dem die Ozeane versauern, sei in den vergangenen 66 Millionen Jahren beispiellos. Die Wissenschaftler berechnen nun, dass es in den USA bis zum Ende dieses Jahrhunderts um bis zu 4.8 Grad Celsius wärmer werden könnte. Lang anhaltende Trockenheit und Wüstenbildung wären die logischen Folgen. 

Trump kommt immer mehr in die Defensive. Seine Popularitätswerte sind katastrophal. Auch die Mehrheit der Republikaner ist in der Zwischenzeit vom menschengemachten Klimawandel überzeugt. 

Vielleicht ist diese erneute innenpolitische Schwierigkeit einer der Gründe des außenpolitischen und kriegspolitischen Säbelrasselns Trumps gegenüber Nordkorea. Außenpolitische Abenteuer waren in der Geschichte schon immer eine Möglichkeit, um innenpolitisch noch punkten zu können.
© Franz Alt / www.sonnenseite.com

Donnerstag, 10. August 2017

Batteriensensation von den EKZ

Die Elektrizitätswerke des Kantons Zürich (EKZ) standen lange Jahre im Ruf, in Bezug auf Erneuerbare Energien nicht gerade innovativ zu sein. Doch das hat sich unterdessen schon fast klammheimlich ins Gegenteil verkehrt: Sie präsentieren sich plötzlich gar als Vorreiter von europäischem Format: In Volketswil entsteht eine der mutmasslich grössten Speicherbatterien des Kontinents.
Modell des in Volketswil geplanten Speichers - Bild: EKZ

In schlechter Erinnerung steht etwa, dass die EKZ unter Einfluss von SVP-Regierungsrat Markus Kägi einst eine Solaranlage auf dem Dach der Universität Zürich partout verweigerten. Doch dann schienen sich die Angestellten zu emanzipieren – oder vielleicht realisierten sie ganz einfach, dass ihr Unternehmen dereinst gar nicht weiter bestehen könnte, würde es sich gegen den Lauf der Zeit stemmen. Als ersten und bereits erwähnenswerten Schritt lancierten sie auf dem Dach des Hauptsitzes in Dietikon eine weitherum anerkannte Testanlage für Solarmodule. Diese ergab übrigens im Lauf der Zeit, dass der mittlere Solarstromertrag in der Schweiz übers Jahr gerechnet höher liegen dürfte als zuvor angenommen – auf jeden Fall deutlich über den als Norm angenommenen 1000 Kilowattstunden (KWh) pro Kilowatt Leistung.

Vor fünf Jahren wurde ebenfalls in Dietikon auch ein erster Grossspeicher in Betrieb genommen, in Assoziation mit dem weltweit tätigen schweizerisch-schwedischen Techno-Konzern ABB und mit der damals beachtlichen Leistung von einem Megawatt (MW). Und jetzt also das: am Donnerstag haben die EKZ bekannt gegeben, einen Grosspeicher mit einer Maximalleistung von 18 Megawatt zu errichten. Mit dieser Grossbatterie machen die EKZ gemäss eigenen Angaben das Stromnetz fit für die Energiezukunft. 

Der Batteriespeicher soll Anfang 2018 in Betrieb gehen und eine Speicherkapazität von rund 7,5 Megawattstunden zur Verfügung stellen. Das ist genügend Strom, um 600 durchschnittliche Vierpersonenhaushalte einen Tag lang zu versorgen. Im Betrieb wird die neue Grossbatterie allerdings nicht direkt für die Stromversorgung genutzt. «Der Speicher wird Regelenergie für die nationale Netzgesellschaft Swissgrid zur Verfügung stellen und damit zur Stabilisierung des Stromnetzes von Lissabon bis Istanbul beitragen», erklärt Marina González Vayá, Fachspezialistin Smart Grid bei den EKZ. In anderen Worten: Die Batterie liefert Strom, wenn im Netz zu wenig vorhanden ist. Und sie bezieht Storm, wenn es im Netz zu viel davon hat. Konkret wird die Batterie für die nationale Netzgesellschaft Swissgrid Regelenergie liefern. Sie wird also dazu beitragen, Schwankungen im kontinentaleuropäischen Stromnetz auszugleichen. Und gemäss González sei die Wirtschaftlichkeit durchaus gegeben, ja sie stehe bei diesem Projekt im Zentrum. Denn die Vermarktung von Regelenergie sei aufgrund bisheriger Erfahrungen auch wirtschaftlich interessant. 

Das neue Batteriespeichersystem wird auf dem Gelände des EKZ Unterwerks Volketswil realisiert. Das Unterwerk wurde erst kürzlich neu gebaut. Gewisse Infrastrukturen des alten Unterwerks können für den Batteriespeicher genutzt werden. Zudem ist Volketswil bezüglich Leistungskapazität ein guter Standort im EKZ Netz. Die für die Realisierung benötigten Bewilligungen von der Gemeinde Volketswil und vom Eidgenössischen Starkstrominspektorat (ESTI) liegen vor. Die EKZ haben bereits fundierte Erfahrung mit dem Betrieb und der Integration von Batteriespeichern und sind in diesem Bereich in der Schweiz führend. Seit über fünf Jahren betreiben sie am Standort Dietikon einen 1-Megawatt-Batteriespeicher, der zuverlässig Primärregelenergie liefert. Mit der nun geplanten Grossbatterie leisten die EKZ einen weiteren Beitrag für das Stromnetz der Zukunft. «Immer mehr erneuerbare Energiequellen speisen Strom unvorhersehbar ins Netz ein», sagt Michael Koller, Leiter Technologiemanagement bei den EKZ. «Um die Netzstabilität zu gewährleisten, gewinnen solche dezentralen Speichermöglichkeiten immer mehr an Bedeutung.» 

Das nun geplante Batteriespeichersystem ist das grösste der Schweiz. Die Batterie hat mehr als die zehnfache Speicherkapazität und mehr als die siebzehnfache Leistung des bestehenden EKZ Speichers in Dietikon, braucht allerdings nur dreimal so viel Platz. Die Batterie wird in drei Containern untergebracht. Lieferantin des Speichers ist NEC Energy Solutions. 

SRF-Interview mit der Projektverantwortlichen  Marina González Vayá

Dienstag, 8. August 2017

Gigantisches Wachstum

Analysten eines US-Marktforschungsinstitutes erwarten für die Entwicklung der PV-Märkte bis zum Jahr 2021 erhebliche Marktverschiebungen. Die Gesamtleistung der weltweit installierten PV-Leistung könnte gemäss dem Branchenportal solarbranche.de bis dahin auf fast 800.000 Megawatt ansteigen.

Künftig wird Indien China als PV-Grossmacht ablösen
Bislang dominiert China den internationalen Photovoltaik-Markt. Allein im Jahr 2016 entfiel mit über 34.000 Megawatt (MW) knapp die Hälfte der weltweit installierten Zubauleistung auf das Reich der Mitte. Nach Einschätzung der in Boston ansässigen Marktforschungseinrichtung Lux Research löst Indien China in den nächsten Jahren als wichtigsten Photovoltaik(PV)-Markt ab. Insgesamt sind die weltweiten PV-Installationen im Jahr 2016 um 75.000 MW gestiegen. Gegenüber dem Vorjahr 2015 entspricht das einem Wachstum von etwa 50 Prozent. Mit Blick auf die weitere Entwicklung bis 2021 gehen Marktforscher von Lux Research davon aus, dass sich die jährliche Wachstumsrate bei etwa sechs Prozent einpendeln wird. Bis 2021 könnte die jährlich installierte PV-Leistung auf über 100.000 MW ansteigen, die PV-Gesamtleistung eine Größenordnung von knapp 800.000 MW erreichen.  

Hinsichtlich der regionalen Verteilung der Märkte erwarten die Analysten eine deutliche Verschiebung. Während derzeit China noch den zentralen Markt darstellt, werden in Zukunft Märkte wie Kanada, USA, Indien, Südkorea und Mexiko mit ambitionierten Ausbauzielen für erneuerbare Energien und jährlichen Wachstumsraten zunehmend an Bedeutung gewinnen und den Marktrückgang in China kompensieren. Als Gründe für die nachlassende Marktentwicklung in China sehen die Analysten Probleme mit dem Netzanschluss und sinkende Vergütungssätze. Allein für Indien erwartet Lux Research ein Anziehen des Marktes bis 2021 auf einen Zubau von jährlich 18.000 MW bei einer Wachstumsrate von 26 Prozent. Bislang dominiert China den internationalen Photovoltaik-Markt. Allein im Jahr 2016 entfiel mit über 34.000 Megawatt (MW) knapp die Hälfte der weltweit installierten Zubauleistung auf das Reich der Mitte. Nach Einschätzung der in Boston ansässigen Marktforschungseinrichtung Lux Research löst Indien China in den nächsten Jahren als wichtigsten Photovoltaik(PV)-Markt ab. 

Auch im Jahr 2021 werden multikristalline Solarzellen aufgrund kontinuierlich sinkender Modulkosten mit einem Marktanteil von 65 Prozent die führende PV-Technologie darstellen. Bei Dünnschichtzellen auf Basis von Cadmium-Tellurid erwarten die Analysten einen Anstieg des Marktanteils auf sieben Prozent. Insgesamt haben die Lux Research-Analysten drei Szenarien betrachtet. Die dargestellten Zahlen basieren auf dem Basisszenario. In den beiden Alternativszenarien kommt es zu abweichenden Ergebnissen. Im Falle eines Abschwungs in den USA sei ein Marktrückgang zu erwarten, während ein massiver Ausbau im Bereich Speichertechniken zu höheren Zahlen führen kann, so die Marktforscher.


Freitag, 4. August 2017

Über 50 Prozent mehr Strom

Neue Forschungsergebnisse aus den USA auf dem Gebiet der Konzentrator-Photovoltaik (CPV) lassen aufhorchen. Im Praxistest erzeugte ein CPV-System über 50 Prozent mehr Strom als eine gängige Silizium-Solarzelle.

Bereits seit längerem befassen sich Wissenschaftler in der Solarforschung mit hochkonzentrierenden Solarzellen, bei denen die Solarstrahlung gebündelt wird. Ein kommerzieller Durchbruch konnte bislang noch nicht erzielt werden. Eine Herausforderung bei Konzentrator-Systemen liegt darin, dass die Solarzellen über einen Tracking-Mechanismus kontinuierlich dem Verlauf des Sonnenlichtes nachgeführt werden müssen. Nachteilig ist zudem die Größe der Systeme, da diese bislang deutlich mehr Fläche benötigen als marktgängige Solarzellen. Forscher der Pennstate University in Pennsylvania haben nun ein System mit einem neuen Tracking-Mechanismus getestet, das zudem deutlich kleiner ist. "Wir versuchen, ein hocheffizientes CPV-System mit der Größe eines herkömmlichen Silizium-Solarmoduls zu entwickeln", so Charles Giebink, Assistenz-Professor für Elektrotechnik an der Pennstate Universität. Dazu haben die Forscher kleine Mehrsicht-Solarzellen mit einer Größe von 0,5 Quadrat-Millimetern in eine Glasscheibe eingebettet. Diese wird flexibel zwischen zwei Kunststoff-Linsen-Arrays gelagert. In dieser Konstruktion könnten die Solarzellen dem Sonnenlicht folgen, obwohl die Kunststofflinsen auf dem Dach fixiert sind. Über einen Tag gesehen, müssten sich die Solarzellen nur zwei Zentimeter bewegen. 

"Unser Ziel in diesen jüngsten Experimenten war es, die technische Machbarkeit eines solchen Systems zu demonstrieren", so Giebink. "Wir haben einen Prototypen mit einer einzigen Mikrozelle und ein Paar Linsen zusammengestellt, die das Sonnenlicht mehr als 600 Mal konzentrieren, und ließen es die Sonne im Laufe eines ganzen Tages automatisch verfolgen." Im Rahmen eines zweitätigen Praxistestes konnten die Wissenschaftler nachweisen, dass ihr CPV-System im Vergleich zur 17-prozentigen Effizienz der Siliziumzelle einen Wirkungsgrad von 30 Prozent erreichte. Über den ganzen Tag produzierte das CPV-System zudem 54 Prozent mehr Energie als die Siliziumzelle. Wenn die Zelle gekühlt worden wäre, hätten sogar 73 Prozent mehr Strom erzeugt werden können, so die Wissenschaftler. 

Nach Einschätzung von Charles Giebink ist das eingebettete Tracking-CPV-System perfekt für Orte mit viel direktem Sonnenlicht, wie die südwestlichen USA oder Australien. Insgesamt äußerte er sich angesichts der Testergebnisse optimistisch über das Potenzial der neuen CPV-Technik für Anwendungen in Dachanlagen oder auch Elektrofahrzeugen. Es bestünden allerdings noch große Herausforderungen bei der Größenskalierung und dem Nachweis, dass das System langfristig zuverlässig funktionieren kann.