Donnerstag, 31. Oktober 2013

100 % erneuerbar mit Kombikraft

Berechnungen des Forschungsprojektes zeigen, dass zukünftig in einem intelligenten Energiesystem mit 100% erneuerbaren Energiequellen die Stabilität des Stromnetzes gewährleistet bleibt / Bereitstellung von Regelenergie durch ein regeneratives Kombikraftwerk wird live in einem Feldtest demonstriert.

Schon vor einigen Jahren wurde mit dem ersten Kombikraftwerks-Projekt gezeigt, dass die Erneuerbaren Energien den Strombedarf Deutschlands in einigen Jahrzehnten jederzeit vollständig decken können. Die Ergebnisse des Folgeprojekts Kombikraftwerk 2 belegen nun, dass auch die Netzstabilität in einer vollständig erneuerbaren Stromversorgung sicher gestellt werden kann. Das könnte etwa Mitte des Jahrhunderts den Einsatz konventioneller Energieträger überflüssig machen, wenn das System technisch und regulatorisch entsprechend weiterentwickelt wird. 

Am Mittwoch haben die Projektpartner des Forschungsvorhabens Kombikraftwerk 2 in Berlin erste Ergebnisse ihrer dreijährigen Arbeit der Öffentlichkeit präsentiert. Ein live übertragener Feldtest, bei dem mehrere Windparks, Biogas- und Photovoltaikanlagen mit einer Gesamtleistung von über 80 MW zu einem Kombikraftwerk zusammengeschlossen wurden, demonstrierte, wie ein Verbund aus Erneuerbare-Energien-Anlagen schon heute Regelleistung bereitstellen und so einen wichtigen Beitrag zur Stabilität der Stromversorgung liefern können. Auf Grundlage eines eigens entwickelten, räumlich hochaufgelösten Zukunftsszenarios haben die Forschungspartner aus Wissenschaft und Industrie zudem gezeigt, dass die Netzstabilität in einem angepassten Stromversorgungssystem mit 100% erneuerbaren Energiequellen gewährleistet werden kann. 

„Wenn in Zukunft Erneuerbare Energien in Kombikraftwerken verknüpft und gesteuert werden, können sie zusammen mit Speichern jederzeit den Bedarf decken und für eine stabile Frequenz und Spannung im Netz sorgen“ stellt Dr. Kurt Rohrig, stellvertretender Institutsleiter am Fraunhofer IWES als wichtigstes Ergebnis des Projektes Kombikraftwerk 2 heraus. Im aktuellen Kombikraftwerk 2 werden reale Erneuerbare-Energien- Anlagen zentral von einer Leitwarte aus gesteuert. Durch ständige Online-Leistungsmessungen und eine exakte Wetterprognose können die zu erwartenden Leistungen in den kommenden Minuten und Stunden sehr genau abgeschätzt und so noch entsprechende Reserven für die Bereitstellung von Regelenergie beim Fahrplan einkalkuliert werden. 

Der im Rahmen des Projektes durchgeführte Feldtest demonstrierte das unter realen Bedingungen: Nachdem zunächst ein vorgegebenes Signal abgefahren wurde, das höchste Ansprüche an die Geschwindigkeit und Genauigkeit der Einspeisung stellt, mussten sich die Anlagen am Schluss des Feldtests einem realen Abrufsignal anpassen und entsprechend der momentanen Frequenz-Situation im Netz Regelleistung bereitstellen. „Unser Test hat nicht nur gezeigt, dass die Erneuerbaren Energien die nötigen Anforderungen zur Regelleistungsbereitstellung erfüllen, sondern dass diese mit einer Anpassungszeit von wenigen Sekunden auch deutlich schneller reagieren als die konventionellen Kraftwerke“, freut sich Kaspar Knorr, Projektleiter des Kombikraftwerk 2. „Damit die Erneuerbaren ihre Systemverantwortung besser wahrnehmen können, sollten sie auch am Regelenergiemarkt teilnehmen können. Dafür müssten die Rahmenbedingungen entsprechend angepasst werden“, so Knorr weiter. 

In Ergänzung des Feldtests modellierten die Wissenschaftler ein sehr hoch aufgelöstes 100%-Szenario, welches mit den stundengenauen Wetterdaten eines realen Referenzjahres durchgespielt wurde. So konnten genaue Einblicke in die räumlichen Auswirkungen von Stromerzeugung und -transport zu jeder Stunde des Jahres erlangt werden und die dafür notwendigen Systemdienstleistungen erfasst werden. Die komplexen Berechnungen, die als Videoanimation auf der Webseite www.kombikraftwerk.de zu sehen sein werden, zeigen, dass der derzeit hohe Grad an Versorgungssicherheit im deutschen Stromnetz in einigen Jahrzehnten auch rein auf Basis Erneuerbarer Energiequellen erreicht werden kann. „Die modernen Technologien erlauben bei einer sinnvollen Anpassung der Rahmenbedingungen zur Markt- und Systemintegration einen umfassenden Handlungsspielraum“, fasst Knorr die Ergebnisse zusammen. „Als Lohn einer richtig gestalteten Energiewende winkt eine saubere und stabile Stromversorgung.“

Hintergrund: Das auf drei Jahre angelegte Forschungsprojekt „Kombikraftwerk 2“ untersucht, wie ein rein regeneratives Stromsystem funktionieren könnte und welchen Bedarf es an Systemdienstleistungen geben wird. Zugleich werden Möglichkeiten erforscht, wie Erneuerbare-Energien-Anlagen diese zur Netzstabilität notwenigen Dienstleistungen erbringen können und die Lösungsansätze an realen Anlagen untersucht. Die Partner des Konsortiums sind: CUBE Engineering GmbH, Deutscher Wetterdienst, ENERCON GmbH, Fraunhofer-Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik (IWES), ÖKOBIT GmbH, Fachgebiet Elektrische Energieversorgung der Leibniz Universität Hannover, Siemens AG, SMA Solar Technology AG, SolarWorld AG und die Agentur für Erneuerbare Energien. Das Projekt wird vom Bundesumweltministerium gefördert und baut auf dem schon 2007 begonnenen Projekt Kombikraftwerk 1 auf, in welchem unter anderem die Machbarkeit einer vollständig auf regenerativen Quellen aufbauenden Stromversorgung demonstriert wurde.

Mittwoch, 30. Oktober 2013

China ist grösster PV-Markt

NPD Solarbuzz Inc. (Santa Clara, Kalifornien, USA) hat eine neue Studie veröffentlicht, laut der 25 % der Photovoltaik-Nachfrage im dritten Quartal 2013 auf China entfielen (insgesamt 9 GW).

Das Land sei bereits seit 2007 der größte Photovoltaik-Produzent der Welt, so der Analyst Michael Barker. China beherrsche die Wertschöpfungskette vom Ingot bis zum fertigen Solarmodul. Allein die Polysilizium-Herstellung sei geographisch breiter gestreut.“China treibt die Photovoltaik-Nachfrage mehr und mehr an. Das wirkt sich sowohl auf den weltweiten Endkundenmarkt aus als auch auf die Finanzlage der verbleibenden heimischen Hersteller“, so Barker in einem Blog. 

„Die Wichtigkeit und das Risiko im Zusammenhang mit dem Absatz in Europa gingen 2013 enorm zurück. Die Möglichkeit, wirtschaftlichere Lieferverträge zu schließen und mehr zu verkaufen, ist eine willkommene Nachricht für die Photovoltaik-Industrie, die sich gerade von dem sehr unrentablen Jahr 2012 erholt.“ NPD Solarbuzz geht davon aus, dass Chinas Anteil an der globalen Photovoltaik-Nachfrage 2013 mindestens doppelt so groß sein wird wie 2011. Damals waren es 10 %. 

Quelle: NPD Solarbuzz | solarserver.de

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Dienstag, 29. Oktober 2013

Und die KEV hat doch recht!

Derzeit ist das Bashing der Solarförderung besonders «in». An diesem Dienstag beklagt sich der Tages-Anzeiger (Artikel hier) darüber, dass «die Solarförderung am Markt vorbei führe». Vergangene Woche war es gar eine Vertreterin der Gewerkschaften, die die KEV in Bausch und Bogen verbannte und gleichzeitig das neoliberale Quotenmodell pries.

Landauf, landab sind in den vergangenen Jahren immer mehr Solaranlagen auf Dächern kleinerer Häuser und grösserer Unternehmen entstanden. Aber plötzlich herrscht Verwirrung total um eines der wichtigsten Instrumente der Energiewende, die Kostendeckende Einspeisevergütung (KEV). Dabei sind ein paar Fakten in Erinnerung zu rufen, die den KritikerInnen schlicht entgangen sind – oder die sie mutwillig übersehen.

·      Nur die KEV hat es geschafft, die Anwendung der Technologie der Erneuerbaren Energien zu beflügeln. Das gilt insbesondere im Ausland (wo etwa in Deutschland dank KEV bereits gegen ein Viertel des Stroms aus erneuerbaren Energiequellen stammt). Das gilt aber auch für die Schweiz, wo etwa der Anteil von Solarstrom an der Gesamtstromproduktion in diesem Jahr erstmals ein Prozent übersteigt (vor drei Jahren war es noch kaum ein Promille).

·      Die KEV ist Voraussetzung, dass viele kleine Anlagen erstellt werden, verteilt über das ganze Land. In der Schweiz sind es bereits über 5000 (und mehr als 20'000 figurieren bedauerlicherweise auf der ständig länger werdenden Warteliste). In Deutschland sind es rund 1,2 Millionen Anlagen, die dank dem dortigen Einspeisemechanismus bereits erstellt wurden. Von einer reinen Förderung der Projekte grosser Elektrizitätswerke kann keine Rede sein, wie das Dore Heim vom Schweizerischen Gewerkschaftsbund SGB an einer Veranstaltung der Schweizerischen Energie Stiftung SES behauptete. 

·      Die KEV ist weiterhin der geeignete Mechanismus, Investitionen in Erneuerbare Energien anzuregen. Ein Quotenmodell, dass den EW die Erstellung von Kapazitäten bei freier Technologiewahl vorschreiben würde, ist ebenso dirigistisch, würde im Gegensatz zur KEV die grossen Erzeuger bevorzugen – und hat sich in den wenigen Staaten als Flop erwiesen, wo es ansatzweise ausprobiert wurde. Sogar Grossbritannien hat das Quotenmodell liquidiert und ist zu einer Einspeisevergütung übergegangen (ironischerweise nicht nur für Erneuerbare Energien, sondern neuerdings sogar für Atomstrom – siehe Solarmedia vom 26. Oktober 2013Im Übrigen waren es etwa die deutschen Liberalen (FDP), die als Einzige weit und breit das Quotenmodell vehement forderten.

·      Die Kosten für die Förderung von Solarstrom durch die KEV sind hierzulande noch immer verschwindend gering – und betragen nur wenige Millionen der insgesamt zur Verfügung stehenden Mittel (bislang rund 300, ab 2014 neu rund 500 Millionen Franken jährlich). Die meisten KEV-Mittel gehen mit der Hälfte in die Wasserkraft  – und selbst für die Windstromförderung ist mehr Geld reserviert als für den Solarstrom. Die KEV sieht im Übrigen in allen Ausgestaltungen stets vor, die Entschädigungen über die Jahre zurückzuführen - und sie, anders etwa als die Subventionen für die Landwirtschaft, eines Tages auslaufen zu lassen.

Gerade die Solarstromförderung zeigt den Erfolg der KEV. So führt auch der Tages-Anzeiger-Artikel mit seinem Titel «Die Schweiz fördert Solarenergie am Markt vorbei» in die Irre - denn mit der Einspeisevergütung ging und geht es auch heute nicht darum, die Soalrenergie  im Markt zu fördern. Es handelt sich vielmehr um eine Technologie, die an den Markt heranzuführen ist - und das gelingt seit Jahren und immer erfolgreicher, allem Bashing zum Trotz. Es ist noch nicht lange her, da wurde (u.a. von Axpo-CEO Heinz Karrer) behauptet, das Potential der Solarenergie sei verschwindend klein. Die KEV zeigt demgegenüber, dass es mögich ist, immer mehr Solarstrom immer billiger zu produzieren. Bis dieser in nicht allzu ferner Zukunft konkurrenzfähig (in fünf bis sieben Jahren) ist. Bis dahin aber braucht es die KEV - von einer Förderung am Markt vorbei kann keine Rede sein. Vielmehr ist es eine Erfolgsgeschichte, die die KEV dereinst als besonders effizientes wirtschaftspolitisches Instrument erscheinen lässt.
 
©  Solarmedia

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Montag, 28. Oktober 2013

Hohe Akzeptanz der Windenergie

Die Mehrheit (78%) der Anwohner von Windenergiepärken in der Schweiz befürwortet die Windenergie. Ein vergleichbar grosser Anteil (76%) gibt an, dass die Windkraftanlagen keine oder nur geringfügige Auswirkungen auf das Wohlbefinden hätten. Umgekehrt sind 6% der Anwohner stark belästigt.   
Das sind die Resultate einer Meinungsumfrage, die Forscherinnen und Forscher der deutschen Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg in Zusammenarbeit mit der Universität St. Gallen durchgeführt haben. Die Studie ist am Montag an einer Medienkonferenz des Bundesamtes für Energie vorgestellt worden. Forscherinnen und Forscher der deutschen Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und der Universität St. Gallen haben 467 Anwohner befragt, die im Umkreis von höchstens fünf Kilometer von einem Windenergiepark in der Schweiz leben. Unterstützt von den Bundesämtern für Energie (BFE) und Umwelt (BAFU), hatte die Forschungsarbeit zum Ziel, die Wirkungen der Windenergieanlagen auf die direkt betroffenen Bevölkerungskreise zu untersuchen.
 
Vorteil Windenergie: Die Anlage produziert auch bei schlechtem Wetter (und in der Nacht) Strom, wann immer es windet (Bild: Guntram Rehsche).







Hier einige Ergebnisse der Studie:
  • Die Einstellung zur Windenergie ist insgesamt positiv: 78% der befragten Personen befürworten die Windenergie, nur 6% sind dagegen. Diese Minderheit zeigt jedoch eine grosse Bereitschaft, sich gegen die Windenergienutzung an ihrem Wohnort einzusetzen (36% der Gegner). Bei den Befürwortern hingegen haben sich nur 6% aktiv für die Windenergie vor Ort engagiert.
  • Als entscheidend für die Einstellung zur Windenergie erwies sich die wahrgenommene Belastung während des Planungs- und Bauprozesses des Windparks: Je stärker die Belastung, desto negativer die Einstellung. Und je mehr sich die Anwohner im Planungsprozess eingebunden fühlten, desto positiver waren sie gegenüber dem lokalen Windkraftvorhaben eingestellt.
  • Die Akzeptanz der Windenergie zeigt sich auch darin, dass in der Wahrnehmung die Vorteile alles in allem die Nachteile überwiegen. Als die vier stärksten Trümpfe der Windenergie nannten die befragten Personen die zeitgemässe Technologie, den Beitrag zum Umweltschutz, die Energieunabhängigkeit und den Ausstieg aus der Kernkraft. Am häufigsten negativ bewertet wurden die Beeinträchtigungen der Vögel, der Fledermäuse und des Landschaftsbilds.
  • Die Beeinträchtigung des Wohlbefindens durch Windenergieanlagen wird ebenfalls als gering beurteilt: 76% der befragten Personen fühlen sich gar nicht oder nur geringfügig gestört von den Faktoren Hinderniskennzeichnung, Schattenwurf, Drehbewegung der Rotorblätter, Lärm und Beeinträchtigung des Landschaftsbildes. 18% fühlen sich mittel bis stark belästigt, ohne jedoch Stresssymptome zu entwickeln. 6% hingegen fühlen sich mittel bis stark beeinträchtigt und klagen über Symptome wie zum Beispiel Einschlafstörungen. Hauptfaktor für Stress sind die Geräuschemissionen.
  • Die Ergebnisse dieser Studie sind verglichen worden mit den Ergebnissen einer Befragung von Personen, die in der Nähe von potenziellen Standorten für den Bau von Windkraftanlagen wohnen. Es zeigt sich, dass die Anwohner von potenziellen Standorten eine negativere Einstellung zu Windkraftanlagen haben als Anwohner von bereits bestehenden Anlagen.
Die Schweiz zählt derzeit 33 grosse Windkraftanlagen mit einer Gesamtleistung von 60 Megawatt (MW). Die Anlagen haben im Jahr 2012 88 Gigawattstunden (GWh) Strom produziert, das entspricht dem Jahresbedarf von knapp 25'000 Haushalten. Laut den Zielen der Energiestrategie 2050 soll die Stromproduktion mit Windkraft bis im Jahr 2020 600 GWh und bis 2050 4300 GWh erreichen. Zuständig für die Bewilligungen zum Bau von Windenergieanlagen sind die Kantone und Gemeinden. 2010 haben die Bundesämter für Energie (BFE), für Raumentwicklung (ARE) und für Umwelt (BAFU) als Vollzugshilfe für die zuständigen Fachstellen der Kantone und Gemeinden die "Empfehlungen zur Planung von Windenergieanlagen" herausgegeben.

Quelle: Bundesamt für Energie

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Samstag, 26. Oktober 2013

Atomindustrie spielt verrückt

Unverbesserliche BefürworterInnen (ja auch Frauen gibt es darunter) mögen ob der Meldung von anfangs Woche frohlockt haben. Während es seit Fukushima praktisch nirgends mehr so richtig voran geht mit dem Bau neuer oder bereits begonnener Atombauten (sogar China legte einen unterdessen aufgehobenen Sicherheitsstopp ein), hat die britische Regierung unter dem konservativen Premier Cameron den Neubau zweier Meiler beschlossen. 

Und schon macht wieder die Mär von der Rennaissance der Atomkraft die Runde. Aber – es ist weniger als ein Tropfen auf einen heissen Stein, der selber am Verglühen ist. Denn die Bedingungen, zu denen das neue Atomkraftwerk erstellt werden soll, sind haarsträubend – und auch ein Schlag ins Gesicht logisch denkender EnergiepolitikerInnen (auch die gibt es). Der französische Energiekonzern EDF und die britische Regierung haben sich gemäss der Zeitschrift Photon auf einen »Basispreis« für den im geplanten Atomkraftwerk Hinkley Point C erzeugten Strom geeinigt. Nach Angaben der Regierung wurden hierfür 9,25 Pence (10,93 Cent) je Kilowattstunde über einen Zeitraum von 35 Jahren vereinbart. Für den Fall, dass EDF auch das zweite geplante Atomkraftwerk Sizewell C bauen wird, reduziert sich der Basispreis auf 8,95 Pence (10,58 Cent) je Kilowattstunde. Zudem ist eine Anpassung des Preises an den Lebenshaltungskostenindex – also ein Inflationsausgleich – vorgesehen. Die Vereinbarung ist rechtlich nicht bindend, soll aber Grundlage einer vertraglichen Abmachung werden. 

Und noch eine Absurdität: Zumindest plant der EU-Wettbewerbskommissar wohl in Kürze das Beihilfeverfahren gegen das EEG (Einspeisegesetz in Deutschland) und damit Einspeisevergütungen zu verbieten. Daran anschließend will er voraussichtlich durchsetzten, dass die Erneuerbaren nur noch direkt vermarktet werden dürfen. Derweil bewilligen die Briten einen festgeschriebenen Vergütungssatz von 10,4 Cent je Kilowattstunde für Strom aus dem Atomkraftwerk in Somerset. Verkehrte Welt! 

„Großbritannien setzt mit dem Bau der neuen Atommeiler nicht nur auf eine veraltete, sondern zudem auf eine unglaublich teure Technologie“, unterstreicht Karl-Heinz Remmers, Vorstand der Solarpraxis AG, im Hinblick auf eine Solarspeicherkonferenz in Berlin Ende November. Die britische Regierung hat sich zu einem garantierten Abnahmepreis von 10,6 Cent pro Kilowattstunde Atomstrom aus den neuen Meilern über 35 Jahre verpflichtet. Nach aktuellen Berechnungen entspricht dies, inflationsbereinigt und angepasst auf eine Laufzeit von 20 Jahren gemäß Erneuerbarem-Energien-Gesetz, einem EEG-Vergütungssatz von 34,5 Cent. „Das ist mehr als das 3,5-fache der aktuellen Vergütung für solare Freiflächenanlagen. Es zeigt, dass eine Energiewende hin zu 100 % Erneuerbaren nicht nur der wesentlich umweltfreundlichere, sondern auch der kosteneffizientere Weg in die Zukunft ist“, so Remmers. Dem gibt es nichts mehr beizufügen. 
 
©  Solarmedia

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Freitag, 25. Oktober 2013

Zunehmend geht es ohne Subvention

Die Internationale Energieagentur IEA (Paris) kommt zum Schluss, dass die Photovoltaik den Punkt erreicht hat, an dem sie sich auch ohne finanzielle Unterstützung zu entwickeln beginnt. Solarstrom-Einspeisetarife seien aber noch immer der wichtigste Marktreiber, so das „Photovoltaic Power System Programme“ (PVPS) - gemäss einer Mitteilung der Plattform solarserver.de.

Der 18. Bericht des IEA PVPV mit dem Titel “Trends in Photovoltaic Applications” dokumentiert, dass Einspeisetarife im Jahr 2012 für 61 % des weltweiten Photovoltaik-Marktes verantwortlich waren. Doch auch Photovoltaik-Anlagen, die nicht gefördert werden, einschließlich der Anlagen zum Solarstrom-Eigenverbrauch kamen dem Bericht zufolge 2012 auf einen Marktanteil von 12 %. 2012 war auch das zweite Jahr in Folge, in dem die Photovoltaik den größten Anteil an der neu installierten Kraftwerksleistung in Europa hatte. Insgesamt deckte die Photovoltaik etwa 2,6 % des europäischen Strombedarfs. Australien bezieht mehr als 1 % seines Stroms aus Photovoltaik. Japan, China und die USA liegen hingegen noch unter 1 %. 

Laut IEA PVPS sind im vergangenen Jahr 29,3 Gigawatt (GW) Photovoltaik-Leistung in den IEA-Ländern und anderen großen Märkten installiert worden, was eine gesamte weltweit installierte Photovoltaikleistung von knapp 100 GW am Ende des Jahres 2012 ergebe.  Die Photovoltaik-Industrie produzierte 2012 Solarmodule mit einer Nennleistung von 36 GW, bei einer Fertigungskapazität von 58 GW, was nach Angaben der IEA den starken Preisverfall erklärt. 

Der vollständige Bericht steht hier zum Download bereit.

Quelle: IEA PVPS | solarserver.de

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Donnerstag, 24. Oktober 2013

SES: Kein KEV-Referendum

Das Referendum gegen die parlamentarische Initiative 12.400, auch «Energiewende light» genannt, wird nicht zustandekommen. Heute Donnerstag läuft die Referendumsfrist ab, und Referendumsführer Christian Riesen hat zu wenige Unterschriften sammeln können, um die Kostendeckende Einspeisevergütung (KEV) zu Fall zu bringen

Der Einzelkämpfer Riesen hat kaum Unterstützung von Parteien oder Organisationen erhalten, nur ein paar vereinzelte Energiewende-GegnerInnen haben sich mit ihm solidarisiert. Er hat gemäss einer Mitteilung der Schweizerischen Energie Stiftung SES versucht, mit falschen Zahlen und Argumenten Angst zu schüren, etwa mit der Behauptung, die Erhöhung der maximalen Abgabe für erneuerbaren Strom koste jede Stromkonsumentin und jeden Stromkonsumenten 110 Franken pro Jahr. In Wahrheit sind es nur 6 Franken, wie der Tagesanzeiger am 29. August 2013 vorgerechnet hat. Die maximale Abgabe pro Person kann jährlich 18 Franken ausmachen – damit kann man gerade mal einen Kinoeintritt bezahlen. Oder eben den Ausstieg aus dem Experiment mit den uralten AKW: Je schneller, je sicherer!

SES-Projektleiter Felix Nipkow ist zufrieden: «Offenbar lässt sich die Bevölkerung nicht mit falschen Argumenten und Zahlen locken. Zum Glück! So kann der Einstieg in die Energiewende bereits nächstes Jahr beginnen.» Die SES wird sich weiterhin mit Fakten und (richtigen) Argumenten für die Energiewende einsetzen.

Quelle: SES

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Eigenverbrauch attraktiv

Eigenverbrauch von Solarstrom wird europaweit vor allem für die Industrie zu einem Renner. Denn Produktionsunternehmen benötigen den Strom vor allem dann, wenn die Sonne scheint - dies im Gegensatz zu den meisten Privathaushalten. Erneut präsentiert Solarmedia ein Beispiel, erst noch von einem Schweizer Installationsunternehmen realisiert.


Die Schweizer TRITEC baut das internationale Projektgeschäft weiter aus. Im Süden der Türkei wurde Ende August eine 200 kWp-Anlage auf den Dächern einer Teppichfabrik und eine 10 kWp-Anlage auf einem Wasserreservoir in einem Erholungspark realisiert, wie das Unternehmen mit Sitz bei Basel in einer Medienmitteilung festhält. Solarmedia hatte bereits ein weiteres Beispiel eines Warenhauses in Deutschland dokumentiert, das auf den Eigenverbrauch setzt (siehe Solarmedia vom 22. Oktober 2013). 

Beim Tritec-Projekt in der Türkei laufen die Webmaschinen der Teppichfabrik Sirma im südlichen Gaziantep täglich rund um die Uhr. Einen Teil der benötigten Energie mit einer Solaranlage selbst zu produzieren, liegt bei den hohen Einstrahlungswerten von 1'800 kWh/m² und etwa 300 Sonnentagen pro Jahr auf der Hand. Mit der von TRITEC installierten 200 kWp-Anlage kann das Unternehmen nun 360’000 kWh saubere Solarenergie produzieren. Auf eine Einspeisung ins öffentliche Netz mit staatlicher Einspeisevergütung wurde verzichtet. Die Energie kann zu 100% vom Unternehmen selbst genutzt werden. Der Return on Investment ist bei den aktuellen Strompreisen vor Ort ohnehin nach sieben Jahren erreicht. 

Die Anlage, die auf vier Trapezblechdächer verteilt ist, konnte in nur vier Tagen mit dem bewährten Montagesystem TRI-VENT von TRITEC in Rekordzeit realisiert werden. Dies bei Tagestemperaturen von über 40 Grad. Fachinstallationspartner United Solar aus Gaziantep profitierte dabei vom Know-how-Transfer durch TRITEC. Weitere gemeinsame Projekte sind bereits in Planung. 

Eine zweite PV-Anlage wurde von der Stadtverwaltung Gaziantep in Auftrag gegeben. Auf dem Flachdach des Wasserreservoirs in einem städtischen Erholungspark produziert die 10 kWp-Anlage jährlich 18’000 kWh sauberen Solarstrom. Als Unterkonstruktion kam das von TRITEC speziell für ballastarme Flachdächer und aerodynamisch entwickelte Montagesystem TRI-STAND Aero zur Anwendung. 

Quelle: Tritec

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Mittwoch, 23. Oktober 2013

So wird die KEV per 2014 gekürzt

Der Bund kündigte an, die Vergütungssätze für Fotovoltaikanlagen zu kürzen. Die Betreiber protestierten während der Vernehmlassung heftig. Nun liess sich der Bundesrat ein Stück weit erweichen.


Ab dem 1. Januar gelten neue Regeln für die Förderung von erneuerbaren Energien durch die kostendeckende Einspeisevergütung (KEV). Dies hat der Bundesrat beschlossen. Der Solarbranche ist er nach Kritik in der Anhörung entgegengekommen. Die Betreiber von Fotovoltaikanlagen hatten heftig protestiert. Die geplanten Kürzungen seien für die Branche katastrophal, liess der Verband Swissolar verlauten. Der Bundesrat hat darauf reagiert: Die Vergütungssätze werden zwar gekürzt, aber weniger stark als ursprünglich geplant, wie das Energiedepartement (Uvek) mitteilte. Für eine 100-Kilowatt-Anlage etwa sinkt die Vergütung von bisher 24,8 auf 19,8 Rappen pro Kilowattstunde.

Weniger Geld gibt es für die Solarenergie unter anderem deshalb, weil die Preise für Fotovoltaikmodule sowie die Installationskosten stark gesunken sind. Die bisherige automatische jährliche Absenkung der Vergütungssätze um 8 Prozent entfällt indes. Künftig sollen die Sätze regelmässig an die Marktentwicklungen angepasst werden, erstmals per 1. Januar 2015. Fotovoltaikanlagen werden nicht nur mit tieferen Beträgen, sondern auch für eine kürzere Zeitdauer subventioniert. Hier macht der Bundesrat aber ebenfalls einen Kompromiss: Er verzichtet auf die ursprünglich vorgesehene Verkürzung der Vergütungsdauer auf 15 Jahre. Die Dauer wird stattdessen von bisher 25 auf 20 Jahre verkürzt.

Dies gilt für Fotovoltaikanlagen sowie Kleinwasserkraftwerke. Die Betroffenen hätten darlegen können, dass eine sofortige Verkürzung um 10 Jahre zu grossen Markterschütterungen führen würde, schreibt das Uvek. Mit dem Zwischenschritt von 20 Jahren könnten die Marktanpassungen sanfter erfolgen bis zum Inkrafttreten des ersten Massnahmenpakets im Rahmen der Energiestrategie, das eine maximale Vergütungsdauer von 15 Jahren vorsieht. Für Biomasseanlagen mit Entsorgungsauftrag wird die Vergütungsdauer von bisher 20 auf 10 Jahre verkürzt. Es geht um Kehrichtverbrennungs-, Schlammverbrennungs- oder Abwasserreinigungsanlagen. Für die übrigen Biomasseanlagen ebenso wie für Windenergieanlagen und Geothermiekraftwerke bleibt die Vergütungsdauer bei 20 Jahren.

Kleinwasserkraftwerke werden neu in zwei Kategorien eingeteilt: Anlagen an natürlichen Gewässern und Anlagen mit geringen ökologischen Auswirkungen. Für die Anlagen der ersten Kategorie werden die kleinsten Leistungsklassen aufgehoben, sodass die unterste Leistungsklasse neu alle Anlagen bis 300 Kilowatt umfasst. Dadurch verringere sich der Anreiz zum Bau von Kleinstkraftwerken an natürlichen Gewässern, hält das Uvek fest. Eine weitere Neuerung soll verhindern, dass Projekte, die nicht vorankommen, andere blockieren. Projektfortschrittsmeldungen müssen neu bereits nach zwei statt erst nach vier Jahren erfolgen. Ist ein Projekt nicht auf dem Weg zur Realisierung, fällt es aus dem KEV-System. Dies gilt für die Kleinwasserkraftwerke und Windenergieanlagen, die eine Umweltverträglichkeitsprüfung benötigen. Bei Windenergieanlagen wird ausserdem ein Höhenbonus eingeführt für Anlagen auf über 1700 Metern über Meer. Damit werden die höheren Wartungskosten und die geringere Stromproduktion abgegolten.

Die Neuerungen gelten im Prinzip für Anlagen, die ab 2014 in Betrieb gehen. Das Uvek kann jedoch Energie aus Anlagen, für die ein Betreiber vor Inkrafttreten der Anpassung einen positiven Bescheid erhalten hat, nach den alten Regeln vergüten. Strom aus erneuerbaren Energien wird seit Anfang 2009 mit der KEV gefördert. Alle Stromkonsumentinnen und -konsumenten bezahlen dafür einen Zuschlag. Ab nächstem Jahr beträgt dieser 0,6 Rappen pro Kilowattstunde, 0,15 Rappen mehr als heute.

Quelle: SDA / Agenturen / Bild: Guntram Rehsche

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Forscher erwarten Kostensenkung

Es gilt, die Effizienz von Produktion, Komponenten und Materialien zu steigern. Die Solarforschung macht Solarstrom wettbewerbsfähiger gegenüber Kohle- und Atomstrom. So lässt sich der Standortvorteil durch Forschungs- und Innovationsförderung nutzen. 

Trotz beachtlicher Entwicklungserfolge in den letzten Jahren ist das Kostensenkungspotenzial von Solarstrom noch immer nicht ausgeschöpft. Dies ist das heute vorliegende Ergebnis einer Befragung führender Solarforscher, die sich in der Innovationsallianz Photovoltaik zusammengeschlossen haben. Nach Ansicht der Experten gilt es an drei wesentlichen Stellschrauben zu drehen, um Solarstrom noch günstiger zu machen: Steigerung des Wirkungsgrades von Solarstromanlagen, die Senkung von Materialkosten und die Optimierung von Herstellungsprozessen. Diese Ansätze verfolgen die Forschungsprojekte der 2010 gestarteten Innovationsallianz Photovoltaik.

„Schon in den letzten Jahren sind die Kosten für schlüsselfertige Solarstromanlagen um zwei Drittel gesunken und das Ende der Fahnenstange ist noch lange nicht erreicht“, freut sich Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Solarwirtschaft e.V. (siehe  unten - Infografik zum Download). „Diese Innovationspotenziale gilt es nun zu heben, zum Wohle der Menschheit, unserer Umwelt und zum Nutzen des Wirtschaftsstandorts Deutschland“, so Körnig. Damit Deutschland als Photovoltaik-Standort auch künftig wettbewerbsfähig bleibe, sei die Förderung der Photovoltaik-Forschung durch die Bundesregierung weiter wichtig, zeigten sich zwei von drei Solarforschern überzeugt.

„Nach unserer Prognose sind bei Solarstromanlagen bis 2020 Kostensenkungen um weitere 30 Prozent möglich. Die Photovoltaik steht weltweit an der Schwelle zur Wettbewerbsfähigkeit mit konventionellen Stromquellen. Sie wird sich innerhalb weniger Jahre in immer mehr Marktsegmenten und Regionen der Erde wirtschaftlich selbst tragen“, sagt Professor Eicke Weber, Leiter des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ISE.

Wichtige Voraussetzung für eine hohe Innovationskraft der Solarforschung: „Anwendungsnah und entlang der gesamten Wertschöpfungskette entwickeln die Zusammenschlüsse aus Industrie und Wissenschaft in der Innovationsallianz Photovoltaik Ideen für günstigen Solarstrom. Durch diese kreativen Kooperationen wird die Photovoltaik künftig noch schneller wettbewerbsfähig.“, fasst es Körnig zusammen. An Zuversicht fehlt es den Unternehmern dabei nicht: Jeder zweite Befragte geht davon aus, dass die Forschungsarbeit der Innovationsallianz Photovoltaik Sonnenstrom wettbewerbsfähiger mit konventionellen Energieträgern werden lässt. 63 Prozent sind sich sicher: Bei Erfolg leisten die Ergebnisse ihrer Projekte einen wesentlichen Beitrag zur Kostensenkung von Solarstrom.

Die Innovationsallianz Photovoltaik ist ein Zusammenschluss von 120 Forschungsinstituten und Solarunternehmen aller Produktionsstufen, die daran arbeiten den Wettbewerbsvorteil des Solarstandortes Deutschland zu verteidigen. Sie werden dabei vom Bundesumweltministerium und dem Bundesforschungsministerium gefördert. Die Teams von Herstellern, Anlagenbauern, Ausrüstern und Forschungseinrichtungen gewähren unter www.innovationsallianz-photovoltaik.de Einblicke in ihre laufenden Forschungsprojekte.

Zur Methodik
Der Bundesverband Solarwirtschaft e.V. hat Experten von Forschungseinrichtungen und Entwicklungsabteilungen aus Solarunternehmen befragt, die sich in der Innovationsallianz Photovoltaik zusammengeschlossen haben. 68 führende Solarforscher haben an der Umfrage teilgenommen. Eine Präsentation der Umfrage finden Sie hier.http://bsw.li/1iax7Hz

Zum Herunterladen Infografik „Solarstrom-Anlagen seit 2006 rund 67 % günstiger“

Quelle: Innovationsallianz Photovoltaik

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Dienstag, 22. Oktober 2013

Modul-Recycling geregelt

Swissolar, der schweizerische Fachverband für Sonnenenergie, und SENS eRecycling haben per Anfang 2014 einen Kooperationsvertrag unterzeichnet, der die relevanten Aspekte bei der Rücknahme und der Entsorgung von Photovoltaikmodulen in der Schweiz regelt.

Durch diese Zusammenarbeit stellt Swissolar seinen Mitgliedern und somit dem Handel und den Konsumentinnen und Konsumenten eine günstige, durch strenge Kontrollen gesicherte, umweltverträgliche Schweizer Rücknahme- und Recyclinglösung zur Verfügung. Dies bedeutet, dass SENS eRecycling für die Mitglieder von Swissolar die Rücknahme und das Recycling von Photovoltaikmodulen inkl. Zubehör organisiert.

Swissolar und SENS eRecycling haben die Partnerschaft in einem Dachvertrag geregelt. Dieser dient als Basis für Einzelverträge, die SENS eRecycling in einem nächsten Schritt mit den Mitgliedern von Swissolar abschliessen wird. Dies betrifft jene Mitglieder, die Photovoltaikmodule entweder direkt importieren oder selber herstellen. Finanziert wird die Recyclinglösung über die vorgezogene Recyclinggebühr (vRG).

Das Bundesamt für Umwelt (BAFU) wird voraussichtlich per 1.1.2014 die neue Gerätekategorie Photovoltaikmodule in die Verordnung über die Rückgabe, die Rücknahme und die Entsorgung elektrischer und elektronischer Geräte (VREG) aufnehmen. Swissolar hat somit vorausblickend eine termingerechte, günstige, durch strenge Kontrollen gesicherte Recyclinglösung für die Schweiz initiiert und mit SENS eRecycling den idealen Partner gefunden.

Die Mitglieder von Swissolar profitieren auf diese Weise von einem etablierten Rücknahmesystem, einem langjährigen Know-how, sowie einem nachhaltigen Qualitätsmanagement von SENS eRecycling. Die Stiftung SENS, die nach aussen mit der Marke SENS eRecycling auftritt, ist das grösste Rücknahmesystem für elektrische und elektronische Geräte sowie für Leuchten und Leuchtmittel in der Schweiz.

Photovoltaikmodule sind Produkte mit sehr langer Lebensdauer. Produzenten geben im Normalfall Garantien zwischen 20 und 25 Jahren. Die technische Lebensdauer wurde von der wissenschaftlichen Gemeinschaft bei über 30 Jahren eingestuft. Nachdem Photovoltaikanlagen erst ab der Jahrtausendwende in grösserem Umfang gebaut wurden, darf davon ausgegangen werden, dass erst  in rund zehn bis 15 Jahren  grosse Mengen an Altmodulen anfallen werden.

Photovoltaikmodule bestehen zu circa 90 Prozent (abhängig von der verwendeten PV-Technologie) aus Glas. Metalle, wie Kupfer oder Aluminium, und Kunststoffe machen rund weitere 10% aus. Der eigentliche Kern eines Solarmoduls, nämlich der Halbleiter, fällt nur in sehr kleinen Mengen an. Bei Silizium-basierten Modulen macht der Halbleiter rund 2% des Modulgewichts aus. Bei nicht Silizium-basierten Modulen verringert sich der Halbleiteranteil (Gewicht) auf ca. 0,1%-1,15%.  Die Tendenz in der PV-Industrie zeigt auch, dass immer mehr Produzenten noch dünnere Halbleiterschichten produzieren werden. Mit den heutigen Technologien können zwischen 80 und 90% eines Modulgewichts für die Produktion von neuen Materialien zurückgewonnen werden.

Photovoltaikmodule entsprechen nicht den EU-Kriterien von Gefahrenabfall. Alle Photovoltaik-Technologien wurden von Gesundheits- und Umweltämtern als sicher für Mensch und Natur eingestuft. Studien haben gezeigt, dass Solarmodule, unabhängig von ihrer Halbleitertechnologie, weder während des Betriebs noch bei zu erwartenden oder nicht zu erwartenden Unfällen eine Gefahr für Mensch oder Umwelt darstellen. Es gibt Halbleitermaterialien, die unter Anwendung der angemessenen Recyclingtechnologie wieder in den Produktionskreislauf von neuen PV-Modulen zurückfliessen können. Es ist daher sowohl aus wirtschaftlichen, als auch aus ökologischen Gründen das getrennte und angemessene Recycling dieser Module anzustreben.

Quelle: swissolar.ch

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WWF bringt Gesetzes-Entwurf

Der WWF fordert in Deutschland von der CDU/CSU und der SPD in den Koalitionsvertrag die Verabschiedung eines Klimaschutz- und Energiewenderahmengesetz (KEnRaG)aufzunehmen. Bisher seien die einzelnen Klimaschutzpolitikvorhaben  unkoordiniert und nicht auf einer soliden gesetzgeberischen Basis. 

Darüber hinaus gäbe es keinen  Prozess,  der die Erreichung der Klimaschutzziele systematisch gewährleistet. „Die Herkulesaufgaben Klimaschutz und Energiewende können nur erfolgreich gestemmt werden, wenn wir sie auf ein solides Fundament stellen und ihnen eine verlässliche Langfristperspektive geben. Hierfür ist ein Klimaschutz- und Energiewenderahmengesetz unerlässlich“, sagt Regine Günther, Leiterin Klimaschutz und Energiepolitik beim WWF Deutschland. Der WWF hat bei der Anwaltskanzlei Becker, Büttner, Held einen konkreten Entwurf für ein Klimaschutz- und Energiewenderahmengesetz erarbeiten lassen. Demnach soll das Gesetz einen langfristigen und verbindlichen Entwicklungspfad für die Reduktion von Treibhausgasemissionen und die Energiewende bis 2050 vorgeben. Dafür werden die im Energiekonzept der Bundesregierung im Jahr 2010 definierten Ziele in das Gesetz übertragen. Dadurch werden für den Zeitraum von 2020 bis 2050 Dekaden-Ziele für die Minderung von Treibhausgasemissionen, den Ausbau der erneuerbaren Energien und die Steigerung der Energieeffizienz verbindlich in einem Gesetz festgelegt.

Zum anderen soll mit dem Gesetz ein neues Verfahren etabliert werden, das die staatlichen Maßnahmen für Klimaschutz und Energiewende koordiniert, die Zielerreichung garantiert und für eine wirksame Kontrolle sorgt. Ein Klimaschutzplan, den die Bundesregierung zu Beginn der jeweiligen Legislaturperiode aufstellt und den der Bundestag beschließt, wird dabei ein wesentliches Instrument sein. In ihm sollen alle Klimaschutz-Maßnahmen gebündelt werden. Als unabhängige Institution wird eine Klimaschutzkommission errichtet, die die Fortschritte jeweils vor der nächsten Bundestagswahl evaluiert.

„Um das Generationenprojekt Energiewende zielorientiert, flexibel und kosteneffizient zu steuern, brauchen wir einen stabilen Rahmen und Klarheit wer wann welche Rechte, Pflichten und Verantwortlichkeiten hat. Nur so können  die Ziele erreicht und den Investoren Planungssicherheit gegeben werden“, sagt Regine Günther. Orientierung für den WWF-Entwurf bot das seit 2008 in Großbritannien bestehende britische Klimaschutzgesetz. Auf Bundeslandebene haben in Deutschland bereits Nordrhein-Westfalen in 2012 und Baden-Württemberg im Juli dieses Jahres entsprechende Gesetzte verabschiedet. In den Koalitionsverträgen von Schleswig-Holstein und Rheinland-Pfalz sind sie vereinbart worden. 

Bau grosser Eigenverbrauchsanlage

Die eigene Stromproduktion bietet eine bezahlbare, versorgungssichere und umweltfreundliche Art der Stromerzeugung. Mit der Einweihung einer der größten Photovoltaik-Eigenverbrauchsanlagen Europas am T€DI Standort in Dortmund geht das Unternehmen nach eigenen Angaben einen wichtigen Schritt in Richtung nachhaltiges Wirtschaften. 

Das eigenverbrauchsoptimierte Konzept des Unternehmens BELECTRIC ermöglicht eine optimale Anpassung der Energieerzeugung an die Lastgangkurve des jeweiligen Unternehmens. T€DI kann dadurch einen Großteil des selbst produzierten Stroms vor Ort verbrauchen. Im Ergebnis spart dies nicht nur Stromkosten, sondern erlaubt eine flexible und effiziente Anpassung der Betriebsabläufe. 

„Die Verbindung von moderner Energietechnik mit den Produktionsbedürfnissen des Betriebes ist hervorragend“, zeigt sich Michael Belschak, Geschäftsführer BELECTRIC, bei der Einweihung überzeugt. „Hier wird anschaulich gezeigt, wie die dezentrale Energieversorgung praktisch umgesetzt werden kann. Insbesondere in der Mittagszeit wird der eigens produzierte Strom zur Kühlung der Büroräume und der EDV benötigt. Erzeugung und Verbrauch ergänzen sich somit ideal. Für diese Innovationsbereitschaft gebührt TEDI ein großes Lob.“ Auf einer Fläche von ca. 12.000 m², dies entspricht in etwa 2 Fußballfeldern, installierten die BELECTRIC Monteure 3.841 Module des Typs 255 PE, vom renommierten Hersteller REC, sowie 42 Wechselrichter der Firma SMA. Die Unterkonstruktion Plantec Süd mit 10° Aufstellwinkel von dem namenhaften Produzenten Jurchen Technology GmbH, garantiert eine schnelle Installation und optimale Erträge. Mit einer Nennleistung von 979 kWp erzeugt die Anlage jährlich etwa 870.000 Kilowattstunden Strom. Damit können mehr als 240 Vier-Personen Haushalte versorgt werden, dies erspart der Umwelt einen jährlichen Ausstoß von rund 600 Tonnen CO2

Über BELECTRIC®: BELECTRIC ist eines der weltweit erfolgreichsten Unternehmen in der Entwicklung und im Bau von Freiflächen-Solarkraftwerken und Photovoltaik-Dachanlagen. Als international tätige Firma unterhält BELECTRIC in mehr als 20 Ländern eigene Vertretungen. Die Technologieführerschaft ist auf die hohe vertikale Integration der Entwicklungs- und Fertigungsprozesse zurückzuführen. Seit jeher bildet die Vereinbarkeit von Ökologie und Ökonomie die Grundlage für den nachhaltigen Erfolg unserer 1.750 Mitarbeiter. Mit über 100 aktiven Patenten stellt BELECTRIC seinen hohen Innovationsgeist unter Beweis. Neben der Solarstromerzeugung konkretisiert BELECTRIC Drive® die Verknüpfung von Photovoltaik und Elektromobilität. 

Weitere Informationen unter www.belectric.com

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Sonntag, 20. Oktober 2013

Nachhaltigkeitsbericht der Grössten

Herstellerfirmen von Solarmodulen sind immer wieder wegen ihrer Produktionsbedingungen in die Kritik geraten. Der aktuell weltgrösste Solarkonzern hat darauf jetzt mit einem ausführlichen Nachhaltigkeitsbericht geantwortet.

Als ein nach eigenen Worten in der Welt führendes Unternehmen im Bereich Erneuerbare Energien hat Yingli Green Energy verstanden, dass das Erbe, das wir als Unternehmen hinterlassen, nicht nur auf den Produkten basiert, die wir herstellen, sondern auch auf den Methoden in unseren Fertigungsstätten. Weiter heisst es in der Ankündigung des ersten Nachhaltigkeitsberichts:

«Unsere Produktionsprozesse basieren auf einer Kombination mehrerer Energiequellen wie Elektrizität, Biogas, Wärme und Wasser. Wir setzen uns jährliche Ziele für die Senkung des Energieverbrauchs, die chinesischen und internationalen Klimaschutzzielen entsprechen oder diese übertreffen, und nutzen den primären Abfallstrom für weitere Zwecke. Um unseren Stromverbrauch zu verringern, bauen wir auch weiterhin PV-Systeme, die Strom für unsere Produktionsstätten erzeugen – und wir haben dort mittlerweile mehr als 20 Megawatt unserer Module installiert.»

Der Bericht kann im Internet herunter geladen werden >>> hier

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Samstag, 19. Oktober 2013

Auch für denkmalgeschützte Bauten

Das Schweizer Solarunternehmen TRITEC hat auf den Dächern der Basler Wohngenossenschaft Lange Erlen (WGLE) vier Solaranlagen installiert. Die erzeugte Energie entspricht nahezu dem durchschnittlichen Jahresstromverbrauch der 63 Haushalte in der Wohnsiedlung.   



Die Solaranlage auf der Wohngenossenschaft Lange Erlen ist ein Musterbeispiel dafür, wie Energie dank Photovoltaik umweltfreundlich und vor allem dezentral erzeugt werden kann – dort, wo sie tatsächlich gebraucht wird. Ganz im Sinne der Energiewende, die der Bundesrat mit seiner Energiestrategie 2050 anstrebt. Das primäre Ziel der Genossenschafter eine Solaranlage zu installieren, wurde denn auch von einem nachhaltigen Gedanken getragen: Die Investition wertet die Wohnsiedlung auf und den  kommenden Generationen, die hier leben werden, wird etwas Sinnvolles hinterlassen.


Die Photovoltaikanlagen erbringen gemeinsam eine Leistung von 212 kWp. Sie sind auf vier Gebäudezeilen verteilt und mit einer statisch optimierten Unterkonstruktion für Flachdächer mit wenig Dachreserve fixiert. Mit den eingesetzten monokristallinen Solarmodulen kann jährlich 208'000 kWh saubere Energie produziert werden, die ab Ende 2013 ins Netz der IWB fliesst. Das deckt nahezu den Strombedarf der 63 Genossenschafts-Haushalte. Zudem werden 122 Tonnen CO2 pro Jahr vermieden, die durch fossile Energieträger erzeugt würden.

Die Flachdachsiedlung in den Schorenmatten wurde 1928 im Bauhausstil als Pioniersiedlung erstellt. Sie gehört zu den architekturhistorischen Denkmälern von nationaler Bedeutung. Bevor die Solaranlage montiert werden konnte, gab die kantonale Denkmalpflege zeitnah und unkompliziert grünes Licht. Der Kanton Basel-Stadt begrüsst den Bau von Photovoltaikanlagen, wo immer möglich, und fördert diese auch entsprechend.

Quelle: Tritec

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Donnerstag, 17. Oktober 2013

Streit um Strommarkt auch hier

Die energiepolitische Diskussion nimmt Fahrt auf, sowohl im Politischen aufgrund der verabschiedeten Botschaft zur Energiewende wie auch im Theoretischen. Dabei schwappt immer mehr die unheilvolle Diskussion aus Deutschland auf die Schweiz über. Wo doch die Voraussetzungen für eine Vollversorgung mit Erneuerbaren hierzulande dank der Wasserkraft sehr viel besser wären wie auch dank der vergleichsweise günstigen Sonneneinstrahlung – etwa im Vergleich zu Deutschland oder England.

Das vorneweg – eine unmittelbare Volksabstimmung über die Kostendeckende Einspeisevergütung (KEV) scheint vom Tisch. Wie mehrere Schweizer Medien in den vergangenen Tagen übereinstimmend berichteten, kommt das Referendum gegen eine erhöhte Stromabgabe zugunsten der Erneuerbaren Energien (auf höchstens 1,5 Rappen pro Kilowattstunde) voraussichtlich nicht zustande. Da hat auch die Unterstützung einiger politischer Hardliner wie jene von Filippo Leutenegger (Stadtzürcher FDP-Nationalrat und Stadtratskandidat), von Alt-Bundesrätin Elisabeth Kopp und Polit-Immunologe Beda Stadler nichts genützt. Das von Christian Riesen, AKW-Mitarbeiter aus Wangen bei Olten, im Alleingang lancierte Referendum kommt laut eigenen Aussagen kaum auf die erforderlichen 50'000 Unterschriften – mehr wird man nächste Woche wissen.

Soeben hat auch der Verband der Schweizer Elektrizitätsunternehmen (VSE) in einem Bericht seine Vorstellungen umrissen, wie der hiesige Strommarkt in Zukunft aussehen soll. Wenig verwunderlich, wenn darin die bisherige Förderung der Erneuerbaren Energien mit der KEV ebenfalls schlecht wegkommt, obwohl der VSE dem Referendum die Unterstützung versagte. Mit dem wirtschaftspolitischem Instrument zur Etablierung eines neuen Marktes (eben der neuen Erneuerbaren Energien (EE) wie Wind, Sonne, Biomasse und Kleinwasserkraft) hatte sich der VSE nie anfreunden können. Obwohl damals bei der Einführung ein anderes Argument als heute für die Kritik herhalten musste: Damals – so vor rund fünf Jahren – wurde die Ergiebigkeit der EE und deren Potential für den Ersatz etwa der Atomkraft rundweg abgestritten. Noch-Axpo-Chef Heinz Karrer sah dieses Potential noch für lange Zeit bei einem tiefen einstelligen Prozentbetrag – gemessen an der Gesamtstromproduktion (die wiederum nur einen Teil der Gesamtenergieproduktion ausmacht).

Doch das immerhin hat der VSE unterdessen realisiert, weniger aufgrund der Gegebenheiten hierzulande (wo der EE-Anteil unterdessen um die drei Prozent liegen dürfte): Das Potential der Erneuerbaren liegt effektiv weit höher, das beweist nicht zuletzt das nördliche Nachbarland, das unterdessen auf einen Nur-Solar-Anteil von sechs, einen Windanteil von neun und einen Gesamt-EE-Anteil von rund einem Viertel kommt. Erreicht wurde der phänomenale Erfolg durch die deutsche Einspeisevergütung, die der Schweizer KEV ganz ähnlich ist.

Die Umlage einer Abgabe auf dem herkömmlich erzeugten Strom zur Verbilligung der EE ist also ein voller Erfolg, gemessen an der Markteinführung, die unterdessen in rund 60 Ländern weltweit auf diesem Prinzip beruht. Und genau das ist unterdessen das Problem, es hat nicht mehr zuwenig, sondern je nach Sichtweise zu viel Erneuerbare Energie. Grund für die etablierten Stromunternehmen, ihre Argumentation umzustellen. Der VSE erwartet gemäss der mit der Boston Conulting Group erstellten Studie, dass sich der Wettbewerb für die Stromerzeuger massiv verschärfe. Die momentane Auslegung der KEV verhindere, dass vorhandene Mittel in die effizienteste Form der Energieerzeugung investiert werden. Die Studie "Schweizer Stromwirtschaft: Durch falsche Anreize ins Abseits?" weist aus, dass zurzeit jene Projekte priorisiert werden, die am wenigsten öffentlichen Widerstand erfahren. Insbesondere kleinere Photovoltaikanlagen werden in grosser Zahl realisiert.

Aber auch die Ökonomenzunft zieht gegen die KEV ins Feld. So etwa unlängst Beat Hotz-Hart (siehe Bild), abtretender Professor für Angewandte Volkswirtschaftslehre an der Universität Zürich, der stets eine praxisorientierte Wirtschaftswissenschaft betrieb. In seiner Abschiedsvorlesung «Radikale Innovationen als Voraussetzung für den Erfolg der Energiepolitik» sprach er sich aus für eine Energiewende, die auch die sozioökonomischen Randbedingungen beachtet – ohne diese näher zu umreissen.

Näher ging Hotz-Hart – von dem in diesen Tagen ein neuer Innovationsreader unter dem Titel «Nationen im Innovationswettlauf: Ökonomie und Politik der Innovation» erscheint – ein auf den aus seiner Sicht nötigen Ersatz der KEV. Nicht ohne die energiepolitischen Voraussetzungen in Erinnerung zu rufen. Die da unter anderem sind: Atomenergie hat keine Chance mehr in der Schweiz und manöveriert sich auch ökonomisch ins Abseits. Die Europäische Union muss ein Partner sein bei der Energiewende, sonst wird alles nur noch viel schwieriger – was aber auch heisst, dass die Schweiz das dreimal 20 Ziel der EU adapatieren muss (20% weniger CO2, 20% mehr Erneuerbare Energie, 20% Energieefizienz bis 2020).  Und diese EU insgesamt hat in den letzten Jahren sehr wohl und markant vorwärts gemacht mit den Erneuerbaren, nicht etwa nur Deutschland. Allerdings waren die präsentierten Zahlen, wie so oft in diesem Bereich, wo die Entwicklung rasant vor sich geht, nicht immer auf dem neuesten Stand. So wird etwa im laufenden Jahr in Deutschland bereits ein Solarstromanteil von über sechs, in der Schweiz von unterdessen immerhin über einem Prozent erreicht – immer gemessen an der Gesamtstromproduktion. Und Japan hat im laufenden Jahr eine geradezu phänomenale Ausweitung der Photovoltaik erfahren (gegen vier Gigawatt an neuen Anlagen) – auch wiederum nur dank einer KEV-ähnlichen Regelung.

Alternativen zur Einspeisevergütung sieht Hotz-Hart auch nur in jenen Instrumenten, die im Ausland diskutiert werden, deren Unterlegenheit gegenüber der KEV aber zumindest solange evident ist, als es in erster Linie darum geht, überhaupt Kapazitäten für Erneuerbare Energien zu schaffen. Was in der Schweiz (anders als etwa in Deutschland) zumindest noch einige Jahre der Fall sein dürfte. Und es scheint auch unlogisch, der KEV ökonomische Sinnhaftigkeit abzusprechen (wie das auch der oben zitierte VSE tut), aber gleichzeitig der Schaffung von Reservekapazitäten im fossilen Bereich das Wort zu reden – der Unterschied zur KEV ist nicht allzu gross respektive der Mechanismus recht ähnlich. Die Untauglichkeit eines Quotenmodells wiederum wurde durch den Solarmedia-Blog schon verschiedentlich belegt (siehe Artikel vom 28.8.2012) und vom 11.9.2012). So hinkt die hiesige energiepolitische Diskussion jener im Ausland weit hinterher und wird sich noch sputen müssen, effektiv neue Perspektiven zu eröffnen. Vorderhand scheint trotz allem die KEV das schlechteste Mittel für den Aufbau von Kapazitäten der Erneuerbaren Energien nicht zu sein.
 
©  Solarmedia

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Mittwoch, 16. Oktober 2013

EE sind keine Strompreistreiber

Der Anstieg der Umlage gemäss deutschem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) ist zu rund 70 Prozent durch Börseneffekte und Industrie-Privilegien verursacht. Der Anteil neuer Solaranlagen liegt demgegenüber nur noch bei 0,08 Cent je Kilowattstunde, wie der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW) festhält. Er fordert in der Folge, sinkende Börsenstrompreise an VerbraucherInnen weiterzugeben.

Durch den im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) geförderten Ausbau der Solarstromnutzung und anderer Erneuerbarer Energien dürften die Stromtarife im nächsten Jahr nicht mehr nennenswert steigen. Der Ausbau Erneuerbarer Energien macht nach Angaben des Bundesverbandes Solarwirtschaft e.V. (BSW-Solar) nur noch 0,15 Cent bzw. rund 15 Prozent am Anstieg der EEG-Umlage aus (siehe dazu Solarmedia vom 15.10.13), lediglich 0,08 Cent davon entfallen auf die Photovoltaik. Nach Angaben des Bundesumweltministeriums haben sich die durch neue Solarstromanlagen entstehenden Kosten seit 2010 um rund 85 Prozent reduziert. 

Die Verbraucherumlage für Ökostrom steigt im nächsten Jahr um rund einen Cent auf 6,24 Cent pro Kilowattstunde, wie am Dienstag offiziell bekannt wurde. Nach aktuellen Berechnungen des Bundesverbandes Erneuerbarer Energie geht mit rund 70 Prozent der Löwenanteil der Steigerung auf Ursachen zurück, die nicht mit dem Bau von neuen Wind- oder Solarstromanlagen zusammenhängen: Sinkende Preise an der Strombörse (36 Prozent), die nicht an den Stromverbraucher weitergegeben werden und eine Ausweitung von Industrieprivilegien bei der Umlage der Energiewende-Kosten (33 Prozent). 

„Aufgrund technologischen Fortschritts und stark gesunkener Erzeugungskosten sind Erneuerbare Energien kein Strompreis-Treiber mehr. Im Gegenteil: Erneuerbare Energien führen nicht nur zur Einsparung von Milliardenbeträgen bei Energieimporten und Klimafolgekosten. An den Strombörsen senken sie inzwischen längst auch nachweisbar in beträchtlichem Umfang die Strompreise“, so Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer des BSW-Solar. „Niedrige Stromeinkaufspreise an der Börse müssen endlich auch an die Verbraucher weitergegeben werden“, so seine Forderung. Er empfiehlt der Politik, diese Fehlsteuerung zeitnah zu korrigieren und die Kosten der Energiewende verursachergerechter wieder auf mehr Schultern zu verteilen. Die Politik habe es in der Hand, die Stromkosten so zu stabilisieren, ohne den Ausbau Erneuerbarer Energien zu drosseln. Verzögerungen bei der Energiewende würden hohe Folgekosten verursachen. Erst kürzlich hatte das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) festgestellt, dass ein verzögerter Klimaschutz mit der Zeit deutlich teurer käme. 

Körnig: „Es ist ein Skandal, in welch großem Umfang Kohle- und Atomstrom weiterhin zulasten der Umwelt subventioniert werden. Die Kosten für Umweltschäden und Entsorgung spiegeln sich kaum im Strompreis wider. Verschmutzungszertifikate sind derzeit für lächerliche Beträge zu haben. Deshalb wird der Klimakiller Braunkohle wieder zum Verkaufsschlager.“ Angemessene Preise für CO2-Zertifikate wären nach Ansicht des BSW-Solar ein wirksames Instrument, um Überkapazitäten beim Kohlestrom abzubauen und Investitionen in effiziente und erneuerbare Kraftwerkskapazitäten zu vereinfachen. 

BEE-HINTERGRUNDPAPIER ZUR EEG-UMLAGE 2014: bsw.li/19DgfWR

Dienstag, 15. Oktober 2013

So könnte eine Reform aussehen

Baden-Württembergs Umweltminister Franz Untersteller hat gemeinsam mit den Gutachtern Prof. Dr. Uwe Leprich und Dr.-Ing. Michael Ritzau eine Untersuchung über die Möglichkeiten der Weiterentwicklung des deutschen Erneuerbare-Energien-Gesetzes, EEG, vorgestellt.

Die Untersuchung im Auftrag der Baden-Württemberg Stiftung wurde gemeinsam vom Institut für ZukunftsEnergieSysteme, IZES; dem Büro für Energiewirtschaft und technische Planung, BET, sowie dem Ökonomen Prof. Dr. Peter Bofinger erstellt. „Wenn wir die Energiewende ernst meinen und die politisch definierten Ausbauziele der erneuerbaren Energien erreichen wollen, brauchen wir auch künftig einen Finanzierungsmechanismus für die Erneuerbaren. Die existierenden Strommärkte allein werden dies nicht leisten können. An einem EEG führt also auch in Zukunft kein Weg vorbei“, erklärten Untersteller, Leprich und Ritzau in Berlin. Die Gutachter schlagen für die Zukunft ein komplexes Finanzierungsmodell vor, das nach Technologien, Investorenkreisen und Regionen differenziert.

Darüber hinaus müssen noch in dieser Legislaturperiode die Weichen für ein neues Marktdesign gestellt werden. Langfristig gehe es darum, die Erneuerbaren in Markt und Wettbewerb zu integrieren und den Strommarkt „energiegewendet“ zu haben. Die konventionellen Anlagen nur durch Erneuerbare ersetzen zu wollen, greift zu kurz. Umweltminister Franz Untersteller begrüßte die Ergebnisse des Gutachtens als eine sehr gute Diskussionsgrundlage für die kommenden Bund-Länder-Gespräche: „Die Energiepolitik muss sich zwischen zwei Polen bewegen: der Notwendigkeit, die Ausbauziele für die Erneuerbaren zu erreichen und der behutsamen aber notwendigen Marktintegration. Das EEG muss die Brücke zwischen diesen Polen bilden.“

Prof. Dr. Uwe Leprich erteilte einfachen Lösungen für die komplexe Fragestellung eines neuen Finanzierungs- und Marktdesigns eine klare Absage: „Das bisherige Vergütungsmodell des EEG ist von den Ereignissen der letzten Jahre auf dem Energiesektor überholt worden. Vereinfacht gesagt, können wir nicht jede erneuerbare Quelle, jede produzierte Kilowattstunde und jede Region gleich behandeln. Wir brauchen eine differenzierte Betrachtung und passgenaue Lösungen als Instrument der effizienten und effektiven Steuerung des Ausbaus.“

Dr.-Ing. Michael Ritzau präzisierte, dass für Investoren in Wind-, Photovoltaik und Wasserkraftanlagen künftig eine Wahlmöglichkeit geschaffen werden solle, die unterschiedliche Risikoeinstellungen und Marktkenntnisse berücksichtige: „Für kleinere eher risikoscheue Investoren soll es weiterhin eine Einspeisevergütung geben, das haben wir Bürgermodell genannt. Professionelle, risikooffene Investoren dagegen wären einerseits zur Direktvermarktung ihres Stroms verpflichtet, bekämen andererseits aber anstatt einer im EEG festgelegten Eispeisevergütung eine fixe jährliche Kapazitätsprämie, die auch dem höheren Vermarktungsrisiko gerecht wird. Wegen seiner wettbewerblichen Komponente haben wir diese Option Integrationsmodell getauft.“

Mit Bürgermodell auf der einen und Integrationsmodell auf der anderen Seite könne es gelingen, die Erneuerbaren sukzessive marktreif zu machen und gleichzeitig den Ausbau insgesamt zu stärken, erläuterte Umweltminister Franz Untersteller: „Wir haben ein System gesucht, das beides kann: fordern und fördern. Indem wir eher risikoscheue Investoren nach wie vor als Akteure der Energiewende voll einbeziehen, gelingt uns das. Ohne Bürgerinnen und Bürger, ohne Genossenschaftsmodelle und Bürgerprojekte, ohne kleine Anlagen wird die Energiewende nicht gelingen. Dem tragen wir Rechnung.“

Biomasse als regelbare Kraftwerkskapazität, Wind Offshore und Geothermie würden den Gutachtern Leprich, Ritzau und Bofinger zufolge bei obligatorischer Direktvermarktung entweder über eine Markt- plus Kapazitätsprämie (Biomasse), eine mit Hilfe einer Ausschreibung ermittelte Kapazitätsprämie (Wind Offshore) oder wegen der relativ unerprobten Technologie durch einen Investitionszuschuss (Geothermie) gefördert.

Prof. Dr. Peter Bofinger warb mittel- bis langfristig insgesamt für eine Abkehr von staatlich festgelegten Markt- oder Kapazitätsprämien: „Ausschreibungen sind als Wettbewerbsinstrument aus ökonomischer Sicht der bessere Weg, Prämienhöhen zu ermitteln. Investoren in erneuerbare Energien müssen dann Kosten und Risiko selbst abschätzen.“ Bevor Ausschreibungen aber tatsächlich eingeführt werden könnten, seien noch eine ganze Menge offener Fragen zu klären.

Über die systemischen Eckpfeiler eines EEG 2.0 hinaus stellte Umweltminister Franz Untersteller ein paar weitere Rahmenbedingungen für die kommenden Bund-Länder-Gespräche klar. So seien bei jeder EEG-Reform Eingriffe in Bestandsanlagen keinesfalls akzeptabel. Rückwirkende Vereinbarungen über Vergütungen und Regeln seien mit ihm nicht zu machen, so Untersteller.

Ebenfalls gesetzt sei für ihn, dass die Industrieprivilegien abgebaut werden müssten:  „Es geht mir nicht nur darum, Kosten zu senken, mir geht es auch darum, die Energiewende erfolgreich zu gestalten. Dazu müssen wir die Kosten wo möglich begrenzen und vor allem gerecht verteilen. Auch darüber, die Stromsteuer zu senken sowie die Eigenstromverbraucher bei der Kostenverteilung einzubeziehen, müssen wir deshalb diskutieren.“

Ökostrom-Umlage steigt auf Rekord

Für Deutschlands StromkundInnen steigt die Ökostromumlage - vergleichbar mit den höchstens 0,9, später 1,5 Rappen in der Schweiz pro Kilowattstunde verbrauchten Stroms - erneut, und zwar kräftig: auf 6,24 Cent (rund 7,5 Rappen). Für einen durchschnittlichen Haushalt bedeutet das Mehrkosten von etwa 35 Euro pro Jahr.


Die Umlage für Ökostrom wird damit um knapp einen Cent erhöht. Die über den Strompreis zu zahlende Umlage zur Förderung erneuerbarer Energien wird für 2014 auf den Rekordwert von 6,24 Cent je Kilowattstunde festgesetzt, wie die vier deutschen Übertragungsnetzbetreiber am Dienstag mitteilten. Die Stromkosten dürften in der Folge für die Verbraucher deutlich steigen. Derzeit werden 5,3 Cent je Kilowattstunde fällig, die Steigerung beträgt damit 18,2 Prozent. Ein Durchschnittshaushalt mit 3500 kWh Verbrauch zahlt derzeit im Jahr 185 Euro. Künftig steigen die Ausgaben auf gut 220 Euro. 
  
Die EEG-Umlage ist das zentrale Förderinstrument für den Ausbau der erneuerbaren Energien. Wind-, Solar- und Biogasanlagen können am Markt noch nicht mit Kohle- und Atomkraftwerken konkurrieren. Damit sie trotzdem rentabel sind, wird solchen Kraftwerken der Strom zu einem fixen Preis abgenommen. Dieser liegt deutlich über dem Preis an der Strombörse EEX. Die Differenz von Börsenpreis und fixem Abnahmepreis zahlen die Verbraucher über ihre Stromrechnung.
Die EEG-Umlage erhöht sich aus drei Gründen:
    • Durch die Energiewende gehen eine große Menge neuer Ökostromanlagen ans Netz. Die Menge des zu fördernden Ökostroms steigt dadurch.
    • Die EEG-Umlage steigt paradoxerweise auch, weil die Großhandelspreise an der Strombörse sinken. Die erneuerbaren Energien erhöhen das Stromangebot. Gleichzeitig versuchen die großen Versorger, ihre bestehenden Kraftwerke möglichst lange weiterzubetreiben. Die Folgen sind wachsende Überkapazitäten und ein sinkender Preis an der Strombörse. Dadurch steigt die Differenz zwischen dem Strombörsenpreis und dem garantierten fixen Abnahmepreis, die Verbraucher per EEG-Umlage ausgleichen müssen.
    • Zusätzlich steigen die Kosten für den einzelnen, weil immer weniger Verbraucher die volle EEG-Umlage zahlen. Ausgerechnet die größten Stromfresser der Nation werden durch Sonderregeln immer stärker entlastet. Laut Branchenverband BDEW tragen die Haushalte inzwischen 7,2 Milliarden Euro und die Industrie 6,1 Milliarden Euro zur Umlage bei; der Rest entfällt unter anderem auf Handel, Verkehr und öffentliche Einrichtungen.
Ursprünglich war ein noch stärkerer Anstieg der EEG-Umlage erwartet worden. Von bis zu 6,5 Cent war die Rede. Aber im September gab es überdurchschnittlich wenig Wind- und Solarstrom. Deshalb fällt die Erhöhung nun etwas moderater aus.
Indirekt profitiert auch Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) von der Erhöhung. Der Grund: Die Mehrwertsteuereinnahmen im Strombereich dürften deutlich zulegen, wie eine Berechnung der Nachrichtenagentur dpa ergab. Bei einem jährlichen Stromverbrauch in privaten Haushalten von derzeit 139 Terawattstunden und 1,19 Cent Mehrwertsteuer auf künftig 6,240 Cent Umlage summieren sich die Mehrwertsteuereinnahmen aus diesem Posten 2014 auf rund 1,65 Milliarden Euro. Bisher sind es rund 1,4 Milliarden.

Quelle: Agenturen  / dpa

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