Donnerstag, 26. Mai 2022

Solar-Recycling - auch in der Schweiz möglich

Was passiert mit Solarpanels, wenn sie ausgedient haben oder kaputt sind? Wie genau funktioniert das Recycling? Und wie wird das Ganze finanziert? Ein Informations-Video von Swissolar

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Montag, 23. Mai 2022

Die andere Medienschau – oder: Grosser Aufbruch!

Die folgende Schlagzeile muss man sich als bekennender Solarstrom-Befürworter mal auf der Zunge zergehen lassen: «Wer nicht auf Solarstrom setzt, ist unterbelichtet». Noch spektakulärer wird das Ganze, wenn man die Herkunft ortet. Die Aussage stammt von SonntagsBlick-Chefredaktor Gieri Cavelty, erschienen in der Ausgabe von vergangenem Wochenende > siehe hier. Und untermalt – neben dem Editorial - von einem ausführlichen Artikel über den Stand der Solarwirtschaft in der Schweiz. Dort dann unter anderem zu lesen, dass die Schweiz ihren gesamten Energiebedarf kostengünstig mit Solarkraft decken könnte. Heizen, Warmwasser, Mobilität inbegriffen. Und für jene Tage im Spätwinter, da die Sonne spärlich scheint und die Pumpspeicherseen leer sind, gäbe es ja zusätzlich die Windräder.

Adressen: Vergrössern mit Klick !
Doch wie wäre ein solcher Weg zur einer Schweiz mit Wasser- und Solarstrom zu bewältigen? Da passte am vergangenen Wochenende ganz gut, dass der Verband unabhängiger Energieerzeuger VESE eine Fachtagung in Olten abhielt – und auch einen Leitfaden präsentierte, dessen Titel für sich selber spricht: «Photovoltaik Selbstbau – Wir bauen unsere PV-Anlage selbst». Wer sich nicht ganz so weit vorwagen möchte, kann sich unterdessen an über 100 Solargenossenschaften in der Schweiz wenden. So gerät das Ziel, einen Beitrag an die Energiewende zu leisten, ganz sicher nicht vergessen. Dass man auf diesem Weg gesamtschweizerisch allerdings schon noch nicht so weit gegangen ist, untermalt die Tatsache, dass es in Deutschland ungefähr 8000 Enerigegenossenschaften gibt (neben Solar- vor allem auch Windgenossenschaften) und dass in eben diesem Land die Pro-Kopf-Kapazität verfügbarer Solaranlagen mehr als doppelt so hoch wie hierzulande ist.

An der VESE-Tagung trat mit Ruedi Steuri von SpiezSolargenossenschaft neben anderen auch ein engagierter Vertreter einer Institution auf, die den Weg von der ehrenamtlichen zur professionellen Organisation durchlebt und gelegentich auch durchleidet. Steuri’s Erfolgsrezept lautet unter anderem: Früh mit Bürgerbeteiligung beginnen, grosses Augenmerk richten auf die Verfügbarkeit von Dächern, die Digitalisierung wird immer wichtiger und den Nachwuchs als (grosses) Problem anerkennen. Illustriert wurde letzter Punkt durch die Tatsache, dass an der Tagung selbst die grau- und silbermelierten alten weissen Männer in deutlicher Überzahl vertreten waren. Dringend wäre schliesslich auch ein lokales und nationales Solaranlagen-Inventar. So oder so, die Eidgenossenschaft bietet doch eigentlich einen idealen Ausgangspunkt, um viele Solar-Genossenschaften zum Erblühen zu bringen.

Untermalt wird dieser Aufruf zum Selbstbau just an diesem Montag im Zürcher Tages-Anzeiger mit der Reportage über die Berner Nationalrätin Andrea Geissbühler, die in diesem Frühling selbst Hand anlegte und den Bau ihrer eigenen Solaranlage kräftig unterstützte. Die Frau gehört übrigens der Schweizerischen Volkspartei an – jener Partei, die bisher alles rund um die Energiestrategie und auch die CO2-Gesetzgebung vehement bekämpfte. Aber Geissbühler ist nicht allein, auch andernorts preschen nun plötzlich kantonale SVP-Vertreter hervor und setzen sich für Solaranlagen – etwa im Kanton Zürich.

Nüchterner beschreibt derweil der Tages-Anzeiger in der Ausgabe vom 21.Mai 2022 eine Bilanz nach fünf Jahren: Wo die Schweiz bei der Energiewende steht (für > Abonnenten siehe hier). Wie viel Energie produzieren hiesige Solaranlagen? Wie stark steigt der Stromverbrauch? Und wie steht es um die Versorgungssicherheit? Eine grosse Übersicht anhand von Daten, die leider nur in der gedruckten Zeitungsausgabe oder dann hinter der Online-Paywall einsehbar ist. So viel sei hier verraten: Derzeit ist die Energiewende entgegen anderslautender Behauptungen auf Kurs, vor allem auch der Ausbau der Solarenergie. Dazu heisst es unter anderem: « Seit 2000 nimmt die Stromproduktion aus neuen erneuerbaren Energien zu, insbesondere dank der Fotovoltaik. 2020 produzierte sie 4,7 Terawattstunden (TWh), das sind 0,3 TWh mehr, als es der Richtwert im Energiegesetz für 2020 vorsieht. Das entspricht etwa 7 Prozent der gesamten jährlichen Elektrizitätsproduktion. Bis 2035 sollen es 11,4 TWh sein. Bereits 2020 betrug die Zunahme etwas mehr als die nun jährlich nötigen 0,5 TWh – Tendenz weiter steigend. Ambitionierter wird es indes, wenn der Ausbau kompatibel zum Netto-null-Ziel erfolgen soll, wie es der Bundesrat im Bundesgesetz über eine sichere Stromversorgung vorschlägt. Dann müssten die neuen erneuerbaren Energien 2035 insgesamt 17 TWh Strom liefern, der Zuwachs müsste pro Jahr 0,8 TWh betragen.»

Alles bestens also? Natürlich nicht, das hat auch die Schweizerische Energie Stiftung SES in ihrer neue Vision belegt (siehe Solarmedia > hier). Aber gerade im Solarbereich ist doch schon einiges erreicht und viel mehr noch unterwegs. Das kann auch der Rechtsaussen-Chefredaktor des Nebelspalters nicht wegdiskutieren. Markus Somm plädierte in den Sonntagszeitungs-Standpunkten (siehe SRF > hier ) am Wochenende in erster Linie für den Zubau neuer AKW, gerne auch von mehr als nur einem. Diesem Vorhaben würde zwar sicher Widerstand erwachsen, sieht auch Somm, aber ein konzentrierter, der sich entsprechend konzentriert bekämpfen liesse. Wenn sich Somm angesichts der Genossenschaftsbewegung da mal nicht täuscht!

Hier Kontakt zum Verband > VESE  www.selbstbau.ch

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Samstag, 21. Mai 2022

Zurück zur Vision

Am 21. Mai vor fünf Jahren hat die Schweizer Bevölkerung JA gesagt zur Energiestrategie 2050 und damit zur «Zeitenwende» in der Schweizer Energiepolitik. Die Schweizerische Energie-Stiftung SES kommt zu dieser Gelegenheit in einem White Paper zum Schluss: Auch wenn sämtliche Zwischenziele der Energiestrategie 2050 erreicht wurden, genügt deren aktuelle Ausgestaltung noch nicht den Ansprüchen an eine nachhaltige Energieversorgung. Vielmehr droht die ganzheitliche Perspektive, die an deren Ursprung stand, in der gegenwärtigen Debatte um die Zukunft der Energieversorgung abhanden zu kommen. Die SES ruft deshalb dazu auf, zur Vision zurückzukehren und den Weg hin zu einer nachhaltigen Energieversorgung zu beschleunigen.

Erläuterung zum Bild - siehe unten - Vergrössern mit Klick
 

Positive erste Erfolgskontrolle… Eine erste Erfolgskontrolle des 2017 eingeleiteten ersten Massnahmenpakets der Energiestrategie 2050 zeigt: Die Ziele für das Jahr 2020 wurden allesamt erreicht: Rückgang des Energieverbrauchs um 12% (bei gleichzeitigem Bevölkerungswachstum von 20%) gegenüber dem Jahr 2000. Ausbau der erneuerbaren Energien um fast 5 Terawattstunden, wobei der Ausbau von Wind- und Wasserkraft sowie Geothermie unter den Erwartungen blieb, jener der Solarenergie dafür viel höher ausfiel. Dazu die Stilllegung eines ersten Schweizer Atomkraftwerks.

…aber noch weit vom Ziel entfernt! Ob diese Zielsetzungen zeitgemässen Ansprüchen an eine ganzheitlich nachhaltige Energieversorgung nach wie vor genügen, wird im White Paper kritisch hinterfragt. Dies umso mehr, als das zweite Massnahmenpaket mit einer Klima- und Energielenkungsabgabe bereits 2017 ersatzlos gestrichen wurde. Insbesondere beim Klimawandel aber auch bei der Versorgungssicherheit haben sich die Randbedingungen in den letzten fünf Jahren verändert und sprechen für einen viel rascheren Ausbau an erneuerbaren Energien im Inland. Dies sind aber nur die offensichtlichsten Veränderungen, die ihrerseits den umfassenden Blick auf weitere, bisher zu wenig adressierte Problemfelder einer ganzheitlichen Energieversorgungsvision zu verstellen drohen. Dazu gehört der Fokus auf den Gesamtenergiebedarf, inklusive Energieverbrauch im Ausland, ökologische Herausforderungen wie die Bedrohung der Artenvielfalt oder die Möglichkeit eines atomaren Unfalls sowie die gesellschaftliche Akzeptanz der Transformation.

Drei Handlungsstrategien als nächster Schritt können gemäss White Paper der SES dazu beitragen, mittelfristig gleich mehrere dieser «blinden Flecken» der aktuellen Energiestrategie 2050 anzugehen und zum visionären, ganzheitlichen Charakter der Ursprungsidee zurückzukehren:

  • Mit dem eingeleiteten Solarausbau durchstarten,
  • Instrumente implementieren, die den Ausstieg aus den fossilen und nuklearen Energiequellen adressieren, terminieren und sozial- und wirtschaftspolitisch abfedern, sowie
  • Anreize, die dazu beitragen, den Energieverbrauch strukturell zu vermindern, in die Politiken des Bundes und der Kantone betreffend Verkehr, Raum- und Ortsplanung, Wohnen, Konsum, usw. integrieren.

Die Dringlichkeit der diversen Herausforderungen spricht dafür, diese Handlungsfelder parallel anzugehen und die dafür nötigen Politiken rasch zu implementieren.

«Zurück zur Vision»: «Die Energiestrategie 2050 ist auf Kurs. Aber ihre Zielsetzungen waren bislang sehr bescheiden und wiesen grosse blinde Flecken auf», meint Studienautorin und SES-Co-Leiterin des Fachbereichs Klima und Erneuerbare Léonore Hälg. SES-Geschäftsleiter Nils Epprecht blickt voraus: «Anstatt zu zaudern, sollten wir die Transformation beschleunigen und dabei die Perspektive wieder weiten: Wir müssen zurück zur Vision einer nachhaltigen Energieversorgung!»

Das White Paper «Fünf Jahre Ja zur Energiestrategie 2050» wurde am Donnerstag an der SES-Abendveranstaltung «Energieschub fürs Klima - Solaroffensive, und was es sonst noch braucht» exklusiv vorgestellt. An der anschliessenden Podiumsdiskussion mit SP-Nationalrätin und SES-Stiftungsratspräsidentin Nadine Masshardt, SVP-Nationalrätin Monika Rüegger, Mitte-Ständerat Oskar Reichmuth, ETH-Professor Tobias Schmidt und SES-Geschäftsleiter Nils Epprecht wurde der Stand der Umsetzung der Energiewende sowie die zukünftig notwendigen Massnahmen diskutiert. Auf den Punkt brachte es Mitte-Ständerat Oskar Reichmuth: «Die Energiestrategie ist nicht gescheitert. Die gesteckten Ziele wurden erreicht. Bislang wollten wir einfach noch nicht mehr.» Welche Massnahmen für das Erreichen der Klimaziele unter den heutigen Umständen nun nötig sind, wurde in der Folge angeregt und kontrovers diskutiert.

Quelle: Schweizerische Energie Stiftung

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Donnerstag, 19. Mai 2022

Leuchttürme des neuen PV-Anlagenbaus



Die vergangenen Tage brachten gleich zweimal bemerkenswerte Inbetriebnahmen von dem, was neudeutsch Leuchttürme geheissen wird. In Zürich-Höngg wurde eine transparente Dachkonstruktion präsentiert für einen Kirchenvorplatz (siehe oben). In Basel war es der schlicht «Pavillon» geheissene Rundbau von Novartis für Kongresse und Ausstellungen (siehe unten). Und da beide echt eindrücklich, sollen für einmal vor allem die Bilder sprechen.

Sinnbildlich könnte man ja auch sagen resp. schreiben: Da hat je eine Kathedrale des Kapitals (oben zuerst) und eine des christlichen Gottes transparente Photovoltaik-(PV)-Konstruktionen zuhanden der Öffentlichkeit abgeliefert. Beide sind stets zugänglich, auch die Novartis-Baute auf dem sattsam bekannten Campus-Areal bei der Rosenbrücke in Basel.

Schon 1998 beschlossen, wurde in Zürich-Höngg eine der ersten PV-Anlagen der Stadt für 250‘000 CHF gebaut, der Strom kam über die damals revolutionäre Solarstrombörse des EW der Stadt Zürich zum Verkauf (für über einen Franken pro Kilowattstunde). Wie der damalige Architekt und Initiator betont: «ein bestes Geschäft, erst letztes Jahr ausgelaufen - wobei die Module immer noch tadellos Solarstrom produzieren».

Die Energieprojekte rund um das Kirchenzentrum wurden im Laufe der Zeit ausgeweitet, immer und bis heute am Drücker erwähnter Beat Kämpfen, ein echter Alt-Höngger (wie der Autor dieser Zeilen übrigens auch). Nur so viel dämmen wie nötig bei den Umbauten, aber das richtig. Ein Erdsondenfeld, zu kompensieren mit Sonnenkollektoren, die neben den Solarstrommodulen auch noch Platz fanden. Und jetzt vor allem auch fürs Auge die Überdachung des Kirchenplatzes - klein, fein, transparent - schon fast eine kirchliche Botschaft. 

 
 
 
Schon vergangene Woche präsentierte der Chemiekonzern Novartis sein neues Prachtstück auf dem «Campus» in Basel.   Der von AMDL CIRCLE und Michele De Lucchi entworfene Novartis Pavillon wurde in Basel, eröffnet. ASCA hat für dieses Projekt mehr als 10.000 rauten- und dreieckförmige Solarmodule in zehn unterschiedlichen Größen entwickelt, gefertigt und in Polycarbonat laminiert. Weil die Module jegliche Form und Größe annehmen können, folgen sie den Kurven des kuppelförmigen Gebäudes problemlos. In Basel ist damit in einer anderen Dimension ein futuristisches Gebäude entstanden, dessen Fassade von organischen Solarfolien umgeben ist. Sie liefern die Energie unter anderem für Kunstanimationen, mit denen die Fassade nach Sonnenuntergang illuminiert wird. Es ist ein einzigartiges Gebäude, das auf dem Novartis Campus, dem Forschungsgelände des Schweizer Biotechnologie- und Pharmakonzerns, in Basel entstanden ist. Denn die Architekten von AMDL Circle und Michele De Lucchi haben auf einen kreisrunden Baukörper gesetzt, der sich über drei Ebenen zieht – einem Erd- einem Zwischen- und einem Obergeschoss. Damit wolle man die Verbindung zwischen Besuchern des Pavillons und den Mitarbeitern von Novartis stärken.

Die organischen Solarmodule des Herstellers Asca aus dem fränkischen Kitzingen liefern dabei für die Medienfassade die Energie. Der Vorteil ist – neben der Semitransparenz –, dass sie in verschiedenen Formen hergestellt werden können, biegsam und vor allem sehr lichtempfindlich sind. Dadurch liefern sie auch Strom, wenn sie nicht ideal zur Sonnen ausgerichtet sind. Dadurch passen sie perfekt nicht nur in die kreisrunde Fassade des Novartis Pavillons. Sie können auch in der Dämmerung noch genügend Energie liefern, um die Medienfassade zu betreiben. Die Energie reicht auch aus, die Fassade bis zu zwei Stunden lang nach Sonnenuntergang mit Kunstanimationen zu illuminieren. Diese Animationen wurden von internationalen Künstlern Daniel Canogar, Esther Hunziker und Semiconductor erstellt und laufen immer abwechselnd. Kuratiert wurden sie vom Haus der Elektronischen Künste (HEK) in Basel.

Quelle zu Novartis: photovoltaik.eu

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Dienstag, 17. Mai 2022

Solarwirtschaft investiert in Nachwuchs


An der Generalversammlung das Fachverbandes Swissolar in Aarau haben sich am Dienstag die Mitglieder klar für eine aktive Nachwuchsförderung und eine weitere Professionalisierung der Branche ausgesprochen. Eine deutliche Mehrheit stimmte zudem für die dafür notwendige Erhöhung der Mitgliederbeträge. Denn in der Branche herrscht Einigkeit: Um bis 2050 das Netto-Null-Ziel zu erreichen, muss in der Schweiz rund 12-mal mehr Solarstrom als heute produziert werden und die Potenziale der Solarwärme müssen optimal genutzt werden. Neu in den Vorstand gewählt wurden Thomas Bachmann (Solarville/CKW) und Lars Kunath (Suissetec).

Die Nachfrage nach Photovoltaik bleibt in der Schweiz ungebremst hoch: In den letzten zwei Jahren betrug das Wachstum jeweils 30%. Der Zuwachs ist also exponentiell. Swissolar rechnet für das Jahr 2022 mit einem Leistungszubau von 750 Megawatt (MW). Für Dekarbonisierung von Gebäuden und Verkehr und den Ersatz von AKW muss dieser Zubau innert der nächsten Jahre verdreifacht werden. Für die Erreichung dieses Ziel hat Swissolar Anfang des Jahres das 11-Punkte-Programm der Schweizer Solarwirtschaft vorgestellt. Folgende Massnahmen wurden an der Generalversammlung in Aarau als besonders dringend diskutiert.

1.     Anreize für Volldachanlagen, Solarpflicht bei Dachsanierungen und Neubauten: Derzeit werden viele Dachflächen auf Eigenverbrauch optimiert, also nicht voll bedeckt. Zu oft werden zudem bei Dachsanierungen Ziegel durch Ziegel ersetzt, obwohl dies der am besten geeignete Moment für den Ersatz durch ein Solardach wäre. Das Problem: So gehen wertvolle Flächen für Jahrzehnte verloren. Swissolar fordert zur Behebung dieses Problems eine schweizweit einheitliche Minimalgrenze bei der Abnahmevergütung sowie eine grundsätzliche Solarpflicht bei Neubauten und Sanierungen. Ausserdem sollen lokale Energiegemeinschaften ermöglicht werden, um den Stromverbrauch vor Ort zu fördern. Auch die Branche tut ihren Teil: Um Solarofferten vergleichbarer zu machen, hat Swissolar neu eine Standart-Offertstruktur (SOQ) erarbeitet. Und mit ElektroForm solar bietet Swissolar seinen Mitgliedern neu ein Tool zur Reduzierung administrativer Aufwände.

2.     Aufbau einer Solarlehre und Ausbau der Weiterbildungen im Solarbereich: Derzeit umfasst die Schweizer Solarwirtschaft ca. 7‘500 Vollzeitstellen in der Schweiz. Bis 2050 muss deren Anzahl verdreifacht werden. Schon jetzt sind die Arbeitskräfte in der Branche knapp. Swissolar erarbeitet deshalb derzeit in Kooperation mit dem Verein Polybau eine Solar-Berufslehre. Sie soll 2024 starten. Schulstandorte sollen Uzwil (SG) und Les Paccots (FR) sein. Ausserdem wird das Weiterbildungs- und Umschulungsangebot erneuert und erweitert. Das Ziel: Den Zugang für Quereinsteiger:innen erleichtern. 

3.     Die Rolle der Solarenergie in der künftigen Wärmeversorgung: Zur Deckung des Schweizer Wärmebedarfs wird derzeit 50 Prozent des gesamten Energieverbrauchs benötigt. 60 Prozent dieser Energie wird derzeit noch aus fossilen Quellen gedeckt, bis ins Jahr 2050 soll die Wärme komplett aus erneuerbaren Quellen stammen. Die Nachfrage nach Solarthermie bei Gebäuden ist in den letzten Jahren stetig gesunken. Hauptgrund dafür ist, dass die Kombination von Photovoltaik und Wärmepumpe oft wirtschaftlicher ist. Es drängt sich deshalb die Frage auf, welche Rolle die Solarthermie in der Schweiz spielen soll. Insbesondere in der Kombination mit Wärmeverbünden sowie in der Industrie ist das Potenzial weiterhin gross. Ein Workshop im Anschluss an die Generalversammlung beschäftigte sich deshalb mit Fragen zur solaren Wärmeversorgung. 

Fazit: Ein starker Verband für die zweite Säule der Schweizer Stromversorgung: Das deutliche Ja zur Erhöhung Mitgliederbeiträge zeigt, dass Swissolar in der Schweizer Solarbranche grosses Vertrauen geniesst. Die Notwendigkeit zur weiteren Professionalisierung und Nachwuchsförderung wird von der Schweizer Solarbranche als wichtig eingeschätzt und die politische Arbeit des Verbandes erfährt eine hohe  Wertschätzung. Swissolar ist zuversichtlich, dass die laufende Umsetzung des 11-Punkte-Programms der Schweizer Solarwirtschaft der Photovoltaik den Weg ebnet zur zweiten Säule der Schweizer Stromversorgung neben der Wasserkraft zu werden. Für die Solarthermie erarbeitet der Fachverband gemeinsam mit Partnern aus der Branche eine Roadmap. Sie soll 2023 vorgestellt werden.  

Mehr Informationen zur Generalversammlung

Swissolar-Jahresbericht 2021

11-Punkte-Programm der Schweizer Solarwirtschaft

Programm des Workshops «Solarenergie in der Wärmeversorgung»
 

Auskünfte 

David Stickelberger, Geschäftsleiter Swissolar, stickelberger@swissolar.ch, +41 79 323 18 68 
Jürg Grossen, Präsident Swissolar, juerg.grossen@parl.ch, +41 79 444 94 65

Über Swissolar 

Swissolar ist der Schweizerische Fachverband für Sonnenenergie. Er vertritt die Interessen von rund 830 Verbandsmitgliedern mit rund 7000 Arbeitsplätzen in der Öffentlichkeit, der Politik und gegenüber den regulierenden Behörden.

Die Sonne liefert der Schweiz jährlich 200-mal mehr Energie als wir brauchen. Swissolar setzt sich für die Energiewende hin zu einer Energieversorgung ohne den Einsatz fossiler oder nuklearer Energieträger ein. Wärme und Strom von der Sonne nehmen dabei eine zentrale Stellung ein.

Quelle:  www.swissolar.ch

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Montag, 16. Mai 2022

Ältere MFH fit für emissionsarme Zukunft

Erfahren Sie, wie Sie als Eigentümerin oder Miteigentümer auf ein nachhaltiges, effizientes Wärmepumpensystem mit regenerierten Erdwärmesonden und eigener Solaranlage umsteigen – ohne, dass die Mieterinnen und Mieter ihre Wohnungen verlassen müssen.

Energetische Sanierung trotz bewohnten Wohnungen
: Das in den 70er-Jahren erstellte Doppel-Mehrfamilienhaus (MFH) in Meilen  (Kt. ZH) entspricht einem in der Schweiz weit verbreiteten Gebäudetypus. Da sie aus energetischer Sicht nicht mehr zeitgemäss war, wurde die Liegenschaft «Ländisch» 2016 saniert. Das Projekt geht mit gutem Beispiel voran und zeigt, dass energetische Sanierungen auch im bewohnten Zustand durchgeführt werden können. Dies war eine Anforderung der Eigentümerschaft, denn sie legte grossen Wert darauf, dass die Mieterinnen und Mieter während der Umbauarbeiten in ihren Wohnungen bleiben konnten. So kam eine Bodenheizung nicht in Frage, denn für deren Einbau hätten die Wohnungen geräumt werden müssen. Da die 17 Wohneinheiten ursprünglich rein elektrisch geheizt wurden, war im Gebäude keine hydraulische Wärmeverteilung vorhanden. Die Leitungen wurden unter der neuen Dämmebene an der Fassade angebracht, um so die Wärme von der Heizungszentrale zu den neuen Radiatoren in den Wohnungen zu leiten.
 
Senkung des Strombedarfs um 93 Prozent: Zusätzlich zu den energetischen Massnahmen an der Gebäudehülle wurde die Elektroheizung durch eine Wärmepumpe ersetzt. So kann der jährliche Strombedarf für die Wärmebereitstellung von 199 MWh auf 43 MWh reduziert werden. Insgesamt wird der Strombedarf fürs Heizen und für Warmwasser um stolze 93% gesenkt. 60 Prozent des auf dem Dach produzierten Stroms wird direkt für den Betrieb der Wärmepumpe verwendet oder von der Mieterschaft genutzt. Mehr dazu unter Wärmepumpen. Lokale Energie schlau kombiniert: Das neue Gebäudeenergiesystem nutzt erneuerbare Energien und verursacht im Betrieb keine CO2-Emissionen. Die wichtigsten Komponenten des Systems sind
  • eine Wärmepumpe für Heizen und Warmwasser,
  • drei saisonal regenerierte Erdwärmesonden (Regenerationsgrad: rund 60 %),
  • eine Solaranlage mit Hybridkollektoren zur Produktion von Strom und Wärme.

Saisonale Regeneration - So nutzt das Doppelmehrfamilienhaus Wärme vom Sommer im Winter: Je höher die Temperaturen sind, die der Wärmepumpe zur Verfügung gestellt werden, desto effizienter kann sie arbeiten. Wenn man dem Erdreich nicht nur Wärme entzieht, sondern in den Sommermonaten auch wieder zuführt, spricht man von saisonaler Regeneration. Dadurch stellt man eine gleichbleibende Systemeffizienz sicher – selbst bei einem jahrzehntelangen Betrieb der Anlage. Besonders in Siedlungen, wo mehrere Sonden dicht nebeneinander gebaut werden, ist die eine Regeneration des Erdreichs sehr wichtig. Da in diesem Fall keine Wärme von der Seite zufliessen kann, kühlt das Erdreich über die Jahre immer weiter aus, bis die Funktion der Anlage nicht mehr gewährleistet werden kann. Es gibt zwei Möglichkeiten, das Sondenfluid auf eine sinnvolle Art zu erwärmen: Solarkollektoren oder Verwendung der Wärmepumpenanlage als Klimaanlage. Im Fall des Doppelmehrfamilienhauses Ländisch wird Wärme von den Solarkollektoren abtransportiert und ein Regenerationsgrad von über 60% erzielt. Der Bericht, der im Auftrag von EnergieSchweiz erstellt wurde, zeigt, dass bei Kleinanlagen von unter 100kW ein Regenerationsgrad von 50 bis 70% ausreicht.

Drei Gewinner: Mietende, Umwelt, Vermietende: Zwar mussten während der Sanierungsarbeiten Lärmemissionen und andere Unannehmlichkeiten in Kauf genommen werden. Die Mieterschaft begrüsste es jedoch sehr, dass die Sanierung durchgeführt werden konnte, ohne dass die Wohnungen geräumt werden mussten. Selbst mit moderaten Mietzinserhöhungen – in diesem Beispiel 3,8 % – lassen sich für Eigentümerschaften attraktive Renditen erzielen. Im untersuchten Fall liegt die Nettorendite des für das Energiesystem investierten Kapitals in einem für Immobilien durchschnittlichen Bereich und die lineare Amortisationsdauer bei 14 Jahren. Auf die Frage, ob Mieterinnen und Mieter aufgrund der Sanierungsarbeiten gekündigt hätten, antwortet Rudolf Pfenninger, Vertreter der Bauherrschaft und Miteigentümer: «Nein. Im Gegenteil: Es ist sogar eine Familie neu eingezogen, obwohl sie wusste, dass im ersten Halbjahr saniert würde. Sie sagte, das mache ihr nichts aus». Für ihn steht fest, dass die energetische Sanierung und das neue Energiesystem ein Erfolg sind und einen Beitrag zum Klimaschutz leisten. «Dass das Konzept absolut richtig ist, davon bin ich nach wie vor überzeugt. Mit dieser Energiesanierung entstand eine Win-Win-Situation: Die Mieterinnen und Mieter freuen sich über die Komfortsteigerung und die Eigentümerschaft kann die Investition innert nützlicher Frist amortisieren.»

Beratung für den Heizungsersatz: Eine neue Heizung ist eine grössere Investition, die sich lohnt, die jedoch sorgfältig geplant sein will. Eine technologieneutrale Beratung hilft Ihnen dabei, aus den Varianten jenes Heizsystems zu wählen, welches das Gebäude am effizientesten und am wirtschaftlichsten mit Wärme aus erneuerbaren Energiequellen versorgt. Nutzen Sie das Angebot und erhalten Sie alle Informationen unter Erneuerbar Heizen.

Dieser Artikel wurde auf der Website von EnergieSchweiz veröffentlicht. Lesen Sie weitere Stories von EnergieSchweiz.

Bilder: EnergieSchweiz

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