Montag, 22. Oktober 2018

Wieder mal im Plus


Der Solaraktienindex PPVX stieg letzte Woche um 1,4% auf 914 Punkte, der NYSE Arca Oil fiel um 2,9%. Seit Jahresanfang 2018 liegt der PPVX mit -23,6% währungsbereinigt rund 36 Prozentpunkte hinter dem Erdölaktienindex (+12,2%). Die Top-3-Titel seit Jahresanfang sind SunRun(+116%), Solaria Energía y Medio Ambiente (+56%) und Vivint Solar (+26%).Der PPVX-Börsenwert beträgt rund 21,7 Mrd. Euro. Die grössten Gewinnerder Woche warenWest Holdings(+35%) und Scatec Solar (+9%), diegrössten Verlierer Solaria(-15%) undMeyer Burger Technology AG (-11%). Seit Anfang 2003 liegt der PPVX (+225%) rund 30 Prozentpunkte vor dem Erdölaktien-Index (mit +195%). United Renewable Energy ist der neue Name der Neo Solar Power: nach der Fusion haben sich die Anzahl der Aktien und der Börsenwert (nun rund 483 Mio Euro) rund verdoppelt.
Der Solaraktienindex PPVX erscheint auf Solarmedia jeden Monat neu -
Quelle: Öko-Invest-Verlag, Wien, oeko-invest@teleweb.at 

Quelle: oeko-invest.net 

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Donnerstag, 18. Oktober 2018

Kt. ZH verpasst Chance

Die gewerbliche Energie-Organisation NEUE ENERGIE ZÜRICH und der Solar-Fachverband Swissolar kritisieren in ihren Vernehmlassungsantworten den Entwurf des Zürcher Energiegesetzes. Mit dem Weglassen von Basismodulen aus der MuKEn 2014 wird die Harmonisierung der Vorschriften über Kantonsgrenzen hinweg sabotiert. Zudem wird dem dringenden klimapolitischen Handlungsbedarf nicht Rechnung getragen. Damit droht der Kanton Zürich eine grosse Chance zu verpassen.

Mehr als 40 Prozent der gesamten CO2-Emissionen der Schweiz stammen aus Gebäuden. Gemäss Bundesverfassung sind primär die Kantone für Massnahmen im Gebäudebereich zuständig. Zu diesem Zweck hat die Energiedirektorenkonferenz (EnDK) die «Mustervorschriften der Kantone im Energiebereich (MuKEn 2014)» als Vorlage erarbeitet, die nun von allen Kantonen in ihre Energiegesetze übernommen werden muss. 6 Kantone (BS, BL, JU, LU, OW, VD) haben das bereits getan, in anderen laufen die Vorbereitungen. Am 19.10.2018 läuft die Vernehmlassungsfrist zur Revision des Zürcher Energiegesetzes (EnerG) ab.

Der Kanton Zürich hält sich – anders als die oben genannten 6 Kantone –  nicht an die Vorgaben der EnDK: In der Vernehmlassungsvorlage wurden vier obligatorische Basismodule der MuKEn 2014 weggelassen (Auflistung inkl. Details weiter unten). Unter anderem hat der Kanton Zürich auch die Pflicht gestrichen, bei Neubauten einen minimalen Anteil des Strombedarfs selbst zu erzeugen. An einer Medienkonferenz kritisierten verschiedene Exponenten dieses Vorgehen scharf. Martin Neukom, Kantonsrat GPS und Regierungsratskandidat sagte: «Bei den MuKEn steht der Regierungsrat auf der Bremse. Dabei ist im Gebäudebereich Klimaschutz am einfachsten umzusetzen. Darum muss nachgebessert werden.»

Nationalrätin und Regierungsratskandidatin Rosmarie Quadranti (BDP) kommentierte aus Sicht des Gewerbes: «Der Kanton Zürich vernachlässigt mit dieser Vorlage die dringend notwendige Harmonisierung der baulichen Vorschriften zwischen den Kantonen. Auch Sebastian von Stauffenberg, Präsident NEUE ENERGIE ZÜRICH und CEO AGI AG für Isolierungen, äusserte sich aus dieser Perspektive: «Wir brauchen ein griffiges Energiegesetz, das Anreize für Effizienzmassnahmen und den Einsatz erneuerbarer Energien schafft. So schaffen wir Wertschöpfung im eigenen Land.»

David Stickelberger, Geschäftsleiter Swissolar und Vorstandsmitglied AEE SUISSE wies auf die Potenziale der Solarenergie hin: «Allein auf unseren Dächern könnten mit Solaranlagen bis zu 85 Prozent des heutigen Strombedarfs erzeugt werden. Fangen wir bei den Neubauten an, dieses Potenzial für eine saubere Energieversorgung zu nutzen.» Die wichtigsten Forderungen von Swissolar und NEUE ENERGIE ZÜRICH lassen sich wie folgt zusammenfassen:
  • Griffiges Energiegesetz einführen, damit das Gewerbe sich darauf ausrichten kann.
  • Harmonisierung unter den Kantonen erreichen, Übernahme sämtlicher MuKEn-Basismodule.
  • Klare Rahmenbedingungen schaffen, damit künftige Investitionen bei uns Arbeitsplätze generieren können.
  • Gemeinsame Verantwortung für den Klimaschutz wahrnehmen, damit nicht unsere Kinder die Zeche zahlen müssen.
Erstaunliche Fassade - alles sind
Solarmodule - Bild: Guntram Rehsche
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Auch gezeigt wurden an der Medienkonferenz zwei in Bau befindliche Neubauten an der Oberwiesen-/Affolternstrasse in Zürich-Oerlikon (siehe Bilder) besichtigt, deren Fassaden und Balkonbrüstungen vollständig mit Solarmodulen ausgestattet werden. Roger Bögli von der Installationsfirma SunTechnics Fabrisolar AG meinte dazu: «Den meisten Investoren fehlt es am Wissen und an der Erfahrung, dass sich Solaranlagen rechnen und erst noch schön aussehen. Deshalb braucht es jetzt eine Vorschrift für die Eigenstromproduktion bei Neubauten!».

Hintergrundinformationen

Trotz klarer Empfehlung der Energiedirektoren verzichtet die Zürcher Kantonsregierung auf die
Umsetzung folgender Teile im Basismodul der Mustervorschriften (MuKEn 2014):

  • Sanierungspflicht zentraler Elektroheizungen und Elektro-Wassererwärmer (Teil H und I)
    Die Energieeffizienz im Strombereich könnte durch die Sanierungspflicht deutlich erhöht werden, da nach wie vor ca. 14% des schweizerischen Elektrizitätsbedarfs für diese beiden Verwendungszwecke eingesetzt werden. Der vorgeschlagene Gesetzestext verlangt die Sanierung ausserdem nur bei wirtschaftlich vertretbaren und technisch einfach zu realisierenden Voraussetzungen.
  • Eigenstromerzeugung bei Neubauten (Teil E)
    Die Begründung der Verwaltung für eine Ablehnung des Basismoduls E ist aus mehrfacher Hinsicht falsch. Die Vorgabe von 10 Watt pro m2 beheizte Fläche ist auch bei mehr als viergeschossigen Bauten mit einer Photovoltaikanlage leicht zu erreichen. In dem von uns dokumentierten Beispiel «SonnenparkPLUS» in Wetzikon wäre bereits ein Viertel der Dachfläche ausreichend gewesen, um die Vorgabe zu erfüllen. Sollte aus irgendeinem Grund nicht ausreichend Dachfläche zur Verfügung stehen, könnte man die 10 Watt auch an der Fassade realisieren. Gerade für die Fassade kommen immer mehr und effizientere PV-Anlagen auf den Markt, so dass insbesondere bei hohen Gebäuden Fassadenflächen zur Stromerzeugung immer wichtiger werden.
  • Vorbildfunktion öffentliche Hand (Teil M)
    Die öffentliche Hand muss zwingend mit gutem Beispiel vorangehen. Die Technik dazu ist vorhanden und erprobt. Die Massnahmen sind wirtschaftlich und nachhaltig.
Mehr Informationen:
Über NEUE ENERGIE ZÜRICH
Die Unternehmerinitiative NEUE ENERGIE ZÜRICH setzt sich aus Unternehmen, die im Kanton Zürich ansässig sind, zusammen. Die NEUE ENERGIE ZÜRICH ist eine Partnerorganisation der AEE SUISSE, Dachorganisation der Wirtschaft für erneuerbare Energien und Energieeffizienz. Auf kantonaler Ebene suchen wir aktiv den Kontakt und die Zusammenarbeit mit anderen Organisationen im Wirtschafts- und Energiebereich. So bündeln wir unsere Kräfte für die politische Interessenvertretung. www.zuerich.aeesuisse.ch

Über Swissolar
Swissolar vertritt als Branchenverband die Interessen von 700 Verbandsmitgliedern mit rund 6‘000 Arbeitsplätzen der Schweizer Solarenergiebranche in der Öffentlichkeit, der Politik und gegenüber den regulierenden Behörden. Die Sonne liefert der Schweiz jährlich 200-mal mehr Energie als wir brauchen. Swissolar setzt sich für die Energiewende hin zu einer Energieversorgung ohne den Einsatz fossiler oder nuklearer Energieträger ein. Wärme und Strom von der Sonne nehmen dabei eine zentrale Stellung ein. www.swissolar.ch

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Mittwoch, 17. Oktober 2018

SES kritisch gegenüber Strommarkt-Revision

Der Bundesrat hat heute die Vernehmlassung zur Revision des Stromversorgungsgesetzes gestartet. Die SES vermisst den Weitblick. Der Vorschlag konzentriert sich auf Details statt auf das Wesentliche. Für die Energiewende in der Schweiz steht heute vor allem der Ausbau erneuerbarer Energien im Vordergrund. Kritisch äussert sich auch die AEE Suisse.

Der Ausbau der erneuerbaren Energien stockt. Im aktuellen Strommarkt lohnen sich Investitionen nicht. Der Schweizer Markt ist stark von den europäischen Strompreisen beeinflusst, welche wiederum von den tiefen CO2-Preisen getrieben sind. Die Massnahmen, die mit der Energiestrategie 2050 Anfang Jahr in Kraft getreten sind, entfalten nur beschränkte Wirkung. Um die Atomkraftwerke rechtzeitig zu ersetzen und den hohen Eigenversorgungsgrad und damit die Unabhängigkeit und Versorgungssicherheit aufrecht erhalten zu können, braucht es ein investitionsfreundliches Strommarktdesign. Photovoltaik ist heute schon die günstigste Art, Strom zu produzieren. Das Potenzial auf bestehender Infrastruktur beträgt ein Mehrfaches der Atomstromproduktion – auch im Winterhalbjahr.

«Um die Klimaziele von Paris zu erreichen und den Atomausstieg sicher umzusetzen, muss die Schweiz vorwärts machen.» fordert SES-Projektleiter Felix Nipkow. «Die Arbeiten für neue Fördermodelle müssen jetzt starten. Der Rückstand im internationalen Vergleich ist gross.»

» Zum Ländervergleich, Mai 2018

Die Frage nach der Marktöffnung steht isoliert für die SES nicht im Vordergrund und es gibt keinen Grund zur Eile. Die Energiewende kann sowohl in einem vollständig liberalisierten Markt wie auch im vollen Monopol oder im teilliberalisierten Markt erreicht werden. Ausschlaggebend sind die Rahmenbedingungen für erneuerbare Energien und Effizienz. Ein Monopol, das wie in den 1970er bis 90er-Jahren die Atomenergie schützt, ist dabei genauso wenig zielführend wie ein liberalisierter Markt, der die Kosten umweltbelastender Produktionsarten nicht internalisiert und Investitionen in neue erneuerbare Energien wie Wind und Sonne nicht ermöglicht. Die SES wird die Vernehmlassungsunterlagen prüfen und zu gegebener Zeit im Detail zum Inhalt Stellung nehmen.

Auch die von einem Teil der Wirtschaft getragene AEE Suisse hat sich gleichentags kritisch zum Entwurf des Bundesrats geäussert - sie stellt die Frage der Marktöffnung stärker in den Vordergrund, fordert aber auch die explizite Unterstützung der Erneuerbaren Energien. 

Quelle: SES / Solarmedia

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Dienstag, 16. Oktober 2018

Schweizer Solarpreis '18

Ein Gewinner des Norman Foster Solar Awards 2018:
114%-PEB Pilatus Flugzeugwerke AG in Stans/NW
(Bild vergrössern mit Klick auf dieses!)
An diesem Dienstag wurden im Campus Sursee/LU die Schweizer Solarpreise und die Norman Foster Solar Awards vergeben. Elf Schweizer Solarpreise für Persönlichkeiten, Institutionen, Neubauten, Sanierungen und Solaranlagen sowie der Migros Bank-Sondersolarpreis und der HEV-Schweiz-Sondersolarpreis werden in Ihren Regionen vergeben. 

Hinzu kommen drei Norman Foster Solar Awards (NFSA), drei Solarpreise für PlusEnergieBauten (PEB) und 18 PEB-Diplome, die alle für Inlandwertschöpfung in Ihrem Kanton sorgen. Bei der Verleihung 2018 stechen unter den verschiedenen Preisträgern insbesondere die 25 PEB hervor, weil sie aufzeigen wie einfach das Pariser Klimaabkommen in Ihrer Region umgesetzt werden kann:
  • mit dem PEB der Pilatus Flugzeugwerke AG in Stans/NW wird das grösste Solarkraftwerk des Kantons Nidwalden mit einer Leistung von 1.05 MW ausgezeichnet (siehe Bild oben).
  • Europaweit die erste PlusEnergie-Überbauung Tobel/TG mit 32 Wohnungen, deren Mietzinspreise 20% nied- riger sind als für vergleichbare Wohnungen (Migros Bank-Sondersolarpreis für PEB-MFH)
  • der PlusEnergie-Gewerbebau in Gams/SG mit einer Eigenenergieversorgung von 557%
  • das erste PlusEnergie-Schulhaus des Kantons Thurgau Kastanienhof mit einer 207% Eigenenergieversorgung
  • die erste 181% PlusEnergie-Kirche der Schweiz in Kölliken/AG: Vorbildlich in ökologischer Hinsicht
Unter den diesjährigen Gewinnern stechen in 17 Kantonen insgesamt 25 PlusEnergieBauten- (PEB-) Vorbilder für die konkrete Umsetzung des Pariser Klimaabkommens besonders hervor!

Im Kanton Zürich wurden an der Solarpreisverleihung folgende Projekte ausgezeichnet:
• 139%-PEB-MFH SonnenparkPLUS, Wetzikon/ZH
• 170%-PEB-DEFH Hässig, Uster/ZH
• 165%-PEB-Sanierung Tennishalle Feld, Aesch/ZH 

• 133%-PEB Fitness/Wellness NEST, Dübendorf/ZH 
• Solarstrom statt Netzausbau /ZH
• Prof. Peter Steiger, Architekt und Professor, Zürich 
• Aufklärung im Knonauer Amt, Affoltern a. A./ZH
• Wohnhaus Solaris, Zürich Wollishofen/ZH

Und als Personen gehören zu den Geehrten:  
Dr. Lucien Keller, Solarpionnier, Lavigny/VD
Dr. Lucien Keller war ein Vorreiter und wichtiger Akteur in allen Bereichen der rationellen Energienutzung, ins- besondere der Solarenergie. Er war von 1995 bis 2005 Präsident der SSES und veröffentlichte rund 70 Artikel.  
Prof. Peter Steiger, Architekt, Zürich
Prof. Peter Steiger gründete 1973 den Verein Planung Energie Architektur (PLENAR) und befasste sich mit energetisch-ökologischem Bauen. Mit seinem Buch «Bauen mit dem Sonnen-Zeit-Mass» (1987) gelang ihm ein originelles Werk zur Nutzung der Sonnenenergie. Montageteam Schmid-Wolsberg-Müller/LU
Mit 25, 19 und 15 Jahren Tätigkeit in der Solarbranche bringt das Montageteam Schmid-Wolsberg-Müller der BE Netz AG zusammen fast 60 Jahre harte Arbeit und Erfahrung auf Solardächern mit.

Quelle: Solaragentur

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Sonntag, 14. Oktober 2018

Solarmedia twittert auch - schon über 2000mal


Solarmedia twittert auch. Unterdessen in bald drei Jahren mehr als 2000mal  - Twitter lohnt nur schon wegen Solarmedia - unter www.twitter.com/rehsche immer - oder hier auf der Solarmedia-Site in der zweiten Spalte von links mit dem Twitter-Botton (auch erreichbar mit der Twitter-App - siehe Screenshot oben). Aktuell mit Hinweisen auf Auseinandersetzungen rund ums Klima. 

Und so geht es:
-       Um einen Einblick zu erhalten oder auch die jeweils tagesaktuellen  Tweets von Solarmedia einzusehen, einfach den Twitter-Botton links oben (blau unterlegt) anklicken. Stets aktuell ist auch der Twitterdienst mit regelmässigem Energie- / Nachhaltigkeits- und Vorsorgegezwitscher. Schauen Sie / schau mal rein unter twitter.com/rehsche – Lesen auf Twitter ist ohne Anmeldung möglich!
-       Um dauernd mit Twitter verbunden zu sein, muss ein eigener Twitter-Account eröffnet werden - so kann Jede(r) ins Twittern einsteigen, und auch das funktioniert ganz einfach und in wenigen Minuten. 

© Guntram Rehsche / Solarmedia 

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Samstag, 13. Oktober 2018

Europa: Über 100 Mrd. KWh Solarstrom

Die Solaranlagen in Europa steuern 2018 auf einen Rekordwert bei der Erzeugung von Solarstrom zu. Gestern (12.10.2018) wurde bereits die Marke von 100 Milliarden Kilowattstunden (Mrd. kWh) Solarstrom überschritten (2017: 21.11.2017) und damit so früh wie noch nie, teilte das Internationale Wirtschaftsforum Regenerative Energien (IWR) in Münster mit. Das geht aus einer IWR-Auswertung der Daten der europäischen Übertragungsnetzbetreiber hervor. 

Im Länder-Ranking der europäischen Solarstromerzeugung 2018 führt aktuell (Stand: 12.10.2018) Deutschland mit 38,1 Mrd. kWh vor Italien mit 15,6 Mrd. kWh, Spanien (10,7 Mrd. kWh) und Großbritannien mit 10,2 Mrd. kWh. Frankreich rangiert mit 8,6 Mrd. kWh Solarstrom auf Platz 5, vor Belgien (3,2 Mrd. kWh) und Griechenland (2,9 Mrd. kWh).

Nach einer IWR-Hochrechnung wird die Stromerzeugung aus Solarkraftwerken in den EU-Mitgliedsstaaten im Jahr 2018 voraussichtlich auf rd. 113 Milliarden Kilowattstunden steigen (2017: rd. 104 Mrd. kWh). Das reicht rechnerisch bereits aus, um die beiden Länder Portugal und Griechenland zusammen ein ganzes Jahr lang mit Strom zu versorgen.

Aktuelle Solarstrom-Erzeugung online in Europa und den EU-Mitgliedsstaaten
https://www.solarbranche.de/solar/solarstrom/europa

Quelle: www.iwrpressedienst.de/energie-themen/pm-6123-solarstrom-steigt-in-der-eu-auf-ueber-100-milliarden-kilowattstunden

Freitag, 12. Oktober 2018

Weltgrösste Fassade mit organischer Photovoltaik

Circa 185 m² der organischen Photovoltaik-(PV)-Folie von Heliatek sind im August an einer Hallenfassade der Duisburger Hafen AG angebracht worden. Es handelt sich um ein Teilprojekt innerhalb der Kooperation „Drehkreuz Energiewende“, welches 2016 zwischen der Duisburger Hafen AG und dem Energieunternehmen innogy vereinbart wurde. Die Testinstallation besteht aus 192 Folien HeliaSol® á 3m Länge und stellt damit die bisher größte Fassadeninstallation mit organischer Photovoltaik (OPV) dar - ein Bericht der Erstellerfirma.

HeliaSol® ist eine extrem leichte, sehr dünne und flexible Solarfolie, die in einem energiespar­samen Rolle-zu-Rolle-Verfahren in Deutschland produziert wird. Ausgestattet mit einer selbstklebenden Rückseite, kann die Folie ohne weiteren Montage­aufwand direkt auf eine Vielzahl an Oberflächen aufgebracht werden, ohne die Struktur darunter zu beeinträchtigen. Bei dem Projekt in Duisburg wurden die Solarfolien direkt auf die Metallfassade der Lagerhalle aufgeklebt. Eine Hinterlüftung ist nicht notwendig, da die Folien bei hohen Temperaturen im Gegensatz zur kristallinen Solartechnologie nicht an Leistung verlieren und somit nicht gekühlt werden müssen.

Die ca. 185 m² Solarfolien erzeugen ungefähr so viel Energie, wie ein 4- bis 5-köpfiger Haushalt pro Jahr verbraucht. Aufgrund des effizienten Herstellungsverfahren und Materialeinsatzes produzieren die Solarfolien  80-mal mehr Energie über die gesamte Lebensdauer, als für ihre Herstellung verwendet wird. Vergleicht man den CO2-Ausstoß aller Energiegewinnungsarten, bieten die Solarfolien von Heliatek mit 20g CO2 pro kWh eindeutig den geringsten CO2-Fußabdruck.

Die Solarfassade ist Bestandteil eines von insgesamt vier Kooperationsfeldern und einer Vielzahl von Maßnahmen, die innerhalb der Nachhaltigkeitsstrategie zwischen innogy und duisport umgesetzt werden. Die Duisburger Hafen AG ist der Betreiber des weltweit größten Binnenhafens und will sich auch als Drehkreuz der Energiewende positionieren. Deshalb startete duisport 2016 eine strategische Partnerschaft mit innogy, um gemeinsam neue Wege der Energieeinsparung und eine Nutzung erneuerbarer Energien für die Logistik und Industrie zu erproben.

Nach der Biogasanlage in Bergheim-Paffendorf und der Fassadeninstallation bei den Lechwerken in Augsburg folgte nun das dritte gemeinsame Projekt von Heliatek und Investor innogy. Mit dem Start der neuen Produktionsanlage in 2020 setzt sich Heliatek zum Ziel, die Zukunft der dezentralen und dekarbonisierten Energiegewinnung aktiv mitzugestalten. Nach erfolgreichem Testlauf bietet sich allein auf dem Duisburger Hafengelände ein Potenzial, bis zu 10 Millionen Quadratmeter Fassaden- und Dachfläche zur Gewinnung von Sonnenenergie zu nutzen. Seit 2016 ist die innogy SE an der Heliatek GmbH beteiligt und unterstützt  seitdem aktiv die Vorbereitung des Markteintritts der Heliatek.

Quelle: Heliatek

Dienstag, 9. Oktober 2018

CH soll am Ball bleiben

Die Schweiz erhält von der Internationalen Energie-Agentur (IEA) gute Noten für ihre Energiepolitik. Sie empfiehlt jedoch, den Umbau des Energiesystems im Einklang mit der Klimapolitik voranzutreiben und den dafür nötigen regulatorischen Rahmen weiterzuentwickeln. 

 

Die IEA regt unter anderem an, die Fortführung der Fördermassnahmen für erneuerbaren Strom oder die Gebäudeeffizienz zu prüfen. Weiter begrüsst die IEA die Pläne zur Kopplung der Wasserzinsen an die Strom-Marktpreise und zur vollständigen Öffnung des Strommarkts, um allen Kundengruppen die Wahl ihres Stromversorgers zu ermöglichen und Innovationen anzutreiben. Im Bereich der fossilen Energien empfiehlt die IEA die zeitgerechte Inkraftsetzung des neuen CO2-Gesetzes, um die nationalen Klimaziele bis 2030 erreichen zu können. Der IEA Bericht zur schweizerischen Energiepolitik wurde in Bern von Paul Simons, stellvertretender Direktor der IEA, vorgestellt.


Die IEA lobt die seit der letzten Tiefenprüfung im Jahr 2012 erzielten Fortschritte der Schweiz bei der Förderung der Energieeffizienz im Gebäudesektor und beim beschleunigten Zubau von erneuerbaren Stromquellen. Auch die Aufstockung der öffentlichen Gelder für die Energieforschung wird positiv vermerkt. Allerdings mahnt die IEA, dass konstante Anstrengungen und allenfalls weitere regulatorische Anpassungen erforderlich sind, um die ambitionierten energiepolitischen Richtwerte zu erreichen. So soll die Schweiz die Wirkung der Fördermassnahmen für erneuerbaren Strom (Einspeisevergütung, Einmalvergütung), Biotreibstoffe oder für die Gebäudeeffizienz (Gebäudeprogramm) genau beobachten und vor deren geplanten Auslaufen eine allfällige Fortführung prüfen.

Weiter würdigt die IEA die Studien zur System Adequacy, die vom Bundesamt für Energie (siehe Link unten) und auf internationaler Ebene vom Pentalateralen Forum (siehe Link unten) erstellt wurden, als wertvolles Instrument zur Analyse der Stromversorgungssicherheit. Die Schweiz, die physisch sehr gut im europäischen Stromnetz eingebunden ist, soll diesen Vorteil zugunsten ihrer Versorgungssicherheit nutzen: Dazu regt die IEA einen möglichst baldigen Abschluss der Verhandlungen für ein Stromabkommen mit der EU an. Weiter unterstützt die IEA die vollständige Marktöffnung als Treiber für Innovationen, Wahlfreiheit und Wohlfahrtsgewinne und spricht sich für Massnahmen für eine weitere Flexibilisierung des Strommarkts aus. Sie empfiehlt ausserdem die künftige Bindung der Wasserzinsen an die Strompreise an.

Zur Klimapolitik empfiehlt die IEA der Schweizer Regierung, das neue CO2-Gesetz so auszugestalten, dass es das Erreichen der nationalen Klimaziele bis 2030 sicherstellt. Angeregt wird ausserdem, die Emissionsreduktionskosten unter den verschiedenen Sektoren, insbesondere Brenn- und Treibstoffe, besser zu verteilen. Zur Dekarbonisierung des Verkehrssektors empfiehlt die IEA eine langfristige Mobilitätsstrategie, die starke Marktsignale setzt. Weiter begrüsst die IEA das geplante Gasmarktgesetz.

Rund alle fünf Jahre unterzieht die IEA die Energiepolitik ihrer Mitgliedsländer einer Tiefenprüfung (in-depth review). Für die neuste Tiefenprüfung besuchte ein international zusammengesetztes Review-Team die Schweiz vom 12.-17. November 2017. Es traf sich mit zahlreichen Fachpersonen aus Behörden von Bund und Kantonen, Energieunternehmen, Verbänden und anderen Organisationen. Untersucht wurden Ziele, Instrumente und Erfolge der Energiepolitik im Allgemeinen und insbesondere in den Bereichen Energieeffizienz, fossile Energien, erneuerbare Energien, Kernenergie, Elektrizität, Klima und Umwelt sowie Energieforschung. Die einzelnen Themen werden im rund 160-seitigen Bericht (Energy Policies of IEA Countries - Switzerland, 2018 Review) detailliert diskutiert und Empfehlungen dazu abgegeben.

Sonntag, 7. Oktober 2018

Historischer Herbst 2018

NZZ am Sonntag - heute 7.10.18 !
Vorerst eher still und leise vollzieht sich derzeit eine energie- und klimapolitische Revolution, die den Begriff «historisch» verdient hat: Ölpreishoch, Preistaucher bei den Erneuerbaren, heissester Sommer und Gerichte, die der Bewegung Schub verleihen.

Jetzt ist der Ölpreis wieder dort, wo er eigentlich hingehört. Seit anfangs Oktober bewegt sich der Fasspreis über jenem 80-$-Level, das schon einmal vor rund fünf Jahren als Ausgangspunkt für den Start der erneuerbaren Energierevolution galt. Dann kam es anders und das Preisniveau verringerte sich auf bis unter deren 30$. Der deutsche Verband für Solarwirtschaft hält nun aber fest und meint damit vor allem das Geschäft mit den Sonnenkollektoren (Solarthermie): «Die Ölpreisrallye belebt Solarenergie». 

Quelle: Cash - Vergrössern
mit Klick auf die Graphik !
Es geht aufwärts, wie auch die Graphik über drei Jahre hinweg nachweist und verschiedenste Wirtschaftsmedien konstatieren (Momentum für weitere Steigerungen ist vorhanden). Unter anderem Donald Trump zum Dank, der mit seinen Wütereien gegenüber dem Iran dessen Förderkapazität wieder eingeschränkt hat und damit das Ölgeschäft verunsichert und das Angebot verknappt. Die Entwicklung kommt auch bei den KonsumentInnen an: Denn jetzt müssen sich Hausbesitzer mit Heizöl eindecken, meldete der Tages-Anzeiger am Mittwoch. Und die Automobilisten dürften auch schon realisiert haben, dass es mit den günstigen Benzinpreisen wieder mal vorbei ist. Noch vor kurzem bei rund 1.30 CHF, bewegt sich der Literpreis hierzulande unterdessen auf die 1.80 CHF zu. Das ist, so nebenbei vermerkt, sicher auch ein zusätzliches Verkaufsargument für die E-Mobil-Branche (100$ pro Fass sind genau, was E-Autos brauchen, siehe Bloomberg).

Doch die eingeleitete Energie- und Klimarevolution geht  über den Ölpreis hinaus: Haben wir doch eben den heissesten Sommer ever hinter uns (ja wirklich, es war der heisseste, wie Meldungen dieser Woche bestätigten). Da wird so mancher ins Grübeln gekommen sein, ob es denn mit dem CO2-Ausstoss so weiter gehen kann. Dass dem nicht so ist, hat die kohlepolitische Auseinandersetzung dieser Woche in Deutschland verdeutlicht – und mit einem erstaunlichen Erfolg für die Kohlegegner und Desaster für den RWE-Konzern geendet: Nicht nur wurde eine zuvor verbotene Demonstration dann doch erlaubt (die mit einem friedenspolitischen Erfolg der Extraklasse gestern Samstag über die Bühne ging). Auch die vermeintlich schon sicher geglaubte Rodung des Hambacher Waldes zugunsten einer intensivierten Kohleförderung wurde gerichtlich untersagt – zweifellos ein Fanal für die fossile Energiegewinnung – und das weit über die Grenzen Deutschlands hinaus. Wie etwa auch diese Meldung bestätigt: Auf dem Gelände eines Kohle-Elektrizitätswerks im US-Bundesstaat Massachusetts steht nun eine Solarfarm. Sie wird ergänzt mit grossem Speicher von 6 Megawatt Leistung für das Brechen der Spitzen beim Stromverbrauch > siehe hier.  

Die Revolution zeigt sich in weiteren konkreten Schritten – der Weg in die Zukunft ist längst vorgezeichnet. Wie es die Energiebeilage der NZZ vom heutigen Sonntag auf dem Titelblatt (siehe oben) bekennt. Und diese Zukunft ist in der Schweiz zweifellos solar – denn die Bedingungen für deren Anwendung haben sich in den letzten Jahren radikal verändert und verbessert, zuallererst an der Preisfront. Die Möglichkeit, vermehrt auf Eigenverbrauch zu setzen, könnte hierzulande zusätzlichen Schub verleihen. Wie der St. Galler Hochschulprofessor Wüstenhagen in einem NZZ-Interview denn auch festhält: «Mich stört, dass man sich auf Schwierigkeiten konzentriert.» Wie etwa auf die Speicherprobleme des unregelmässig anfallenden Solarstroms. Doch, wie Wüstenhagen festhält, gerade bezüglich der Speicherung von Energie hat die Schweiz mit dem Potential der Wasserkraft (Speicherseen und Pumpkraftwerke) besonders gute Voraussetzungen – und die technische Entwicklung hat das Ende der Fahnenstange noch längst nicht erreicht.

Quelle: Irena - Vergrössern mit Klick auf Graphik !
Schliesslich gibt es auch politisch Anzeichen der anbrechenden Revolution: Sogar eine Klimaabgabe für den Flugverkehr scheint unterdessen in der Schweiz nicht mehr tabu und soll in den anstehenden parlamentarischen Beratungen zum CO2-Gesetz bessere Chancen als auch schon haben. Um den Eindruck einer angebrochenen Revolution zu vervollständigen, hat die Internationale Agentur für Erneuerbare Energien IRENA grade nebenstehende Graphik veröffentlicht. Sie zeigt auf, dass die Erneuerbaren nun den fossilen Energien den Rang abzulaufen beginnen, vor allem was die Preise anbelangt. Nur: Tiefe Preise sind das eine, aber entgegen der ökonomischen Lehrmeinung setzen sie sich längst nicht immer durch – der politische Kampf um die Revolution geht trotzdem weiter. 

Donnerstag, 4. Oktober 2018

Höhere Ölpreise beflügeln Solarenergie

Zu Beginn der Heizsaison sind die Heizölpreise noch einmal kräftig gestiegen. Allein in den letzten zwölf Monaten legten sie vor dem Hintergrund der angespannten Weltlage um fast ein Drittel zu. Entspannung ist derzeit nicht in Sicht. Neben der Verschärfung des Klimawandels Anlass genug für viele Eigenheimbesitzer, sich eine Solarheizung anzuschaffen oder die bestehenden Heizkessel mit Solarkollektoren nachzurüsten. Bei Haushalten und Fernwärmeanbietern verzeichnet der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW-Solar) derzeit ein wachsendes Interesse an der Solarenergie und stellt sich auf eine anziehende Nachfrage ein. Was für Deutschland gilt, ist auch für die Schweiz nicht falsch.

Bild: Guntram Rehsche
"Wer sich unabhängiger von steigenden Öl- und Gaspreisen machen möchte, modernisiert sein Heizsystem mit Hilfe der Solarenergie", sagt Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer des BSW. "Ein Vorteil von Solarheizungen ist, dass sie das ganze Jahr über nachgerüstet werden können und sehr flexibel mit anderen Wärmeerzeugern kombinierbar sind, egal, ob Gas, Öl, Photovoltaik, Biomasse oder Wärmepumpe. Heizkosten lassen sich so schnell reduzieren." Nach BSW-Angaben sind in Deutschland bereits über zwei Millionen Solarwärmeanlagen und über 1,6 Millionen Solarstromanlagen in Betrieb. 

Der Staat unterstützt im nördlichen Nachbarland den Umstieg auf eine Solarheizung in aller Regel mit mehreren tausend Euro Zuschuss. So werden beispielsweise vom Bundesamt für Wirtschaft (BAFA) für den Einsatz im Gebäudebestand solarthermische Anlagen zur Heizungsunterstützung je nach Größe mit 2.000 bis 5.600 Euro unterstützt. Im Neubau ist der Einbau einer EE-Heizung bereits Pflicht.
 
Solarheizungen nutzen die Energie der Sonne, um Wärme für die Warmwasserbereitung und die Raumheizung zu erzeugen. Im Zusammenspiel mit anderen Heizsystemen sorgen sie das gesamte Jahr zuverlässig und kostengünstig für klimafreundliche Wärme. In den Sommermonaten, in der Übergangszeit und auch an sonnigen Wintertagen können Solarwärmeanlagen den Wärmebedarf im Haushalt weitgehend decken, sodass kein Brennstoff verbraucht werden muss. Dank gut isolierter Wärmespeicher, die bei einer Heizungsmodernisierung zum Beispiel am Standort des alten Öltanks installiert werden können, steht die Solarwärme auch nachts zur Verfügung. 

Wie effizient Solarwärmeanlagen sind, zeigt das von Elektrogeräten bekannte Energielabel. "Wird eine bestehende Heizungsanlage mit einer Solarthermie-Anlage ergänzt, erreicht sie dadurch mindestens die grüne Kategorie A+", so Körnig. "Die Effizienzklasse für die Warmwasserbereitung kann mit Solarwärme sogar auf den Spitzenwert A+++ klettern." 

Handwerksbetriebe, die sich auf Solartechnik spezialisiert haben und bei der Beantragung der Fördermittel helfen, findet man auf www.solartechnikberater.de. Wie der Umstieg auf Solarwärme auch in der kalten Jahreszeit gelingt, zeigen der BSW-Kurzfilm "Heizen mit Sonne und Erdgas" auf Youtube (https://youtu.be/Xt2U9Cypnxc) und das Infoportal www.sonnigeheizung.de.

Dienstag, 2. Oktober 2018

Energie-Ausblick aufs 2050 im Weltmassstab

Im Jahr 2050 werden Erneuerbare Energien für 80 Prozent der weltweiten Stromerzeugung sorgen - so prognostiziert es der Energy Transition Outlook 2018 des Beratungsunternehmens DNV GL. 

Insgesamt werde sich der Anteil des Stromanteils am gesamten Energiebedarf bis 2050 voraussichtlich auf 45 Prozent mehr als verdoppeln, denn die Sektoren Verkehr, Gebäude und Produktion würden eine erhebliche Elektrifizierung erfahren. Das Unternehmen rechnet zum Beispiel damit, dass im Jahr 2027 schon die Hälfte aller Neuwagen Elektrofahrzeuge sein werden. Aufgrund der raschen Elektrifizierung des Energiebedarfs sei weltweit ein starkes Wachstum der Stromübertragungs- und -verteilungsnetze notwendig: Bis 2050 würde sich die installierte Leitungslänge und Kapazität insgesamt mehr als verdreifachen.

DNV GL prognostiziert weiterhin, dass die Gesamtkosten der Energieausgaben als Anteil am globalen Bruttoinlandprodukt (BIP) von 5,5 Prozent auf 3,1 Prozent sinken würden, was einem Rückgang um 44 Prozent entspräche. Die absoluten Energieausgaben würden im Prognosezeitraum um 30 Prozent auf sechs Trillionen Dollar pro Jahr wachsen. DNV GL prognostiziert eine Verlagerung der Kosten von den operativen Ausgaben, hauptsächlich Kraftstoff, hin zu Kapitalkosten. Ab 2030 würden mehr Investitionen in Stromnetze und Wind- und Solarkraftwerke fließen als in Projekte mit fossilen Brennstoffen. Die Energieexperten gehen allerdings davon aus, dass das aktuelle Tempo der Energiewende nicht genügt, um die globalen Klimaziele zu erreichen. Demnach sei mit dem ersten emissionsfreien Jahr erst im Jahr 2090 zu rechnen.

Dieser Artikel wurde im Renews, dem Newsletter der Agentur für Erneuerbare Energien, veröffentlicht.

Montag, 1. Oktober 2018

Für nachhaltigen Wärme- / Kältesektor

Die Wärme Initiative Schweiz ist mit der Lancierung der Website erfolgreich gestartet. Eine breit abgestützte Allianz aus der Schweizer Energie- und Bauwirtschaft sowie der Wissenschaft setzt sich gemeinsam für einen nachhaltigen Wärme- und Kältesektor ein. Ziel der Initiative ist es, diese Sektoren bis 2050 komplett erneuerbar und CO2-neutral zu gestalten. 
 
Die Mitglieder der Wärme Initiative Schweiz (WIS) sind sich einig, dass sich die Politik bei der Umsetzung der Energiestrategie bisher zu wenig auf den Wärme- und Kältesektor fokussiert hat. In diesen Sektoren lässt sich jedoch Grosses bewirken, da sie heute für 50% unseres Endenergieverbrauchs verantwortlich sind. Um den langfristigen energie-, klima- und ressourcenpolitischen Zielen der Schweiz Rechnung zu tragen, muss der Anteil erneuerbarer Energien und die Nutzung von Abwärme im Wärmebereich stark vorangetrieben werden. Heute stammen nur gerade 20% der Wärme aus erneuerbaren Ressourcen. Ansetzen möchte die WIS bei der Energie für die Bereitstellung von Wärme und Kälte in Haushalten, Betrieben, öffentlichen Gebäuden sowie der Industrie. Die benötigte Energie soll bis 2050 ausschliesslich aus Erneuerbaren sowie Abwärme stammen und CO2-neutral umgewandelt werden. Ausserdem soll der Energiebedarf für Wärme und Kälte durch Effizienzsteigerung um 40% reduziert werden. 

Die für eine Umstellung nötigen Technologien sind heute bereits verfügbar und erprobt. Neben der aktiven Marktbearbeitung und Promotion dieser nachhaltigen Wärme- und Kältetechnologien, wird sich die WIS auch für förderliche politische Rahmenbedingungen einsetzen. Dazu gehören ein griffiges CO2-und Raumplanungs-Gesetz, die Klärung der Aufgabenverteilung von Bund, Kantonen und Gemeinden im Wärme- aber auch eine konsequente Umsetzung der Mustervorschriften der Kantone im Energiebereich (MuKEn). Die Allianz umfasst wichtige Verbände wie suissetec, sia und den Verband Fernwärme Schweiz sowie Unternehmen wie BKW, Engie oder Schmid Group. Die Wärme Initiative Schweiz ist ein Projekt unter dem Dach der AEE SUISSE.

Weitere Informationen sind der Website www.waermeinitiative.ch zu entnehmen.

Sonntag, 30. September 2018

Auch Spalten links und rechts beachten !

Liebe Leserin, lieber Leser
Solarmedia freut sich über Ihr ungeteiltes Interesse an Meldungen und Berichten aus der weltweiten Solarwirtschaft. Zur Ergänzung dienen die Hinweise in der ganz linken und der rechten Spalte von Solarmedia, die zu interessanten Artikeln nationaler und internationaler Medien zu den Themen Solar, Energie und Nachhaltigkeit allgemein (aktuell u.a. mit Tipps zum Sinn des Lesens und zu einem ruhigen Leben - linke Spalte) sowie Finanz-Anlage und Vorsorge (rechte Spalte - aktuell zur Vorsicht im Umgang mit gewissen ETF) führen. Viel Vergnügen sodann mit der Bilderspalte (zweite von links), die auf Photographien internationaler KünstlerInnen sowie auf Bilder des Solarmedia-Autors verweist!

Freitag, 28. September 2018

EE 2017 in Zahlen

Über den Ausbau und das Potenzial erneuerbarer Energien wird viel diskutiert. Aber wie steht es aktuell um deren Produktion und Verbrauch? Die schweizerische Statistik der erneuerbaren Energien (EE), die jährlich per Ende September auf der Homepage des BFE publiziert wird, gibt Antworten.
Im Jahr 2017 wurden in der Schweiz 63,1 % der gesamten Netto-Elektrizitätsproduktion durch erneuerbare Energiequellen bereitgestellt, wobei 56,7 % (32,5 Terawattstunden, TWh) aus Wasserkraftwerken stammten. 6,4 % (3,6 TWh) wurden durch Sonnenenergie, Biomasse, Biogas, Wind und erneuerbare Abfälle erzeugt. Zum Vergleich: Im Jahr 1990 produzierten die neuen erneuerbaren Energien gerade mal 0,8 % der gesamten Nettolandeserzeugung, 2000 waren es bereits 1,3 % und 2010 knapp 2,2 %. Das grösste Wachstum verzeichnet 2017 die Sonnenenergie mit einer Zunahme von 26 % gegenüber dem Vorjahr.
Der Anteil erneuerbarer Wärme betrug 2017 rund 20,6 % am gesamten Wärmeverbrauch. Holz ist in der Schweiz mit einem Anteil von 11,2 % (10,7 TWh) der bedeutendste erneuerbare Wärmelieferant. Die Nutzung von Umweltwärme nimmt jedoch stetig zu. In der Schweiz wird Umweltwärme fast ausschliesslich in Kombination mit Elektro-Wärmepumpen genutzt. Dabei wird der Luft, dem Erdreich oder Wasser zu Heizzwecken Wärme entnommen. Die Zunahme von verkauften Wärmepumpen (+8,7 %) widerspiegelt ihre Attraktivität. Sie erzeugten gut 4,8 % (4,6 TWh) der gesamten Wärme 2017.
Biotreibstoffe trugen 2017 mit 1,6 TWh nur 2,6 % zum gesamten Absatz an Benzin und Diesel bei. Das entspricht trotz kleinem Prozentsatz dem 13-fachen Verbrauch von 2010. Das markante Wachstum bei den Biotreibstoffen ist grösstenteils auf die 2013 mit dem CO2-Gesetz eingeführte Kompensationspflicht zurückzuführen.
Alles in allem stammten 2017 rund 22 % des gesamten schweizerischen Endenergieverbrauchs aus erneuerbaren Quellen.
Details zur Produktion und zum Verbrauch der erneuerbaren Energien ist in der Schweizerischen Statistik der erneuerbaren Energien – Ausgabe 2017 nachzulesen.

Quelle: BfE / BfS

Mittwoch, 26. September 2018

solardach.ch zeigt immenses CH-Potential

Es ist soweit: Ab sofort zeigt die interaktive Anwendung sonnendach.ch für jede Immobilie der Schweiz, wie gut sie für die Energieproduktion geeignet ist. Das Bundesamt für Energie BFE schätzt auf Basis dieser Daten das technisch machbare Solarenergiepotenzial der gut bis sehr gut geeigneten Schweizer Gebäudedächer auf rund 50 TWh/Jahr. 

 

Einfamilienhaus Stallikon
hinter Üetliberg (ZH)
Bild: Guntram Rehsche

Ist mein Hausdach geeignet für eine Solaranlage? Diese Frage lässt sich jetzt ganz einfach für jedes beliebige Gebäudedach, vom Einfamilienhaus bis zum Industriegebäude, in der Schweiz beantworten. In einem Gemeinschaftsprojekt erarbeiteten das Bundesamt für Energie, das Bundesamt für Landestopografie (swisstopo) sowie das Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie MeteoSchweiz ein Online-Tool, den Solarpotenzialkataster, der für die Öffentlichkeit auf sonnendach.ch zugänglich ist.


Sonnendach.ch verbessert die Datengrundlage zum Solarpotenzial der Schweiz massgeblich und ermöglicht eine genaue Schätzung des Gesamtpotenzials der Schweiz. Das BFE schätzt dieses Potenzial für zwei Szenarien: Im ersten Szenario, in dem alle Dächer nur für Solarstrom verwendet werden, beträgt das technische Potenzial rund 50 TWh/Jahr. Im zweiten Szenario, in dem pro Haus das beste Dachstück für Solarwärme und der Rest für Solarstrom verwendet wird, beträgt das Potenzial für Solarwärme rund 17 TWh/Jahr und das Potenzial für Solarstrom rund 34 TWh/Jahr.

Zusätzlich zum Potenzial der gesamten Schweiz berechnete das BFE die genannten Szenarien auch für sämtliche Gemeinden und macht die Ergebnisse in Form von Faktenblättern sowie als Open Government Data verfügbar (Link). 

Sonnendach.ch ist Teil des Beratungsangebots von EnergieSchweiz, das Schritt für Schritt den Weg zur eigenen Solaranlage aufzeigt (siehe Link). Mitte 2019 soll die interaktive Anwendung www.sonnenfassade.ch ebenfalls komplett sein. Sie zeigt für die Hausfassaden aller Immobilien, wie gut sie für die Energieproduktion geeignet sind.

Mittwoch, 19. September 2018

Wasserelektrolyse ist Speicher-Baustein

Die Wasserelektrolyse zur Erzeugung von Wasserstoff auf Basis von regenerativ erzeugtem Strom entwickelt sich immer mehr zu einer Kerntechnologie der Energiewende. Der steigende Anteil volatilen Wind- und Solarstroms kann in Form von Wasserstoff saisonal gespeichert, rückverstromt oder zu Kraftstoffen und chemischen Grundstoffen weiterverarbeitet werden. Allein für Deutschland wird bis 2050 eine installierte Anlagenleistung im dreistelligen Gigawattbereich prognostiziert, unter der Maßgabe, dass die Klimaschutzziele der Bundesregierung erreicht werden. Im Auftrag des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) haben das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE, das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie und Automatisierung IPA und das Beratungsunternehmen E4tech einen Fahrplan für die Etablierung der Wasserelektrolyse in Deutschland entwickelt.

Für Masterplan Wasserstoff:
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In der Studie »Industrialisierung der Wasserelektrolyse in Deutschland: Chancen und Herausforderungen für nachhaltigen Wasserstoff für Verkehr, Strom und Wärme« zeigen die Partner auf, wie die notwendigen industriellen Fertigungskapazitäten für Elektrolyseure in den nächsten Jahren aufgebaut werden können.  Sie untersuchten hierfür die Herausforderungen beim Aufbau einer Gigawatt-Elektrolyse-Industrie in Deutschland, insbesondere mit Blick auf kritische Komponenten.  Unter Einbeziehung von Industrie und Anwendern wurden die technologischen, herstellungstechnischen und akteursspezifischen Handlungsbedarfe diskutiert und Handlungsempfehlungen abgeleitet.
Der künftige Elektrolysebedarf für die Sektoren Verkehr, Wärme und Strom wurde mit dem am Fraunhofer ISE entwickelten Tool REMod-D in einer Energiesystemsimulation für Deutschland ermittelt. Insgesamt wurden sechs Ausbauszenarien betrachtet, um unter anderem die Bandbreite der in der Industrieumfrage ermittelten Leistungsparameter zu berücksichtigen; in allen betrachteten Szenarien gilt dabei die Randbedingung, dass das deutsche Klimaziel einer Absenkung der energie-bedingten CO2-Emissionen um 80 % ohne einen großskaligen Import von synthetischen Energieträgern erreicht wird. Zugleich wird davon ausgegangen, dass energieintensive Industrien auch weiterhin am Standort Deutschland betrieben werden. Im Ergebnis resultiert – abhängig von den jeweils zugrunde gelegten Randbedingungen – ein Ausbaukorridor von größer 100 bis weit über 200 Gigawatt an installierter Elektrolysekapazität im Jahr 2050. Bereits in der zweiten Hälfte des kommenden Jahrzehnts müsste die Zubaurate ein Gigawatt Neuinstallation pro Jahr deutlich übersteigen, und ab den 2030er Jahren gehen die Szenarien von mehreren Gigawatt Neuinstallation pro Jahr aus. »Bereits heute sind die beiden wichtigsten Technologien, die alkalische  und die PEM-Elektrolyse, in einem technisch ausgereiften Zustand. Einer großskaligen Nutzung der Elektrolyse steht aus technologischer Sicht nichts im Wege«, erklärt Dr. Tom Smolinka, Abteilungsleiter Chemische Energiespeicherung am Fraunhofer ISE. Einzelne Forschungsthemen müssen jedoch noch weiter verfolgt werden. So ist beispielsweise die Hochtemperatur-Elektrolyse noch nicht wettbewerbsfähig, sie hat aber wegen des geringeren Strombedarfs und der in Deutschland vorhandenen industriellen Abwärme durchaus Potenzial. Auch aus produktionstechnischer Sicht konnten nur wenige hinderliche Aspekte identifiziert werden. »Die zur Produktion der Komponenten nötigen Verfahren werden bereits in anderen Branchen großindustriell angewendet. Eine Skalierung der Produktion ist mit einem vergleichsweise geringen Maschinen- und Kapitaleinsatz möglich«, so Steffen Kiemel, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fraunhofer IPA. Bei den als potenziell kritisch eingestuften Komponenten wurde aufgezeigt, dass weder kurz- noch langfristig mit Lieferengpässen zu rechnen ist.

Markthemmnisse beseitigen

»Handlungsbedarf besteht vor allem auf Seiten des Gesetzgebers: der Markthochlauf, der für die weitere Technologieentwicklung und Kostenreduktion der zentrale Hebel ist, muss durch Anpassungen des regulatorischen Rahmens, insbesondere beim Strombezug unterstützt werden, damit Elektrolyseanwendungen wirtschaftlich werden können«, bekräftigt Franz Lehner, Managing Consultant beim Beratungsunternehmen E4tech. Die Autoren der Studie schlagen daher ein »Marktaktivierungsprogramm Wasserelektrolyse« vor, das den Herstellern und Anwendern Planungssicherheit für Investitionen bietet.