Mittwoch, 30. Mai 2018

Kaum erneuerbarer Strommix

Gemeinsam mit dem WWF hat myNewEnergy den Standardstrom von 139 Schweizer Energieversorgern untersucht. Der Strommix hat sich zwar seit 2014 deutlich in Richtung erneuerbare Energien verbessert, allerdings meist durch den Verkauf des bestehenden Wasserstroms und nicht durch einen Wandel unseres Herstellungsmixes. Es sind nur wenig NEUE Erneuerbare dazu gekommen, diese sind aber für eine echte Energiewende nötig. 

Die Schweizer Haushalte bleiben durch die ausbleibende Liberalisierung bei ihrem jeweiligen Energieversorger gefangen. Wer sich also nicht aktiv um die Stromversorgung kümmert, erhält das Standardprodukt des lokalen Anbieters. Dieses war bis vor wenigen Jahren oft günstiger Atomstrom oder - noch schlimmer -  ein Produkt mit ausländischem Kohlestrom. 

Die Zusammensetzung ist auf den ersten Blick zwar positiv: In den letzten Jahren hat sich die Zusammensetzung des Stroms stark verbessert, wie man auch an der fast vollständig grünen Stromlandschaft sieht. Bis auf wenige Ausnahmen haben die Anbieter fast vollständig erneuerbare Standardprodukte eingeführt (siehe Grafik). Die Entwicklung wurde durch die 2016 eingeführte Deklarationspflicht getrieben, wodurch plötzlich sichtbar wurde, dass die Versorger den sauberen Wasserstrom ins Ausland verkaufen und daheim fossilen Strom liefern. 

Ein anderer Grund für die grosszügig in den Standardprodukten verkaufte Wasserkraft dürfte auch die Teilliberalisierung und der damit offene Markt für die Grosskunden sein. Diese decken sich nun am Strommarkt mit billigem Graustrom ein. So bleiben genug Zertifikate übrig, um - ohne wirkliche Veränderung des Produktionsmixes - die Standardkunden mit Wasserstrom zu versorgen. Dieser stammt mehrheitlich aus jahrzehntealten Wasserkraftwerken und trägt damit wenig zur Energiewende bei. 

Minimaler Anstieg von neuem Solar-, Wind- oder Biomassestrom: 

Eine genauere Analyse zeigt deutlich, dass der Anteil an neuen erneuerbaren Energien seit 2014 in den Standardprodukten nur mininal gestiegen ist – von 1.4% auf 2.2%. Durchschnittlich liegt die myNewEnergy-Note damit unter 4.4 - also nicht mal befriedigend. Erst ab einer Note von 5.5 (Sehr gut) haben die Produkte erhöhte Anteile Solar-  und Windstrom. Das ist wichtig, da die Wasserkraft in der Schweiz nur noch mässig ausgebaut werden kann und der Ersatz der Atomkraftwerke primär durch Solar- und Windanlagen erfolgen muss. Eine Analyse zeigt, dass 2018 zwar rund 40% der Versorger auch Strom aus neuen Erneuerbaren einmischen, aber der durchschnittliche Anteil mit 2.2% sehr tief liegt, was auch durch unsere tiefen inländischen Ausbauraten bestätigt wird. Verbraucher, die die Energiewende wirklich vorantreiben wollen, sollten also weiterhin auf sehr gut bewertete Ökoprodukte wie «naturemade star» oder gleich auf ein reines Solarstromprodukt setzen.


Freitag, 25. Mai 2018

DAS Energiewendeforum

Vor dem Hintergrund der immer komplexer und zahlreicher werdenden Anfragen zu allen Themen der Energiewende hat die Schweizerische Vereinigung für Sonnenenergie SSES vergangene Woche das „forumE.ch“ lanciert.
  
So präsentiert sich das forumE.ch im Internet - Mittun erwünscht !
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Das Ziel ist es, inspiriert vom Photovoltaikforum in Deutschland, eine Schweizer Referenzplattform für den Austausch und Diskussionen zur Energiewende aufzubauen. Endverbraucher und Experten sollen sich hier treffen und austauschen können, und mit zunehmender Anzahl von Beiträgen und Diskussionen entsteht so eine gemeinsam aufgebaute Wissensbasis, die auch für die Experten zu einer immer wichtigeren Informationsquelle werden wird. Die Solargenossenschaften haben zudem ihre eigene Subkategorie für die Diskussion spezifischer Fragestellungen.

Wie aus den Forenkategorien ersichtlich, geht es nicht nur um PV, sondern auch Elektromobilität, Biomasse, Wind und Gebäude, das heisst auch um alle anderen Pfeiler der Schweizer Energiewende.

Nach dem Start am 3. Mai finden Sie das forumE.ch noch etwas leer, aber mit einigen schon sehr spannenden angelaufenen Diskussion. Also nichts wie los, beim forumE anmelden, neue Themen eröffnen und bei laufenden Diskussionen mitmachen! Die Adresse: https://forumE.ch


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Donnerstag, 24. Mai 2018

CH braucht neuen Markt

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Die Schweiz bewegt sich im europaweiten Vergleich nach wie vor auf den hintersten Rängen, wenn es um die Produktion von Solar- und Windenergie geht. Obwohl der Ausbau im Bereich der Photovoltaik in den letzten Jahren anstieg, bleibt der Gesamtanteil am Stromverbrauch marginal. Unmittelbare Besserung ist nicht in Sicht, viele neue Projekte sind blockiert. Um die Energiewende hierzulande in Schwung zu bringen, braucht es ein neues Strommarktdesign.

In der Schweiz herrschen sowohl für die Solar-  als auch für die Windenergieproduktion ideale Bedingungen, auch dank der flexibel und verlässlich einsetzbaren Wasserkraftwerke. Dem signifikanten Ausbau der neuen Erneuerbaren fehlen jedoch investitionsfreundliche Rahmenbedingungen, die KEV-Warteliste ist voll. Den aktuellen Stand der Schweiz im Vergleich mit allen EU-Ländern zeigt die SES in Form einer Kurzstudie. Dabei wird die pro-Kopf-Produktion von Solar- und Windstrom der Schweiz mit der Produktion der 28 EU-Staaten verglichen.

Nur vier EU-Länder produzierten 2017 weniger Solar- und Windenergie als die Schweiz: Lettland, Slowakei, Slowenien und Ungarn. In der Schweiz waren es pro Kopf 190 kWh Solarstrom und 16 kWh Windstrom, insgesamt also 206 kWh. Obwohl die PV-Produktion seit Jahren kontinuierlich zunimmt, ist der Gesamtanteil am Stromverbrauch mit 3% immer noch gering. Die Schweiz endet auch unter Berücksichtigung des Stromverbrauchs mit dem Anteil der Photovoltaik (2.75%) und der Windenergie (0.23%) auf dem unrühmlichen 25. Rang. Sogar Österreich, ein Binnenland ohne windreiche Küsten, produzierte mehr Windstrom pro Kopf als die Schweiz. Und Belgien, ein nördlicheres Land mit weniger Sonnenstunden, produzierte mehr Solarstrom pro Kopf als die Schweiz.

Mit der Annahme der Energiestrategie 2050 im Mai 2017 wurde der Grundstein für eine erneuerbare Energieversorgung in der Schweiz gelegt. Doch die finanziellen Rahmenbedingungen für den Ausbau von neuen erneuerbaren Energien sind schlecht. Obwohl der Netzzuschlag auf 1. Januar 2018 erhöht wurde, werden neu eingereichte Projekte nicht von Einspeisevergütungen profitieren können. Grund dafür: Die finanziellen Mittel sind begrenzt und die Förderung befristet. Am heutigen Strommarkt können sich die Anlagen nicht refinanzieren. Damit zukünftig trotzdem in Solaranlagen investiert wird, braucht es ein Strommarktdesign, das den Produzenten erlaubt, den Strom zu fairen Preisen einzuspeisen. Das Bundesamt für Energie ignoriert dieses Thema und riskiert einen viel zu langsamen Ausbau neuer erneuerbarer Kraftwerke.

Quelle:  Schweizerische Energie-Stiftung

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Dienstag, 22. Mai 2018

Swissolar - ganz schön alt

An der diesjährigen Generalversammlung würdigten die Swissolar-Mitglieder den Einsatz jener Personen, die vor 40 Jahren den Grundstein für den heutigen Verband legten. Swissolar und seine Mitglieder wollen sich als wichtiger Akteur für die Umsetzung der Energiestrategie und des Pariser Klimaprotokolls engagieren. Der Solarenergie kommt bei beiden Themen eine entscheidende Rolle zu. Zudem wurden erstmals zwei Frauen in den Vorstand des Fachverbandes gewählt und die Stärkung des Qualitätslabels «Die Solarprofis» beschlossen.
An der heutigen Generalversammlung von Swissolar in Zürich nahmen rund 120 Verbandsmitglieder teil. Dabei gab es Grund zum Feiern: Bereits 1978, also vor 40 Jahren, wurde der «Sonnenenergie-Fachverband Schweiz (SOFAS)» gegründet, der Vorgängerverband von Swissolar. Max Luther, der damalige Verbandspräsident, erinnerte in seiner kurzen Ansprache an die Anfangszeiten: «Als ich vor 40 Jahren den Sonnenenergie Fachverband SOFAS gründete, waren wir noch ein sehr kleines Häufchen Interessierter. Schwerpunkt war die Wärmegewinnung, von Photovoltaik redete damals noch kaum jemand. Heute ist die Photovoltaik die wichtigste Technologie bei der nachhaltigen Stromproduktion.» Der heutige Swissolar-Präsident, Nationalrat Roger Nordmann, würdigte das Engagement der Solarpioniere: «Sie haben an die Zukunft der Solarenergie geglaubt und dafür gekämpft, obwohl sie belächelt oder ignoriert wurden. Das hat den Grundstein für die erfolgreiche Schweizer Solarwirtschaft gelegt. Widerstände gibt es heute immer noch – es braucht Swissolar und seine Mitglieder, um der Solarenergie zum definitiven Durchbruch zu verhelfen.»
Erstmalig in der Geschichte von Swissolar wurden neu zwei Frauen in den Vorstand gewählt. Es ist dies einerseits Kim Bernasconi. Sie ist Inhaberin des auf Photovoltaikanlagen spezialisierten Ingenieurbüros Greenkey in Pregassona (TI). Und andererseits Séverine Scalia Giraud. Sie leitet die Solarfirma Sun Valley in Les Ponts-de-Martel (NE) sowie das Energieberatungsunternehmen Masai Conseils in Cernier (NE). Ebenfalls neu in den Vorstand gewählt wurde David Galeuchet. Er leitet das Marketing des Photovoltaik-Grosshändlers Solarmarkt mit Sitz in Aarau. Swissolar freut sich über die Verstärkung und Verjüngung im Vorstand.
Zudem wurde an der Generalversammlung die Strategie für die nächsten fünf Jahre und das überarbeitete Leitbild genehmigt. Das Leitbild sieht die Solarenergie-Wirtschaft als zentralen Akteur für die Erreichung der Ziele der Energiestrategie 2050 und als wichtigen Promotor für die Umsetzung des Pariser Klimaprotokolls. Swissolar und seine Mitglieder setzen es sich somit zum Ziel, eine verlässliche und nachhaltige Energieversorgung in der Schweiz aufzubauen, welche sicher ist und das Klima schützt.
Ein weiterer wichtiger Entscheid der Versammlung betrifft das Qualitätslabel «Die Solarprofis®»: Das Verzeichnis mit rund 520 ausgezeichneten Swissolar-Mitgliedern bietet eine wichtige Orientierungshilfe für Bauherrschaften, die eine eigene Solaranlage erstellen lassen möchten. Neu verpflichten sich die Solarprofis mit einer dreijährlich zu erneuernden Selbstdeklaration zur Einhaltung klar definierter Standards und zur regelmässigen Weiterbildung. Mit Stichprobenkontrollen wird die Korrektheit der Angaben überprüft; Falschdeklarationen können zum Ausschluss aus dem Verzeichnis führen. Mit dieser Massnahme soll ein Beitrag zur Beibehaltung des hohen Qualitätsniveaus der Solarinstallationen in der Schweiz geleistet und das Vertrauen in das Label «Die Solarprofis®» gestärkt werden.

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Über Swissolar
Swissolar vertritt als Branchenverband die Interessen von 700 Verbandsmitgliedern mit rund 8‘000 Arbeitsplätzen der Schweizer Solarenergiebranche in der Öffentlichkeit, der Politik und gegenüber den regulierenden Behörden. Swissolar setzt sich für eine schnell wachsende Nutzung von Solarenergie in der Schweiz ein. Diese wird zur Stromerzeugung, zur Beheizung von Gebäuden sowie zur Warmwasseraufbereitung genutzt.

Die Sonne liefert der Schweiz jährlich 200-mal mehr Energie als wir brauchen. Swissolar setzt sich für die Energiewende hin zu einer Energieversorgung ohne den Einsatz fossiler oder nuklearer Energieträger ein.

Quelle:  www.swissolar.ch

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Sonntag, 20. Mai 2018

Trotz Zunahme hinterher

Der Photovoltaik-Aktienindex PPVX stieg letzte Woche um 2,9% auf 1.297 Punkte, der NYSE Arca Oil um 3,1%. Seit Jahresanfang 2018 liegt der PPVX mit +8,4% währungsbereinigt rund 11 Prozentpunkte hinter dem Erdölaktienindex (+18,9%). Die Top-3-Titel seit Jahresanfang sind SunRun(+86%), Sino-American Silicon Products (+82%)und Solaria Energía y Medio Ambiente (+78%). Die grössten Gewinnerder Woche waren Daqo New Energy (+18%) und Solaria Energía y Medio Ambiente (+13%), diegrössten Verlierer Vivint Solar (-7%) undNeo Solar Power (-5%). Der PPVX-Börsenwert beträgt rund 32,1 Mrd. Euro. Seit Anfang 2003 liegt der PPVX (+361%) rund 148 Prozentpunkte vor dem Erdölaktien-Index (mit +213%). Am 18.5.18 wurde Thai Solar Energy durch Enphase Energy (Aufnahmekurs $ 5,34) ersetzt.

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Der Solaraktienindex PPVX erscheint auf Solarmedia jeden Monat neu - Quelle: Öko-Invest-Verlag, Wien, oeko-invest@teleweb.at 

Quelle: oeko-invest.net 

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Donnerstag, 17. Mai 2018

Auf zu neuen Zellen !

Die Photovoltaik (PV) ist eine der Hauptsäulen einer nachhaltigen Energieversorgung auf Basis erneuerbarer Energien. Neben der momentan dominierenden Silicium-basierten PV bieten auch alternative Materialien wie Perowskite ein großes Potenzial. 

In-situ Befüllung einer gedruckten Perowskit­solarzelle
 am Fraunhofer ISE. Der reine Perowskit wird
 bei Raum­temperatur als geschmolzenes Salz eingebracht
 und anschließend in der Solar­zelle auskristallisiert. 
Die abgebildete Menge der Schmelze ist ausreichend 
für die Herstellung von vier Quadratmetern Modulfläche.
Für solch neue Solarzellentypen prüfen Wissenschaftler gänzlich neue Konzepte auf ihre Machbarkeit. Ein sehr innovativer Ansatz, um Solarzellen noch ressourcenschonender herstellen zu können, besteht darin, die Anzahl an Produktionsschritten durch Umkehrung des Herstellungsablaufes drastisch zu reduzieren. Dafür entwickelte das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE das »in-situ«-Konzept für gedruckte Perowskitsolarzellen. Mit einem Rekord-Wirkungsgrad von 12,6 % haben die Forscher hiermit jetzt einen wichtigen Meilenstein für gedruckte Photovoltaik erreicht. 

Solarzellen aus Silicium dominieren heute den Photovoltaik-Weltmarkt. Ihre Produktion besteht aus einer Vielzahl von Einzelprozessschritten, von der Synthese des photoaktiven Materials und der Herstellung der Solarzellen bis hin zur elektrischen Verschaltung und Versiegelung des fertigen Solarmoduls. Mit dem Material Perowskit und dem Ziel, Produktionsschritte einzusparen, haben sich am Fraunhofer ISE in Freiburg Forscher einer Arbeitsgruppe um Dr. Andreas Hinsch die Frage gestellt: Warum nicht die Herstellung einer Solarzelle so umkehren, dass zuerst das Solarmodul vorgefertigt wird und anschließend das eigentliche photovoltaische Material eingefüllt und direkt vor Ort – lateinisch »in-situ« – aktiviert wird? »Jetzt ist es uns zum ersten Mal gelungen, mit dem aktuell intensiv beforschten Photovoltaikmaterial Perowskit, einem photoaktiven Salz, gedruckte Solarzellen mit einem Wirkungsgrad von 12,6 % in-situ herzustellen«, freut sich Andreas Hinsch und fügt hinzu: »Damit ist ein erster wichtiger Meilenstein erreicht, um die Aufskalierung und die Überführung dieser Technologie in die industrielle Produktion sinnvoll vorantreiben zu können.« Nebenbei stellt dieser zertifiziert gemessene Labor-Wirkungsgrad einen Rekordwert für gedruckte Solarzellen im Allgemeinen dar.

Entscheidend für den solaren Wirkungsgrad ist die Kontrolle des Abscheideprozesses der Perowskitkristallite im Inneren der nano-porösen Elektroden, die aus Metalloxiden und mikronisiertem Graphit bestehen. Neu beim Ansatz der Forscher um Andreas Hinsch ist das Verfahren zur Befüllung der ansonsten fertigen Zelle mit dem Perowskit und dessen anschließender Kristallisation. Die Fraunhofer-Forscher erwarten eine weitere Steigerung des Wirkungsgrads ihrer gedruckten »in-situ« Perowskitsolarzellen, nicht zuletzt deshalb, weil das verwendete Perowskitmaterial, wie in der wissenschaftlichen Literatur für nicht-skalierbare Laborzellen berichtet, bereits solare Wirkungsgrade von 22 % gezeigt hat.

Neben den zu erwartenden günstigen Kosten für die am Fraunhofer ISE entwickelte neuartige Perowskitsolarzelle spielen auch Nachhaltigkeit und Komplexität des Herstellungsprozesses eine Rolle. In den letzten Jahren sind aufgrund des schnellen Ausbaus der Produktionskapazitäten für bestehende Technologien die Kosten der Photovoltaik stark gefallen. Neben der Fokussierung auf weitere Kostensenkung spielt heute vermehrt der Aspekt der Nachhaltigkeit eine wichtige Rolle. Die insgesamt noch junge Technologie Photovoltaik hat noch Verbesserungspotenzial beim Energie- und Rohstoffverbrauch. Hierzu müssen Materialien und Konzepte entwickelt werden, die mittel- bis längerfristig Alternativen bieten können.

Ziel der weltweit einmaligen Forschungsarbeiten des Fraunhofer ISE an effizienten »in-situ« Solarzellen ist es, eine möglichst ressourcenschonende, lokal produzierbare Photovoltaik zu ermöglichen. Die Verarbeitungsschritte der jetzt mit 12,6 % Wirkungsgrad erfolgreichen gedruckten Perowskitsolarzelle ähneln jenen der Glasverarbeitung.

Das Fraunhofer ISE koordiniert ein vom Bundesministerium für Bildung und Forschung BMBF gefördertes Verbundprojekt MesoPIN zur Materialentwicklung von gedruckten Perowskitsolarzellen. Projektpartner sind die Universitäten Konstanz, Bayreuth und Freiburg sowie die Firmen Opvius GmbH in Nürnberg und Kitzingen und Thieme in Teningen.

Über die wissenschaftlichen Hintergründe dieser Arbeiten berichteten die Forscher des Fraunhofer ISE in den renommierten Zeitschrift Nature Scientific Reports sowie in den ACS Energy Letters und im ScienceBlog des Instituts »Innovation4E«.

Das Fraunhofer ISE forscht neben dem Schwerpunkt Siliciumsolarzellen sowie III-V Halbleiterverbindungen auch an neuartigen Photovoltaik-Technologien wie Organische, Farbstoff- und Perowskitsolarzellen.

Obiger Text gibt nur Ausschnitte wieder - volle Länge bei > ISE

Mittwoch, 16. Mai 2018

Bald öffnen die Türen

Endlich ist der Sommer da. Die Sonne schenkt wieder viele warme Stunden pro Tag. Die machen nicht einfach bloss glücklich, sondern können sinnvoll genutzt werden. Jedes Jahr bringt neue Errungenschaften in der Sonnenenergie. Diese wird so immer produktiver, effizienter und populärer. An den Tagen der Sonne 2018 vom 25. Mai bis zum 3. Juni werden neue und altbewährte Erfolge und Nutzungsmöglichkeiten präsentiert. Wer sich das Datum noch nicht gross im Kalender angestrichen hat, sollte spätestens jetzt einen dicken Filzstift zücken.

Ob in der Stadt, auf dem Land, für alte Hasen oder Neuinteressierte – die Tage der Sonne bieten für alle ein passendes Programm. Zwar findet der Startevent in Bern statt, doch erstrecken sich die restlichen Tage der Sonne über die gesamte Deutsch- und Westschweiz. Neben zahlreichen offenen Türen von verschiedensten Firmen und Organisationen, zum Beispiel bei Clevergie in Wyssachen, können bei der Werth AG in Käsiwil oder der Familie Borner, Deppeler und Künzler in Lostorf auch Elektro-Fahrzeuge getestet werden. Spannende Filme zum Thema Sonnenenergie und erneuerbare Energien können Sie sich im Kino Odeon in Brugg oder im Kellertheater LaMarotte in Affoltern am Albis ansehen. Wer Lust hat, sich handwerklich zu betätigen, kann zusammen mit dem WWF einen Solarkocher oder in der Kafimüli in Stallikon ein Solarauto bauen. Wer dieses anschliessend gleich ausprobieren möchte, findet auch die passenden Rennen in Lyss (Seeländer Cup), St. Gallen (Umwelt und Energie Stadt St. Gallen) und Neftenbach (Gemeindehausplatz). Die Heizzentrale des Wärmeverbundes in Hedingen organisiert zudem einen Energieparcours mit anschliessendem Quiz und Gewinnspiel. Bei dieser Vielfalt an Anlässen lässt sich für jede/n etwas finden! Dies ist selbstverständlich bloss eine Auswahl. Das restliche Programm lässt sich auf unserer Homepage in der Veranstaltungsübersicht ganz einfach, nach Tagen oder geographischer Lage sortiert, durchstöbern.

Bern Sonnenenergie lautet das Motto des diesjährigen Startevents zu den Tagen der Sonne. Die Veranstalter locken mit einem kunterbunten Programm die breite Bevölkerung in die Alte Feuerwehr Viktoria im beliebten Berner Breitenrainquartier: Von Theater- und Kinovorführungen über Fachreferate bis hin zu Konzerten und einem tollen Kinderprogramm bietet der Event für Gross und Klein, für Kulturfreund/innen und Technikinteressierte, für politische und unpolitische Menschen etwas. Zudem lädt das kulinarische Angebot zum Verweilen ein. Das Sonnenenergiefestival startet am Freitagabend, 25. Mai 2018 in der Schule für Gestaltung Bern mit der Theaterformation R.A.B. aus Deutschland. Im Stück «Auf der Spitze des Eisbergs – Eine Komödie zum Schmelzen» finden sich die Protagonist/innen im Jahr 2040 auf dem letzten Eisberg wieder. Der Ausklang des Abends findet dann in der Alten Feuerwehr Viktoria statt.

Gesamtes Programm unter www.tagedersonne.ch/festival, Alte Feuerwehr Viktoria, Viktoriastrasse 70, 3013 Bern, 25. – 27. Mai 2018, Eintritt frei



Dienstag, 15. Mai 2018

Die EKZ und ihr Grosspeicher

Die EKZ (Elektrizitätswerke des Kantons Zürich) haben in Volketswil den grössten Batteriespeicher der Schweiz in Betrieb genommen. Das 18-Megawatt-Speichersystem trägt dazu bei, das Stromnetz in der Schweiz und Europa zu stabilisieren (siehe auch Solarmedia vom 18. August 2017). 

 
Im beschrifteten EKZ-Container (Mitte) befinden sich
wie in  zwei weiteren insgesamt 1428 Batteriemodule.



Eine Seltenheit in der Energiebranche: Mit
Marina Gonzalez Vayà steht eine Frau
zuvorderst in der Projektleitung.


Im Innern des Containers mit den Batteriemodulen
ist es heiss und stickig - aber keinesfalls gefährlich
(Bilder: Guntram Rehsche - vergrössern mit Klick auf diese!)
Das neue Batteriespeichersystem in Volketswil hat eine maximale Leistung von 18 Megawatt und kann 7‘500 Kilowattstunden Energie speichern. Mit dieser Energiemenge könnte die Batterie die 18‘500 Einwohner von Volketswil während 8 bis 12 Minuten mit Strom versorgen. In der Praxis hat der neue Speicher aber eine ganz andere Aufgabe: Das System, das Energie mittels Lithium-Ionen-Technologie speichert, liefert so genannte Regelenergie. Es trägt also dazu bei, das Stromnetz zu stabilisieren. «Wenn wir den Batteriespeicher in Betrieb nehmen, merken die Kunden nichts davon», erklärt Michael Koller, Leiter Technologiemanagement bei den EKZ. «Dennoch leisten wir mit dem Speicher einen Beitrag dafür, dass der Strom auch in Zukunft zuverlässig aus der Steckdose kommt, wenn wir ihn brauchen.»

Und so funktioniert Regelenergie: Das Stromnetz kennt keine Landesgrenzen. Es vernetzt das gesamte kontinentale Europa – von Istanbul bis Lissabon. Damit es nicht zu Stromausfällen kommt, müssen sich Produktion und Verbrauch in diesem Netz zu jeder Zeit die Waage halten. Jedes Ungleichgewicht muss sofort ausgeglichen werden. In der Schweiz liefern heute vor allem Wasserkraftwerke die dafür nötige Regelenergie. Batteriespeicher wie jener in Volketswil erledigen diese Aufgabe viel schneller und ergänzen die Wasserkraftwerke optimal.
 
Mit zunehmender Bedeutung der neuen erneuerbaren Energien, werden auch Energiespeicher immer wichtiger. Die Produktion aus Solar- und Windkraftwerken ist weniger gut vorhersagbar. Regelenergie wird damit in Zukunft an Bedeutung gewinnen. Mit dem neuen Batteriespeicher in Volketswil rüsten sich die EKZ bereits heute dafür. «Der Batteriespeicher ist ein wichtiges Stück Energiezukunft.», sagt EKZ CEO Urs Rengel. «Es ist für uns allerdings nicht nur eine Herzensangelegenheit. Die Bereitstellung von Regelenergie ist auch wirtschaftlich.»

Zahlen, Fakten und weitere Informationen zum Batteriespeicher finden Sie hier.

Das Erklärvideo zum Batteriespeicher können Sie hier

Quelle: EKZ - Bilder Solarmedia

Sonntag, 13. Mai 2018

Selbst Trump schafft's nicht

Der Wahlsieg von Donald Trump vor nunmehr anderthalb Jahren trieb vielen Befürwortern der Erneuerbaren Energien und insbesondere der Solarenergie den Schweiss auf die Stirn. Jetzt zeigt sich, dass die US-Solarwirtschaft vitaler denn je ist – und vielleicht ergibt sich unmittelbar noch mehr Schub. 

Nichts da mit Kohle-Renaissance in den USA -
ausgebaut wird vielmehr die Wind- und Solarenergie.
Die USA starteten mit Ladehemmung ins Solarzeitalter. Das war in den Nullerjahren dieses Jahrtausends mit George W. Bush naheliegenderweise einem anderen republikanischen Präsidenten geschuldet. Barack Obama brachte dann wohl auch nicht den für die Solarenergie allgemein erwarteten und erhofften Aufschwung auf ganz breiter Basis. Immerhin zeigte sich Obama wiederholt mit Exponenten der Industrie oder eröffnete deren Anlagen – worunter sich auch Investitionsflops befanden wie jene Firma, der der Staat rund eine halbe Milliarde US-$ hinterher warf – um dann herauszufinden, dass PV und Röhren sich eher weniger vertragen. 

Aber immerhin – in Obamas Amtszeit wurde ein Steuersystem fortgeführt, das die Investition in solare Heimanlagen begünstigte, in anderer Art als die in Europa unterdessen weit verbreitete Einspeisevergütung. Diese Tax Reduction hat Präsident Donald Trump wenigstens immer noch nicht abgeschafft – wo er sich sonst doch bemüht, das Erbe seines Vorgängers radikal auszuradieren. Wie unlängst geschehen mit dem Iran-Atom-Deal und zuvor eher erfolglos versucht mit der Gesundheitsreform (Obamacare). 

Und jetzt machen Meldungen aus den USA die Runde, die die Robustheit der US-Solarwirtschaft zeigen. Dabei ist es nicht einmal der Technik-Freak Elon Musk (dessen Solarsparte sich nach deutlichen Umsatzeinbussen eher auf Tauchgang befindet), der für Furore sorgt. Vielmehr meldet die Plattform Renewable EnergyWorld aktives staatliches Handeln, einfach auf Ebene der einzelnen Staaten und nicht der Washingtoner Zentralregierung. So will Kalifornien bis ins Jahr 2020 (nicht vergessen: das ist bald!) durchsetzen, dass sämtliche Neubauten mit Photovoltaik-Anlagen bestückt werden. Was einer ordentlichen Obstruktion der Bundespolitik gleichkommt, wie der Vertreter einer Energie-NGO meinte. Vorschriften bezüglich der Speicherung von Solarstrom (etwa den Einbau einer Batterie) kennt das kalifornische Gesetz allerdings nicht. Den erwarteten Zubau von jährlich rund 200 Megawatt toppt die aktuelle Situation sowieso schon um ein Mehrfaches – Kalifornien verfügt bereits über 5,7 Gigawatt solarer Kapazität (nur auf Hausdächern). 

Ergänzen lässt sich die kalifornische Erfolgsgeschichte mit diversen Meldungen aus anderen Bundesstaaten der USA, die allesamt das Vordringen der Photovoltaik belegen – so etwa im solar besonders aktiven Hawaii, wo die Vollversorgung mit 100 Prozent Erneuerbaren mit grossem Solaranteil bald Realität sein wird – siehe auch Renewable EnergyWorld. Im Bundesstaat Michigan ist eine Gesetzesänderung unterwegs, die den solaren Freiheiten der BürgerInnen wie der Unternehmen mehr Geltung verschaffen soll. Und in Puerto Rico (kein vollwertiger US-Bundesstaat) macht die Einführung der Blockchain Hoffnung, dass die Sturmkatastrophe mit verheerenden Auswirkungen auf die Stromversorgung bald vergessen sein wird.
 
Fast schon als historische Fussnote der Geschichte der USA kann da gelten, dass verschiedene Solarfirmen nunmehr (endlich) in jenen Bundesstaaten investieren, die über eine wichtige Kohlewirtschaft verfügen und wo ständig Arbeitsplätze verloren gehen (zum Beispiel in Kentucky). Doch die Rache des Präsidenten ist andersweitig spürbar: Soeben hat er den  Todesstoß gegen ein NASA-Programm zur Klimaerwärmung beschlossen - das sogenannte CMS kommt im US-Haushalt nicht mehr vor. Eine Expertin bezeichnete die Streichung als "schweren Fehler" siehe auch Spiegel.

Dafür ergibt sich für die Solarwirtschaft weltweit unmittelbar wohl weiterer Schub, der auch mit den USA und dessen Egomanen-Präsidenten zu tun hat: Tanken und Heizen ist so teuer wie seit Jahren nicht mehr. Das liegt auch an US-Donald Trump. Nachdem der US-Präsident das Atomabkommen mit Iran aufgekündigt und neue Sanktionen gegen das Land in Aussicht gestellt hat, könnte die Fördermenge weiter sinken. Experten rechnen mit einem Verlust von 2,5 Millionen Barrel pro Tag. Und steigende Preise der fossilen Energieträger werden die Erneuerbaren in den USA wie anderswo zusätzlich stützen - Trump schafft es nicht, der neuen Energie den Wind aus den Segeln zu nehmen. 

Mittwoch, 9. Mai 2018

Und hier ist das Handbuch

Eigenverbrauch ist das Schlagwort der Stunde - auch auf Solarmedia (alle Artikel unter dem Solarmedia-Label Eigenverbrauch auffindbar - siehe linke Blogspalte unten). Hier folgt der Hinweis auf eines der Handbücher zum Thema:

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Mit dem neuen Energiegesetz wurde die Möglichkeit des Eigenverbrauchs deutlich ausgeweitet. Dies mit dem Ziel, dass möglichst viele Anlagenbesitzer den selber produzierten Strom auch gleich direkt selber nutzen. Da die Stromproduktion auf dem Dach und der Verbrauch aber nicht unbedingt immer zeitgleich stattfinden, müssen Produktion und Verbrauch auf einander abgestimmt werden. Technisch gibt es dafür eine ganze Palette von Möglichkeiten, um den so genannten Eigenverbrauchsanteil deutlich zu steigern: mittels dem Einsatz einer solarstromgetriebenen Wärmepumpe, der gezielten Steuerung des Verbrauchs im Haushalt, aber auch durch Einsatz von Batteriespeichern und dem Laden von Elektrofahrzeugen.

Wie diese Möglichkeiten konkret anzuwenden sind, wird im „Handbuch Eigenverbrauch“ gezeigt, das kürzlich von EnergieSchweiz in den drei Landessprachen veröffentlicht wurde. Das Handbuch wurde vom Verband unabhängiger Energieerzeuger (www.vese.ch) verfasst und richtet sich an Laien sowie an Fachleute. So kann das Handbuch als Einführung in die verschieden Themengebiete dienen, es bietet aber auch konkrete Tipps für die praktische Umsetzung der verschiedenen technischen Möglichkeiten. Abgerundet wird das Handbuch durch eine Übersicht der heute am Markt verfügbaren Geräte zur Steigerung der Eigenverbrauchs wie Wechselrichter, Batterien und Steuer- und Smart-Home-Systeme.

Wieland Hintz, Fachexperte Erneuerbare Energien BFE/energeiaplus.com

Montag, 7. Mai 2018

Solarstrom für MieterInnen

Ein Solarkraftwerk auf dem Dach war bisher vor allem für Einfamilienhausbesitzer eine Option. Seit Januar erleichtert der Gesetzgeber die Bildung von  Eigenverbrauchsgemeinschaften (EVG). Damit öffnen sich ganz neue Möglichkeiten für den Einsatz von Photovoltaik auf Mehrfamilienhäusern. Und mit der Umsetzung der  Mustervorschriften der Kantone im Energiebereich (Muken) könnten EVG teilweise gar zur Pflicht werden - ein Bericht des Kommunalmagazins.

Pioniere: Die Baugenossenschaft Mehr als Wohnen
errichtete auf dem Hunziker-Areal in Zürich bereits
2015 eine gemeinschaftlich genutzte Photovoltaikanlage.
Wer ein Einfamilienhaus besitzt, und insbesondere wer eines baut, hat sich sicher schon einmal mit Sonnenenergie befasst. Seinen eigenen Strom zu produzieren und somit Geld zu sparen und erst noch etwas Gutes für die Umwelt zu tun, ist zumindest eine Überlegung wert. Wer also ein Haus besitzt, kann relativ einfach zum «Prosumenten» werden, diesem schicken Kofferwort aus Konsument und Produzent. Doch fast zwei von drei Schweizern sind Mieter. Ihnen sind in dieser Sache die Hände gebunden. Denn noch kaum ein Hauseigentümer hat auf dem Dach seines Mehrfamilienhauses eine Solaranlage installiert. Das erstaunt nicht, denn bis anhin waren die Bestimmungen ein ziemlicher Hemmschuh.
 
Wenn sich mehrere Parteien eine Energiequelle teilen, bevor der überschüssige Strom ins Netz gespeist wird, spricht man in der Schweiz von einer Eigenverbrauchsgemeinschaft (EVG). Diese sind eigentlich schon seit 2014 zugelassen, wurden aber selten implementiert, weil dies sehr kompliziert war. Meist werden Photovoltaikanlagen dafür genutzt, es eignet sich aber auch ein Windkraftwerk oder eine Wärme-Kraft-Koppelungs-Anlage. «Die Umsetzbarkeit hing bisher sehr stark vom Goodwill des jeweiligen Energieversorgers ab», sagt David Stickelberger, Geschäftsleiter von Swissolar, dem Fachverband für Sonnenenergie. Per 1. 1. 2018 trat nun das totalrevidierte Energiegesetz in Kraft. Es vereinfacht die Bildung von EVG vor allem in zwei Punkten:
  • Neu können EVG auch über mehr als ein Grundstück hinweg gebildet werden, sofern dabei das öffentliche Stromnetz nicht beansprucht wird.
  • Die EVG verfügt gegenüber dem Netzbetreiber über einen einzigen Messpunkt.
Der erste Punkt ermöglicht viel grossflächigere EVG. Bereits entsteht in Huttwil BE eine ganze Siedlung, die eine einzige, grosse EVG bilden wird (mehr dazu im nächsten Kommunalmagazin). Vor allem den zweiten Punkt erachten Experten aber als essenziell für den künftigen Erfolg von EVG. «Bisher musste bei jedem Mieterwechsel ein neuer Vertrag mit dem Energieversorger gemacht werden. Das war mühsam, unpraktisch, kompliziert und teuer, denn die Energieversorger verlangten teilweise hohe Gebühren dafür», sagt Cyrill Burch, Gründer des EVG-Zentrums, einer der ersten auf EVG spezialisierten Dienstleister der Schweiz. Jeder Mieter brauchte seinen eigenen Zähler und seinen eigenen, komplizierten Vertrag mit dem Versorger. «Der Aufwand war unverhältnismässig, darum wurden viele Projekte nicht umgesetzt», so Burch.
 
Mit der heutigen Gesetzeslage ist das nicht mehr so: Hat sich ein Mieter für den Anschluss an die EVG entschieden, muss auch der Nachmieter mitmachen. Der bürokratische Prozess konnte also stark vereinfacht werden. «Bestehende Mieter kann man natürlich nicht zum mitmachen bei der EVG zwingen», sagt Stickelberger. «Doch die Stromrechnung wird mit einer EVG praktisch immer kleiner, es gibt also keine guten Gründe sich nicht anzuschliessen.» Nachteil für den Hauseigentümer: Er ist nun selbst dafür verantwortlich, den Eigenverbrauch des Solarstroms zu verwalten, denn der Netzbetreiber kontrolliert mit der neuen Gesetzesgrundlage nur noch einen Messpunkt. Im Normalfall macht der Eigentümer das nicht selber, sondern bezieht diese Dienstleistung vom Energieversorger, sofern dieser sie anbietet. Oder er wendet sich an spezialisierte Dienstleister wie das EVG-Zentrum.
 
Dass es bei kleineren Projekten für den Hausbesitzer aber durchaus möglich ist, die EVG selbst zu verwalten, zeigt ein Beispiel aus Liestal BL: Bereits 2014 hat Eigentümer Andreas Appenzeller im Rahmen eines Pilotprojekts eine kleine Dünnschicht-Solaranlage mit einer Stromproduktion von 4300 Kilowattstunden (kWh) im Jahr auf seinem Dreifamilienhaus errichten lassen. Nun kümmert er sich selbst um die Abrechnung. Der Energieversorger schickt Appenzeller nur noch eine Rechnung für den Verbrauch der gesamten Liegenschaft, der an einem bidirektionalen, zentralen Zähler erfasst wird. Basierend auf den Verbrauchsdaten der vier individuellen Zähler (3 × Wohnung, 1 × Allgemeinstrom) erstellt Appenzeller die Stromrechnung an seine Mieter selber und rechnet sie über die Nebenkosten ab.
Wann lohnt es sich, über eine EVG nachzudenken? «Das ist sehr individuell», sagt Cyrill Burch. «Grundsätzlich kann man sagen: Je höher der Anteil an produziertem Strom, den man im Rahmen der EVG auch selbst verbraucht, desto profitabler ist die Anlage.» Denn mit dem Wechsel von der kostendeckenden zur kostenorientierten Einspeisevergütung (KEV) per 1. 1. 2018 ist das Einspeisen des selbst produzierten Solarstroms eher eine Minimierung des Verlustes als eine gewinnbringende Tätigkeit. Handelt es sich um eine Grossanlage mit einem Jahresverbrauch von über 100 000 kWh ändern sich die Rahmenbedingungen erneut: Dann darf man nämlich den nicht selbst produzierten Strom auf dem freien Markt beschaffen und spart auch im Einkauf Geld. Und das macht trotz eigenem Kraftwerk auf dem Dach in den allermeisten Fällen immer noch den Löwenanteil des konsumierten Stroms aus: «Je nach Fall liegt der Anteil an selbst produziertem Strom zwischen 5 und 50 Prozent, meist um die 30 Prozent.»
 
Hinzu kommt: Im Normalfall sind Kleinanlagen auf Bestandesliegenschaften, wie etwa diejenige von Andreas Appenzeller in Liestal, nicht sehr lukrativ. «Im Bestand lohnt es sich meist erst ab etwa zehn beteiligten Mietern, je nach den Rahmenbedingungen des Energieversorgers», sagt Burch. Einen Einfluss auf die Rentabilität haben natürlich auch bauliche Faktoren: Wie ist das Dach gebaut? Ist es ein Giebel- oder ein Flachdach? In welche Richtung ist es exponiert? «Das Errichten einer EVG ist eine komplexe Angelegenheit, für die der Bauherr einen professionellen Dienstleister braucht», so Burch.
 
Anders präsentiert sich die Situation bei Mehrfamilienhaus-Neubauten. Hier dürften EVG in nicht allzu langer Zeit zum Standard werden. Die Mustervorschriften der Kantone im Energiebereich (Muken) machen die Eigenstromproduktion für Neubauten grundsätzlich zur Pflicht. Gemäss den Muken ist eine Elektrizitätserzeugungsanlage von mindestens 10 Watt pro Quadratmeter Energiebezugsfläche im, auf oder am Gebäude zu installieren. Doch die Muken werden von Kanton zu Kanton unterschiedlich umgesetzt und sind in vielen Ständen noch im Gesetzgebungsprozess. Einzig die Kantone Obwalden und Basel-Stadt haben die Muken-Bestimmungen zur Eigenstromerzeugung bisher unverändert übernommen. In der Waadt und in Freiburg werden alternative Regelungen eingeführt.
 
Wer seinen Neubau künftig nach Minergiestandard zertifizieren lassen will, kommt um EVG aber kaum mehr herum. Denn für alle Minergie-Neubauten gilt unterdessen die Pflicht zur Installation einer Anlage zur Eigenstromerzeugung, «beispielsweise durch Photovoltaikanlagen, Wärme-Kraft-Koppelungs-Anlagen oder Windkraftanlagen», wie dem «Produktreglement zu den Minergie-Gebäudestandards» zu entnehmen ist. Egal welche der drei Optionen man wählt: Eine EVG ist bei Mehrfamilienhäusern also Voraussetzung für die Zertifizierung. Für den Laien ist es angesichts der Komplexität von EVG schwierig, den Überblick zu behalten. Die sich ständig ändernde Gesetzeslage macht das Unterfangen gar nahezu unmöglich. «Umso schöner ist es, dass sich alle relevanten Verbände und das Bundesamt für Energie zusammengetan haben, um einen Leitfaden zu EVG zu verfassen», sagt Burch. Dieser wurde an der nationalen Photovoltaik-Tagung im April in Bern der Öffentlichkeit vorgestellt. 

Besonders gefordert sind für Burch nun die Baubranche und die lokalen Energieversorger: «Erstere muss verstehen, dass man EVG künftig bei jedem grösseren Bauprojekt prüfen sollte. Letztere müssen bereit sein und günstige Rahmenbedingungen für EVG schaffen.»

Quelle: kommunalmagazin.ch 

Donnerstag, 3. Mai 2018

Quaschning: Mehr mehr mehr!



Der Berliner Professor Volker Quaschning referierte in Bad Staffelheim und hielt fest: Um die Pariser Klimaschutzziele einzuhalten, müsste der Photovoltaikzubau in Deutschland mindestens verachtfacht werden. Die aktuelle deutsche Gesetzgebung verhindert größere Teile des möglichen Photovoltaikausbaus. Das Video zeigt, welche Änderungen für einen erfolgreichen Klimaschutz nötig wären und wie Photovoltaikanlagen helfen können, den eigenen CO2-Rucksack signifikant zu reduzieren.

Mittwoch, 2. Mai 2018

Liberalisierung befreite EE

Die Liberalisierung des Strommarktes in der Europäischen Union vor 20 Jahren hat in Deutschland und zahlreichen weiteren EU-Mitgliedstaaten positive Auswirkungen auf die Anbietervielfalt zugunsten einer nachhaltigeren Stromproduktion gehabt. Staaten, die Chancen der Liberalisierung versäumten, hinken hingegen häufig bei der Entwicklung Erneuerbarer Energien (EE) hinterher. Dieses Fazit zieht die Agentur für Erneuerbare Energien (AEE) nach Auswertung zentraler Kennzahlen zur Entwicklung der Strommärkte in der EU in den vergangenen zwei Jahrzehnten.

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Mit dem am 29. April 1998 in Kraft getretenen „Gesetz zur Neuregelung des Energiewirtschaftsrechts“ setzte Deutschland die EU rechtlich vorgegebene Liberalisierung der Strommärkte um. Verbraucherinnen und Verbraucher können seitdem ihren Stromanbieter frei wählen, der Netzzugang für neue Stromanbieter wurde rechtlich verankert. Die Zahl der Stromanbieter hat sich mittlerweile auf bundesweit mehr als 450 erhöht. Ähnlich dynamisch war die Entwicklung in anderen EU-Ländern, welche die Liberalisierung entschlossen anpackten, z.B. in Dänemark, den Niederlanden und Spanien, die jeweils über mehrere Dutzend unabhängige Stromanbieter verfügen. Zugleich stieg der Anteil Erneuerbarer Energien in diesen Staaten im EU-Vergleich überdurchschnittlich. So verzehnfachte sich die Stromproduktion aus Erneuerbaren Energien in Dänemark und den Niederlanden seit Ende der 1990er Jahre. In Deutschland versechsfachte sie sich. „Pioniere bei der Liberalisierung sind häufig auch Vorreiter beim Ausbau Erneuerbarer Energien. Das liegt daran, dass die Auflösung alter, von fossilen Energien geprägten Monopolen, den Weg frei machte für neue, innovative, umweltfreundliche Unternehmen und Produkte“, erklärt der Geschäftsführer der Agentur für Erneuerbare Energien (AEE), Philipp Vohrer.

„Liberalisierung ist aber nicht zu verwechseln mit Laissez-faire. Die Erfahrung der vergangenen 20 Jahre hat gezeigt, dass gerade in Zeiten des Marktumbruchs eine umsichtige Regulierung der Märkte notwendig ist, um den Rechten von Verbrauchern und Unternehmen Geltung zu verschaffen“, hebt Vohrer hervor. Jüngstes Beispiel: Das in Brüssel verhandelte Gesetzespaket zu sauberer Energie, das sogenannte „Clean Energy Package“, das aktuell zwischen Europäischer Kommission, Europaparlament und den Regierungen der EU-Mitgliedstaaten verhandelt wird. Erstmals sollen damit europaweit Rechte für Bürgerenergie-Projekte festgelegt werden. Dazu gehört das Recht, Strom aus solchen Projekten zu speichern und über das Netz zu verkaufen. Ziel ist auch eine Stärkung kommunaler Wertschöpfung und der Bürgerbeteiligung vor Ort. „Für einen modernen, dezentralen Energiemarkt mit Erneuerbaren Energien bietet das EU-Gesetzespaket große Chancen. So setzt sich gerade das Europaparlament dafür ein, den Eigenverbrauch und die Direktvermarktung vor Ort nicht unnötig zu behindern. Schließlich kann es nur mit unabhängigen Anbietern Erneuerbarer Energien echten Wettbewerb geben“, erläutert Vohrer.

Die Liberalisierung der Energiemärkte darf nicht Selbstzweck sein, sondern muss sich an den Interessen von Umwelt und Verbrauchern ausrichten. Das in Brüssel verhandelte „Clean Energy Package“ setzt auf eine Fortführung des Liberalisierungskurses, hin zu einem immer stärker integrierten EU-Binnenmarkt für Energie. Vor allem der grenzüberschreitende Stromhandel und Netzausbau sollen gestärkt werden. Viele Mitgliedstaaten, vor allem die Nachzügler in Sachen Marktöffnung, fürchten damit allerdings zusätzlichen Druck auf ihre nationalen Energiekonzerne. Sie pochen auf das Recht der Mitgliedstaaten, ihren eigenen Energiemix zu bestimmen – und damit beispielsweise die Kohle- und Atomkraftwerke ihrer etablierten Versorger vor europäischer Konkurrenz zu schützen.

Aber auch in Westeuropa – so in Großbritannien und Frankreich – haben wenige, häufig von der Atomkraft geprägte Konzerne, noch eine starke Marktstellung. „Für die Regulierer schafft das neue Herausforderungen, denn die Versuchung ist groß, angesichts des Erstarkens der immer günstiger werdenden Erneuerbaren Energien verkrustete Strukturen wie die Atomwirtschaft mit Milliarden-Subventionen am Leben zu halten“, warnt Vohrer. Dass eine entschlossene Marktöffnung keine Selbstverständlichkeit ist, zeigt auch die Entwicklung in Deutschland. Nach der eingeleiteten Liberalisierung 1998 traten andere Reformen, so die Schaffung der Bundesnetzagentur als unabhängigem Regulierer oder auch die strikte unternehmerische Trennung von Netzen und Stromproduktion erst viel später in Kraft.