Samstag, 28. Februar 2015

Grosser Sprung des Solarindex


Der Solaraktien-Index PPVX stieg letzte Woche um 4,3% auf 1.835 Punkte, der NYSE Arca Oil um 0,6%. Seit Jahresanfang 2015 liegt der PPVX mit +18,6% währungsbereinigt rund 8 Prozentpunkte vor dem Erdölaktienindex (+10,7%). Das PPVX-Spitzentrio 2015 bilden Hanergy Thin Film Power (+61%), First Solar (+34%) und SunPower(+26%). Die grössten Gewinner der Woche waren First Solar (+22%) und SunPower (+17%), die grössten Verlierer REC Silicon (-8%) und SolarCity (-5%). Der PPVX-Börsenwert beträgt rund 57,0 Mrd. Euro. Seit Anfang 2003 liegt der PPVX (+552%) rund 363 Prozentpunkte vor dem Erdölaktien-Index (mit +189%). 


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Der Solaraktienindex PPVX erscheint zweiwöchentlich auf Solarmedia, in den Zwischenwochen auf Vorsorgemedia!

Quelle: Öko-Invest-Verlag, Wien, oeko-invest@teleweb.at

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Donnerstag, 26. Februar 2015

Die Aargauer AEW geht solar

Die AEW Energie AG engagiert sich verstärkt im Bereich der erneuerbaren Energie. 2014 hat sie sechs neue Photovoltaik-Anlagen mit total 1 422 Kilowatt Spitzenleistung erstellt. Damit werden jährlich durchschnittlich 1,3 Mio. Kilowattstunden (kWh) Strom aus neuen erneuerbaren Energien produziert. Die AEW Energie AG hat rund CHF 2,2 Mio. investiert.  
 
 
2014 hat die AEW Energie AG in Lenzburg, Mellingen, Oberkulm (im Bild), Sins und Villigen sechs neue Photovoltaik-Anlagen erstellt. Die installierten 5 525 Photovoltaik-Panels ergeben eine Fläche von 8 840 m2 oder 1,2 Fussballfelder. Mit der installierten Spitzenleistung von 1 422 Kilowatt werden jährlich durchschnittlich 1,3 Mio. kWh Strom aus neuen erneuerbaren Energien produziert. Dies entspricht dem durchschnittlichen Stromverbrauch von 280 Vierpersonen-Haushalten. Die AEW Energie AG hat rund CHF 2,2 Mio. investiert. Die sechs neuen Photovoltaik-Anlagen sind:
  • SACAC Schleuderbetonwerk AG, Produktionshallen 1+3, Lenzburg 705 kWp
  • AEW Energie AG, Regional-Center Lenzburg, Erweiterung auf Werkstatthalle 177 kWp
  • Gisi Geflügelhof, Mellingen 146 kWp
  • Neufeldturnhalle, Oberkulm 24 kWp
  • Huwiler Geflügelmaststall, Sins 275 kWp
  • Paul Scherrer Institut, Werkstattgebäude, Villigen 95 kWp

Gesamthaft betreibt die AEW Energie AG 13 Photovoltaik-Anlagen mit total 1 905 Kilowatt Spitzenleistung und einer jährlichen Durchschnitts-Stromproduktion von 1,693 Mio. kWh. Die AEW engagiert sich verstärkt im Bereich der erneuerbaren Energie und entwickelt ihr Portfolio mit Wasserkraft-, Windkraft- und Solaranlagen sowie Wärmeverbunden laufend weiter.  

Quelle: AEW

Mittwoch, 25. Februar 2015

EEG-Erfolg - leider bald zu Ende

Einer der wichtigsten Mitautoren des deutschen Fördergesetzes nutzt den Zeitpunkt, um seine Kritik an der aktuellen Politik zu erneuern. Der Grünen-Politiker Fell war neben dem bereits verstorbenen SPD-Kollegen Hermann Scheer einer der wichtigsten Motoren für die Einführung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG), das sich dann zum Exportschlager entwickelte. Eine Würdigung des Solar-Portals pv-magazine.de.

Am 25. Februar 2000 – also vor 15 Jahren – verabschiedete der Bundestag das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Am Dienstag veröffentlichte die Bundesnetzagentur auf Geheiß der derzeitigen Bundesregierung die erste Ausschreibungsrunde für Photovoltaik-Freiflächenanlagen. Dies könnte man als Anfang vom Ende der Idee des EEG sehen. Die Bundesregierung will sich damit von der Idee des ursprünglichen Gesetzes verabschieden, erneuerbare Energien über Einspeisetarife zu fördern und eine Umstellung auf Ausschreibungen bis spätestens 2017 vollziehen. Dabei ist das EEG eine Erfolgsgeschichte, die der Politik nur selten gelingt.

Zum Jahresende 2014 schafften es die Erneuerbaren ihren Anteil an der Stromversorgung auf fast schon sensationelle 28 Prozent zu steigern. Vor allem der Ausbau von Photovoltaik und Windkraft an Land sind durch das EEG maßgeblich vorangetrieben worden. Die installierte Photovoltaik-Leistung lag zum Jahresende 2014 bereits bei mehr als 38 Gigawatt. Diese erzeugten im vergangenen Jahr bereits 35,2 Terawattstunden Solarstrom, was einem Anteil von 5,8 Prozent der Stromerzeugung insgesamt entspricht. Die Windkraftanlagen an Land erzeugten sogar 51,2 Terawattstunden. Alles Zahlen und Fakten, die Deutschland in Sachen Energiewende zu einem Vorreiter machen. Die aktuelle Politik droht die Erneuerbaren allerdings eher auszubremsen. Sie hat sich mit der EEG-Novelle im vergangenen Jahr im Wesentlichen von den Grundideen des EEGs verabschiedet.

Neben dem leider bereits verstorbenen SPD-Politiker Hermann Scheer gilt vor allem Hans-Josef Fell von den Grünen als einer der wichtigsten Autoren des EEG aus dem Jahr 2000. Sein Kommentar zum 15. Jahrestag kann daher kaum verwundern. „Während nun von China über Indien, Japan, USA bis hin nach Afrika und Südamerika die erneuerbaren Energien steil ausgebaut werden, haben CSU, CDU und SPD mit der letzten EEG-Novelle 2014 die erfolgreiche Ausbaudynamik der erneuerbaren Energien beendet – zum Schaden von Klimaschutz und Energieversorgungssicherheit. Der Siegeszug der erneuerbaren Energien geht weltweit weiter, doch Merkel, Gabriel und Seehofer verheddern sich in ihrer Unfähigkeit, die Energiewende zu managen und setzen damit endgültig die Technologieführerschaft Deutschlands in diesem großen Exportgeschäft der Zukunft aufs Spiel“, so die Einschätzung von Fell. Dabei sei das EEG zum „weltweit erfolgreichsten politischen Exportschlager“ geworden. Fast 100 Länder weltweit hätten das Gesetz kopiert und damit den Siegeszug der Erneuerbaren erst ermöglicht.


Quelle: pv-magazine / Bild: Freiflächenanlage von Belectric

CS erwartet strahlende Solarenergie


Der Preisrückgang bei fossilen Brennstoffen hat den alternativen Energien nicht das Licht ausgeknipst. Manche von ihnen leuchten vielmehr recht hell.

Sechs erneuerbare Energien, die man im Auge behalten sollte

Bei Erdöl gab es schon seit jeher Phasen des Auf- und des Abschwungs. In manchen Jahren trinkt die Erdölbranche Champagner, in anderen verpfändet sie die Kelche, aus denen sie ihn vorher trank. Wird also der aktuelle Preisverfall um 50 Prozent die wirtschaftliche Grundlage der alternativen Energien vernichten, wie es beim letzten Crash Mitte der 1980er Jahre der Fall war? Nein, so das Global Energy Team der Credit Suisse. Erstens ist der derzeitige Angebotsüberhang deutlich geringer als noch vor drei Jahrzehnten. Das Team erwartet, dass sich die Preise bereits im Laufe des Jahres erholen werden. Zweitens spielt Öl bei der Stromerzeugung, wo erneuerbare Energien das grösste Wachstum verzeichnen, mit lediglich 4 Prozent der weltweiten Stromproduktion ohnehin nur eine kleine Rolle. Drittens haben Regierungen diesmal einen weiteren wichtigen Grund, erneuerbare Energien zu fördern: Sie bieten die dringend benötigten Vorteile geringerer CO2-Emissionen und besserer Luftqualität.
Während die Öl- und Gasmärkte taumeln, dürften erneuerbare Energien daher ihren Aufstieg im Jahr 2015 fortsetzen. Es folgt ein Überblick über das «saubere halbe Dutzend» – die wichtigsten Arten unerschöpflicher Energiequellen.

Strahlende Solarenergie

Bis vor Kurzem war Photovoltaik noch eine Nischentechnologie – gut geeignet, um Taschenrechner oder Raumstationen mit Energie zu versorgen, aber zu teuer für die konventionelle Stromerzeugung. Doch diese Zeiten gehören dem «2015 Solar Outlook» der Credit Suisse zufolge der Vergangenheit an. Solarkollektoren erzeugen aktuell nur 1,2 Prozent der Elektrizität, aber dank zweier Trends wird bis 2020 eine annähernde Vervierfachung der Kapazitäten erwartet. Zum einen sind die Kosten in den letzten sieben Jahren um enorme 80 Prozent gefallen. Die Branche durchläuft eine klassische «Lernkurve», bei der Produkte und Produktionsverfahren ständig besser werden. Dies führt dazu, dass es in Australien, Spanien, Deutschland, Chile, Italien und fünf weiteren Ländern für Hausbesitzer billiger ist, Solaranlagen zu installieren, als das örtliche Stromnetz anzuzapfen. Zum anderen sind derzeit einige grosse Projekte im Gange. China, Indien, die Europäische Union und die USA verfügen allesamt über grössere Programme (oder Anreize) zum Aufbau von mehreren hundert Gigawatt zusätzlicher Kapazität in den kommenden zehn Jahren. Der Ausblick: sonnig.

Wachsende Windkraft

Unser Horizont hat sich stark verändert – im wahrsten Sinne des Wortes. Heutzutage ist es nahezu unmöglich, vom Flugzeug, Zug oder Auto aus die Landschaft zu betrachten, ohne riesige Rotorblätter in den Himmel ragen zu sehen. Man kann davon ausgehen, künftig noch mehr Windkraftanlagen zu Gesicht zu bekommen, so ein Bericht der Credit Suisse mit dem Titel «China Power Equipment Sector». Dieser prognostiziert eine Verdreifachung der Kapazität im Zeitraum 2013–2020, was bis zum Ende des Jahrzehnts 12 Prozent des weltweit erzeugten Stroms entsprechen wird. Immer mehr neue Windparks werden im Meer gebaut. Auf der offenen See weht der Wind oft gleichmässiger und es steht mehr Platz zur Verfügung. Vor den Küsten Englands, Dänemarks, Deutschlands und Belgiens stehen bereits riesige Generatoren und es sind weitere geplant; nicht nur in der Nordsee und umliegenden Seegebieten, sondern auch vor China und den USA. Die Kosten der Windenergie sind Brancheninsidern zufolge höher als ursprünglich erwartet und die Stillstandsdauer (wenn der Wind zu stark oder zu schwach weht) höher als anfangs eingeplant. Der Ausblick lautet trotzdem: Rückenwind.

Wuchtige Wasserkraft

Heutzutage ist Wasserkraft die älteste der erneuerbaren Energien. Wasser hat den Beginn der industriellen Revolution in der Mitte des 18. Jahrhunderts vorangetrieben. Bereits um 1880 wurden erste kommerzielle Kraftwerke an Orten wie den Niagarafällen an der amerikanisch-kanadischen Grenze gebaut. Aber alt bedeutet nicht veraltet. Obwohl Wasserkraft mit Abstand die am weitesten entwickelte erneuerbare Energie ist (sie erzeugt ein Sechstel des weltweiten Stroms), wächst sie ausgehend von dieser starken Basis immer noch robust weiter. Von 2013–2020 wird dem «China Power Equipment Sector»-Bericht der Credit Suisse zufolge die Kapazität von Wasserkraft um beinahe zwei Drittel steigen. Viele der grössten Neukapazitäten werden in China entstehen, der Heimat des weltgrössten Wasserkraftwerks in der Drei-Schluchten-Region am Jangtsekiang, sowie im benachbarten Indien. Projekte in beiden Ländern unterstreichen die Vorteile der Wasserkraft: kostengünstige und CO2-arme Stromerzeugung. Und sie zeigen auch die Nachteile: gewaltige potenzielle Störungen für Mensch und Natur, flussauf- und flussabwärts. Der Ausblick: schnelle Strömung.

Grossartige Geothermie

Der Begriff «Wärmepumpe» mag zunächst etwas rätselhaft klingen, aber die meisten von uns haben täglich mit solchen Geräten zu tun, und zwar in Form von Kühlschränken und Klimaanlagen. Eine typische Klimaanlage ist in der Tat nahezu identisch mit einer Wärmepumpe – mit dem Unterschied, dass eine Wärmepumpe üblicherweise Wärme in ein Gebäude hinein und eine Klimaanlage diese aus einem Gebäude hinaus transportiert. Die meisten funktionieren elektrisch (und einige wenige werden mit Gas betrieben), was bedeutet, dass sie im Gegensatz zu Solarenergie, Windenergie und Wasserkraft nicht «fast CO2-frei» sind. In vielen Ländern sind ihre CO2-Emissionen relativ gering, aber unter bestimmten Umständen – etwa wenn der Strom mit Kohle erzeugt wird – stossen sie mehr Treibhausgase aus als ein konventioneller Boiler, der mit Heizöl, Gas oder Flüssiggas betrieben wird. Obwohl Wärmepumpen weniger als 1 Prozent des weltweiten Stroms erzeugen, wird mehreren Marktstudien zufolge bis zum Ende des Jahrzehnts ein anhaltendes jährliches Wachstum von 10 Prozent erwartet. Eine ähnliche Steigerung bei der Stromerzeugung erwartet man ebenfalls von einer anderen Art der Geothermie, die manchmal als «Hot Rocks» (heisses Gestein) bezeichnet wird. Hierbei werden Dampf und Wasser unterirdisch zur Erzeugung von Strom oder zum Heizen genutzt. Nach Angaben des Renewable Energy Policy Network, einem dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen nahestehenden Think Tank, konzentrieren sich solche Projekte auf Gebiete, in denen heisses Gestein nahe der Erdoberfläche liegt. Zu den recht naheliegenden Standorten gehören Island, Neuseeland, Japan und die Türkei, aber es gibt auch erhebliche Kapazitäten in den USA, auf den Philippinen, in Indonesien, Mexiko und Kenia. Der Ausblick: es wird heisser.

Offener Ozean

Die am wenigsten bekannte erneuerbare Energie ist die sogenannte Meeresenergie. Und das aus gutem Grund: Sie erzielt die geringsten Erfolge. Ein Ansatz besteht in der Nutzung der Gezeiten, die an Orten wie der kanadischen Bay of Fundy oder dem englischen Bristolkanal gewaltig sein können, um elektrische Turbinen anzutreiben. Das klingt toll, aber weltweit sind nur 10 solcher Kraftwerke in Betrieb und die meisten werden eher zu Forschungs- als zu wirtschaftlichen Zwecken genutzt. Ein weiterer Ansatz ist die Nutzung von Wellenenergie zur Stromgewinnung. Die Meeresbrandung kann eine Turbine oder einen Kolben antreiben, oder in einer als «Pelamis» oder «Seeschlange» bezeichneten Anlage beides tun. Der letztgenannte Ansatz weist einige Ähnlichkeiten mit der Geothermie auf. Mit Meereswärmekraftwerken, auch OTEC («Ocean Thermal Energy Conversion») genannt, wird durch die Verbindung von kaltem Wasser aus der Tiefe mit warmem Wasser von der Oberfläche eine stromerzeugende Wärmepumpe geschaffen. Es klingt sonderbar, aber experimentelle Kraftwerke vor den Küsten von Brasilien, Kuba, Hawaii und Japan haben bewiesen, dass das Konzept funktioniert. Sie konnten allerdings nicht beweisen (und das gilt auch für die Wellenenergie), dass sich ihre enormen Investitions- und Wartungskosten reduzieren lassen, damit sie rentabel betrieben werden können. Der Ausblick: Ebbe.

Boomende (und bankrottierende) Biotreibstoffe

Biotreibstoffe sind nichts für schwache Nerven. Die Branche hat einige Erfolge vorzuweisen, aber dafür auch eine bemerkenswerte Reihe von Fehlschlägen und Konkursen. Probleme sind in der Regel Unterkapitalisierung, wechselhafte staatliche Anreize oder eine Mischung aus diesen Faktoren so Russell Heinen, Senior Director bei dem Beratungsunternehmen IHS. Zum Beispiel mussten mehrere Biodieselproduzenten in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrzehnts aufgeben, als ein europäisches Land nach dem anderen die grosszügigen Steuerbefreiungen zurücknahm. Bioethanolproduzenten zeigten sich stabiler, da sie durch die Regierungen Brasiliens und der USA konsequenter unterstützt wurden (was für alle erneuerbaren Energien wesentlich für den Erfolg ist). Aktuellerer Natur ist der Boom von Holzspänen und Pellets, die in immer grösseren Mengen zur Verbrennung in Kraftwerken aus den USA nach Europa transportiert werden. Analysten warnen jedoch, dass Veränderungen bei den undurchsichtigen Regelungen zu erneuerbaren Energien und Emissionsrechten das Wachstum in Windeseile stoppen können. Der Ausblick: auf und ab. 

Neue Geschäftsmodelle für PV

Ungeachtet sinkender Ölpreise wächst die weltweite Nachfrage nach Strom aus Photovoltaik (PV). Stark gefallene Systempreise begünstigen weltweit den Bau von PV-Kraftwerken. Gleichzeitig verändern sich die Geschäftsmodelle der Branche

Auslaufende staatliche Förderungen erfordern neue Finanzierungs- und Erlösmodelle und positionieren die Solarenergie als vielversprechende Investitionsmöglichkeit. Auf der Intersolar Europe in München trifft sich vom 10. bis 12. Juni 2015 die internationale Solarbranche, um sich über aktuelle Marktentwicklungen, neue Technologien und Anwendungsmöglichkeiten zu informieren.

Photovoltaik-Anlagen spielen bei der Stromerzeugung weltweit eine immer bedeutendere Rolle. Für 2015 rechnet das Marktforschungsunternehmen IHS damit, dass die Nachfrage um 16 bis 25 Prozent wachsen wird und das Zubau-Volumen 53 bis 57 Gigawatt (GW) erreichen kann. Während in Europa ein konstantes Wachstum erwartet wird, sind Märkte wie China, Japan und die USA die Wachstumstreiber der Branche. Schon 2018 Netzparität in vier von fünf Ländern
: Die Nachfrage nach Solarstrom wird auch trotz des sinkenden Ölpreises weiter wachsen, wie aus Berechnungen der Deutschen Bank hervorgeht. Der Analyse zufolge wird die Erzeugung von Solarenergie immer wirtschaftlicher. Solarmodule sollen demnach in den nächsten vier bis fünf Jahren um 40 Prozent billiger werden. Schon in drei Jahren könnten laut dem „2015 Solar Outlook“ der Deutschen Bank in bis zu 80 Prozent der Märkte weltweit Netzparität erreicht sein.

Bereits heute haben private wie gewerbliche PV-Anlagen in vielen Ländern Netzparität erreicht: Sie produzieren Solarstrom zu Kosten, die bis zu 60 Prozent niedriger sind als die Tarife der Energieversorger. In Deutschland beispielsweise zahlen private Verbraucher nach Berechnungen des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft durchschnittlich pro kWh 29,13 Cent, während die Gestehungskosten für Solarstrom vom eigenen Dach bei 10-15 Cent liegen. Damit wird der Eigenverbrauch noch attraktiver und gibt zusätzliche Impulse für den wachsenden Markt der Speichersysteme.
 
Zur gleichen Zeit findet eine weitere Entwicklung statt, die den Markt in vielen Ländern verändern wird: Staaten fördern Photovoltaik immer weniger. In Europa rückt das Ende der Einspeisevergütungen näher. In Deutschland beispielsweise sinkt gemäß Erneuerbare-Energien-Gesetz die Förderung schrittweise und soll nach Erreichen des Ausbauzieles ganz gestrichen werden. Die Branche hat reagiert und neue Geschäfts- und Finanzierungsmodelle entwickelt, die an Relevanz gewinnen. Die Bandbreite der Instrumente reicht inzwischen von Miet- und Leasingmodellen über die Direktvermarktung von Solarstrom bis hin zur börsennotierten Betreibergesellschaft, einer sogenannten Yield Co, und den Erwerb von Anteilen an Green Bonds.

Leasing-Modelle sind laut dem Zertifizierungs- und Beratungsunternehmen DNV GL derzeit vor allem in den USA verbreitet. Ein Investor finanziert dabei den Bau von Photovoltaik-Anlagen auf kleinen Häusern. Die Anlagen bleiben in seinem Besitz, die Eigenheimbesitzer bezahlen für die Nutzung der erzeugten Energie laufende Raten. Für institutionelle Investoren werden derweil Beteiligungen an Betreibergesellschaft und Green Bonds immer interessanter. Laut DNV GL flossen allein im Jahr 2013 Investments in Höhe von 14 Milliarden US-Dollar in Green Bonds. Die aufgelegten Bonds können dabei entweder mit konkreten Projekten wie PV-Großkraftwerken verbunden sein oder sind allgemeiner auf Investitionen in grüne Infrastruktur festgelegt.Intersolar Europe: Finanzierung und Märkte im Fokus:
Für die Finanzbranche bieten die neuen Modelle die Möglichkeit, in eine zukunftssichere und seit vielen Jahren erprobte Technologie zu investieren, die als Pfeiler der Energieversorgung weiter ausgebaut werden wird. Rund 90 GW Leistung wurden mittlerweile in Europa installiert – das ist der weltweit größte Marktanteil. Die dabei über die Jahre gewonnenen Erfahrungen in Betrieb, Wartung und Management (O&M) von PV-Kraftwerken sorgen heute für eine hohe Investitionssicherheit. Das technische Know-How und neue Anwendungslösungen zeigen rund 1.000 Austeller vom 10. bis 12. Juni wieder auf der Intersolar Europe, der Informations- und Strategieplattform der Solarbranche.

Neue Finanzierungs- und Erlösmodelle sind eines der Themenschwerpunkte auf der begleitenden Intersolar Europe Conference, die am 9. und 10. Juni im ICM – Internationales Congress Center München stattfindet. Diskutiert wird hier unter anderem, wie lokale Energieversorger gemeinsam mit Projektentwicklern und Finanzinstituten künftig Photovoltaik-Projekte umsetzen können. Detaillierte Einblicke in einzelne Märkte bilden einen weiteren Themenschwerpunkt – im Fokus stehen hier neue Regulierungen in europäischen Staaten ebenso wie die Chancen durch den steigenden Stromverbrauch in asiatischen Ländern. 

  Die Intersolar Europe 2015 findet vom 10. bis 12. Juni auf der Messe München statt.

Weitere Informationen zur Intersolar Europe finden Sie im Internet unter www.intersolar.de

Montag, 23. Februar 2015

Solarenergie bald günstigste Stromquelle

Bis 2025 wird Solarstrom in sonnigen Regionen der Welt billiger als Kohle- oder Gasstrom sein. Stabile regulatorische Bedingungen sind die Voraussetzungen für einen solchen Erfolg.

Solarenergie-Anlagen werden in wenigen Jahren in vielen Teilen der Welt den günstigsten Strom liefern. Bis 2025 werden die Photovoltaik-Gestehungskosten in Mittel- und Südeuropa auf 4 bis 6 Cent pro Kilowattstunde sinken, bis 2050 sogar auf 2 bis 4 Cent. Das ist das Ergebnis einer Studie des Fraunhofer Instituts für Solare Energiesysteme im Auftrag von Agora Energiewende. Zugrunde liegen laut Agora Energiewende konservative Annahmen zur technologischen Weiterentwicklung der Photovoltaik. Mögliche technologische Durchbrüche könnten den Solarstrom noch günstiger machen, diese seien jedoch nicht betrachtet worden.

Bereits heute ist Solarstrom kostengünstig: So ist in dem sonnigen Wüstenstaat Dubai vor wenigen Wochen ein langfristiger Solar-Stromvertrag für 5 Cent pro Kilowattstunde abgeschlossen worden, in Deutschland können große Photovoltaik-Kraftwerke Solarstrom für weniger als 9 Cent pro Kilowattstunde liefern. Zum Vergleich: Strom aus neuen Kohle- und Gaskraftwerken kostet heute zwischen 5 bis 10 Cent pro Kilowattstunde, Strom aus neuen Atomkraftwerken bis zu 11 Cent. 
„Die Studie zeigt, dass Solarenergie viel schneller billig geworden ist und auch weiterhin billiger wird, als die meisten Experten bislang prognostiziert haben“, sagt Dr. Patrick Graichen, Direktor von Agora Energiewende. „Die Planungen für die künftigen Stromversorgungssysteme sollten daher weltweit überarbeitet werden. Bislang sehen sie meistens nur kleine Anteile von Solarstrom vor. Angesichts der äußerst günstigen Kosten wird Solarstrom gemeinsam mit der Windenergie jedoch weltweit eine prominente Rolle bekommen - auch und vor allem als kostengünstiger Beitrag für den internationalen Klimaschutz.“

Die Studie zeigt aber auch, dass die Gestehungskosten von Solarstrom aufgrund der Kapitalkostenintensität von Photovoltaik-Anlagen wesentlich von den finanziellen und regulatorischen Rahmenbedingungen abhängen. Schlechte Regulierung und hohe Risikoaufschläge bei den Zinsen können die Kosten von Solaranlagen um bis zu 50 Prozent erhöhen. Dieser Effekt ist so stark, dass er sogar die Vorteile höherer Sonneneinstrahlung überwiegen kann.
Graichen: „Günstige Finanzierungsbedingungen und stabile gesetzliche Rahmenbedingungen sind daher unersetzbare Voraussetzungen dafür, günstigen und sauberen Strom aus Solaranlagen zu erhalten. Es liegt in der Hand der Politik, diese zu schaffen und zu erhalten.“ 

Die Studie „Current and Future Cost of Photovoltaics” (82 S., PDF) steht zum Download zur Verfügung unter www.agora-energiewende.de.

Für redaktionelle Rückfragen:
Christoph Podewils, Leiter Kommunikation
Tel: 030/2844901-10, Mobil: 0151/27656196
christoph.podewils@agora-energiewende.de

Agora Energiewende - eine gemeinsame Initiative der Stiftung Mercator und der European Climate Foundation.

US-Solarindustrie als Jobmotor

Während die europäische Solarindustrie ihren Kriechgang fortsetzt - mit Ausnahme der Schweiz etwa - präsentiert sich die weltweite Situation anders: China erreichte im vergangenen Jahr erneut einen Zubau von über zehn bis zwölf Gigawatt an Solarleistung, verfehlte aber sein Ziel von deren 14 GW. Weiterhin günstig stehen die Solaraktien (auch wörtlich) in den USA und in Japan. Dazu passt folgende Meldung aus den USA von Photon.

Die amerikanische Solarindustrie erweist sich offenbar als Jobmotor: Immerhin zählte man 2014 insgesamt 173.807 Mitarbeiter, und damit fast doppelt so viele wie etwa in der Kohleindustrie (93.185). Dies bedeutet, dass 1,3 Prozent aller Arbeitsplätze in den Vereinigten Staaten in der Solarwirtschaft angesiedelt sind. Der Zuwachs betrug allein im Jahr 2014 verglichen mit dem Vorjahr 22 Prozent oder 31.000 neue Stellen. 

Zu diesem Ergebnis kommt die Nonprofit-Organisation »Solar Foundation« mit Sitz in Washington. Die Zahl der Arbeitsplätze in der Solarwirtschaft wuchs den Angaben zufolge fast 20 Mal schneller als im nationalen Durchschnitt mit 1,1 Prozent. Größter Arbeitgeber der Branche sei der Installateur Solar City, der 2014 mehr als 4.000 neue Jobs geschaffen habe. Die meisten Solarjobs findet man in Kalifornien mit 54.690 Stellen bei weiterhin zweistelligen Wachstumsraten. 

http://www.thesolarfoundation.org
http://www.thesolarfoundation.org/solar-jobs-census/states/
http://www.photon.info/newsletter/document/91405.pdf

Quelle: PHOTON

Sonntag, 22. Februar 2015

Online-Rückkauf von Modulen

Der Ankaufsdienst Solarodo nimmt über 74.000 verschiedene Produkte an und zahlt bis zu 300 € pro Modul. Das Modell könnte Schule machen - eine vergleichbare Möglichkeit in der Schweiz gibt es noch nicht.

Rund 1,4 Millionen Solaranlagen sind auf deutschen Dächern und Freiflächen verbaut – das haben die statistischen Zahlen des Bundesverband Solarwirtschaft e.V. 2014 ergeben. Das entspricht einer Anzahl von mehr als 200 Millionen Solarmodulen, die zum größten Teil einwandfrei funktionieren. Dennoch kommt es auf Grund von Umwelteinflüssen und Optierungsmaßnahmen immer wieder dazu, dass funktionierende Solarmodule demontiert werden, in Lagerhallen und Kellern verschwinden, um neuen Solarzellen Platz zu machen. 

Laut PV-Cycle wurden 2014 rund 10.000 Tonnen, also etwa 500.000 Solarmodule, entsorgt. Anstatt intakte PV-Module verstauben zu lassen bzw. zu entsorgen, können Ihre Besitzer diese jedoch ganz einfach online in bare Münze verwandeln. Solarodo, die Ankaufplattform im Internet, bietet seinen Nutzern die Möglichkeit, Solarmodule unkompliziert zu verkaufen. 

Bei der Art der Photovoltaikmodule setzt Solarodo kaum Grenzen: Insgesamt können Nutzer über 74.000 verschiedene Typen online zum Ankauf anbieten. Darunter sind ältere Produkte wie BP 3170 genauso wie aktuelle Module wie das Yingli Solar YL250P-29b und viele weitere Solarpanele. Die wichtigste Voraussetzung für den erfolgreichen Verkauf eines Solarmodules an Solarodo zum bestmöglichen Preis, ist vollkommene Funktionstüchtigkeit – das PV-Modul muss eine für das Alter entsprechende Modulleistung aufweisen. Außerdem sollte es keine optischen oder technischen Fehlerbilder aufzeigen. 

Falls die PV-Module über Erscheinungen wie z.B. Verfärbungen, Schneckenspuren, Glas- oder Rahmenkratzer verfügen, ist das kein Problem: Das Solarmodul kann nach wie vor angekauft werden, der ausgezahlte Preis verringert sich lediglich. Auch Photovoltaikmodule mit Microrissen und Zellbruch werden angenommen. Nicht angekauft werden nur Solarmodule, deren Deckglas gerissen ist oder die Hotspots und Schmorstellen aufweisen. 

Sollen Solarzellen auf Solarodo zu Geld gemacht werden, müssen Nutzer lediglich das Onnline-Ankaufformular ausfüllen und schon können sie eine Kaufanfrage an den Ankaufshop schicken. Nachdem Solarodo die übermittelten Informationen geprüft hat, wird dem Verkäufer ein Festpreisangebot übermittelt. Die Preisspanne ist mitunter groß: So können für ältere Modultypen, die jahrelang in einem Lager standen und neuwertig sind, hunderte Euro gezahlt werden. 

Aktuelle Solarmodule z.B. aus einen Hagel- oder Sturmschaden, werden dagegen oftmals mit Preisen zwischen 5 und 30 Euro pro Stück vergütet. Die große Auswahl an monokristallinen oder polykristallinen Modulen, die Solarodo annimmt, wird nur dann über den Online-Photovoltaik-Marktplatz SecondSol wieder zum Verkauf angeboten, wenn diese einen guten Zustand aufweisen. 

“Der Solarmodul-Ankauf ist für alle Seiten von Vorteil: Besitzer können gebrauchte PV-Module einfach und schnell in bares Geld verwandeln und die gesamte PV-Branche wird so gestärkt. Ältere und gebrauchte Solarmodule sind oftmals wichtige Ersatzteile für bestehende Solaranlagen, deren Hersteller bereits insolvent sind oder nicht mehr liefern können.“, so Frank Fiedler, Gründer und Geschäftsführer von Solarodo.

Quelle   Solarodo 2015

Samstag, 21. Februar 2015

Frühlings-Check für guten Solar-Ertrag

Schmutz und Schäden können den Ertrag einer Photovoltaik-Anlage beträchtlich schmälern. Der deutsche Bundesfverban Solarwirtschaft rät: Solarstromanlagen regelmäßig überprüfen - Sechs Tipps für den Frühjahrs-Check.

Im vergangenen Jahr haben die in Deutschland inzwischen installierten rund 1,5 Millionen Solarstromanlagen die Rekordmenge von über 35 Milliarden Kilowattstunden Solarstrom produziert. Der beträchtliche Zuwachs um mehr als 10 Prozent gegenüber dem Vorjahr lag nicht nur am stetigen Ausbau der Photovoltaik, sondern auch an einem relativ sonnenreichen Jahr: Mit 1075 kWh/qm lag die mittlere Globalstrahlung 2014 zwei Prozent über dem langjährigen Mittel. Doch die Energie der Sonne kann nur optimal genutzt werden, wenn die Photovoltaik-Anlage voll funktionstüchtig ist. 

„Solarstromanlagen sind langlebig und wartungsarm“, sagt Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Solarwirtschaft (BSW-Solar). Dennoch rät der Experte, die eigene Anlage von Zeit zu Zeit auf mögliche Schwachstellen zu checken. „Regelmäßige Prüfungen stellen sicher, dass eine Photovoltaik-Anlage über ihre gesamte Lebensdauer die maximale Strommenge produziert und sie 2015 wieder zur Höchstform auflaufen kann.“ Nun, da die Tage länger werden und die Sonnenstunden zunehmen, sei der richtige Zeitpunkt.  

1. Vergleich mit Vorjahreswerten
Schon kleine Beschädigungen und Verschmutzungen können die Leistung einer Photovoltaik-Anlage und damit die Stromproduktion deutlich schmälern. Um dem vorzubeugen, sollte man den Ertrag in Relation zu den Vorjahren überprüfen. Am einfachsten geht dies mithilfe der Abrechnungen. Auch elektronische Helfer wie Energiemanagementsysteme können den genauen Solarertrag ermitteln. Empfehlenswert kann auch ein Blick auf den Wechselrichter sein, weil viele dieser Wandler die Stromerzeugungsdaten über einen längeren Zeitraum aufzeichnen. 

2. Mit Digitalkamera in Augenschein nehmen
Ist ein Ast auf die Photovoltaik-Anlage gefallen? Haben sich einzelne Module gelöst? Das ist meist mit dem bloßen Auge zu erkennen. Verschmutzungen oder andere oberflächliche Defekte der Photovoltaik-Anlage sind hingegen nur sehr schlecht ersichtlich. Deswegen kann bei der Suche nach möglichen Schäden eine Kamera hilfreich sein. Betrachtet man die Fotos stark vergrößert, kann selbst der Laie etwaige Schäden relativ leicht erkennen. 

3. Sichtprüfung durch Fachbetrieb
Viele auf Dächern installierte Photovoltaik-Anlagen sind weder vom Boden noch von anderen Gebäuden aus einsehbar. In diesen Fällen sollten Profis mit der Begutachtung beauftragt werden. Es ist wegen der Unfallgefahr zu riskant, selbst aufs Dach zu steigen. Außerdem kann unsachgemäße Behandlung, etwa das Betreten der Module, die Anlage schnell beschädigen. Vorteil: Wartungskosten lassen sich als Betriebsausgaben steuerlich absetzen. Eine Übersicht geeigneter Fachbetriebe findet sich im Internet unter www.solartechnikberater.de

4. Reinigung der Photovoltaik-Anlage
Eine häufige Ursache für zu niedrige Erträge sind Verschmutzungen der Module. Das Licht bleibt in den Schmutzpartikeln hängen und kann in den Zellen nicht in Strom umgewandelt werden. Durch die schmutzabweisenden Schichten löst sich Staub und anderer Dreck in der Regel beim nächsten Regenschauer. Sollte dennoch ein dünner Film den Stromertrag mindern, ist eine Reinigung zu empfehlen. Auch hier sollte – nicht zuletzt wegen der Unfallgefahr – ein Fachbetrieb gerufen werden. 

5. Regelmäßige Kontrolle
Bei elektrischen Anlagen, dazu zählt auch eine Photovoltaik-Anlage, ist die regelmäßige Kontrolle gesetzlich vorgeschrieben. So müssen Solarstromanlagen mindestens alle vier Jahre durch einen Fachbetrieb auf die elektrische Sicherheit gemäß den geltenden Normen (BGV A3) überprüft werden. Falls der Fachbetrieb für den Frühjahrs-Check vor Ort ist, kann die elektrische Sicherheit gleich mit abgeklärt werden. 

6. Fachbetrieb erkennt auch verborgene Mängel 
Wenn die Photovoltaik-Anlage zu wenig Strom liefert, obwohl keine offensichtlichen Schäden vorliegen, sollte ebenfalls der Fachbetrieb gerufen werden. Schließlich ist jede entgangene Kilowattstunde ein Verlust für den Anlagenbetreiber. Die Experten können – mit geübtem Auge oder Hilfsmitteln wie der Thermografiekamera – bis dato verborgene Mängel entdecken und anschließend fachgerecht beseitigen, beispielsweise Kabelschäden, gelöste Steckverbindungen oder Mikrorisse.

Hintergrund:
Eine bundesweite Handwerkersuche bietet das Verbraucherportal www.solartechnikberater.de

Jahressummen der Globalstrahlung 2014 beim Deutschen Wetterdienst http://bsw.li/1Dht3TC

Abweichung der Jahressumme 2014 zum langjährigen Mittel http://bsw.li/1Fy1oNY

Donnerstag, 19. Februar 2015

Stadt Bern plant PV-Anlagen auf eigenen Dächern

Mit dem Potenzial von rund 70'000 Quadratmetern auf über 600 Objekten könnten rund 30 Prozent des Strombedarfs der städtischen Verwaltungsgebäude solar gedeckt werden, so ein Bericht von Radio SRF. 

Aufgrund positiver Erfahrungen mit zwei Pilotanlagen - auf dem städtischen Alters- und Pflegeheim Kühlewil und dem Entsorgungshof Fellerstrasse - hat Immobilien Stadt Bern im Herbst 2014 mit dem Energieversorger ewb einen Kooperationsvertrag zum Einbau weiterer Photovoltaik-Anlagen auf städtischen Dächern unterzeichnet. Wie aus der Antwort des Gemeinderates auf eine interfraktionelle Parlaments-Motion von BDP/CVP und GFL/EVP hervorgeht, sollen 2015 drei neue Anlagen realisiert werden: auf dem Kindergarten Sulgenbach, dem Entsorgungshof Schermen und auf einem Gewerbegebäude an der Felsenaustrasse.

Der Gemeinderat geht davon aus, dass ab dem Jahr 2016 jährlich zwei bis drei neue Photovoltaikanlagen realisiert werden können - insbesondere auf Dächern von städtischen Volksschulen. Aus wirtschaftlichen Gründen kommen nur grosse Dachflächen mit einer Minimalfläche von rund 300 Quadratmetern in Frage. Die Investitionskosten trägt der Energieversorger ewb. Da sich die Stadt aber für 25 Jahre zur Stromabnahme verpflichtet, ist jeweils ein Verpflichtungskredit nötig, so dass der Bau von neuen Anlagen je nach Umfang mindestens dem Stadtparlament vorgelegt werden muss.

Mittwoch, 18. Februar 2015

Solarstrom: Pfeiler der Versorgung

Mit einer Gesamtleistung von rund 38 Gigawatt (GW) kann die Solarenergie in Deutschland an sonnenreichen Tagen im Sommer bereits mehr als die Hälfte der Verbrauchsspitzen zur Mittagszeit decken. In den beiden südlichsten Bundesländern Bayern und Baden-Württemberg wären es sogar zwei Drittel. Zudem übernimmt die Solarenergie immer mehr Systemdienstleistungen, die zur Stabilisierung des Stromnetzes beitragen. 

Dazu gehört unter anderem die Frequenzhaltung von 50 Hertz im Stromnetz: Wenn zu viel Strom im Netz ist und die Netzfrequenz dadurch auf mehr als 50,2 Hertz steigt, müssen sich Solarstromanlagen zur Systemstabilisierung schrittweise vom Netz trennen. Ältere Solarstromanlagen mit einer Spitzenleistung von mehr als 10 Kilowatt (kWp) mussten für diese Funktion ein technisches Update erhalten. „Gerade in Regionen mit einem großen Bestand übernehmen Solarstromanlagen mehr Systemverantwortung“, so Philipp Vohrer, Geschäftsführer der Agentur für Erneuerbare Energien (AEE). „Die beiden süddeutschen Bundesländer, in denen die Solarenergie bereits zu einer tragenden Säule der Stromversorgung geworden ist, profitieren dank der Nachrüstung auch von einer sicheren Versorgung mit regionalem Strom.

Seit 2010 hat sich die installierte Leistung der Photovoltaik in Deutschland von 18 auf 38 GW mehr als verdoppelt. Im Jahr 2014 ist der Ausbau nach den neuesten Zahlen der Bundesnetzagentur jedoch in allen Bundesländern deutlich eingebrochen. Sogar die untere Grenze des von der Bundesregierung vorgegebenen Ausbaukorridors von 2,5 GW wurde verfehlt. Nur noch 1,9 GW kamen neu hinzu. Mit 427 Megawatt (MW) neu installierter Leistung steht Bayern hier erneut an der Spitze. Allerdings ist der Anlagenzubau auch hier um mehr als die Hälfte zurückgegangen. In den Stadtstaaten Hamburg, Bremen und Berlin kamen sogar nur wenige Megawatt neuer Anlagen hinzu. Das zeigen die neuen Zahlen auf dem AEE-Portal www.foederal-erneuerbar.de.


50_2_Hz_Foto_1_2015Spitzenreiter bei der installierten Leistung blieben im Jahr 2014 die Bayern mit 11,1 GW, gefolgt von Baden-Württemberg (5,1 GW) und Nordrhein-Westfalen (4,2 GW). In Bayern und Baden-Württemberg sind nun zusammen etwas mehr als 16 GW installiert. Die Lastspitze in den beiden Südländern beläuft sich zusammengerechnet auf 25 GW. Die Solarenergie könnte also bei ungetrübtem Sonnenschein von Freiburg bis Passau und von Mannheim bis zum Königssee zeitweise bereits zwei Drittel der Spitzenlast decken. An Tagen mit geringem Verbrauch sind sogar höhere Deckungsbeiträge möglich.

Die in Bayern und Baden-Württemberg verbreiteten mittelgroßen Anlagen von 10 bis 100 kWp sind häufig im Besitz von Privatpersonen. „Die Betreiber dieser kleinen Kraftwerke leisten durch die so genannte 50,2-Hertz-Nachrüstung einen wichtigen Beitrag zur Stabilität des Stromnetzes und sorgen mit für die hohe Versorgungsqualität in Deutschland“, betont Philipp Vohrer. Systemstabilisierend wirkt sich auch der Ausbau intelligenter Solarstromspeicher aus. Aufgrund eines starken Preisverfalls ist die Nachfrage nach Solarstromspeichern im letzten Jahr um rund 30 Prozent gestiegen.

Die aktuellen Installationszahlen zur Photovoltaik finden sich auf dem Portal www.foederal-erneuerbar.de.

Montag, 16. Februar 2015

Strom-zu-Gas-Anlage übertrifft Erwartungen

Strom zu Gas-Anlage der Thüga-Gruppe übertrifft Erwartungen.

  • Erste Ergebnisse des Belastungstests liegen vor
  • Gesamtwirkungsgrad liegt bei über 70 Prozent
  • Anlage wird am Markt für Sekundärregelleistung teilnehmen
„Unsere Strom zu Gas-Anlage hat die Erwartungen beim Wirkungsgrad übertroffen“, so Michael Riechel, Sprecher des Vorstands der Thüga Aktiengesellschaft über die ersten Ergebnisse eines umfassenden Belastungstests. In ihrem relevanten Lastbereich zwischen 50 und circa 325 Kilowatt erreicht die Gesamtanlage - von der Stromentnahme bis zur Gaseinspeisung - einen Wirkungsgrad von bis zu 77 Prozent, bezogen auf den Brennwert. „Ein Grund für den hohen Wirkungsgrad ist auch die Tatsache, dass wir direkt in das Gasverteilnetz einspeisen und damit auf einen Verdichter verzichten können“, erklärt Riechel weiter. Gemeinsam mit dem European Institute for Energy Research und der DVGW-Forschungsstelle am Engler-Bunte-Institut führt die Thüga Strom zu Gas-Projektplattform aktuell einen Belastungstest durch. Analysiert werden Wirkungsgrad, Regelgeschwindigkeit, Lastverhalten und die Gasqualität. „Die Ergebnisse sind besonders interessant, da es sich bundesweit um die erste Anlage handelt, die in Wasserstoff umgewandelten Strom ins Gasverteilnetz einspeist. Und auch für den Protonen-Austausch-Membran Elektrolyseur, Kernstück der Anlage, ist das ein neues Einsatzgebiet“, erläutert Riechel. Der Belastungstest wird im Laufe der geplanten Betriebszeit der Anlage noch zweimal wiederholt.

Anlage eignet sich zur Teilnahme am Regelenergiemarkt

Bei der Regelbarkeit erreichte der Elektrolyseur der Firma ITM Power bereits gute Werte. Er kann demnach sehr schnell hoch und herunter geschaltet werden. Damit kann die Anlage auch auf veränderte Lastsituationen im Netz reagieren und erfüllt die Voraussetzungen, um am Markt für Sekundärregelleistung teilzunehmen. Das heißt, sie kann - wenn sich zu viel Strom im Netz befindet - die Lastabnahme des Elektrolyseurs auf Anforderung des Übertragungsnetzbetreibers erhöhen. Die Anlage nimmt dann den Strom auf und wandelt ihn in Wasserstoff um. Damit trägt sie auch zur Stabilität des Stromnetzes bei. Die Präqualifizierung für die Teilnahme am Markt für Sekundärregelleistung läuft bereits.

Integration der Anlage in ein intelligentes Energiesystem

Neben der Analyse der Anlage steht während der Betriebsphase (2014 – 2016) auch im Fokus, wie die Anlage künftig in ein zunehmend intelligentes Energiesystem integriert werden kann. „Wir wollen die Anlage für die Dauer eines Demonstrationsbetriebes so einbinden, dass sie aktiv dazu beiträgt, die Unterschiede zwischen Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien und Stromverbrauch auszugleichen“, erklärt Riechel. Dafür entwickelt das Fraunhofer Institut für Solare Energiesysteme eine Software für eine entsprechende Echtzeit-Steuerung.

Gasverteilnetz als „Batterie der Zukunft“

Nach einer Analyse der Thüga könnte der Speicherbedarf 2020 bei 17 Terawattstunden (TWh) und 2050 bereits bei 50 TWh liegen. Die Gasverteilnetze können diese Mengen komplett aufnehmen. „Unsere Gasverteilnetze könnten somit die Batterie der Zukunft sein“, ist Riechel überzeugt. Damit die Strom zu Gas-Speichertechnologie ihr volles Potenzial entfalten und Marktreife erreichen kann, bedarf es während der Erprobungs- und Markteinführungsphase zunächst einer noch zeitlich begrenzten Anschubfinanzierung in Form staatlicher Investitionszuschüsse. Auch die Demonstrationsanlage der Thüga Strom zu Gas-Projektplattform wird vom hessischen Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung sowie der Europäischen Union gefördert. 


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Quelle: thügawww.thuega.de/no_cache/service/presse/presseinformationen/presseinformationen-detail/article/pressemitteilung-56.html

Sonntag, 15. Februar 2015

Solarwürfel soll Zukunft erhellen

Die Erfindung eines Ingenieurs aus der Nordwestschweiz könnte die Energiebeschaffung revolutionieren. Das Solarprojekt PowerBlox soll zum modular erweiterbaren "Kleinstkraftwerk für jedermann" werden. Die Idee hat Potenzial: Sie wurde schon mit dem Axpo Energy Award ausgezeichnet - ein Bericht der unabhängigen Basler Internetagentur OnlineReports.   
Trotz dem oftmals  gewaltigen Überfluss an Sonnenenergie leiden in den südlichen Ländern Millionen von Menschen an gänzlich fehlender oder völlig unzuverlässiger  Stromversorgung. Nachts fehlt das Licht, Maschinen können nicht betrieben, Handys nicht aufgeladen werden. Allein in Afrika haben zwei Drittel aller Menschen keine sichere  oder überhaupt keine  Stromversorgung. Ohne Strom gibt es keinen Fortschritt, und der Graben zwischen jenen, die Elektrizität haben und den Habenichtsen wird noch breiter, noch tiefer. Ein unhaltbarer Zustand, sagte sich der in Rheinfelden (AG) aufgewachsene Elektroingenieur Alessandro Medici (Bild) während seinen Reisen durch zahlreiche afrikanische und asiatische Entwicklungs- und Schwellenländer. Bei Aufträgen in Ostafrika verfestigte sich sein Eindruck, dass heute der Strom zu den Grundbedürfnissen des menschlichen Daseins gezählt werden müsste. Wie aber ermöglicht man Menschen mit Kleinsteinkommen den unabhängigen Bezug von günstigem Strom? Wie bekommt man eine zuverlässige und nachhaltige Stromquelle in die abgeschiedensten Gebiete Afrikas, Asiens, Amerikas und selbst Europas? Medici brütete jahrelang über eine Lösung, die neben den technischen auch soziale und politische Fragen berücksichtigte. Nach Einsätzen in Kenia, Tansania und Pakistan entwickelte der Ingenieur in seiner Freizeit einen multifunktionellen Würfel mit dem Namen PowerBlox. Die Idee könnte revolutionäres Potenzial haben.

Was aber bietet die PowerBlox genau? Der Energiewürfel besteht aus einem Solarmodul, mit dem der Strom erzeugt wird. Dieser wird in einer integrierten, langlebigen Batterie gespeichert, um dann beispielsweise in einer Hütte via elektronische Schaltungen am Gehäuse Licht zu spenden, Getränke zu kühlen, Radios zu betreiben, Mobiltelefone aufzuladen. Möchte beispielsweise jemand einen kleinen Laden betreiben, der mehr Strom erfordert, kann der PowerBlox-Würfel nach dem Lego-Prinzip beliebig an weitere PowerBlox-Module angeschlossen werden. Die Kleinstanlage (www.power-blox.com) hat der afrikaerfahrene Ingenieur so konzipiert, dass sie gegen Staub, Feuchtigkeit und Diebstahl gesichert ist.

Alessandro Medici, der während eines Jahrzehnts seit der Gründung 1996 für Webdesign und Informatik von OnlineReports zuständig war und an der Fachhochschule Nordwestschweiz in Muttenz studiert hatte, will nun seinen Energiewürfel so rasch wie möglich zur Marktreife bringen. Dabei unterstützen ihn der Badener Architekt Reto Miloni und der  Informatikspezialist Armand Martin. "Jetzt gehen wir voll in die Entwicklung", freute sich Medici heute auf Anfrage  gegenüber OnlineReports. "Wir tragen ja seit gestern Abend auch eine Riesenverantwortung." Warum? Weil das PowerBlox-Team mit seinen technischen, marktorientierten und sozialpolitischen Argumenten die Energiespezialisten und Jurorinnen des Axpo Energy Award 2014 zu überzeugen wusste. Diese erkürten die "PowerBloxer" aus 300 Mitbewerbenden zum Siegerteam.

Der Preis für Start-ups an "Jungunternehmer mit innovativen Geschäftsideen" (Axpo) in der Energiebranche ist mit 50'000 Franken dotiert. Gemäss Medici sei das Interesse von Fachleuten an seiner Würfelkiste "enorm". Dieses dürfe "natürlich nicht enttäuscht werden", meinte der 46-jährige, in Laufenburg (AG) lebende Erfinder. Bis Ende 2016 soll der Energiewürfel marktreif sein, was noch enorme Anstrengungen voraussetze. Medici will auch aus ethischen Gründen keine Zeit verlieren. "Die Milliarden Menschen ohne Stromversorgung brauchen eine bezahlbare Energiequelle, die überall installiert werden kann." Einmal produziert, soll die Energiekiste zunächst in Kenia und Tansania eingesetzt werden, wo Medici bereits eine Solarfirma betreibt, die Dörfern, Lodges und Rangerposten hilft, auf Solarenergie umzustellen.

Allerdings hat PowerBlox, sollte es im Sinne seines Entwicklers produziert werden, noch ein weit grösseres Potenzial. Denn mobile Energie-Einheiten dieses ausbaubaren Kleinkalibers fehlen überall, sogar in den Alphütten. Auch hier könnten sie gebraucht werden. Überdies hat Medici bereits jetzt weitere wohl dankbare Abnehmer im Auge: Spitäler, Schulen oder Organisationen, die Flüchtlingslager unterhalten. Dass sein "Energiewürfel für jedermann" auch das Fundament der grossen Energiekonzerne in Entwickungsländern erschüttern könnte, ist dem Nordwestschweizer durchaus bewusst. Aber, gibt Medici zu bedenken: "In den Etagen der grossen Konzerne sitzen ja auch Leute, die weiter denken und der Dezentralisierung des Energiemarktes wohlwollend gegenüber stehen. Der beste Beweis ist doch nun auch dieser Preis, den wir gerade erhalten haben. Zudem bin ich überzeugt: Nur zusammen schaffen wir eine lebenswerte Zukunft!"

Quelle: Online-Reports


Und so funktioniert der Solarwürfel - siehe Youtube-Film


Energiewende - deutsch oder britisch?


Die deutsche Energiewende basiert bis jetzt auf Erneuerbarer Energie flankiert von Kohle sowie ohne Atom und die britische soll eine Kombination von Energieeffizienz, erneuerbarer Energie plus Atomkraft sein. Wirtschaftliche Überlegungen werden letztlich zu einem Triumpf der Erneuerbaren führen. Ein Kommentar des deutschen Energiepublizisten Franz Alt. 


In Großbritannien haben sich soeben Regierung und Opposition gemeinsam auf den raschen Ausstieg aus der Kohle geeinigt. Assistiert von den großen Umweltverbänden wurde beschlossen, den  „Umbau hin zu einer wettbewerbsfähigen, energieeffizienten und kohlestoffarmen Ökonomie voranzutreiben und die Nutzung unverminderter Kohle für die Stromerzeugung zu beenden“. Unverminderte Kohleerzeugung heißt, dass Kraftwerke, die das CO2 unterirdisch abspalten noch eine Chance haben, gemeint ist die CCS-Technologie, die allerdings weltweit noch nirgendwo marktreif ist.

Damit hat erstmals in der EU ein Kohleland beschlossen, aus der klassischen fossilen Stromerzeugung auszusteigen. Al Gore lobte den Beschluss als revolutionär. Der Haken an der Sache: Das neue Motto heißt jetzt Atom statt Kohle. Das revolutionäre Papier liegt der Süddeutschen Zeitung vor. Es soll an diesem Wochenende in England publiziert werden.

England plant also eine Energiewende ähnlich wie Deutschland und doch ganz anders. Während hierzulande die Erneuerbaren bis 2022 komplett die Atomenergie ersetzen sollen, aber langfristig von Kohle flankiert werden, wird in England hauptsächlich auf die klassische Atomkraft und zusätzlich auf neue Atomkraftwerke gesetzt. Welche Energiewende wird sich also durchsetzen – die deutsche, an der sich auch Japan und China orientieren oder die britische, die auch Obama in den USA meint?

Ende 2015 werden beim Klimagipfel in Paris die beiden alternativen Energiewenden aufeinander prallen. Da es dabei primär um die Bekämpfung der CO2-Emissionen geht, wird die englische Version gegenüber dem deutschen Atomausstieg scheinbare Vorteile haben.

Das könnte freilich schließlich zu einer Renaissance der Atomkraft in Europa führen. Und dafür hat ausgerechnet der frühere deutsche Energiekommissar in Brüssel, Günther Oettinger, noch in den letzten Stunden seiner alten Amtszeit die Weichen gestellt. Er hat England in einer Ausnahmegenehmigung erlaubt, die Atomenergie so hoch zu subventionieren, dass ein neues AKW gebaut werden kann – weitere sollen danach folgen.

Aber zu welchem Preis? 35 Jahre lang sollen für britischen Atomstrom weit höhere Subventionen bezahlt werden als in Deutschland 20 Jahre lang für erneuerbare Energien. Daraufhin hat die österreichische Regierung angekündigt, gegen den nuklearen britischen Sondertarif bei der EU zu klagen, weil dies zu einer Verzerrung des Stromtarifs auf dem europäischen Strommarkt führen werde. London hat daraufhin Wien wissen lassen, dass es „in Zukunft jede Gelegenheit wahr nehmen werde, Österreich zu schaden.“ Das wird noch spannend.

Eine Prognose sei gewagt: Schon mittelfristig wird sich  d i e  Energiewende durchsetzen, die am preiswertesten sein wird: Im Jahr 2.000 hat die Produktion einer Kilowattstunde Solarstrom in Deutschland noch 70 Cent gekostet, heute noch 10 Cent und in etwa zehn Jahren noch etwa fünf Cent, weil die Sonne keine Rechnung schickt. Ähnliches gilt für die Windenergie. Atomstrom in England kostet aber beim neuen, jetzt genehmigten AKW Hinkley Point C etwa 35 Cent pro KWh. Allein dieser Meiler braucht 23 Milliarden Euro Subventionen. Der entscheidende Vorteil jeder Energiewende wird nicht nur ein ökologischer sein, sondern letztlich ein ökonomischer sein. It´s the economy, stupid!

Hermann Scheer schon vor 19 Jahren: „Sonnenkraft ist das einzige Zusatzeinkommen der Erde und damit die Basis für unsere Zukunft“.

Quelle: sonnenseite.com 

Donnerstag, 12. Februar 2015

Energiewende - jetzt erst recht

Economiesuisse schadet dem Wirtschaftsstandort Schweiz, wenn der Verband die Freigabe des Frankenkurses gegen die Energiewende instrumentalisiert. Denn die Energiestrategie ist ein Wirtschaftsprogramm zur richtigen Zeit, weil es den Binnenmarkt stimuliert und der Schweiz längerfristig eine hochmoderne und effiziente Energieversorgung garantiert. AEE SUISSE, die Dachorganisation der Wirtschaft für erneuerbare Energien und Energieeffizienz, stellt sich gegen die Polemik von economiesuisse und ruft den Verband auf, sich für eine echte Stärkung der Schweiz einzusetzen und die neue Energiepolitik endlich konstruktiv zu unterstützen.

Es scheint so, als hätten die Gegner der Energiewende, allen voran economiesuisse, SVP und Teile der FDP nur darauf gewartet: Die Freigabe des Frankenkurses gegenüber dem Euro liefert den Widersachern der Energiestrategie 2050 den Vorwand, eine radikale Abkehr von der Energiewende zu fordern. Mit der Ablehnung der Energiewende als unnötige Zusatzbelastung für die Wirtschaft argumentieren sie kurzsichtig und verkennen die Tatsache, dass das Energiesystem in weiten Teilen Europas grundlegend umgebaut wird und die Schweiz mit ihrer Energiewende «Made in Switzerland» die passende Antwort darauf formuliert hat. Die Frankenstärke ist kein Grund, die Energiestrategie 2050 zu stoppen, sondern sie liefert eine (kosten)günstige Ausgangslage für ein verstärktes Vorwärtstreiben, weil

 

  • der grösste Teil der KMU in der Schweiz mit einem Jahresverbrauch von 100'000 kWh die eigene Strombeschaffung auf dem freien Markt realisieren kann. Aktuell notieren die europäischen Börsenpreise für Strom bei weniger als 4 Eurocents/kWh.
  • im Rahmen der Energiestrategie der besonders energieabhängigen Industrie der KEV-Zuschlag weitestgehend erlassen wird. Dies gilt für Produzenten, die eine Stromintensität von mindestens fünf Prozent, gemessen als Kostenanteil an der gesamten Wertschöpfung, aufweisen.
  • die Kosten des Umstiegs auf erneuerbare Energien in erster Linie verursachergerecht von den Energiekonsumenten getragen werden. Das gilt beim Strom dank der Kostendeckenden Einspeisevergütung (KEV) und das gilt ebenso beim Heizöl aufgrund des CO2-Zuschlags.
  • aufs Ganze gesehen die Energiestrategie 2050 einem grossen Infrastrukturprojekt gleich kommt, das nicht nur den Binnenmarkt stimuliert und tausende von Arbeitsplätzen schafft, sondern das sich angesichts der derzeit tiefen Kapitalkosten sehr günstig finanzieren lässt. Eine zukunftsorientierte Infrastruktur kommt nicht zuletzt wiederum auch der Exportindustrie zugute. Die Kosten des Umbaus der Energieversorgung betragen einen Bruchteil des möglichen wirtschaftlichen Nutzens und Wachstums.
  • sich mittel- und langfristig der Umstieg auf die erneuerbaren Energien lohnen wird. Im Zeitrahmen, in dem die Energiestrategie verwirklicht wird, wird sich die Preisentwicklung für Energie stabilisieren – und wie von der Wirtschaft wiederholt gefordert berechenbar werden. Dazu kommt, dass die erneuerbaren Energien absehbar sogar billiger werden als konventionelle Energie. Bleibt die Wirtschaft, wie von economiesuisse gefordert, aber weiterhin abhängig von importierten fossilen und nuklearen Energieträgern, setzt sie sich unkontrollierbaren Preisschwankungen aus.
  • die aktuelle Verbilligung des Ölpreises einen Spielraum geschaffen hat, eine gewisse Erhöhung der Energie-Produktionskosten zu tragen. Gesamtwirtschaftlich dürften mehrere Milliarden Franken dank des gesunkenen Ölpreises eingespart werden – da fällt die rund eine Milliarde Zusatzkosten durch die erhöhte KEV und den erweiterten CO2-Zuschlag weitaus weniger ins Gewicht. Letztere werden auch nur begrenzt durch die Wirtschaft getragen, sondern in erster Linie im Sinne des erwähnten Verursacherprinzips durch die Haushalte. Und sie werden erst mittelfristig als Zusatzbelastung spürbar – und wer weiss, wo dann der Frankenkurs stehen wird.
  • die Schweiz sich längerfristig aus der fossilen Abhängigkeit befreien muss. 40% des Schweizer Energieverbrauchs wird heute für Heizung und Warmwasser benötigt. Der grösste Teil davon wird mit fossiler Energie bereitgestellt. Die geplanten Investitionen in die Gebäude-Energieeffizienz werden diese Abhängigkeit kappen und gleichzeitig tausende Schweizer Arbeitsplätze schaffen.
  • schliesslich die Strompreise in Europa in den kommenden Jahren voraussichtlich weiter sinken werden – teure Erzeugungsarten also zunehmend ins Hintertreffen geraten. Umgekehrt erweisen sich die erneuerbaren Energien, insbesondere photovoltaisch erzeugter Strom, je länger je mehr als Konkurrenzvorteil. Denn dessen Kosten haben sich allein in den letzten fünf Jahren um zwei Drittel reduziert – mit weiterem Kostensenkungspotenzial.
Fazit: Die Energiestrategie 2050 hat nur geringe Auswirkungen auf die Exportindustrie. Im Gegenzug trägt die Energiestrategie langfristig zu einer Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit bei, welche die negativen Folgen eines starken Frankens sogar abfedern wird und die sich jetzt so kostengünstig wie noch nie realisieren lässt.

Quelle: AEE Dachorganisation der Wirtschaft für Erneuerbare Energien und Energieeffizienz

Mittwoch, 11. Februar 2015

SolartechnikerInnen für den Kongo

Kinsahsa ist mit über neun Millionenen Einwohnern die zweitgrösste frankophone Stadt nach Paris. Hans Greuter seufzt, als ich ihm die Frage stelle, wie sich die Stadt verändert habe, seit er sie zum ersten Mal besucht hat. Das war im Jahre 1962, kurz nach der Unabhängigkeit der Demokratischen Republik Kongo von Belgien. Hans Greuter reiste als junger Sekundarlehrer nach Kinshasa, im Auftrag eines evangelischen Hilfswerks. Die Stadt zählte damals rund 500 000 Einwohner.

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Ohne Raumplanung, Baurecht, Strom- und Wasserversorgung, so ist die Stadt gewachsen. Millionen von Menschen sind der Stadt zugewandert, getrieben durch die Hoffnung auf Arbeit, Sicherheit und auf ein besseres Leben. Hans Greuter verschweigt die prekäre Situation nicht, welche sich durch diesen rasanten Bevölkerungszulauf ergeben hat. Die EPROBA, l’Ecole Professionnelle du Bâtiment, stellt sich diesem Problem entgegen indem sie Berufsausbildungen im Bereich des Bauwesens anbietet. Die Idee sei nicht von ihm gekommen, beteuert Greuter. Mr. Kabangu, ein lokaler Bauunternehmer mit Schweizer Frau, spielte schon lange mit dem Gedanken einer Berufsschule nach Schweizer Vorbild. Die beiden hatten früh erkannt, dass Bildung der Grundstein für eine nachhaltige Entwicklung des Landes ist.

Greuters langjährige Erfahrung hat gezeigt, dass die duale Berufsbildung äusserst erfolgsversprechend ist. Die Abgänger der EPROBA sind dank diesem System bereit, direkt ins Berufsleben einzusteigen ohne vorher noch praktische Erfahrungen sammeln zu müssen. Ein System, in der Schweiz gang und gäbe, im belgisch – französisch geprägten Bildungssystem der DRK jedoch völlig unbekannt ist und daher anfänglich mit Ablehnung behandelt wurde. Nichtsdestotrotz hat sich die Schule bis heute gehalten – trotz Zeiten von Unruhe, Aufständen und Unsicherheit konnte die EPROBA kürzlich ihr 25-jähriges Bestehen feiern.


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Der Ausbildner Crispin Assimbo zusammen mit dem Schweizer Botschafter der DRC, Christian Gobet,  an der 25-Jahres Jubiläumsfeier der EPROBA.


Vor kurzem wurde die Elektrikerausbildung der EPROBA um die Solartechnik erweitert. Dies war möglich durch die erfolgreiche Zusammenarbeit der EPROBA, Solafrica und Greenpeace Schweiz. Gestartet wurde das neue Ausbidlungsmodul gleich mit der Installation einer Solaranlage für die Schule selber.

Die jahrelange Erfahrung von Solafrica in der Ausbildung von Solartechniker/innen leistete beim Aufbau dieses Programmes eine grosse Hilfe. So konnte das Ausbildungsmaterial teilweise vom Sarah Obama Solar Learning Centre in Kenya übernommen werden. Auch konnte der Crispin Assimbo, der als Solartrainer bereits viel Erfahrungen in Kenia machen konnte, als Ausbildner für Kurse in Solartechnik an der EPROBA gewonnen werden. Hans Greuter sieht in dieser Zusammenarbeit grosses Potential. Obwohl er der Sache anfänglich skeptisch gegenüber stand, habe ihn die Idee der Solarenergie überzeugt, sodass er nun mit grosser Begeisterung dahinter steht. In einer Stadt wie Kinshasa, in der ein Anschluss ans Stromnetz Luxus bedeutet, hat die Nutzung der Solarenergie nicht nur den Vorteil umweltfreundlich zu sein. Sie ermöglicht die Unabhängigkeit vom instabilen staatlichen Stromnetz und beständige Versorgung mit sauberer Energie.

Die Autorin Seraina Hürlemann hat Sinologie studiert. Sie absolviert derzeit ein Praktikum beim Greenpeace Youth Support Centre und begleitet unter anderem das Projekt zur Einführung der Solarenergieausbildung an der EPROBA. Der Solafrica-Blog bietet involvierten und interessierten Personen eine Plattform für Beiträge zu den Themen von Solafrica. Die hier veröffentlichten Beiträge sind persönliche Stellungnahmen der Autoren/innen und entsprechen nicht zwingend den Ansichten von Solafrica.

Quelle mit freundlicher Genehmigung: Solafrica

Dienstag, 10. Februar 2015

EWZ-Grossspeicher für Sonnenstrom

Das Elektrizitätswerk der Stadt Zürich (ewz) hat den grössten Batteriespeicher der Schweiz installiert - in Zusammenarbeit mit einer Wohnbaugenossenschaft. Der Speicher  soll in einem Stadtquartier die schwankende Solarstromproduktion zeitlich auf den Strombedarf des Quartiers abstimmen. Um die Energiewende zu schaffen, ist der Einsatz von solchen neuen Energiespeichern notwendig. 
 
Das EWZ testet im Jahr 2015 einen neuen Lithium-Ionen-Batteriespeicher in einer Überbauung der ABZ Allgemeine Baugenossenschaft Zürich in Zürich-Affoltern. Es ist der derzeit grösste Batteriespeicher der Schweiz: Die Kapazität von 719 Kilowattstunden entspricht dem Tagesstrombedarf von 75 Familienhaushalten. Im Gegensatz zu vorhandenen Speichern ähnli­cher Grösse wird der ewz-Speicher ins Gebäude integriert und nicht als Container­bau realisiert. Das Projekt berücksichtigt damit die begrenzten Platzverhältnisse und Vorschrif­ten in der Stadt.

Der Batteriespeicher soll in diesem Quartier mit vielen Solarstromanlagen ermöglichen, dass die lokal produzierte Solarenergie auch vollständig lokal genutzt werden kann. Bei hoher Sonneneinstrahlung produzieren Solarstromanlagen eine grosse Menge Energie. Wenn die Anwohnerinnen und Anwohner diese nicht zeitgleich nutzen, müsste der Über­schuss ohne Speicherung ins übergeordnete Netz eingespeist werden. Bei einer sehr hohen Anzahl Solarstromanlagen wäre ein Netzausbau nötig, um die kurzzeitige, aber hohe Spitzenlast zu bewältigen. Dies hätte Energieverluste und höhere Kosten zur Folge. Gebaut wurde der neue Lithium-Ionen-Batteriespeicher von der Helion Solar AG im Auftrag von ewz (www.helion-solar.ch).

Die Energiestrategie 2050, die den Ausbau der Produktion aus erneuerbaren Energien vorsieht, bedingt gleichzeitig den vermehrten Einsatz von Energie­speichern. Darauf hat der Bundesrat in seiner Botschaft zur Energiestrategie hinge­wiesen. ewz arbeitet intensiv auf eine erneuerbare Zukunft hin und modernisiert deshalb laufend das Strom­netz. Dazu gehören neben dem Batteriespeicher-Pilotprojekt beispielsweise die Umstellung auf Smart Meter, also intelligente Stromzähler, und das Pilotprojekt «WarmUp2». Bei letzterem wird getestet, wie bestehende Wärmepumpen in der Stadt Zürich flexibel eingesetzt werden können. So könnte beispielsweise die unregelmässig vorkommende Überschuss­produktion von Solar- und Windanlagen genutzt werden, um Warmwasserboiler aufzuladen.


Quelle: EWZ

Sonntag, 8. Februar 2015

PV-Boom in China soll weiter gehen

Nachdem China im vergangenen Jahr erstmals sein Ausbauziele für die Photovoltaik verfehlt hat, setzt die Regierung dem einheimischen Solarmarkt für 2015 noch ehrgeizigere Vorgaben. So eine Meldung von ecoreporter.de, dem Portal für nachhaltige Finanzanlagen.

Für 2014 war das Ziel ausgegeben worden, neue Solaranlagen mit einer Gesamtkapazität von 14 Gigawatt (GW) zu installieren. Doch ein schleppender Zubau im ersten Halbjahr, als der lange Winter und vor allem Probleme bei der Finanzierung kleinerer Projekte das Wachstum ausbremste, führte dazu, dass letztlich „nur“ elf GW neu installiert wurden. Damit hängte die Volksrepublik andere Solarmärkte immer noch um Längen ab, Japan erreichte im globalen Vergleich mit rund acht GW den zweiten Platz. Selbst in Deutschland, früher die Wachstumslokomotive des weltweiten Solarmarktes, sind in keinem Jahr mehr als 7,5 GW neu installiert worden. In den USA, die von der Landesfläche her am ehesten mit China vergleichen werden können, lag die Rekordmarke bei rund fünf GW.

Aber der wachsende Energiehunger der aufstrebenden Wirtschafts Chinas und die starken Umweltprobleme infolge der großen Abhängigkeit von fossiler Energieversorgung zwingen die Regierung, beim Ausbau der Erneuerabren Energein kräftig aufs Gaspedal zu treten. Die Nationale Energiebehörde (NEA) hat nun angekündigt, dass 2015 in der Volksrepublik neue Soalranlagen mit einer Gesamtkapazität von 15 GW neu aufgestellt werden sollen. Es sei geplant, dass der Zubau sich etwa zu gleichen Teilen auf große Solarparks und auf dezentrale Photovoltaikanlagen auf Häusern und Gewerbeflächen verteilt.


Für die chinesischen Solarkonzerne sind das gute Nachrichten. Sie hatten darunter gelitten, dass die Nachfrage im Heimatmarkt 2014 geringer ausfiel als angenommen. Doch nun sind bei vielen der großen Solarhersteller aus der Volksrepublik bereits bis ins zweite Quartal hinein alle Solarmodule ausverkauft. Das hat das Marktforschungsunternehmen IHS festgestellt.


Quelle: ecoreporter.de 

Dünnschicht im Rückblick

Gleich zwei Rekordmeldungen hatten anfangs 2013 in Erinnerung gerufen, dass die einst hoch gelobte Dünnschicht- wie auch die organische Photovoltaik weiterhin im Rennen waren (siehe Solarmedia vom 18. Januar 2012 zu EMPA  und vom 17. Januar 2012 zu Heliatek). Aber insgesamt ist es ruhig geworden um diese Technologien. Ihr Marktanteil dürfte weltweit von 20 auf gegen zehn Prozent gesunken sein, einzig First Solar hat sich gefangen. Und Firmen wie Nanosolar und die chinesische Hanergy stehen in den Startlöchern.Viel geändert hat sich nicht am damaligen Befund.

Neben vielen Pleitemeldungen geht es nur bei einzelnen Exponenten vorwärts, die bereits kommerziell neue Dünnschichtmodule vertreiben. So vermeldete der japanische Hersteller Solar Frontier für seine CIGS-Module (im Bild die grosse Produktionshalle in Japan) mit cadmiumfreien Halbleitern ebenfalls einen neuen Wirkungsgradrekord von 19,7 Prozent (siehe PV-Magazine). Im Unterschied zu anderen Technologien, die sich erst im Forschungsstadium bewähren, ist Solar Frontier bereits (nach First Solar) der zweiwichtigste Produzent von Dünnschichtmodulen und hat allein 2012 Module mit mehreren hundert Megawatt Leistung ausgeliefert.

Solar Frontier K.K. hat unlängst auch eine Vereinbarung mit der staatlichen Development Bank of Japan (DBJ) zur Bildung einer gemeinsamen Investmentgesellschaft unterzeichnet. Das Joint venture soll als unabhängiger Stromproduzent (Independent Power Producer, IPP) tätig sein und in große Solarkraftwerke in Japan investieren, aber auch in solche mit einer Leistung von weniger als zwei Megawatt – die normalerweise schwieriger zu finanzieren sind. Das neue Unternehmen wird den Betrieb im Februar aufnehmen und plant die Errichtung von zunächst 100 Megawatt an Solarleistung pro Jahr. Solar Frontier hat eine 60-prozentige Beteiligung an dem Unternehmen, DBJ wird 40 Prozent besitzen.

Nie so ganz trauen mochte man der US-Firma Nanosolar, die seit Jahren bahnbrechende, da billig und einfach zu produzierende, Dünnschichtmodule verspricht (siehe Bild links). Nanosolar, lange Zeit so etwas wie die Wundertüte oder auch Blackbox der Branche, hatte gemäss dem Portal Solarserver noch im alten Jahr die Fertigstellung seiner bisher größten Photovoltaik-Installation bekannt gegeben. Die Anlage mit einer Nennleistung von 10,63 Megawatt (MW) Anlage befindet sich in Alfarrasi in der Region Valencia in Spanien. Das Photovoltaik-Kraftwerk  wurde von Smartenergy Invest AG und Advanta Capital Ltd. geplant und ist die heute größte Solarstromanlage der Region.  Die Anlage wurde im November 2012 in Betrieb genommen und soll genügend Solarstrom produzieren, um den Jahresstrombedarf von über 4.000 Haushalten zu decken. Allerdings blieb Nanosolar auch 2012 nicht verschon von personellen Querelen. Der erst seit Januar im Amt stehende CEO verliess das Unternehmen bereits nach acht Monaten wieder und die Stelle scheint weiterhin vakant (Quelle: Reuters)

Der chinesische Energieversorger Hanergy Holding Group Ltd. hat den US-Dünnschichthersteller MiaSolé Inc. (Produktionsbild links) aufgekauft. Dies geht aus einer Meldung des »Wall Street Journal« hervor. Im Juni 2012 hatte Hanergy bereits den deutschen Dünnschichtmodulhersteller Solibro GmbH übernommen. Über die für Miasolé gezahlte Transaktionssumme ist nichts bekannt. Der Betrag von 30 Millionen US-Dollar, der in mehreren Medienberichten als Kaufpreis genannt wurde, sei lediglich die Schuldensumme von MiaSolé, so Hanergy-Vorstand Li Hejun.

MiaSolé hatte im August mit einer Umstrukturierung begonnen, um potentielle Investoren anzulocken. Nach den Angaben der jährlichen Marktstudie von PHOTON International produzierte MiaSolé 60 Megawatt CIGS-Module im Jahr 2011 und war damit weltweit der drittgrößte CIGS-Modulhersteller, gefolgt von Solar Frontier und Solibro. Das Unternehmen hatte Ende 2011 eine Produktionskapazität von 100 Megawatt und verfolgte weitere Pläne die Produktion bis Ende 2012 auf 150 Megawatt auszubauen. Hanergy selbst hat keine Daten für eine  PHOTON International-Erhebung geliefert, bezeichnet sich selbst aber als weltgrößter Dünnschichtmodulhersteller mit einer (teilweise noch im Aufbau befindlichen) Jahresproduktionskapazität gigantischen von drei Gigawatt. Quelle: Wall Street Journal, PHOTON

Das US-Portal greentechmedia.com stellte im Spätherbst leicht süffisant die Frage: «Gibt es noch Leben in der Dünnschichtsparte?» Und zählte in der Liste der acht wichtigsten Produzenten (ohne die umstrittene First-Solar-Lösung mit Cadmium-Tellurid) gleich deren vier auf, die seit 2012 entweder Bankrott sind (wie Solyndra und Soltecture) oder nach China verkauft wurden an Hanergy (Solibro und Mia Solé – siehe oben). Doch abgeschrieben werden darf die Produktionstechnologie (CIGS und CIS) keineswegs, auch wenn ihre Bedeutung kleiner geworden ist – aufgrund der phänomenalen Kostenreduktionen der konkurrierenden kristallinen Modulvarianten. Ob allerdings die neuesten Fortschritte in der Forschung mit deutlich erhöhten Wirkungsgraden in naher Zukunft stützend wirken, ist mehr als ungewiss.