Montag, 22. Juli 2019

MB: Good and bad news

Meyer Burger Technology AG hat am Montag vorläufige ungeprüfte Ergebnisse für das erste Halbjahr 2019 bekannt gegeben. Aufgrund des Preisverfalls im Standard PV Geschäft, insbesondere bei PERC, sind die Margen weiter unter Druck geraten. 

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Bei Heterojunction und der SmartWire-Zellverbindungstechnologie allerdings ist Meyer Burger in fortgeschrittenen Gesprächen mit potenziellen Kunden, jedoch verzögerten sich die Auftragsabschlüsse. Insgesamt blieb die Geschäftstätigkeit deutlich unter den Erwartungen. Für das erste Halbjahr 2019 erwartet Meyer Burger einen Auftragseingang von rund CHF 94 Mio. (H1 2018 CHF 137.9 Mio. (siehe Kasten), bereinigt um Verkauf Wafering Geschäft CHF 94.5 Mio.), einen Nettoumsatz von rund CHF 122 Mio. (davon rund CHF 3 Mio. Wafering Equipment; H1 2018 CHF 232.3 Mio., bereinigt um Verkauf Wafering Geschäft CHF 200.7 Mio.). Der EBITDA ist trotz substantieller Reduktion der Kosten negativ ausgefallen (H1 2019 CHF -14 Mio.; H1 2018 CHF +29.2 Mio.). Der Auftragsbestand per 30. Juni 2019 betrug CHF 166 Mio. Infolge der ausserordentlichen Erträge aus dem Verkauf des Wafering Geschäfts erwartet Meyer Burger ein ausgeglichenes Nettoergebnis.

Der neu zusammengesetzte Verwaltungsrat von Meyer Burger überprüft Geschäftsmodell und Unternehmens­strategie grundlegend. Die Ergebnisse dieser Strategieüberprüfung werden zu gegebener Zeit bekannt gegeben. Hans Brändle, Meyer Burger CEO, sagt dazu: „Ich bin enttäuscht von den Resultaten des ersten Halbjahres 2019. Allerdings ist mit unserer an REC gelieferten Heterojunction und SmartWire-Zellverbindungstechnologie der entscheidende Durchbruch gelungen: Auf der Intersolar im Mai 2019 wurde ein wegweisendes neues Solarmodul vorgestellt, das die PERC-Konkurrenz bezüglich Energieausbeute weit hinter sich lässt. Das mit unserer Technologie produzierte Modul kann zu sehr wettbewerbsfähigen Kosten hergestellt werden und erreicht eine branchenführende Moduleffizienz. Die erste Fertigungslinie wird in Kürze die Serienproduktion aufnehmen, und die Module finden bereits starke Nachfrage im Highend Segment. Dieser Erfolg verschafft uns neue strategische Möglichkeiten."

Remo Lütolf, Verwaltungsratspräsident von Meyer Burger, ergänzt: „Die Geschäftsentwicklung im ersten Semester 2019 unterstreicht die Notwendigkeit, unser Geschäftsmodell und unsere Strategie zu hinterfragen. Für die Zukunft werden wir alle strategischen Optionen prüfen. Dazu gehören Gespräche mit industriellen Partnern, um neue Geschäftsmodelle zu entwickeln, die nachhaltigen Mehrwert für unser Unternehmen und unsere Aktionäre schaffen."

Und dann doch noch die Good News - kurz nach der oben publizierten Medienmitteilung zum Geschäftsgang konkretisierten sich offenbar grosse Abschlüsse:  Meyer Burger Technology AG gab die Unterzeichnung eines bedeutenden Rahmenvertrages mit einem Start-up-Unternehmen für die Solarzellenproduktion für ihr Heterojunction (HJT)- Schlüsselequipment bekannt. Die nordamerikanische Firma wurde von Unternehmern mit langjähriger Solarindustrie-Erfahrung gegründet. Vorbehaltlh des Abschlusses der Finanzierungsrunde des Unternehmens wird ein Auftragsvolumen von rund CHF 100 Mio. erwartet.

Sonntag, 21. Juli 2019

SES: Energiewende im Schneckentempo

Die Analyse des Strommixes der vier grössten Stromversorger der Schweiz zeigt: Axpo, Alpiq, BKW und Repower erzeugen zwei Drittel ihres Stroms aus fossilen und nuklearen Energiequellen. Damit einher gehen eine hohe CO2- und Umweltbelastung. Der Anteil neuer erneuerbarer Energien wächst, bleibt jedoch mit 5 Prozent auf tiefem Niveau - so die Schweizerische Energie-Stiftung SES.
In der Kurzstudie «Strommix 2018» hat die SES den Strommix der vier grössten Schweizer Energieversorger Axpo, Alpiq, BKW und Repower untersucht. Dabei zeigt sich, dass die fossile und nukleare Stromerzeugung nach wie vor zwei Drittel der Stromproduktion ausmacht. Ein Drittel wird durch erneuerbare Energien gedeckt, vornehmlich Wasserkraft. Im Vergleich mit dem Schweizerischen Strommix mit 55% Wasserkraft und 36% Atomkraft (BFE 2018) fällt die Bilanz der Stromversorger somit deutlich klimaschädlicher aus.



Die Kurzstudie analysiert zudem die Umweltbelastung der Energieversorgungsunternehmen durch deren Stromproduktion. Die Treibhausgasemissionen pro Kilowattstunde sind 2018 gegenüber den Vorjahren erstmals wieder gesunken. Nach Jahren steigender Produktion 2018 haben die ausländischen Gas- und Kohlekraftwerke wieder weniger Strom produziert. Dies kann auf die gestiegenen CO2-Preise und Brennstoffkosten zurückgeführt werden. Dennoch bleibt der Anteil an fossiler Stromerzeugung mit knapp 22 Prozent hoch. An der Spitze steht die Alpiq mit durchschnittlich 298 g CO2-Äquivalente pro Kilowattstunde. «Trotz leichter Verbesserung kommt die Energiewende bei den grossen Schweizer Stromversorgern nur im Schneckentempo voran», so Projektleiter Simon Banholzer. Zudem tragen die Kohle- und Gaskraftwerke in Europa stark zum Stromüberschuss bei und halten so die Preise an der Strombörse tief. 
Sämtliche Energieversorger wiesen 2018 ein Wachstum an nuklearer Stromproduktion aus. Ausschlaggebend war einerseits das AKW Beznau I, welches nach dreijähriger Pause wieder in Betrieb genommen wurde. Andererseits stieg die Produktion des AKW Leibstadt deutlich an. Entsprechend ist auch die durchschnittlich anfallende Menge an radioaktiven Abfällen leicht gewachsen. Die Axpo als grösste Atomstromproduzentin hat 2018 pro Kilowattstunde durchschnittlich 29 Kubikmillimeter radioaktiven Abfall produziert.
 
Alpiq und Axpo belasten die Umwelt am stärksten: Eine umfassendere Bewertung der Umweltschädlichkeit bietet die Berechnung der Umweltbelastungspunkte (UBP). Neben Treibhausgasemissionen und radioaktivem Abfall werden auch Aspekte wie Ressourcenverbrauch oder Landnutzung betrachtet. Die Alpiq schneidet mit durchschnittlich 347 UBP pro Kilowattstunde am schlechtesten ab. Doch auch die Axpo weist eine hohe Umweltbelastung aus, ebenso die BKW.



Ausbau der Erneuerbaren im Inland stagniert: Die neuen erneuerbaren Energien wie Sonnen- und Windstrom fristen mit ihrem 5%-Anteil nach wie vor ein Nischendasein. Bemerkenswert sind zumindest die Zuwachsraten. Die Strategien der Energieversorger richten sich auf eine erneuerbare Zukunft aus. BKW und Repower etwa wollen zukünftig ausschliesslich in Erneuerbare investieren. Jedoch geschieht der Ausbau der erneuerbaren Energien fast ausschliesslich im Ausland, da dort bessere Rahmenbedingungen herrschen. In der Schweiz lohnt es sich aufgrund der tiefen Strommarkterlöse und mangelnder Investitionssicherheit nicht, in neue Kraftwerke zu investieren. «Will die Schweiz die im Pariser Klimaabkommen und der Energiestrategie 2050 gesteckten Ziele erreichen, so müssen entsprechende Rahmenbedingungen gesetzt werden, beispielsweise bei der aktuellen Revision des Stromversorgungsgesetzes», bilanziert Simon Banholzer. Ein geeignetes Strommarktdesign, welches Investitionen in erneuerbare Anlagen ermöglicht, würde auch im Interesse der grossen Schweizer Energieversorger liegen.

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» Download Grafiken «Strommix 2018» (pdf)

Donnerstag, 18. Juli 2019

E-Auto laden mit Strom vom eigenen Hausdach

Photovoltaikanlagen auf dem Dach sind klimafreundlich und erzeugen inzwischen Strom zu besonders niedrigen Kosten. Kombinieren Hauseigentümer die Solaranlage mit ihrem Elektroauto, können sie noch stärker vom eigenen Ökostrom profitieren. 

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Durch den höheren Eigenverbrauch steigt der Gewinn der Photovoltaikanlage. Darauf weist das Solar Cluster Baden-Württemberg hin. Auch volkswirtschaftlich lohnt sich die Kombination von Solarstrom und Elektromobilität: Das Stromnetz vor Ort wird entlastet, der Netzausbau verringert. Um ausreichend Solarstrom für die elektrischen Geräte im Haushalt sowie für das Laden des Elektroautos zu haben, sollten Hauseigentümer die Solaranlage möglichst groß dimensionieren, rät Franz Pöter, Geschäftsführer des Solar Clusters.

Für Hauseigentümer (wenn man denn ein solcher ist) lohnt sich eine neue Photovoltaikanlage besonders, wenn sie den Solarstrom selbst verbrauchen und dadurch weniger Strom vom Energieversorger kaufen müssen. Inzwischen ist der Sonnenstrom unschlagbar günstig geworden: Solarstrom vom Dach kostet bei Kleinanlagen unter zehn Kilowatt installierter Leistung aktuell noch etwa 10 bis 12 Cent pro Kilowattstunde. Wer den Photovoltaikstrom für die elektrischen Geräte im Haus nutzt und dafür keinen Netzstrom für netto 25 Cent pro Kilowattstunde kaufen muss, hat folglich einen Vorteil von 13 bis 15 Cent pro Kilowattstunde. Überschuss wird ins Netz eingespeist und trägt zur positiven Rendite bei. Bei größeren Photovoltaik-Anlagen sinken die Stromerzeugungskosten  deutlich und der Gewinn pro Kilowattstunde steigt.  
 
Ohne Zusatzaufwand sind je nach Größe der Anlage in der Regel Eigenverbrauchsanteile von 20 bis 30 Prozent möglich. Wer seinen Eigenverbrauch weiter steigern möchte, bestellt derzeit meist einen Heimakku mit. Wirtschaftlich ist das derzeit meist noch nicht. Als Alternative kann man aber auch die Batterie seines Elektroautos nutzen. Das Auto wird dann tagsüber mit dem Ökostrom geladen. Damit kann sich der Eigenverbrauchsanteil auf 40 bis 50 Prozent erhöhen. Wer mit seinem E-Auto zur Arbeit pendelt, muss sich auf freie Tage und das Wochenende beschränken, um durch das Laden des Elektroautos den Eigenverbrauchsanteil zu erhöhen. 

Um ausreichend Solarstrom für das Elektroauto zur Verfügung zu haben, sollte die Solaranlage nicht zu klein sein: Für eine Fahrleistung von 20.000 Kilometern benötigt man drei bis vier Kilowatt installierter Photovoltaikleistung. Für den Energiebedarf der weiteren elektrischen Geräte sind noch einmal drei bis vier Kilowatt Leistung erforderlich. Um auch bei weniger optimalen Wetterbedingungen genügend Leistung für alle elektrischen Verbraucher zur Verfügung zu stellen, sollte die Anlage möglichst groß ausgelegt werden. Überschussstrom an sehr sonnigen Tagen speist man dann ins Netz und erhält dafür die Einspeisevergütung. Die zusätzlichen Kilowatt Leistung lohnen sich: Je größer die Anlage, desto geringer sind die Zusatzkosten pro Modul. Entsprechend steigt der Gewinn. „Hauseigentümer sollten das Dach so voll wie möglich machen“, rät Pöter daher. Als Faustregel gilt: Pro Kilowatt installierter Leistung braucht man rund fünf Quadratmeter Dachfläche.
 
Die Fahrtkosten von Elektroautos sind bereits mit Netzstrom günstig. Je nach Größe verbrauchen die Stromer auf 100 Kilometer durchschnittlich 20 Kilowattstunden – bei einem Renault Zoe sind es beispielsweise rund 16 Kilowattstunden, bei dem Tesla Model S 70 rund 21 Kilowattstunden. Bei einem normalen Haushaltsstrompreis von netto 25 Cent pro Kilowattstunde verursacht der Renault auf 100 Kilometer daher Fahrtkosten von 4 Euro, der Tesla Fahrtkosten von 5,30 Euro. Zum Vergleich: Ein mit Benzin betriebenes Auto verursacht durchschnittlich Kosten von 11 Euro.

Nutzt man eigenen Solarstrom mit Erzeugungskosten von 12 Cent pro Kilowattstunde, sieht die Sache noch besser aus. Dann sinken die Kosten der gewählten Beispielautos auf rund 1,90 Euro beziehungsweise 2,50 Euro auf 100 Kilometer. Gegenüber Strom aus der Steckdose ergibt sich eine Ersparnis um 50 Prozent. Die verstärkte Solarnutzung im Auto macht die Photovoltaikanlage rentabler. Für die Elektromobilisten lohnt es sich auch aus anderen Gründen: Nicht immer finden sie freie Ladesäulen, zudem ist der Strom dort manchmal recht teuer. Bei bis zu zwei Euro pro Kilowattstunde können die Kosten liegen. Mit der eigenen Solaranlage lassen sich solche Situationen reduzieren.
 
Günstig für einen größeren Solarstromanteil im Tank ist eine niedrigere Ladeleistung der Ladestation für das E-Mobil. Liegt diese bei etwa drei bis sechs Kilowatt, ist das optimal. Allerdings sind längere Ladezeiten die Folge. Der Vorteil: Die Photovoltaikanlage kann so einen höheren Anteil der in den Akku gelieferten Energiemenge bereitstellen. Wer dagegen 22 Kilowatt nutzt, der braucht zum Laden auch mittags Strom aus dem Netz. Mehr als 22 Kilowatt Leistung sind für den Hausgebrauch übrigens nicht zu empfehlen, da sie den Anschluss überfordern – und das unabhängig von der Solaranlagengröße, die meist kleiner ist.

Auch für die Niederspannungsnetze kann das Laden des E-Autos über die Solarstromanlage segensreich sein. Wenn viele Fahrzeuge gleichzeitig und mit hoher Leistung aus dem Ortsnetz geladen werden, kann dieser Vorgang das Netz an die Belastungsgrenze bringen. Verhindern tun dies eine intelligente Steuerung der Ladevorgänge, der Verteilnetzausbau – oder aber mehr Elektroautos an Solaranlagen. Sie reduzieren die Ladeleistung aus dem Netz beziehungsweise die Einspeisung in das Netz und stabilisieren es dadurch, besonders wenn die Ladestation im Haus eine niedrigere Ladeleistung aufweist.
 
Wenn in Zukunft Autos auf den Markt kommen, deren Batterie auch Strom ins Hausstromnetz liefern kann, so könnte Solarstrom aus dem Elektroauto auch abends im Haus genutzt werden. Darüber hinaus diskutieren Fachleute weitere Dienstleistungen, in denen Autobatterien Solar- und Windstrom aus dem Netz aufnehmen, wenn Überschuss vorhanden ist, und bei einem niedrigen Angebot an erneuerbaren Energien wieder abgeben. Das würde den Verbrauch von Strom an das Angebot anpassen. Als Anreiz könnten die Stromversorger niedrigere Strombezugskosten bei einem Überangebot einführen.

Tipp: Das Elektroauto mit Solarstrom laden - Die Photovoltaikanlage und die Ladestation sollten kompatibel zueinander sein. Die Solaranlage kann dann die Ladeleistung der Ladestation steuern, je nachdem, wie viel Solarstrom gerade zur Verfügung steht. 

Dienstag, 16. Juli 2019

Es geht wieder aufwärts, aber viel zu langsam

Die kürzlich veröffentlichte Sonnenenergie-Markterhebung für das Jahr 2018 zeigt einen leichten Aufschwung bei der Photovoltaik. Die Massnahmen im Rahmen der Energiestrategie 2050 beginnen ihre Wirkung zu entfalten. Doch für den Ersatz der Atomkraft und der fossilen Energien muss der jährliche Zubau von Photovoltaik-Anlagen mindestens verfünffacht werden. Um dies zu erreichen, braucht es insbesondere stärkere Anreize für den Bau von Grossanlagen auf Landwirtschafts-, Gewerbe- und Bürogebäuden. 

Jährliche Verkäufe von Photovoltaikanlagen in der Schweiz in Kilowatt Leistung. Gut erkennbar ist das rasche Wachstum nach 2010, ausgelöst durch die kostendeckende Einspeisevergütung (KEV). 2016 und 2017 wurden nur noch Kleinanlagen gefördert, während 2018 die  Auswirkungen der Energiestrategie 2050 sichtbar werden. Quelle: Markterhebung Sonnenenergie 2018.
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Am 10.7.2019 wurde die von Swissolar durchgeführte und vom BFE (Bundesamt für Energie) plausibilisierte Markterhebung Sonnenenergie 2018 veröffentlicht. Swissolar hat eine vertiefte Analyse der Zahlen vorgenommen.

Photovoltaik: Talsohle durchschritten
Die Photovoltaik (PV)-Verkaufszahlen stiegen gegenüber dem Vorjahr um 12 % auf 271 Megawatt, was etwa einer Fläche von 253 Fussballfeldern (ca. 1.7 Mio. m2)  neu installierten Modulen) entspricht. Der Anteil der Solarstromproduktion am Stromverbrauch der Schweiz lag 2018 bei 3.4 % (2017: 2.9 %)[1]. Damit konnte eine Trendwende nach zwei sehr schwierigen Jahren eingeleitet werden, aber der Zubau liegt immer noch deutlich unter dem bisher höchsten Wert von 2015 mit fast 340 Megawatt.

Gründe für die positive Entwicklung sind in den Massnahmen im Rahmen der Energiestrategie 2050 zu suchen, die auf Anfang 2018 in Kraft traten. Dazu gehört insbesondere die Einmalvergütung für Anlagen jeder Grösse, die rund 20 Prozent der Investitionskosten abdeckt. Die anfangs noch sehr langen Wartefristen bis zur Auszahlung dieser Förderung wirkten hemmend, aber inzwischen liegt sie bei weniger als zwei Jahren, was von den Investoren sehr positiv aufgenommen wurde.

Eine Zunahme gegenüber dem Vorjahr liess sich in fast allen Grössenkategorien feststellen, mit Ausnahme der grössten Anlagen (über 1 MW), wo ein Rückgang der neu installierten Leistung um den Faktor 5 zu verzeichnen war. Aufgeteilt nach der Art der Anlagen legten insbesondere die Wohngebäude zu (Einfamilienhäuser +13 %, Mehrfamilienhäuser + 47 %), während Anlagen auf Industrie- und Gewerbebauten stagnierten und auf Landwirtschaftsbauten sogar deutlich zurückgingen.

Damit zeigt sich ein deutlicher Mangel der aktuellen Förderung: Für den wirtschaftlichen Betrieb einer Photovoltaikanlage braucht es, ergänzend zur Einmalvergütung, eine hohe Eigenverbrauchsquote. Bei Grossanlagen sowie in der Landwirtschaft ist dies meist schwierig.

Ein möglicher Ausweg liegt in den Zusammenschlüssen zum Eigenverbrauch (ZEV), mit denen mehrere Verbraucher gemeinsam, auch auf angrenzenden Grundstücken, ihren Eigenverbrauch optimieren. Dieses Anfang 2018 eingeführte Instrument stösst insbesondere bei Mehrfamilienhäusern auf grosses Interesse. Zu ergänzen ist noch, dass in der Schweiz praktisch alle Photovoltaikanlagen auf Gebäuden installiert werden, im Gegensatz zu Nachbarländern mit teils sehr grossen Freilandanlagen.

Stromspeicher: Immer beliebter
Die Verkäufe von Batteriespeichern nahmen um mehr als einen Viertel auf 1590 Stück zu. Jede zehnte Photovoltaikanlage wurde mit einem Speicher kombiniert. Die durchschnittliche Speichergrösse lag bei 9.1 Kilowattstunden gegenüber 8.1 im Vorjahr. Hier zeigt sich der rasche Preisrückgang bei den Speichern.

Solarthermie: leichter Rückgang
Beim Verkauf von Kollektoranlagen zur Nutzung der Solarwärme musste leider ein weiterer Marktrückgang um 9 % auf 58‘500 Quadratmeter hingenommen werden, nach einem leichten Zuwachs im Vorjahr. Überraschenderweise konnte dabei jedoch das Marktsegment der Anlagen auf Einfamilienhäusern, das in den letzten Jahren am stärksten schrumpfte, um 18 % zulegen. Mehr als die Hälfte der neuen Kollektorfläche liegt somit auf Einfamilienhäusern.

Ausblick: Es braucht sehr viel mehr Solarenergie
Mit dem Ja zur Energiestrategie 2050 hat die Schweiz den Ausstieg aus der Atomenergie beschlossen, und mit der Ratifizierung des Pariser Klimaprotokolls hat sich unser Land faktisch verpflichtet, bis spätestens 2050 auf fossile Energien zu verzichten. Beide Ziele können aus Sicht von Swissolar nur mit einem massiven Ausbau der Solarenergie erreicht werden.

Bei der Photovoltaik müsste der jährliche Zubau mindestens bei 1500 Megawatt pro Jahr liegen, bei der Solarthermie sollte der Wert von 100‘000 Quadratmetern, wie zuletzt im Jahr 2014, wieder erreicht werden. Zur Erreichung dieser Ziele braucht es gezielte Fördermassnahmen für grosse Photovoltaikanlagen ohne Eigenverbrauch (z.B. auf Landwirtschafts-, Gewerbe- und Bürogebäuden), wozu beispielsweise Ausschreibungen dienen können.

Zudem braucht es eine rasche Revision der kantonalen Energiegesetze gemäss MuKEn 2014, die unter anderem eine Pflicht zur Eigenstromproduktion für Neubauten und den Einsatz erneuerbarer Energien bei Heizungssanierungen vorsieht.

Über Swissolar: Der Branchenverband die Interessen von 700 Verbandsmitgliedern mit rund 6‘000 Arbeitsplätzen der Schweizer Solarenergiebranche in der Öffentlichkeit, der Politik und gegenüber den regulierenden Behörden.

Die Sonne liefert der Schweiz jährlich 200-mal mehr Energie als wir brauchen. Swissolar setzt sich für die Energiewende hin zu einer Energieversorgung ohne den Einsatz fossiler oder nuklearer Energieträger ein. Wärme und Strom von der Sonne nehmen dabei eine zentrale Stellung ein.

Quelle: Swissolar

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Sonntag, 7. Juli 2019

Solar-Potential sichtbar

Das Bundesamt für Energie publiziert über 60 Datensätze als sogenannte offene Behördendaten (Open Government Data OGD). Diese Datensätze stehen der Bevölkerung zur freien Nutzung zur Verfügung. Dass die Bundesverwaltung einen grossen Schatz an frei verfügbar Daten bereitstellt, ist für viele nichts Neues. Was mit den Daten angestellt werden kann aber schon.

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Die Grundlagen sowie der Umgang mit OGD lernen Studierende der Unviersität Bern im Rahmen der Vorlesung Open Data. Neben dem Theorieteil erstellen die Studierenden in einer praktischen Arbeit eine Visualisierung von bestehenden OGD Datensätzen. Dieses Jahr haben drei Teams den BFE-Datensatz «Solarenergiepotenziale der Schweizer Gemeinden» verwendet. Dieser Datensatz beruht auf den Informationen aus www.sonnendach.ch und www.sonnenfassade.ch und weist für jede Gemeinde der Schweiz das Solarenergiepotenzial aus.

Entstanden sind drei spannende Visualisierungen (mit Mozilla Firefox oder Edge öffnen), welche zeigen, wie die BFE-Daten verwendet werden können:

Solarpotenziale pro Kopf der Schweizer Kantone
Sascha Zeiter und Diego Ritz haben die Daten für jeden Kanton addiert und ausgewertet, in welchem Kanton das höchste pro Kopf Solarpotenzial vorhanden ist. Sie haben herausgefunden, dass die Kantone Graubünden und Jura die höchsten Pro Kopf Solarpotenziale aufweisen.

Solarenergiepotenziale der Schweizer Gemeinden – Fokus Strom
Suvetha Somasundram und Carine Hürbin haben das Solarpotenzial für jede Gemeinde analysiert. Zusätzlich haben Sie den Gebäudepark für jede Gemeinde ausgewertet. Für jede Gemeinde kann nun abgefragt werden, wie gross der Anteil an Einfamilien- bzw. Mehrfamilienhäuser ist.

Wie gut wurde das Solarenergiepotenzial im Jahr 2018 genutzt?
Kevin Schär und Nicola Zimmermann haben für jede Gemeinde das Solarpotenzial den KEV-Vergütungen gegenübergestellt. Sie wollten herausfinden, wie stark in welchen Gemeinden das Solarpotenzial bereits genutzt wird. Ihre Ergebnisse zeigen, dass in der Gemeinde Onnens dank KEV-Anlagen bereits über 50 Prozent des Solarpotenzials ausgeschöpft wird.

Weitere Visualisierungen von anderen offenen Behördendaten finden sich im Open Data Showroom der Universität Bern.

Nico Rohrbach, Fachspezialist Geoinformation, BFE

Quelle: energeiaplus.com


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Samstag, 6. Juli 2019

Edisun Power's grosser Schritt - ohne Subvention


Am 5. Juli 2019 unterzeichnete Edisun Power die Verträge zum Kauf eines 23 MW Photovoltaik-Bauprojekts in Portugal. Es handelt sich bereits um das zweite Projekt in Portugal, welches von der Schweizerischen Smartenergy Invest AG erworben und mit ihr zusammen umgesetzt wird. 

Durch die fast zeitgleiche Realisierung der beiden portugiesischen Projekte entstehen gemäss einer Medienmitteilung interessante Synergien im Ablauf, bei den Investitionskosten und im Betrieb. Das Projekt ist bereits im Besitz der Produktionslizenz, sodass voraussichtlich schon im vierten Quartal 2019 mit dem Bau begonnen werden kann. Die Inbetriebnahme der Anlage wird im Laufe des Jahres 2020 erwartet. 

Die Anlage wird auf einer Fläche von gut 54 Hektaren mittels einachsig nachgeführter Module jährlich rund 46 Millionen Kilowattstunden Strom produzieren, was dem Jahresbedarf einer Stadt mit rund 12'000 Einwohnern entspricht. Die produzierte Energie wird ohne staatliche Subventionen am Markt verkauft. Zur Absicherung der Erträge ist vorgesehen, für die ersten Betriebsjahre ein PPA (Power Purchase Agreement) mit fixen Abnahmepreisen abzuschliessen. Mit dem Projekt wird auf annualisierter Basis voraussichtlich ein Nettoergebnis von rund CHF 0.6 Mio. erzielt.

Die Investition wird aus bestehenden Mitteln, mit einer Projektfinanzierung sowie durch eine Kapitalerhöhung mittels Sacheinlage abgedeckt. Die Sacheinlage erfolgt unter Ausschluss des Bezugsrechts der bisherigen Aktionäre durch Ausgabe von 27'675 Aktien aus dem genehmigten Kapital, womit die Smartenergy nach Abschluss der Transaktion einen Anteil von rund 17.5% an Edisun Power halten wird. 

Edisun Power Gruppe: Als kotierter europäischer Solarstromproduzent finanziert und betreibt die Edisun Power Gruppe Solar­strom­anlagen in verschiedenen europäischen Ländern. Edisun Power startete ihr Engagement auf diesem Gebiet bereits 1997. Seit September 2008 ist das Unternehmen an der Schweizer Börse kotiert. Edisun Power verfügt bei der Realisierung und beim Kauf sowohl nationaler als auch internationaler Projekte über breite Erfahrung. Aktuell besitzt das Unternehmen 37 Solarstromanlagen in der Schweiz, in Deutschland, Spanien, Frankreich und Italien.


Quelle: www.edisunpower.com

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Samstag, 29. Juni 2019

Unglaubliches Plus des Solarindex im 1.Halbjahr


Der PPVX stieg letzte Woche um 0,7% auf 1.243 Punkte, der NYSE Arca Oil um 0,1%. Seit Jahresanfang 2019 liegt der PPVX mit +38,4% währungsbereinigt rund 28 Prozentpunkte vor dem Erdölaktienindex (+10,7%). Die Top-3-Titel seit Jahresanfang sind Enphase Energy (+285%),JinkoSolar Holding(+119%) und SunPower (+115%). Der PPVX-Börsenwert beträgt rund 33,3 Mrd. Euro. Die grössten Gewinner der Woche waren Thai Solar Energy(+19%) und Solaria Energia y Medio (+11%), die grössten Verlierer Panda Green Energy Group(-18%) und West Holdings (-7%). Seit Anfang 2003 liegt der PPVX (+342%) rund 178 Prozentpunkte vor dem Erdölaktien-Index (mit +164%).

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Der Solaraktienindex PPVX erscheint auf Solarmedia jeden Monat neu

Quelle: oeko-invest.net 

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Mittwoch, 26. Juni 2019

CH-Solarfirma nimmt Bundesrätin beim Wort

Die Das Walliser Solarunternehmen winsun AG reagiert auf die neusten Pläne des eidgenössischen Departements für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS), in Zukunft auf erneuerbare Energien zu setzen: Das auf Solarenergie spezialisierte Unternehmen aus dem Wallis will eine mobile Photovoltaik-Anlage zu entwickeln, die auf gerade ungenutzten Flächen des VBS eingesetzt werden könnte. Das Besondere der Anlage: Die «Solarraupe42» wäre aus- und einfahrbar. Pro Anlage könnten im Sinn des Klimaschutzes jährlich 25 Tonnen CO2 eingespart werden.
 
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«Das eidgenössische Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Energie, VBS, will künftig einen wesentlichen Teil zur Senkung des CO2-Ausstosses und zur Produktion erneuerbarer Energien beitragen. Das hat Winsun auf die Idee gebracht, für dieses nachhaltige Vorhaben eine spezielle Solaranlage zu entwickeln», sagt Beat Ruppen, Verwaltungsratspräsident der winsun AG. Das Walliser Photovoltaik-Unternehmen plant eine mobile Solaranlage mit dem Namen «Solarraupe42», die das VBS auf leerstehenden Flächen platzieren könnte. Die geplante Anlage setzt sich aus mehreren Modulen – Solarzellen – zusammen, die sich in der Bewegung einer Raupe ganz leicht aus- und einfahren liessen. Ist das Interesse seitens des eidgenössischen Departements für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport vorhanden, plant die winsun AG die Entwicklung dieser speziellen Solaranlage. Bundesrätin und VBS-Chefin Viola Amherd hatte am Wochenende via Sonntagszeitungen entsprechendes Interesse bekundet.
 
Optimale Nutzung von leerstehenden Flächen: «Unsere Solarraupen könnten beispielsweise auf Militärflugplätzen, die gerade nicht genutzt werden, aneinandergereiht werden. Werden die Flugplätze wieder gebraucht, können wir die Raupen via Fernsteuerung einfahren und die Anlagen vom Platz nehmen», so Beat Ruppen. «Eine ‹Solarraupe42› hat eine Fläche 238 m2 und erzielt – daher die Zahl im Namen – eine Leistung von 42 kWp. Auf einem Flugplatz wie auf jenem in Turtmann könnten 300 Anlagen aufgestellt werden, was einer jährlichen Energieproduktion von mehr als 12 GWh entspricht. Damit könnten rund 2’700 Haushaltungen mit Energie versorgt werden». Bei dieser nachhaltigen Energieversorgung stehen auch die CO2-Einsparungen im Zentrum: Pro Anlage könnten jährlich 25 Tonnen eingespart werden. Die geplante Solaranlage verfügt über eine intelligente Wetter-Sensorik: Die Raupe reagiert bei Wind, Regen oder Schnee und fährt, falls nötig, automatisch ein. So kann die Anlage immer die bestmögliche Rendite generieren. 

Samstag, 22. Juni 2019

Klare Mehrheit weiterhin für Ausstieg

Eine repräsentative Bevölkerungsumfrage zeigt, dass eine klare Mehrheit von 76 Prozent den Atomausstieg der Schweiz grundsätzlich befürwortet. Das Ergebnis stützt die Energiestrategie 2050 des Bundes.

Im Rahmen einer repräsentativen Bevölkerungsumfrage, welche das Marktforschungsinstitut gfs-zürich im Auftrag der Schweizerischen Energie-Stiftung (SES) durchgeführt hat, gaben 76 Prozent – oder rund drei Viertel der Befragten – an, dass Sie den Ausstieg aus der Atomenergie «grundsätzlich befürworten» (46% ja; 30% eher ja gegenüber 12% nein und 11% eher nein). Die repräsentative Omnibus-Befragung von 1006 Erwachsenen in der Deutsch- und Westschweiz fand vom 13. Mai bis zum 3. Juni 2019 statt.
Kein Stadt-Land-Graben: Signifikant höher fällt die Befürwortung unter Frauen, älteren Personen und Befragten mit höherem Bildungsniveau aus. In der Westschweiz ist die Befürwortung zwar etwas höher, aber die Polarisierung weniger stark als in der Deutschschweiz. Ein Stadt-Land-Graben ist nicht erkennbar.

Bevölkerung stützt Neubauverbot: Das klare Ergebnis steht im Einklang mit der Energiestrategie 2050 des Bundes, welche den Atomausstieg und den Ersatz der wegfallenden Reaktoren mit Energieeffizienzmassnahmen und einem Ausbau der erneuerbaren Energien in der Schweiz sicherstellen will. «Die aktuelle Klimadebatte wird gerne dafür genutzt, die Nachteile der Atomenergie zu relativieren – doch die Bevölkerung steht hinter dem Neubauverbot», so die Einschätzung von SES-Geschäftsleiter Nils Epprecht.

Neue AKW unrealistisch
: Die SES hat jüngst in einer Kurzstudie aufgezeigt, dass neue Atomkraftwerke sowohl hinsichtlich des Zeit- als auch des Kapitalbedarfs und der Finanzierung nicht realistisch sind und klare Nachteile gegenüber neuen erneuerbaren Energien wie der Photovoltaik aufweisen.  

» Alle Grafiken zum Umfrageergebnis auf der SES-Website

Freitag, 21. Juni 2019

Neue AKW für's Klima - offenbar Rohrkrepierer

Beunruhigende Nachrichten aus Frankreich - und doch auch ein klares Signal: Die Inbetriebnahme des neuen Atomkraftwerkes im nordwest-französichen Flamanville verzögert sich erneut um Jahre! Die Verzögerungen und Kostenüberschreitungen summieren sich unterdessen auf mehr als ein Jahrzehnt und rund elf Milliarden Euro! Soll das der Weg zur Überwindung der Klimakrise sein? 

Defekte Leitungen im fertiggestellten
Reaktor von Flamanville (Image: ANS
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Nein! Das kann nicht der Weg sein, auf dem die Klimakatastrophe bekämpft werden kann oder soll. Das ist zumindest für  Befürworter Erneuerbarer Energien längst klar. Zumal die Prognosen für die Photovoltaik je länger je besser ausfallen. Sie hat sich unterdessen zur kostengünstigsten unter allen neu zu erstellenden Kraftwerken gemausert - ja sie ist in gewissen Gebieten der Erde sogar der wortwörtlichen Dreckskohle kostenmässig unterdessen überlegen.

Überlegen ist sie aber vor allem auch der Atomtechnologie, die in diesen Tagen wieder einmal unrühmlich von sich reden macht. Es gibt ja in der westlichen Welt eh nur wenige in Bau befindliche Atomkraftwerke, in Westeuropa gerade mal deren drei - eines in Finnland, eines im sehr frühen Baustadium im englischen Hinkley Point - und eben eines auch nur in Frankreich, wo deren viele auch schon Jahrzehnte auf dem Buckel haben. Und ausgerechnet dieses Vorzeigeprojekte, dessen Instandstellung unter anderem als Voraussetzung für das Ende des Schrottreaktors in Fessenheim gilt, macht nun erneut Schwierigkeiten.

In hiesigen Medien noch kaum beachtet - und von der Atomlobby natürlich füglich verschwiegen - wurde gestern Donnerstag bekannt, dass Flamanville nicht vor dem Jahr 2022 loslegen kann (zuletzt war Ende dieses Jahres vorgesehen). Verantwortlich sind unter anderem defekte Schweissnähte - wo man doch meinen sollte, das mit den Schweissnähten hätten sie nach vielen hundert Bauten nunmehr geschnallt. Die Folge ist ein weiteres Emporschnellen der Kosten auf unterdessen über elf Milliarden Euro, ursprünglich sollten es mal deren 3,4 sein. Aber das ist ja eben mehr als ein Jahrzehnt her und geht halt schnell mal vergessen. 

Wie schreibt da der französische Figaro so schön: «Ein harter Schlag für die Betreiberfirma, die quasi-staatliche EDF.» Und hinter der erneuten Verzögerung steckt offenbar die französische Aufsichtsbehörde (ASN), die schlicht und ergreifend die Inbetriebnahme zum jetzigen Zeitpunkt verboten habe. Das Ganze wächst sich gemäss der Zeitung unterdessen zu einer «industriepolitischen Katastrophe» aus. Da ist die Meinung des viel weiter links stehenden LeMonde überhaupt noch nicht inbegriffen. Deren Redaktion sieht schlicht und einfach die französische Stromindustrie als ganzes in Frage gestellt. Und demnach geht es eben nicht nur um die Schweissnähte, sondern um den inneren Reaktormantel, der als nicht sicher gilt - und möglicherweise ersetzt werden muss. In einer ersten, vorläufigen Reaktion hat die französische Regierung zugesichert, am Schliesslungstermin für das erwähnte höchstproblematische AKW in Fessenheim festzuhalten.

Weitere Quellen:

Donnerstag, 20. Juni 2019

CH-Energieverbrauch ist 2018 deutlich gesunken

Der Endenergieverbrauch der Schweiz ist 2018 gegenüber dem Vorjahr um 2,2% auf 830'880 Terajoule (TJ) gesunken. Ein wichtiger Grund dafür ist die im Vergleich zum Vorjahr wärmere Witterung.  Ausreisser nach oben sind die Flugtreibstoffe, deren Verbrauch um über 5% gestiegen ist (womit im letzten Jahr noch nicht galt «Greta statt Kreta»).
 
Die Abnahme des Endenergieverbrauches um 2,2% gegenüber dem Vorjahr ist in erster Linie auf die wärmere Witterung zurückzuführen: Die Anzahl Heizgradtage, ein wichtiger Indikator für den Energieverbrauch zu Heizzwecken, nahm gegenüber dem Vorjahr um 10,6% ab. Zugenommen haben 2018 jedoch andere Faktoren, welche den langfristigen Wachstumstrend des Energieverbrauches bestimmen: Die ständige Wohnbevölkerung (+0,7%), das Bruttoinlandprodukt (+2,5%), der Motorfahrzeugbestand (+1,0%) und der Wohnungsbestand (Zuwachs, es liegen jedoch noch keine detaillierten Zahlen vor). Effizienzsteigerungen und Substitutionseffekte wirken sich hingegen dämpfend auf das Wachstum des Energieverbrauches aus. Zu den Bestimmungsfaktoren der Energieverbrauchsentwicklung werden die jährlichen Ex-Post-Analysen weitere Aufschlüsse liefern können (Publikation im Oktober 2019).

 

Rückgang von Energieträgern zu Heizzwecken: Die warme Witterung bewirkte einen deutlichen Rückgang des Verbrauchs von Energieträgern zu Heizzwecken: Der Verbrauch von Heizöl extra-leicht sank um 10,1%, derjenige von Erdgas um 5,6% gegenüber dem Vorjahr. Der Elektrizitätsverbrauch nahm ebenfalls ab (-1,4%) (siehe Medienmitteilung BFE vom 18. April 2019). Diese drei Energieträger machen mehr als die Hälfte des Endenergieverbrauches aus (2018: 51,9%).


Die energetische Verwendung von Industrieabfällen hat um 1,9% zugenommen (Anteil am Endenergieverbrauch 2018: 1,3%). Wie im Vorjahr hat der Verbrauch von Kohle (-6,9%) und den schweren Heizölsorten (-50,0%) abgenommen. 2018 stieg hingegen der Verbrauch von Petrolkoks (+42,1%). Der Anteil dieser drei Energieträger am gesamten Endenergieverbrauch ist sehr gering (<1 font="">

Der Treibstoffverbrauch insgesamt hat gegenüber dem Vorjahr zugenommen (+1,4%). Der Trend zur Substitution von Benzin durch Dieseltreibstoff setzte sich ungebrochen fort: Der Absatz von Dieselöl erhöhte sich um 1,3%, der Benzinverbrauch ging um 1,6% zurück. Der Absatz von Flugtreibstoffen stieg um 5,7% und wies die höchste absolute Zunahme von allen Energieträgern auf. Die fossilen Treibstoffe machen gut einen Drittel (35,4%) am gesamten Endenergieverbrauch aus.

 

Verbrauchsrückgang bei den erneuerbaren Energien: Die wärmere Witterung wirkte sich auch auf den Verbrauch der erneuerbaren Energieträger zu Heizzwecken aus. Der Verbrauch von Energieholz sank um 6,3%. Auch die Nutzung von Umgebungswärme mit Wärmepumpen lag 1,8% unter dem Vorjahreswert, ebenso der Verbrauch von Fernwärme (-2,1%). Der Verbrauch von Solarwärme registrierte hingegen eine Zunahme (+2,0%). Der Anteil dieser Energieträger am gesamten Endenergieverbrauch 2018 betrug 9,2% (Energieholz: 4,6%, Umgebungswärme: 2,0%, Fernwärme: 2,3%, Solarwärme: 0,3%).


Die direkte Nutzung von Biogas stieg um 5,7%. Unter Berücksichtigung des ins Erdgasnetz eingespeisten Biogas (das statistisch unter Gas verbucht wird), ergibt sich ein Anstieg des Biogasverbrauches um 6,7%. Der Anteil des eingespeisten Biogases am gesamten Gasverbrauch betrug 2018 1,0%. Der Verbrauch der biogenen Treibstoffe nahm gegenüber dem Vorjahr wiederum deutlich zu (+36,2%) und deren Anteil am gesamten Absatz von Benzin und Diesel lag 2018 bei 3,5% (2017: 2,6%). Neben der Befreiung der biogenen Treibstoffe von der Mineralölsteuer wirkt sich auch deren Anrechnung als CO2-Kompensationsmassnahme verbrauchssteigernd aus. 

Die Schweizerische Gesamtenergiestatistik 2018 ist ab der zweiten Hälfte Juli 2019 auf Internet verfügbar und Anfang August in gedruckter Form erhältlich. Ab sofort verfügbar ist ein erster zusammenfassender Überblick (siehe Anhang).

Adresse für Rückfragen
Marianne Zünd, Leiterin Medien und Politik BFE, 058 462 56 75 / 079 763 86 11


Herausgeber
Bundesamt für Energie
http://www.bfe.admin.ch

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Montag, 17. Juni 2019

PV-Winterstrom aus den Bergen geht vergessen

Die Vorlage zur Revision der Energieverordnung enthält einen neuen Anreiz, um die Winterstromlücke mit erneuerbaren Energien zu stopfen. Dabei ist nur die Wasserkraft berücksichtigt. Das gewaltige Potenzial der Photovoltaik wird noch nicht adressiert. Am 19. Juni läuft die Frist für Stellungnahmen zur geplanten Revision der Energieverordung EnV, der Energieförderverordung EnFV und der Energieeffizienzverordung EnEV ab. Die Schweizerische Energie-Stiftung (SES) hat die Vorlagen analysiert und nimmt an der Vernehmlassung teil.

Der Ausbau der erneuerbaren Energien ist in der Schweiz blockiert. Damit sich diese Situation verbessert, braucht es mehr als die zur Vernehmlassung stehenden Verordnungsänderungen. Dennoch schöpft die vorliegende Version der EnFV ihr Potenzial nicht aus. Der neue Anreiz für Wasserkraftwerke, im Winter Strom zu produzieren, sollte aus Sicht der SES technologieneutral ausgestaltet werden. Nicht nur die Speicherwasserkraft, auch die Solarenergie kann im Winterhalbjahr wertvollen Strom liefern.

Ein beschleunigter Ausbau der Photovoltaik ist dringend und wäre innerhalb des bestehenden gesetzlichen Rahmens möglich. Mit Anreizen für winterstromoptimierte Photovoltaik können Potenziale an Fassaden sowie an alpinen Infrastrukturen erschlossen werden. Damit würde die kürzlich von der ElCom angemahnte Inlandproduktion gesteigert werden. Dass Photovoltaik im Winterhalbjahr sogar den günstigsten Strom liefern kann, hat eine von der SES herausgegebene Studie im Oktober 2018 gezeigt.

Mehr Transparenz für KonsumentInnen: Die SES begrüsst die vorgeschlagenen Änderungen der Energieetikette für Fahrzeuge. Insbesondere die vereinfachte Bestimmung der Energieeffizienzklasse, der gestrichene Gewichtsbezug bei verschiedenen Fahrzeugen und die bessere Sichtbarkeit der Energieeffizienz in der Werbung machen die Energieetikette transparenter und dadurch wirkungsvoller.

» SES-Stellungnahme zur Vernehmlassung (.pdf)

Quelle: Schweizerische Energie-Stiftung

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Mittwoch, 12. Juni 2019

Verwaltung steigert Energieeffizienz um 30 %

Mit der Initiative Energie-Vorbild engagieren sich die Bundesverwaltung sowie bundes- und kantonsnahe Unternehmen für die Umsetzung der Energiestrategie 2050 und für den Klimaschutz. Die Akteure haben ihre Energieeffizienz seit 2006 deutlich gesteigert und den Anteil erneuerbarer Energien erheblich ausgebaut.  

Schulkinder legen zwischen Miralago
und dem Val dal Teo im Puschlav
Schulweg im Elektrobuszurück
Die Initiative Energie-Vorbild umfasst die zivile Bundesverwaltung, das VBS, den ETH-Bereich und die bundesnahen Unternehmen Post, SBB, Skyguide, Suva und Swisscom sowie die kantonalen Unternehmen Genève Aéroport und Services Industriels de Genève. Sie alle haben eine gemeinsame Absichtserklärung unterzeichnet mit dem Ziel, ihre Energieeffizienz bis 2020 um 25% zu verbessern (gegenüber dem Ausgangsjahr 2006). Ihr Engagement umfasst Massnahmen bei Gebäuden, in der Mobilität, im IT-Bereich und zur Förderung von erneuerbaren Energien.

Bis Ende 2018 haben die Akteure der Initiative Energie-Vorbild ihre Energieeffizienz im Durchschnitt um 30,2% (2017: 27,6%) gesteigert gegenüber dem Basisjahr 2006. Damit ist das Effizienzziel für 2020 bereits übertroffen. Zurücklehnen können sich die Akteure dennoch nicht. Denn ohne zusätzliche Anstrengungen ist nicht garantiert, dass dieser Wert auch im Folgejahr erreicht wird oder gar noch gesteigert werden kann. Der durchschnittliche Anteil der erneuerbaren Energien am Gesamtverbrauch entsprach 2018 mit 59% genau dem Ergebnis aus dem Vorjahr. Die 39 gemeinsamen Massnahmen waren Ende 2018 bereits zu 81% (2017: 79%) umgesetzt.

Dank gemeinsamer Massnahmen auch weniger CO2-Ausstoss: Die gemeinsamen Massnahmen tragen auch zum Klimaschutz bei. So sind die Akteure zum Beispiel beim Ersatz bestehender Heizungen in 9 von 10 Fällen von fossiler auf erneuerbare Energie umgestiegen. Weiter reisen die Mitarbeitenden bei 8 von 10 internationalen Geschäftsreisen im Zug statt im Flugzeug, wenn die Reisezielemit der Bahn ab Basel, Zürich oder Genf in maximal fünf Stunden erreicht werden können. Und in der Informatik verfolgen alle Akteure vorbildliche Konzepte zur Weiterverwendung von Geräten wie Notebooks, Computern und Servern, die ebenfalls zu einem tieferen Verbrauch von grauer Energie beitragen.


An einer energieneutral durchgeführten Veranstaltung in der Rehaklinik Bellikon der Suva präsentierte die Initiative Energie-Vorbild heute ihren Jahresbericht 2018. Zusätzlich informierten die Akteure über erfolgreiche Massnahmen im vergangenen Jahr. Diese reichten von intelligenten Temperatursteuerungen in Zügen (SBB) über luftgekühlte Mobilfunkbasisstationen (Swisscom), Elektropostautos (Die Schweizerische Post - siehe Bild oben), Drohnen für Kalibrierungsflüge (Skyguide), die Weiterverwendung alter Smart Phones und Tablets (zivile Bundesverwaltung), den Ausbau der öffentlichen Verkehrsmittel für Personal und Passagiere (Genève Aéroport), energieeffizientere Heliumkompressoren (ETH-Bereich), die Beseitigung von Lecks in der Wasserversorgung (Services Industriels de Genève) bis hin zu ökologischerem Drucken (Suva) und dem Bau der energieeffizienten Kaserne mit Minergie-P in Jassbach (VBS). Diese Beispiele sind im beiliegenden Faktenblatt zusammengefasst. 

Quelle:  http://www.bfe.admin.ch

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Sonntag, 9. Juni 2019

PV ist der Weg, genug Strom zu produzieren

Auf Französisch ist das neue Buch des Waadtländer SP-Nationalrats Roger Nordmann (Le Plan Solaire Et Climat) schon erschienen - aus der Warte seiner anderen wichtigen Funktion, der des Präsidenten des Solardachverbands Swissolar. Im nachstehenden Video-Interview begründet er seine Haltung, weshalb die Schweiz eine solare Revolution braucht (was am Pfingstsonntag SP-Präsident Levrat mit der Forderung eines energetischen Investitionspakets noch unterstrichen hat). Das Buch von Nordmann wird derweil im August auf Deutsch erscheinen und dannzumal auch hier ausführlich gewürdigt.



Quelle: VSE Verband der Schweizerischen Elektrizitätsproduzenten

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Samstag, 8. Juni 2019

PV wird zum Game-Changer im System

Dramatische Kostensenkungen und der rasante Ausbau der Produktionskapazitäten machen die Photovoltaik zu einem Game Changer des globalen Energiesystems. Nicht nur der Stromsektor, sondern auch Verkehr, Wärme, Industrie und Chemieprozesse werden in Zukunft maßgeblich durch Solarstrom versorgt. Darin liegen Chancen, aber auch Herausforderungen – auf der Ebene des Energiesystems ebenso wie für Forschung und Industrie. Die Eckpunkte der zukünftigen Entwicklungen beschreiben führende internationale Photovoltaik-Forscher rund um die Global Alliance for Solar Energy Research Institutes in einem Artikel, der am 31. Mai im Journal »Science« erschien. 

Internationale Photovoltaik-Experten diskutieren regelmäßig die Herausforderungen
an die Photovoltaik als wesentliche Säule der Energiewende weltweit.
Hier 2018 am NREL in Golden, Colorado, USA. © NREL
Die Global Alliance for Solar Energy Research Institutes GA-SERI besteht aus dem Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE, dem National Institute of Advanced Industrial Science and Technology AIST (Japan) und dem National Renewable Energy Laboratory NREL (USA). Seit 2016 diskutiert dieser internationale Expertenkreis, erweitert um Forscher aus weiteren Gruppen und Ländern, regelmäßig über die Herausforderungen für den Einsatz der Photovoltaik zur Realisierung der weltweiten Klimaziele.

Das Wachstum der PV-Branche zu einem Multi-Terawatt-Markt verlaufe schneller als erwartet, so die Experten. Während Ende 2018 500 Gigawatt (0,5 TW) Photovoltaikleistung weltweit installiert waren, wird für 2030 mit 10 Terawatt (TW) und für 2050 mit 30 bis 70 TW gerechnet. »Die Kosten für PV- Module sind in den letzten 40 Jahren um zwei Größenordnungen gesunken, Ende 2018 lagen sie unter 25 Dollarcent pro Watt. Dadurch sanken die Stromgestehungskosten für Solarstrom – im Gegensatz zu konventionellen Energiequellen – und in weiten Teilen der Welt ist er absolut wettbewerbsfähig«, so Dr. Andreas Bett, Leiter des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ISE.

Der steigende Anteil von PV-Strom am Strommix zieht Änderungen im Stromerzeugungs- und Übertragungssystem, in den Betriebsführungsstrategien und bei den PV-Systemen selbst nach sich, so die Autoren. »Der fundamentale Wandel in unserem Energiesystem stellt uns vor die Herausforderung, ergänzende Technologien wie Speicher zu entwickeln und die Sektorenkopplung voranzutreiben«, so Andreas Bett weiter. Fünf Handlungsfelder identifizieren die Wissenschaftler:

Netze und Leistungselektronik 

Die Harmonisierung von Verbrauch und Erzeugung auch über größere Entfernungen, Speicher sowie verbesserte Solarprognosen helfen, Schwankungen im Solarstromangebot auszugleichen. Mit einem wachsenden PV-Strom-Anteil im Stromnetz werden Solaranlagen zunehmend netzdienliche Leistungen wie Spannungsregulierung und Frequenzsteuerung übernehmen, wofür eine neue Generation PV-Wechselrichter entwickelt wurde. Bei einem sehr hohen PV-Anteil werden neue Technologien wie virtuelle Schwingungsregler zum Einsatz kommen, und die Kopplung mit Batteriesystemen schafft widerstandsfähige, zuverlässige Systeme. 
Speicher 
Die Preise für Lithium-Ionen-Batterien sind in den letzten acht Jahren um 80 Prozent gesunken, und weitere Senkungen sind durch steigende Produktionskapazitäten und Technologieentwicklung zu erwarten. Darüber hinaus arbeiten Forschung und Industrie an neuen, kostengünstigen Materialien mit einer höheren Energiedichte als Alternative zu Lithium-Ionen – Batterien. Eine weitere Möglichkeit sind Pumpspeicherkraftwerke, für die weltweit ein erhebliches technisches Potenzial besteht. 
Sektorenkopplung 
Die Elektrifizierung des Transportsektors, der für 39 Prozent des fossilen Gesamtenergieverbrauchs zuständig ist, sowie der Gebäudeheizung (17 Prozent der fossilen Energieträger) werden die Nutzung erneuerbarer Energien dramatisch erhöhen. Wärmepumpen als die führende Heizungsform der Zukunft werden die Energieeffizienz von Gebäude deutlich verbessern. Industrien wie die Stahl-, Eisen – und Düngemittelherstellung können mit kostengünstig solar erzeugtem Wasserstoff und Ammoniak die Treibhausgasemissionen ihrer Prozesse reduzieren. 
Power to X/Gas 
Kostengünstiger Wind- und Solarstrom kann zur Erzeugung von Wasserstoff, Methan und anderen Kohlenwasserstoffverbindungen genutzt werden, die als synthetische Kraft- und Brennstoffe, Prozesschemikalien oder als Ausgangsstoffe für die chemische Industrie zum Einsatz kommen. Mit Power-to-Gas oder Power-to-X –Technologien können viele Terawatt Wind- und Solarleistung aufgenommen und über lange Zeiträume chemisch gespeichert werden. Die Forscher sehen hier noch viel Potenzial für Effizienzsteigerung und Kostensenkung. 
Forschung und Produktion 
Die »Lernkurve« der Photovoltaik, die in den letzten 40 Jahren eine Senkung der Modulkosten von 23 Prozent pro Verdopplung der installierten Kapazität gezeigt hat, wird sich nach Ansicht der Wissenschaftler fortsetzen. In der Silicium-Photovoltaik, die 95 Prozent des Weltmarktes ausmacht, geht der Trend zu kostengünstigen Solarzellen mit passivierten Kontakten, die höhere Wirkungsgrade ermöglichen. Technologische Fortschritte im Bereich der Dünnschicht- und neuartigen Technologien haben hier die Wirkungsgrade über die 20%-Marke gehoben, bei Mehrfachsolarzellen auf Basis von Silicium sind es bereits über 35. Auch die erhöhten Produktionsvolumina bedingen neue Forschungs- und Entwicklungsaufgaben: Fragen von Materialversorgung (vor allem bei seltenen Elementen wie Silber), Nachhaltigkeit und Recycling rücken bei einer Produktion im Terawatt-Bereich stärker in den Mittelpunkt.

Die Veröffentlichung der Global Alliance - mit dem Titel »Terawatt-scale photovoltaics: Transform global energy Improving costs and scale reflect looming opportunities« erschien am 31. Mai 2019 in Science.