Dienstag, 12. November 2019

Rezepte für Energiewende

Die Schweizerische Energie-Stiftung SES präsentierte am Montag eine neue Studie von Rudolf Rechsteiner, die verschiedene Massnahmen zur Stärkung der Stromerzeugung mit erneuerbaren Energien vorschlägt. Dies ist nötig für die Erreichung des Netto-Null-Ziels des Bundesrats. Die innovativen Vorschläge sind kostengünstig, können rasch umgesetzt werden und berücksichtigen den Schutz der Landschaft. Die Versorgungssicherheit wird so auch bei einer Elektrifizierung von Verkehr und Wärmeversorgung dank inländischer Erzeugung gestärkt.

Rechsteiners Analyse zeigt, dass Solar- und Windstrom sich in den letzten Jahrzehnten zu den günstigsten Technologien für die Stromproduktion entwickelt haben. Doch die Schweiz liegt beim Anteil Wind- und Solarstrom auf Platz 26 in Europa. 2018 sank der Zubau an neuen erneuerbaren Energien gar auf den tiefsten Stand seit Einführung der kostendeckenden Einspeisevergütung (KEV) vor 10 Jahren. Schweizer Energieversorger investieren vorwiegend in den europäischen Nachbarländern in neue Kraftwerke, weil die Investitionssicherheit für erneuerbare Energien dort viel besser ist. Der Ausbau neuer erneuerbarer Energien bleibt also blockiert!
  
Der Blick über die Grenzen zeigt, wie es anders ginge. Die meisten EU-Länder haben die Finanzierung neuer Kraftwerke auf wettbewerbliche Ausschreibungen mit Marktprämien umgestellt. Wenn der Preis an der Strombörse witterungsbedingt unter den wettbewerblichen Zuschlagswert fällt, erhalten die Betreiber eine Marktprämie, die sie vor Preisschwankungen schützt. Die Finanzierung neuer Kapazitäten wird dadurch entscheidend verbilligt und die Gestehungskosten insgesamt werden tiefer gehalten als in der Schweiz. Diese verfügt über einen grossen Handlungsspielraum, um die Investitionssicherheit zu verbessern. Die Konflikte um den Landschaftsschutz können entschärft werden, wenn bereits bestehende Infrastrukturen als Stellflächen für Photovoltaik zugänglich gemacht werden. «Bereits mit dem geltenden Netzzuschlag von 2,3 Rappen pro Kilowattstunde kann die Stromerzeugung im Inland gestärkt und wettbewerbsfähig gestaltet werden», so die Einschätzung von Rechsteiner. «Die im Ausland erprobten Instrumente könnten sofort eingeführt werden.»

Zur Verbesserung der Wettbewerbsposition für Solarstrom wird eine neue Gebührenordnung für die Netznutzung vorgeschlagen, die dem Verursacherprinzip besser Rechnung trägt. Der Transport von Elektrizität soll – wie bei Grossverbräuchen – nur mit den Kosten jener Netzebene belastet werden, die tatsächlich beansprucht wird. Der Kauf und Verkauf von Strom innerhalb des Verteilnetzes (Netzebene 7) würde entlastet. Der Marktwert von dezentral erzeugtem Solarstrom könnte sich so um 5 Rp/kWh verbessern.

Um mehr Standorte für grosse, kostengünstige Photovoltaik-Anlagen nutzbar zu machen, sollen bestehende Infrastrukturen einem Nutzungsrecht unterstellt werden. Die Potenziale sind gross: Dächer und Fassaden von Ställen, Lagerhallen, Parkplätzen, Lärmschutzwände, Zäune und Mauern entlang von Verkehrswegen und wo weiter. «Flächen auf Infrastrukturen der öffentlichen Hand sollten als Cluster ausgeschrieben werden. So erhalten wir billigeren Strom als aus neuen Wasserkraftwerken, auch im Winterhalbjahr», fordert Rechsteiner.

Neben der Ausgestaltung einer Strommarktordnung, die den Ausbau der erneuerbaren Stromerzeugung ermöglicht, gilt es auch, eine weitere politische Stellschraube anzupassen. «Die Ziele für den Ausbau der erneuerbaren Energien in der Schweiz müssen erhöht werden», fordert Felix Nipkow, Leiter Fachbereich erneuerbare Energien bei der SES. «Sie tragen den Klimazielen ungenügend Rechnung.» Bis 2035 brauche es eine Verzweieinhalbfachung der angestrebten 11,4 TWh auf 26 TWh und bis 2050 solle ein neues Ziel von 45 TWh anvisiert werden, so die Forderung der SES. Zudem gilt es, die Effizienzpotenziale besser auszunutzen: Eine 100% erneuerbare Energieversorgung soll die Messlatte setzen. Die anstehenden Revisionen des Stromversorgungs- und des Energiegesetzes bieten die politischen Hebel hierzu.

Quelle: Schweizerische Energie-Stiftung SES  

^^^ Nach oben

Donnerstag, 7. November 2019

EKZ investiert in riesige Solaranlage in Spanien

EKZ - die Elektrizitätswerke des Kantons Zürich - haben das Photovoltaik-Projekt «Algibicos» in der Region Murcia, in Spanien von der Basler Aventron AG erworben. Die 49 Megawatt-Anlage soll Ende 2020 in Betrieb gehen und erhält keinerlei staatliche Unterstützung, d.h. der Strom wird am Markt verkauft. Mit dem Kauf von «Algibicos» setzt EKZ erneut auf die Kraft der spanischen Sonne und ergänzt damit ihr Portfolio erneuerbarer Sonnenenergie. Bisher hatte EKZ vor allem in Windkraftanlagen im Ausland investiert.

Die Freiflächen-Solaranlage entsteht in der Nähe der Stadt Murcia, im Südosten Spaniens. Der Start der Bauarbeiten ist für das erste Quartal 2020 vorgesehen. Die Aufnahme des
Vergrössern mit Klick auf Grafik !
kommerziellen Betriebs wird im vierten Quartal 2020 erwartet. Um die Produktion zu erhöhen, sind einachsig bewegliche Modulträger vorgesehen, um die PV-Module tagsüber der Sonne nachzufahren. Die Anlage wird jährlich 92 GWh sauberen Strom erzeugen, was dem Strombedarf von rund 20 500 Haushalten entspricht. Da in Spanien PV-Projekte keine staatlichen Einspeisevergütungen – sogenannte «Feed-in tariff» (FIT) – mehr erhalten, wird der zukünftig produzierte Strom am Markt abgesetzt.

Das Angebot an neuen Photovoltaik-Projekten war in den letzten Jahren gering, da ohne FIT keine ausreichenden Renditen möglich waren. Die Produktionskosten für Strom aus neuen PV-Anlagen sind jedoch kontinuierlich gesunken, sodass diese nun auf der sonnenreichen iberischen Halbinsel PV-Anlagen unter den Strommarktpreisen liegen und einen rentablen Betrieb der Anlagen ermöglichen. Die langfristigen Produktionsprognosen sind zuverlässiger als bei Windenergie und die Produktionsschwankungen geringer. Das Auslandsportfolio von EKZ beinhaltet eine Beteiligung an einer solarthermischen Anlage in Spanien und Windkraftanlagen in Portugal, Italien, Deutschland und Frankreich, welche alle von einem staatlichen FIT profitieren. Die entstehende Anlage ist mehr als fünfmal so gross wie jede in der Schweiz....

Quelle: EKZ / Solarmedia

^^^ Nach oben

Mittwoch, 6. November 2019

Grosse Power-to-Gas-Anlage in Dietikon (ZH)

Die Trägergemeinden von Limeco haben dem Bau einer industriellen Power-to-Gas-Anlage zugestimmt: Aus Abfall und Abwasser produziert sie erneuerbaresGas. Das Hybridkraftwerk ist ein Novum in der Schweiz. Es entsteht in Kooperation mit Swisspower in Dietikon im Kanton Zürich. 

Visualisierung der industriellen
Power
-to-Gas-Anlage
auf dem Areal von Limeco in -
Vergrössern mit Klick auf Bild !
Mit der Energiestrategie 2050 setzt die Schweiz auf den Atomausstieg, die Reduktion von Treibhausgasen und den Ausbau von erneuerbarer Energie wie Solar- oder Windkraft. Die grösste Herausforderung dabei lautet: Wie lässt sich die saubere Energie speichern? Power-to-Gas ermöglicht Speicherung von erneuerbarer Energie. Ein ganzheitlicherAnsatz ist die sogenannte Sektorkopplung: die Energiesektoren Strom, Wärme und Mobilität werden nicht einzeln und isoliert betrachtet, sondern als Gesamtsystem

Power-to-Gas ist eine verbindende Technologie in diesem System und funktioniert folgendermassen: Bei der Kehrichtverwertung erzeugter Strom wird zu Wasserstoff umgewandelt und mit Klärgas aus der Abwasserreinigungsanlage gemischt so entsteht erneuerbares Gas. Ins bestehende Gasnetz eingespeist, ersetzt es fossile Energieträger. Aus Abfall und Abwasser wird ein umweltschonender Energieträger, der genau dann zur Verfügung steht, wann und wo er gebraucht wird zwei Fliegen auf einen Streich. 

Perfekter Standort in Dietikon: Zusammen mit Swisspower, der Allianz von 22 Stadtwerken, realisiert Limeco auf ihrem Areal in Dietikon die erste industrielle und wirtschaftlich betriebene Power-to-Gas-Anlage der Schweiz. Thomas Di Lorenzo, Leiter Abwasserwirtschaft bei Limeco: «Wir engagieren uns tagtäglich für die saubere Zukunft. Die Energiewende ist ein Teil davon. Mit Strom aus unserer Kehrichtverwertungsanlage und dem Klärgas aus unserer Abwasserreinigungsanlage liefern wir die zwei wichtigsten Zutaten im Power-to-Gas-Prozess und zwar am gleichen Standort! Darum macht das erste Schweizer Hybridkraftwerk genau hier in Dietikon Sinn.» Der Baustart war im Herbst 2018, die Inbetriebnahme im Sommer 2019 geplant. Durch die Verbrennung von erneuerbarem Gas anstelle von Heizöl entstehen jährlich 4'000-5'000 Tonnenweniger CO2-Emissionen, was dem Verbrauch von ungefähr 2'000 Haushaltungen entspricht. 

Grosses Potenzial für mehr erneuerbares Gas in der Schweiz: Von den Erkenntnissen des Leuchtturmprojekts sollen andere Stadtwerke und Energieversorger profitieren können. «Mit Power-to-Gas-Anlagen werden wir in Zukunft doppelt so viel erneuerbares Gas erzeugen», sagt Thomas Peyer, Leiter Energiedienstleistungen bei Swisspower. «Die 100 grössten Schweizer Abwassereinigungsanlagen bieten einen idealen Standort für Power-to-Gas-Anlagen. Damit könnte in Zukunft der Energieverbrauch von über 250'000 Personen gedeckt werden. 

Samstag, 2. November 2019

Die Sonne gewinnt !

Seit dem Jahr 2.000 wurde die Solarenergie-Gewinnung weltweit etwa um das 200-fache gesteigert, die Windenergie-Gewinnung um das 30-fache. Der Siegeszug der Erneuerbaren Energien ist nicht mehr zu stoppen. Sie haben global die Nische verlassen. Und was für Deutschland gilt, gilt in übertragenem Sinn auch für die Schweiz. Ein Kommentar von Franz Alt.

Seit sechs Jahren wird bereits Jahr für Jahr mehr in die Erneuerbaren investiert als in die alten fossil-atomaren Technologien. Am Anfang der Entwicklung waren Solar- und Windstrom – wie bei allen neuen Technologien – noch sehr teuer. Im Jahr 1990 kostete in Deutschland die Produktion einer Kilowattstunde Solarstrom ca. einen Euro. Im Jahr 2000 noch 70 Cent, heute sind wir in Deutschland bei 4.9 Cent, in Afrika, in Südasien oder in der Wüste Chiles bei ca. zwei Cent. Die Regierung Saudi-Arabiens hat angekündigt, bis zum Jahr 2025 Solarstrom für einen Cent pro Kilowattstunde produzieren zu können. Die entsprechende Anlage soll dann eine Leistung von 200 Gigawatt liefern. Das entspricht etwa der Leistung von 70 Atomkraftwerken. Das ist dann das Solarzeitalter.

Das Solarzeitalter beginnt
Es ist völlig klar, wem die Zukunft gehört. Warum? Sonne und Wind sind Geschenke des Himmels. Die Solarindustrie boomt weltweit, sie erreichte in Deutschland 2018 ein Plus gegenüber dem Vorjahr von 30%. Aber hierzulande strauchelt die Windenergie. Im ersten Halbjahr 2019 wurden in Deutschland 82% weniger Windräder erstellt als im Vorjahr. Hauptursache: Bürokratische Willkür und kurzsichtiger Widerstand aus der Bevölkerung.

Seit 2006 sind die Preise für Photovoltaik-Anlagen um sensationelle 90% gefallen. Eine einmalige Erfolgsgeschichte. Ein Solarpark läuft 30 bis 40 Jahre – wartungsarm, während ein Windpark mit beweglichen Windflügeln wartungsintensiv ist. Die Planungszeit für einen Windpark dauert zurzeit in Deutschland sechs Jahre. Ein Solarpark kann nach einem Jahr gebaut werden.

Sechs Kilowatt solare Leistung auf dem Dach reichen aus für eine vierköpfige Familie samt Solarauto. Das Tanken eines Benziners kostet etwa fünfmal mehr an der Zapfsäule als der Strom auf dem eigenen Dach. Das spricht sich allmählich herum. Und dafür braucht man etwa 40 Quadratmeter Dachfläche. Die Installation dauert ein bis zwei Tage. Inzwischen haben in Deutschland 1.6 Millionen Dächer Solaranlagen. Das heißt aber auch: 85% unserer Dächer stehen noch völlig umsonst in der Gegend herum, obwohl die Sonne auf fast jedes Dach scheint. Warum eigentlich?

Auch die Speichermöglichkeiten für Solarstrom haben sich verbessert. Zu den heute gekauften Solarstromanlagen werden in Deutschland bereits meist auch die Speicher dazu gekauft. Die Batterien stehen im Keller. Hinzu kommt: Immer mehr Landwirte treiben jetzt doppelte Landwirtschaft. Auf dem Boden klassische Landwirtschaft und sechs oder acht Meter darüber eine aufgeständerte Solaranlage. Bauern können auf derselben Fläche ihren Ernteertrag jetzt verdoppeln. Das hat Zukunft.

Photovoltaik-Anlagen sind recycelbar
Und das Recycel-Problem? Dazu Andreas Bett vom Fraunhofer-Institut gegenüber der „Welt“: „Solarmodule sind zu 100 Prozent recycelbar. Sie enthalten keine giftigen Stoffe“. Endlich hat auch die Groko in Berlin alle Vorteile der Solarenergie verstanden: Im Klimaschutzpaket soll der Anteil des Solarstroms bis 2030 von 49 Gigawatt auf 98 verdoppelt werden. Warum aber nicht verdreifacht oder verfünffacht? Die Dachflächen sind vorhanden.

Die gesamte Symphonie der Erneuerbaren
Für eine zuverlässige Stromversorgung brauchen wir künftig einen intelligenten Mix aller erneuerbaren Quellen: Sonne, Wind, Wasserkraft, Bioenergie, Geothermie sowie Strömungs- und Wellenenergie der Ozeane. Sozusagen die gesamte Symphonie der Erneuerbaren. Was früher als zu teuer und als unzuverlässig galt, ist heute Zukunft. Sonne und Wind und Co sind zuverlässiger als das Gas von Wladimir Putin oder das Öl der Saudis, was ohnehin in wenigen Jahrzenten zu Ende geht. Alle erneuerbaren Energiequellen haben wir noch einige Milliarden Jahre - umweltfreundlich, klimaneutral und preiswert. Worauf warten wir eigentlich noch? 

Mittwoch, 30. Oktober 2019

D: Erneuerbare decken bereits 43% bei Strom

Das 65-Prozent-Ziel der deutschen Energiepolitik ist jedoch durch dramatische Situation beim Windenergie-Ausbau und zu wenig neue Photovoltaikanlagen gefährdet. Ganz klar in der Defensive ist der Kohleverbrauch - und damit sinkt der CO2-Ausstoss deutlich.

Vergrössern mit Klick auf Bild !
Die Erneuerbaren Energien haben in den ersten drei Quartalen 2019 in Deutschland zusammen 42,9 Prozent des Bruttostromverbrauchs in Deutschland gedeckt. Das ist ein Anstieg von fast fünf Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahreszeitraum (38,1 Prozent) und ein neuer Bestwert. Im März erreichten die Erneuerbaren aufgrund des außerordentlich starken Windaufkommens sogar 52 Prozent. Zu diesem Ergebnis kommen das Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW) und der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) in einer ersten Auswertung. Wenn sich das Wind- und Sonnenaufkommen im vierten Quartal wie im Durchschnitt der letzten Jahre gestaltet, könnte der Erneuerbaren-Anteil im Gesamtjahr 2019 bei gut 42 Prozent liegen.
 

„Es ist sehr erfreulich, dass die Erneuerbaren so stark zugelegt haben und der Einsatz konventioneller Energieträger kontinuierlich zurückgeht. Die Rekordzahlen stehen jedoch im scharfen Kontrast zur dramatischen Situation beim Ausbau der Windenergie: Aufgrund fehlender Flächen und immer restriktiverer Abstandsregelungen rutschen wir in eine regelrechte Rezession. Wenn die Politik nicht endlich die Bremsen für den Ausbau der Windanlagen lockert, werden wir das 65-Prozent-Ziel krachend verfehlen“, so Stefan Kapferer, Vorsitzender der BDEW-Hauptgeschäftsführung.
 

„Für die Erreichung des 65-Prozent-Ziels benötigen wir nicht nur mehr Windenergie, sondern als zweite Säule die Photovoltaik“, sagt Prof. Dr. Frithjof Staiß, geschäftsführendes Vorstandsmitglied des ZSW. „Beschleunigt sich der Photovoltaikzubau nicht, wird die jüngst beschlossene Verdopplung der installierten Leistung auf 98 Gigawatt in elf Jahren nur etwa zur Hälfte erreicht. Wir brauchen deshalb ebenfalls wirksame Maßnahmen zur Steigerung des Solarstromausbaus.“
 
In den ersten drei Quartalen 2019 wurden insgesamt rund 183 Milliarden Kilowattstunden (Mrd. kWh) Strom aus Sonne, Wind und anderen regenerativen Quellen erzeugt (Q1-3 2018: 166,5 Mrd. kWh). Damit lagen die Erneuerbaren fast 50 Prozent über der Stromerzeugung aus Braun- und Steinkohle, die insgesamt rund 125 Mrd. kWh beitrugen (Q1-3 2018: 171,1 Mrd. kWh). Zum Vergleich: Im Vorjahreszeitraum lagen der Anteil der Erneuerbaren und jener der Kohle noch fast gleichauf. Die Stromerzeugung aus Erdgas ist hingegen um über elf Prozentpunkte auf 66 Mrd. kWh gestiegen – das ist vor allem auf den gestiegenen CO2-Preis zurückzuführen (Q1-3 2018: 59,4 Mrd. kWh).
 

Wind onshore war im Betrachtungszeitraum mit fast 72 Mrd. kWh weiterhin die stärkste Erneuerbaren-Quelle (Q1-3 2018: 61,4 Mrd. kWh). Den zweiten Platz belegt die Photovoltaik mit rund 41 Mrd. kWh (Q1-3 2018: 39,2 Mrd. kWh). Strom aus Biomasse liegt unverändert bei knapp über 33 Mrd. kWh (Q1-3 2018: 33,4 Mrd. kWh). Wind offshore verzeichnete mit 31 Prozent den größten Zuwachs und trug in den ersten drei Quartalen des Jahres fast 17 Mrd. kWh zur Stromerzeugung bei (Q1-3 2018: 12,9 Mrd. kWh). Der Beitrag der Wasserkraft lag aufgrund der langen Trockenphase erneut auf einem geringen Niveau von rund 16 Mrd. kWh (Q1-3 2018: 14,8 Mrd. kWh). 

Der in Deutschland produzierte Strom ist damit in den ersten drei Quartalen dieses Jahres deutlich  sauberer geworden: Gegenüber dem Vorjahreszeitraum konnte die deutsche Energiewirtschaft dem Branchenverband BDEW zufolge ihre CO2-Emissionen um 40 Millionen Tonnen reduzieren. Das entspricht Minus 40 Prozent.

Quelle   Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft e. V. (BDEW) 2019 | Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW) 2019

^^^ Nach oben

Donnerstag, 24. Oktober 2019

Der Weg zu mehr und besseren Energiespeichern

Das Forum Energiespeicher Schweiz stellt die «Roadmap Energiespeicher» vor und diskutiert diese mit Fachleuten aus Wirtschaft und Wissenschaft. Die Stromversorgung wird künftig von Flexibilität in der Erzeugung und der Nachfrage geprägt und somit von unterschiedlichsten Speicherlösungen abhängig sein. Auch werden saisonale Wärmespeicher für die Dekarbonisierung des Wärmesektors wichtiger.

Thomas Nordmann, Sprecher des Forums Energiespeicher Schweiz, fordert deshalb: «Die Umsetzung der Energiestrategie 2050 braucht endlich eine regulatorische Gesamtsicht auf die verschiedenen Sektoren Strom, Wärme, Mobilität. Voraussetzung dafür ist eine netzübergreifende, technologieneutrale Regulierung verschiedener Energienetze und Speicherlösungen. Die Roadmap Energiespeicher des Forums Energiespeicher Schweiz zeigt, wie dieser Weg schrittweise in diese Richtung ausgestaltet und harmonisiert werden kann.»

Schritte zu einem optimalen Gesamtsystem
Die Roadmap Energiespeicher beschreibt drei unabhängig voneinander und zeitlich gestaffelt umsetzbare Massnahmen:
(1) Bestehende Diskriminierung aufheben und gemäss Branchenkonsens umsetzen
Gleichbehandlung von reinen netzseitigen Speichern mit Pumpspeicherkraftwerken, die heute schon vom Netzentgelt befreit sind bzw. nur für den Nettobezug (Verluste) Netzentgelte bezahlen müssen
(2) Sektorübergreifende Speicher integrieren
Einbezug von allen Speichern (Strom und Wärme), die einen sinnvollen Beitrag an die Reduktion der CO2-Emissionen im Gesamtsystem leisten
(3) Dynamische, engpassorientierte Netztarifierung
adäquater Wert für Flexibilität und Anreize für netzdienliches Verhalten von existierenden Speichersystemen sowie für Investitionen in neue Speicher- und Flexibilitätslösungen

Am zweimal jährlich stattfindenden Roundtable des Forums Energiespeicher Schweiz von Mittwoch wurde die Roadmap Energiespeicher mit rund 50 Fachleuten aus Wirtschaft und Wissenschaft diskutiert. So soll diese laufend auf die Bedürfnisse der Energiebranche ausgerichtet und um neueste Erkenntnisse der Forschung ergänzt werden. Insbesondere die Gleichbehandlung von Speichern und Kostenwahrheit für system-, netz- und klimadienliche Flexibilität im gesamten Energiesystem finden breiten Unterstützung.

Die vollständige Roadmap Energiespeicher des Forums Energiespeicher Schweiz ist hier erhältlich: https://bit.ly/2N4JWvB

^^^ Nach oben

Mittwoch, 23. Oktober 2019

Endlich weniger warten

Im laufenden Jahr konnten insgesamt rund 15'700 Anlagen zur Stromproduktion aus erneuerbaren Energien neu gefördert werden. Mit den 2020 verfügbaren finanziellen Mitteln zur Förderung erneuerbarer Energieanlagen, können die Wartelisten deutlich abgebaut werden. Ab 2020 wird die Wartezeit für die Einmalvergütungen für Photovoltaik-Anlagen auf unter ein Jahr verkürzt.   

Anfang 2019 befanden sich 15'500 Anlagen auf der Warteliste der Einmalvergütung für Kleine PV-Anlagen (KLEIV). Bis Ende des Jahres wird die KLEIV an rund 13‘500 dieser Anlagen ausbezahlt, insgesamt 115 Millionen Franken. Ausblick 2020: Bis Ende 2020 wird die KLEIV voraussichtlich für alle Anlagenbetreiber ausbezahlt, die ihr vollständiges Gesuch bis zum 31. Januar 2020 einreichen. Das betrifft rund 18'000 Anlagen mit einer Leistung von etwa 220 MW. Mit einem Fördervolumen von 115 Millionen Franken kann die Wartezeit bis zur Auszahlung der KLEIV auf unter ein Jahr verkürzt werden. 

Anfang 2019 befanden sich 4'000 Anlagen auf der Warteliste der GREIV (Einmalvergütung für grosse Photovoltaikanlagen). Bis Ende des Jahres werden rund 1'750 Antragsteller eine GREIV-Verfügungen erhalten. Dies entspricht einem Fördervolumen von insgesamt 180 Millionen Franken. Ausblick 2020: Bis Ende 2020 erhalten voraussichtlich alle Anlagenbetreiber eine GREIV-Zusicherung, die ihr vollständiges Gesuch bis zum 31. Januar 2020 einreichen. Das betrifft rund 820 realisierte Anlagen mit einer Leistung von etwa 210 MW und 1'530 nicht realisierte Anlagen mit einer Leistung von etwa 330 MW. Dafür werden rund 215 Millionen Franken zur Verfügung gestellt. Die Verfügungen werden im ersten Quartal 2020 ausgestellt. Projektanten, die sich 2020 für die GREIV anmelden, müssen weniger als ein Jahr auf die Verfügung warten.

 

Kostenorientierte Einspeisevergütung (KEV) für Photovoltaik-, Wind-, Kleinwasserkraft-, Biomasse und Geothermie-Anlagen: 2019 wurden insgesamt 410 Anlagen in das Einspeisevergütungssystem aufgenommen. Bei den Photovoltaikanlagen wurde die Warteliste bis zu den Anlagen abgebaut, die sich bis und mit 30. April 2012 angemeldet hatten. Bei den übrigen Technologien (Biomasse, Kleinwasserkraft-, Wind- und Geothermie-Anlagen) wurde die Warteliste ebenfalls weiter abgebaut (54 Biomasseanlagen, 68 Kleinwasserkraftwerke, eine Windenergieanlage). Ausblick 2020: Bis Juli 2020 werden noch 147 Photovoltaikanlagen mit einer Leistung über 100 kW (total 41 MW) in das Einspeisevergütungssystem aufgenommen, die bis und mit 30. Juni 2012 angemeldet wurden und für die der Betreiber das Wahlrecht zugunsten der Einspeisevergütung ausgeübt hat. Dies wird das letzte KEV-Kontingent für die Photovoltaik sein. Die Photovoltaik-Warteliste für die Einspeisevergütung wird danach nicht mehr weiter abgebaut. Den Projektanten wird empfohlen, die Einmalvergütung in Anspruch zu nehmen. Die KEV-Warteliste bei den übrigen Technologien wird auch nicht mehr weiter abgebaut. Es werden keine weiteren Projekte mehr ins Einspeisevergütungssystem aufgenommen, also weder neue Projekte, Projekte auf der Warteliste, noch Projekte, die ab 2018 den Springerstatus erreicht haben.

 

Biomasse-Anlagen: 2019 gingen bislang sieben Anträge um einen Investitionsbeitrag für stromproduzierende Klärgas-, Kehrichtverbrennungsanlagen oder für Holzkraftwerke ein. Davon wurden bereits drei Anträge im Umfang von 132‘014 Franken positiv beurteilt. Neue Gesuche können sofort bearbeitet werden. Es besteht keine Warteliste.

 

Investitionsbeiträge für Kleinwasserkraft-Anlagen (300 kW bis 10 MW): 2019 gingen bisher acht Anträge ein. Bis Ende des Jahres können voraussichtlich Zusicherungen in der Höhe von insgesamt rund 35 Millionen Franken erteilt werden. 2020 werden weitere 30 Millionen Franken für die Erneuerung und Erweiterung von Kleinwasserkraftwerken zur Verfügung stehen. Damit können die bereits eingereichten Anträge sowie die ab 2020 hinzukommenden Anträge berücksichtigt werden. Investitionsbeiträge für  

 

Grosswasserkraft-Anlagen (ab 10 MW): Am ersten Stichtag 2018 wurden fünf Gesuche eingereicht; drei Anlagen erhielten einen Investitionsbeitrag zugesichert. Es besteht keine Warteliste. Die Mittel 2020 stehen vollumfänglich für neue Gesuche zur Verfügung.


Wie werden die Fördermassnahmen finanziert? Für die Förderung der Stromproduktion aus erneuerbaren Energien, Stromeffizienzmassnahmen und Gewässersanierungen bezahlen die Schweizer Stromkonsumentinnen und -konsumenten seit 1. Januar 2018 einen Netzzuschlag von 2,3 Rappen pro Kilowattstunde. Das Geld fliesst in den Netzzuschlagsfonds, aus dem verschiedene Fördermassnahmen finanziert werden (siehe Grafik in der Beilage). Die Höhe der Einspeisevergütung orientiert sich an den Produktionskosten der Anlagen. Bei tiefen Marktpreisen müssen daher mehr Fördermittel aufgewendet werden. Bei höheren Marktpreisen braucht es für die gleiche Anzahl von Anlagen weniger Fördermittel; entsprechend können mehr Anlagen gefördert werden.

Quelle:   http://www.bfe.admin.ch

^^^ Nach oben