Die am Dienstag veröffentlichten Energieszenarien des grössten CH-Energieproduzenten Axpo leisten aus Sicht von aeesuisse wichtige Impulse für die energiepolitische Debatte in der Schweiz. Dabei unterschätzt würden jedoch die Dynamik der Transformation sowie das Potenzial erneuerbarer Energien und der Energieeffizienz.
Die aeesuisse (Dachverband der Wirtschaft für erneuerbare Energien und Energieeffizienz) begrüsst die am 24. März 2024 von der Axpo präsentierten Szenarien, wie sich die Schweiz im Winterhalbjahr mit Strom versorgen kann, grundsätzlich. Gerade das erste AXPO-Szenario, das erneuerbare Energien mit Gaskraftwerken kombiniert, entspricht weitgehend der bestehenden Energiestrategie und dem demokratisch legitimierten Umbau des Energiesystems. Entscheidend ist dabei die Rolle des Gases: Gaskraftwerke sollen aus Sicht von aeesuisse primär als flexible Reserve dienen – nicht als dauerhafte Stromquelle. Ein zukunftsfähiges Energiesystem setzt auf Flexibilität statt auf unflexible Grundlastkraftwerke.
Vor diesem Hintergrund steht die aeesuisse auch den Planspielen für neue Atomkraftwerke kritisch gegenüber. Diese sind aufgrund hoher Investitionskosten und finanzieller Risiken ohne staatliche Unterstützung wirtschaftlich nicht tragfähig und stellen für die Schweiz ein erhebliches Kostenrisiko dar.
Diesen Ansatz bestätigt auch die Wissenschaft. Im Rahmen der SWEET-Projekte des Bundes hält sie fest, dass für die Schweiz weder neue Gas- noch Kernkraftwerke als Grundlast notwendig sind. Die Versorgungssicherheit im Winter wird vielmehr durch ein Zusammenspiel von Wasser-, Wind- und Solarenergie, Speichern, Wärme-Kraft-Kopplung sowie Stromimporten gewährleistet.
Windenergie und Stromabkommen sind entscheidend
Entsprechend teilen wir auch die Axpo-Beurteilung zur Windenergie. Sie ist rasch ausbaubar, kosteneffizient und liefert gerade im Winter zuverlässig Strom. Ergänzt durch winteroptimierte Photovoltaik sowie Speicherlösungen kann die Schweiz die prognostizierten Menge an Winterstrom bereitstellen. Die grösste Herausforderung bleibt bei der Windenergie einzig die gesellschaftliche Akzeptanz.
Ein entscheidender Faktor für die Versorgungssicherheit bleibt zudem die Integration in den europäischen Strommarkt. Ein Stromabkommen mit der EU ist zentral, um auch künftig verlässlich auf Importe und einen funktionierenden Stromhandel zurückgreifen zu können.
Lösungen sind vorhanden
Zwei zentrale Aspekte bleiben in den AXPO-Szenarien hingegen unterbewertet: Die Dynamik bei der Transformation des Energiesystems. So wurden die Ausbauziele der Energiestrategie 2050 bei den erneuerbaren Energien bereits heute – rund neun Jahre früher als geplant – erreicht. Auch Kostenentwicklungen und Lernkurven bei den erneuerbaren Energien werden zu defensiv eingeschätzt. Hinzu kommt das starke Wachstum bei Batteriespeichern, die sowohl die Integration erneuerbarer Energien als auch den Netzausbau effizient unterstützen.
Als Fazit hält Stefan Batzli, Co-Geschäftsführer von aeesuisse, fest: «Die Lösung liegt auf dem Tisch – wir müssen sie jetzt konsequent umsetzen. Der Ausbau der erneuerbaren Energien, mehr Effizienz und die enge Zusammenarbeit mit Europa sichern unsere Versorgung – gerade auch im Winter.»
Quelle: www.aeesuisse.ch

