Dienstag, 30. November 2010

Neuer Titel im Solar-Index

In den PHOTON Photovoltaik-Aktien Index PPVX wurde am 26.11.2010 die chinesische Firma Comtec Solar Systems Group mit dem Schlusskursen vom 26.11.10 (HKD 2,89) aufgenommen. Der weltweit einzige Index zu Titeln der Solarbranche wird von der Zeitschrift Photon und vom Wiener Vermögensverwalter Oeko-Invest betreut.

Nach einer Performance von 814 Prozent in den Jahren 2003 bis 2009 – der Erdöl-Aktien-Index NYSE Arca Oil (vormals AMEX Oil) wuchs im gleichen Zeitraum um 75 Prozent - liegt der PPVX seit Jahresanfang 2010 mit einem Minus von 11,8 Prozent rund 23 Prozentpunkte hinter dem NYSE Arca Oil (+10,8 Prozent). Die Marktkapitalisierung der 30 Firmen im PPVX beträgt derzeit rund 34,4 Milliarden Euro.

In den internationalen PHOTON Photovoltaik-Aktien Index (PPVX) wird ab dem 26. November 2010 der chinesische Titel Comtec Solar Systems Group (Börsensymbol 712:HK in Hong Kong, ISIN KGY234201054) aufgenommen. Die Neuaufnahme erfolgt zum Börsenschlusskurs (HKD 2,89) vom 26. November 2010, nachdem der Börsenwert der Firma (mit derzeit rund 316 Millionen Euro) mehr als vier Wochen erheblich über dem des kleinsten PPVX-Titels (Roth & Rau AG, dzt. rund 186 Millionen Euro, nach 63 Prozent Kursverlust seit Anfang 2010) lag.

Das 1999 gegründete Unternehmen Comtec Solar Systems (www.comtecsolar.com) ist seit Oktober 2009 in Hong Kong gelistet. Es stellt in Shanghai monokristalline Ingots und Wafer her. In den ersten 9 Monaten dieses Jahres erzielte Comtec Solar einen Umsatz von 709,4 Millionen Renminbi (78,5 Millionen Euro) und einen Reingewinn von 149,3 Millionen Renminbi (16,5 Millionen Euro). Von den 30 PPVX-Firmen, die Marktkapitalisierungen zwischen rund 303 Millionen Euro (NPC) und rund 8,1 Milliarden Euro (First Solar) aufweisen, haben damit 20 ihren Sitz in Asien: China (12), Taiwan (6), Japan (1) und Korea (1). Die restlichen zehn verteilen sich auf Deutschland (4), USA (4), Norwegen (1) und Schweiz (1). Die Gewichtung der neuen Aktie im Index beträgt anfänglich 2,2 Prozent, entsprechend der Gewichtungsklasse 3 (Marktkapitalisierung zwischen 200 und 800 Millionen Euro).

Die Comtec-Solar-Aktie belegt mit rund 316 Millionen Euro Börsenwert - zwischen DelSolar mit 332 Millionen Euro und NPC mit 303 Millionen Euro Marktkapitalisierung – derzeit den 29. Rang im PPVX-Index, dessen Volumen sich seit Anfang 2004 von rund 0,4 Milliarden Euro auf rund 34,4 Milliarden Euro erhöht hat.

Über den PPVX:
Der am 1. August 2001 mit 1.000 Punkten und elf Aktien gestartete PPVX wurde in seiner inhaltlichen Zusammensetzung und rechnerischen Struktur in Kooperation von der PHOTON Europe GmbH, Aachen, und der Öko-Invest-Verlags-GmbH, Wien, erstellt. Aufgenommen werden Unternehmen, die über 50 Prozent des Vorjahresumsatzes mit Produkten oder Dienstleistungen gemacht haben, die direkt oder indirekt mit der Installation beziehungsweise Nutzung von Photovoltaikanlagen zusammenhängen. Über die Aufnahme entscheidet ein Beirat, dem Mitglieder der Redaktionen des Börseninformationsdienstes Öko-Invest, der deutschen sowie der englischsprachigen PHOTON-Redaktion angehören.

Der PPVX wird regelmäßig bei Reuters und in den Zeitschriften PHOTON, PHOTON International und Öko-Invest sowie auf den Webseiten www.photon.de, und www.photon-magazine.com veröffentlicht. Als Vergleichswert dient der NYSE Arca Oil, der 13 große Öltitel enthält. Nach einem schwachen Start 2001/02 hat der PPVX inzwischen den Erdölindex mit großem Abstand hinter sich gelassen.

Quelle: Öko-Invest, Max Deml, Chefredakteur

Mehr als 25 Jahre leistungsfähig

Bei einer vom Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE (Freiburg) durch-geführten Messung erzielten die 53 einbezogenen Module nach einer Betriebszeit von 26 Jahren im Mittel noch 92 Prozent ihrer ursprünglichen Leistung. Damit lagen alle Module, die 1984 auf dem Fraunhofer-Institut in Freiburg installiert worden waren, im Schnitt weit über der damaligen Leistungsgarantie von 90 Prozent nach zehn Jahren.

Die Nennleistung der getesteten Module betrug bei Auslieferung 38,4 Watt. Nach 26 Jahren lag die Leistungsabgabe im Durchschnitt noch immer bei 35,3 Watt, das entspricht lediglich einem Rückgang von acht Prozent der ursprünglichen Nennleistung. Das Testinstitut hebt in seinem Gutachten vom September 2010 darüber hinaus die sehr geringe Streuung zwischen den gemessenen Leistungswerten hervor. Für Betreiber von Solarstrom-Anlagen bestätigt die Messung eine über Jahrzehnte verlässlich hohe Solarstromproduktion und damit fest kalkulierbare Einnahmen.

Erst im Frühjahr 2010 hat SCHOTT Solar gemäss Firmenmitteilung ihre Leistungsgarantie verbessert. Seit Juni 2010 gilt ein lineares Degressionsmodell, das allen Kunden in jedem Jahr der Garantielaufzeit eine höhere Leistung zusichert, als es mit dem bis dahin geltenden Stufenmodell möglich war. Nachdem jetzt im ersten Betriebsjahr mindestens 97 Prozent der Nennleistung garantiert sind, sinkt dieser Wert von Jahr zu Jahr nur noch gering, abhängig vom Modultyp. Hier unterscheidet man zwischen Doppelglasmodulen, die mit einer zusätzlichen Glasscheibe auf der Rückseite versehen sind, und Glasfolienmodulen. Bei Doppelglasmodulen sinkt die garantierte Leistung jährlich um gerade einmal 0,5 Prozent. Bei Glasfolienmodule sind es 0,7 Prozent. Die Ausweitung der Leistungsgarantie, liegt im Vergleich zum sonst üblichen Modell bis zu 12 Prozentpunkte höher. Das beschert den Kunden so höhere garantierte Einnahmen und damit eine bessere Verzinsung des eingesetzten Kapitals. Denn sie können sich über einen Zeitraum von bis zu drei Jahrzehnten auf eine Ertragsstabilität auf hohem Niveau verlassen.

Quelle: Schott Solar / Solarserver

EU-Milliarde für Forschung

Drei neue europäische Forschungsinfrastrukturen sollen dazu beitragen, die zukünftige Energieversorgung zu sichern. Auch die Solarenergie gehört zu den begünstigten - am allermeisten fällt aber wieder einmal für die Atomforschung ab.

Geplant sind Infrastrukturen zur Erforschung der Windenergie in Dänemark, ein Kraftwerk für Sonnenenergie in Spanien und ein Kernforschungsreaktor in Belgien. Das haben die EU-Forschungsminister, assoziierte Länder und die Europäische Kommission beschlossen. Die gesamten Investitionen für alle drei Infrastrukturen belaufen sich auf 1,2 Milliarden Euro. Die Infrastruktur "Windscanner" wird gemeinsam von Partnern aus sieben europäischen Ländern in der Nähe des dänischen Roskilde betrieben, darunter auch vom deutschen Fraunhofer-Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik aus Kassel. Start ist 2013 mit einem Budget zwischen 45 und 60 Millionen Euro.

Die Entwicklung einer Europäischen Forschungsinfrastruktur von Weltklasse durch Zusammenlegung der Ressourcen auf EU-Ebene ist ein wichtiges Ziel der Union der Innovation. Diese Einrichtungen werden bahnbrechende Forschung und Innovation ermöglichen und könnten letztlich auch dazu beitragen, die künftige Energieversorgung der EU zu sichern ", betonte Forschungskommissarin Máire Geoghegan-Quinn.

EU-SOLARIS wird am Zentrum für moderne Technologie „Erneuerbare Energien" im spanischen Tabernas, Almeria, eingerichtet und dient in erster Linie der Entwicklung neuer Technologien für die konzentrierte Solarenergie. Die Baukosten betragen rund 80 Mio. EUR. Die neue Forschungsinfrastruktur umfasst ergänzend weitere Standorte an mehreren führenden europäischen Labors in den europäischen Ländern mit dem höchsten Potenzial zur Nutzung von Sonnenenergie (Portugal, Italien, Griechenland und die Türkei) sowie in Deutschland (Technologieanbieter).

Der belgische Forschungsreaktor für MYRRHA in Mol dient der Erforschung von Möglichkeiten zur Verringerung radioaktiver Abfälle. Der detaillierte technische Entwurf für die Einrichtung soll im Jahr 2014 vorliegen. Die Gesamtkosten werden auf rund 960 Mio. EUR veranschlagt (2010-2023). MYRRHA wird weltweit die erste Großanlage sein, an der untersucht wird, wie verbrauchte radioaktive Kernbrennstoffe durch Trennung und Transmutation reduziert werden können. An der Einrichtung kann auch die Machbarkeit einer neuen Generation von Kernkraftwerken getestet werden, die der Schnellreaktoren. MYRRHA ergänzt den Jules Horowitz-Reaktor (Thermospektrumreaktor), der sich derzeit in Cadarache, Frankreich, im Bau befindet.

Quelle: Sonnenseite / EU-Kommission

Solartankstellen für E-Bikes

E-Bikes erfreuen sich einer immer größeren Beliebtheit. Die mit einem Elektromotor betriebenen Fahrräder ermöglichen eine komfortable und umweltfreundliche Fortbewegung. Damit ihnen währenddessen nicht der Strom ausgeht, gibt es in Japan nun öffentliche Ladestationen, die mit Solarmodulen von Kyocera betrieben werden, einem der führenden Hersteller im Bereich Photovoltaik.

Die Japaner sind uns mal wieder einen Schritt voraus. In diesem Fall sogar eine Fahrradlänge: Damit E-Bikes unterwegs nicht der Strom ausgeht, wurden in Japan sogenannte Solar Cycle Stations an öffentlichen Plätzen installiert (siehe Bild). Dabei handelt es sich um solarbetriebene Ladestationen, an denen die Radfahrer ihre E-Bikes auftanken können. Entwickelt wurden die Solar Cycle Stations von dem japanischen Technologiekonzern Kyocera. Solarmodule von Kyocera wandeln dabei Sonnenenergie in umweltfreundlichen Strom um. Gleichzeitig sind die Stationen mit einem DC-AC-Wandler ans Stromnetz angeschlossen, damit die E-Bikes auch bei schlechtem Wetter und in der Nacht aufgeladen werden können. Außerdem verfügen die Solar Cycle Stations über konventionelle Anschlussdosen, um in Notfällen bei Bedarf als Stromquelle zu dienen. Kyocera ist stets bestrebt neue Anwendungsszenarien für Solarenergie zu finden. So hat das Unternehmen bereits ein Solardach für den Toyota Prius wie auch für Sportboote von Toyota erfolgreich in den Markt eingeführt.

Quelle: KYOCERA

Montag, 29. November 2010

Oerlikon Solar wechselt erneut

Jürg Henz, nur rund ein Jahr CEO von Oerlikon Solar, der mit seiner Technologie-kompetenz erheblich zur Entwicklung der ThinFab beigetragen hat, wird gemäss einer Firmenmeldung abgelöst durch Helmut Frankenberger. Oerlikon Solar verstärke damit seine Marktorientierung, um die jüngst lancierte Produktionslinie ThinFab zum kommerziellen Erfolg zu führen (siehe auch Solarmedia vom 19. Oktober 2010).

Damit der Übergang von einer technologie- zu einer geschäftsorientierten Ausrichtung gewährleistet ist, wurde Helmut Frankenberger per 1. Dezember zum CEO von Oerlikon Solar ernannt. Als Führungspersönlichkeit im Beschichtungs-, Vakuum- und Solargeschäft verfügt er über einen beeindruckenden Leistungsausweis: Von 2003 bis 2009 war er CEO von Leybold Optics und managte in dieser Zeit den Turnaround des Unternehmens mit einer wesentlichen Steigerung des Umsatzes und der Rentabilität. Jürg Henz, der seit 2008 für die Forschung und Entwicklung von Oerlikon Solar verantwortlich und seit November 2009 zusätzlich CEO des Segments war, hat das Unternehmen verlassen.

"Nach der beschleunigten Realisierung unserer technologischen Ziele ist es nun von höchster Bedeutung, das Marktpotenzial unserer kostenmässig wettbewerbsfähigen und umweltfreundlichen Produktionslinie ThinFab voll auszuschöpfen", sagte Konzern CEO Buscher. "Die Hauptaufgabe von Helmut Frankenberger wird sein, Oerlikon Solar im anspruchsvollen weltweiten Solarmarkt erfolgreich zu positionieren." Helmut Frankenberger (53 Jahre, deutscher Staatsbürger) weist über 25 Jahre Branchenerfahrung auf und war in verschiedenen internationalen Führungspositionen ausserordentlich erfolgreich. Als CEO von Leybold Optics initiierte und leitete er die Photovoltaik-Strategie, die das rentable Wachstum des Unternehmens förderte. Dabei trug er aktiv zur Entwicklung und Markteinführung von Anlagen für Dünnschichtsilizium-Solaranwendungen sowie schlüsselfertigen Lösungen bei, was auch für CIGS- und kristalline Solarzellenausrüstungen gilt.

Vor seiner Funktion als CEO von Leybold Optics war er in unterschiedlichen Führungspositionen unter anderem bei Applied Films Cooperation, Oerlikon Bührle, Balzers Process Systems, Leybold Technology, Nippon Leybold und Leybold Heraeus tätig. Im Laufe seiner beruflichen Karriere hat er auch in Japan und den USA gelebt. Helmut Frankenberger hat ein Studium der Elektrotechnik an der FH Rüsselsheim, Deutschland, abgeschlossen. "Mit seinen herausragengen Fähigkeiten in den Bereichen Geschäftsentwicklung und Vertrieb, seinem technischen Hintergrund sowie seiner internationalen Erfahrung in Führungspositionen ist unser neuer Solar CEO bestens geeignet, die bevorstehenden Herausforderungen unseres Solargeschäfts erfolgreich zu meistern", fügte Konzern CEO Buscher hinzu.

Eine andere Frage ist - und dazu lässt die Unternehmensmitteilung nichts verlauten - wo Oerlikon Solar denn nun steht mit der Entwicklung und Vermarktung der ThinFab-Anlage (siehe Firmenbild). Bis Ende Jahr wurde deren Inbetriebnahme versprochen, womit die Produktionskosten von Dünnschichtmodulen auf Siliciumbasis - aber unter wesentlich geringerem Verbrauch des teuren Rohstoffs - deutlich gesenkt werden sollen. Der schnelle Wechsel an der Unternehmensspitze lässt nicht nur Gutes vermuten. Die Börse reagierte im frühen Montagshandel verhalten und notierte den Titel der Muttergesellschaft OC Oerlikon gegenüber der Vorwoche praktisch unverändert.

© Solarmedia
/ Quelle: Oerlikon Solar

Sonntag, 28. November 2010

Solarenergie ist gut fürs Klima

Yingli Green Energy (Baoding, China), eines der weltweit größten vertikal integrierten Photovoltaik-Unternehmen, das seine Produkte unter der Marke Yingli Solar vertreibt, spricht sich in einer Pressemitteilung für die Initiative SolarCOP16 aus. Andere Solarkonzerne halten sich mit politischen Verlautbarungen deutlicher zurück.

Als Mitglied der Veranstalter EPIA (European Photovoltaic Industry Association) und SEIA (Solar Energy Industries Association) weist der Photovoltaik-Hersteller damit auf die Bedeutung und Nachhaltigkeit der Solarenergie hin. Die SolarCOP16 findet vom 29. November bis zum 10. Dezember 2010 im Rahmen der 16. UN-Klimakonferenz statt, auf der Repräsentanten aus rund 170 Ländern ein rechtlich verbindliches Nachfolgeabkommen für das 2012 auslaufende Kyoto-Protokoll entwickeln sollen. Im Zuge der SolarCOP16 kommen Vertreter aus Politik und Wirtschaft im mexikanischen Cancún zusammen, um sich gemeinsam für eine saubere Umwelt mit Hilfe von Solarenergie einzusetzen (siehe auch Solarmedia vom 26. November 2010).

Energieexperten gehen teils mit hohen Erwartungen in die Konferenz und hoffen, dass die Regierungen weiterhin Impulse setzen und die Ausdehnung von Solarenergie unterstützen. Mithilfe von nachhaltigkeitsorientierten Zielsetzungen der Politik könnte bis 2020 Solarstrom aus einer installierten Photovoltaik-Kapazität von 700 Gigawatt (GW) produziert und damit die Schadstoffbelastung um 570 Tonnen gesenkt werden, heißt es in der Pressemitteilung. Die Sonne sei eine besondere Energiequelle, mit der die wachsende Nachfrage nach Strom gedeckt, CO2-Emissionen reduziert und die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen vermindert werden könnten.

Die chinesische Yingli Green Energy, eine der weltgrössten Modulproduzentinnen, begrüßt die SolarCOP16 Initiative. "Die Solar-Technologien, die heute verfügbar sind, liefern saubere Energie zu attraktiven Preisen. Eines unserer Ziele bei Yingli ist es, die Kosten für Photovoltaik-Module weiterhin zu senken, um Solarstrom so kosteneffizient wie herkömmliche Energien produzieren zu können. Auf diese Weise werden wir Energieunternehmen in naher Zukunft eine echte Alternative zu Energien aus fossilen Brennstoffen bieten können", sagt Stuart Brannigan, Geschäftsführer von Yingli Green Energy Europe. Solarenergie kann auf dem Weg in eine schadstoffarme Zukunft bereits heute einen wichtigen Beitrag leisten. Dafür setzen sich Yingli Green Energy gemäss eigenen Aussagen und die Teilnehmer der SolarCOP16 ein.

Informationen zur SolarCOP16 unter www.solarcop16.org.

© Solarmedia
/ Quelle: Yingli Solar Energy

Samstag, 27. November 2010

Solarfirmen-News der Woche 47

Jetzt steigt der Schweizer Baustoffkonzern Sika ins Solargeschäft ein, mit einem schillernden Partner - Auch das gibt es: Streik in einer Solarfirma - Eine der grössten Solarfirmen legt bei Umsatz und Gewinn zu, doch der Aktienkurs fällt - Italien hat jetzt die europaweit grösste PV-Anlage, erstellt von einer US-Firma - Zwischenbericht eines der ganz grossen Solarkonzerne, mit erstaunlichen Zahlen.

Solyndra, Inc. (Fremont, Kalifornien),
Hersteller von zylindrischen Photovoltaik-Systemen für große industrielle und kommerzielle Flachdächer, kündigte eine mehrjährige Vertriebsvereinbarung mit der Sika Services AG an, einem Hersteller von Bedachungsmaterialien mit Sitz in Baar in der Schweiz. Beide Unternehmen wollen gemeinsam den Absatz hoch reflektiver Bedachungsprodukte von Sika zusammen mit den PV-Systemen von Solyndra für leicht geneigte oder flache Dächer vorantreiben. Quelle: Solarserver


Beim Thalheimer Solarkonzern Q-Cells droht weiterhin ein Arbeitskampf. Beim Tochterunternehmen Solibro wollen Beschäftigte Anfang Dezember zum zweiten Mal in einen Warnstreik treten, kündigte die Gewerkschaft IG Metall an. Das Unternehmen weist die Forderung nach einem eigenen Tarifvertrag zurück. Solibro stellt Dünnschichtsolarzellen her. Quelle: Ecoreporter

Der chinesische Solarmodul-Produzent Suntech Power hat seine Quartalszahlen vorgelegt. Im dritten Quartal 2010 ist der Umsatz auf 743,7 Mio. US-Dollar gestiegen. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht diese einer Verbesserung um rund 57 Prozent. Das Nettoeinkommen im abgelaufenen Quartal konnte gegenüber dem 3. Quartal 2009 um knapp 10 Prozent auf 33,2 Mio. US-Dollar verbessert werden. Dies entspricht einem Nettogewinn in Höhe von 18 US-Cent. Analysten hätten allerdings mit einem Gewinn von 23 US-Cent gerechnet. Diese Erwartung spiegelte sich dann im Aktienkurs von Suntech Power wider. Der Titel verlor um über 9 Prozent auf 5,64 Euro.

SunEdison (Beltsville, Maryland, USA), ein weltweit führender Solar-Dienstleister und Tochterunternehmen der MEMC Electronic Materials, hat in der Nähe der nordostitalienischen Stadt Rovigo ein Photovoltaik-Kraftwerk mit einer Nennleistung von 70 Megawatt (MW) in Betrieb genommen. Es ist das größte eigenständige Photovoltaik-Kraftwerk Europas und wurde innerhalb von neun Monaten fertig gestellt und an das Netz gebracht. Die PV-Anlage in Rovigo wurde von First Reserve im Rahmen einer zuvor bekannt gewordenen Kooperation zwischen der First Reserve Corporation und SunEdison gekauft. Sie soll während ihrer Laufzeit bedeutende Vorteile für die Umwelt bringen. Allein im ersten Jahr werde voraussichtlich genug Solarstrom produziert, um 16.500 Haushalte zu versorgen und über 40.000 Tonnen CO2 einzusparen - das entspreche den Abgasen von 8.000 Autos. Quelle: Solarserver

Sharp kann im ersten Geschäftshalbjahr 2010 (April bis September) das Solarbusiness kräftig ausbauen. Mit einem Umsatz 1,55 Mrd. US $ erzielt die Solarsparte des Unternehmens ein Plus von 50,7 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Damit wächst auch der Anteil an Sharps Gesamtumsatz auf 8,6 Prozent. 579 Megawatt Solarzellen hat Sharp im ersten Geschäftshalbjahr auf den weltweiten Markt gebracht – bis Ende des Geschäftsjahres Ende März 2011 rechnet das Unternehmen mit einer Summe von 1.300 Megawatt. Quelle: ee-news.ch

© Solarmedia

Freitag, 26. November 2010

PV-Branche gegen Klimawandel

Die Photovoltaik-Branche setzt sich weltweit verstärkt gegen Klimawandel und für Wirtschaftswachstum ein. Das Solar-Bündnis aus über 40 führenden internationalen Organisationen will mit einer Stimme sprechen, um das unmittelbare Potenzial der solaren Entwicklung darzustellen, um Treibhausgase zu vermeiden, den Klimawandel zu bekämpfen, Arbeitsplätze zu schaffen und die Wirtschaft anzukurbeln.

Die weltweite Photovoltaik-Branche bündelt ihre Kräfte und nimmt an der UN-Klimakonferenz in Cancun (COP16) vom 29. November bis 10. Dezember 2010 teil. "Die Sonne bietet uns heute eine einzigartige Möglichkeit der weltweiten Stromerzeugung. Sie ermöglicht die Reduktion der Treibhausgasemissionen, trägt Verantwortung für die Gesellschaft, schafft Arbeitsplätze und unterstützt eine nachhaltige Entwicklung vor Ort", sagt Adel El Gammal, Generalsekretär des europäischen Photovoltaik-Industrieverbandes (European Photovoltaic Industry Association, EPIA). "Die Regierungsvertreter sollten in Cancun für einen Wechsel von fossilen Energieträgern zur Solarenergie eintreten. Auf diese Weise können Entwicklungsländer ihre Abhängigkeit von fossilen Energieträgern überwinden und auf eine saubere und unbegrenzte Energiequelle zurückgreifen, die auch Menschen in ländlichen Gegenden einfach mit Strom versorgen kann."

"Die Entwicklung von Technologien zur Nutzung der Solarenergie ist eine konkrete Maßnahme für unsere Staatsoberhäupter, um jetzt Schadstoffemissionen zu reduzieren", so Rhone Resch, Präsident des US-Solarbranchenverbandes (Solar Energy Industries Association, SEIA). "Mit den richtigen Gesetzen können unsere Staatschefs schnell eine Solarpolitik umsetzen, welche die CO2-Emissionen von umgerechnet 110 Millionen Autos verhindert."

Auf der Klimakonferenz veröffentlicht die Gruppe ihre Neuauflage des Berichts "Seizing the Solar Solution: Combating Climate Change through accelerated deployment". Er zeigt die weltweiten Ziele für die Solartechnologien auf: Bis 2020 soll eine Gesamtleistung von 700 GW aus Photovoltaik-Anlagen und 280 GW aus solarthermischen Anlagen erreicht werden - was gemäss Berechnungen von Solarmedia den Kapazitäten von mindestens 70 respektive 50 grossen Atomkraftwerken entspricht.

Im Vorfeld des UN-Gipfels wurde eine Online-Petition gestartet, die Hunderte Menschen aus der ganzen Welt bereits unterschrieben haben (Hier können auch Sie unterschreiben). Nach der Konferenz soll sie an die wichtigsten Staatschefs geschickt werden. Die sollen dann die Entscheidungen treffen, die das künftige Wohl unserer Welt und der Bevölkerung bestimmen. Zusammen mit der Petition und der Unterschriftenliste erhalten sie eine solarbetriebene tanzende Blume, damit sie an die Kraft der Sonne erinnert werden. Die Erlöse aus dem Verkauf dieser Solarblumen gehen an Solar Solidarity, eine nichtstaatliche Organisation, die sich für Erneuerbare-Energien-Projekte, insbesondere Solarprojekte, in Entwicklungsländern einsetzt.

Mehr Information unter www.solarcop16.org

© Solarmedia
/ Quelle: European Photovoltaic Industry Association | solarserver.de

Donnerstag, 25. November 2010

Sharp gegen Cadmium-Einsatz

Das Hickhack innerhalb der Solarbranche um den Einsatz des Schwermetalls Cadmium geht weiter. Nachdem das Europäische Parlament am Vortag beschlossen hatte, Cadmium vorderhand von einem Verwendungsverbot auszunehmen (siehe Solarmedia vom 24. November 2010), weist nun Sharp darauf hin, dass es auch bei der Produktion von Dünnfilmmodulen anders geht - im Folgenden deren Firmenmitteilung im Wortlaut.

Die RoHS-Richtlinie (“Restriction of the Use of Certain Hazardous Substances in Electrical Equipment”) begrenzt den Einsatz von gefährlichen Substanzen in allen Elektro- und Elektronikgeräten. Ausgenommen von dieser EU-Umweltvorschrift sind Technologien für erneuerbare Energien. Auch die aktuelle Novellierung der Richtlinie behält die Ausnahmeregelung für Photovoltaikprodukte bei. In der Solarsparte setzt Sharp die Regularien nun auf freiwilliger Basis um: Alle Produkte der Dünnschichtserie erfüllen die RoHS-Kriterien. Bis Anfang 2012 sollen auch Sharps kristalline Photovoltaikmodule der Richtlinie entsprechen (das Bild zeigt neu eröffnete grosse Produktionsfirma für Dünnfilmmodule).

Sharp entwickelt bereits seit 1980 die Ressourcen schonende Silizium- Dünnschichttechnologie, die ohne Umwelt belastende Materialien auskommt. „Mit unserem Umweltengagement wollen wir weltweit eine Vorbildfunktion einnehmen“, so Peter Thiele, Executive Vice President Sharp Energy Solution Europe (SESE). „Bezogen auf unsere Solaraktivitäten bedeutet das nicht nur, dass wir die Nutzung der Solarenergie weltweit stark vorantreiben. Ebenso müssen die Produkte selbst hohe Umweltstandards erfüllen. Wenn effiziente Dünnschichtmodule ohne Schwermetalle produziert werden können, ist es für uns selbstverständlich, das auch zu tun.“

Die Erfüllung der RoHS Kriterien bei der Dünnschicht-Serie ist für Sharp ein wichtiger Schritt mit Signalwirkung: „Damit beweisen wir, dass die effiziente und kostengünstige Produktion von PV-Modulen auf umweltfreundlicher Basis möglich ist“, so Peter Thiele weiter. „Je stärker wir die Solartechnologie etablieren und je mehr Solaranlagen weltweit installiert werden, umso intensiver muss sich die Branche für die Umweltverträglichkeit jedes einzelnen Moduls einsetzen.“

Die Vermeidung gefährlicher Materialien ist bei Sharp fest in die Umweltstrategie des Unternehmens eingebunden: Auf dem Weg zur „Environmentally Advanced Company“ hat Sharp Umweltschutz und Nachhaltigkeit fest in die Unternehmensziele verankert. Die Super Green Strategy umfasst die Herstellung von Energie sparenden und Energie erzeugenden Produkten in ökologisch fortschrittlichen Fabriken sowie ein verantwortungsbewusstes Recycling. Die Ergebnisse und Ziele des umweltstrategischen Handelns veröffentlicht Sharp in einem jährlichen Environmental and Social Report (Report 2010: http://www.sharp-world.com/corporate/eco/csr_report/index.html).

Quelle: Sharp

Erneuerbare stabilisieren Netze

Erneuerbare Energien können einen erheblichen Beitrag zur Stabilität der Stromnetze leisten. Das ist das Fazit der von der Deutschen Energie-Agentur vorgestellten «dena-Netzstudie II». Wenn die Ergebnisse auch nicht Eins zu Eins auf hiesige Verhältnisse zu übertragen sind, zeigen sie doch auch für die Schweiz, wo Probleme mit den Stromnetzen liegen und wie sie anzupacken sind.

Dietmar Schütz vom Bundesverband Erneuerbare Energien (BEE) in Deutschland meint zur Netzstudie: „Sie erkennt das Potenzial der Erneuerbaren, kurzfristig benötigte Energie bereitzustellen oder vorübergehende Netzengpässe auszugleichen.“ Gleichzeitig zeige die Untersuchung die Grenzen der Flexibilität konventioneller Großkraftwerke auf. In Zukunft würde so genannte Regelenergie zur Stabilisierung der Stromnetze nicht mehr nur aus konventionellen Kraftwerken kommen, sondern immer häufiger aus Erneuerbaren Energien, so Schütz. So lieferten beispielsweise Wind- und Sonnenenergie sowie speicherbare Bioenergie im Zusammenspiel als regeneratives Kombikraftwerk einen erheblichen Beitrag zu einer dauerhaften und sicheren Stromversorgung.

BEE-Geschäftsführer Björn Klusmann ergänzt: „Die variablen Einspeiseverläufe der Erneuerbaren können durch die optimale Kombination der jeweiligen Technologien schon heute ausgeglichen werden.“ Die Studie zeige jedoch, dass Instrumente, die in Zukunft das Zusammenspiel erneuerbarer Technologien fördern sollen (Stetigkeitsanreiz), an den Erfordernissen der Stromnetze ausgerichtet sein müssen und sich nicht allein am Börsenpreis orientieren dürfen, so Klusmann. „Das gilt insbesondere für die Förderung notwendiger Speichertechnologien.“

In diesem Zusammenhang wies Klusmann darauf hin, dass der erforderliche Ausbau der Stromnetze in Deutschland nicht allein den Erneuerbaren Energien zugeordnet werden könne. „Sowohl Standorte konventioneller Kraftwerke und deren Betriebsweise als auch der zunehmend europäische Stromhandel orientieren sich nicht an den Erfordernissen der Stromnetze – was jedoch dringend notwendig wäre“, sagte Klusmann.

Quelle: BEE Bundesverband Erneuerbare Energie e.V.

Mittwoch, 24. November 2010

Cadmium weiterhin erlaubt

Das EU-Parlament hat die Neuregelung der RoHS-Richtlinie beschlossen. Die Photovoltaik-Industrie darf weiter Cadmium einsetzen. Einer der Branchenleader, First Solar, produziert Solarmodule auf Cadmiumtellurid-Basis - dessen Giftigkeit seit langem umstritten ist (siehe auch Solarmedia vom 18. Mai 2010). Zu Ende geht damit auch eine erbitterte Schlacht der Lobbyisten.

Das EU-Parlament hat die Novelle der RoHS-Richtlinie gebilligt. Dieses Gesetz regelt den Einsatz von bestimmten gefährlichen Stoffen in Elektro- und Elektronikgeräte, die in der EU verkauft werden. Die Photovoltaik-Industrie bleibt von der Richtlinie weiterhin ausgenommen, wie die Abgeordneten in Straßburg nun endgültig entschieden. Das EU-Parlament votierte mit 640 Stimmen für die Annahme einer Vorlage des EU-Umweltausschusses zur RoHS-Novelle. Drei Abgeordnete stimmten dagegen, 12 enthielten sich der Stimme.

Die Vorlage nimmt auf Vorschlag des Abgeordneten Chris Davies weiterhin alle Erneuerbaren-Energien-Technologien in der neuen Regelung weiterhin aus. Damit können vor allem die beiden Unternehmen, First Solar - aus deren Produktion das Bild stammt - und Calyxo aufatmen, die Dünnschichtmodule auf Cadmiumtellurid-Basis herstellen. Die Existenz dieser Unternehmen wäre gefährdet gewesen, hätte die EU das Cadmium-Verbot der RoHS-Novelle auf die Solarbranche ausgeweitet. Die Richtlinie dürfe die Entwicklung von Technologien der erneuerbaren Energien nicht verhindern, da sie keine Gefahr für die Umwelt darstellten, hieß es in dem Amendment von Davis. Die RoHS-Novelle sollte im Einklang mit den Klimazielen der EU stehen und die Entwicklung von nachhaltigen, wirtschaftlich entwicklungsfähigen Energieformen weiterhin ermöglichen. Die Neufassung der RoHS-Richtlinie muss nun noch formell vom Europäischen Rat verabschiedet werden. Diese Zustimmung gilt als sehr wahrscheinlich.

Im Vorfeld der Entscheidung gab es ein reges Treiben der Lobbyisten in Brüssel. Die „Non Toxic Solar Alliance“ (NTSA) war massiv für die Ausweitung des Cadmium-Verbots auf die Photovoltaik-Industrie eingetreten. Lobbycontrol hat die Aktivitäten der NTSA genauer beleuchtet und ein Dossier dazu veröffentlicht. Es zeigt, dass die Initiative von der Berliner Lobbyagentur Bohnen Kallmorgen und Partner gegründet und gesteuert wurde. Nach außen versuchte sich die NTSA als gemeinnützige Initiative aus Wissenschaftlern, Solarunternehmern und Zivilgesellschaft darzustellen. Lobbycontrol hat versucht die Hintergründe zu recherchieren. Dabei stellte die Initaitive für Transparenz und Demokratie fest, dass die Finanzierung der NTSA völlig schleierhaft sei genauso wie die Auftraggeber der Kampagne. Die NTSA, die im Dezember 2009 von Mitarbeitern der Berliner Lobbyagentur gegründet worden war, hatte seit Monaten bei EU-Parlamentariern für eine Ausweitung der RoHS-Novelle auf die Photovoltaik-Industrie geworben. Dabei wurden auch immer wieder verschiedene Studien in Auftrag gegeben, die die Gefährlichkeit von Cadmium für die Gesundheit von Menschen nachwiesen. Die NTSA sei in Brüssel allerdings aufgetreten „wie eine Lobbyorganisation, die unter dem Deckmantel einer zivilgesellschaftlichen Initiative die Interessen von Teilen der Solarindustrie vertritt oder vertreten will – möglicherweise mit dem Ziel, ungeliebte, weil günstig produzierende Konkurrenz loszuwerden“, heißt es im Dossier von Lobbycontrol.

Daher wurde auch immer wieder eine Nähe zu den großen Herstellern kristalliner Photovoltaik-Produkte vermutet. Diesen kann Lobbycontrol allerdings nicht wirklich nachweisen. Die NTSA selbst dementierte immer wieder Berichte, dass sie von großen Solarunternehmen finanziert wird. Nach Angaben von Lobbycontrol halten sich aber hartnäckig zwei Gerüchte über die Geldgeber im Hintergrund. Zum einen, Frank Asbeck, Gründer und Vorstandsvorsitzender der Solarworld AG, finanziere die NTSA aus seinem Privatvermögen. Dies wurde vom Bonner Konzern auf Anfrage von Lobbycontrol dementiert. Zum anderen werde ein Hedgefonds hinter der NTSA vermutet. „Dieser wette auf den Aktienverfall der Firma First Solar. Um ihren Kursverfall an der Börse in Gang zu bringen, habe man die NTSA ins Leben gerufen oder unterstütze sie zumindest“, heißt es im Dossier weiter. First Solar hat immer gezielte Angriffe der Wettbewerber auf die kostengünstige Dünnschicht-Konkurrenz hinter den NTSA-Aktionen vermutet. First Solar war es im vergangenen Jahr gelungen, die Produktionskosten für seine Dünnschichtmodule unter die Grenze von einem Dollar pro Watt Leistung zu senken. Damit hat die Dünnschicht-Technologie einen großen Preisvorteil gegenüber der Herstellung kristalliner Solarzellen und Module.

Für die Argumentation der Ungefährlichkeit von Cadmiumtellurid-Modulen verweist First Solar auf gegengeprüfte Studien des Brookhaven National Laboratory. Außerdem verweist der US-Konzern auf sein umfassendes Recyclingprogramm, dass sicherstellt, dass kein Cadmium in die Umwelt gelangt. Die Börsen haben vorderhand auf die gute Nachricht für First Solar nicht reagiert - die Aktie hatte zuletzt um rund 15 Prozent innerhalb weniger Wochen nachgegeben, machte diese Verluste nach Bekanntgabe des Entscheids des EU-Parlaments aber nicht wett. Auch First Solar unterliegt offenbar der aktuell miserablen Einschätzung der Solarbranche an den Weltbörsen - denn erwartet wird ein weiterer Preisverfall bei den Modulen und damit eine Erosion der Gewinne und Margen der gesamten Branche.

© Solarmedia
/ Quelle: Photovoltaik

Sonnenkollektoren für China

Erst kürzlich sorgte die österreichische Xolar für Schlagzeilen dank der Entwicklung von Sonnenkollektoren aus Kunststoff (siehe Solarmedia vom 22. November 2010). Nun meldet das Unternehmen den erstaunlichen Einstieg in China - mit Kollektoren, die als Balkongeländer bei Hochhäusern dienen. China ist der weltgrösste Solarthermiemarkt mit vielen eigenen Produzenten.

Die Xolar Group (Eberstallzell, Oberösterreich), sieht sich als führenden Komplettanbieter von Solaranlagen für Wärme und Strom in Österreich (Bild zeigt die firmeneigene Solaranlage). Nun schafft sie den Markteinstieg in China. Mit dem Conch-Konzern konnte Xolar den größten chinesischen Zement- und Kunststofffenster-Produzenten als Kunden gewinnen, berichtet die Xolar GmbH in einer Pressmitteilung. Die ersten Container mit Solarkollektoren zur Warmwasseraufbereitung und Heizungsunterstützung verließen das Werk in Eberstalzell mit Bestimmungsort Wuhu, einer 2 Millionen-Einwohner-Stadt in der chinesischen Provinz Anhui. Dort entsteht ein Hochhausprojekt mit mehreren Gebäuden, in denen jeweils 170 Wohnungen untergebracht sind.

"Wir punkten bei Conch mit Qualität und Entwicklungskompetenz", sagt Xolar-Eigentümer Herbert Huemer. In Kooperation mit dem Kunden wurde ein spezieller Solarkollektor kreiert, dessen Design und Funktion sich exakt an die Markterfordernisse in China anpassen. Die Xolar-Techniker überzeugten auch durch Schnelligkeit: Der Zeitraum von der Anfrage bis zur Serienproduktion betrug lediglich sechs Wochen. Die Kollektoren werden bei diesem Projekt als Balkongeländer eingesetzt. Sie liefern Warmwasser, dienen als Balkonbrüstung und haben ein ansprechendes Design. "Bei diesem Wohnbauprojekt hat jede Wohnung ihre kleine Solaranlage mit einem Speicher auf dem Balkon. Die Anlage funktioniert mit Schwerkraft: Genützt wird das Prinzip, dass erwärmte Flüssigkeiten nach oben steigen. Umwälzpumpe und Steuerung entfallen dabei", erklärt Huemer.

China beherrscht den weltweiten Solarthermie-Markt. Sein Produktionsvolumen beträgt drei Viertel des Weltmarktes. Dass die Chinesen der Sonnenenergie große Bedeutung beimessen, zeigt der rasche Anstieg an Sonnenkollektor-Flächen: Seit 2005 verdoppelte sich die installierte Gesamtfläche beinahe - und zwar von 80 Millionen auf 150 Millionen Quadratmeter im laufenden Jahr. Bis zum Jahr 2020 wird eine erneute Verdoppelung prognostiziert: Rund 300 Millionen Quadratmeter an verlegten Solarkollektoren könnten dann eine thermische Leistung von 210 Gigawatt (GWth) erbringen.

Allerdings handle es sich beim Großteil der chinesischen Solaranlagen um Billigsysteme mit weniger leistungsfähigen Vakuumkollektoren, berichtet Xolar. Doch das Qualitätsbewusstsein im Land nehme stetig zu. Inzwischen seien auch hochwertige Flachkollektoren gefragt. Damit steigen die Chancen ausländischer Unternehmen. Xolar sei es nun gelungen, an die Wachstumslokomotive China anzudocken.

© Solarmedia
/ Quelle: Xolar GmbH

Solar-Grossmacht Saudi-Arabien

Das Königreich Saudi-Arabien ist vor allem bekannt als der weltgrößte Lieferant von Rohöl. Dieses einseitige Bild könnte bald eine neue Facette bekommen, berichtet die Berliner Managementberatung Apricum. Saudi-Arabien will sich als Solarstromproduzent im Gigawatt-Maßstab und wichtigster Produktionsstandort für Solartechnologie in der MENA-Region positionieren.

2 MW-Solarstromanlage auf dem Dach der King Abdullah University of Science and Technology - neben der grossflächigen solarthermischen Stromerzeugung entstehen in Saudi-Arabien auch photovoltaische Anlagen.






Im Oktober veranstaltete Saudi-Arabiens größtes Ölunternehmen, Saudi Aramco, an seinem Stammsitz in Dhahran das "Saudi Solar Energy Forum", an dem knapp 300 Vertreter führender saudischer Unternehmen, Forschungseinrichtungen und staatlicher Organisationen sowie Solar-Firmen aus Europa, den USA und Asien teilnahmen. Apricum unterstützte Saudi Aramco bei der Konzeption und Gestaltung der Agenda. Im Mittelpunkt stand der Ideen- und Erfahrungsaustausch zur Entwicklung einer Solarindustrie in Saudi-Arabien. Die Teilnehmer diskutierten, welche aktuellen Fortschritte gemacht wurden, welche Hindernisse es zu bewältigen gilt, welche Strategien verfolgt werden sollten und welche Pläne es gibt. Viele der Teilnehmer äußerten ein reges Interesse daran, bald ins Solargeschäft einzusteigen bzw. ihre derzeitigen Aktivitäten in diesem Bereich zu intensivieren.

Saudi Aramco hat, genau wie einige andere saudische Großunternehmen, bereits eine eigene Solar-Roadmap aufgestellt. Derzeit wertet das Unternehmen Angebote für die Installation von solarthermischen Kraftwerken (CSP) und Photovoltaik-Pilotanlagen aus, die bereits 2011 gebaut werden sollen. Mithilfe dieser Pilotanlagen hofft Saudi Aramco, die Technologien zu identifizieren, die für die extremen Bedingungen auf der arabischen Halbinsel am besten geeignet sind. Im nächsten Schritt will der Konzern ab 2014 dann große Solarparks im Gigawattmaßstab realisieren.

Die Beweggründe für Saudi-Arabien sind offensichtlich, betont Apricum: Jedes Barrel Öl, das nicht zur nationalen Stromversorgung eingesetzt wird, kann auf dem Weltmarkt gewinnbringend verkauft werden. Die Menge, um die es geht, ist beachtlich: Gegenwärtig werden jedes Jahr rund 320 Millionen Barrel Rohöl in Saudi-Arabien wortwörtlich verbrannt, um Strom zu erzeugen. Das entspricht etwa zehn Prozent der jährlichen Ölproduktion des Landes. Bedenke man weiterhin, dass der Energiebedarf in Saudi-Arabien jedes Jahr um sechs Prozent steigt, sei das große Interesse an Alternativen für die nationale Energieversorgung nachvollziehbar.

Saudi Aramcos Engagement und das steigende Interesse anderer saudischer Unternehmen im Solarsektor sind wichtige Indizien dafür, dass in Saudi Arabien ein Paradigmenwechsel hin zu einer alternativen Energieerzeugung stattfindet. Die im April dieses Jahres gegründete King Abdullah City for Atomic and Renewable Energy (KA-CARE) fügt sich gut in dieses Bild ein. KA-CARE ist eine staatliche Institution mit dem Ziel, aktiv die Entwicklung der Solarenergie und anderer alternativer Energien voranzutreiben. Während der nächsten Monate wird erwartet, dass KA-CARE einen nationalen Energie-Masterplan vorlegen wird, der den gesetzlichen Rahmen für den heimischen Solarmarkt definiert.

Mit seinem überdurchschnittlich hohen und stetig steigenden Energiebedarf sowie großen Land- und Kapitalressourcen hat Saudi-Arabien das Potenzial, schon bald ein führender Solarmarkt zu werden. Apricum erwartet für das Jahr 2014 eine kumulierte installierte Leistung von 14 GW. Des Weiteren kann das Königreich führender Standort für die Solarproduktion in der MENA Region werden. Besonders für Aktivitäten zur Produktion von CSP und PV, wie die Herstellung von Polysilizium, Ingots und Wafern, ist der Standort attraktiv. Drei saudische Polysilizium-Produktionsprojekte mit einer Gesamtkapazität von 16.500 Tonnen sind derzeit in der Planung. Die Standortvorteile für die Solarproduktion in Saudi-Arabien sind offensichtlich - niedrige Kosten für Strom, Zugang zu Kapital und ein großer Wachstumsmarkt.

Quelle: Solarserver

Dienstag, 23. November 2010

Phänomenale Marktentwicklung

Die Basler Bank Sarasin ist bekannt für Ihre Solar-Expertise. Nun ist der neueste Bericht erschienen, der die rasante Entwicklung der Branche anschaulich macht. Im Folgenden der Pressetext in Orginalversion - er spricht für sich.

Die Solarwirtschaft zeigte sich in den vergangenen zwei Jahren erstaunlich krisenresistent. Zu diesem Schluss kommt die neue Nachhaltigkeitsstudie "Solarwirtschaft – unterwegs in neue Dimensionen" der Bank Sarasin. Mit Kostensenkungen und Effizienzsteigerungen erreicht die Photovoltaik (PV)-Industrie 2010 eine Zuwachsrate von 87% bei der neu installierten PV-Leistung. Bis 2015 kann von einem durchschnittlichen globalen Wachstum von 33% pro Jahr ausgegangen werden. Der starke Rückgang der Modulpreise hat sich jedoch in der Erfolgsrechnung und in der negativen Börsenentwicklung der Solarfirmen bemerkbar gemacht. So ist die Profitabilität der PV-Branche in den letzten Jahren deutlich gesunken. Ausserdem hat das rasante Wachstum der Solarindustrie zur Folge, dass die Vergütungssätze unter Druck geraten sind. Als attraktive Märkte gelten weiterhin Deutschland und Italien.

Momentan wird weltweit die 30-GW Marke an Solarstromleistung überschritten.
Damit können 10 Millionen Haushalte mit sauberem Strom versorgt werden. Positiv überrascht dieses Jahr in vielen Märkten die Menge an Neuinstallationen, die 13,8 GW erreicht. Global prognostiziert die Bank Sarasin in ihrer neuen Nachhaltigkeitsstudie bis 2015 ein durchschnittliches jährliches Wachstum von 33%. Die Wachstumsraten der einzelnen Länder und Jahre variieren jedoch sehr stark. Mehrere Märkte erreichen in den kommenden zwei Jahren als neue Zugpferde eine Grösse von über 500MW neu installierter PV-Leistung pro Jahr. Dies sind Länder wie Frankreich, Italien, Spanien, USA, Kanada, China, Indien und Japan. Tendenziell werden die sonnenreichen, nicht-europäischen Märkte bis 2020 schneller wachsen, da sie noch einen umfangreichen Nachholbedarf im Bereich Solarstrom haben.

Durch die für 2011 angekündigten weiteren Vergütungsreduktionen nimmt der Preisdruck wieder deutlich zu. Es ist deshalb mit Preissenkungen von rund 10 bis 20% pro Jahr zu rechnen. Der Preisverfall führte zu einem Margendruck, allerdings nicht bei allen Zellen- und Modulherstellern in gleichem Masse. Grafik 1 zeigt die Entwicklung der Gewinnmarge von sechs wichtigen Solarunternehmen für die Periode 2006 bis 2012. Die Gründe für die Veränderung liegen im rasanten Anstieg der Anzahl Anbieter und dem Ausbau der Produktionskapazitäten. Dadurch entwickelt sich die PV-Industrie rasch zu einer reifen Industrie mit kompetitiver Massenproduktion. Dies bestätigen auch die heutigen Börsenbewertungen, welche auf das Niveau ausgereifter Industrien wie die Halbleiter- und Elektronikindustrie gesunken sind.

Italien und Deutschland zählen weiterhin zu den attraktivsten Märkten – sowohl für PV-Aufdachanlagen wie auch für Freiflächenanlagen (siehe Grafik 2). Italien ist 2009 mit 720MW neuer Leistung zum zweitgrössten PV-Markt Europas aufgestiegen. Dieses Jahr werden 1,35 GW neu installiert werden. Deutschland erlebt dieses Jahr erneut ein Boomjahr. Bis Ende 2010 werden voraussichtlich 6,9 GW an neuer PV-Leistung installiert werden. 2009 lagen die Neuinstallationen bei 3,8GW. Nebst den etablierten Märkten gibt es verheissungsvolle PV-Märkte wie Brasilien, Indonesien, Südafrika, Thailand, die Türkei und weitere Entwicklungs- und Schwellenländer, die ein riesiges Potenzial für Solarstrom aufweisen. Diese Länder haben einen hohen Bedarf an günstigen Kompaktanlagen für Strom und Licht. Diese netzunabhängigen PV-Systeme (solar home systems, SHS) werden für die ländliche Bevölkerung bald erschwinglich.

Mit der Grösse und den zunehmenden Kosten, welche die Einspeisetarife für Solarstrom verursachen, wird die Kritik seitens Politik und Verbraucherschutz immer lauter. Mit stärkeren Absenkungen bei den Freiflächenanlagen oder zusätzlichen Boni für gebäudeintegrierte Lösungen setzt die Politik klare Signale. Im laufenden Jahr haben viele Regierungen bereits Anpassungen bei den nationalen PV-Förderprogrammen vorgenommen und umgesetzt, sowie weitere Senkungen für 2011 angekündigt. Dies betrifft wichtige Märkte wie die Tschechische Republik, Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien.

Die drei Technologien der Solarenergie kurz erklärt:
* Photovoltaik (PV): Erzeugung von elektrischem Strom aus Sonnenenergie. In Solarzellen, meist aus Silizium, werden mit Hilfe von Licht Ladungsträger freigesetzt (Photoeffekt) und so direkt Strom erzeugt, der in Akkus gespeichert oder ins öffentliche Stromnetz eingespeist werden kann.
* Solarkollektoren: In einer thermischen Solaranlage werden schwarz beschichtete Absorber in den Kollektoren von den Sonnenstrahlen erwärmt. Diese Wärme wird in einem Solarspeicher gesammelt und in die Sanitär- und Heizungsinstallation im Haus eingespeist.
* Solarthermische Kraftwerke (Concentrating Solar Power, CSP): Solarthermische Kraftwerke nutzen die in Wärme umgewandelte Sonnenstrahlung zur Stromerzeugung. Mit Hilfe von Spiegeln wird das Sonnenlicht gebündelt und die gewonnene Wärmeenergie an einen Dampfkreislauf abgegeben. Wie bei konventionellen Kraftwerken wird der Dampf in einer Turbine zur Stromgewinnung genutzt.

2010 wird der Anteil der Dünnschichtmodule an den insgesamt produzierten Solarzellen bei 18% liegen. Bis 2012 wird sich dieser Anteil auf 30% erhöhen und somit deutlich schneller als der Markt wachsen. Innerhalb der Dünnschicht wird die Kupfer-Indium-Gallium-Diselenid (CIGS)-Technologie mit jährlich rund 100% Wachstum überdurchschnittlich zulegen.

Solarthermische Kraftwerke (CSP)
erreichen dieses und letztes Jahr einen Zubau von 1,35GW an neuer zentraler Stromerzeugung. Letztes Jahr gingen acht Kraftwerke mit einer Gesamtleistung von 350MW in Betrieb. Je ein Kraftwerk entstand in Algerien, Italien und Mexiko, die restlichen in Spanien. In diesem Jahr sollen rund 18 Kraftwerke mit einer Leistung von rund 1000MW fertig gestellt werden. Solarthermische Kraftwerke sind kapitalintensive Projekte und auch die Lieferkette benötigt eine teure Infrastruktur. Deshalb steigen vermehrt finanzstarke Unternehmen wie Chevron, Alstom, Areva und Siemens ein. Die CSP-Branche besitzt einen ambitionierten Kostensenkungspfad. Zudem kann solarthermischer Strom (STE) aufgrund seiner Speicherfähigkeit und Regelbarkeit (Dispatchability) sowie des möglichen Einsatzes in Hybridkraftwerken eine höhere "Stromqualität" für die Stromversorger anbieten.

2009 erreichte die neu installierte PV-Leistung in der Schweiz 25,7MW. Dies entspricht einer Steigerung von 120% gegenüber 2008. Pro Einwohner ist dies jedoch immer noch 15 Mal weniger als in Deutschland. Die kumulierte Solarstromleistung betrug Ende letzten Jahres 73,6MW. Demgegenüber beträgt die installierte Solarwärmeleistung in der Schweiz 462MWth. Dies entspricht einem Wachstum von 48% gegenüber dem Vorjahr. Damit stieg die Zubaurate nun das fünfte Jahr in Folge kontinuierlich an. Die Vorzeichen für einen weiter wachsenden Schweizer Solarmarkt stehen gut. Die Photovoltaik wird nächstes Jahr die Mehrkosten von 50 Rp/kWh unterschreiten und deshalb ein grösseres Kontingent aus der kostendeckenden Einspeisevergütung (KEV) erhalten. Für Solarwärme gibt es mittlerweile in allen Kantonen Förderbeiträge.

Die Studie "Solarwirtschaft – unterwegs in neue Dimensionen" der Bank Sarasin (Autor: Dr.Matthias Fawer) vergleicht und bewertet die Aussichten der Technologien, Märkte und Industrien im Bereich der Solarenergie respektive der drei Anwendungsgebiete Photovoltaik (PV), Solarthermie und solarthermische Kraftwerke (CSP). Die Studie ist als Druckexemplar in deutscher und englischer Sprache gegen eine Schutzgebühr von CHF 150 respektive EUR 110 (für Kunden und Medien gratis) erhältlich bei: gabriela.pace@sarasin.ch.

Quelle: Bank Sarasin

Montag, 22. November 2010

Sonnenkollektoren aus Plastik

Die Xolar Group, Komplettanbieter von Solaranlagen für Wärme und Strom, beteiligt sich im Verbund mit anderen an einer herausfordernden Forschungsarbeit der Johannes Kepler Universität Linz (JKU): Künftig sollen Kollektoren für Solarthermie aus Kunststoff statt aus metallischen Materialien wie Aluminium und Kupfer hergestellt werden.

Sonnenkollektoren könnten damit um 25 Prozent preiswerter und die Anschaffung für mehr Menschen erschwinglich werden. Entwicklungstechniker beschäftigen sich mit einem zukunftsweisenden Thema: Im Bereich der Solarthermie – jener Solartechnik für die Warmwasseraufbereitung und Heizungsunterstützung – forschen sie mit Netzwerkpartnern an der Entwicklung von Kunststoff-Kollektoren, wobei die Fäden bei den Wissenschaftern der Johannes Kepler Universität Linz zusammenlaufen.

Xolar Group is headquartered in Eberstalzell, Austria where it has constructed the most modern solar thermal manufacturing facility in the world on a 40,000 m2 site. The facility has a total capacity of 1.5 million m2 of collectors per annum – the equivalent of 1.1 GW, representing a saving of more than a 1,000,000 tons of CO2 every year. Xolar currently employs around 200 people.

„Unser Ziel ist, Konzepte zu entwickeln, um Sonnenwärme bei gleicher Leistungsfähigkeit noch günstiger gewinnen zu können“, sagt Xolar-Eigentümer Herbert Huemer. Das erhöht die Chancen der erneuerbare Energien, sich stärker als bisher am Markt durchzusetzen, was wiederum einen Beitrag zur Reduktion der Treibhausgas-Emissionen leisten würde. Beim Bau thermischer Kollektoren kommen heute vorwiegend metallische Materialien wie Aluminium und Kupfer zum Tragen, da diese Werkstoffe besonders wärmeleitfähig sind. Die Produktion ist aufwändig und dementsprechend kostenintensiv. Eine Umstellung der Kollektorfertigung auf Kunststoff, so genannte Polymere, würde eine radikale Änderung in der Herstellung bedeuten – das bedarf sorgfältiger Entwicklungsarbeit.

Nun geht es darum, die optimalen Kunststoffe auszuwählen und die dazu nötigen richtigen Produktionsverfahren zu entwickeln, damit langlebige Sonnenkollektoren auch für den Großanlagenbereich erzeugt werden können. Auch die gesamte Systemtechnik gilt es weiterzuentwickeln. Und die günstigen Kunststoffe müssen für den Kollektoreinsatz auf ein höheres Temperaturniveau gebracht werden. Mit Kunststoff-Kollektoren ist die Erzeugung von Solarwärme noch wirtschaftlicher. Die Preise für den Endverbraucher könnten sich um 25 Prozent reduzieren. Nach Huemers Einschätzung werde es voraussichtlich in drei bis vier Jahren die ersten marktreifen, langlebigen Kunststoff-Kollektoren am Markt geben.

Das mit mehr als fünf Millionen Euro dotierte Projekt SolPol – „Solarthermische Systeme aus Polymerwerkstoffen“ – wird vom Vorstand des Instituts für Polymerwerkstoffe und Prüfung der JKU, Prof. Reinhold W. Lang, koordiniert. Xolar ist Mitglied des Projektkonsortiums, bestehend aus neun wissenschaftlichen und zehn Unternehmenspartnern. „Die Zukunft der Energiegewinnung gehört der Sonne, denn Sonnenwärme ist gratis“, sagt Huemer. Das Kollektorsystem zur Gewinnung von Sonnenenergie müsse möglichst kostenoptimiert sein. Xolar arbeitet an diesen Zukunftskonzepten an vorderster Front mit.

Quellen: Sonnenseite / oekonews.at | holler 2010

Auf dem Weg zur Farbstoffzelle

Dyesol Limited und Umicore AG & Co. KG haben eine Absichtserklärung unterzeichnet und Verhandlungen über die Gründung eines geschäftlichen Bündnisses aufgenommen. Dabei geht es um die Entwicklung, Herstellung und Vermarktung qualitativ hochwertiger Farbstoffe auf Rutheniumbasis im industriellen Maßstab sowie anderer potentiell relevanter Chemieprodukte auf Metallgrundlage für den globalen DSC-Markt.

Dies ist gemäss Firmenangaben der nächste Schritt in Dyesols Strategie, Partnerschaften mit globalen Unternehmen zur kommerziellen Vermarktung der DSC-Technologie einzugehen (das Bild zeigt eine frühe Dyesol-Farbstoffzelle). Darüber hinaus steht dies im Einklang mit Umicores Ausrichtung auf die Lieferung metallhaltiger Werkstoffe und Lösungen zur Erzeugung grüner Energie. Umicore ist mit Umsätzen in Höhe von 1,7 Mrd. Euro im Jahr 2009 (6,9 Mrd. Euro bei Einbeziehung des Handels mit Metallen) eine globale Materialtechnik-Gruppe und ein weltweiter Führer in der Edelmetallchemie. Dyesol ist global führend in der DSC-Technik. Ihrem Umfang nach wird sich die Zusammenarbeit auf gemeinsames Marketing, Forschung und Entwicklung, Produktion in kommerzieller Größenordnung sowie die Lieferung und Rückgewinnung von Metallen erstrecken. In der Absichtserklärung nimmt sich die Unterzeichnung eines definitiven Vertrages bis Ende des Kalenderjahres 2010 zum Ziel. Wie schon in der Kooperation zur Entwicklung von Elektrolyten mit Merck, hat Dyesol nun auch einen verlässlichen Lieferpartner für die Großproduktion qualitativ hochwertiger Farbstoffe gefunden. Diese Stoffe sind eine entscheidende Komponente der DSC-Struktur, für die Professor Michael Grätzel von der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Lausanne die Pionierarbeit geleistet hat. Professor Grätzel wurde 2010 für seine fortlaufende Forschung auf dem Gebiet von DSC mit dem Millenium-Preis, dem höchst dotierten Technologiepreis der Welt, ausgezeichnet.

Wie Richard Caldwell, Dyesols Executive Chairman, sagte: „Die Zusammenarbeit mit Umicore stellt einen wichtigen Schritt in der Schaffung einer robusten Versorgungskette für Dyesol und seine multinationalen Partner dar. Auch diesmal wieder verbünden wir uns mit einem weltweit führenden Unternehmen, das tiefes technisches Verständnis und ausgezeichnete Produktionsfertigkeiten besitzt. Die Absichtserklärung behandelt den von Umicore für große Mengen Farbstoff bereit gestellten Maßstab und deren Beständigkeit. Dyesol kann sich damit weiterhin auf unsere Mission konzentrieren: nämlich Partnerschaften mit globalen Marktführern zu etablieren, bei denen unser integriertes Verständnis von DSC den zentralen Produktlinien unserer Partner einen beträchtlichen Wertzuwachs beschert, was wiederum zu einem hohen Absatz an DSC-Werkstoffen führt.“

Die DSC-Technologie lässt sich am besten als „künstliche Photosynthese“ beschreiben, bei der eine Schicht nanopartikuläres Titandioxid (ein in weißer Farbe und Zahnpasta verwendetes Pigment) benutzt wird, die mit einem Farbstoff überzogen und mit einem Elektrolyt gefüllt ist und auf Trägermaterialien aus Glas, Metal oder Polymeren aufgebracht wird. Durch Lichteinfall in den Farbstoff werden Elektronen angeregt, die vom Titandioxid absorbiert werden. Dabei entsteht ein elektrischer Stromkreislauf, der um ein Vielfaches stärker ist als der, der sich bei der natürlichen Photosynthese in Pflanzen ergibt. Im Vergleich zu herkömmlicher photovoltaischer Technik auf Siliziumbasis sind bei Dyesols Technologie die durch die Herstellung entstehenden Kosten und die graue Energie niedriger, und selbst bei normalen Lichtverhältnissen wird Elektrizität effektiver produziert. Außerdem kann sie durch das Auswechseln konventioneller Verglasung direkt in Gebäude integriert werden, anstatt Dachflächen oder zusätzliche Grundstücksareale erforderlich zu machen.

Dyesol hat seinen Sitz in Queanbeyan in NSW (in der Nähe von Canberra) und ist seit August 2005 an der australischen Börse notiert (ASX-Code „DYE“). Dyesol produziert und liefert ein aus Zubehör, Chemikalien, Werkstoffen, Einzelteilen und dazugehörigen Dienstleistungen bestehendes Sortiment an Farbstoffsolarzellen-Produkten an Wissenschaftler und Hersteller von DSC. Das Unternehmen spielt eine führende Rolle dabei, diese Solartechnik der dritten Generation aus dem Labor und an die Öffentlichkeit zu bringen.

Umicore ist eine Materialtechnik-Gruppe.
Sie konzentriert sich auf Anwendungsgebiete, in denen ihre fachliche Kompetenz in der Werkstoffkunde, Chemie und Metallurgie einen echten Vorteil schaffen kann. Umicore erwirtschaftet ca. 50 % ihrer Einkünfte und verwendet rund 80 % ihres F&E-Budgets im Bereich saubere Technologie: so etwa für Autoabgaskatalysatoren, Werkstoffe für wiederaufladbare Batterien und Photovoltaik, Brennstoffzellen und das Recycling von Edelmetallen. Umicores vorrangiges Ziel einer nachhaltigen Wertschöpfung basiert auf dem Bestreben, Werkstoffe auf eine Weise zu entwickeln, zu produzieren und zu recyceln, die ihrem Anspruch „Materials for a better Life" gerecht wird. Die Umicore-Gruppe betreibt Produktionsstätten auf allen Kontinenten und bedient einen weltweiten Kundenstamm. 2009 erbrachte sie einen Umsatz von 6,9 Mrd. Euro (1,7 Mrd. ohne Metalle). Gegenwärtig beschäftigt sie rund 14.300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Quelle und weitere Einzelheiten zum Unternehmen und der Technologie unter http://www.dyesol.com

Sonntag, 21. November 2010

Spanien hat entschieden

Lange hat die spanische Regierung um die Neuregelung der Solarförderung gerungen. Nun sind die neuen Einspeisetarife für Photovoltaik-Anlagen beschlossen. Zur ursprünglich befürchteten rückwirkenden Senkung der Vergütung kommt es nicht.

Nach monatelangen Diskussionen und Verhandlungen mit der Photovoltaik-Industrie hat die spanische Regierung die Rahmenbedingung für die Solarförderung verabschiedet. In einem neuen königlichen Erlass (RD) werden die neuen Einspeisetarife für Photovoltaik festgeschrieben. Demnach wird die Vergütung für Solarstrom aus kleinen Photovoltaik-Dachanlagen bis 20 Kilowatt Leistung um fünf Prozent sinken. Der Einspeisetarif für größere Dachinstallationen wird um 25 Prozent gekürzt. Die spanische Regierung hat zudem beschlossen, die Vergütung für große Freiflächenanlagen im kommenden Jahr um 45 Prozent zu beschneiden.

Die Neuregelung der Solarförderung soll bereits für Photovoltaik-Projekte gelten, die im vierten Quartal 2010 eine Baugenehmigung erhalten. Künftig will die spanische Regierung alle vier Monate neu über die Photovoltaik-Vergütung entscheiden. Allerdings wird es nicht, wie zunächst von Industrieminister Miguel Sebastián angekündigt, zu rückwirkenden Kürzungen von Einspeisetarifen um 40 Prozent kommen. Allerdings beschloss die Regierung, die Förderung für Photovoltaik-Anlagen, die unter dem RD von 2007 und 2008 installiert wurden, nicht wie zunächst geplant für die komplette Lebensdauer zu zahlen, sondern auf 25 Jahre zu begrenzen.

Analysten hatten eine Kürzung der Photovoltaik-Einspeisevergütung in dieser Größenordnung erwartet. Der spanische Markt wird nach ihrer Ansicht auch im kommenden Jahr nur eine untergeordnete Rolle spielen. Die Analysten von Piper Jeffries gehen davon aus, dass weniger als ein Prozent der weltweiten Nachfrage aus Spanien kommen wird. Allerdings sei mit der Festlegung der neuen Einspeisevergütung nun die Unsicherheit für Investoren beseitigt worden.

Quelle: Photovoltaik

Samstag, 20. November 2010

Solarfirmen-News der Woche 46

Juwi schickt sich an, einen weiteren wichtigen Markt zu erobern - Solarhybrid geschäftet vor allem konventionell - First Solar, zwar verdrängt, aber doch on the move - Jetzt steigt erneut Ölmulti in Solarpanelproduktion ein - In den USA entstehen immer mehr solare Grossprojekte – verwirklicht von europäischen Solarplanern und Modulbauern.

Der Anlagenbauer Juwi aus Wörrstadt, einer der führenden Projektentwickler für erneuerbare Energien, steigt in den britischen Solar-Markt ein und baut damit sein internationales Geschäft weiter aus. Das Tochterunternehmen "juwi Renewable Energies Ltd" richtet derzeit seinen Hauptsitz in Birmingham ein, der zweitgrößten Stadt in England. 2011 und 2012 will das Unternehmen in Großbritannien Solarstromanlagen mit einer Gesamtleistung von mindestens 60 Megawatt (MW) realisieren. juwi will PV-Anlagen in ganz Großbritannien, vor allem jedoch im Süden Englands, errichten. Quelle: Solarserver

Die solarhybrid AG (Brilon) hat einen Auftrag über die schlüsselfertige Errichtung von Photovoltaik-Kraftwerken in Italien mit einem Gesamtvolumen von 40 Millionen Euro erhalten. Die Freiflächenanlagen mit einer Leistung von insgesamt 17,3 Megawatt (MW) sollen an zwei Standorten im Piemont in der Nähe von Turin errichtet werden. Der Baustart wird voraussichtlich noch im November erfolgen. Die Fertigstellung ist bis spätestens Ende des ersten Quartals 2011 geplant. Die Freiflächenanlage wird – entgegen dem Namen von Solarhybrid - mit ganz konventionellen kristallinen Solarmodulen bestückt. Quelle: Solarserver

First Solar hat die Weltmarktführerschaft im Bereich Dünnschichtsolarmodule im zweiten Quartal 2010 an die chinesische Suntech verloren. Die US-Firma plant jedoch, ihre Produktionskapazitäten massiv auszubauen, auch wenn der deutsche Solarmarkt im kommenden Jahr schrumpfen wird. Diese These vertrat Rob Gillette, Chef des US-Dünschichtsolarmodule-Spezialisten First Solar Inc. gegenüber dem Handelsblatt. Der Solarkonzern mit Sitz in Temple, Kalifornien, werde im kommenden Jahr nicht mehr wie bisher den Großteil seiner Produkte in Deutschland sondern am Heimatmarkt in den USA absetzen. Quelle: Ecoreporter

French oil and gas company Total SA said Monday it will begin building a solar panel plant in the Moselle region of France early next year. The installation is slated to house two production lines for a total capacity of 50 megawatt peak, or about 220,000 photovoltaic panels per year, the company said. The first production line is expected to begin operating toward the end of next year. The project will create about 80 jobs in the Moselle area, Total said. Quelle: Businessweek

Der US-Solarprojektierer North Star Solar, LLC, hat ein einen Vertrag über 60 Megawatt (MW) Solarstrom mit der Pacific Gas & Electric Company (PG&E) abgeschlossen. North Star Solar gehört vollständig zu NorthLight Power, LLC, einem Joint-Venture zwischen dem norwegischen Solarkonzern Renewable Energy (REC) und der Summit Power Group, Inc. Der verkaufte Strom soll in einer Solaranlage in Mendota in Kalifornien erzeugt werden. Verwendet werden Solarmodule von REC. Mit der Fertigstellung der Anlage wird im zweiten Quartal 2013 gerechnet. Quelle: Ecoreporter

© Solarmedia

Freitag, 19. November 2010

Solarstrom markant billiger

Angesichts der rasch sinkenden Weltmarktpreise für Photovoltaik unterstützt die Solarbranche die von der Eidgenössischen Verwaltung vorgeschlagene Absenkung der Einspeisetarife für Solarstrom um durchschnittlich 18 Prozent auf Anfang 2011. Damit können mit den weiterhin stark begrenzten Mitteln möglichst viele neue Anlagen gebaut werden, so eine Stellungnahme des Fachverbands Swissolar.

Wenn der Vorschlag einer erweiterten Absenkung umgesetzt wird, so erhalten die jetzt auf einer Warteliste befindlichen Anlagen bis Ende 2013 einen positiven Bescheid. Um einen anschliessenden Markteinbruch zu verhindern, appelliert Swissolar an das Parlament, den „Deckel“ bei der kostendeckenden Einspeisevergütung aufzuheben. Die kostendeckende Einspeisevergütung (KEV) wird in der Mehrheit der europäischen Länder und vielen weiteren Staaten erfolgreich für die Förderung von Strom aus erneuerbaren Energien eingesetzt (im Bild eine grosse Solaranlage der Migros in Stans).

Auch die Schweiz hat dieses Instrument per Anfang 2009 eingeführt. Im Gegensatz
zu unseren Nachbarstaaten sind jedoch bei uns die Mittel begrenzt. Besonders betroffen davon ist die Photovoltaik, die bisher nur 5 Prozent der Gesamtmittel beanspruchen konnte: Erst 1600 Anlagen konnten bisher dank der Einspeisevergütung erstellt werden, während über 7000 auf einer Warteliste stehen. Damit ist ein Investitionsvolumen von rund einer Milliarde Franken blockiert. So ist es nicht verwunderlich, dass die jährlich installierte Solarstrom-Leistung in Deutschland pro Einwohner etwa 15 mal höher liegt als in der Schweiz.

Dank der vom Parlament beschlossenen Anhebung des „Deckels“ um 50 Prozent können nun weitere Anlagen von der KEV profitieren. Das Hauptthema der gestrigen Swissolar-Veranstaltung in Biel mit über 100 Teilnehmern war die Umsetzung dieses Beschlusses in die Praxis. Im Sinne einer offiziellen Anhörung informierte der Vertreter des Bundesamtes für Energie (BFE) über die vorgesehenen Anpassungen an der Energieverordnung. Im weiteren wurde der rasche Preiszerfall bei Solarmodulen und anderen Komponenten von Photovoltaik-Anlagen im laufenden Jahr analysiert, wobei die Schweiz zusätzlich vom tiefen Euro-Kurs profitiert.

Die Branchenvertreter waren sich einig, dass diese Preissenkung vollumfänglich an die Schweizer Konsumenten weitergegeben werden soll. Sie unterstützen deshalb die Absicht der Behörden, die Einspeisetarife für die 2011 neu in Betrieb genommenen Anlagen um durchschnittlich 18 Prozent zu senken – 12 Prozent mehr als bisher vorgesehen! Damit beansprucht die einzelne Anlage weniger Mittel vom weiterhin sehr knappen Photovoltaik-Kontingent, sodass insgesamt mehr Anlagen gebaut werden können. Wenn dieser Vorschlag umgesetzt wird, so erhalten die jetzt auf der Warteliste stehenden Anlagen bis Ende 2013 einen positiven Bescheid, wovon jene mit Anmeldedatum 1./2. Mai 2008 bereits bis Ende 2011.

Mit Besorgnis nahmen die Anwesenden jedoch zur Kenntnis, dass die verfügbaren Mittel voraussichtlich bereits 2014 wieder ausgeschöpft sein werden, was einen abrupten Markteinbruch zur Folge hätte. Sie appellieren deshalb an das Parlament, nun endlich den „Deckel“ für die kostendeckende Einspeisevergütung zu entfernen. Dies garantiert eine kontinuierliche Marktentwicklung und verhindert die unsäglich bürokratische „Deckelbewirtschaftung“. Die Mehrkosten einer ungedeckelten Einspeisevergütung für Solarstrom würden dank der schnellen Kostensenkung in einem vernachlässigbaren Rahmen bleiben.

Quelle: Swissolar

Atomenergie und das Klima

Kann Atomkraft einen Beitrag zur Lösung der Klimaproblematik leisten? Eine kontroverse Auseinandersetzung mit Starbesetzung blieb ohne eindeutiges Ergebnis. Und kann ein Überfluss an Erneuerbaren Energien - vor allem der solaren - dazu führen, auf weit gehende und teure Energiesparmassnahmen zu verzichten? Die Kernfragen der Energiepolitik werden derzeit neu formuliert.

Es sind gegensätzliche Anliegen: Auf der einen Seite steht die These im Raum, wir bräuchten für die Zukunft alle Optionen, die fossilen Energien zu ersetzen – also auch die Atomenergie. Auf der anderen soll plötzlich genügend Erneuerbare Energie verfügbar sein – das hiesse ja auch, es brauche Atomenergie sowieso nicht mehr. Auf beiden Ebenen widmet sich derzeit die Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH-Z) dieser neu lancierten energiepolitischen Diskussion.

Beurteilen den Beitrag der Atomenergie zur Lösung der Klimaproblematik unterschiedlich: ETH-Professor Horst-M. Prasser und Michael Sailer vom Oeko-Institut in Darmstadt/Berlin (Foto: Guntram Rehsche).







Gestern Abend trafen an einer gut besuchten Veranstaltung der ETH deren Nuklear-Professor Horst-M. Prasser und Michael Sailer vom Oeko-Institut Darmstadt aufeinander. Letzterer sieht das grösste Problem einer Renaissance der Atomenergie bei den Kapazitäten. Es sei kaum möglich, mehrere hundert neue AKW zu bauen, die für einen substantiellen Beitrag zum Abbau der fossilen Energienutzung und damit zu einer CO2-Minderung nötig wären. Denn es fehlten sowohl die Rohstoffe für den Bau wie vor allem die Fachleute für Planung und Betrieb solcher Anlagen. Dem hielt Prasser entgegen, dass an der ETH nun immerhin wieder 40 bis 50 Studenten in seinen Vorlesungen sässen und der Nuklear-Master-Lehrgang von einem guten Dutzend Leute besucht würde, darunter sogar Frauen.

Kontrovers ist auch die Frage, wie viel Treibhausgas die Produktion von Atomenergie verursacht. Gemäss Sailer stammen unterschiedliche Angaben von unterschiedlichen Aufbereitungsprozessen des Urans. Werde die bisher gängige Methode verwandt, so falle wegen hohen Energieaufwands mehr CO2 an, die neuere Ultrazentrifugen-Lösung verursache weniger Emissionen. Sie sei aber umgekehrt heikel, weil sie erleichtere, waffenfähiges Uran zu erzeugen. Wie überhaupt die vermehrte Anwendung von Atomenergie die Frage der Proliferation stelle – also, ob die Technologie nicht in unberufene Hände gelangt.

Alexancer Wokau, Leiter des Labors für Kernenergiesysteme, fügte bei, Atomenergie besitze bezüglich des CO2-Ausstosses genauso wie die Erneuerbaren einen deutlichen Vorteil gegenüber den Fossilen – unter diesem Aspekt spiele es also keine Rolle, ob Photovoltaik oder Atomenergie zur Anwendung gelange.. Zur CO2-Belastung der Atomenergie weist eine Übersichtsstudie darauf hin, dass die von der ETH resp. vom PSI angenommenen Werte von 6 bis 10 Gramm CO2/kWh wohl tief angesetzt sind (siehe Sovacool, B.K. «Valuing the Greenhouse Gas Emissions from Nuclear Power: A Critical Survey» in Energy Policy - www.nirs.org/climate/background/sovacool_nuclear_ghg.pdf).

In der Radio-Konsumentensendung Espresso von heute Freitag nahm die Zürcher Stadträtin Claudia Nielsen zur einer anderen, von der ETH aufgeworfenen Frage Stellung, die durchaus einen Zusammenhang mit der oben gestellten Atomfrage hat. Wird künftig so viel an Erneuerbarer Energie zur Verfügung stehen, dass sich Energiesparmassnahmen gar nicht mehr aufdrängen? Nielsen mag nicht so recht an dieses Konzept glauben, sieht aber auf jeden Fall die Möglichkeit, dass «viele Wege nach Rom führten».

Dass die Erneuerbaren ein immenses Potential aufweisen, hatte ETH-Professor Hansjürg Leibundgut vergangene Woche an der Baumesse in Bern in den Raum gestellt (siehe Solarmedia vom 13. November 2010). Er verknüpft in unterdessen mehreren Beispielen energetisch gut gedämmte Häuser mit einer Erdspeicherung, in die Wärme im Sommer eingelagert und im Winter über Wärmepumpen nutzbar gemacht wird – womit Gebäude autark von externer Energiezufuhr würden, vorausgesetzt auch der für den Wärmepumpenbetrieb nötige zusätzliche Strom könnte durch gebäudeeigene Solaranlagen erzeugt werden. Noch tobt eine heftige Auseinandersetzung über die konkrete Realisierbarkeit dieser Frage – unter anderem auch in einer der grossen Zürcher Wohnbaugenossenschaften, wo ein solche Anergie-Netz erstellt werden soll (weitere Angaben unter www.viagialla.ch).

Die gestellten Fragen finden insofern zusammen, als eine positive Antwort zur Möglichkeit energieautarker Gebäude die Notwendigkeit der Atomenergie abschlägig beantworten würde. Der Atomenergie erwächst an einer weiteren Front Widerstand, nämlich an wohl bedeutendsten, der wirtschaftlichen. Die Vermutung sei gewagt, Atomenergie erledige sich demnächst von allein – die Abfallproblematik allerdings bleibt erhalten.

© Solarmedia

Donnerstag, 18. November 2010

Wann werden USA erneuerbar?

Auf nationaler Ebene gab und gibt es in den USA kaum nennenswerten Klimaschutz. Die US-Amerikaner sind und bleiben die größten Klimazerstörer auf unserem Planeten. George W. Bush war so abhängig von der US-Öl-Lobby, dass er Klimaschutz nicht mal buchstabieren konnte – wie er einmal der Bundeskanzlerin verriet. Ein Kommentar des Energiepublizisten Franz Alt.


Große Hoffnungen setzten die amerikanischen Umweltschützer auf Präsident Obama, den sie auch im Wahlkampf kräftig unterstützten. Doch der junge Präsident enttäuscht seine Anhänger, weil er für seine Umweltpolitik keine politischen Mehrheiten findet. Umso beachtlicher war das jüngste Wahlergebnis am 2. November in Kalifornien – dem größten und wirtschaftskräftigsten Bundesstaat der USA. Dort fiel schon Gouverneur Arnold Schwarzenegger mit ehrgeizigen Klimaschutz-Zielen auf. Zum Hermann Scheer sagte der Republikaner Schwarzenegger oft: „You are my hero“. Der „grüne Terminator“ nannte das deutsche Erneuerbare-Energien-Gesetz „vorbildlich für die USA“.

Aber auch Schwarzeneggers Nachfolger, der Demokrat Jerry Brown, wirbt für Klimaschutz. In vier Jahren, so kündigte er jetzt an, soll ein Drittel des Stromverbrauchs in Kalifornien aus erneuerbaren Quellen stammen. Das wäre mehr als eine Verdoppelung gegenüber jetzt. Schon in den letzten Jahren war das Land an der Pazifikküste US-Meister in der Energieeffizienz. Seit 1980 blieb der Stromverbrauch in Kalifornien etwa gleich während das Wirtschaftswachstum kräftig gestiegen ist. In derselben Zeit stieg der Stromverbrauch in den gesamten USA um 60 %.

Heute ist die Energieeffizienz – das ist der Energieverbrauch pro erzeugtem Wirtschaftsgut – an der Ostküste um 60 % günstiger als in den übrigen US-Staaten. Ein unschlagbarer ökonomischer Vorteil durch ökologische Intelligenz. Allein durch Energieeffizienz und Energiesparen wurden in den letzten 30 Jahren in Kalifornien 1.5 Millionen neue Arbeitsplätze geschaffen. Das sonnenreiche Kalifornien produziert heute 90 % des gesamten Solarstroms der USA – zu Preisen, die mit herkömmlichem Strom bereits konkurrieren können. Kaliforniens Hauptstadt Sacramento wird seit 20 Jahren bereits zur Hälfte mit Solarstrom versorgt – bei Tag und bei Nacht. Ähnlich ehrgeizige Ziele melden inzwischen auch einige weitere US-Bundesstaaten an. Kaliforniens Beispiel ist ansteckend. Auch die Story des American Way of Life kann neu geschrieben werden.

So haben zum Beispiel auch die deutschen Firmen Schott Solar und Solarworld neue Solarfabriken in den USA gebaut. Das Geothermie-Feld „The Geysers“ nördlich von San Francisco gilt als der größte Wärmetauscher der Welt.

Der neue Gouverneur Brown, heute 72 Jahre alt, war von 1975 bis 1983 schon einmal Kaliforniens Regierungschef. Er ließ die riesigen Windparks am Pazifik bauen – zu einer Zeit als in Deutschland die Windenergie noch für viele ein Fremdwort war. Damals waren die Kalifornier Windweltmeister, später wurden es die Deutschen und jetzt sind es wieder - dank Obama – die US-Amerikaner. Vor den Deutschen und hinter den Amerikanern stehen inzwischen bereits die Chinesen beim Aufbau und Ausbau des Windstroms.

Kalifornien beweist, dass auch in den USA die Macht der starken Öl-Lobby begrenzt ist. Die Öl-Vertreter haben im letzten Wahlkampf allein in Kalifornien neun Millionen Dollar ausgegeben, um gegen Klimaschutz öffentlich zu polemisieren. Doch die Wähler haben sich zu knapp 60 % für die Beibehaltung des Klimaschutzgesetzes (Global Warming Solutions Act) ausgesprochen, das unter Schwarzenegger eingeführt worden war. Früher hatten sich südlich von San Francisco hauptsächlich IT- und Computer-Firmen angesiedelt – heute sind es Firmen für energieeffizientes Bauen, Solarkraftwerke, Elektroautos und Batterietechnologien. „Big Oil“ wird auch in den USA letztlich verlieren. Es geht ihnen der Stoff aus. Und dieser wird schon in wenigen Jahren –dank seiner Knappheit – unbezahlbar. Auch die USA sind erneuerbar.

Und was geht bis dahin im Angesicht des dramatischen Klimawandels noch alles kaputt? Immerhin ist Kalifornien schon oft Vorbild für die restlichen Staaten der USA gewesen. Und wenn erst die USA ihre Energiewirtschaft erneuern, dann wird dies die ganze Welt verändern.
Quelle:

© Sonnenseite / Franz Alt 2010

Mittwoch, 17. November 2010

Appelle an CH-Politik

Gleich zwei Aufrufe an die Schweizer Politik prägen in diesen Tagen den Energiediskurs - mal abgesehen von den Gutachten zu den allfälligen Standorten für neue Atomkraftwerke. In den Aufrufen geht es um die konkret möglichen Alternativen: Erneuerbare Energien und insbesondere die Photovoltaik haben grosses Potential und die Schweizer Klimapolitik könnte im Hinblick auf Cancun doch einiges mehr tun.

Die Vertreter der Schweizer Photovoltaikindustrie haben sich zum Photovoltaik-Summit in Biel getroffen. Die anwesenden Firmen erreichen insgesamt 2010 einen Umsatz von über 2 Milliarden Franken und beschäftigen mehrere Tausend Personen in der Schweiz. Sie sehen ein sehr grosses Wachstumspotenzial für die Photovoltaik in der Schweiz und möchten, dass dieses Potenzial auch verwirklicht wird. Deshalb richten sie den folgenden Aufruf an den Bundesrat und das Parlament:

«Wir begrüssen den Cleantech-Masterplan des Bundes und wünschen uns eine ambitionierte Umsetzung. Wir engagieren uns, dass die Photovoltaik 2020 eine vollständig rentable Technologie ist und dass die Schweizer Industrie für Photovoltaik-Systeme einen starken Anteil am Weltmarkt hat. Um dieses Ziel zu erreichen wünscht die Photovoltaikindustrie adäquate Rahmenbedingungen, und insbesondere
* ein klares Commitment des Bundes zur Rolle der Photovoltaik, mit einer Zielgrösse des Solarstrom-Anteils an der Stromversorgung im zweistelligen Prozentbereich, analog zum europäischen Ziel;
* einen Inlandmarkt mit der gleichen Entwicklungsdynamik wie in den ausländischen Leitmärkten, mit entsprechenden Preissenkungen und sofortiger Entdeckelung der kostendeckenden Einspeisevergütung;
* die Verstärkung der öffentlichen Investitionen im Bereich Energieeffizienz und Erneuerbare Energien sowohl für Grundlagenforschung und angewandte Forschung als auch Wissensund Technologietransfer;
* einen Rahmen, der für partnerschaftliche öffentliche und private Investitionen förderlich ist;
* eine Strategie für eine Modernisierung der Stromnetze, damit diese mit den Fortschritten der Erneuerbaren Energien Schritt halten können.»

Einstimmig angenommen von den Vertretern der anwesenden Industriefirmen der Schweizer Photovoltaik-Branche: Meyer Burger AG, Sputnik Engineering AG, 3S Swiss Solar Systems AG, Multi-Contact AG, Belenos Clean Power Holding AG, Oerlikon Solar Ltd, Essemsolar, Roth & Rau Switzerland AF, Flisom AG, Komax Solar AG, VHF-Technologies SA (Flexcell), Metalor Technologies SA, Von Roll Solar AG

Schon zuvor hatte sich die Allianz für eine verantwortungsvolle Klimapolitik an den Bundesrat gewandt mit folgender Erklärung: «Die neue UVEK-Chefin Doris Leuthard hat einen heissen Dezember vor sich. Im tropischen Cancun (Mexiko) werden an der diesjährigen Uno-Klimakonferenz wichtige Schritte hin zu einem neuen Klimaschutzabkommen vereinbart. Die Klima-Allianz gibt der Bundespräsidentin eine To-Do-Liste für Cancun mit.

Noch diese Woche sollte der Bundesrat die Verhandlungsdelegation festlegen und deren Mandat für die Ende Monat beginnende internationale Klimakonferenz verabschieden. Für das Klima ist es elementar, dass der Prozess nach dem Tiefpunkt der letztjährigen Konferenz in Kopenhagen an Dynamik zurückgewinnt. In Cancun müssen die wichtigsten Hindernisse zwischen den Verhandlungspartnern für den Abschluss eines fairen, verbindlichen Abkommens beseitigt werden. Dazu müssen alle Länder ihre Hausaufgaben machen und die Bereitschaft mitbringen, weltweite, regionale und vor allem auch nationale Rahmenbedingungen für eine aktive Klimapolitik zu schaffen.

Zum ersten Mal wird Bundespräsidentin Doris Leuthard unser Land an der Klimakonferenz vertreten. Die Klima-Allianz gibt der neuen UVEK-Chefin eine Liste mit den wichtigsten Aufgaben mit nach Cancun:
* Die Schweiz muss in einem rechtlich verbindlichen Rahmen das globale Erwärmungsziel von weniger als 2 Grad mittragen und, sofern wissenschaftlich angezeigt, auch eine Anpassung dieses Ziels auf 1,5 Grad unterstützen. Nur so ist unser Land ein glaubwürdiger Verhandlungspartner.
* Die Schweiz muss in Cancun ihr Reduktionsangebot auf minus 40% CO2 bis 2020 (gegenüber Stand 1990) verbessern und damit die Ambitionen wichtiger EU-Länder unterstützen.
* Die Schweiz muss die Etablierung des neuen Klimafonds unterstützen und sich gleichzeitig dafür einsetzen, dass innovative Finanzierungsquellen wie etwa eine Flugsteuer einbezogen werden.
* Als Leaderin der Ländergruppe «Umweltintegrität» ist es auch die Rolle der Schweiz, faule Kompromisse bei neuen Vereinbarungen zu verhindern: Bei der Erhaltung der Biodiversität und der Rechte indigener Völker im Zusammenhang mit der Reduktion der Entwaldung; bei der Emissionsberechnung von Landnutzungsänderungen und beim CO2-Zertifikatemarkt.

Frau Leuthard kann in Cancun einen wichtigen Beitrag für ein weltweit gesundes Klima leisten und damit optimale Rahmenbedingungen schaffen für eine starke Cleantech-Industrie in der Schweiz und die damit verbundenen Arbeitsplätze. Die Klima-Allianz – ein Zusammenschluss aus 60 Organisationen mit über 1.8 Mio. Mitgliedern – wünscht Frau Leuthard viel Erfolg in Cancun.»

Quellen: Swissolar / Allianz für eine verantwortungsvolle Klimapolitik