Diese globale Ungerechtigkeit wurde soeben
durch die Gletscher-Katastrophe im Himalaya auf tragische Weise
bestätigt. Nepal mit bisher über 1.000 Toten, 4.000 Vermissten und
tausenden Verletzten ist eines der ärmsten Länder der Welt, wurde aber
durch die vom Klimawandel herbeigeführte Gletscherschmelze brutal
betroffen und beschädigt. Diese globale Ungerechtigkeit ist auf Dauer
unhaltbar.
Die Sturzflut im Himalaya war keine
„normale“ Katastrophe, sondern die Folge der veränderten Natur. Diese
Veränderung haben die großen und reichen Industriestaaten, auch
Deutschland, verursacht. Aber zu diesen Verursachern gehören auch China,
Indien und die USA als die drei größten Emittenten von Treibhausgasen.
Von ihnen fordert Nepal jetzt Schadenersatz. Das ist eine mutige, zeitgemäße und gerechte Forderung eines kleinen Landes gegenüber den „Großen“ – Endlich!
Ein „Himalaya-Tsunami“: Der nepalesische Außenminister Shisir
Khanal nannte die Katastrophe in seinem Land einen „Himalaya-Tsunami“.
Er ist in der Menschheitsgeschichte beispiellos. Die Forderung ist nur
folgerichtig. Es ist folgerichtig, dass das arme Nepal die reicheren und
größeren Länder zur Kasse bittet. Wer verursacht, muss auch zahlen. Das
ist ein Grundsatz der Marktwirtschaft.
Der Außenminister: „Wenn unsere Gletscher
im Himalaya verschwinden, wird die Wassersicherheit von über zwei
Milliarden Menschen in Südasien beeinträchtigt.“ Die Gletscher sind
natürliche Wasserspeicher, deren Schmelzwasser die zehn größten Flüsse
Asiens wir Indus, Ganges und Brahmaputra speisen.
Die Süddeutsche Zeitung schreibt dazu:
„Nepals Ankündigung, andere Staaten in Regress nehmen zu wollen, ist
kein hilfloser Akt im Angesicht der Katastrophe – im Gegenteil. Der
Internationale Gerichtshof (IGH) in Den Haag hat im Juli vergangenen
Jahres in einem bemerkenswerten Rechtsgutachten genau diesen Weg
vorgezeichnet.“
Die Rechtsanwältin Roda Verheyen,
erfahrene Klima-Juristin gegenüber der Süddeutschen Zeitung: „Nepal
könnte vor dem IGH gegen Staaten vorgehen, die sich seiner Jurisdiktion
unterworfen haben.“ Die Liste umfasst immerhin 75 Staaten. Die USA und
China gehören nicht dazu, aber immerhin Deutschland, Japan, Indien,
Pakistan, Italien, Spanien, Frankreich und Großbritannien.
Der IGH stellte 2025 fest, dass seine
Mitglieder aus internationalen Verträgen wie dem Pariser Klimaabkommen
„rechtlich bindende Sorgfaltspflichten“ haben, Ihre Emissionen zu
reduzieren. Dies fordere auch das „Völkergewohnheitsrecht“. Das
unterstützt auch die Schadenersatzklage Nepals ganz eindeutig.
Der Widerstand der kleinen Länder wie
Nepal gegenüber den Verursachern des Klimawandels ist auch eine Hoffnung
im weltweiten Kampf um mehr Klimaschutz. Die Süddeutsche: „Hut ab vor
diesem Mut“- (SZ 1. September 2026).