Dienstag, 24. April 2018

Strom gemeinsam produzieren

Als Gemeinschaft Strom produzieren, selber verbrauchen und den Restbedarf günstig am freien Strommarkt einkaufen: Was utopisch klingt, ist spätestens seit der Annahme der Energiestrategie 2050 in einer Eigenverbrauchsgemeinschaft (EVG) möglich. Zwei Projekte zeigen, welche unterschiedlichen Formen eine EVG annehmen kann. 

An der Photovoltaik-Tagung von vergangener Woche (siehe Solarmedia vom 20.4.18) war viel von Eigenverbrauch die Rede. Konkrete Beispiele erläutert ein Medientext der Elektrizitätswerke des Kantons Zürich: In Aathal sind vor Kurzem zwölf Mieterinnen und Mieter in eine neue Siedlung der EKZ eingezogen und beziehen Strom von der hauseigenen Solaranlage (siehe Bild). Die Mieter und Mieterinnen erhalten eine komplette Abrechnung der Strom- und Nebenkosten aus einer Hand, da die Liegenschaft sowohl den Allgemein- als neu auch den Individualstrom direkt über die Nebenkosten abrechnet. Möglich macht dies das revidierte Energiegesetz, das seit Anfang 2018 in Kraft ist. Dieses erlaubt sogenannte Eigenverbrauchsgemeinschaften. Damit reicht die Hoheit des Energieversorgers nur noch bis zum Hauseingang. Wie sich die Eigenverbrauchsgemeinschaft dahinter organisiert, ist ihre Sache. Die EVG in Aathal hat für das sogenannte Submetering die Enpuls AG beauftragt: Enpuls erfasst also die Verbrauchsdaten der einzelnen Wohneinheiten für Wasser, Strom, Wärme und Kälte und erstellt den Verteilschlüssel für die Nebenkostenabrechnung zuhanden der Verwaltung. Eine separate Rechnung vom Energieversorgungsunternehmen an die Mieter ist nicht mehr nötig.  

In Embrach sind sogar 35 Wohnungen zu einer Eigenverbrauchsgemeinschaft zusammengeschlossen. Eigentümerin der Liegenschaft ist Logis Suisse, eine Aktiengesellschaft, die fairen Wohnraum fördert. Bei der Kernsanierung der alten Liegenschaft hat sie sich für eine Eigenverbrauchsgemeinschaft entschieden. Die Solaranlage auf dem Dach deckt 35 Prozent des eigenen Stromverbrauchs. Zudem könnte die EVG – bei Erfüllung der Marktzugangsbedingungen – durch den Einkauf des Reststroms auf dem freien Markt von wesentlich tieferen Kosten profitieren. Für die Mieterinnen und Mieter bedeutet dies, Strom aus erneuerbaren Energien zu günstigeren Tarifen zu beziehen. Die Stromabrechnung an die Mieter und das Submetering der Liegenschaft hat die Verwaltung Gfeller Treuhand an Enpuls ausgelagert. Diese ermöglicht ausserdem künftig ein zeitnahes Monitoring: Wie viel hat die Photovoltaik-Anlage produziert? Und wie viel wurde verbraucht? Ferner soll auch möglich werden, dass die Verwaltung anhand der Daten zum Gesamtverbrauch und der eigenen Stromproduktion die Energiebilanz optimieren kann.

Der Zusammenschluss mehrerer Parteien zu einer Eigenverbrauchsgemeinschaft bringt zahlreiche Vorteile. Zum einen ist die Nutzung des selbst produzierten Stroms wirtschaftlicher, als ihn zu den geringen Vergütungssätzen ins Netz einzuspeisen. Zum anderen kann die EVG ihren Reststrom am freien Strommarkt einkaufen, sobald sie mehr als 100‘000 Kilowattstunden pro Jahr verbraucht (das entspricht etwa 35 Wohnungen inkl. Allgemeinstrom ohne Wärmepumpe). Dabei profitiert sie von günstigeren Preisen. Dieser Preisvorteil kann an die Mitglieder der Eigenverbrauchsgemeinschaft weitergegeben werden. Die Stromkosten für den Privathaushalt lassen sich so um bis zu 30 Prozent senken.

Zu beachten ist, dass die Eigenverbrauchsgemeinschaft selber für die Abrechnung ihres Stromverbrauchs und das Submetering der Parteien verantwortlich ist. Hier leisten Dienstleistungsfirmen wie beispielsweise die Enpuls AG Abhilfe. Je nach Wunsch der Verwaltung übernimmt der Dienstleister das Submetering, liefert die Verbrauchszahlen für die Promilleabrechnung oder übernimmt gleich die gesamte Nebenkostenabrechnung.

Quelle mit ergänzenden Stichworten und Erklärungen: EKZ

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Montag, 23. April 2018

Strom für Landbevölkerung


Gestern Abend gelesen, den PC genutzt oder im Licht der Straßenlaterne nach Hause gegangen? Der Zugang zu Strom ist für viele Menschen auf der Welt nicht selbstverständlich. Die Partnerorganisation von oikocredit, das Sozialunternehmen Punam Energy, versorgt die indische Landbevölkerung mit Strom.

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Energiewende - aber bis wann?

Auf Initiative des Solarpioniers Hermann Scheer wurde 2010 IRENA, die Internationale Agentur für Erneuerbare Energien, mit Sitz in Abu Dhabi gegründet. Scheer vertrat in Büchern, Vorträgen und Fernsehsendungen sowie in der von ihm ebenfalls gegründeten Nichtregierungsorganisation Eurosolar die Meinung, dass die globale Energiewende bis spätestens 2040 machbar sei.

Jetzt hat IRENA beim „Energiewendedialog“ in Berlin eine Studie vorgelegt, wonach die globale Energiewende bis 2050 erreicht werden könne, aber nur unter diesen Voraussetzungen: Wind- und Sonnenenergie müssen sechsmal so schnell ausgebaut werden wie bisher, Häuser müssen dreimal so schnell wie bisher energetisch saniert werden und in Ökostrom muss 30% mehr Geld investiert werden als bisher. Ist dieses Ziel realisierbar? Aber ja! In Deutschland allerdings nur, wenn sich die Bundesregierung endlich rasch auf ein zeitnahes Datum für den Kohleausstieg einigen kann. Die englische Regierung hat sich dafür das Ziel 2025 gesetzt. 

Noch optimistischer als Hermann Scheer war, ist der Öko-Pionier und Silicon Valley-Unternehmer Tony Seba in seinem Buch: „Die Welt wird sich verändern. Radikal. Bis 2030“. Seba prophezeit die globale Energiewende in den nächsten 12 Jahren und erklärt seine These mit „Disruption“. Das heißt: eine einmal begonnene Entwicklung durch neue Technologien löst ein altes System weit schneller ab als bisher angenommen. Siehe die IT-Entwicklungen der letzten Jahrzehnte. Kreative Zerstörung! Vor allem die Preis-Entwicklung für Solar-und Windstrom spricht für Sebas These. In den USA sind die Kosten für PV-Anlagen seit 1970 um den Faktor 154 gefallen. In derselben Zeit ist das Öl um den Faktor 20 teurer geworden. Noch Fragen bitte? Der Unternehmer Tony Seba ist überzeugt, dass sich die preiswerteste Energie am schnellsten durchsetzen wird. Alle Erfahrung spricht dafür. Der Rohstoff für Solar- und Windenergie ist ein kostenloses Geschenk des Himmels und deshalb unschlagbar preiswert. Sonne und Wind schicken keine Rechnung. 

Zudem kann  IRENA nachweisen, dass durch die ökologische Energiewende etwa dreimal mehr Arbeitsplätze entstehen als bei den alten Energien wegfallen. Die globale Energiewende führe zu über elf Millionen neuen Jobs. Wir müssen endlich den Zusammenhang zwischen der Energiekrise und  der Arbeitsplatzkrise sehen und verstehen. Und diese Riesenchance ergreifen. Hinzu kommen die steigenden Gesundheitskosten und Millionen Tote durch die alte Energiewirtschaft. Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat festgestellt, dass 95% der Weltbevölkerung schlechte Luft atmen. Die Feinstaubbelastung überschreitet fast überall die WHO-Grenzwerte. 2016 seien 6.7 Millionen Menschen durch Luftverschmutzung gestorben. 

Feinstaub, so erklärt auch das US-amerikanische Institut für Gesundheitseffekte (HEI), erzeuge Lungen- und Herzerkrankungen. Daran mussten allein in Deutschland 2016  37.000 Menschen sterben. In Indien und China starben im selben Jahr, nach HEI-Berechnungen, daran je eine Million Menschen. Hauptquelle der Emissionen war die Kohlenutzung. Ob der neue IRENA-Bericht, die Berechnungen von Hermann Scheer oder von Tony Seba: Die deutsche Bundesregierung hinkt weit hinter all diesen Prognosen her, obwohl das Land am ehesten die technischen Voraussetzungen für eine rasche 100-prozentige Energiewende hat.
Quelle: Franz Alt - sonnenseite.com

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Sonntag, 22. April 2018

Schweiz brauchte mehr Strom

Im Jahr 2017 lag der Stromverbrauch in der Schweiz mit 58,5 Milliarden Kilowattstunden (Mrd. kWh) leicht über dem Niveau des Vorjahres (+0,4%). Die Landeserzeugung (nach Abzug des Verbrauchs der Speicherpumpen) betrug 57,3 Mrd. kWh. Der physikalische Stromimportüberschuss lag bei 5,6 Mrd. kWh.


Der Landesverbrauch lag 2017 bei 62,9 Mrd. kWh. Nach Abzug der Übertragungs- und Verteilverluste von 4,4 Mrd. kWh ergibt sich ein Stromverbrauch von 58,5 Mrd. kWh. Das sind 0,4% oder 244 Millionen kWh (entspricht etwa dem Jahresverbrauch von 48`800 Haushalten) mehr als 2016 (58,2 Mrd. kWh). Die Veränderungen gegenüber dem Vorjahr betrugen +0,6% im ersten, -1,1% im zweiten, +2,2% im dritten und +0,1% im vierten Quartal 2017.

Obwohl wichtige Einflussgrössen wie die Wirtschafts- und Bevölkerungsentwicklung (siehe unten) verbrauchssteigernd wirkten, blieb der Stromverbrauch in der Schweiz nahezu stabil. Dies dank der geringeren Anzahl der Heizgradtage sowie der Effizienzsteigerungen:
  • Wirtschaftsentwicklung: Das Bruttoinlandprodukt (BIP) nahm 2017 gemäss den ersten provisorischen Ergebnissen um 1,0% zu (Quelle: Staatssekretariat für Wirtschaft, SECO).
  • Bevölkerungsentwicklung: Die Bevölkerung der Schweiz nahm 2017 gemäss den provisorischen Ergebnissen des Bundesamtes für Statistik (BFS) vom 6. April 2018 um 0,7% zu.
  • Witterung: 2017 nahmen die Heizgradtage gegenüber dem Vorjahr um 1,5% ab (siehe Tabelle im Anhang). Da in der Schweiz gegen 10% des Stromverbrauchs für das Heizen verwendet werden, wirkt diese Entwicklung leicht verbrauchsdämpfend.
Zu Bestimmungsfaktoren der Stromverbrauchsentwicklung werden die jährlichen Ex-Post-Analysen des Energieverbrauchs weitere Aufschlüsse liefern können (Publikation im Oktober 2018).

Die Elektrizitätsproduktion (Landeserzeugung) sank 2017 leicht um 0,2% auf 61,5 Mrd. kWh (2016: 61,6 Mrd. kWh). Nach Abzug des Verbrauchs der Speicherpumpen von 4,2 Mrd. kWh ergibt sich eine Nettoerzeugung von 57,3 Mrd. kWh. Im dritten und vierten Quartal lag die Landeserzeugung über dem Vorjahreswert (+5,0% resp. +11,8%), im ersten und zweiten Quartal (-8,5% resp. -6,6%) jedoch unter den entsprechenden Vorjahreswerten.

Die Wasserkraftanlagen (Laufkraftwerke und Speicherkraftwerke) produzierten 0,9% mehr Elektrizität als im Vorjahr (Laufkraftwerke -3,8%, Speicherkraftwerke +4,9%). Im Sommer 2017 sank die Produktion der Wasserkraftwerke im Vergleich zum Vorjahr um 5,5% (Laufkraftwerke -7,0%, Speicherkraftwerke -3,9%), in den beiden Winterquartalen stieg die Produktion um 10,6% (Laufkraftwerke +2,8% resp. Speicherkraftwerke +15,3%). 

Die Stromproduktion der schweizerischen Kernkraftwerke sank um 3,6% auf 19,5 Mrd. kWh (2016: 20,2 Mrd. kWh). Dies ist vor allem auf ausserordentliche Stillstände des Kernkraftwerks Beznau I (ganzjährig) sowie des Kernkraftwerks Leibstadt (mehrere Monate) zurückzuführen. 2017 lag die Verfügbarkeit des schweizerischen Kernkraftwerkparks bei 67,1% (2016: 69,4%). An der  Elektrizitätsproduktion waren die Wasserkraftwerke zu 59,6% (davon Laufkraftwerke 25,9%, Speicherkraftwerke 33,7%), die Kernkraftwerke zu 31,7% sowie konventionell-thermische und erneuerbare Anlagen zu 8,7% beteiligt.

Bei physikalischen Importen von 36,5 Mrd. kWh und physikalischen Exporten von 30,9 Mrd. kWh ergab sich 2017 ein Importüberschuss von 5,6 Mrd. kWh (2016: Importüberschuss von 3,9 Mrd. kWh). Im ersten und im vierten Quartal (Winterquartale) importierte die Schweiz per Saldo 8,7 Mrd. kWh (2016: 8,2 Mrd. kWh), im zweiten und dritten Quartal exportierte sie per Saldo 3,1 Mrd. kWh (2016: 4,3 Mrd. kWh).

Der Erlös aus den handelsbasierten Stromexporten betrug gemäss den Angaben der Eidg. Zollverwaltung (EZV) 1'544 Mio. Franken (5,06 Rp./kWh). Für die handelsbasierten Stromimporte fielen Ausgaben von 1'761 Mio. Franken an (4,83 Rp./kWh). Somit ergab sich im Jahr 2017 gemäss EZV für die Schweiz ein negativer Aussenhandelssaldo von 217 Mio. Franken (Quelle: EZV / swissimpex; Stand: 3.4.2018).

 

Rückfragen: Marianne Zünd, Leiterin Medien und Politik BFE, Tel. 058 462 56 75 / 079 763 86 11

Herausgeber: Bundesamt für Energie: http://www.bfe.admin.ch


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Donnerstag, 19. April 2018

Voran mit dem Eigenverbrauch

Knapp ein Jahr nach dem Ja zur Energiestrategie 2050 traf sich die Solarbranche am Donnerstag und Freitag zu einer Lagebeurteilung. Die nationale Photovoltaik-Tagung stösst mit 600 Teilnehmerinnen und Teilnehmern auf ein rekordhohes Interesse. Die Gesetzesänderungen zu Jahresbeginn haben die Rahmenbedingungen für die Photovoltaik positiv verändert. Die neu möglichen «Zusammenschlüsse zum Eigenverbrauch» über Grundstücksgrenzen hinweg eröffnen neue Märkte. Die Referenten waren sich einig, dass die Photovoltaik auf dem Weg zu einer tragenden Säule der zukünftigen Schweizer Energieversorgung ist.
Veranstaltungsort der diesjährigen PV-Tagung
ist der Berner Kursaal - Bild: Guntram Rehsche
Die globale Entwicklung der Photovoltaik ist spektakulär: Bei Ausschreibungen unterbietet sie alle anderen Technologien der Stromproduktion, und entsprechend rasch wächst der Markt. In ihrem Vortrag postulierten deshalb die beiden Schweizer Träger des renommierten Becquerel-Preises, Christophe Ballif und Stefan Nowak, dass Solarstrom auf dem Weg zur wichtigsten Stromquelle weltweit sein dürfte. Für Remo Lütolf von ABB Schweiz bietet dies neue Chancen für die Energieindustrie unseres Landes.
Neues Handlungsfeld Klimapolitik
Im Schweizer Stromnetz fliessen bereits 3% Solarstrom. Nach dem Ja zur Energiestrategie 2050 sind die Rahmenbedingungen für einen weiteren Ausbau geschaffen. Nachdem Solarprojekte jahrelang auf einer Warteliste blockiert blieben, können sie jetzt wieder mit einer Förderung rechnen, müssen jedoch einen relevanten Anteil ihrer Produktion selbst verbrauchen, um die Wirtschaftlichkeit sicherzustellen. Die neu möglichen «Zusammenschlüsse zum Eigenverbrauch» über Grundstücksgrenzen hinweg wurden als Chance bezeichnet. Eine Podiumsdiskussion mit Vertretern des Hauseigentümerverbands Schweiz, des schweizerischen Mieterverbands, des Verband schweizerischer Elektrizitätsunternehmen sowie der Solarwirtschaft bekräftigte das gemeinsame Interesse, diese innovative Lösung voranzubringen. Solche Projekte verlangen aber ein erhöhtes Verständnis für die Integration der Solarenergie in die Gebäudetechnik, was mit dem Projekt Solarbildung Schweiz 2020 von Swissolar gewährleistet werden soll.
Nationalrat Roger Nordmann, Präsident von Swissolar, betonte die Notwendigkeit des raschen weiteren Ausbaus der Photovoltaik: «Nur so kann die Schweiz ihre Verpflichtungen aus dem Pariser Klimaprotokoll umsetzen. Der Ersatz von Benzin und Heizöl führt zu einem steigenden Strombedarf, der mit erneuerbaren Quellen gedeckt werden muss.»
Solarenergie als Teil der Gebäudehülle
Auf den Dächern und Fassaden der Schweiz könnte rund die Hälfte des Strombedarfs mit Solarmodulen erzeugt werden. Immer häufiger wird es zur Selbstverständlichkeit, dieses Potenzial zu nutzen, wie eine Reihe von Vorträgen zeigte. Auf besonderes Interesse stiess die vorgestellte Fallstudie anhand der Stadt Carouge, die aufzeigt, wie sich Denkmalschutz und Solarenergienutzung kombinieren lassen.
Photovoltaik im Energiesystem der Zukunft
Mit dem zu erwartenden raschen Anstieg des Anteils Solarstrom im Stromnetz gewinnt die Frage nach dessen Integration an Bedeutung. Elektromobilität und Batteriespeicher können eine wichtige Rolle bei der Bewirtschaftung der unregelmässig anfallenden Solarerträge spielen, wie zwei Referate zeigten. Stefan Muster, Geschäftsleitungsmitglied des VSE, betonte aber auch, dass die Rolle der immer häufiger auftretenden dezentralen Stromproduzenten neu geklärt werden müssten: «Mit dem Auslaufen der Förderung der Energiestrategie 2050 Phase I muss die zukünftige Rolle der dezentralen Produktion in der neuen Marktordnung festgelegt werden.»
Innovative Schweizer Forschung
Die Schweizer Forschung und Industrie im Bereich Photovoltaik zählt schon seit Jahren zur Weltspitze. Zwei Vorträge zeigten die wichtige Rolle der Fachhochschulen auf. Weitere Referate zeigten, dass kristalline Silizium-Solarzellen, die weit über 90 % des Markts abdecken, immer noch ein grosses Potenzial zur Steigerung der Wirkungsgrade vor sich haben.
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Über die Nationale Photovoltaiktagung
Die jährlich durchgeführte Veranstaltung wird von Swissolar gemeinsam mit dem Verband Schweizerischer Elektrizitätsunternehmen (VSE) und dem Bundesamt für Energie (BFE) organisiert. Die rund 600 Teilnehmerinnen und Teilnehmer stammen aus der Solarbranche, der Elektrizitätswirtschaft, der Forschung, der Architektur und der Politik. Die Veranstaltung wird von einer wissenschaftlichen Posterausstellung sowie einer Produkteausstellung begleitet.
Weitere Informationen:  www.swissolar.ch/pv2018

Über Swissolar
Swissolar vertritt als Branchenverband die Interessen von 500 Verbandsmitgliedern mit rund 8‘000 Arbeitsplätzen der Schweizer Solarenergiebranche in der Öffentlichkeit, der Politik und gegenüber den regulierenden Behörden. Swissolar setzt sich für eine schnell wachsende Nutzung von Solarenergie in der Schweiz ein. Diese wird zur Stromerzeugung, zur Beheizung von Gebäuden sowie zur Warmwasseraufbereitung genutzt. Der Grundstein für den Verband wurde bereits 1978 gelegt. Swissolar zählt damit zu den ersten Solarorganisationen weltweit. Die Sonne liefert der Schweiz jährlich 200-mal mehr Energie als wir brauchen. Swissolar setzt sich für die Energiewende hin zu einer Energieversorgung ohne den Einsatz fossiler oder nuklearer Energieträger ein. www.swissolar.ch
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Über den Verband Schweizerischer Elektrizitätsunternehmen (VSE)
Der VSE ist der Branchendachverband der schweizerischen Elektrizitätsbranche. Von den über 400 Mitgliedern des VSE sind 348 Unternehmen Branchenmitglieder, die wiederum rund 22 000 Mitarbeitende beschäftigen und entlang der gesamten Wertschöpfungskette operieren (Produktion, Handel, Übertragung, Verteilung und Betrieb). Die VSE-Mitglieder garantieren über 90 Prozent der Schweizer Stromversorgung. www.strom.ch / zu Trends der Energiezukunft: www.energiewelt.ch

Mittwoch, 18. April 2018

Vor der PV-Tagung 2018

Die Nationale Photovoltaik-Tagung hat sich zum wichtigsten Treffpunkt der schweizerischen Solarstrombranche etabliert. Die Tagung organisiert Swissolar gemeinsam mit dem Verband Schweizerischer Elektrizitätsunternehmen (VSE) und EnergieSchweiz. Sie steigt diese Woche am Donnerstag und Freitag in Bern. Ein wichtiges Thema wurde bereits im Vorfeld in einem Textbeitrag auf www.swissolar.ch beleuchtet: Solarwärme und Solarstrom können ein gutes Team bilden!

PV-Thermie-(PVT)-Systeme kombinieren die Erzeugung beider Arten von Solarenergie in einem Element. Dies ist ein grosser Vorteil, wenn die Dachfläche begrenzt ist. In den letzten Jahren hat die Nachfrage nach dieser neuen Art von Solartechnik zugenommen. Um diesen aufstrebenden Markt zu unterstützen, startete das Programm "Solar Heating and Cooling" der Internationalen Energieagentur (IEA SHC) ein globales Forschungs- und Kommunikationsprojekt namens "Task 60: Anwendung von PVT-Kollektoren und neue Lösungen in HLK-Systemen". 

In mehreren europäischen Ländern nimmt der PVT-Markt derzeit Fahrt auf – allen voran in Frankreich und in der Schweiz. "Wir sehen das Interesse an neuen PVT-Lösungen in mehreren Ländern, da die Dachfläche in städtischen Gebieten begrenzt ist", sagte Jean-Christophe Hadorn, Manager der Schweizer Hadorn Business Consulting und Leiter des neuen Forschungsprojekts. Im Jahr 2016 installierte Frankreich laut dem französischen Branchendienst Observ'ER 620 PVT-Anlagen mit einer PV-Leistung von 1.6 MW (ungefähr 16,000 m2). Die meisten liefern warmes Wasser oder warme Luft zum Heizen von Einfamilienhäusern. 

In der Schweiz dominieren wasserbasierte PVT-Systeme den Markt: Die Paneele haben die gleiche Grösse und Struktur wie PV-Module, doch wird auf die Rückseite des PV-Moduls ein Wärmeabsorber laminiert, geklebt oder geklemmt. PVT-Systeme werden zunehmend in Kombination mit Erdwärmepumpen eingesetzt, weil die Solarenergie den Boden im Sommer wieder erwärmt – praktisch um die Wärmequelle zu "regenerieren", wie es Experten nennen. Forscher vom Schweizerischen Institut für Solartechnik (SPF) schätzen, dass Ende 2016 in der Schweiz 300 PVT-Anlagen in Betrieb waren. Trotz der wachsenden Nachfrage ist PVT immer noch eine junge Technologie. "Eine neue aufstrebende Industrie braucht umfassende Unterstützung aus Forschung und Marketing", sagt Hadorn. 

PVT-Technologien ermöglichen eine sehr effiziente Arbeitsweise. PV-Module nutzen – abhängig von der eingesetzten Zelltechnologie – 15 bis 20 % der einfallenden Sonnenenergie. Der Rest geht in Form von Wärme verloren. PVT-Elemente nutzen diese "verlorene" Energie, um Luft oder Wasser zu erwärmen. Gleichzeitig kühlt die Ableitung der Wärme die PV-Zellen ab und lässt sie so effizienter arbeiten. Die produzierte Menge an Strom und Wärme hängt jedoch von vielen Variablen ab. Deshalb sieht Hadorn die dringende Notwendigkeit, mehr Transparenz bezüglich Ertrag, Kosten und Zertifizierung verschiedener Arten von PVT-Systemen zu schaffen. Aus diesem Grund wird das IEA SHC-Forschungsprojekt Betriebsdaten von Heiz- und Kühlsystemen mit PVT-Komponenten sammeln, mit dem Ziel, die Daten mit dem simulierten Ertrag zu vergleichen. Simulationstools können dadurch optimiert werden. 

Wissenschaftler des SPF haben bereits einige Evaluationen durchgeführt: PVT-Kollektoren in der Zentralschweiz liefern in der Regel einen jährlichen elektrischen Ertrag von etwa 160 kWh/m². Die Warmwasserproduktion hängt stark von der Anwendung ab: Je niedriger die erforderliche Temperatur, desto höher die verfügbare Energiemenge. Wird Warmwasser direkt (für Duschen etc.) erhitzt, können jährlich rund 150 kWh Wärme pro Quadratmeter Kollektorfläche gewonnen werden. Wird das Wasser nur vorgewärmt, sind 250 kWh/m² pro Jahr möglich. Bei der Regeneration der Bohrlöcher von Erdwärmesonden können jährliche Solarerträge von 300 bis 400 kWh/m² erzielt werden. 

Wie stark die Stromerzeugung von der Kühlwirkung der PVT-Technologie profitiert, hängt von der Betriebstemperatur auf der Wärmeseite ab. Niedrigtemperaturanwendungen führen zur höchsten Effizienzsteigerung: Sie ermöglichen im Vergleich zu Standard-PV-Systemen typischerweise einen Anstieg der jährlichen Solarstromerzeugung um 5%. Auf Seiten der Hersteller sieht Hadorn ein grosses Interesse am IEA SHC-Projekt. In den letzten drei Jahren dominierten immer mehr spezialisierte Anbieter mit bewährten Technologien die europäischen PVT-Märkte. Einer von ihnen ist das in Frankreich ansässige Unternehmen Dualsun, das am Task 60 teilnimmt. Es hat laut eigenen Angaben bereits mehr als 500 PVT-Projekte in Europa realisiert. Dualsun hat Monitoring-Daten für zwei 300 m² grosse PVT-Felder für kommerzielle Schwimmbäder in Südfrankreich veröffentlicht, die mit Simulationsergebnissen gut übereinstimmen (siehe Tabelle). Dies zeigt, dass die Co-Produktion von Wärme und Strom zuverlässig vorhergesagt werden kann.

PVT-Standort
Jährlicher Solarwärme-Ertrag
(TRNSYS Simulation) kWh/a
Jährlicher Solarwärme-Ertrag (gemessen) kWh/a
Differenz
Jährlicher Strom-Ertrag (TRNSYS Simulation) kWh/a
Jährlicher Strom-Ertrag (gemessen) kWh/a
Differenz
Sète
81.354
82.100
2 %
55.826
59.113
5,9 %
Perpignan
97.077
119.870
23 %
60.535
63.942
5,6 %

Simulierte und kontrollierte Jahreserträge von zwei PVT-Anlagen (jeweils 300 m² Fläche), die in öffentlichen Schwimmbädern in Frankreich installiert sind. Quelle: Dualsun
 
Das Fraunhofer ISE und der Task-60-Koordinator Hadorn laden alle interessierten Akteure zum „Internationales Seminar zum Status von PVT-Systemen“ am 16. Mai in Freiburg ein. Die eintägige Veranstaltung findet in englischer Sprache statt. Experten aus dem Forschungsprojekt präsentieren neueste Erkenntnisse zur Markt- und Technologieentwicklung. Weitere Informationen und Updates erhalten Sie auf der Task-60-Website. Anmeldungen sind online möglich

IEA SHC ist ein internationales Forschungs- und Informationsprogramm zum solaren Heizen und Kühlen. Rund 200 Experten aus 21 Ländern und fünf Organisationen decken ein breites Themenspektrum ab – von der urbanen Solarplanung über zukünftige Speicherkonzepte bis hin zur Integration grosser Solarfelder in Fernwärme- und -kältenetze. Der „Einsatz von PVT-Kollektoren und neuen Lösungen in HLK-Systemen“ oder einfach "PVT-Systeme" ist eines von elf Forschungsprojekten, die im Rahmen des IEA SHC-Programms "Tasks" genannt werden. Das hier beschriebene Projekt läuft bis Ende 2020.

Informationen:

Dienstag, 17. April 2018

Solar- statt Kerosinlampen

Viele Fischer haben am zentralafrikanischen Viktoriasee die einst beliebte Kerosinlampe gegen sicherere und finanziell nachhaltigere Solarlampen getauscht. Denn die Verwendung von Kerosin für die Beleuchtung ist äußerst ineffizient, gefährlich und teuer. Schon die Gesundheits- und Umweltnachteile sind erhebliche: Die Weltbank schätzt, dass das Atmen von Kerosindämpfen gleichbedeutend mit dem Rauchen von zwei Zigarettenpäckchen pro Tag ist.

Seit vielen Jahren fahren am Viktoriasee jeden Abend tausende von kleinen Fischerbooten aus. Auf dem See entzünden die Fischer ihre verschiedenen Arten von Kerosinlampen und warteten darauf, dass jene sardinenartigen Fische vom Licht angezogen werden, die im Volksmund Omena genannt werden. Angesichts dezimierter Fischbestände im See dauern die nächtlichen Fischzüge inzwischen häufig über die ganze Nacht. Das bedeutet natürlich deutlich gestiegene Ausgaben für Kerosin.

Hellen Omondi, die seit mehr als 10 Jahren als Fischerin im kenianischen Usenge tätig ist, gehört zu denen, die auf Solarlampen umgestiegen sind: “Ich kann mein schlimmstes Erlebnis mit einer Kerosinlampe vor drei Jahren nicht vergessen, als einer meiner Arbeiter schwere Verbrennungen erlitt: Die Lampe war beim Versuch sie anzuzünden explodiert.” Dazu kommen für Hellen wirtschaftliche Gründe: “Ich habe für meine vier alten Lampen mehr als 600 Schilling pro Tag (knapp 5 Euro) für Kerosin ausgegeben, um sieben bis zehn Stunden in der Nacht arbeiten zu können.” Eine Studie Lighting Africa, einer Initiative der Weltbank, schätzt, dass Fischer bis zu 50% ihres Einkommens für den Kauf von Kerosin und Wartung ihrer Lampen ausgeben, aber mit modernen Solarlampen genauso viel Fisch zu geringeren Kosten fangen können.

Jedes Fischerboot nutzt fünf Laternen und verbraucht aufgrund ihrer geringen Effizienz pro Nacht etwa 1,5 Liter Kerosin, schätzt das Wuppertal Institut für Klima, Umwelt und Energie. Kerosin wird derzeit für 78,66 Schilling (0,63 Euro) je Liter an der Pumpe in Kisumu verkauft. Jedes Fischerboot benötigt also ungefähr 590 Schilling (4,72 Euro) pro Nacht für die Lampen. Für ein Kilogramm Fisch erhalten sie dann auf dem Markt 400 Schilling (3,20 Euro).

Laut Isaac Owuor, Vorsitzender der Ugambe Management Unit (einer Art Kooperative für Fischer), sind in Kenia inzwischen die meisten Fischer auf Solarlampen umgestiegen, weil sie sicher und kosteneffektiv sind. “Früher mussten die Fischer häufig ihren Fischfang abbrechen, weil die Kerosinlampen infolge Regens oder Glasbruch nicht mehr funktionierten”, sagt er. “Als jemand, der schlechte Erfahrungen mit Kerosinlampen gemacht hat, empfehle ich die Umstellung auf Solarlampen, die sich als zuverlässiger und effizienter erwiesen haben.”

Ein anderer Fischer, Daniel Okumu, ergänzt, dass die Verwendung von Kerosinlampen oft zu verdorbenem Fisch führte, wenn das Kerosin  verschüttet wurde. Mehrere Unternehmen, die am Viktoriasee Solarprodukte anbieten, berichten von einer regen Geschäftstätigkeit, da die Fischer am Viktoriasee mehr und mehr die neue Lichttechnologie nutzen.

Quelle:  afrika-heute.com
Vollständiger Originalbeitrag (englisch): Business Daily Kenya

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Montag, 16. April 2018

3. Runde der Energy Challenge

Die von EnergieSchweiz lancierte Energy Challenge geht 2018 in die dritte Runde. Während den nächsten sieben Monaten präsentiert sie spielerisch Themen zu Energieeffizienz und erneuerbaren Energien und vermittelt Energiewissen. Besucherinnen und Besucher der Messen muba, Comptoir Suisse und Züspa sowie dem Openair Frauenfeld und dem Festival Moon&Stars können aktiv mitmachen. Virtuell dabei sein und Preise gewinnen kann man über die Energy Challenge-App sowie die Online-Plattform 20min.ch.


Der offizielle Startschuss der Energy Challenge 2018 fällt diesen Freitag, 20. April 2018, an der Mustermesse Basel muba. Im Zentrum der Energy Challenge stehen neben sportlichen Wettbewerben und verschiedenen Energiespielen auch der individuelle und unternehmerische Energieverbrauch. Dieses Jahr will EnergieSchweiz gemeinsam mit den Partnern der Energy Challenge 2018 und der Schweizer Bevölkerung gesamthaft 30 Millionen Kilowattstunden einsparen. EnergieSchweiz schickt dafür eine vierköpfige Familie ins Rennen, die mit Tipps und Tricks ihre Energieeffizienz steigern und so insgesamt 20 Prozent weniger Energie verbrauchen soll. Auch einige der Partner werden sich individuellen Partner Challenges stellen. Die Energy Challenge 2018 wird von den Hauptpartnern AXA, Messe Schweiz und 20Minuten, von den Partnern BRACK.CH und VOLVO, vom Messepartner Emmi sowie vom Ausrüstungspartner Diamant unterstützt.

Wie 2017 wird die Energy Challenge 2018 an den Besuchermessen muba, Comptoir Suisse und Züspa sowie dem Festival Moon&Stars Halt machen. Besucherinnen und Besucher können dort unter anderem selber ein Kino zum Laufen bringen und mit Virtual Reality Games ihr Energiewissen testen. Zum ersten Mal gastiert die Energy Challenge dieses Jahr am Openair Frauenfeld. Dort können sich Musikfans durch Radeln auf dem Velo eine warme Dusche verdienen.

Auf dem grössten Schweizer Medienportal 20min.ch werden während der gesamten Dauer der Energy Challenge unter einer eigenen Rubrik Beiträge und Informationen rund um das Thema Energie publiziert. Über die Energy Challenge-App, die kostenlos zum Herunterladen bereit steht, können Userinnen und User ihr Energiewissen auffrischen, Commitments abgeben, bei Verlosungen teilnehmen und Direktpreise gewinnen. Für die Umsetzung und Kreation sind die Agenturen Aroma Productions und FS Activation verantwortlich.

www.energychallenge.ch

Stopps der Energy Challenge 2018:
20.04. - 29.04.2018   muba, Basel
05.07. - 07.07.2018   Openair Frauenfeld, Frauenfeld
13.07. - 21.07.2018   Moon&Stars, Locarno
14.09. - 23.09.2018   Comptoir Suisse, Lausanne
28.09. - 07.10.2018   Züspa, Zürich

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Sonntag, 15. April 2018

Weiterhin aufwärts mit PPVX


Der Solaraktienindex PPVX stieg letzte Woche um 2,5% auf 1.190 Punkte, der NYSE Arca Oil um 5,5%. Seit Jahresanfang 2018 liegt der PPVX mit -0,5% währungsbereinigt rund 3 Prozentpunkte hinter dem Erdölaktienindex (+2,6%). Die Top-3-Titel seit Jahresanfang sind Sino-American Silicon Products (+70%), SolarEdge Technologies (+44%) und SunRun (+44%). Die grössten Gewinner der Woche waren Sino-American Silicon Products (+23%) und Panda Green Energy Group (+11%), die grössten Verlierer Daqo New Energy (-8%) und Azur Power Global (-4%). Der PPVX-Börsenwert beträgt 29,4 Mrd. Euro. Seit Anfang 2003 liegt der PPVX (+323%)  153 Prozentpunkte vor dem Erdölaktien-Index (mit +170%). Der Gewichtungsfaktor von 8point3 Energy Partners wurde von 4 auf 3 reduziert.


Vergrössern mit Klick auf Grafik und Tabelle !

Der Solaraktienindex PPVX erscheint auf Solarmedia jeden Monat neu - Quelle: Öko-Invest-Verlag, Wien, oeko-invest@teleweb.at 

Quelle: oeko-invest.net 

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Samstag, 14. April 2018

Miteinander statt gegeneinander

Bundesverbände der Solar- und Windenergie in Deutschland betrachten erste gemeinsame Ausschreibung für gescheitert und plädieren für Festhalten an technologiespezifischen Auktionen zur Gewährung eines ausgewogenen Energiemixes.

Solaranlage der Bibliothek Hannover zvg
Die Bundesnetzagentur hat die Ergebnisse der ersten gemeinsamen Ausschreibung von Windkraft an Land und Photovoltaik vorgelegt. Die Spitzenverbände der Solarwirtschaft und der Windenergiebranche lehnen gemeinsame Ausschreibungen weiter entschieden ab. Der Bundesverband Solarwirtschaft e.V. (BSW-Solar) und der Bundesverband WindEnergie e.V. (BWE) sprechen sich mit Blick auf die Ergebnisse dagegen aus, die beiden Erzeugungstechnologien in einen nicht zielgerichteten Kostenwettstreit zu verwickeln. Eine erfolgreiche Umsetzung der Energiewende erfordere einen kraftvollen Ausbau der Wind- und Solarkapazitäten auf Augenhöhe. Gemeinsame Ausschreibungen seien dafür ungeeignet. Bei der Auktion sind alle Zuschläge auf die Photovoltaik gefallen, die Windenergie ging leer aus. 

Hermann Albers, BWE-Präsident, betont "Die Bundesregierung hat sich für 2030 ein ambitioniertes Ausbauziel bei den Erneuerbaren Energien gesetzt. Dieses kann nur erreicht werden, wenn sowohl Windenergie, als auch Solarenergie ab sofort deutlich stärker ausgebaut werden. Ein Gegeneinander der beiden wichtigsten Säulen unseres zukünftigen Energiesystems ist ineffizient und nicht zielführend. Stattdessen brauchen wir einen intelligenten Mix der beiden Technologien, da dieser Lastspitzen abfedert, zu einer Vergleichmäßigung der Netzauslastung beiträgt und die Systemdienlichkeit insgesamt erhöht." Zu diesem Ergebnis kam auch eine Analyse des Deutschen Wetterdienstes (DWD), der die Wetterdaten der vergangenen 20 Jahre untersucht hat. Demnach kann der kombinierte Einsatz von Photovoltaik sowie Windkraft an Land und auf See die Stromproduktion aus Erneuerbaren Energien stabilisieren. "Insgesamt ist es erforderlich, die Ausbaukorridore deutlich anzuheben, um das 65 Prozent Erneuerbare Energien-Ziel der Bundesregierung bis 2030 sicher zu erreichen."

Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer des BSW-Solar: "Wir freuen uns für die vielen Solargewinner, betrachten das Experiment aber dennoch als gescheitert. Die Auktionsergebnisse belegen das ausgezeichnete Preis-Leistungs-Verhältnis neuer Solarkraftwerke, nicht aber die Eignung gemeinsamer Ausschreibungen. Erfolgreicher Klimaschutz braucht ein Miteinander und kein Gegeneinander von Solar- und Windenergie sowie verlässliche und ambitionierte Ausbaupfade für beide Technologien." Bei der Solarstromerzeugung sieht Körnig erheblichen Nachholbedarf. Um beide Technologien auf Augenhöhe zu bringen, besser miteinander zu verzahnen und die Kosteneffizienz der Solarenergie stärker zu nutzen, empfiehlt der BSW, den Aufbau der Photovoltaik-Kapazität auf ein Niveau von jährlich rund 10 GW zu ermöglichen und dafür bestehende Barrieren im Kraftwerks- und Gebäudesektor zu beseitigen. BSW und BWE warnen davor, das marktwirtschaftliche Ausschreibungsverfahren zu überfrachten. "Statt technologieneutraler Verfahren sollte der Gesetzgeber es bei eigenständigen Ausschreibungsverfahren mit fairen Wettbewerbsbedingungen belassen und so ein zur Systemintegration optimales Verhältnis von Photovoltaik- und Windenergie sichern. Auch in den getrennten Verfahren konnten beide Branchen deutlich sichtbare Kostendegressionen realisieren, an denen wir weiter arbeiten", so Hermann Albers und Carsten Körnig. 

Hintergrund:
Die Zuschläge innerhalb der ersten technologieübergreifenden Ausschreibung weisen eine Preisspanne von 3,96 bis 5,76 Cent/kWh auf. Insgesamt wurden 32 Solarenergieprojekte bezuschlagt. Der durchschnittliche Gebotspreis lag bei 4,67 Cent/KWh.
Mehr Informationen zu den Ausschreibungsergebnissen finden Sie hier: https://bsw.li/2vcLb6c

Die Analyse des Deutschen Wetterdienstes finden Sie hier: https://bsw.li/2v9knDG

Quelle:  www.solarwirtschaft.de

Mittwoch, 11. April 2018

Für Bevölkerung oder Ensi/Axpo

Der Bundesrat will die Verordnungen zur AKW-Sicherheit revidieren, um die Beznau-Betreiberin Axpo und die Atomaufsicht ENSI vor einer möglichen Niederlage vor Gericht zu schonen. Zu diesem Zweck weicht er den geltenden Strahlenschutz massiv auf und erhöht damit das nukleare Risiko für die Bevölkerung. Die Schweizerische Energie-Stiftung SES fordert in dieser Stellungnahme den Bundesrat auf, auf die Revision zu verzichten und die gerichtliche Überprüfung der Atomaufsicht nicht zu unterlaufen:

Seit 2015 steht die Schweizerische Energie-Stiftung SES zusammen mit Anwohnenden und weiteren Umweltorganisationen in einem Gerichtsverfahren gegen die Atomaufsicht ENSI und die Beznau-Betreiberin Axpo. Der Vorwurf: Das ENSI wende die Sicherheitsbestimmungen bei Erdbeben im AKW Beznau falsch an. Die vom Bundesrat eingeleitete Verordnungsrevision übernimmt nun exakt den Standpunkt des ENSI vor Bundesverwaltungsgericht und unterläuft damit die gerichtliche Überprüfung.

Aufweichung der AKW-Sicherheit
Um die bisherige und vor Gericht beanstandete Praxis des ENSI im Nachhinein zu rechtfertigen, schränkt der Bundesrat den Anwendungsbereich der sogenannten Ausserbetriebnahmekriterien drastisch ein und erhöht die zulässige radioaktive Dosis bei häufigen und seltenen Störfällen um den Faktor 100. Nils Epprecht, SES-Projektleiter Strom & Atom, mahnt: «Der Bundesrat exponiert damit die Bevölkerung unzumutbaren Strahlenrisiken und missachtet zentrale Lehren aus dem GAU von Fukushima.»

Atomaufsicht ist befangen
In der laufenden Vernehmlassung unternimmt die Atomaufsicht alles, um der auf sie zugeschnittenen Revisionsvorlage zum Erfolg zu verhelfen und scheut sich dabei auch nicht unbelegte Behauptungen auszubreiten. Nils Epprecht gibt zu bedenken: «Die Aufsichtsbehörde beansprucht Deutungshoheit in einer Sache, wegen der sie gerade vor Gericht steht – da beisst sich die Katze in den Schwanz!»

Ergänzungen bei der Abklinglagerung
Geringere Vorbehalte äussert die SES bei den vorgesehenen Erleichterungen zu den Abklinglagern und ortet vor allem verfahrenstechnischer Anpassungsbedarf. Nils Epprecht: «Ein speditiver Rückbau der AKW liegt im Interesse aller. Solange Abklinglager ausserhalb der Kernanlagen auch aus Sicht des Umwelt- und Strahlenschutzes Vorteile bringen, haben wir dagegen nichts einzuwenden.»

> SES-Vernehmlassungsantwort (.pdf)

Quelle: Schweizerische Energie-Stiftung

Montag, 9. April 2018

Den Schnauf abgedreht

Die Energiestrategie 2050 des Bundes ist seit Anfang Jahr Gesetz. Jedoch sind die neuen gesetzlichen Rahmenbedingungen nicht für alle erneuerbaren Energieproduzenten vorteilhaft. Die Kleinwasserkraft sieht sich mit einem widersprüchlichen Verhalten des Bundes konfrontiert. 

So bleiben fertig geplante, bewilligte und baureife Kleinwasserkraftwerke auf der Strecke. Dadurch gehen Vorinvestitionen in Millionenhöhe verloren, die aufgrund von früheren Zusicherungen des Bundes getätigt wurden. Die in der Energiestrategie 2050 formulierten Ziele für den Zubau aus Wasserkraft sind gefährdet, denn die Hälfte des Zubaus sollte durch die Kleinwasserkraft erfolgen. Seit Anfang Jahr gelten das neue Energiegesetz und die revidierten Energieverordnungen. Statt der Energiewende jedoch den nötigen Schub zu verleihen, bremst das Gesetzeswerk wichtige Energieträger aus. Im Dezember 2017 erhielten zahlreiche Investoren den drastischen Bescheid von Swissgrid, dass ihre Kleinwasserkraft-Projekte entschädigungslos aus der KEV fallen. Bis zum 31. März 2018 hatten die Gesuchsteller zwar noch die Möglichkeit, Beschwerde gegen den Bescheid einzureichen. Die neuen gesetzlichen Rahmenbedingungen lassen jedoch nur geringen Spielraum für kleine, ursprünglich als Springerprojekte vorgesehene Anlagen, zu. In der Konsequenz müssen Investitionen abgeschrieben oder Kraftwerke im Wissen darum realisiert werden, dass sie dereinst nur unrentabel betrieben werden können. Die angepassten Energieverordnungen markieren eine Kehrtwende der bisherigen Praxis und verletzen das Prinzip des Handelns nach Treu und Glauben. 

Denn vor gut drei Jahren war die Ausgangslage noch eine andere. Die Anfang 2015 in Kraft gesetzten Energieverordnungen sahen sogenannte Springeranlagen vor. Der Bundesrat hatte diese vorgeschlagen, um die Warteliste für die kostendeckende Einspeisevergütung abzubauen und baureife Anlagen prioritär zu behandeln. Dadurch sollten diese eine Chance erhalten, schneller von der KEV zu profitieren. Bedingung für die Klassifizierung als Springeranlage war das Vorliegen der Konzession und der Baubewilligung. Auf dieser Basis haben Unternehmen und Private in den letzten Jahren rund 20 bis 30 Millionen Franken in die Projektierung von Kleinwasserkraftanlagen investiert, um den Status als Springeranlage zu erreichen. Zuständig für die Beurteilung des Status’ war die Swissgrid, die nationale Netzgesellschaft.
 
Über 100 Anlagen können nicht mehr realisiert werden:  Bis vergangenen September hatten über 100 Anlagen die Baureife erreicht und warteten auf eine Zusicherung der Finanzierung über die KEV. «Der Entscheid des Bundesrates vom November 2017, die Rahmenbedingungen für die Kleinwasserkraft auf Verordnungsebene deutlich zu verschärfen, kam für diese Projektentwickler völlig unerwartet», erklärt Martin Bölli von Swiss Small Hydro, dem Schweizer Verband der Kleinwasserkraft. Neue Kleinwasserkraftwerke mit einer Leistung unter 1'000 Kilowatt werden unter dem neuen Energiegesetz nicht mehr gefördert. Bei den anderen Anlagen wurde der Einspeisetarif reduziert. Zudem werden Erneuerungen oder Erweiterungen von Kleinwasserkraftwerken nicht mehr mit einem Einspeisetarif, sondern höchstens noch mit einem einmaligen Investitionsbeitrag unterstützt. * «Wir haben auf Basis des Grundsatzes von Treu und Glauben schon über 900‘000 Franken investiert, um das Kraftwerk Hammer zur Baureife zu bringen. Wir hatten darauf vertraut, dass die Bestimmungen in der Energieverordnung von 2015 verlässlich sind und Bestand haben. Wir wurden hintergangen – dieses Geld ist jetzt vernichtet.», erklärt Bruno Bosshard, dessen Mandant in ein Kleinwasserkraft-Projekt in der Zentralschweiz investiert hat, stellvertretend für andere Geschädigte. Bosshard hat das Vertrauen in verlässliche Rahmenbedingungen verloren.
 

Damit ist er nicht allein: Bei der Pronovo, die im Auftrag des Bundes die Abwicklung der Förderprogramme für die Stromproduktion aus neuen erneuerbaren Energien macht, gingen bereits zahlreiche Beschwerden gegen den Bescheid der Swissgrid vom Dezember 2017 ein. Diese haben durchaus ihre Berechtigung: Mit den zu den früheren Aussagen in Widerspruch stehenden neuen Energieverordnungen hat der Bund ein fundamentales Prinzip des Rechtsstaates missachtet. Das Grundrecht von Treu und Glauben schützt das Vertrauen von Privaten in behördliche Zusicherungen. Verloren sind auch Anstrengungen der öffentlichen Hand. Kantone, Gemeinden und weitere Organisationen haben während der Bewilligungsverfahren erheblichen Aufwand betrieben, um realisierbare Lösungen zu finden. Ganz zu schweigen von künftigen Investitionen, die nun dahinfallen. «Wir schätzen das Investitionsvolumen dieser Springeranlagen auf insgesamt rund 1 Milliarde Franken. Diese Schätzung stützt sich auf Kennzahlen ab, die vom Paul Scherrer Institut PSI in einem Bericht im Auftrag des BFE vom Dezember 2017 verwendet wurden», sagt Martin Bölli von Swiss Small Hydro. «Das PSI rechnet pro Kilowatt Leistung einer Anlagen mit Investitionen von bis zu 10'000 Franken. Diese Investitionen, von denen die Schweizer Wirtschaft profitiert hätte, werden nun nicht getätigt.» 


Die Umsetzung der Energiestrategie 2050 zielt in diesem Bereich klar in die falsche Richtung. Statt die Energieproduktion durch einheimische erneuerbare Energien wie die Kleinwasserkraft zu fördern, wird diese gehemmt. Die bewilligten Kleinwasserkraftprojekte könnten sofort realisiert werden und würden über 450 Millionen Kilowattstunden erneuerbaren Strom produzieren. Das entspricht etwa dem durchschnittlichen Jahresverbrauch von 100'000 Schweizer Haushaltungen. Akteure werden jetzt dafür bestraft, dass sie in zukunftsträchtige Projekte investiert haben. Damit werden falsche Signale gesendet. Um die Energiewende in der Schweiz voranzutreiben und von fossilen Energieträgern und der Kernenergie wegzukommen, müssen sämtliche erneuerbaren Energiebereiche und deren Potenziale in der Schweiz berücksichtigt werden – auch die Kleinwasserkraft. Denn diese spielt eine wichtige Rolle bei der Erreichung der Zubau-Ziele für erneuerbare Energien. 

Deshalb fordert der Verband der Kleinwasserkraft, dass der Bundesrat seinen gesetzlichen Spielraum unter dem Stichwort «Ausnahmeregelung» zugunsten der Springeranlagen ausschöpft. Der Bundesrat muss Vorinvestitionen, die auf Basis geltender gesetzlicher Rahmenbedingungen getätigt wurden, schützen, wenn er es mit der Energiestrategie 2050 ernst meint. Ausserdem müssen die Energieverordnungen angepasst werden: «Wir müssen die ursprünglich vorgesehenen Springeranlagen wieder in den Verordnungen aufnehmen, damit diese baureifen Anlagen bald realisiert werden und von der KEV profitieren können», sagt Martin Bölli dazu.

* Insgesamt werden gemäss einer aktuellen Meldung des Bundesamts für Energie BFE pro Jahr 10 Millionen Franken als Investitionsbeiträge reserviert. (Quelle: energeiaplus.com

Sonntag, 8. April 2018

Acht Trends für PV weltweit

Das US-Analysehaus IHS Markit hat für 2018 die wichtigsten Trends für den globalen Photovoltaik- und Speichermarkt aufgelistet. Insgesamt 20 Länder werden einen Photovoltaik-Zubau von mehr als 500 Megawatt Leistung erreichen, doch China, die USA und Indien werden den Weltmarkt weiter dominieren. Politisch werden sich vor allem die Zölle in den USA und Indien auf die Handelsströme und Modulpreise auswirken, während schwimmende Photovoltaik-Anlagen zunehmend ihr Nischendasein verlassen. Eine Zusammenstellung der lesenswerten und aktuell wichtigsten deutschen Solar-Zeitschrift pv-magazine.de.

IHS Markit hat Mitte März ein Whitepaper mit acht globalen Trends für den Photovoltaik- und Energiespeichermarkt veröffentlicht. Demnach werden in diesem Jahr zwanzig Länder Photovoltaik-Anlagen mit insgesamt mehr als 500 Megawatt Leistung neu installieren, im vergangenen Jahr waren es noch 16 Länder, zu Beginn des Jahrzehnts nur zehn Länder. „Ägypten, Spanien, die Vereinigten Arabischen Emirate und Argentinien sind die aussichtsreichsten Kandidaten, dieses Jahr mehr als 500 Megawatt zu installieren“, heißt es auf Nachfrage von pv magazine.

Trend Nummer 1: Die drei größten Photovoltaik-Märkte weltweit – China, Indien und die USA – werden den Analysten zufolge bis zu zwei Drittel der insgesamt für 2018 erwarteten installierten Leistung von 108 Gigawatt  ausmachen. Die restlichen 17 der Top-20 Nationen würden auf ein Viertel der Gesamtnachfrage kommen. In diesen Ländern soll der Markt in diesem Jahr demnach um 38 Prozent im Vergleich zu 2017 wachsen, besonders stark in Spanien, Argentinien und Malaysia, wo IHS Markit mindestens eine Verzehnfachung der jeweiligen Märkte erwartet.

Trend Nummer 2: Den Analysten von IHS Markit zufolge werden als ein zweiter Trend schwimmende Photovoltaik-Anlagen ihr Nischendasein verlassen und zunehmend auf Dämmen, Stauseen und anderen Gewässern installiert. Demnach hätten China, Indien und Südkorea bereits bis dato entsprechende Anlagen mit insgesamt 450 Megaweatt Leistung zugebaut. Führend sei hier China, dass mit 40 Megawatt die weltweit größte schwimmende Photovoltaik-Anlage installiert habe, weitere Anlagen mit 70 beziehungsweise 150 Megawatt seien noch für das erste Quartal geplant. Indien will zehn Gigawatt Leistung für solche Anlagen ausschreiben und die Niederlande planen 2,3 Gigawatt bis 2023. Durch diese Entwicklung müsse sich der derzeitige Marktführer für schwimmende Photovoltaik-Anlagen, das französische Unternehmen Ciel et Terre, künftig auf mehr Wettbewerb einstellen, wie es in dem „Whitepaper“ heißt.

Einen dritten Trend sieht IHS Markit in der zunehmenden Anwendung der bifazialen sowie der Halbzellen-Technologie. Beide Technologien sind demnach vergleichsweise günstig: Sie erhöhen die Leistung eines einzelnen Moduls und senken so die Systemkosten. Ein weiterer Technologie-Trend ergibt sich IHS Markit zufolge aus dem Einsatz von Diamantdrahtsägen, mit denen zunehmend auch multikristalline Wafer geschnitten und durch die die Kosten für die Wafer um bis zu 15 Prozent gesenkt würden. Wie bei monokristallinen Wafern soll sich diese Sägetechnik bis spätestens 2019 auch bei multikristallinen Wafern komplett durchgesetzt haben – 2016 habe der Anteil hier noch bei unter 20 Prozent gelegen. Damit würden multikristalline Solarzellen auch 2021 weiterhin rund die Hälfte des Marktes ausmachen.

Trend Nummer 5:  Politisch erwarten die Analysten vor allem durch die Handelspolitiken der USA und Indiens Auswirkungen auf Preise und Beschaffung von Modulen. Dabei würden beispielsweise die Anfang des Jahres verhängten US-Importzölle für ausländische Photovoltaik-Module und -Zellen nicht ausreichen, um in den USA größere Produktionserweiterungen anzuregen. Indien wiederum prüft derzeit Importzölle für Photovoltaik-Produkte aus China, Malaysia und Taiwan. Ende 2018 könnte hier die Entscheidung fallen, bis dahin sollen Schutzabgaben von bis zu 70 Prozent vorgezogene Importe verhindern. Sowohl in Indien als auch in den USA könnte sich so der Markt für Solarmodule und -zellen aus dem Reich der Mitte schließen. In China befinden sich IHS Markit zufolge etwa 70 Prozent der weltweiten Produktionskapazitäten für Photovoltaik-Module.

Trend Nummer 6: Ein weiterer Trend für dieses Jahr sei, dass Wechselrichter-Hersteller in eine „neue Ära der Digitalisierung“ eintreten. Sie würden zunehmend auch nach digitalen Geschäftsmodellen suchen. Auf diese Weise werden die Wechselrichter-Hersteller mit neuen Partnern in Branchen wie Elektromobilität, Energiespeicherung, Beleuchtung, Heizung und Kühlung zusammenarbeiten, wie die Analysten erwarten.

Trend Nummer 7: Der nächste der von IHS Markit ausgemachten Trends ist der Einsatz von Batteriespeichern bei großen Photovoltaik-Anlagen. Durch den massiven Preisverfall bei Lithium-Ionen-Batterien – zwischen 2012 und 2017 fast 70 Prozent – seien Solar- und Speichersysteme im Versorgungsmaßstab inzwischen kostengünstig genug und stellenweise Realität geworden, heißt es in dem „Whitepaper“. Wegen der insgesamt hohen Strompreise sei Hawaii in diesem Bereich ein Vorreiter, Projekte gebe es aber inzwischen auch in anderen Teilen der USA und Australien. Allein in Down Under sind demnach Photovoltaik-Kraftwerke mit Speicher mit insgesamt 2,1 Gigawatt Leistung in der Pipeline. Als letzten der acht Trends nennt IHS Markit die Elektrofahrzeuge, die den Weg für neue Synergien mit stationären Energiespeichern ebnen – zum Beispiel durch die Wiederverwendung von „Second Life“-Batterien aus Elektrofahrzeugen.

Freitag, 6. April 2018

Schon wieder neuer Rekord

WissenschaftlerInnen des Instituts für Solarenergieforschung (ISFH) und des Instituts für Materialien und Bauelemente der Elektronik (MBE) der Leibniz Universität Hannover ist es gelungen, eine neuartige Solarzelle zu entwickeln.

Den WissenschaftlerInnen ist es gelungen, eine neuartige Solarzelle zu entwickeln, die mit einem Wirkungsgrad von 26,1 Prozent deutlich effizienter arbeitet als die bisherigen Solarzellen auf Basis des von in der Industrie üblicherweise verwendeten Bor-dotierten Siliziums. Diese Entwicklung könnte dabei helfen, auf lange Sicht die Kosten für die Erzeugung von Strom mittels Photovoltaik zu senken. 

Der maximal mögliche Wirkungsgrad einer Solarzelle aus dem für die Anwendung besonders wichtigen Material Silizium liegt bei 29,5 Prozent. Die praktische Realisierung eines Wirkungsgrades von mehr als 26 Prozent mit Bor-dotiertem Silizium galt bislang nahezu unerreichbar. Basis der neu entwickelten kristallinen Silizium-Solarzelle ist ein Kontakt, der ebenfalls am ISFH und am MBE entstanden ist. Eine Solarzelle besteht im Wesentlichen aus reinem Silizium, dort wird Licht eingefangen, das positive und negative Ladungsträger erzeugt. Damit sie als Strom genutzt werden können, müssen die verschiedenen Ladungsträger über unterschiedlich behandelte Bereiche des Siliziums abgeführt werden. Dazu braucht man Kontakte aus Metall, über die die Ladungsträger weitergeleitet werden. An dieser Stelle – beim Übergang vom Metall zum Silizium und umgekehrt – kam es bislang zu hohen Verlusten an Ladungsträgern. Hier setzen die vor einiger Zeit neu entwickelten, sogenannten POLO Kontakte an.

POLO steht für „polycrystalline Silicon on Oxide“ und beschreibt die verwendeten Schichten. Um die positiven Ladungsträger auf der einen und die negativen Ladungsträger auf der anderen Seite der Solarzelle zu extrahieren, wurde je eine weitere Schicht Silizium für die POLO Kontakte benutzt, allerdings eine mit einer anderen Struktur als im Inneren der Zelle. Das polykristalline, leitfähige Silizium wurde als dünne Schicht auf einem hauchdünnen Film aus Siliziumoxid aufgetragen. Diese isolierende Zwischenschicht passiviert die Kontakte.

Durch Erhitzen auf Temperaturen um die 1.000 Grad Celsius entstehen winzig kleine Poren in der darunterliegenden Passivierung. Der Durchmesser der Poren liegt im Nanometerbereich. Durch sie können nun die Ladungsträger nahezu verlustfrei über die polykristalline Siliziumschicht und die Metallkontakte weitergeleitet werden. Die Verluste konnten so deutlich reduziert werden. Die sogenannten POLO Kontakte vereinen daher eine effiziente Stromextraktion aus der Solarzelle mit einer exzellenten Passivierung.

Im aktuellen Forschungsvorhaben 26+ ist es nun gelungen, die POLO-Kontakte so in eine Solarzelle zu integrieren, dass ein Wirkungsgrad von 26,1 Prozent erreicht wurde.
„Durch den Einsatz von Laserverfahren haben wir außerdem den Weg in Richtung industrielle Anwendung geebnet“, erklärt Projektleiter Dr. Felix Haase vom ISFH. „Das Ergebnis zeigt, dass die Photovoltaik-Forschung in Deutschland nach wie vor zur Weltspitze gehört und wesentliche Beiträge zur Reduktion der Strom-Erzeugungskosten und für die Erschließung neuer Anwendungsfelder für die Photovoltaik leisten kann“, sagt Prof. Dr. Robby Peibst, der am ISFH die Arbeitsgruppe leitet und am MBE eine Juniorprofessur innehat.