Sonntag, 22. Juli 2018

Sonnenwärme für MFH

Aus Sonne Wärme gewinnen, das lohnt sich auch für größere Häuser mit mehreren Wohnungen. Das ist das Ergebnis eines Pilotprojekts, das von der Stadt Freiburg (D) initiiert, vom Badenova Innovationsfonds gefördert und vom Bauverein Breisgau umgesetzt wurde.

Der Anteil erneuerbarer Wärme im Wärmemarkt muss substantiell gesteigert werden, wenn Deutschland seine Klimaschutzverpflichtungen erreichen will. Dabei ist insbesondere das Potenzial für größere Solarwärmeanlagen auf Mehrfamilienhäusern beträchtlich: Rund die Hälfte aller Wohneinheiten in Deutschland befindet sich in Mehrfamilienhäusern (MFH). Von besonderer Bedeutung hierbei sind Gebäude mit 3 bis 12 Wohnungen, da sie rund 90 % Mehrfamilienhausbestands ausmachen und immerhin 80 % aller Mietwohnungen umfassen! In neu errichteten Mehrfamilienhäusern wird die Solarthermie bereits rege genutzt: Rund ein Drittel der Gebäude wird derzeit mit Solarthermieanlagen ausgestattet. Solarthermie für Mehrfamilienhäuser Im Bestand allerdings steckt noch viel Potenzial - nur wenige Hauseigentümer nutzen die Fördergelder des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA).

Solarthermie-Initiative soll Nutzung von Solarwärme in Mehrfamilienhäusern stimulieren 
Die Stadt Freiburg möchte dazu beitragen, dass das Potenzial der Solarwärme im Mehrgeschosswohnungsbau besser erschlossen wird und hat deshalb ein Solarthermie-Demonstrationsprojekt initiiert, das vom Badenova Innovationsfonds gefördert und vom Bauverein Breisgau eG in Freiburg umgesetzt wurde. Fachlich begleitet wurde das 2015 realisierte Projekt vom Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE. Im Rahmen der „Solarthermie-Initiative“ soll das Projekt und die damit verbundenden Erfahrungen bekannt gemacht werden und so als Anregung für die Umsetzung weiterer Solarthermieprojekte in Mehrfamilienhäusern dienen.

Sonnenwärme für denkmalgeschütztes Gebäudeensemble 
Das Mehrfamilienhaus-Ensemble des Bauverein Breisgau in der Emmendinger Straße 16 - 34 ist das erste und älteste Gebäude der Wohnungsgenossenschaft. Die zehn Mehrfamilienhäusermit insgesamt 92 Wohnungen und zwei Gewerbeeinheiten umfassen knapp 5.000 Quadratmeter Wohn- und Nutzfläche. Sie wurden in den Jahren 1903 bis 1904 erbaut und sind denkmalgeschützt.

Das neue Mikrowärmenetz besteht aus zehn Wärmespeichern, 76 Flachkollektoren mit Nennleistung von ca. 150 kWth, einem Blockheizkraftwerk mit Leistungen von 20 kWel und 47 kWth sowie einem gasbetriebenen Spitzenlastkessel mit 450 kW Leistung. Hinzu kommt eine Wärmeübergabestation in jeder Wohnung (siehe Funktionsgrafik). Das Wärmemanagement erfolgt über dezentrale Kontrollsysteme und ist so ausgerichtet, dass die Solarwärme nicht nur bevorzugt eingespeist, sondern auch dezentral verbraucht wird. Da das BHKW vergleichsweise klein ausgelegt ist, kann es fast ganzjährig unter Volllast betrieben werden. Der dadurch erzeugte Strom wird den Mietern über eine Tochtergesellschaft des Bauvereins für den Eigenverbrauch angeboten.

Erfolgreiches erstes Betriebsjahr 
Wie sich nach über einjähriger Betriebserfahrung zeigt, funktioniert das Zusammenspiel der einzelnen Wärmequellen und das Management des Mikrowärmenetzes reibungslos. Wesentliche Ergebnisse bislang sind:
  • Sehr tiefe Rücklauftemperaturen sowohl im Sommer bei der Warmwasserbereitung als auch im Winter in Verbindung mit der bestehenden Raumheizung erlauben einen hocheffizienten Betrieb des Gesamtsystems.
  • Der solare Wärmeertrag von 59 MWh deckt rund 10 % des Gesamtwärmeverbrauchs des Gebäudekomplexes. In den Sommermonaten liegt der solare Deckungsanteil sogar bei über 60 %.
  • Mehr als 75 % der Mieter beziehen Mieterstrom. Deren Stromverbrauch wurde zu 71 % durch das BHKW gedeckt.
Der Erfahrungsbericht bietet auf zwölf Seiten eine umfassende Darstellung des gesamten Projekts und richtet sich sowohl an Interessierte aus der Wohnungswirtschaft als auch an Vertreter aus dem Energiebereich. Die Broschüre kann auf der Seite www.freiburg.de/solarthermie-initiative als pdf-Datei heruntergeladen oder über die E-Mail-Adresse solarthermie@brian-kommunikation.de kostenlos als gedrucktes Exemplar angefordert werden.


Quelle   Stadt Freiburg 2018

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MB verlieren erneut

 

Der Solar-Aktien-Index PPVX fiel letzte Woche um 2,0% auf 1.096 Punkte, der NYSE Arca Oil um 1,5%. Seit Jahresanfang 2018 liegt der PPVX mit -8,4% währungsbereinigt rund 23 Prozentpunkte hinter dem Erdölaktienindex (+14,7%). Die Top-3-Titel seit Jahresanfang sind SunRun (+144%),  Solaria Energía y Medio Ambiente (+127%) und Sino-American Silicon Products (+51%). Die grössten Gewinner der Woche waren Scatec Solar (+12%) und Xinyi Solar Holdings (+6%), die grössten Verlierer Meyer Burger (MB) Technology AG (-17%) und SunRun (-9%). Am 20.7. hat West Holdings die nicht mehr notierte JA Solar ersetzt, der Gewichtungsfaktor von  Gintech Energy wurde von 3 auf 2 angepasst. Der PPVX-Börsenwert beträgt rund 25,5 Mrd. Euro. Seit Anfang 2003 liegt der PPVX (+289%) rund 87 Prozentpunkte vor dem Erdölaktien-Index (mit +202%).

Der japanische Energiedienstleister und Solarkraftwerksprojektierer West Holdings Corporation wird mit Wirkung zum 20. Juli 2018 in den PHOTON Photovoltaik-Aktien Index PPVX aufgenommen. Er übernimmt den Platz des chinesischen Solarkonzerns JA Solar Holdings Co. Ltd., nachdem dessen Aktie aus dem Handel genommen wurde.
  
Vergrössern mit Klick auf Grafik und Tabelle !

Der Solaraktienindex PPVX erscheint auf Solarmedia jeden Monat neu - Quelle: Öko-Invest-Verlag, Wien, oeko-invest@teleweb.at 

Quelle: oeko-invest.net 

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Mittwoch, 18. Juli 2018

Speicherbatterien (noch) nicht wirtschaftlich

Die Wirtschaftlichkeit rückt näher, ist aber oft noch nicht gegeben. Immer mehr Photovoltaikanlagenkäufer legen sich  einen Solarstromspeicher zu - in Deutschland und seltener auch in der Schweiz. Und die Kosten sind wieder einmal im Sinken begriffen (wie früher bei der Photovoltaik) und wieder einmal mehr in Deutschland als in der Schweiz.

Für Gebäudeeigentümer ist Strom aus der Dachsolaranlage deutlich günstiger als der Strom aus der Steckdose. Batteriespeicher helfen, einen größeren Anteil des lukrativen Photovoltaikstroms selbst zu verbrauchen. Die Kosten der beliebten Solarstromspeicher sinken derzeit immer weiter, so dass sie bald wirtschaftlich sein werden. Bislang ist dies jedoch meist noch nicht der Fall. Darauf weist das Solar Cluster Baden-Württemberg hin. Im Jahr 2017 sind die Durchschnittskosten der Speichersysteme inklusive Installation von 1.550 Euro pro Kilowattstunde Speicherinhalt auf rund 1.300 Euro gesunken. Inzwischen gibt es bereits qualitativ hochwertige Systeme für 1.100 Euro pro Kilowattstunde. Die Wirtschaftlichkeitsgrenze liegt bei rund 800 Euro – falls die Lebensdauer der Speicher 20 Jahre beträgt. Sinkt die Lebensdauer, sinkt die Wirtschaftlichkeitsgrenze entsprechend. Verbraucher sollten daher bei den Speicherherstellern genau nachfragen, wenn es um die Wirtschaftlichkeit der Powerpakete geht und sich auch über die Garantie erkundigen, rät Franz Pöter vom Solar Cluster. 
Strom aus einer neuen Photovoltaikanlage auf dem Hausdach kostet die Eigentümer in Deutschland derzeit 9 bis 11 Cent pro erzeugte Kilowattstunde. Das ist nur noch rund ein Drittel dessen, was sie beim Energieversorger zahlen müssen. „Es rechnet sich daher, möglichst wenig Strom für 25 Cent netto pro Kilowattstunde aus dem Netz zu beziehen und möglichst viel Solarstrom zum Betrieb der elektrischen Geräte im Haus zu verwenden“, sagt Franz Pöter. Ohne Speicher lässt sich jedoch selten mehr als 30 Prozent selbst nutzen. Mit einer Batterie kommen die Eigentümer dagegen auf 50 bis 60 Prozent. 

Höhere Werte sind möglich, wenn der Strombedarf für eine Wärmepumpe oder ein Elektroauto ebenfalls mit Solarstrom gedeckt wird. Die tatsächlichen Zahlenwerte hängen jedoch stark vom Verhältnis der Jahreserzeugung an Solarstrom und dem Jahresstrombedarf im Haushalt ab, sowie vom Profil des Strombedarfs über Tag und vom Energieinhalt des verwendeten Speichers. Interessierte Hauseigentümer sollten sich daher an geeignete Handwerker aus der Region wenden, etwa Solarteure, Fachkräfte für Solartechnik oder geschulte Fachleute aus Elektrofachbetrieben, rät Pöter. 

In der Vergangenheit waren die Kosten für die Batteriespeicher deutlich zu hoch, um sie auch nur annähernd kostendeckend betreiben zu können. Von Ende 2013 bis Ende 2017 ist es jedoch gelungen, die Kosten zu halbieren. Die RWTH Aachen hat diese Zahlen im Rahmen des Speichermonitorings am 16. Juli 2018 veröffentlicht. Allein 2017 sanken die Kosten um rund 15 Prozent. Im Durchschnitt der im Bericht angegebenen Preise hat der Preisrutsch trotz Bundes- oder Landesförderung aber noch nicht dazu geführt, dass sich die Solarspeicher für Hauseigentümer finanziell rechnen. Dafür müssen die Kosten noch etwas weiter sinken. 

Die Solarbatterie im Keller übt trotz der noch fehlenden Wirtschaftlichkeit eine große Faszination auf die deutschen Solaranlageneigentümer aus. Ende 2017 waren bereits 85.000 Speicher installiert – doppelt so viel wie noch Anfang 2016, so die RWTH. Rund ein Drittel davon wurde von der Förderbank KfW finanziell bezuschusst. Im Jahr 2017 kamen insgesamt fast 32.000 Speicher neu hinzu. „Etwa jede zweite neue Photovoltaikanlage wird inzwischen zusammen mit einem Speicher installiert“, sagt Jan Figgener von der RWTH. „Für den Gesamtmarkt erwarten wir auch 2018 ein Wachstum. Die Anteile an KfW-geförderten Speichersystemen sind dabei jedoch rückläufig. Dies spricht für ein erfolgreiches Marktanreizprogramm, mit dessen Ende der Markt nun auf eigenen Beinen steht.“ 

Dass es danach weiter aufwärts geht, scheint eine ausgemachte Sache zu sein: Erstens sollen die Speicherkosten weiter sinken. Zweitens werden nach 2021 die ersten Solaranlagen aus der EEG-Vergütung fallen. Da ihre hohe Einspeisevergütung von 2001 ab diesem Zeitpunkt wegfällt und die dann abgeschriebenen Anlagen nur noch Betriebs-, Wartungs- und Reparaturkosten von 2 bis 4 Cent pro Kilowattstunde aufweisen, bieten sich künftig, je nach Preisentwicklung der Speicher, Eigenverbrauch und Speicherung an. Beschleunigt wird der Speicherzubau durch folgenden Umstand: Insgesamt gibt es in Deutschland rund 1,6 Millionen Photovoltaikanlagen. Sie alle werden früher oder später aus der EEG-Vergütung fallen, was die Eigentümer dazu bewegen wird, über die Installation von Batterien zur Erhöhung des Eigenverbrauchs nachzudenken.

Für die Amortisation eines Speichers ist entscheidend, wie oft Hauseigentümer über die Lebensdauer seine Speicherkapazität nutzen können und damit zusätzlichen Solarstrom statt Strom aus dem Netz verbrauchen. „Für gut ausgelegte Systeme im Haus kann der Speicher 200 bis 250 Mal im Jahr vollständig geladen und entladen werden“, sagt Franz Pöter vom Solar Cluster. „Multipliziert man diesen Wert mit der Lebensdauer in Jahren und dem Energieinhalt in Kilowattstunden, so ergibt sich der zusätzlich selbst genutzte Solarstrom.“ Ersetzt dieser Solarstrom, der ohne Speicher ins Netz eingespeist und derzeit mit 12 Cent pro Kilowattstunde vergütet worden wäre, den Bezug von Netzstrom zu 25 Cent pro Kilowattstunde (netto), so ergibt sich ein „Verdienst“ durch den Speicher von 13 Cent je Kilowattstunde (netto). 

Bei einer Lebensdauer von 10 Jahren und 250 Zyklen im Jahr würden pro Kilowattstunde Energieinhalt 2.500 Mal 13 Cent pro Kilowattstunde und damit 325 Euro Stromkosten gespart. Zieht man die Verluste im Speicher ab, so reduziert sich der Wert nochmal um 10 bis 25 Prozent. Rechnet man eine moderate Strompreissteigerung von 2 Prozent pro Jahr mit ein, kommt man auf rund 400 Euro. Hält der Speicher 20 Jahre, erhöht sich die Wirtschaftlichkeitsgrenze auf rund 800 Euro pro Kilowattstunde Energieinhalt. 

Abhängig von der erwarteten beziehungsweise vom Hersteller garantierten Lebensdauer sind Speicher mit Kosten unterhalb der genannten Grenzen folglich wirtschaftlich. Ein Rundum-Sorglos-Paket bieten immer mehr Stadtwerke und Speicherhersteller an: Photovoltaik-Speichersysteme im Zusammenhang mit Stromlieferverträgen. In dem Fall wird das Stadtwerk oder der Stromversorger zukünftig den Speicher für weitere Netzdienstleistungen wie der Erbringung von Primärregelleistung nutzen und damit die Zahl der Zyklen pro Jahr für den Speicher erhöhen. Als Resultat rentieren sich Speicher auch bei höheren Kosten. Die zusätzlichen Zyklen wirken sich auf die Alterung des Speichers nur wenig aus, denn dominierend ist für stationäre Batteriespeicher die kalendarische Alterung - also die Alterung aufgrund der Standzeit und nicht die Alterung aufgrund der wiederholten Be- und Entladung. Wichtig für Käufer: Sie sollten die Bedingungen prüfen, etwa die Länge des Stromliefervertrages. 

Für Industriebetriebe können Speicher weitere Dienstleistungen übernehmen. Etwa die Absicherung gegen Stromausfall oder die Reduktion der Leistungsspitzen beim Bezug elektrischer Energie. Das reduziert den Leistungspreis. Damit können die Betriebe neben dem Deckungsbeitrag aus Eigenverbrauchserhöhung auch Deckungsbeiträge aus den anderen Dienstleistungen erwirtschaften. 

Im privaten Bereich gibt es bislang lediglich den Gewinn aus der Eigenverbrauchserhöhung. Dieser Gewinn steigt mit dem Unterschied zwischen Einspeisevergütung und Strompreis. Wenn eine Photovoltaikanlagen aus der EEG-Förderung fällt, erwirtschaftet jede zusätzliche Kilowattstunde selbst verbrauchter Solarstrom nicht 13 Cent pro Kilowattstunde durch das Vorhandensein des Speichers, sondern rund 20 Cent. Zusammen mit der zu erwartenden Preisreduktion werden Speicher dann in einem ganz neuen Licht stehen. 


Montag, 16. Juli 2018

D: Bereits Millionen ernten Solarenergie

Mehr als zehn Millionen Menschen in Deutschland nutzen bereits Solarenergie. In der Schweiz dürften es immerhin Zehntausende sein. Zudem wollen im nördlichen Nachbarstaat die Bundesländer aktiver bei der Förderung der Solarenergie werden - da könnten sich die Schweizer Kantone etwas abschauen!

Fast überall in Deutschland scheint die Sonne an diesen Sommertagen länger als zwölf Stunden täglich, wie der Bundesverband Solarwirtschaft in einer Medienmitteilung festhält. Bereits mehr als zehn Millionen Menschen nutzen diese kostenlose Energie für die Strom- oder Wärmeversorgung des eigenen Hauses – oft sogar auch nach Sonnenuntergang. „Mit einer Photovoltaik-Anlage kann man auf dem eigenen Dach bereits ab zehn Cent pro Kilowattstunde klimafreundlichen Solarstrom erzeugen. Das ist unschlagbar preiswert“, sagt Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Solarwirtschaft (BSW-Solar). „Die rund 30 Kilowattstunden, die eine typische Hausdachanlage an einem sonnigen Tag wie heute erzeugt, reichen zum Beispiel für eine 200-Kilometer-Tour mit dem Elektroauto.“ Gesunkene Anlagenpreise sorgen für einen starken Nachfrageschub. Allein in den ersten fünf Monaten dieses Jahres wurden Solarstromanlagen mit einer Gesamtleistung von rund 1 Gigawatt installiert – über 40 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.
 
Immer mehr Menschen komplettieren ihre Photovoltaik-Anlage mit einem Solarstromspeicher. So können sie den günstigen und klimafreundlichen Strom aus eigener Erzeugung auch nach Sonnenuntergang nutzen. Für den Strom, den sie nicht selbst verbrauchen, erhalten sie eine für zwanzig Jahre garantierte Einspeisevergütung. Dachflächen bieten in aller Regel ausreichend Platz, die Sonnenenergie nicht nur zur Stromerzeugung, sondern mithilfe solarthermischer Kollektoren auch zur kostengünstigen Warmwasserbereitung und Heizungsunterstützung zu nutzen. 

Millionen Menschen setzen aber bereits auch auf Solarwärmeanlagen. Energiespeicher gelten dabei längst als Standard. Körnig: „Eine Solarwärmeanlage sorgt zuverlässig und umweltfreundlich für warmes Wasser. Im Sommerhalbjahr kann sie die Aufgabe des Heizkessels oft komplett übernehmen und den Brennstoffverbrauch auf null senken. In den Übergangszeiten und an sonnigen Wintertagen kann sie, je nach Größe und Auslegung, die Raumheizung unterstützen.“ Der Staat unterstützt den Einbau einer Solarwärmeanlage in Bestandsgebäude mit großzügigen Zuschüssen von bis zu 3.600 Euro. „Jetzt ist der ideale Zeitpunkt, sich bei einem Fachbetrieb über die vielen Möglichkeiten zu informieren, um noch vor Beginn des Herbstes auf Solarenergie umzusteigen“, so Körnig. 

Auch wollen immer mehr deutsche Bundesländer die Solarenergie aktiv fördern. Als drittes nach Bayern und Baden-Württemberg will Hessen künftig Standorte auf sogenannten „benachteiligten Flächen“ für Solarkraftwerke zur Verfügung stellen. Dabei handelt es sich um ertragsschwache landwirtschaftliche Flächen. Der Bundesverband Solarwirtschaft begrüßt dieses Ansinnen und geht davon aus, dass weitere Bundesländer in den nächsten Monaten folgen werden und in erforderlichem Umfang Flächen für die Solarstromerzeugung bereitstellen.

Kompetente Handwerksbetriebe für Deutschland findet man auf solartechnikberater.de - für die Schweiz unter Solarprofis auf swissolar.ch

Quellen: Bundesverband Solarwirtschaft 2018 und sonnenseite.com

Mittwoch, 11. Juli 2018

Grosse Solaranlagen braucht das Land

Die am Mittwoch veröffentlichte Sonnenenergie-Markterhebung für das Jahr 2017 widerspiegelt die schwierige Marktsituation vor Inkrafttreten der Energiestrategie 2050. Besonders augenfällig ist der durch fehlende Förderung bedingte Markteinbruch um fast ein Drittel bei den mittleren und grossen Photo-voltaikanlagen gegenüber dem Jahr 2016. 

Auch wenn für das laufende Jahr eine Erholung zu erwarten ist, bleibt die Marktsituation für Grossanlagen schwierig. Der Fachverband der Solarindustrie, Swissolar, fordert deshalb eine Verkürzung der bis zu 6-jährigen Wartefrist für die Einmalvergütung. Ein Lichtblick ist das leichte Wachstum bei der Solarwärme.

Am Mittwoch wurde die von Swissolar durchgeführte und vom BFE (Bundesamt für Energie) plausibilisierte Markterhebung Sonnenenergie 2017 veröffentlicht. Sie betrifft ein Jahr, das wegen der Diskussion über die Energiestrategie 2050 von fehlender Förderung und grosser Unsicherheit und geprägt war. Die Photovoltaik (PV)-Verkaufszahlen sanken gegenüber dem Vorjahr um 9% auf 241 Megawatt, was etwa einer Fläche von 225 Fussballfeldern  (ca. 1.5 Mio. m2)  neu installierten Modulen) entspricht. Verursacht wurde der Rückgang durch die letztes Jahr fehlende Förderung bei mittleren und grossen Anlagen über 30 kW Leistung (-31%). Besonders dramatisch war die Entwicklung bei Anlagen über 1 Megawatt Leistung (-73%). Die Analyse nach Art der Anlagen zeigte den grössten Rückgang bei Industrie und Gewerbe (-23%) und Landwirtschaft (-33%). In diesen Bereichen existieren viele grosse, bestens geeignete Dächer. 
 
Demgegenüber legte das Marktsegment der PV-Kleinanlagen (unter 30 kW Leistung, ca. 200 m2) um 38% massiv zu. Dies insbesondere bei Anlagen auf Einfamilienhäusern (+28%) und Mehrfamilienhäusern (+14%). Es zeigt sich, dass Photovoltaikanlagen auf neuen Wohnhäusern und bei Sanierungen heute zum Standard gehören. (2017 wurden 9131 PV-Anlagen auf Einfamilienhäusern installiert, während im gleichen Zeitraum rund 7000 neue EFH gebaut wurden.) 

Um 5% leicht zugelegt haben auch Kollektoranlagen zur Nutzung der Solarwärme – zum ersten Mal nach vier Jahren rückläufigen Marktes. Der Grund dafür ist die wachsende Beliebtheit solcher Anlagen zur Wassererwärmung in Mehrfamilienhäusern (+35% gegenüber Vorjahr, bezogen auf die Fläche). 

Es braucht mehr Schub für grosse Photovoltaikanlagen: 
Swissolar geht für das laufende Jahr von einem leichten Wachstum bei der Photovoltaik aus. Trotz der seit Jahresbeginn für alle Anlagengrössen verfügbaren Einmalvergütung bleibt die Marktsituation für Grossanlagen schwierig. Als Grund ist einerseits die lange Wartefrist für Neuanmeldungen für die «grosse Einmalvergütung» von mindestens sechs Jahren zu nennen. Swissolar fordert das Bundesamt für Energie auf, diese Frist durch eine Umverteilung der verfügbaren Mittel auf maximal zwei Jahre (wie bei der «kleinen Einmalvergütung») abzusenken. 
 
Ein weiterer Grund liegt in den vielerorts sehr tiefen Rückliefertarifen für nicht selbst verwendeten Strom. Diese zwingen Betreiber dazu, ihre Anlagen möglichst klein zu dimensionieren. Die Folge sind die vielerorts bereits sichtbaren (z.B. auf landwirtschaftlichen Bauten) eigenverbrauchsoptimierten Solaranlagen, die nur einen kleinen Teil der verfügbaren Dachfläche nutzen. Dies läuft den Zielen der Energiestrategie 2050 und den Erfordernissen des Pariser Klimaabkommens zuwider und ist auch volkswirtschaftlich unsinnig. Für die Erreichung der Ziele braucht es zwingend einen stärkeren Ausbau der Grossanlagen auf Industrie-, Gewerbe-, Dienstleistungs- und Landwirtschaftsbauten. Swissolar fordert deshalb von den Energieversorgern faire, der Energieverordnung entsprechende Rückliefertarife für Solarstrom. 
 
Die 2017 installierte Anzahl Batteriespeicher verdreifachte sich im Vergleich zum Vorjahr. Im Vergleich zu Deutschland werden in der Schweiz jedoch immer noch viermal weniger Batteriespeicher pro Kopf installiert als in Deutschland. Swissolar rechnet mit einer schnell wachsenden Nachfrage aufgrund des Preiszerfalls bei Batterien. Dank optimiertem Eigenverbrauch werden Stromspeicher zusehends wirtschaftlich.  

Solarwärme bleibt interessant – die Kantone sind gefordert: Bei der Solarwärme geht Swissolar für 2018 von einem stabilen Markt aus. Positive Effekte sind insbesondere von den laufenden Revisionen der kantonalen Energiegesetze zu erwarten. Diese sehen vor, dass bei Heizungssanierungen mindestens 10% der benötigten Energie mit erneuerbaren Energien abgedeckt werden muss. Sonnenkollektoren in Kombination mit fossilen Heizungen sind dafür besonders geeignet. Es ist jedoch von zentraler Bedeutung, dass die Kantone diese bis 2020 fälligen Revisionen nun ohne weitere Verzögerungen anpacken. 

> Zur Markterhebung Sonnenenergie 2017 
> Foto: Tissot-Arena in Biel, grösste Anlage auf einem Fussballstadion. © Schweizer Solarpreis

Quelle: Swissolar

Samstag, 7. Juli 2018

Tübingen überall !

Die süddeutsche Universitätsstadt Tübingen führt eine Solarpflicht ein - Tübingen will mit seinen neuen Vorschriften, dass sich möglichst viele Bürgerinnen und Bürger am Erreichen der Klimaschutzziele beteiligen. Ein Kommentar des Energiepublizisten Franz Alt zu einem Vorgang, der so auch in der Schweiz stattfinden könnte / sollte...

Nicht dutzendemal, sondern hundertemal wurde ich in den letzten Jahrzehnten gefragt: „Warum werden bei Neubauten Solaranlagen nicht vorgeschrieben?“ Ja warum wohl? Ein grüner Bürgermeister in Kassel hat es mal mit einer solchen Vorschrift versucht. Er wurde von seiner hessischen Landesregierung ausgebremst mit der Begründung, eine solche Vorschrift sei „Ökodiktatur“.
 
In Bayern gibt es meines Wissens zwei kleine Kommunen, die solche sinnvollen Vorschriften für Neubaugebiete mit Erfolg erlassen haben. Jetzt aber ist Tübingen die erste größere deutsche Stadt, die mit ihrem grünen Oberbürgermeist Boris Palmer und der Mehrheit des Stadtrats beschlossen hat: Neubauten werden nur noch zusammen mit Solarstromanlagen genehmigt. Architekten müssen also endlich lernen, wo Süden ist. Die bisherigen Ausreden der Kommunalpolitiker: Die Bauordnung lässt eine solche Vorschrift nicht zu, Denkmalschutz verbiete PV-Anlagen, Solarstrom sei zu teuer, eine PV-Vorschrift wäre „Ökodiktatur“ oder ähnlicher Unsinn. In Deutschland ist noch immer kein Argument zu doof, um nicht gegen die Energiewende ins Feld geführt zu werden.

Photovoltaik-Anlagen rechnen sich, seit es in Deutschland das Erneuerbare-Energien-Gesetz im Jahr 2000 gibt. Viele Hausbesitzer und Energiegenossenschaften haben sogar ordentliches Geld damit verdient oder gespart. Tübingen will mit seinen neuen Vorschriften, dass sich möglichst viele Bürgerinnen und Bürger am Erreichen der Klimaschutzziele beteiligen. Was das Problem von allen ist, muss auch von allen gelöst werden. Die Stadt am Neckar hat sich zum Ziel gesetzt, die CO2-Emissionen bis 2022 um ein Viertel zu senken – gemessen an 2014.

Windräder können in Städten nur in begrenzter Zahl aufgestellt werden, Wasserkraft ist in Tübingen ausgeschöpft und auch Bioenergie natürlich begrenzt. Also bleiben die Dächer und Fassaden für Solaranlagen. Hier liegt das größte bisher ungenutzte Potential. Die Sonne scheint auf jedes Dach, kostenlos, umweltfreundlich und nahezu für alle Zeit. Aber der Preis für die Anlagen? Es ist ein nahezu unausrottbares Vorurteil der Ignoranten, dass Solarstrom zu teuer sei.

Preiswerte Sonnenenergie: Dabei ist in den meisten Ländern der Welt die Sonnenenergie bereits die preiswerteste Energiequelle und wird immer billiger. Eben weil die Sonne keine Rechnung schickt. Und sie hat so gut wie keine Folgekosten im Gegensatz zur alten, fossil-atomaren Energieversorgung. Die Stadtwerke Tübingen machen Hausbesitzern, die selbst nicht investieren wollen, ein Angebot: Die Dachflächen Anderen zur Verfügung zu stellen. Pachtmodelle sollen ermöglicht werden.  

Die Stadtwerke Tübingen bieten auch an, die Anlagen selbst zu finanzieren und zu warten. Ein gutes Geschäft. Oberbürgermeister Palmer rechnet damit, dass seine Bürger mitmachen – schon des Preisvorteils wegen. Das  Benutzen eines Elektroautos mit selbst erzeugtem Solarstrom macht den Ökostrom noch preiswerter. Er kostet höchstens ein Drittel dessen, was die Autofahrer bisher an der Tankstelle bezahlt haben.

Tübingen sollte jetzt überall werden. Es gibt keine Ausreden mehr - Anmerkung Solarmedia: So auch in der Schweiz!
  • taz "Photovoltaikpflicht in Tübingen - Sonne darf nicht mehr nur so scheinen"
  • Boris Palmer zur neuen Photovoltaik-Pflicht in Tübingen | Interview: Die Stadt will nur dann zum Bau einer Solaranlage verpflichten, wenn es sich für Bauherren oder Mieter wirtschaftlich rechnet. Nach Ansicht des Tübinger Oberbürgermeisters Boris Palmer (Bündnis 90/Die Grünen) ist das in den meisten Fällen so, gerade wenn der Solarstrom vom Dach selbst verbraucht wird. Dadurch, dass die Pflicht für Neubauten zur Photovoltaik-Nutzung in Grundstückskaufverträgen und städtebaulichen Verträgen festgeschrieben wird, erwartet Palmer, dass sie nicht wie in Marburg vor acht Jahren geschehen, vor Gericht scheitern wird.

Freitag, 6. Juli 2018

Siehe auch links/rechts

Liebe Leserin, lieber Leser
Solarmedia freut sich über Ihr ungeteiltes Interesse an Meldungen und Berichten aus der weltweiten Solarwirtschaft. Zur Ergänzung dienen die Hinweise in der ganz linken und der rechten Spalte des Blog Solarmedia. Sie verlinken auf interessante Artikel internationaler Medien zu den Themen Solarwirtschaft, Energie sowie Nachhaltigkeit allgemein (aktuell zu stromerzeugenden Fensterfolien, Öl-Milliardären mit speziellen Interessen und die Bewegung der langsamen Städte in der Toskana - linke Spalte) sowie Finanz-Anlage und Vorsorge (rechte Spalte). Viel Vergnügen sodann mit der Bilderspalte (zweite von links), die auf Photographien internationaler KünstlerInnen wie auf Bilder des Solarmedia-Autors hinweist! Und wer es ganz aktuell mit täglich vielen Tweets haben will, wähle den Twitter-Bottom oberhalb der Bilder-Spalte oder ganz einfach twitter.com/rehsche.

Dienstag, 3. Juli 2018

1.Halbjahr: Solarstrom-Rekord in Deutschland

Solarkraftwerke in Deutschland erzeugen im ersten Halbjahr 2018 acht Prozent mehr Strom als 2017 / Für die Umsetzung der Klimaziele muss das Ausbautempo jedoch vervielfacht werden / Sonderausschreibungen müssen rasch umgesetzt werden / Gern wüsste man solche Zahlen auch für die Schweiz. 

Die Betreiber der in Deutschland installierten über 3,5 Millionen Solaranlagen können sich im ersten Halbjahr 2018 über eine Rekordernte freuen. So lag allein die Produktion von Solarstrom mit rund 23,6 Terrawattstunden fast acht Prozent über dem ersten Halbjahr 2017. Das geht aus aktuellen Berechnungen des Bundesverbandes Solarwirtschaft (BSW) hervor. Die gute Sonnenernte der letzten Monate sind das Resultat eines ungewöhnlich sonnenreichen Frühjahrs und einer anziehenden Nachfrage. Die Vereinigung der führenden Solar- und Speicherunternehmen fordert die Bundesregierung auf, die Potenziale der inzwischen überaus preiswerten Solartechnik noch deutlich stärker zu nutzen, um die Klimaziele zu erreichen. 

"Rund 10 Millionen Menschen profitieren in Deutschland bereits unmittelbar von den Vorzügen der Solarenergie. Für eine erfolgreiche Umsetzung der Klimaziele muss ihr Ausbautempo aber vervielfacht werden", sagt BSW-Hauptgeschäftsführer Carsten Körnig. "Dabei mangelt es weder an Sonne, intelligenten technischen Lösungen, noch an der Investitionsbereitschaft von Verbrauchern und Unternehmen, sondern oft an fairen Marktbedingungen und der klimapolitischen Durchsetzungskraft", so Körnig. Der BSW fordert die Bundesregierung auf, die im Koalitionsvertrag angekündigten Sonderausschreibungen von vier Gigawatt Solarstromleistung in den kommenden beiden Jahren ohne Abstriche umzusetzen und durch den Abbau von Investitionsbarrieren auch in den Folgejahren deutlich mehr Solaranlagen zu installieren. 

Die deutsche Bundesregierung müsse das jährliche Photovoltaik-Ausbauziel von 2,5 Gigawatt auf rund 10 Gigawatt erhöhen und den im EEG verankerten 52-Gigawatt-Zubaudeckel noch in diesem Jahr ebenso streichen wie die diskriminierende finanzielle Belastung von Mietern und Unternehmen, die sich selbst oder im ökologischen Quartiersverbund mit Solarenergie versorgen wollen, so die Forderung des Bundesverbandes. Körnig: "Diese Beschränkungen stammen aus einer Zeit, als Solarenergie noch teuer war. Inzwischen ist Solarstrom bei Preisen von 5-10 Cent je Kilowattstunde aber preiswerter als Strom aus vielen anderen neuen Kraftwerken. Es gibt überhaupt keinen Grund, den Ausbau noch zu deckeln, wenn wir nicht sehenden Auges das Klimaproblem weiter verschärfen und in eine Ökostrom-Lücke hineinlaufen wollen." Allein die Elektrifizierung des Autoverkehrs führe zu einem wachsenden Bedarf an Erneuerbaren Energien. 

Quelle: www.solarwirtschaft.de


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Montag, 2. Juli 2018

Mehr Sonnenwärme für grosse Gebäude

Für einmal gibt es ausführliche Angaben zur weltweiten Nutzung der Solarthermie - im Hinblick auf die Energiewende eine der zentralen Komponenten. Mit 472 GWth bis Ende 2017 addierten sich solare Wärme und Kälte erneut zum größten Solarsektor weltweit, gefolgt von der Photovoltaik (402 GWp) und der Solarkraftwerke (5 GWel). 

Der neue Report Solar Heat Worldwide betont die zunehmende Nutzung von Megawattanlagen für die solare Beheizung und Kühlung großer öffentlicher und privater Gebäude sowie von Fabriken. Das IEA Solar Heating and Cooling Program (IEA SHC) hat den Jahresbericht Ende Mai veröffentlicht. Hauptautor ist das österreichische Forschungsinstitut AEE INTEC. Mit Daten aus 66 Ländern ist Solar Heat Worldwide der umfassendste Solarwärme-Report. Im Jahr 2016 beschäftigte der globale Solarthermie-Sektor 708.000 Menschen und erreichte einen weltweiten Umsatz von 16 Milliarden Euro (dies sind die aktuellsten verfügbaren Zahlen). 

"Angetrieben von wirtschaftlicher Wettbewerbsfähigkeit, starken Technologielieferanten und Richtlinien zur Reduzierung der Luftverschmutzung erlebten neue Solarwärme-Anlagen für Industrieprozesse 2017 ein Rekordjahr", sagte Ken Guthrie, Vorsitzender des IEA SHC-Programms. Insgesamt wurden 124 neue Großanlagen in Betrieb genommen. Die meisten Installationen entstanden in Indien und Mexiko. Solarwärme für Industrieprozesse ist ein globales Geschäft – die größten Anlagen haben letztes Jahr in Oman, China und Afghanistan ihren Betrieb aufgenommen. Bei dem Projekt in Oman handelt es sich um vier Parabolrinnenkollektor-Felder mit einer Leistung von insgesamt 100 MWth, die in Glashäusern aufgestellt sind. Der Solardampf ersetzt Gaskessel und wird in den Boden gepumpt, um erwärmtes Rohöl leichter zu fördern.

Steigende Nachfrage nach Großanlagen für solare Fernwärme und große Wohn-, Gewerbe- und öffentliche Gebäude weltweit – jährlicher Zuwachs und kumulierte Fläche in Betrieb im Jahr 2017 (Quelle: Solar Heat Worldwide 2018)
"Immer mehr Länder erkennen, dass solare Fernwärme der kostengünstigste Weg ist, den Heizungssektor zu entkarbonisieren", erklärt Guthrie. In Frankreich, Serbien, Australien und Kirgisistan wurden die ersten SDH-Anlagen über 500 m² (350 kWth) in Betrieb genommen. Insgesamt wuchs die solare Fernwärme im Jahr 2017 um 15 große Anlagen – vor allem in den etablierten Märkten wie Österreich, China, Dänemark, Deutschland und Schweden. Erstmals kamen Parabolrinnenkollektor-Technologien zur Einspeisung von Solarenergie in Fernwärmenetze zum Einsatz. Die größte Anlage läuft seit Oktober 2016 in der Inneren Mongolei, China) (75.000 m²), gefolgt von einer dänischen Installation mit 26.929 m² in der Gemeinde Brønderslev.

Aufgrund des zunehmenden Wettbewerbs mit anderen erneuerbaren Heiztechnologien im Wohnungssektor und der anhaltend niedrigen Energiepreise ging die Anzahl der Solarwärmeanlagen in China und Europa zurück. Folglich sank die 2017 weltweit neu installierte Solarthermie-Kapazität mit rund 35 GWth im Vergleich zum Vorjahr um 4,2 %. In China hat sich der rückläufige Trend der vergangenen Jahre 2017 allerdings etwas abgeflacht. Grund dafür war die steigende Nachfrage nach solarer Heizung und Warmwasserbereitung für große Immobilienprojekte. Nach einem Rückgang von 15 % im Jahr 2015 und 9 % 2016 sanken die Neuinstallationen 2017 in China lediglich um 6 %.
Marktwachstum konnten Indien (26%), Mexiko (7%) und die Türkei (4%) verzeichnen. Alle drei Märkte verfügen über wettbewerbsfähige Lösungen für den privaten Wohnbereich und verzichten auf direkte Förderprogramme. Daher ist es nicht verwunderlich, dass die solaren Wärmepreise in Indien und der Türkei mit 2 bis 3 €-ct/kWh gemäß der Berechnungen der Wärmegestehungskosten in Kapitel 5 am niedrigsten sind. Am oberen Ende der Kostenskala liegen Frankreich mit 19 €-ct/kWh für kleine Anlagen und 14 €-c /kWh für Mehrfamilienhäuser sowie Dänemark mit 16 beziehungsweise 12 €-ct/kWh.

China und Europa waren erneut die größten Märkte für Solarwärme und -kälte 2016. (Quelle: Solar Heat Worldwide 2018)

Weitere wichtige Markttrends

  • Die eingesetzte Kollektortechnologie ist abhängig von der jeweiligen Region: Vakuumröhrenkollektoren dominieren die weltweit installierte Solarthermieleistung (72%), während Flachkollektoren in Europa am häufigsten vorkommen (83%).
  • Im Jahr 2016 trugen Solarthermie-Anlagen in Mehrfamilienhäusern, Hotels und Schulen bereits 27% zur weltweit produzierten Solarwärme bei. Der Marktanteil solarer Warmwasserbereiter in Einfamilienhäusern ging leicht zurück. Solare Schwimmbadheizungen (4%) und Kombisysteme (2%) waren Nischenmärkte.
  • Die führenden Länder für Luftkollektoranlagen waren Australien, Kanada, Japan und die Vereinigten Staaten. Solare Luftheizungen liefern typischerweise 20 bis 30% des jährlichen Raumwärmebedarfs von Gebäuden und trocknen landwirtschaftliche Produkte.

Wichtige globale Zahlen zum solaren Heizen und Kühlen

Gesamtkapazität in Betrieb Ende 20171 472 GWth
Wachstum der Gesamtkapazität 2016/2017 +4%
Klimaschutzbeitrag in 2017 388 Terrawattstunden Solarwärme sparten 41,7 Millionen Tonnen Öl und 134,7 Millionen Tonnen CO2 ein
Top-Fünf-Länder: Neu installierte Kapazität 2016 2 China, Türkei, Brasilien, Indien und die USA
Top-Fünf-Länder: Gesamtkapazität in Betrieb Ende 2016 2 China, USA, Türkei, Deutschland und Brasilien
Top-Fünf-Länder: Gesamtkapazität pro Kopf Ende 2016 2 Barbados, Österreich, Zypern, Israel und Griechenland
1 Betrachtet wurden unverglaste und verglaste Flach- und Vakuumröhrenkollektoren mit Wasser als Energieträger sowie verglaste und unverglaste Luftkollektoren.
2 Betrachtet wurden verglaste und unverglaste wasserbasierte Kollektoren.

Solar Heat Worldwide

Erstmals 2002 veröffentlicht hat Solar Heat Worldwide inzwischen Marktdaten aus 66 Ländern gesammelt. Der 93-seitige Bericht enthält Kapitel zu kommerziellen Anwendungen und Wärmegestehungskosten. Solar Heat Worldwide gilt als solide Referenz unter internationalen Organisationen wie REN21 und IRENA (International Renewable Energy Agency). Die Studie war erneut einer der Haupt-Datenlieferanten für die Kapitel zum solaren Heizen und Kühlen im Renewable 2018 Global Status Report von REN21, einem der wichtigsten Politikberater-Berichte zum Thema erneuerbare Energien (Bärbel Epp).
Größte Anlage konzentrierender Kollektoren in Dänemark: 16,6 MWth Parabolrinnenkollektoren liefern Wärme an ein Fernwärmenetz. (/Foto: Aalborg CSP)

IEA SHC (International Energy Agency, Solar Heating and Cooling Technology Collaboration Programme) ist ein internationales Forschungsnetzwerk zu solaren Heiz- und Kühltechnologien. Mehr als 200 Experten aus 20 Ländern und von fünf internationalen Organisationen forschen gemeinsam an vielseitigen Themen, zum Beispiel: Lösungen zur Integration von Solartechnik in Gebäudehüllen, zukünftige Speicherkonzepte und die Einbindung von großen Solarfeldern in Fernwärme- und Fernkältenetze. 1977 gegründet ist SHC eines der ältesten Technologie-Kooperationsprogramme der IEA, und eines von zehn im Bereich der erneuerbaren Energien.

Solar Heat Worldwide seht unter iea-shc.org/solar-heat-worldwide zum Download bereit.

Quelle: iea-shc.org


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Freitag, 29. Juni 2018

EU stärkt solare Selbstversorger

Neue Erneuerbare-Energien-Richtlinie der Europäischen Union / EU-Mitgliedsstaaten einigen sich auf Diskriminierungsverbot für selbst erzeugten Ökostrom und Recht auf eigenen Stromspeicher

Die Eigenversorgung mit Solarenergie erfreut sich immer größerer Beliebtheit bei Bürgern und Unternehmen. Gleichzeitig werden ihr in Deutschland und einigen anderen EU-Mitgliedsstaaten zum Teil noch immer erhebliche finanzielle und bürokratische Hindernisse in den Weg gelegt. Damit könnte bald Schluss sein: Europäisches Parlament, Europarat und EU-Kommission einigten sich darauf, dass die Selbst- und Direktversorgung von Verbrauchern und Mietern mit Erneuerbaren Energien künftig nicht mehr diskriminiert und behindert werden darf. 

Nach Einschätzung des Bundesverbandes Solarwirtschaft e.V. (BSW-Solar) sollte diese Entscheidung die Bundesregierung dazu ermuntern, die Rolle dezentraler Energiewende-Lösungen und Quartierskonzepte zu stärken und bestehende Marktbarrieren zeitnah abzubauen. "Sonnensteuern auf selbst verbrauchten Solarstrom werden nun ebenso fallen müssen wie der 52-Gigawatt-Ausbaudeckel für die Photovoltaik im deutschen Erneuerbare-Energien-Gesetz", sagte BSW-Hauptgeschäftsführer Carsten Körnig. Die Belastung von Solarstrom zur Eigen- und Mieterstromversorgung mit der EEG-Umlage wurde in Deutschland im Jahr 2014 eingeführt. Sie verlängert die Zeit, bis sich solche Photovoltaik-Projekte bezahlt gemacht haben um mehrere Jahre. "Die Belastung des Eigenverbrauchs hat zu einem deutlichen Rückgang des Photovoltaik-Markts beigetragen. Fällt diese Marktbarriere, könnte auf Gewerbe-, Industrie- und Wohngebäuden noch deutlich mehr Solarpotenzial gehoben und die Klimabilanz Deutschlands erheblich verbessert werden", erklärte Körnig.

Der Ausschuss der Ständigen Vertreter der EU-Mitgliedstaaten hat sich in seiner Sitzung am Mittwoch dieser Woche auf eine Neufassung der EE-Richtlinie verständigt, die zum Teil nennenswerte Verbesserungen für Ausbau und Nutzung Erneuerbarer Energien vorsieht. Darunter findet sich auch eine Anhebung der EE-Ausbauziele auf 32 Prozent am gesamten europäischen Energiemix. "Wir haben uns zwar einen Anteil von 35 Prozent Erneuerbare Energie gewünscht, doch selbst dieses niedrigere Ziel werden wir nur mit einer deutlich stärkeren Nutzung der Solarenergie im Strom- Wärme- und Mobilitätsbereich erreichen können“, so Körnig. „Nach einem massiven Preisrückgang stehen Solarenergie und Speicher nun bereit, eine deutlich größere Rolle für eine sichere und preiswerte Energieversorgung zu leisten." In Deutschland liegt der EE-Anteil am Bruttoendenergieverbrauch derzeit bei rund 15 Prozent. 

Hintergrund: Im Grundsatz sollen einzelne Personen und Gruppen von Personen nach der Artikel 21 der neuen EE-Richtlinie künftig dazu berechtigt werden, Strom aus erneuerbaren Quellen zu erzeugen, auch für den Eigenverbrauch, überschüssige Energie zu speichern und zu verkaufen, auch über Stromabnahmevereinbarungen, Stromversorgungsunternehmen und Peer-to-Peer-Plattformen, ohne dabei auf diskriminierende und überlastende Bedingungen zu stoßen. Die Mitgliedsstaaten haben künftig dafür zu sorgen, dass Eigenverbraucher Erneuerbarer Energien, individuell oder über Aggregatoren, das Recht zur Installation und Betrieb von Stromspeichersystemen in Verbindung mit Anlagen zur Erzeugung von erneuerbarer Energie für den Eigenverbrauch erhalten, ohne jegliche Doppelbesteuerung wie etwa Netzentgelte für gespeicherten Strom, der im eigenen Haushalt verbleibt. 
 
Die Richtlinie muss nun im Rahmen einer der nächsten EU-Ratssitzungen bestätigt und vom EU-Parlament formell bekräftigt werden, bevor sie im Journal der Europäischen Union (Amtsblatt) offiziell bekannt gegeben wird und damit in Kraft tritt. EU-Mitgliedstaaten haben ab dem Zeitpunkt 18 Monate Zeit, die Richtlinie in nationales Recht zu überführen.
Der BSW-Solar wird in den nächsten Wochen die konkreten Implikationen für die nationale Gesetzgebung prüfen und seine Mitglieder zeitnah über neue Entwicklungen und Erkenntnisse informieren.  

Quelle: www.solarwirtschaft.de

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Montag, 25. Juni 2018

Energiewende droht weltweit zu scheitern

Der „Global Status Report“ zu den Erneuerbaren Energien zeigt mit schöner Regelmässigkeit deren Erfolge auf. Er tönte in früheren Ausgaben schon optimistischer als in der aktuellen.

Das ist ja so eine Sache mit den Jahresberichten. Sie enthalten oft wertvolle, andernorts meist gar nicht veröffentlichte oder dann gut versteckte Facts – eben so gut versteckt, dass sie kaum jemand zur Kenntnis nimmt. Dabei lohnt etwa die Lektüre des eben erschienen Berichts über die neuen Erneuerbaren Energien. Er fördert zutage, wie es im deutschen Handelsblatt hiess: «Die Energiewende droht zu scheitern, weil bislang von all den Rekorden nur der Stromsektor profitiert. Elektrizität ist aber nur für zwanzig Prozent des globalen Energiekonsums verantwortlich. Die Bereiche Wärme- und Kälte (48 Prozent) und Verkehr (38 Prozent) hingegen ziehen gemeinsam mehr als drei Viertel des weltweiten Energieverbrauchs auf sich.» Dieser allgemeinen Erkenntnis darf man sich im Energiediskurs nicht entziehen – und doch seien hier naheliegenderweise zuerst die solarbezogenen Facts in den Vordergrund gerückt. Es folgt eine Zusammenfassung in deutscher Übersetzung durch Solarmedia zu den solarbezogenen Ausführungen aus dem  „Global Status Report 2018“ für Erneuerbare Energien. 

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Im vergangenen Jahr hat die Photovoltaik weltweit erneut alle Rekorde geschlagen – und es wurden mehr Solaranlagen gebaut als in jeder anderen Energieerzeugungsart und sogar mehr als fossile und nukleare Kapazitäten zusammen neu hinzukamen – siehe Grafik. Global wurden solar 98 Gigawatt peak errichtet – wenn auch immer in Erinnerung bleiben muss, dass diese Grösse anders als andere Energiekapazitäten nur während der Sonnenscheindauer zum Einsatz kommt – in hiesigen Breitengraden also während 1000 und unter besten Sonnenscheinbedingunten deren 2000 Jahresstunden. Mit diesem Rekordzubau erreichte die Gesamtkapazität unterdessen 402 Gigawatt. Zurückzuführen ist das gewaltige Wachstum auf den besonders grossen Zuwachs in China (plus 53 Gigawatt), wichtig waren auch die Solarmärkte in Indien, Japan, den USA und neu in der Türkei. Und zum wiederholten Mal hat Asien rund drei Viertel aller neuen Solarkapazitäten geschaffen. Unterdessen verfügen 29 Länder weltweit über solche von mehr als einem Gigawatt – wozu auch die Schweiz mit deren zwei zählt.





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Die gewaltige Expansion 2017 führt die Studie auf die zunehmende Wettbewerbsfähigkeit der Solarenergie zurück und den steigenden Strombedarf in den Ländern des Südens. Hinzu kommt die Einsicht, dass gerade Photovoltaik geeignet ist, einen substantiellen Beitrag zur Lösung der CO2-Problematik zu leisten. Und doch benötigt es weiterhin passender Rahmenbedingungen, die die Politik der einzelnen Länder vorhalten muss, damit sich der Siegeszug fortsetzt. Der Bericht unterstreicht auch die zentrale Rolle, die China für den Solarmarkt insgesamt spielt – was sich in den letzten Tagen deutlich herausschälte, als die Ankündigung verminderter Förderung die Solarwirtschaft durchschüttelte. Obwohl weiterhin grossflächige Anlagen auch den grössten Teil des Zubaus beisteuern, hat sich gemäss dem Bericht der Anteil der kleinen dezentralen Anlagen deutlich auf bald einen Fünftel erhöht – und hier wiederum werden die Anlagen auf Hausdächern immer wichtiger – was sie hierzulande bekanntlich bereits sind.

Die Energiewende droht aber zu scheitern, weil bislang von all den Rekorden nur der Stromsektor profitiert. Elektrizität ist aber nur für zwanzig Prozent des globalen Energiekonsums verantwortlich, wie es im neuen „Global Status Report 2018“ heißt, den das Netzwerk für erneuerbare Energien REN21 vergangene Woche veröffentlicht hat. Die Bereiche Wärme- und Kälte (48 Prozent) und Verkehr (38 Prozent) hingegen ziehen gemeinsam mehr drei Viertel des weltweiten Energieverbrauchs auf sich.

Da hilft auch die Rekordmenge von weltweit 402 Gigawatt installierter Solarleistung nicht. „Damit die Energiewende gelingt, müssen Strom- und Wärmeerzeugung miteinander verzahnt und auch der Verkehrssektor mit einbezogen werden“, appelliert Rana Adib, die Generalsekretärin von REN21 im Gespräch mit dem Handelsblatt.  „Sektorenkopplung“ nennen das die Experten. Kaum eine Erneuerbaren-Konferenz kommt derzeit ohne diesen Begriff aus. Denn der Stromsektor alleine wird die nach dem Pariser Klimaabkommen vereinbarten Ziele nicht erreichen können, wenn allein der Wärmebereich für fast 40 Prozent aller Treibhausgasemissionen weltweit verantwortlich ist.

Laut dem „Global Status Report“ haben sich gerade mal 48 Länder weltweit Öko-Ziele im Bereich Wärme- und Kälte gesetzt, nur noch 42 Staaten formulieren Vorgaben für ihren Verkehrssektor. Dagegen haben ganze 146 Länder festgeschrieben, bis wann ein bestimmter Anteil des Stroms aus grünen Quellen kommen soll. Das einzige Land mit einem Plan für alle drei Sektoren ist Dänemark. Deutschland habe lange eine Vorreiterrolle eingenommen, sagt Adib. „Aber auch hier spielt sich die Energiewende bislang nur im Stromsektor ab“, und das reiche nicht.