Donnerstag, 29. September 2022

Auktionen für Photovoltaik-Anlagen – Was passiert ab 2023?

Der Bund führt ab 2023 die hohe Einmalvergütung (HEIV) für Photovoltaik-Anlagen ohne Eigenverbrauch ein. Die HEIV beträgt bis zu 60% der Investitionskosten (bisher 30%). Ab einer Anlagenleistung von 150 kW wird diese Vergütung per Auktion vergeben. Die detaillierte Ausgestaltung der Auktionen wird der Bundesrat Ende November 2022 in der Energieförderungsverordnung festlegen. Im Anschluss publiziert Pronovo die Auktionsbedingungen. Zur Vorbereitung von interessierten Projektanten stellen wir hier die wichtigsten, voraussichtlichen Eckwerte der Auktionen zusammen.

Die neue HEIV wird als Ergänzung zum bestehenden Fördersystem eingeführt. Das System der bisherigen Einmalvergütungen ändert sich zum 1. Januar 2023 also nicht. Es werden lediglich die Vergütungsätze leicht angepasst.

Die hier dargestellten Eckwerte können noch ändern! Die detaillierte Ausgestaltung der Auktionen wird vom Bundesrat im November 2022 in der Energieförderungsverordnung festgelegt. Im Anschluss, gegen Ende November, publiziert Pronovo die Auktionsbedingungen.

Wer kann eine HEIV erhalten und wie hoch ist sie?
Die HEIV ist gedacht für Anlagen, die mangels Möglichkeiten zum Eigenverbrauch eine höhere Förderung benötigen. Deswegen darf eine HEIV-Anlage während 15 Jahren keinen Eigenverbrauch aufweisen, auch wenn sich in dieser Zeit entsprechende Möglichkeiten ergeben würden. Falls doch, muss die zusätzliche Förderung anteilig zurückbezahlt werden.

Bis zu einer Anlagenleistung von weniger als 150 kW wird die HEIV voraussichtlich 450 Franken pro Kilowatt (kW) betragen, ab 150 kW Leistung wird sie per Auktion vergeben. Dabei ist ein Höchstgebot einzuhalten, das bei etwa 60% der Investitionskosten von Referenzanlagen im Segment über 150 kW liegen wird. Dieses Höchstgebot wird rechtzeitig vor der Auktion zusammen mit den Auktionsbedingungen von Pronovo veröffentlicht.

Ablauf Auktionen
Die Projektanten geben in ihrem Gebot die Höhe der für ihr Projekt benötigten Förderung in Franken pro kW an. Nach Auktionsschluss wählt Pronovo die Gebote aus, die die Teilnahmebedingungen erfüllen und sortiert sie nach ihrer Gebotshöhe. Dann wählt Pronovo die günstigsten aus, bis das ausgeschriebene Volumen (in Megawatt) erreicht ist.

Die Auktionen werden über das Kundenportal von Pronovo durchgeführt. Die erste Auktion soll am 1. Februar 2023 stattfinden. Das Portal wird 1-2 Wochen vorher für die Gebotsabgaben geöffnet. Welche Parameter bei der Gebotsabgabe anzugeben sind, wird Pronovo mit den Auktionsbedingungen Ende November 2022 veröffentlichen. Die Parameter entsprechen weitestgehend den bekannten Angaben einer Anmeldung für die bisherige Einmalvergütung für grosse Anlagen (GREIV). Nach dem Gebotstermin teilt Pronovo den Teilnehmenden innerhalb von voraussichtlich 10 Tagen mit, ob ihr Gebot erfolgreich war oder nicht.

Damit der eigentliche Zuschlag erfolgen kann, muss eine Sicherheitsleistung in Höhe von 10 Prozent der gesamten mit dem Gebot beantragten Förderung an Pronovo überwiesen werden. Danach ist die Anlage innerhalb von 18 Monaten zu realisieren. Die Auszahlung des Förderbeitrags erfolgt nach der rechtzeitigen Inbetriebnahmemeldung. Gleichzeitig wird die Sicherheitsleistung zurückerstattet, sofern keine Gründe für einen ganzen oder teilweisen Einbehalt vorliegen. Zu diesem Zeitpunkt werden dann auch weitere Förderungen der Anlage ausbezahlt, wenn diese oder gewisse Anlagenteile die entsprechenden Voraussetzungen erfüllen (z.B. Neigungswinkelbonus).

Alle Projektanten, die keinen Zuschlag erhalten haben, können an einer späteren Auktionsrunde teilnehmen oder sie können die bisherige EIV beantragen. Im Jahr 2023 finden voraussichtlich vier Auktionsrunden statt: am 1. Februar und je anfangs Mai, August und November. Das Ausschreibevolumen soll je zwischen 30 und 50 MW betragen. Das BFE kann dieses Volumen, die Termine sowie das Höchstgebot aber je nach Nachfrage anpassen. Sie werden rechtzeitig vor der jeweiligen Auktionsrunde publiziert.

Wieland Hintz, Verantwortlicher Solarenergie, BFE

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Mittwoch, 28. September 2022

Megasol kommt unter Fittiche von St.Gobain

 
Solch imposante Solarfassaden stammen von Megasol, hier
ein Gebäude in den Niederlanden (Bild Megasol)

Die französische Baustofffirma Saint-Gobain, einst an der Sika interessiert, geht eine Minderheitsbeteiligung am Schweizer Solarmodulhersteller Megasol ein, einem Spezialisten für gebäudeintegrierte Solarmodule (BIPV)
 
Wie die Unternehmen gemäss dem Solarportal solarserver.de  mitteilten, gehen sie eine strategischen Partnerschaft ein. In diesem Rahmen habe sich Saint-Gobain an dem Geschäftsbereich beteiligt, der am Standort Deitingen (Kt. Solothurn) BIPV-Module entwickelt und herstellt. Durch diese Partnerschaft kann Saint-Gobain sein Angebot an nachhaltigen Lösungen für Fassaden erweitern. Damit eröffne sich die Möglichkeit, ein führender Lieferant in Europa für Lösungen von BIPV-Fassaden, eines der wachstumsstärksten Segmente im Fassadenbau. Gleichzeitig erlange Megasol durch die Partnerschaft Zugang zu Saint-Gobains Kundenbasis.
 
Gemäss dem Baublatt wird Unternehmensgründer und Geschäftsführer Markus Gisler wie folgt zitiert: «Mit seinem umfangreichen Know-how bezüglich Verglasungen und Gebäudehüllen sowie seiner weltweiten Präsenz ist Saint-Gobain der ideale Partner für eine schnelle Entwicklung unseres Geschäfts mit aktiven Solarbauwerkstoffen». 
 
Die lokale Solothurner Zeitung vermeldet die Beteiligung als aufsehenerregendes Wirtschaftsereignis und beredtes Zeugnis für die Konkurrenzfähigkeit des Standorts Kanton Solothurn mit der Schlagzeile - und führt weiter aus: Die Solothurner Solarbranche boomt weiter - Französischer Baustoffriese kauft Anteile der Deitinger Megasol. Die Deitinger Megasol ist der europaweit führende Hersteller von gebäudeintegrierten Solarmodulen. Nun erhält die Firma durch die Beteiligung des französischen Baustoffkonzerns Saint-Gobain noch weiteren Aufschwung.

© Solarmedia Guntram Rehsche

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Montag, 26. September 2022

Speicherproblem lösbar

Bei Ausbau Erneuerbarer Energien und insbesondere der Solarenergie (Photovoltaik) wird von Skeptikern immer wieder angeführt, sie seien unberechen- und nicht speicherbar. Wie falsch und veraltet die Argumentation ist, zeigt die folgende simple Aufstellung:

- Kurzfristig (vom Tag in die Nacht) lässt sich Solarstrom schon länger und problemlos speichern, nämlich durch Batterien (In Deutschland werden unterdessen kaum noch Solaranlagen für Ein- und Mehrfamilienhäuser ohne Batterien verkauft!). Der Selbstversorgungsgrad mit Elektrizität lässt sich so von rund 30 auf rund 60% steigern. Hinzu kommt die künftig voraussichtlich boomende Verwendung von Autobatterien sowohl als Speicher für den Hausgebrauch wie auch für Regelenergie der EW's.
- Mittelfristig (bis zu zwei Wochen) kommen auch die grösseren bereits vorhandenen Speicher ins Spiel, insbesondere Pumpspeicher. Nicht umsonst fordert der Verband der Schweizerischen Elektrizitätswerke VSE derzeit zum Stomsparen auf - damit Wasserkraft vorgehalten werden kann.
- Langfristig (vom Sommer in den Winter) bestehen zweifellos die grössten Speicheerprobleme. Abhilfe schaffen einerseits der Zubau von PV in den Bergen, was mangelnde Stromerzeugung im Winter ausgleichen kann. Sodann gilt auch hier das zuvor erwähnte Sparargument und schliesslich sind die Speicher zu vergrössern (Speicherseen) sowie neue Technologien anzuwenden (bereits vorhanden:  zusammengefasst unter Power to X, also zum Beispiel die Umwandlung anfallender Energie in Wasserstoff und dessen spätere Verwendung als Treibstoff im Verkehr).

Fazit: Das Speicherproblem für unregelmässig anfallende Erneuerbare Energien ist lösbar - und die Schweiz hat dank der Wasserkraft (Pumpkraftwerke und Speicherseen) bereits einen Teil der Lösung auf sicher, damit beste Voraussetzungen!

© Solarmedia Guntram Rehsche

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Stromsparen: 33 Mio. Fr. für neue Projekte

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Von besonderer Aktualität: 2022 werden zum dreizehnten Mal Wettbewerbliche Ausschreibungen zum Stromsparen im Industrie- und Dienstleistungsbereich und in den Haushalten durch den Bund  durchgeführt. Bereits seit Anfang November 2021 können Fördergesuche für die Ausschreibungen 2022 eingereicht werden und zwar mit einem deutlich schnelleren und vereinfachten Gesuchabwicklungsverfahren für Projekte. Inzwischen liegen die Ergebnisse der Programmausschreibung 2022 vor: 8 neue Programme werden mit insgesamt 23 Millionen Franken unterstützt. Bis Ende August 2022 erhielten zudem 49 Projekte einen Förderzuschlag.

Seit dem 8. November 2021 können Gesuche für Programme und Projekte für die Ausschreibungen 2022 eingereicht werden. Die Gesuche für die Programme mussten wie in den Vorjahren bis zu einem bestimmten Stichtag (2. Mai 2022) eingereicht werden. Für die Eingabe von Projekten gibt es seit dem Start der Ausschreibungen 2022 keine Stichtage mehr: Sie können laufend zu einem beliebigen Zeitpunkt eingereicht werden. 

Die Resultate der Ausschreibungen 2022 für die Programme liegen vor: Bei der Geschäftsstelle ProKilowatt sind 14 Anträge eingegangen. Davon haben acht Programme einen Förderzuschlag erhalten. Ausgewählt wurden sie wie immer nach dem besten Kosten-Nutzen-Verhältnis. Die neu unterstützten Programme sparen also pro Förderfranken am meisten Strom ein. 

Neue Programme fördern eine breite Palette von Stromsparmassnahmen: Die acht neu bewilligten Programme unterstützen beispielsweise Stromsparmassnahmen für Weinkeller, den Ersatz von Schweissgeräten durch effizientere Modelle, Massnahmen zur Optimierung von Druckluftanlagen oder den Ersatz von elektrischen Antrieben. Unter den neuen Programmen ist zudem ein schweizweites Programm zur Unterstützung von energetischen Beleuchtungssanierungen. Es unterstützt die Fördermittelempfänger bei der sorgfältigen Planung und Inbetriebnahme einer hocheffizienten Sensorik für die neuen Beleuchtungsanlagen. 

Weitere Förderzusagen bei den Projekten: Das neue und schnellere Gesuchabwicklungsverfahren für die Projekte bewährt sich seit dem Ausschreibungsstart im November 2021: Bis Ende August haben 49 Projekte eine Förderzusage über insgesamt maximal 10 Millionen Franken erhalten. Insgesamt 75 Projektanträge wurden in diesem Zeitraum online eingereicht. Das thematische Spektrum der neu geförderten Projekte reicht von der energetischen Sanierung der Beleuchtung in einem grossen Parkhaus über die Optimierung von Lüftungsanlagen in einem Lebensmittelverarbeitungsbetrieb bis hin zum Ersatz von Spritzgussmaschinen in einem KMU aus der Kunststoffbranche. Projektgesuche für die Ausschreibungen 2022 können noch bis spätestens am 16. Oktober 2022 eingereicht werden. 

Die Ausschreibungen 2023 starten bereits am 7. November 2022. Die Fördergesuche für die Projekte können weiterhin zu einem beliebigen Zeitpunkt bis spätestens am 15. Oktober 2023 laufend eingereicht werden. Die Anträge für neue Programme müssen bis spätestens am 2. Mai 2023 übermittelt werden. Die Fördermöglichkeiten von ProKilowatt sowie die Bedingungen für die Ausschreibungen 2023 werden für alle Interessierten nach dem Ausschreibungsstart laufend in Webinaren einfach und anwendungsorientiert erklärt. Die Termine dieser Webinare werden auf www.prokilowatt.ch im grauen Kasten "Aktuell" publiziert.

Quelle Bund siehe > hier

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Donnerstag, 22. September 2022

Welche Rolle spielt Wasserstoff im globalen Energiesystem künftig?

Wasserstoff und H2-Syntheseprodukten wird in der künftigen Klimapolitik eine große Bedeutung beigemessen. Doch wie könnte sich der Wasserstoffbedarf global entwickeln? Dieser Frage widmet sich eine neue Meta-Studie unter Koordination des Fraunhofer ISI, die im Rahmen des Forschungsprojekts HyPat mehr als 40 Energiesystem- und Wasserstoffszenarien neu ausgewertet hat. 

Wasserstoff und seine Syntheseprodukte gelten global als wichtige zukünftige Energieträger, die in vielen Bereichen eingesetzt werden könnten. Aktuell wird beispielsweise kontrovers darüber diskutiert, welche Rolle Wasserstoff künftig im Verkehrsbereich und konkret bei der Nutzung von Pkw und Lkw spielen wird. Aber auch andere Bereiche wie der Industrie- und Gebäudesektor könnten potenzielle Einsatzgebiete mit Wasserstoffbedarf sein.

Deutlicher Anstieg der globalen Wasserstoffnachfrage: Die Mehrheit der ausgewerteten Studien prognostiziert einen deutlichen Anstieg der globalen Wasserstoffnachfrage – und dieser fällt in Berechnungen besonders stark aus, wenn Regionen oder Länder ehrgeizige Treibhausgasminderungsziele haben. Die globale Wasserstoffnachfrage hängt also auch stark von der jeweiligen regionalen Klimapolitik ab und wie ambitioniert diese ist. Die Bandbreite des gesamten Wasserstoffbedarfs im Jahr 2050 liegt global zwischen 4 und 11 Prozent des weltweiten Endenergiebedarfs. Es gibt jedoch starke regionale Unterschiede: Für die EU könnte der Anteil bei bis zu 14 Prozent liegen, für China hingegen weist die Mehrheit der Szenarien nur einen Wasserstoffanteil von maximal 4 Prozent an der Endenergie aus. Die Projektionen des Wasserstoffbedarfs in den ausgewerteten Studien variieren zum Teil erheblich, weshalb bedeutsame Unterschiede bei der Einordnung der Rolle von Wasserstoff in zukünftigen Energiesystemen bestehen.

 

Unterschiedliche Relevanz von Wasserstoff in verschiedenen Anwendungsbereichen: Was konkrete Einsatzgebiete anbelangt, ist der Studie zufolge im Verkehrsbereich die größte Nachfrage für den Wasserstoff zu erwarten, in absoluten Zahlen wie auch relativ zum Gesamtenergiebedarf: So berechnet die Meta-Studie für den EU-Verkehrssektor im Jahr 2050 einen mittleren Wasserstoffanteil von 28 Prozent – bezogen auf den Gesamtenergiebedarf des EU-Verkehrssektors – gegenüber 14 Prozent in China bzw. 16 Prozent weltweit. Der Verkehr ist aber auch der Sektor mit der größten Bandbreite und damit der größten Unsicherheit hinsichtlich des künftigen Wasserstoffeinsatzes. In Bereichen wie im internationalen Schiffs- und Flugverkehr sind H2-Syntheseprodukte gesetzt, in anderen Anwendungsfeldern wie bei Pkw und Lkw ist ein zukünftiger Wasserstoffeinsatz weniger klar.

In anderen Bereichen wie dem Industriesektor dürfte Wasserstoff in Summe in kleineren Mengen nachgefragt werden als im Verkehrssektor, die Nachfrageprognosen fallen hier niedriger aus. Wasserstoff gilt dort aber als »no regret«-Option, da für etliche industrielle Anwendungen keine Dekarbonisierungs-Alternativen existieren, wie zum Beispiel in der Eisen- und Stahlindustrie oder in der Grundstoffchemie. Im Bereich der industriellen Wärmeerzeugung gilt der Wasserstoffeinsatz als sehr unsicher, aufgrund potenzieller Alternativen auch für die Niedertemperaturwärme. Die Meta-Studie deutet hier zudem auf größere regionale Unterschiede hin: Während der Wasserstoffanteil bezogen auf den weltweiten Gesamtenergiebedarf in der Industrie im Jahr 2050 zwischen 2-9 Prozent rangiert, prognostiziert die Mehrheit der ausgewerteten Studien für Europa eine Bandbreite zwischen 3-16 Prozent, mit Maximalanteilen von bis zu 38 Prozent. Für China liegt der prognostizierte Wasserstoffanteil bei 1-4 Prozent, mit Maximalwerten von 7 Prozent.

Im Vergleich zu allen anderen Bereichen spielt Wasserstoff im Gebäudesektor in allen betrachteten Regionen die geringste Rolle: Der Mediananteil wird hier in den meisten Studien auf weniger als 2 Prozent der Gebäudeenergie in 2050 geschätzt – mit sehr kleinen Bandbreiten, was eine relativ robuste Aussage bezüglich einer geringen zukünftigen Bedeutung von Wasserstoff zulässt. Auch in absoluten Werten bleibt die Nachfrage im Gebäudebereich in allen Regionen deutlich hinter den anderen Sektoren zurück.

Wasserstoff spielt in künftiger globaler Klimapolitik eine wichtige Rolle: Prof. Dr. Martin Wietschel, der die Forschungsarbeiten des HyPat-Konsortiums leitet, schätzt die künftige globale Bedeutung von Wasserstoff wie folgt ein: »Unsere Auswertungen unterstreichen, dass Wasserstoff in der künftigen globalen Klimapolitik eine wichtige Rolle spielt – er wird aber nicht der dominierende Endenergieträger der Zukunft sein. Um die Treibhausgasemissionen global zu senken, werden Maßnahmen zum Energieeinsparen und die direkte Elektrifizierung auf Basis von erneuerbarem Strom zum Beispiel durch Wärmepumpen, Elektrofahrzeuge oder in Wärmenetzen als wichtigste Hebel gesehen. Wasserstoff spielt hingegen in bestimmten Anwendungsbereichen eine relevante Rolle, in denen andere Technologien technisch oder wirtschaftlich nicht umsetzbar sind.«

Mittwoch, 21. September 2022

Atom-Initiative: Schädliche Nebelpetarde der Atomlobby

Mit der Ende August lancierten Atom-Initiative will die Atomlobby unter dem Deckmantel der Versorgungssicherheit neuen Kernkraftwerken zum Durchbruch verhelfen. Die Scheindebatte um neue Atomkraftwerke torpediert die von den Schweizerinnen und Schweizer unterstützte Energiestrategie 2050 und lenkt von den echten Herausforderungen ab. Eine Medienmitteilung von aeesuisse - der Dachorganisation der Wirtschaft für Erneuerbare Energien und Energieeffizienz - die nichts an Aktualität eingebüsst hat.

Mit der Energiestrategie 2050 legte das Schweizer Stimmvolk vor rund fünf Jahren den Grundstein für eine erneuerbare, effiziente und sichere Energieversorgung. Während bei der Energieeffizienz – trotz Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum – Fortschritte gemacht wurden, wurde der Volkswille beim dringend nötigen Ausbau der erneuerbaren Energien nur ungenügend umgesetzt. «Die aktuellen Herausforderungen rund um die Energieversorgungssicherheit – die durch den Krieg in der Ukraine noch dramatisch verschärft werden – bestätigen den mit der Energiestrategie 2050 eingeschlagenen Weg und legen schonungslos dar, wie gefährlich die aktuelle Energieabhängigkeit der Schweiz ist», sagt Stefan Batzli, Geschäftsführer des Wirtschaftsdachverband aeesuisse.

Die Politik hat die Herausforderungen grossmehrheitlich erkannt und ist aktuell nach langem Zögern endlich daran, die Rahmenbedingungen im Sinne des dringlich nötigen Ausbaus der erneuerbaren Energien zu verbessern. Mit der  lancierten  Atom-Initiative versucht die Atomlobby diese Bestrebungen zu torpedieren. Es ist daran zu erinnern, dass heute jeden Tag erneuerbare Kraftwerke ans Stromnetz angeschlossen werden, die konkrete Kilowattstunden Energie liefern. Diese täglich neu und zusätzlich produzierte Energie schont unsere Speicherreserven für den Winter. Damit liefern die erneuerbaren Energien einen konkreten Beitrag an die Versorgungssicherheit. Anders die Forderung nach neuen Atomkraftwerken, die nichts mehr als eine unnötige Nebelpetarde ist und die politischen Bemühungen zur Findung von echten Lösungen erschwert und untergräbt.

Wirtschaftlich uninteressant und unsicher: In der Schweiz gibt es kein Unternehmen das bereit ist, in die Atomtechnologie zu investieren – ganz im Gegenteil: Die BKW hat ihr bestehendes Atomkraftwerk Mühleberg Ende 2019 aus wirtschaftlichen Gründen ausser Betrieb genommen. Weiter gibt es keinen neuen Reaktortyp, der in nützlicher Frist gebaut werden kann und so einen Beitrag zu den aktuellen Herausforderungen leisten könnte. Ganz zu schweigen von den Sicherheitsrisiken und der nach wie vor ungelösten Atommüll-Lagerung.

Atomkraftwerke zementieren Auslandabhängigkeit: Die in der Schweiz verwendeten nuklearen Brennstoffe werden allesamt aus dem Ausland importiert – ein wesentlicher Teil davon aus Russland. Vor dem Hintergrund des Krieges in der Ukraine ernsthaft neue Atomkraftwerke und somit eine weitere Zementierung der bereits jetzt kritischen Auslandabhängigkeit bei der Energieversorgung zu fordern, ist schlicht unverantwortlich und unverständlich.

Quelle: aeesuisse

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