Montag, 14. Oktober 2013

Hermann Scheer fehlt mehr denn je

"Der Kampf geht weiter" schrieb mir der Vater des Erneuerbare-Energien-Gesetzes  EEG, Hermann Scheer, wenige Tage vor seinem Tod als Widmung in sein letztes Buch. Diese Vorhersage ist drei Jahre alt. Selten aber aktueller als derzeit:  Das EEG müsse "grundlegend reformiert" werden, forderten die Berliner Regierungsparteien, die SPD und dann auch die Monopolkommission - nicht zufällig zwei Wochen vor der Bundestagswahl.  Mit Franz Alt erinnert sich ein enger Weggefährte an den vor drei Jahren unerwartet verstorbenen Vorkämpfer der Energiewende.

Das Papier liest sich, als hätten es die Gegner der erneuerbaren Energien wie der ehemalige Rösler in Auftrag gegeben. Als ob es der Verband der Chemischen Industrie persönlich in Auftrag gegeben hat. Die Monopolkommission schlug ein Quotenmodell vor und übersieht, dass zum Beispiel das britische Quotenmodell grandios gescheitert ist. Beim Quotenmodell bestimmt nicht der Staat das Tempo der Energiewende, sondern die Energiekonzerne.

Das letzte Buch von Hermann Scheer, kurz vor seinem Tode im Oktober 2010 erschienen, hat nichts von seiner Aktualität eingebüsst.













Beim Ausbau der erneuerbaren Energien ist Großbritannien deshalb heute dort, wo Deutschland vor zehn Jahren war. Das britische Quotenmodell hat technologische Innovationen verhindert, ist wettbewerbsfeindlich und führt zu höheren Preisen für die Erneuerbaren als in Deutschland. Es ist kein Zufall, dass das deutsche EEG von 58 Ländern erfolgreich kopiert wurde, darunter China und Indien und zuletzt auch Japan

Auch das von der Monopolkommission und vom letzten Spiegel propagierte schwedische Quotenmodell ist für Deutschland unbrauchbar. Schweden produziert seinen Strom zu 50 Prozent aus Wasserkraft und nutzt – ganz anders als Deutschland – bisher kaum Wind- und Solarstrom. In Schweden ist die gesamte Stromversorgung noch in der Hand von wenigen Monopolisten – was sich in Deutschland gerade ändert.

Die knapp 25 Prozent Ökostrom, die wir heute in Deutschland haben, werden überwiegend von Bürgerinnen und Bürgern und von Energiegenossenschaften erwirtschaftet. Der erneuerbare Anteil wird deshalb von Tag zu Tag größer. Das schmerzt die alten Monopolisten und auch die Monopolkommission, die sich mit ihrem jüngsten Vorschlag in Wahrheit als Kommission pro Monopole entlarvt hat.

Trotz Atomausstieg und großer Zustimmung für die Energiewende in der Bevölkerung geht der Kampf um diese Wende also weiter. Es ist in Wahrheit ein Kampf um eine demokratische Energieversorgung in den Händen möglichst vieler. Richtig ist: Die Energiewende kostet. Richtig ist aber auch, dass keine Energiewende unsere Zukunft und erst recht die unserer Kinder und Enkel kostet.

Der Streit ums Geld verdunkelt die großen Chancen: Noch können wir den Klimawandel stoppen und schon mittelfristig die Energie preisgünstiger generieren als heute und ohne riesige Folgekosten wie bei Atom oder Kohle und Öl. Denn Sonne und Wind schicken keine Rechnung, während die alten Energieträger immer teurer werden. Jede Investition in erneuerbare Energieträger ist eine Investition in eine bessere Zukunft.

Und vernünftige Vorschläge, um die derzeitig steigenden Kosten einzudämmen, gibt es auch: Weniger Ausnahmen bei der Ökostromumlage, niedrigere Energiesteuern und ein finanzieller Ausgleich für die sozial Schwachen sind nur drei Möglichkeiten, die eine neue Regierung nach der Bundestagswahl sofort umsetzen kann. Wir lernen gerade wieder: Ohne Kampf kein wirklicher Fortschritt. Dem stehen immer die alten Interessen und die alten Milliardengewinne gegenüber. Und wir lernen, dass Vorkämpfer wie Hermann Scheer fehlen. Schmerzlich.

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