Mittwoch, 5. Mai 2021

Int. Designpreis für Schweizer Solarsystem

Der Solarhersteller Megasol entwickelte ein neues Solardach, das nahtlos in Ziegel- und Schindeleindeckungen integriert werden kann. Das Schweizer Unternehmen aus Deitingen (SO) wurde dafür mit dem Red Dot Design Award ausgezeichnet.

Das Solardach „Match“ von Megasol bringt eine grosse Neuerung mit sich: Es lässt sich in die bestehende Dacheindeckung – sei es Ziegel oder Schindel – integrieren. Damit ändert sich beim Bau einer Solaranlage die gewohnte Optik des eigenen Hauses nicht. „Mit Match entsteht eine wunderschöne, homogene Fläche.“, lässt sich Jürg Beyeler, Dachdecker und Inhaber von W. Beyeler und Söhne AG, zitieren. Weiter sagt er: „Man kann die Flächen optimal nutzen, da man die Anschlüsse mit Tonziegeln machen kann.“ Das neue System ist in zwei verschiedenen Varianten verfügbar: Match Tile passt zu klassischen Ziegeln, während das Modell Match Slate für Schindeldacheindeckungen gestaltet ist.

Für dieses neuartige Solarsystem wurde Megasol nun mit dem Red Dot Design Award ausgezeichnet. Bei dem Red Dot handelt es sich um einen der renommiertesten internationalen Designwettbewerbe mit mehr als 18‘000 jährliche Einreichungen von Designern und Unternehmen aus über 70 Ländern. Ausgewählt wird herausragendes Design durch kompetente Expertenjurys in den Bereichen Produktdesign, Kommunikationsdesign und Designkonzepte.

Neue, komplett blendfreie Oberfläche: Zusätzlich ermöglicht Megasol ein neues Design, das sich von den bisher gängigen Modellen durch eine reflektionslose Oberfläche unterscheidet. Die neue Oberfläche, genannt „ZeroReflect“, ist im Design-Labor der Firma entstanden und verfügt über Optik und Haptik von Naturstein. Damit fügen sich diese Solarmodule noch besser in das Gesamtbild des Daches ein als Solarmodule mit klassischem Design.

Durch das neue Design kann Blendung durch Solarmodule vollständig vermieden werden. „Blendung ist kein grundsätzliches Problem bei Solaranlagen“, erklärt Megasol CEO Markus Gisler, “in gewissen Fällen kann es aber ein Diskussionspunkt sein. Deshalb greifen wir dem Thema vor, in dem wir bei potentiell heiklen Einbausituationen mit ZeroReflect eine Lösung anbieten.“ Dies mit der Überlegung, dass Vorsicht besser ist als Nachtsicht. Die Mehrkosten seien im Verhältnis zu späteren möglichen gerichtlichen Verfahren, aufwendigen Blendgutachten oder gar Austausch der Solarmodule sehr gering. Mit der blendfreien Oberfläche lassen sich Verkehrsteilnehmer wie Autofahrer, Busfahrer oder Pilote vor Reflektionen schützen, ohne dass es je zu Diskussionen komme. Genau so würden auch potentielle nachbarschaftliche Konflikte vermieden.

Design im Namen der Energiewende: Der Schweizer Solarhersteller Megasol hat seinen Sitz im Kanton Solothurn und ist der europaweit führende Hersteller von Solarmodulen und Montagesystemen. Zur Unternehmensphilosophie gehört gemäss eigenen Angaben ein verantwortungsvoller Umgang mit Energie, um mit klimaneutralem Strom eine grüne Zukunft zu gestalten. Die neue Erfindung steht laut Lead Designer Fabio Klee-Stancheris ganz im Geiste des Unternehmens: „Wir wollen Gutes erschaffen. Insbesondere hochwertiges Design hilft dabei, dass Solarstrom künftig noch mehr Nutzern zugänglich wird.“ Mit den reflektionsfreien Oberflächen im edlen Design gibt das Unternehmen mehr Kunden den Ansporn, auf Solarstrom umzusteigen, ohne sich Sorgen um veränderte Optik oder unwahrscheinliche Blendungen machen zu müssen.

Quelle:  Megasol Energie AG, CH-4543 Deitingen
+41 62 919 90 90 www.megasol.ch

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Dienstag, 4. Mai 2021

Statistik CH-Wasserkraft

Am 1. Januar 2021 waren in der Schweiz 677 Wasserkraft-Zentralen mit einer Leistung grösser 300 kW in Betrieb (1.1.2020: 674 Anlagen). Die maximale mögliche Leistung ab Generator hat gegenüber dem Vorjahr um 22 MW zugenommen. Die Zunahme erfolgte aufgrund mehrerer neu in Betrieb gesetzten Kraftwerken und Erneuerungen.

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Die erwartete Energieproduktion der in der Statistik der Wasserkraft geführten Kraftwerke ≥ 300 kW stieg gegenüber dem Vorjahr um rund 174 GWh/Jahr auf rund 36'741 GWh/Jahr (Vorjahr: 36'567 GWh/Jahr). Davon sind 61.5 GWh/Jahr auf 2020 neu in Betrieb gegangene Zentralen zurückzuführen. Die restliche Zunahme resultiert aus der Aktualisierung von mehrjährigen Mittelwerten, insbesondere von Kraftwerken mit stark vergletschertem Einzugsgebiet. Die erwartete Energieproduktion beträgt 21'427 GWh/Jahr für das Sommerhalbjahr und 15'315 GWh/Jahr für das Winterhalbjahr. Die Kantone mit der grössten Produktionserwartung sind das Wallis mit 9‘862 GWh/Jahr (26,8%), Graubünden mit 7'993 GWh/Jahr (21,7%), Tessin mit 3'566 GWh/Jahr (9,7%) und Bern 3'336 GWh/Jahr (9,1%).

Im Jahr 2020 standen 20 Zentralen mit einer geplanten Jahresproduktion von 215 GWh im Bau: Gemäss dem geltenden Energiegesetz soll die durchschnittliche jährliche Wasserkraftproduktion bis 2035 auf 37‘400 GWh ansteigen (Richtwert). Die Entwicklung wird im Rahmen des «Monitoring Energiestrategie 2050» beobachtet. Das Monitoring stützt sich auf die vorliegende Statistik der Wasserkraft. Für das Monitoring wird jedoch von der erwarteten Energieproduktion gemäss Statistik der wirkungsgradbereinigte Verbrauch der Zubringerpumpen abgezogen und danach die effektive Produktion der kleineren Wasserkraftwerke < 300 kW addiert (die effektive Produktion der Wasserkraftwerke < 300 kW nahm 2020 um 1 GWh/Jahr zu). Für das Monitoring ergibt sich damit für 2020 eine durchschnittliche inländische Produktion von 36'274 GWh/Jahr (+137 GWh/Jahr gegenüber dem Vorjahr). 

Storymap «Die bedeutendsten Wasserkraftanlagen der Schweiz»: Mit Wasserkraft wurden 2020 rund 58% des inländischen Stroms erzeugt. Mit der Storymap des BFE wird die Statistik der Wasserkraft auf spielerische Art zugänglich gemacht. Sie visualisiert die Wasserkraftanlagen mit einer Leistung grösser als 300 kW gemäss ihrer Bedeutung für die Stromproduktion und zeigt, wo sie sich befinden und durch welche Zuflüsse sie gespeist werden.

Storymap «Wasserkraft: die speicherbare Energie» (siehe Bild oben): Die Bedeutung der Energiespeicherung für die Versorgungssicherheit nimmt zu. Wasserkraftwerke spielen dabei eine wesentliche Rolle für die Schweiz. Die Storymap des BFE zur speicherbaren Wasserkraft veranschaulicht, welche Anlagen in der Schweiz wie stark zur Speicherung beitragen und wie der jeweilige Speicheranteil im Verhältnis zur Gesamtproduktion aussieht.


Adresse für Rückfragen

Mediendienst BFE, 058 460 81 52


Herausgeber: Bundesamt für Energie: http://www.bfe.admin.ch

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Montag, 3. Mai 2021

Neue Wettbewerbsrunde für das Stromsparen

In diesem Jahr werden zum zwölften Mal Wettbewerbliche Ausschreibungen zum Stromsparen im Industrie- und Dienstleistungsbereich und in den Haushalten durchgeführt. Die Resultate einer ersten Ausschreibung 2021 für Projekte liegen vor: 26 Projekte erhalten insgesamt 5.4 Millionen Franken an Förderbeiträgen, um möglichst kostengünstig und nachhaltig Strom zu sparen. Anträge für die dritte Projektrunde 2021 können noch bis am 3. September 2021 eingereicht werden.

Für die erste Wettbewerbliche Ausschreibung für Projekte 2021 sind bei der Geschäftsstelle ProKilowatt insgesamt 37 Projektangebote eingegangen. Von den zulässigen Projekten erhielten diejenigen mit dem besten Kosten-Nutzen-Verhältnis, das heisst mit der billigsten eingesparten Kilowattstunde, den Zuschlag. Die Fördersumme der ersten Runde beträgt 5.4 Millionen Franken für insgesamt 26 Projekte. Damit können im Vergleich zur ersten Eingaberunde des Vorjahres mehr als doppelt so viele Projekte gefördert werden. Das thematische Spektrum reicht von der energetischen Sanierung einer Beleuchtungsanlage in einem Eisstadion, über das Optimieren einer Kälteanlage in einem Spital bis hin zu Effizienzsteigerungen von elektrischen Antrieben von Pumpen in einem Betrieb der chemischen Industrie.

Einmalige Erhöhung der verfügbaren Fördermittel für Projekte im Jahr 2021: Damit in den Unternehmen trotz Covid19-Pandemie weiterhin Stromsparmassnahmen umgesetzt werden, stehen 2021 für Projekte mehr Fördermittel zur Verfügung als in den vergangenen Jahren. Diese Massnahme gilt einmalig für die drei Projekteingaberunden 2021. Ausserdem kommt in den drei Eingaberunden 2021 für Projekte ein abgemildertes wettbewerbliches Auswahlverfahren zur Anwendung. Dadurch erhöhen sich die Chancen, einen Förderbeitrag für ein eingereichtes Projekt zu erhalten.

Im Ausschreibungsjahr 2021 werden drei Projekteingaberunden durchgeführt. Die Eingabefrist für die zweite Projektrunde endete am 23. April 2021. Anträge für die dritte Projektrunde können noch bis am 3. September 2021 eingereicht werden. Für die Abwicklung ist die Firma CimArk SA in Sion im Auftrag des Bundesamts für Energie verantwortlich.


Adresse für Rückfragen

ProKilowatt, Geschäftsstelle für Wettbewerbliche Ausschreibungen, c/o CimArk SA, 1950 Sion, 058 332 21 42
Simone Hegner, Fachspezialistin BFE Wettbewerbliche Ausschreibungen, 058 460 53 24
Medienstelle BFE, Tel. 058 460 81 52


Quelle: http://www.bfe.admin.ch

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Donnerstag, 29. April 2021

Agri-PV - (nur) in Deutschland am Abheben

Der Deutsche Bauernverband (DBV) und das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE fordern vor dem Hintergrund der aktuellen Diskussion um eine weitere EEG-Novelle in einem gemeinsamen Positionspapier, Agri-Photovoltaik – kurz Agri-PV – im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) nicht auf Ackerflächen zu begrenzen. DBV und Fraunhofer ISE begrüßen zwar grundsätzlich die Einbindung der Agri-Photovoltaik-(PV) als »besondere Solaranlage« in das EEG, sehen aber an verschieden Punkten Nachbesserungsbedarf.


»Die Integration der Agri-PV in die EEG-Sonderausschreibungen ist ein Schritt in die richtige Richtung«, sagt Prof. Dr. Andreas Bett, Leiter des Fraunhofer ISE. »Erforderlich sind jedoch zielgerichtete gemeinsame Anstrengungen, um aus der Nische in den Markt treten zu können. Andere Länder sind uns hier schon deutlich voraus.«

Der Stellvertretende Generalsekretär des DBV, Udo Hemmerling, ergänzt: »Da herkömmliche Freiflächenanlagen mit erheblichen Eingriffen in Agrarstruktur und Umwelt verbunden sind, brauchen wir Lösungen wie die Agri-PV, die in bestehende Strukturen integriert werden kann und keine zusätzlichen Flächen verbraucht. Insbesondere für die Anwendung im Obstbau und bei Sonder- und Dauerkulturen sehen wir großes Potenzial für eine Doppelnutzung.«

DBV und Fraunhofer ISE sprechen sich außerdem dafür aus, die Synergien der Technologie voll auszuschöpfen. »So sehr uns die Solarenergie auch am Herzen liegt: Wenn die Photovoltaik in die landwirtschaftliche Produktion integriert werden soll, hat sie sich dieser unterzuordnen. Sie kann ihr sogar dienen, indem sie die Resilienz der Kulturen stärkt«, stellt Andreas Bett klar. Dazu Udo Hemmerling: »Nur wenn die landwirtschaftliche Bewirtschaftung ohne nennenswerte Einschränkungen möglich bleibt, kommen die Vorteile der Agri-Photovoltaik wirklich zum Tragen.«

Zur Vollendung der Energiewende muss die heute installierte PV-Leistung vervielfacht werden, bei entsprechend hohem Bedarf an zusätzlichen Aufstellungsflächen. Die Agri-Photovoltaik verknüpft die Solarstromproduktion mit der Erzeugung landwirtschaftlicher Produkte auf ein und derselben Fläche und ermöglicht eine Doppelernte. Für das Segment im EEG wird die Bundesnetzagentur bis Oktober 2021 konkrete Anforderungen vorlegen. Wertvolle Erkenntnisse liefert das Projekt APV-RESOLA unter Federführung des Fraunhofer ISE. 

Quelle:  Fraunhofer ISE

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Mittwoch, 28. April 2021

Was, wenn wir einfach die Welt retten / handeln?

Handeln in der Klimakrise. Wir sind in einem Thriller. Sie und ich. Nicht als Leser und Autor. Als Akteure. Eine Verlagsrezension des Buchs von Autor Frank Schätzing.

Besagter Thriller schreibt sich seit Menschengedenken fort und wechselt dabei immer wieder den Titel. Aktuell heißt er Klimakrise. Pandemie. Digitalisierung. Terror. In der Vergangenheit hieß er Kalter Krieg, Wettrüsten, davor Zweiter Weltkrieg, Erster Weltkrieg. Doch nie waren wir so vielen potenziellen Schrecknissen gleichzeitig ausgesetzt wie heute. Falls Sie also dem Klimaschutz vorübergehend Ihre Aufmerksamkeit entzogen haben, um mit einer Pandemie zurechtzukommen, ist das schlichtweg menschlich. Was nichts daran ändert, dass der Klimawandel die wohl größte existenzielle Bedrohung unserer Geschichte darstellt, und ebenso wenig wie ein Virus lässt er mit sich reden. Zeit, zurück ins Handeln zu finden.

Die gute Nachricht ist: Wir können die Herausforderung meistern. Mit Wissen, Willenskraft, positivem Denken, Kreativität, der Liebe zum Leben auf unserem Planeten und ein bisschen persönlichem Heldentum, wie man es im Thriller braucht. Ab jetzt spielen wir alle – jeder von uns, auch Sie – eine Hauptrolle!

© Kiepenheuer&Witsch

Wissenschaftlich fundiert, spannend und nie ohne Humor entwirft Frank Schätzing verschiedene Szenarien unserer Zukunft, in denen wir mal versagt, mal obsiegt haben. Wir lernen die Protagonisten und Antagonisten kennen, Verantwortliche aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, begegnen Aktivisten, Leugnern und Verschwörungstheoretikern, bevor sich der Blick auf das überwältigende Panorama des Machbaren öffnet und der Autor Wege aufzeigt, wie wir der Klimafalle entkommen und alles doch noch gut, nein, besser werden kann. Die Welt zu retten ist möglich – wenn wir nur wollen. „Was, wenn wir einfach die Welt retten?“ ist ein Plädoyer für Mut und Zuversicht. Wir können die Herausforderung meistern, wenn wir nur wollen: mit Wissen, Willenskraft, positivem Denken, Kreativität, der Liebe zu unserem Planeten und ein bisschen per­sönlichem Heldentum, wie man es im Thriller braucht.

Quelle: Kiepenheuer&Witsch 2021

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Dienstag, 27. April 2021

PV-Tagung anfangs Juli

Die Schweizer PV-Branche ist von der Corona-Pandemie bisher wenig betroffen, sie spürt sogar Aufwind. Aber noch viel mehr wäre möglich und notwendig.

An der PV-Tagung 2021 von anfangs Juli steht die Frage im Zentrum,wie mit einem verstärkten Ausbau der Solarenergie die Klimakrise überwunden und gleichzeitig ein Beitrag zum wirtschaftlichen Aufschwung nach der Pandemie geleistet werden kann.

Mehr Informationen: www.pv-tagung.ch

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Montag, 26. April 2021

D: Klimaneutralität bereits bis 2045 möglich

Deutschland könnte seine für 2050 gesteckten Klimaziele wesentlich früher erreichen und schon bis 2045 treibhausgasneutral werden. Dies geht aus einer neuen Studie dreier Klimaschutzorganisationen hervor, die am Montag in Berlin veröffentlicht wurde. 

Am massiven Ausbau der Photovoltaik
führt auf dem Weg zur Klimaneutralität
nichts vorbei - Bild: Anlage von naturstrom

Das Gutachten mit dem Titel „Klimaneutrales Deutschland 2045“ zeigt, dass ein um fünf Jahre vorgezogenes Zieljahr knapp eine Milliarde Tonnen CO2-Emissionen einsparen würde. Dafür müssten Klimaschutztechnologien wie Energie-effizienz, erneuerbare Energien, Elektrifizierung und Wasserstoff noch schneller hochgefahren werden. Mit der Vorgängerstudie „Klimaneutrales Deutschland 2050“ hatten die drei Organisationen bereits gezeigt, wie das von der Bundesregierung beschlossene Ziel mit einem großen Investitions- und Modernisierungsprogramm erreicht werden kann.  

Rainer Baake, Direktor der Stiftung-Klimaneutralität: „Klimaneutralität ist ein Rennen gegen die Zeit. Inzwischen sind immer häufigere Extremwetterlagen von einer bedrohlichen Prognose zur bedrückenden Realität geworden. Der einschneidende Kurswechsel in den Vereinigten Staaten verdeutlicht die wachsende Dynamik bei der Klimaambition. Vor diesem Hintergrund liegt die Frage auf der Hand, ob auch wir in Deutschland beim Klimaschutz schneller werden können. Die Antwort ist ein klares ‚Ja‘. Was wir jetzt brauchen, ist der politische Wille, das auch umzusetzen.“  

Patrick Graichen, Direktor von Agora Energiewende: „Die globalen Leitmärkte in Nord-Amerika, Europa und Asien orientieren sich jetzt alle am Leitbild der Klimaneutralität. Wenn die deutsche Industrie der Technologielieferant für die Welt in Sachen Klimaneutralität sein will, muss sie der Entwicklung in anderen Ländern immer ein Stück voraus sein. Klimaneutralität 2045 bedeutet allein in Deutschland einen Markt für Erneuerbare Energien von etwa 30 Gigawatt pro Jahr, eine Sanierungsrate von 1,75 Prozent pro Jahr und einen schnellen Hochlauf der Wasserstoff-Technologie. Ja, das ist ambitioniert. Aber machbar. Und vor allem: Es ist gut für den Standort Deutschland und das Klima.“ Christian Hochfeld, Direktor von Agora Verkehrswende: „Mehr Tempo auf dem Weg zur Klimaneutralität bedeutet in diesem Szenario für den Verkehr vor allem mehr Tempo bei der Antriebswende. E-Pkw sowie Lkw mit batterieelektrischem, Oberleitungs- oder Brennstoffzellenantrieb müssten noch schneller auf den Markt kommen, um Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren bereits bis 2045 nahezu vollständig zu ersetzen. Das ist eine große Herausforderung, wenn der dafür nötige Strukturwandel ökonomisch und sozial gelingen soll. Und wie schon im Szenario für 2050 geht der technologische Wandel einher mit einem Wandel im Mobilitätsverständnis: mit weniger privaten Pkw und mehr öffentlichen und geteilten Verkehrsmitteln.“ Klimaschutztechnologien als ökonomische Erfolgsstrategie Ein Minderungsziel von 65 Prozent bis 2030 – wie es auch in der Vorgängerstudie Klimaneutrales Deutschland 2050 zu Grunde gelegt wurde – ist als Meilenstein auf dem Weg zur Klimaneutralität 2045 geeignet und kann die Voraussetzungen für eine beschleunigte Transformation nach 2030 schaffen. Insgesamt werden Klimaschutztechnologien, die sich bereits im Markt befinden oder bis 2030 im Markt angelaufen sind, in den Folgejahren schneller hochgefahren. Dabei wird davon ausgegangen, dass einmal getätigte Investitionen nicht vorzeitig abgeschrieben werden müssen. 

Verhaltensänderungen aufgrund eines steigenden Bewusstseins für die Dringlichkeit des Klimaproblems in der Bevölkerung sind zwar plausibel und wünschenswert, wurden jedoch ganz bewusst in dieser Analyse nicht unterstellt, um zu zeigen, welche Minderungen durch ökonomische-technische Strategien möglich sind. Die Studie zeigt deutlich, dass die Weichen heute richtig gestellt werden müssen, wenn der Übergang zur Klimaneutralität in allen Sektoren gelingen und sogar beschleunigt werden soll. Die drei Klimaschutzorganisationen appellieren gemeinsam an die Politik: „Wer den Strukturwandel erfolgreich gestalten will, der muss in der kommenden Legislaturperiode konsequent Kurs auf Klimaneutralität nehmen. Dann wird auch Klimaneutralität bis 2045 zu einer ökonomischen Erfolgsgeschichte und Deutschland könnte zum Leitmarkt und Leitanbieter für Klimaschutztechnologien werden. Die Bundestagswahl im Herbst wird damit zu einer entscheidenden Wegmarke für den Klimaschutz.“ 

Für die wichtigsten Wirtschaftssektoren bedeutet das Szenario im Einzelnen: In der Energiewirtschaft werden Erneuerbare Energien stärker und schneller ausgebaut. Der Strom-verbrauch wächst von 2030 bis 2045 um knapp 60 Prozent auf etwa 1.000 Terawattstunden – vor allem durch die weitere Elektrifizierung sowie die steigende inländische Herstellung von Wasserstoff. Der Fokus des Zubaus an Erneuerbaren Energien nach 2030 liegt weiter auf der Windenergie und der Photovoltaik. Wasserstoff gewinnt zunehmend an Bedeutung und löst nach 2040 Erdgas als wichtigsten Energieträger für die regelbare Stromerzeugung ab – in Zeiten, wo weder ausreichend Sonnen- noch Windenergie zur Verfügung stehen. Die im Jahr 2045 benötigte installierte Leistung von Photovoltaikanlagen beträgt 385 Gigawatt. Gegenüber dem Vergleichsjahr in der Studie Klimaneutrales Deutschland 2050 bedeutet dies eine Steigerung um 70 Gigawatt. Auch für die Windkraft sind nochmals höhere Ausbaukorridore notwendig. Für Windenergie an Land ist im Jahr 2045 eine Erzeugungskapazität von 145 Gigawatt erforderlich, und der Ausbau von Windenergie auf See auf 70 Gigawatt muss auf das Jahr 2045 vorgezogen werden. Gegenüber der Studie Klimaneutrales Deutschland 2050 bedeutet dies für das Jahr 2045 Erhöhungen der installierten Leistung von 17 Gigawatt an Land und 9 Gigawatt auf See. In der Industrie setzt sich der Trend hin zu Strom und Wasserstoff sowie teilweise Biomasse als Energieträger fort, sodass die Industrie bis zum Jahr 2040 weitestgehend klimaneutral ist. Auch die chemischen Rohstoffe (Feedstocks) werden schon ab 2030 sukzessive durch chemisches Recycling und synthetische, auf nicht-fossilem CO₂ beruhende Einsatzstoffe ersetzt. Im Gebäudebereich wird nach 2030 die Sanierungsaktivität beschleunigt. Die auf den Gesamtwoh-nungsbestand bezogene mittlere jährliche Sanierungsrate steigt im Zeitraum 2030 bis 2045 auf annähernd 1,75 Prozent. Diese liegt etwas höher als die 1,6 Prozent, die im Szenario „Klimaneutrales Deutschland 2050“ für den Zeitraum 2030 bis 2050 unterstellt wurden. Gleichzeitig werden die Markt-durchdringung von Wärmepumpen und der Ausbau der Fernwärme gegenüber dem Szenario „Klima-neutrales Deutschland 2050“ für den Zeitraum nach 2030 weiter beschleunigt. 

Im Verkehr betreffen die Veränderungen gegenüber dem 2050er-Szenario vor allem die Geschwindigkeit bei der Elektrifizierung. Bereits ab dem Jahr 2032 werden keine Pkw mit Verbrennungsmotor mehr zugelassen. Bis zum Jahr 2045 werden dann auch im Pkw-Bestand nahezu alle Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor durch E-Pkw ersetzt. Auch der Straßengüterverkehr wird bereits ab 2045 fast ausschließlich mit batterieelektrischen, Oberleitungs- und Brennstoffzellenfahrzeugen betrieben, ebenso wie Bus und Bahn. Insgesamt verbleibt die Personenverkehrsleistung dabei in etwa auf dem heutigen Niveau, die Güterverkehrsleistung steigt aufgrund des Wirtschaftswachstums weiter an.  

In der Landwirtschaft werden bis 2045 wesentliche Minderungen über den Umbau der Tierbestände und die Vergärung hoher Wirtschaftsdüngeranteile in Biogasanlagen erreicht. Die wichtigste Änderung gegenüber dem Szenario Klimaneutrales Deutschland 2050 liegt in der konsequenten Fortschreibung aktueller Trends hin zu einer steigenden Nachfrage nach pflanzlichen und synthetischen Ersatz-produkten für Fleisch und Milch. Diese steigt ab dem Jahr 2030 bis zum Jahr 2045 auf einen Anteil von 15 Prozent am gesamten Verbrauch. Für dieses Marktsegment lässt sich bereits heute eine dynamische Entwicklung beobachten (wenn auch auf niedrigem Niveau), sodass eine solche Steigerungsrate eher in der Mitte des Spektrums der zu erwartenden Entwicklungen liegt. Weitere Informationen Die Zusammenfassung mit Ergebnissen und Szenario-Annahmen steht auf den Websites der drei Klimaschutzorganisationen unter folgenden Links zum kostenfreien Download bereit: www.stiftung-klima.dewww.agora-energiewende.de und www.agora-verkehrswende.de. Die Studie „Klimaneutrales Deutschland 2045“ wurde im Auftrag der Stiftung Klimaneutralität, Agora Energiewende und Agora Verkehrswende von der Prognos AG, dem Öko-Institut und dem Wuppertal Institut erstellt. Die ausführliche Version der Studie mit Ergebnissen für alle Sektoren, Modellierungs-varianten und Methodenteil wird im Juni veröffentlicht.