Mittwoch, 27. Februar 2019

Gute PV-Aussichten in der Schweiz im 2019

Vereinfachungen für Zusammenschlüsse zum Eigenverbrauch und eine massvolle Absenkung der Förderbeiträge für Photovoltaik: Die vom Bundesrat beschlossenen Verordnungsänderungen werden zusammen mit den erhöhten Förderkontingenten den Zubau von Solaranlagen unterstützen. Der Fachverband Swissolar rechnet mit einem Marktzuwachs von 30 Prozent. Es besteht jedoch aus seiner Sicht weiterhin grosser Handlungsbedarf beim Abbau des bürokratischen Aufwands.
 
Auch für gute Aussichten besorgt:
Das sonnige Februarwetter!
Am Mittwoch hat der Bundesrat die Revision zweier Verordnungen beschlossen, die für den weiteren Ausbau der Photovoltaik in der Schweiz von grosser Bedeutung sind. Sie treten bereits am 1. April dieses Jahres in Kraft. Inakzeptabel ist aus Sicht des Fachverbands Swissolar dabei die äusserst kurze Vorlaufzeit, die es den Solaranbietern fast unmöglich macht, sich rechtzeitig auf die veränderten Rahmenbedingungen einzustellen. Inhaltlich sind die Anpassungen aus Sicht der Solarbranche mehrheitlich positiv zu bewerten:
  • In der Energieverordnung (EnV) gibt es Vereinfachungen bei der Bildung von Zusammenschlüssen zum Eigenverbrauch (ZEV). Parzellen können neu zusammengeschlossen werden, auch wenn dazwischen ein Verkehrsweg liegt. Leider wurde der Vorschlag von Swissolar nicht berücksichtigt, wonach ZEV das Verteilnetz des Netzbetreibers gegen Entgelt nutzen dürften. Die äusserst restriktiven Bestimmungen zum Schutz der Mieter innerhalb eines ZEV wurden leicht angepasst. Neu kann der Kostenvorteil des Solarstroms gegenüber dem vom Netz bezogenen Strom je hälftig zwischen Solaranlagenbetreibern und Mietern aufgeteilt werden, womit zusätzliche Anreize zum Bau von Anlagen insbesondere auf Mehrfamilienhäusern geschaffen werden.
  • Gemäss der Energieförderverordnung (EnFV) fallen die Kürzungen bei der Einmalvergütung für Photovoltaikanlagen weniger massiv aus als ursprünglich vorgeschlagen. Bei Anlagen unter 30 kW (ca. 200 Quadratmeter) liegen die leistungsbezogenen Beiträge 15 Prozent tiefer aus als bisher, bei den grösseren Anlagen wird auf eine Kürzung verzichtet. Damit wurde der Tatsache wenigstens teilweise Rechnung getragen, dass die Senkungen bei den Preisen für Solarmodule durch den steigenden bürokratischen Aufwand wieder wettgemacht werden. Sehr zu bedauern ist jedoch, dass keiner der Vorschläge von Swissolar für Anpassungen an weiteren Verordnungen (VPeA, NIV) mit dem Ziel, unnötige administrative Aufwände beim Bau und Betrieb solcher Anlagen zu reduzieren, übernommen wurde. Dieser Aufwand liegt heute bei einer Kleinanlage bei rund 15 Arbeitsstunden!
Positive Marktaussichten: Dank der im vergangenen November angekündigten Erhöhung der Förderkontingente für Photovoltaikanlagen durch das Bundesamt für Energie sinken die Wartezeiten bis zur Auszahlung der Einmalvergütung massiv. Bei Kleinanlagen erhält der Investor das Geld aktuell spätestens 1 ½ Jahre nach der Anmeldung, bei Grossanlagen ab 100 kW liegt die Wartezeit bei deutlich unter 3 Jahren. Zusammen mit den Verbesserungen bei den Zusammenschlüssen zum Eigenverbrauch und der massvoll ausgefallenen Kürzung der Förderbeiträge wird dies zu einem deutlichen und dringend notwendigen Schub im Photovoltaikmarkt führen. Swissolar erwartet für das laufende Jahr einen Zubau von 330-350 MW, etwa 30 Prozent mehr als im Vorjahr.

Link zur Swissolar-Vernehmlassungsantwort vom 17.10.2018: https://www.swissolar.ch/services/medien/news/detail/n-n/energieverordnungen-swissolar-verlangt-buerokratieabbau/

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Über Swissolar
Swissolar vertritt als Branchenverband die Interessen von 700 Verbandsmitgliedern mit rund 6‘000 Arbeitsplätzen der Schweizer Solarenergiebranche in der Öffentlichkeit, der Politik und gegenüber den regulierenden Behörden.

Die Sonne liefert der Schweiz jährlich 200-mal mehr Energie als wir brauchen. Swissolar setzt sich für die Energiewende hin zu einer Energieversorgung ohne den Einsatz fossiler oder nuklearer Energieträger ein. Wärme und Strom von der Sonne nehmen dabei eine zentrale Stellung ein. Im Jahr 2018 hat die Photovoltaik 3.5% des Netto Elektrizitätsverbrauchs der Schweiz gedeckt, Tendenz steigend.

Quelle:  www.swissolar.ch

Sonntag, 24. Februar 2019

Deutschland: Solarwärme wächst - zu langsam

Trotz reger Bautätigkeit und staatlicher Klimaziele wurden im Jahr 2018 zu wenig neue Solarwärmeanlagen installiert / In Deutschland erzeugen derzeit insgesamt rund 2,4 Millionen Anlagen Solarwärme, 71.000 kamen im letzten Jahr dazu

Die Zahl der Solarwärmeanlagen in Deutschland ist im vergangenen Jahr um rund 71.000 gewachsen. Im Jahr 2017 wurden noch 78.000 Solarthermieanlagen neu installiert. Gemessen an der Kollektorfläche beträgt der Marktrückgang ca. 8 Prozent. Insgesamt erzeugen hierzulande aktuell (Stand Ende 2018) etwa 2,4 Millionen Solarthermieanlagen Solarwärme (vgl. Pressegrafik). Das teilen der Bundesverband der Deutschen Heizungsindustrie (BDH) und der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW-Solar) mit. 

„Solarheizungen sind populär, weil sie sich mit nahezu allen anderen Heizsystemen kombinieren und unkompliziert nachrüsten lassen. Trotzdem wächst die Zahl der Solarwärmeanlagen nicht im gewünschten Maße“, konstatiert BSW-Hauptgeschäftsführer Carsten Körnig. „Bei zu vielen Neubauten und Heizungssanierungen bleibt die Kraft der Sonne ungenutzt. Staatliche Förderprogramme sind oft unbekannt und weisen Lücken auf.“ BSW und BDH fordern übereinstimmend eine Verbesserung der Anreize. Erneuerbare Energien und Energieeffizienz dürften zudem von der Politik nicht gegeneinander ausgespielt werden, so die übereinstimmende Forderung beider Bundesverbände. „Die Kombination von effizienter Heiztechnik und Solarthermie ist eine lohnende Investition. Gegenüber einer Altanlage lassen sich Energieeinsparungen von bis zu 40 Prozent realisieren. Dies macht sich nicht nur finanziell bemerkbar, sondern ist auch ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz“, sagt Andreas Lücke, Hauptgeschäftsführer des BDH.

Der staatliche Zuschuss für die solare Heizungsmodernisierung eines Eigenheims in Deutschland beträgt in der Regel 3.600 Euro, mindestens aber 2.000 Euro (Solarmedia: in der Schweiz fällt die Förderung der Solarthermie in die Kompetenz der Kantone). Sanierer, die sich für eine Solaranlage ausschließlich zur reinen Warmwasserbereitstellung entscheiden, erhalten jetzt mindestens 500, maximal 2.000 Euro. Gefördert wird ebenfalls die Erweiterung einer bereits existierenden „Sonnenheizung“ mit bis zu 2.000 Euro. Dazu muss das bisherige Heizsystem eine Kollektorfläche von vier bis höchstens 40 Quadratmeter haben und bereits zwei Jahre im Einsatz gewesen sein. Wird ein Haus nachgerüstet, welches mehr als drei Wohneinheiten beherbergt, so werden bis zu 100 Quadratmeter Kollektorfläche mit 200 Euro pro Quadratmeter durch die sogenannte Innovationsförderung begünstigt. Im Neubau werden Solarwärmeanlagen derzeit nicht staatlich gefördert.

Hintergrund: Solarwärmeanlagen nutzen Sonnenenergie, um warmes Brauchwasser und Raumwärme zu erzeugen. Im energetisch optimierten Neubau können Solarthermieanlagen über 50 Prozent des Wärmebedarfs liefern. Sie lassen sich mit beinahe jedem erdenklichen Wärmeerzeuger kombinieren, etwa mit einem Holzheizkessel, einer Wärmepumpe oder einem Gasbrennwertkessel. Wie der Umstieg auf Solarwärme auch während der Heizperiode gelingt, zeigt der neue Kurzfilm „Heizen mit Sonne und Erdgas“, der auf dem BSW-Youtubekanal veröffentlicht wurde: youtu.be/Xt2U9Cypnxc. Wichtig: Die Fördermittel aus dem Marktanreizprogramm müssen immer vor Beginn der Umbauarbeiten beantragt werden, zuständig ist das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA).

Quelle: Bundesverband Solarwirtschaft

Mittwoch, 20. Februar 2019

Es gibt sie schon - 100-%-Regionen weltweit

Das deutsche Bundesland Rheinland-Pfalz ist zum Beispiel weltweites Vorbild für eine Politik auf dem Weg hin zu 100% Erneuerbare Energien. Dokumentiert wird dies in dem neuen Bericht, beste Praxisbeispiele zu 100% Erneuerbare Energien, der Internationalen Erneuerbare Energien Agentur (IRENA) in Abu Dhabi. 

Als einziges deutsches Beispiel hat es Rheinland-Pfalz in diesen umfangreichen Bericht der bei der IRENA angesiedelten „Coalition of Action“ geschafft. Das bei der IRENA (International Renewable Energy Agency) angegliederte, stetig wachsende internationale Bündnis, zählt mittlerweile über 80 führende Erneuerbare Energien-Akteure als Mitglieder: Industrieverbände, Zivilgesellschaft, Forschungsinstitute und Nichtregierungsorganisationen. „In Rheinland-Pfalz ist das geschafft worden, was eigentlich in ganz Deutschland geschehen müsste: Wir haben einen verpflichtenden Fahrplan festgelegt für die vollständige Umstellung auf 100% erneuerbare Energien bis 2030. Wenn dies nun auch international Beachtung findet, können wir darauf zurecht stolz sein“ sagte Eveline Lemke, die während ihrer Zeit als Landesministerin für Wirtschaft, Klimaschutz und Energie maßgeblich dazu beitrug die Energiewende voranzubringen und das Landesklimaschutzgesetz 2014 auf den Weg brachte.

„Die im Papier dokumentierten Erfahrungen aus Rheinland-Pfalz zeigen zwei entscheidende Komponenten auf: erstens, mit einer von der Regierung unterstützten Bewegung kann sehr viel erreicht werden. Aber zweitens behindert der vor allem seit 2010 aus Berlin kommende heftige Gegenwind größere Erfolge und bremst die mit großem Engagement arbeitenden Akteure der Zivilgesellschaft. Dennoch ist Rheinland-Pfalz immer noch erfolgreich“, sagte Hans-Josef Fell, der ehemalige Grüne Bundestagsabgeordnete und jetzige Präsident der Energy Watch Group (EWG). Er war an der Erarbeitung des IRENA Dokumentes beteiligt.

Dass die Energiewende in Rheinland-Pfalz so erfolgreich voranschreitet, ist vor allem dem Zusammenspiel aus politischem Druck durch eine mittlerweile deutschlandweite, dezentrale aus der Zivilgesellschaft kommende Bewegung, die sich für den Klimaschutz stark macht und einer Landesregierung zu verdanken, die den politischen Willen hatte, klima- und umweltfreundliche Politik in die Tat umzusetzen.

Das IRENA-Dokument zeigt hervorragend auf: Es gibt sie, gute Beispiele, die es schon erreicht haben oder auf dem Wege zu 100% Erneuerbare Energien unterwegs sind, ganze Nationen wie Costa Rica oder Dänemark, Bundesstaaten wie Kalifornien, Süd-Australien oder eben Rheinland-Pfalz, Inseln wie Cook Island oder El Hiero. Die meisten regionalen oder kommunalen politischen Beschlüsse gibt es in USA, Schweden, Deutschland und Frankreich. Inzwischen haben über 50 Nationen einen Beschluss gefasst, ihre Energieversorgung komplett auf 100% Erneuerbare Energien umzustellen. Deutschland gehört nicht dazu.

Das IRENA-Papier verweist auch auf wissenschaftliche Studien, die belegen, dass eine weltweite Energieversorgung mit vollständiger Versorgungsicherheit möglich ist, unter anderem auf die Studie der EWG, die sie zusammen mit der Technischen Universität Lappeenrata, Finnland erstellt hat. Die Beschlüsse und Aktivitäten für 100% Erneuerbare Energien nehmen immer mehr Fahrt auf: Besonders bedeutsam sind die von US Bundesstaat Kalifornien und Bundesdistrikt Washington DC, die sogar die Umstellung auf 100% Erneuerbare Energien gesetzlich verpflichtend beschlossen haben. Washington gar bis 2032. Sie alle tun dies insbesondere aus Verantwortung für das Weltklima und sehen, dass dies keine ökonomische Belastung ist, sondern auch ökonomische Vernunft, da die Erneuerbaren Energien inzwischen die billigste Art der Energieerzeugung geworden sind.

Hier geht es zum IRENA-Bericht.

Quelle   Hans-Josef Fell 2019 | Präsident der Energy Watch Group (EWG) und Autor des EEG

Sonntag, 17. Februar 2019

Sonne und Wind statt Braunkohle / Atomstrom

Freitag für Freitag gehen seit Wochen weltweit Zehntausende junge Leute auf die Straße, um per „Schulstreik“ gegen die Klimaerhitzung zu protestieren – nach dem Vorbild der 16-jährigen behinderten Greta Thunberg in Schweden. Ein Kommentar des deutschen Energiepublizisten Franz Alt, der nicht nur für das nördliche Nachbarland gilt.

Der Greta-Effekt wird am 15. März 2019 Hunderttausende Schüler und Studenten auf der ganzen Welt auf die Straßen treiben – beim Welt-Demonstrationstag der Jugend. „Ein historischer Erfolg für die Bewahrung der Natur“: In Bayern haben soeben 1.7 Millionen Menschen die Petition „Rettet die Bienen“ unterschrieben. Die Aktion dürfte  der erfolgreichste deutsche Volksentscheid aller Zeiten werden - auch ein Votum für mehr Klimaschutz und gegen das Artensterben.

Nach dem Hitzesommer 2018 haben sich bei den Landtagswahlen in Bayern und Hessen die Stimmen für die Grünen verdoppelt und die alten Parteien haben dramatisch verloren. Doch was machen die Klima-Ignoranten der Groko in Berlin? Sie begreifen immer noch nichts. Das geplante Klimaschutz-Gesetz wurde jetzt von der Tagesordnung genommen, weil Union und SPD einen Koalitionskrach vermeiden wollten. Eine Ohrfeige für die Umweltministerin, die das Gesetz kommende Woche der Öffentlichkeit präsentieren wollte. 

Klimaerwärmung ist größte Sorge: Weltweit sagen die Menschen bei Umfragen, vor dem Klimawandel hätten sie am meisten Angst. Er sei die größte Bedrohung unseres Jahrhunderts. Doch die Groko in Berlin hat noch mehr Angst vor sich selbst und vor einer klaren Entscheidung. So treibt man Wählerinnen und Wähler zur Verzweiflung, wenn man die größte Herausforderung verdrängt und vor der alten Energiewirtschaft in die Knie geht. Gier, Geschäft und Gewinn aus dreckigen Energien sind wichtiger als Gesundheit und Zukunft und das Wohl der jungen Generation

Die Dummheit der zurzeit in Berlin Regierenden scheint grenzenlos. Die Angst vor der Kohle-Lobby ist noch größer als die Angst vor den Wählern. Kohle-Ausstieg bis 2038 empfiehlt die Kohlekommission der Bundesregierung. Als hätten wir ewig Zeit, die Klimaerhitzung zu bekämpfen. Dabei sagen uns fast alle Klimaforscher auf der ganzen Welt, dass wir so rasch wie möglich das fossile Zeitalter hinter uns lassen und zu 100% auf erneuerbare Energien umsteigen müssen.

Und: dass dieser Umstieg nicht nur ökologisch nötig ist, sondern auch ökonomisch sinnvoll, weil er Gewinn bringt. Und weit mehr neue Jobs schafft als bei den alten Energieträgern verloren gehen. Ein Kohleausstieg bis 2028 ist möglich. In Deutschland kann heute die Kilowattstunde Solarstrom für ca. fünf Cent produziert werden, in Afrika, in Südindien, Chile oder in arabischen Ländern bereits für ca. 2,5 Cent. Deshalb plant jetzt die EnBW, die ersten großen Solar- und Windparks ohne jede staatliche Förderung zu errichten. Doch die deutsche Politik verschläft den richtigen Zeitpunkt für den Einstieg ins Solarzeitalter. Solarstrom und Windstrom sind schon heute die Billigmacher der Energiewende.

Mit Erneuerbaren den Strompreis deutlich senken: Seit dem Jahr 2.000, seit dem Erneuerbare-Energien-Gesetz, ist der Preis für Strom aus Solaranlagen um 90% gesunken. Und diese sensationelle Preisentwicklung zugunsten der erneuerbaren Energien und zu Lasten der fossil-atomaren Energieträger ist noch lange nicht am Ende. Sonne und Wind schicken keine Rechnung.

Hoch subventionierter Strom aus Kohlekraft oder Atomkraft ist nicht nur teurer als erneuerbarer Strom, sondern hat auch riesige Folgekosten für künftige Generationen. Aber die heutige Kurzfristpolitik der Groko interessiert sich nicht für die künftigen Generationen. Dabei können Solar- und Windstromanlagen sinnigerweise auf ehemaligen Braunkohle-Tagebaustätten betrieben werden – am intelligentesten als Bürgerenergie-Anlagen von Genossenschaften oder durch Stadtwerke oder Kommunen. Worauf warten wir denn noch?

Quelle: sonnenseite.com

Freitag, 15. Februar 2019

Immer aktuell: Versuch's doch mal mit Twitter !

Auch Solarmedia ist auf Twitter vertreten - und das Lesen der dortigen aktuellen Kurzmeldungen benötigt nicht mal eine Anmeldung. Das Beispiel stammt von unterwegs und bezieht sich auf den heute schweizweit intensiven Sonnenschein - einfach auf den Twitter-Button der Solarmedia-Site drücken (Spalte links oben) oder direkt hier: www.twitter.com/rehsche
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Mittwoch, 13. Februar 2019

Ernst Schweizer AG: Auch solar erfolgreich

Die Ernst Schweizer AG mit Sitz in Hedingen (ZH) konnte das Jahr 2018 mit einem Wachstum von vier Prozent beim Auftragseingang gegenüber Vorjahr abschliessen. Das Familien-Unternehmen pflegt laut dem Mediencommuniqué ein sorgfältig diversifiziertes Sortiment in Technik, Design und Energie. Zum guten Abschluss haben die Geschäftsbereiche Fassaden, Holz/Metall, Fenster, Briefkästen und Paketboxen sowie Solarsysteme beigetragen.

PV-Montagesystem MSP-FR-EW
beim Dienstleistungs-Center
Walter Meier (Klima Schweiz)
in Schwerzenbach
(Vergrössern mit Klick auf Bild !)
Bei eben diesen Sonnenenergie-Systemen erwies sich das Photovoltaik-Montagesystem MSP als Zugpferd und konnte ein grosses Umsatzwachstum erzielen. Nähere Angaben macht das Familienunternehmen zu den Zahlen einzelner Geschäftsbereiche traditionellerweise nicht. Schweizer ist aber einer der letzten operationell im Solargeschäft in grösserem Stil tätigen Schweizer Unternehmen. Beim ebenfalls wichtigen Geschäftsbereich Fassaden war der Gewinn von perfekt auf die Kernkompetenzen zugeschnittenen Fassaden von grossen Überbauungen und Hochhäusern ausschlaggebend, wie beispielsweise die Projekte «Helix» in Cham, «Centurion Tower» in Brugg oder das Kompetenzzentrum «OYM» für Spitzenathletik und Forschung in Cham. 

Auch die vielen Produktinnovationen und die stetige Weiterentwicklung des umfassenden Produktsortiments haben zu diesem guten Ergebnis beigetragen. So sorgt zum Beispiel das isolierte Minimal-Fenster mit seinen grossen Glasflächen und den schlanken Profilen für einen maximalen Lichteinfall und schafft ein neuartiges, transparentes Raumgefühl. Und mit der PaketboxCasa wird das Versenden und Empfangen von Paketsendungen rund um die Uhr jetzt auch fürs Ein- und Zweifamilienhaus zur praktischen Lösung. Für den Export wurde eine leichte Holz/Metall-Schiebetüre entwickelt. 

Auch für 2019 erwartet die Ernst Schweizer AG für alle Geschäftsbereiche ein Wachstum. Der optimistische Ausblick gründet gemäss Medienmitteilung zum einen auf den bereits gut gefüllten Auftragsbüchern, aber auch in den vielen Produktneuheiten sowie in einer klaren Unternehmensstrategie mit Massnahmen zur weiteren Verbesserung der Produkte, des Vertriebs sowie der Produktivität.

Sonntag, 10. Februar 2019

Vielleicht doch - nicht?

Es könnte einer der ersten greifbaren Erfolge der Jugend-Klima-Demonstrationen werden: Die kleine Kammer des Schweizer Parlamentes scheint bereit, eine Flugverkehrs-Ticket-Abgabe einzuführen. Sie könnte dank neu verfügbarer Finanzmittel der für die Klimaproblematik so wichtigen Energiestrategie Impulse verleihen, vor allem über den dringend nötigen Ausbau der Solarstrom- und -wärmeproduktion.

Solaranlage auf Parkhaus
Flughafen Zürich - als ein Beispiel
Jetzt also vielleicht doch: Der klimaschädliche Flugverkehr soll auch in der Schweiz mit einer Abgabe verteuert und damit eingeschränkt werden. Wobei eine spürbare Einschränkung trotz einer solchen Steuer allerdings in den Sternen steht. Wenn die NZZ am Sonntag heute von der Bereitschaft der Mitglieder des Ständerats berichtet, das Fliegen entgegen den Intentionen des Nationalrats doch zu verteuern, taucht auch sofort die Frage auf: Wohin mit dem vielen Geld, das da zusammenkommt – selbst wenn die Abgabe tief wäre ginge der Betrag schnell mal in die Hunderte von Millionen Franken.

Klar, dass PolitikerInnen um Vorschläge nicht verlegen sind. So will etwa der Zürcher FdP-Ständerat Ruedi Noser, der sich ja mit dem Einsitz in Komitee der Gletscher-Initiative hervorgetan hat, die Elektrifizierung der Flugzeuge vorantreiben. Ich hätte da eine andere Idee, nicht unbedingt neu, aber im Rahmen der Klimadiskussionen vielleicht doch noch zielgerichteter. Wie etwa Swisscleantech und auch die Agentur für Erneuerbare Energien und Energieeffizienz (siehe Solarmedia vom 3.2.19) schon gefordert haben, muss unbedingt und vordringlich der Ausbau der Erneuerbaren Energien vorangetrieben werden – und weil dabei in der Schweiz die Solarenergie im Vordergrund steht, muss die Photovoltaik ebenso wie die Solarwärmegewinnung gewaltig gepusht werden. Konkrete Vorschläge sind etwa:

·      Solardächer für alle Schulhausbauten der Schweiz – finanziert durch Bund und Kantone resp. Mittel aus der Flugverkehrsabgabe. Das könnte leicht einmal den bisherigen Zubau (200 bis 300 Megawatt Leistung jährlich) um die Hälfte steigern. Und hätte die erwünschte Zusatzwirkung, dass die SchülerInnen des Landes mit der neuen Energiequelle vertraut werden (siehe Solarmedia Video vom 5.12.18).
·      Ein gleiches Programm ist für öffentliche Bauten von Bund, Kantonen und Gemeinden denk- und wünschbar – wie Gemeindehäuser, Quartierbüros / -anlagen in grösseren Städten, Infrastrukturbauten wie Werkhöfe.
·      Propagierung und Unterstützung von Eigenverbrauchsgemeinschaften, welche den Zugang zur Solarenergie für MieterInnen vorantreiben. Diesbezüglicher Abbau vorhandener regulatorischer Restriktionen. Zu prüfen ist auch, inwieweit die noch immer mehreren hundert Elektrizitätswerke in der Schweiz durch ein Anreizprogramm zur Förderung solcher Eigenverbrauchsgemeinschaften animiert werden können.
·      Forschungsprogramme, die die Optionen eines weiteren Ausbaus überprüfen und bestmögliche Wege aufgrund von Versuchsprojekten aufzeigen.
·      Neben der Solarstromproduktion – die über den Einsatz bei neuen Wärmepumpen bereits auch für die Heizwärme nutzbar ist – bedarf es spezifischer Förderung der Solarwärmeproduktion. Denn die Gebäude- und Prozesswärme für die Industrie sind noch immer der grösste Energiefresser unseres gesellschaftlichen Daseins.
·      Um das Mass vollzumachen – aber vor allem um der Komplexität der Klima- und Energiefrage gerecht zu werden - ist die Elektrifizierung der Mobilität mit gezielten Projekten voranzutreiben, denn der Solarstrom ist bei Realisierung obiger Massnahmen dann ja vorhanden – oder wie  die Gegner einer solchen Entwicklung stets monieren – sogar im Überfluss. Wenn dabei etwas für den Flugverkehr getan wird, soll es recht sein – zuvorderst auf der Prioritätenliste aber steht das sicher nicht.

© Text: GuntramRehsche / Solarmedia

Montag, 4. Februar 2019

Grosser Schritt für Edisun Power


Im Rahmen ihrer Wachstumsstrategie macht die Schweizer Solar-Beteiligungsgesellschaft Edisun Power einen weiteren, signifikanten Schritt. Die Gesellschaft hat die Verträge zum Kauf eines 49 MW-Photovoltaik-Bauprojektes im Nordosten Portugals unterzeichnet. Verkäuferin des Projektes ist die Schweizerische Smartenergy Invest AG. Der Vollzug des Verkaufs ist von marktüblichen Bedingungen abhängig und soll spätestens im zweiten Quartal 2019 abgeschlossen werden. 

Zwischen Edisun Power und Smartenergy besteht eine etablierte Geschäftsbeziehung. Im Februar 2017 kaufte Edisun Power von Smartenergy das 12 MW-Projekt Requena bei Valencia in Spanien. Seit dem Anschluss im März 2018 speist die Anlage mit erfreulichen Leistungswerten ins Netz ein. Im Rahmen der neuen Transaktion wird sich die Smartenergy mittels einer Kapitalerhöhung durch Sacheinlage an der Edisun Power beteiligen. 

Die neue 49 MW-Anlage läutet eine neue Ära für Edisun Power ein, da die produzierte Energie ohne jegliche staatliche Subventionen oder Einspeisetarife am Markt verkauft werden wird. Dank der hohen Sonneneinstrahlung und tiefen Investitionskosten liegen die Produktionskosten weit unter den aktuellen Marktpreisen. Zur Absicherung der Erträge ist für die ersten Betriebsjahre vorgesehen, ein PPA (Power Purchase Agreement) mit preislich festen Abnahmeverpflichtungen abzuschliessen. 

Der Bau der Anlage wird noch dieses Jahr beginnen und die Anlage sollte im ersten Halbjahr 2020 ans Netz angeschlossen werden. Auf einer Fläche von gut 65 Hektaren werden jährlich rund 80 Millionen Kilowattstunden Strom produziert, was einem Jahresbedarf einer Stadt mit rund 20'000 Einwohnern entspricht. Das Projekt wird auf annualisierter Basis ab 2020 ein Nettoergebnis von rund CHF 1 Mio. erzielen. 

Die Investition wird aus bestehenden Mitteln, einer Projektfinanzierung sowie einer Kapitalerhöhung durch Sacheinlage abgedeckt. Die Sacheinlage erfolgt durch Ausgabe von 80'715 Aktien aus dem genehmigten Kapital, womit die Smartenergy nach Abschluss der Transaktion einen Anteil von rund 13.6% an Edisun Power halten wird. Anlässlich der Generalversammlung der Edisun Power vom 17. Mai soll ein Vertreter von Smartenergy zur Wahl in den Verwaltungsrat vorgeschlagen werden, was die engere strategische Zusammenarbeit untermauert. Die Transaktion markiert gemäss dem Unternehmen nicht nur einen weiteren wichtigen Meilenstein in der Entwicklung der Gruppe, sondern mit der Beteiligung der Smartenergy Invest AG auch ein klares Zeichen der Fortsetzung der Wachstumsstrategie. 

Quelle:  www.edisunpower.com

Sonntag, 3. Februar 2019

Ohne Alternative: Es braucht Ausbau der EE

Der Bundesrat hat mit der Revision des Stromversorgungsgesetzes nur die halbe Arbeit gemacht. Die Dachorganisation der Schweizer Wirtschaft, AEE SUISSE, begrüsst zwar die verschiedenen Liberalisierungsschritte. Es mangelt gemäss folgender Medienmitteilung der Vorlage aber an einem verbindlichen Ausbaupfad für erneuerbare Energien (EE). Die Energiestrategie 2050 ist demnach als übergeordnetes und verbindliches Regelwerk für die Gestaltung des Stromversorgungsgesetzes und damit des neuen Strommarktdesigns zwingend zu berücksichtigen.
Im 2017 hat die Schweiz mit der Energiestrategie 2050 und der Ratifizierung des Pariser Klimaabkommens zwei zentrale und die Schweizer Energie und Klimapolitik prägende Entscheide gefällt. Jede nachgelagerte Legiferierung im Energie- und Klimabereich hat sich konsequent und kompromisslos an diesen beiden Grundsatzentscheiden zu orientieren. Die Ziele sind klar: ein starker Ausbau der erneuerbaren inländischen Energien, eine Steigerung der Energieeffizienz sowie eine massive Reduktion der Treibhausgase. Damit diese Ziele erreicht werden können, muss auf das 1. Massnahmenpaket der Energiestrategie 2050, deren erste Elemente 2022 auslaufen werden, ein weiteres Paket folgen. Ohne zusätzliche Investitionsanreize ist die Energiestrategie nicht zu realisieren. Die AEE SUISSE hat dazu im Rahmen ihres integralen Marktmodells  ausführlich Stellung genommen.
Ausbau der inländischen Stromproduktion fördert die Versorgungssicherheit: Die Revision des StromVG muss auf diese Herausforderung der Transformation des Energiesystems eine Antwort geben und deshalb auch Instrumente ausweisen, die Investitionsanreize in inländische, erneuerbare Stromproduktion garantieren. Diese lassen sich unterschiedlich ausgestalten: als Einspeiseprämie mit Direktvermarktung, welche die Differenz zwischen dem Marktpreis und den Gestehungskosten ausgleicht, als investitionsbezogene Einmalvergütung oder im Rahmen von Ausschreibungen (Auktionen). Gianni Operto, Präsident AEE SUISSE: «Der Markt ist bereit für die Umsetzung der Energiestrategie 2050. Er braucht aber klare Signale und ein dazu passendes Strommarktgesetz. Noch haben wir hier grossen Optimierungs- und Handlungsbedarf.»
Positives mit viel Luft nach oben: Die AEE SUISSE ist im Grundsatz mit der Einführung eines wettbewerblichen Strommarktes einverstanden, der aber zwingend an einen verbindlichen Ausbaupfad für erneuerbare Energien gekoppelt sein muss. Auch wird das Festhalten am Prinzip der Grundversorgung mit einem Mindestanteil an erneuerbaren Energien begrüsst. Der Anteil muss aber, soll er tatsächlich im Sinne der Energiestrategie Wirkung entfalten, auf 100% erhöht werden. Die AEE SUISSE traut grundsätzlich den Marktteilnehmern zu, dass sie selber für Reserven besorgt sind gemäss ihren eingegangenen Lieferverpflichtungen. Die aktuelle Gesetzgebung liefert eine genügend verbindliche Grundlage für Interventionen der Akteure Elcom und Swissgrid. Die AEE SUISSE versteht aber den Ruf nach Schaffung einer Speicherreserve zur zusätzlichen Absicherung der Schweizer Versorgungssicherheit im Energy-Only-Markt bei unvorhersehbaren ausserordentlichen Ereignissen (wie extremen und andauernden Wetterlagen). Diese aktive Reserve soll technologieneutral ausgestaltet sein und lediglich als Ergänzung zum Energy-Only-Markt im Sinne einer Versicherung zum Einsatz kommen. Das vorgeschlagene Netznutzungsentgelt erachtet die AEE SUISSE als ungenügend und nicht den Realitäten einer zunehmend dezentralen Energieversorgung entsprechend, wie sie mit der Energiestrategie 2050 angestrebt wird. Und schliesslich fordert die AEE SUISSE einen Paradigmenwechsel beim Messwesen, der es erlaubt, mit dezentralen (privaten) Messinfrastrukturen erhobene Daten – wie sie insbesondere durch Smart-Home-Anwendungen generiert werden - für Markt- und Abrechnungszwecke einzusetzen. Damit wird die Installation eines Verteilnetzbetreiberzählers in diesen Fällen obsolet und eine Ablösung von den zentralen Strukturen hin zu dezentralen Strukturen und einer kundenzentrischen Sichtweise befördert. Mit dieser vorgeschlagenen Liberalisierung der Messdaten wird die Zuständigkeit für die Messung der Netzbetreiber um die Möglichkeit ergänzt, dass die Verteilnetzbetreiber die Daten von intelligenten Messsystemen von Privaten beziehen.

Auch der Wirtschaftsverband der Cleantech-Unternehmen hat sich zum Strommarktgesetz geäussert und hält unter anderem fest: Swisscleantech begrüsst zwar die vom Bundesrat vorgeschlagene Liberalisierung des Strommarkts. Doch der Vernehmlassungsentwurf zur Revision des Stromversorgungsgesetzes ist ungenügend. Es fehlen Anreize für den dringend nötigen Ausbau der inländischen erneuerbaren Stromproduktion.

Die geplante vollständige Öffnung des Schweizer Strommarkts bietet den Versorgungsunternehmen die Chance für neue, innovative Dienstleistungen. Zudem ist die Marktöffnung eine Bedingung, um mit der EU das für die Schweiz wichtige Stromabkommen abzuschliessen. Dem vorliegenden Entwurf des Stromversorgungsgesetzes (StromVG) kommt aber nur die Bedeutung einer Zwischenrevision zu. Es fehlen zentrale Reformschritte, um die aktuellen Herausforderungen der Energieversorgung zu adressieren.
 
«Obwohl die bestehenden Förderinstrumente für den Ausbau erneuerbarer Energien bald auslaufen, enthält der vorliegende Entwurf keine neuen Anreize. Damit droht die Gefahr, dass die Schweiz die Ausbauziele der Energiestrategie 2050 verfehlt. Was es jetzt braucht, sind grundlegend neue Anreize, um Investitionen in inländische, erneuerbare Stromproduktion sicherzustellen. Die Preissignale des Markts werden nicht ausreichen», sagt Christian Zeyer, Geschäftsführer von swisscleantech. 

Netztarife, damit das Stromnetz optimal genutzt wird: Ungenügend ist auch der Vorschlag des Bundesrats, den Leistungsanteil der Netztarife auf 50% zu erhöhen. Ein effizienter Strommarkt braucht Netznutzungstarife, welche die Kostenwahrheit abbilden. Dabei soll sich die Entschädigung der Netzkosten nach der effektiv verwendet Infrastruktur sowie deren Knappheit richten. So wird das Netz optimal genutzt und die Kosten für den Netzausbau können minimiert werden.
 
«Solange die Netznutzungstarife keine Kostenwahrheit garantieren, ist davon abzusehen, den Leistungstarif zu erhöhen. Diese Änderung bringt das Geschäftsmodell von PV-Anlagen, das auf Eigenverbrauch basiert, in Gefahr. Eine Absenkung des Arbeitstarifs verschlechtert die Rentabilität von PV-Anlagen, was sich negativ auf den weiteren Ausbau auswirkt», so Zeyer.


Quelle: erwähnte Verbände

Freitag, 1. Februar 2019

Kohlekompromiss ist schlecht fürs Klima

Der Kompromiss der Kohle-Kommission hat Vor- und Nachteile. Er ist gesellschaftspolitisch ein Fortschritt und demokratiepolitisch von Vorteil. Erstmals haben jetzt auch die Hardliner in Politik und bei den alten Energieversorgern anerkannt, dass Deutschland eine Energiewende braucht und das Kohlezeitalter zu Ende geht. Ein Kommentar des deutschen Energie-Fachjournalisten Franz Alt.

Der gesellschaftliche Großkonflikt wird befriedet, der Hambacher Forst bleibt (wahrscheinlich) erhalten und der Einstieg in den Ausstieg aus der Kohle ist geschafft. Doch dieser Konsens ist klimapolitisch ein Nonsens.: Klimapolitisch ist der Beschluss, bis 2038 aus der Kohle auszusteigen eine Katastrophe.

Das hieß nämlich: Noch 20 Jahre Energieversorgung mit dem schlimmsten Klimakiller, 20 Jahre Dörfer abbackern, Kirchen abreißen, Menschen umsiedeln und sie ihrer Heimat berauben. Eine Kultur-Barbarei ohnegleichen – wie sie von RWE bisher praktiziert wurde und auch weiterhin vorgesehen war. Der Erfolg der erneuerbaren Energien im Strombereich seit dem Jahr 2.000 hat gezeigt wie erfolgreich und schnell und mit vielen neuen Jobs die solare Energiewende organisiert werden kann. Damals hatten wir in Deutschland fünf Prozent Ökostrom, heute bereits 40%. 

Alle wissen, dass die Kohle ein Auslaufmodell ist – warum dann noch 20 Jahre auf den kompletten Ausstieg warten, wenn er auch in zehn Jahren, also bis 2028, möglich wäre? Oder wenigstens bis 2030 wie es die Umweltverbände fordern? Mein Vorschlag: Jetzt muss die Gesellschaft für einen raschen Ausstieg kämpfen,  Schüler und Studenten und alle Umweltverbände müssen sich genau dafür einsetzen. Wir schaffen das zusammen so wie wir auch den Einstieg geschafft haben. 

Also: Nachverhandeln, nachverhandeln, nachverhandeln
Unser bester Verbündeter ist der Preis für die Erneuerbaren. Sie werden in den nächsten Jahren immer billiger, weil Sonne und Wind bekanntlich keine Rechnung schicken. Darin liegt jetzt unsere große Chance. Solar- und Windenergien sind bereits heute in 70 Ländern preiswerter als Kohle- und Atomstrom. Sie schützen außerdem das Klima und schaffen weit mehr Jobs als in der alten Kohlewirtschaft verloren gehen.

Warum müssen wir kämpfen? Wir müssen diesen Kampf im Auftrag unserer Kinder und Enkel führen. Sie werden uns sonst verfluchen. Die Schüler- und Studentenproteste für ein besseres Klima an jedem Freitag zeigen uns, worum es jetzt wirklich geht. Die 16-jährige behinderte schwedische Klima-Aktivistin Greta Thunberg klagt die Eliten der Welt wegen der Klimaerhitzung an (siehe Film ihres Auftritts am WEF in Davos von Januar 2019). Und Tausende Schüler in der ganzen Welt folgen ihr jetzt. Beim Weltwirtschafts-Forum in Davos erklärte sie, worum es nun wirklich geht: „Wollt ihr ein gutes Klima für alle oder noch mehr Geld für wenige?“ Der Weckruf der jungen Klima-Aktivisten breitet sich in immer mehr Ländern aus: Opfert nicht unsere Zivilisation für eure Gier!

Wenn die Alt-Parteien CDU, CSU, FDP und SPD den Weckruf der Jungen nicht hören wollen, müssen wir sie bei allen nächsten Wahlen abstrafen so wie das die Wähler und Wählerinnen bereits 2018 getan haben. Nur noch viel deutlicher. Auf den Misthaufen der Geschichte mit den Schwerhörigen, die noch immer nur Geld und Gier und Gunstwirtschaft verstehen. In einer Demokratie heißt das: abwählen, abwählen, abwählen! 

Protestiert, demonstriert, empört euch! Solange bis wir ein deutlich früheres Ausstiegs-Datum für die Kohle haben.
 
2038 werde ich hundert Jahre alt. Das ist entschieden zu spät. Als Sohn eines Kohlenhändlers will ich noch das Ende der Kohleverbrennung in Deutschland erleben. Nur mit den Grünen in den nächsten Bundesregierungen, egal ob grün-rot oder grün-schwarz, kann und wird es einen Kohleausstieg vor 2030 geben können.  Die Jungen kämpfen für eine grüne, erneuerbare und nachhaltige Zukunft ohne Kohle so rasch wie möglich. Unterstützen wir sie dabei.

Franz Alt: Der Kohleausstieg - Flop oder Top? | Transparenz TV: Montag, 04. Februar 2019, 20:30 Uhr mit livechat