Dienstag, 11. Mai 2021

Für Mindestpreise von Treibhausgas-Emissionen

In der Diskussion um die Ausrichtung der deutschen Klimaschutzpolitik schlägt die Stif­tung Klimaneutralität die Einführung eines nationalen Mindestpreises für Treibhausgas­emissionen im Stromsektor vor. Dieser Mindestpreis solle den CO2-Preis „nach unten“ absichern und ein für Investoren verlässliches Preissignal schaffen, heißt es zur Begründung. „Auch wenn in den nächs­ten Jahren ein Preisanstieg zu erwarten ist, spielt die Verlässlichkeit und Planbarkeit des CO2-Preis­signals für die Dekarbonisierung des Stromsektors eine entscheidende Rolle“, sagt Rainer Baake, Direktor der Stiftung Klimaneutralität. „Die Erfahrungen seit Einführung des Emissions­handels im Jahr 2005 zeigen, dass die Preisentwicklung sehr ungleichmäßig und wenig vorherseh­bar war. Dies gilt es zu verhindern, damit notwendige Investitionen in klimaschonende Techno­logien nicht un­terbleiben, sondern rechtzeitig erfolgen.“

 

Rainer Baake: „Unser Vorschlag ist praktikabel und rechtsicher umsetzbar. Er kann und soll einen wesentlichen Beitrag zur Erhöhung der Planungssicherheit für die Akteure im Stromsektor in Deutsch­land leisten. Er würde dazu beitragen, dass wir auch ein angehobenes Klimaziel für 2030 erreichen – jedenfalls dann, wenn auch die anderen Sektoren ihre Beiträge liefern. Umgekehrt gilt, ohne eine entschiedene Dekarbonisierung des Stromsektors läuft eine Elektrifizierung der anderen Sektoren ins Leere, da unter dem Strich keine Treibhausgasminderung stattfindet.“

Die neuen Klimaziele der Bundesregierung sehen für 2030 eine Minderung der Treibhausgasemis­sio­nen um 65% vor. Dieses Ziel kann nach Analysen der Stiftung Klimaneutralität nur durch ein Vor­zie­hen des Kohleausstiegs von derzeit 2038 auf 2030 erreicht werden. Eine solche Entwicklung ist zwar in Folge der in der EU ebenfalls kürzlich angehobenen Klimaziele wahrscheinlich, sollte aber im Inter­esse der Investitionssicherheit im deutschen Stromsektor durch einen Mindestpreis abgesichert wer­den.

Nach dem Vorschlag der Stiftung, dessen Details das Öko-Institut in ihrem Auftrag ausgearbeitet hat, soll der CO2-Mindestpreis ab 2025 gelten und im ersten Jahr 50 Euro pro Tonne CO2 betragen – ein Ausgangswert, der nur leicht oberhalb des heutigen Niveaus liegt. In Anlehnung an die gehobenen Klimaschutzziele müsse der Zielpfad für den Mindestpreis so festgelegt werden, dass er im Jahr 2030 ein Niveau von 65 Euro je Tonne CO2 erreicht. Demnach sei ein jährlicher Anstieg von 3 Euro pro Ton­ne CO2 notwendig.

Solange die CO2-Preise im Europäischen Emissionshandelssystem (ETS) über diesen festgelegten Wer­ten liegen, hätte der Mindestpreis keine Wirkung. Greifen würde er dem Vorschlag zufolge ledig­lich bei niedrigeren CO2-Preisen im ETS. In diesen Fällen würde ein entsprechender Aufschlag bei den Energiesteuer fällig, so dass in Summe der Mindestpreis zu zahlen sei. Rainer Baake: „Dieser Mecha­nismus wird für ein vorhersehbares Preisniveau für die Emissionen in der Stromerzeugung in Deut­sch­land sorgen – und dafür, dass Unsicherheiten für Investoren beseitigt werden.“

Erhoben werden könne der Mindestpreis über den Weg einer angepassten Energiebesteuerung. Falls die CO2-Preise im ETS unterhalb des Zielpreises liegen, werde die bestehende Energiesteuer­befreiung für Energieträger zur Stromerzeugung aufgehoben. Die Steuersätze würden im Energiesteuergesetz festgelegt und könnten so bei der Planung der Unternehmen berücksichtigt werden.

Dass eine solche Regelung sowohl mit dem Europarecht als auch mit dem deutschen Grundgesetz vereinbar ist, hat die Stiftung Klimaneutralität durch ein Rechtsgutachten prüfen lassen. Die Gutach­ter*innen der Stiftung Umweltenergierecht in Würzburg kamen zu dem Ergebnis, dass der Vorschlag dem Anforderungskatalog der Verbrauchsteuersystem-Richtlinie entspreche, nicht gegen das abgabenrechtliche Diskriminierungsverbot verstößt sowie beihilferechtlich genehmigungsfähig sei. Eine Gesetzgebungskompetenz des Bundes sei gegeben, da es sich um die Anpassung einer zuläs­sigen Verbrauchsteuer handele. Darüber hinaus werde durch den Vorschlag keine Neuverhand­lung des öffentlich-rechtlichen Vertrags mit den Braunkohleunternehmen notwendig.

Weitere Informationen: Ergänzend zu dieser Pressemitteilung stehen weitere Informationen zu diesem Thema zum Download bereit:

https://www.stiftung-klima.de/de/themen/energie/co2-mindestpreis/

Über die Stiftung Klimaneutralität:  Die Stiftung Klimaneutralität hat im Juli 2020 in Berlin ihre Arbeit aufgenommen. Ihr Ziel ist es, Wege zur Klimaneutralität aufzuzeigen. Sie entwickelt in enger Kooperation mit anderen Denkfabriken sek­torübergreifende Strategien für ein klimagerechtes Deutschland. Auf der Basis von guter For­schung will die Stiftung informieren und beraten – jenseits von Einzelinteressen. www.stiftung-klima.de

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Mittwoch, 5. Mai 2021

Int. Designpreis für Schweizer Solarsystem

Der Solarhersteller Megasol entwickelte ein neues Solardach, das nahtlos in Ziegel- und Schindeleindeckungen integriert werden kann. Das Schweizer Unternehmen aus Deitingen (SO) wurde dafür mit dem Red Dot Design Award ausgezeichnet.

Das Solardach „Match“ von Megasol bringt eine grosse Neuerung mit sich: Es lässt sich in die bestehende Dacheindeckung – sei es Ziegel oder Schindel – integrieren. Damit ändert sich beim Bau einer Solaranlage die gewohnte Optik des eigenen Hauses nicht. „Mit Match entsteht eine wunderschöne, homogene Fläche.“, lässt sich Jürg Beyeler, Dachdecker und Inhaber von W. Beyeler und Söhne AG, zitieren. Weiter sagt er: „Man kann die Flächen optimal nutzen, da man die Anschlüsse mit Tonziegeln machen kann.“ Das neue System ist in zwei verschiedenen Varianten verfügbar: Match Tile passt zu klassischen Ziegeln, während das Modell Match Slate für Schindeldacheindeckungen gestaltet ist.

Für dieses neuartige Solarsystem wurde Megasol nun mit dem Red Dot Design Award ausgezeichnet. Bei dem Red Dot handelt es sich um einen der renommiertesten internationalen Designwettbewerbe mit mehr als 18‘000 jährliche Einreichungen von Designern und Unternehmen aus über 70 Ländern. Ausgewählt wird herausragendes Design durch kompetente Expertenjurys in den Bereichen Produktdesign, Kommunikationsdesign und Designkonzepte.

Neue, komplett blendfreie Oberfläche: Zusätzlich ermöglicht Megasol ein neues Design, das sich von den bisher gängigen Modellen durch eine reflektionslose Oberfläche unterscheidet. Die neue Oberfläche, genannt „ZeroReflect“, ist im Design-Labor der Firma entstanden und verfügt über Optik und Haptik von Naturstein. Damit fügen sich diese Solarmodule noch besser in das Gesamtbild des Daches ein als Solarmodule mit klassischem Design.

Durch das neue Design kann Blendung durch Solarmodule vollständig vermieden werden. „Blendung ist kein grundsätzliches Problem bei Solaranlagen“, erklärt Megasol CEO Markus Gisler, “in gewissen Fällen kann es aber ein Diskussionspunkt sein. Deshalb greifen wir dem Thema vor, in dem wir bei potentiell heiklen Einbausituationen mit ZeroReflect eine Lösung anbieten.“ Dies mit der Überlegung, dass Vorsicht besser ist als Nachtsicht. Die Mehrkosten seien im Verhältnis zu späteren möglichen gerichtlichen Verfahren, aufwendigen Blendgutachten oder gar Austausch der Solarmodule sehr gering. Mit der blendfreien Oberfläche lassen sich Verkehrsteilnehmer wie Autofahrer, Busfahrer oder Pilote vor Reflektionen schützen, ohne dass es je zu Diskussionen komme. Genau so würden auch potentielle nachbarschaftliche Konflikte vermieden.

Design im Namen der Energiewende: Der Schweizer Solarhersteller Megasol hat seinen Sitz im Kanton Solothurn und ist der europaweit führende Hersteller von Solarmodulen und Montagesystemen. Zur Unternehmensphilosophie gehört gemäss eigenen Angaben ein verantwortungsvoller Umgang mit Energie, um mit klimaneutralem Strom eine grüne Zukunft zu gestalten. Die neue Erfindung steht laut Lead Designer Fabio Klee-Stancheris ganz im Geiste des Unternehmens: „Wir wollen Gutes erschaffen. Insbesondere hochwertiges Design hilft dabei, dass Solarstrom künftig noch mehr Nutzern zugänglich wird.“ Mit den reflektionsfreien Oberflächen im edlen Design gibt das Unternehmen mehr Kunden den Ansporn, auf Solarstrom umzusteigen, ohne sich Sorgen um veränderte Optik oder unwahrscheinliche Blendungen machen zu müssen.

Quelle:  Megasol Energie AG, CH-4543 Deitingen
+41 62 919 90 90 www.megasol.ch

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Dienstag, 4. Mai 2021

Statistik CH-Wasserkraft

Am 1. Januar 2021 waren in der Schweiz 677 Wasserkraft-Zentralen mit einer Leistung grösser 300 kW in Betrieb (1.1.2020: 674 Anlagen). Die maximale mögliche Leistung ab Generator hat gegenüber dem Vorjahr um 22 MW zugenommen. Die Zunahme erfolgte aufgrund mehrerer neu in Betrieb gesetzten Kraftwerken und Erneuerungen.

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Die erwartete Energieproduktion der in der Statistik der Wasserkraft geführten Kraftwerke ≥ 300 kW stieg gegenüber dem Vorjahr um rund 174 GWh/Jahr auf rund 36'741 GWh/Jahr (Vorjahr: 36'567 GWh/Jahr). Davon sind 61.5 GWh/Jahr auf 2020 neu in Betrieb gegangene Zentralen zurückzuführen. Die restliche Zunahme resultiert aus der Aktualisierung von mehrjährigen Mittelwerten, insbesondere von Kraftwerken mit stark vergletschertem Einzugsgebiet. Die erwartete Energieproduktion beträgt 21'427 GWh/Jahr für das Sommerhalbjahr und 15'315 GWh/Jahr für das Winterhalbjahr. Die Kantone mit der grössten Produktionserwartung sind das Wallis mit 9‘862 GWh/Jahr (26,8%), Graubünden mit 7'993 GWh/Jahr (21,7%), Tessin mit 3'566 GWh/Jahr (9,7%) und Bern 3'336 GWh/Jahr (9,1%).

Im Jahr 2020 standen 20 Zentralen mit einer geplanten Jahresproduktion von 215 GWh im Bau: Gemäss dem geltenden Energiegesetz soll die durchschnittliche jährliche Wasserkraftproduktion bis 2035 auf 37‘400 GWh ansteigen (Richtwert). Die Entwicklung wird im Rahmen des «Monitoring Energiestrategie 2050» beobachtet. Das Monitoring stützt sich auf die vorliegende Statistik der Wasserkraft. Für das Monitoring wird jedoch von der erwarteten Energieproduktion gemäss Statistik der wirkungsgradbereinigte Verbrauch der Zubringerpumpen abgezogen und danach die effektive Produktion der kleineren Wasserkraftwerke < 300 kW addiert (die effektive Produktion der Wasserkraftwerke < 300 kW nahm 2020 um 1 GWh/Jahr zu). Für das Monitoring ergibt sich damit für 2020 eine durchschnittliche inländische Produktion von 36'274 GWh/Jahr (+137 GWh/Jahr gegenüber dem Vorjahr). 

Storymap «Die bedeutendsten Wasserkraftanlagen der Schweiz»: Mit Wasserkraft wurden 2020 rund 58% des inländischen Stroms erzeugt. Mit der Storymap des BFE wird die Statistik der Wasserkraft auf spielerische Art zugänglich gemacht. Sie visualisiert die Wasserkraftanlagen mit einer Leistung grösser als 300 kW gemäss ihrer Bedeutung für die Stromproduktion und zeigt, wo sie sich befinden und durch welche Zuflüsse sie gespeist werden.

Storymap «Wasserkraft: die speicherbare Energie» (siehe Bild oben): Die Bedeutung der Energiespeicherung für die Versorgungssicherheit nimmt zu. Wasserkraftwerke spielen dabei eine wesentliche Rolle für die Schweiz. Die Storymap des BFE zur speicherbaren Wasserkraft veranschaulicht, welche Anlagen in der Schweiz wie stark zur Speicherung beitragen und wie der jeweilige Speicheranteil im Verhältnis zur Gesamtproduktion aussieht.


Adresse für Rückfragen

Mediendienst BFE, 058 460 81 52


Herausgeber: Bundesamt für Energie: http://www.bfe.admin.ch

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Montag, 3. Mai 2021

Neue Wettbewerbsrunde für das Stromsparen

In diesem Jahr werden zum zwölften Mal Wettbewerbliche Ausschreibungen zum Stromsparen im Industrie- und Dienstleistungsbereich und in den Haushalten durchgeführt. Die Resultate einer ersten Ausschreibung 2021 für Projekte liegen vor: 26 Projekte erhalten insgesamt 5.4 Millionen Franken an Förderbeiträgen, um möglichst kostengünstig und nachhaltig Strom zu sparen. Anträge für die dritte Projektrunde 2021 können noch bis am 3. September 2021 eingereicht werden.

Für die erste Wettbewerbliche Ausschreibung für Projekte 2021 sind bei der Geschäftsstelle ProKilowatt insgesamt 37 Projektangebote eingegangen. Von den zulässigen Projekten erhielten diejenigen mit dem besten Kosten-Nutzen-Verhältnis, das heisst mit der billigsten eingesparten Kilowattstunde, den Zuschlag. Die Fördersumme der ersten Runde beträgt 5.4 Millionen Franken für insgesamt 26 Projekte. Damit können im Vergleich zur ersten Eingaberunde des Vorjahres mehr als doppelt so viele Projekte gefördert werden. Das thematische Spektrum reicht von der energetischen Sanierung einer Beleuchtungsanlage in einem Eisstadion, über das Optimieren einer Kälteanlage in einem Spital bis hin zu Effizienzsteigerungen von elektrischen Antrieben von Pumpen in einem Betrieb der chemischen Industrie.

Einmalige Erhöhung der verfügbaren Fördermittel für Projekte im Jahr 2021: Damit in den Unternehmen trotz Covid19-Pandemie weiterhin Stromsparmassnahmen umgesetzt werden, stehen 2021 für Projekte mehr Fördermittel zur Verfügung als in den vergangenen Jahren. Diese Massnahme gilt einmalig für die drei Projekteingaberunden 2021. Ausserdem kommt in den drei Eingaberunden 2021 für Projekte ein abgemildertes wettbewerbliches Auswahlverfahren zur Anwendung. Dadurch erhöhen sich die Chancen, einen Förderbeitrag für ein eingereichtes Projekt zu erhalten.

Im Ausschreibungsjahr 2021 werden drei Projekteingaberunden durchgeführt. Die Eingabefrist für die zweite Projektrunde endete am 23. April 2021. Anträge für die dritte Projektrunde können noch bis am 3. September 2021 eingereicht werden. Für die Abwicklung ist die Firma CimArk SA in Sion im Auftrag des Bundesamts für Energie verantwortlich.


Adresse für Rückfragen

ProKilowatt, Geschäftsstelle für Wettbewerbliche Ausschreibungen, c/o CimArk SA, 1950 Sion, 058 332 21 42
Simone Hegner, Fachspezialistin BFE Wettbewerbliche Ausschreibungen, 058 460 53 24
Medienstelle BFE, Tel. 058 460 81 52


Quelle: http://www.bfe.admin.ch

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Donnerstag, 29. April 2021

Agri-PV - (nur) in Deutschland am Abheben

Der Deutsche Bauernverband (DBV) und das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE fordern vor dem Hintergrund der aktuellen Diskussion um eine weitere EEG-Novelle in einem gemeinsamen Positionspapier, Agri-Photovoltaik – kurz Agri-PV – im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) nicht auf Ackerflächen zu begrenzen. DBV und Fraunhofer ISE begrüßen zwar grundsätzlich die Einbindung der Agri-Photovoltaik-(PV) als »besondere Solaranlage« in das EEG, sehen aber an verschieden Punkten Nachbesserungsbedarf.


»Die Integration der Agri-PV in die EEG-Sonderausschreibungen ist ein Schritt in die richtige Richtung«, sagt Prof. Dr. Andreas Bett, Leiter des Fraunhofer ISE. »Erforderlich sind jedoch zielgerichtete gemeinsame Anstrengungen, um aus der Nische in den Markt treten zu können. Andere Länder sind uns hier schon deutlich voraus.«

Der Stellvertretende Generalsekretär des DBV, Udo Hemmerling, ergänzt: »Da herkömmliche Freiflächenanlagen mit erheblichen Eingriffen in Agrarstruktur und Umwelt verbunden sind, brauchen wir Lösungen wie die Agri-PV, die in bestehende Strukturen integriert werden kann und keine zusätzlichen Flächen verbraucht. Insbesondere für die Anwendung im Obstbau und bei Sonder- und Dauerkulturen sehen wir großes Potenzial für eine Doppelnutzung.«

DBV und Fraunhofer ISE sprechen sich außerdem dafür aus, die Synergien der Technologie voll auszuschöpfen. »So sehr uns die Solarenergie auch am Herzen liegt: Wenn die Photovoltaik in die landwirtschaftliche Produktion integriert werden soll, hat sie sich dieser unterzuordnen. Sie kann ihr sogar dienen, indem sie die Resilienz der Kulturen stärkt«, stellt Andreas Bett klar. Dazu Udo Hemmerling: »Nur wenn die landwirtschaftliche Bewirtschaftung ohne nennenswerte Einschränkungen möglich bleibt, kommen die Vorteile der Agri-Photovoltaik wirklich zum Tragen.«

Zur Vollendung der Energiewende muss die heute installierte PV-Leistung vervielfacht werden, bei entsprechend hohem Bedarf an zusätzlichen Aufstellungsflächen. Die Agri-Photovoltaik verknüpft die Solarstromproduktion mit der Erzeugung landwirtschaftlicher Produkte auf ein und derselben Fläche und ermöglicht eine Doppelernte. Für das Segment im EEG wird die Bundesnetzagentur bis Oktober 2021 konkrete Anforderungen vorlegen. Wertvolle Erkenntnisse liefert das Projekt APV-RESOLA unter Federführung des Fraunhofer ISE. 

Quelle:  Fraunhofer ISE

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Mittwoch, 28. April 2021

Was, wenn wir einfach die Welt retten / handeln?

Handeln in der Klimakrise. Wir sind in einem Thriller. Sie und ich. Nicht als Leser und Autor. Als Akteure. Eine Verlagsrezension des Buchs von Autor Frank Schätzing.

Besagter Thriller schreibt sich seit Menschengedenken fort und wechselt dabei immer wieder den Titel. Aktuell heißt er Klimakrise. Pandemie. Digitalisierung. Terror. In der Vergangenheit hieß er Kalter Krieg, Wettrüsten, davor Zweiter Weltkrieg, Erster Weltkrieg. Doch nie waren wir so vielen potenziellen Schrecknissen gleichzeitig ausgesetzt wie heute. Falls Sie also dem Klimaschutz vorübergehend Ihre Aufmerksamkeit entzogen haben, um mit einer Pandemie zurechtzukommen, ist das schlichtweg menschlich. Was nichts daran ändert, dass der Klimawandel die wohl größte existenzielle Bedrohung unserer Geschichte darstellt, und ebenso wenig wie ein Virus lässt er mit sich reden. Zeit, zurück ins Handeln zu finden.

Die gute Nachricht ist: Wir können die Herausforderung meistern. Mit Wissen, Willenskraft, positivem Denken, Kreativität, der Liebe zum Leben auf unserem Planeten und ein bisschen persönlichem Heldentum, wie man es im Thriller braucht. Ab jetzt spielen wir alle – jeder von uns, auch Sie – eine Hauptrolle!

© Kiepenheuer&Witsch

Wissenschaftlich fundiert, spannend und nie ohne Humor entwirft Frank Schätzing verschiedene Szenarien unserer Zukunft, in denen wir mal versagt, mal obsiegt haben. Wir lernen die Protagonisten und Antagonisten kennen, Verantwortliche aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, begegnen Aktivisten, Leugnern und Verschwörungstheoretikern, bevor sich der Blick auf das überwältigende Panorama des Machbaren öffnet und der Autor Wege aufzeigt, wie wir der Klimafalle entkommen und alles doch noch gut, nein, besser werden kann. Die Welt zu retten ist möglich – wenn wir nur wollen. „Was, wenn wir einfach die Welt retten?“ ist ein Plädoyer für Mut und Zuversicht. Wir können die Herausforderung meistern, wenn wir nur wollen: mit Wissen, Willenskraft, positivem Denken, Kreativität, der Liebe zu unserem Planeten und ein bisschen per­sönlichem Heldentum, wie man es im Thriller braucht.

Quelle: Kiepenheuer&Witsch 2021

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Dienstag, 27. April 2021

PV-Tagung anfangs Juli

Die Schweizer PV-Branche ist von der Corona-Pandemie bisher wenig betroffen, sie spürt sogar Aufwind. Aber noch viel mehr wäre möglich und notwendig.

An der PV-Tagung 2021 von anfangs Juli steht die Frage im Zentrum,wie mit einem verstärkten Ausbau der Solarenergie die Klimakrise überwunden und gleichzeitig ein Beitrag zum wirtschaftlichen Aufschwung nach der Pandemie geleistet werden kann.

Mehr Informationen: www.pv-tagung.ch

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Montag, 26. April 2021

D: Klimaneutralität bereits bis 2045 möglich

Deutschland könnte seine für 2050 gesteckten Klimaziele wesentlich früher erreichen und schon bis 2045 treibhausgasneutral werden. Dies geht aus einer neuen Studie dreier Klimaschutzorganisationen hervor, die am Montag in Berlin veröffentlicht wurde. 

Am massiven Ausbau der Photovoltaik
führt auf dem Weg zur Klimaneutralität
nichts vorbei - Bild: Anlage von naturstrom

Das Gutachten mit dem Titel „Klimaneutrales Deutschland 2045“ zeigt, dass ein um fünf Jahre vorgezogenes Zieljahr knapp eine Milliarde Tonnen CO2-Emissionen einsparen würde. Dafür müssten Klimaschutztechnologien wie Energie-effizienz, erneuerbare Energien, Elektrifizierung und Wasserstoff noch schneller hochgefahren werden. Mit der Vorgängerstudie „Klimaneutrales Deutschland 2050“ hatten die drei Organisationen bereits gezeigt, wie das von der Bundesregierung beschlossene Ziel mit einem großen Investitions- und Modernisierungsprogramm erreicht werden kann.  

Rainer Baake, Direktor der Stiftung-Klimaneutralität: „Klimaneutralität ist ein Rennen gegen die Zeit. Inzwischen sind immer häufigere Extremwetterlagen von einer bedrohlichen Prognose zur bedrückenden Realität geworden. Der einschneidende Kurswechsel in den Vereinigten Staaten verdeutlicht die wachsende Dynamik bei der Klimaambition. Vor diesem Hintergrund liegt die Frage auf der Hand, ob auch wir in Deutschland beim Klimaschutz schneller werden können. Die Antwort ist ein klares ‚Ja‘. Was wir jetzt brauchen, ist der politische Wille, das auch umzusetzen.“  

Patrick Graichen, Direktor von Agora Energiewende: „Die globalen Leitmärkte in Nord-Amerika, Europa und Asien orientieren sich jetzt alle am Leitbild der Klimaneutralität. Wenn die deutsche Industrie der Technologielieferant für die Welt in Sachen Klimaneutralität sein will, muss sie der Entwicklung in anderen Ländern immer ein Stück voraus sein. Klimaneutralität 2045 bedeutet allein in Deutschland einen Markt für Erneuerbare Energien von etwa 30 Gigawatt pro Jahr, eine Sanierungsrate von 1,75 Prozent pro Jahr und einen schnellen Hochlauf der Wasserstoff-Technologie. Ja, das ist ambitioniert. Aber machbar. Und vor allem: Es ist gut für den Standort Deutschland und das Klima.“ Christian Hochfeld, Direktor von Agora Verkehrswende: „Mehr Tempo auf dem Weg zur Klimaneutralität bedeutet in diesem Szenario für den Verkehr vor allem mehr Tempo bei der Antriebswende. E-Pkw sowie Lkw mit batterieelektrischem, Oberleitungs- oder Brennstoffzellenantrieb müssten noch schneller auf den Markt kommen, um Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren bereits bis 2045 nahezu vollständig zu ersetzen. Das ist eine große Herausforderung, wenn der dafür nötige Strukturwandel ökonomisch und sozial gelingen soll. Und wie schon im Szenario für 2050 geht der technologische Wandel einher mit einem Wandel im Mobilitätsverständnis: mit weniger privaten Pkw und mehr öffentlichen und geteilten Verkehrsmitteln.“ Klimaschutztechnologien als ökonomische Erfolgsstrategie Ein Minderungsziel von 65 Prozent bis 2030 – wie es auch in der Vorgängerstudie Klimaneutrales Deutschland 2050 zu Grunde gelegt wurde – ist als Meilenstein auf dem Weg zur Klimaneutralität 2045 geeignet und kann die Voraussetzungen für eine beschleunigte Transformation nach 2030 schaffen. Insgesamt werden Klimaschutztechnologien, die sich bereits im Markt befinden oder bis 2030 im Markt angelaufen sind, in den Folgejahren schneller hochgefahren. Dabei wird davon ausgegangen, dass einmal getätigte Investitionen nicht vorzeitig abgeschrieben werden müssen. 

Verhaltensänderungen aufgrund eines steigenden Bewusstseins für die Dringlichkeit des Klimaproblems in der Bevölkerung sind zwar plausibel und wünschenswert, wurden jedoch ganz bewusst in dieser Analyse nicht unterstellt, um zu zeigen, welche Minderungen durch ökonomische-technische Strategien möglich sind. Die Studie zeigt deutlich, dass die Weichen heute richtig gestellt werden müssen, wenn der Übergang zur Klimaneutralität in allen Sektoren gelingen und sogar beschleunigt werden soll. Die drei Klimaschutzorganisationen appellieren gemeinsam an die Politik: „Wer den Strukturwandel erfolgreich gestalten will, der muss in der kommenden Legislaturperiode konsequent Kurs auf Klimaneutralität nehmen. Dann wird auch Klimaneutralität bis 2045 zu einer ökonomischen Erfolgsgeschichte und Deutschland könnte zum Leitmarkt und Leitanbieter für Klimaschutztechnologien werden. Die Bundestagswahl im Herbst wird damit zu einer entscheidenden Wegmarke für den Klimaschutz.“ 

Für die wichtigsten Wirtschaftssektoren bedeutet das Szenario im Einzelnen: In der Energiewirtschaft werden Erneuerbare Energien stärker und schneller ausgebaut. Der Strom-verbrauch wächst von 2030 bis 2045 um knapp 60 Prozent auf etwa 1.000 Terawattstunden – vor allem durch die weitere Elektrifizierung sowie die steigende inländische Herstellung von Wasserstoff. Der Fokus des Zubaus an Erneuerbaren Energien nach 2030 liegt weiter auf der Windenergie und der Photovoltaik. Wasserstoff gewinnt zunehmend an Bedeutung und löst nach 2040 Erdgas als wichtigsten Energieträger für die regelbare Stromerzeugung ab – in Zeiten, wo weder ausreichend Sonnen- noch Windenergie zur Verfügung stehen. Die im Jahr 2045 benötigte installierte Leistung von Photovoltaikanlagen beträgt 385 Gigawatt. Gegenüber dem Vergleichsjahr in der Studie Klimaneutrales Deutschland 2050 bedeutet dies eine Steigerung um 70 Gigawatt. Auch für die Windkraft sind nochmals höhere Ausbaukorridore notwendig. Für Windenergie an Land ist im Jahr 2045 eine Erzeugungskapazität von 145 Gigawatt erforderlich, und der Ausbau von Windenergie auf See auf 70 Gigawatt muss auf das Jahr 2045 vorgezogen werden. Gegenüber der Studie Klimaneutrales Deutschland 2050 bedeutet dies für das Jahr 2045 Erhöhungen der installierten Leistung von 17 Gigawatt an Land und 9 Gigawatt auf See. In der Industrie setzt sich der Trend hin zu Strom und Wasserstoff sowie teilweise Biomasse als Energieträger fort, sodass die Industrie bis zum Jahr 2040 weitestgehend klimaneutral ist. Auch die chemischen Rohstoffe (Feedstocks) werden schon ab 2030 sukzessive durch chemisches Recycling und synthetische, auf nicht-fossilem CO₂ beruhende Einsatzstoffe ersetzt. Im Gebäudebereich wird nach 2030 die Sanierungsaktivität beschleunigt. Die auf den Gesamtwoh-nungsbestand bezogene mittlere jährliche Sanierungsrate steigt im Zeitraum 2030 bis 2045 auf annähernd 1,75 Prozent. Diese liegt etwas höher als die 1,6 Prozent, die im Szenario „Klimaneutrales Deutschland 2050“ für den Zeitraum 2030 bis 2050 unterstellt wurden. Gleichzeitig werden die Markt-durchdringung von Wärmepumpen und der Ausbau der Fernwärme gegenüber dem Szenario „Klima-neutrales Deutschland 2050“ für den Zeitraum nach 2030 weiter beschleunigt. 

Im Verkehr betreffen die Veränderungen gegenüber dem 2050er-Szenario vor allem die Geschwindigkeit bei der Elektrifizierung. Bereits ab dem Jahr 2032 werden keine Pkw mit Verbrennungsmotor mehr zugelassen. Bis zum Jahr 2045 werden dann auch im Pkw-Bestand nahezu alle Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor durch E-Pkw ersetzt. Auch der Straßengüterverkehr wird bereits ab 2045 fast ausschließlich mit batterieelektrischen, Oberleitungs- und Brennstoffzellenfahrzeugen betrieben, ebenso wie Bus und Bahn. Insgesamt verbleibt die Personenverkehrsleistung dabei in etwa auf dem heutigen Niveau, die Güterverkehrsleistung steigt aufgrund des Wirtschaftswachstums weiter an.  

In der Landwirtschaft werden bis 2045 wesentliche Minderungen über den Umbau der Tierbestände und die Vergärung hoher Wirtschaftsdüngeranteile in Biogasanlagen erreicht. Die wichtigste Änderung gegenüber dem Szenario Klimaneutrales Deutschland 2050 liegt in der konsequenten Fortschreibung aktueller Trends hin zu einer steigenden Nachfrage nach pflanzlichen und synthetischen Ersatz-produkten für Fleisch und Milch. Diese steigt ab dem Jahr 2030 bis zum Jahr 2045 auf einen Anteil von 15 Prozent am gesamten Verbrauch. Für dieses Marktsegment lässt sich bereits heute eine dynamische Entwicklung beobachten (wenn auch auf niedrigem Niveau), sodass eine solche Steigerungsrate eher in der Mitte des Spektrums der zu erwartenden Entwicklungen liegt. Weitere Informationen Die Zusammenfassung mit Ergebnissen und Szenario-Annahmen steht auf den Websites der drei Klimaschutzorganisationen unter folgenden Links zum kostenfreien Download bereit: www.stiftung-klima.dewww.agora-energiewende.de und www.agora-verkehrswende.de. Die Studie „Klimaneutrales Deutschland 2045“ wurde im Auftrag der Stiftung Klimaneutralität, Agora Energiewende und Agora Verkehrswende von der Prognos AG, dem Öko-Institut und dem Wuppertal Institut erstellt. Die ausführliche Version der Studie mit Ergebnissen für alle Sektoren, Modellierungs-varianten und Methodenteil wird im Juni veröffentlicht.

Sonntag, 25. April 2021

Höhenflug der PV-Zell-Technologie

Seit 40 Jahren betreibt das deutsche Fraunhofer ISE Spitzenforschung in der Photovoltaik, mit immer wieder neuen Rekordwirkungsgraden in unterschiedlichen Materialklassen und wichtigen Beiträgen zur Kostenreduzierung von Solarstrom, der bereits heute die günstigste Form der Energiebereitstellung ist. Photovoltaik ist neben Windenergie die zentrale Säule der Energiewende. Mit dem Ziel, den Flächenbedarf und den Materialeinsatz von Solarmodulen noch weiter zu reduzieren, legt das Institut aktuell einen Fokus auf die Tandem-Photovoltaik, bei der durch die Verbindung unterschiedlicher Solarzellenmaterialien bisherige Effizienzgrenzen durchbrochen werden können. So gelang es  Freiburger Forscher*innen jetzt, mit einer monolithischen Tandemzelle bestehend aus III-V-Halbleitern und Silicium einen Weltrekord aufzustellen.

 

© Fraunhofer ISE/ Foto: Michael Schachtner
Die neue III-V//Silicium Tandemsolarzelle mit 35,9 % Wirkungsgrad. Die oberste Teilzelle leuchtet rot, ein Zeichen für hervorragende Materialqualität. Die nanostrukturierte Rückseite schimmert in Regenbogenfarben.

Die neue monolithische Dreifachsolarzelle – oder III-V//Si Tandemsolarzelle – wandelt 35,9% des Sonnenlichts in elektrische Energie. Gemessen wurde dieser Wert unter dem terrestrischen AM1.5g Spektrum und stellt damit einen neuen Weltrekord dar. Und es ist nicht nur der hohe Wirkungsgrad, der diese Solarzelle auszeichnet, sie zeigt gleichzeitig, welches Potenzial in der Tandemphotovoltaik aufbauend auf Silicium steckt. In der neuen Rekordzelle sind alle Schichten aus III-V-Halbleitern direkt mit der Silicium-Unterzelle auf atomare Ebene verbunden, sie gleicht von außen gesehen einer herkömmlichen Solarzelle mit zwei Kontakten. Mit dieser Bauweise erreicht die Zelle denselben Wirkungsgrad wie die beste mechanisch gestapelte Struktur mit vier Kontakten, die 2017 von NREL, CSEM und EPFL gemeinsam publiziert wurde. 

»Ein wesentlicher Schritt, mit dem wir die Verbesserung erreicht haben, ist der Einsatz eines neuen Verbindungshalbleiters (GaInAsP) in der Mittelzelle«, sagt Patrick Schygulla, Doktorand in der Abteilung III-V Photovoltaik und Konzentratortechnologie am Fraunhofer ISE. »Durch das neue Material konnten wir die Lebensdauer der Ladungsträger noch einmal weiter verbessern und damit eine höhere Spannung der Zellen erreichen. Es ist toll zu sehen, dass unsere Materialentwicklung nun auch in den III-V//Si Dreifachsolarzellen erfolgreich war.«

Die III-V//Si Tandemzellen adressieren zunächst Anwendungen, bei denen eine hohe Leistung pro Fläche besonders vorteilhaft ist wie zum Beispiel in elektrisch betriebenen Flugzeugen und Drohnen. Die Produktionskosten der Zellen liegen heute noch deutlich über denjenigen klassischer Silicium-Einfachsolarzellen. Dies liegt an der aufwändigen Epitaxie der III-V Schichten und den vielen zusätzlichen Halbleiterprozessen, die bei der Herstellung der Zellen notwendig sind. Die Forscherinnen und Forscher am Fraunhofer ISE arbeiten intensiv daran, die Herstellung in Zukunft kostengünstiger zu machen und damit auch den terrestrischen Photovoltaikmarkt zu adressieren.

»III-V-Halbleitermaterialien auf Silicium ist einer unserer Ansätze, um über Tandem-Strukturen – also die Verbindung unterschiedlicher leistungsstarker Materialien – zu noch höheren Solarzellen-Wirkungsgraden zu kommen«, sagt Institutsleiter Prof. Andreas Bett. »Es wird zwar noch ein paar Jahre dauern, bis Module aus der hier gezeigten Solarzelle auf dem Markt verfügbar sind, aber mit Blick auf den notwendigen Ausbau der Photovoltaik für eine nachhaltige Energieversorgung ist dies ein wichtiger zukunftsweisender Pfad.«

Die Entwicklung der III-V//Si Tandemsolarzellen wurde gefördert durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie BMWi in dem Projekt PoTaSi – »Demonstration des Potentials von monolithischen Tandemsolarzellen aus III-V Halbleitern und Silicium« sowie durch ein Doktorandenstipendium der Heinrich-Böll-Stiftung.

Quelle: ISE 

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Samstag, 24. April 2021

Solaraktien erholen sich

Der PPVX stieg letzte Woche um 4,3% auf 3.689 Punkte, der NYSE Arca Oil fiel um 2,7%. Der PPVX liegt mit -5,4% seit Jahresanfang 2021 währungsbereinigt rund 32 Prozentpunkte hinter dem Erdölaktienindex NYSE Arca Oil (+26,1%). Die Top-3-Titel seit Jahresanfang sind GCL Poly Energy Holding (+61%), Daqo New Energy (+56%) und Meyer Burger Technology AG (+31%). Der PPVX-Börsenwert beträgt rund 117,0 Mrd. Euro. Die grössten Gewinner der Woche waren Daqo New Energy (+27%) und Sino-American Silicon Products (+14%), die grössten Verlierer Scatec ASA (-6%) und Beijing Energy (-4%).Seit Anfang 2003 liegt der PPVX (+1.268%) rund 1.177 Prozentpunkte vor dem Erdölaktien-Index (mit +91%).

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Der Solaraktienindex PPVX erscheint auf Solarmedia jeden Monat neu


Quelle: oeko-invest.net

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Freitag, 23. April 2021

Echtzeitdaten zu Emissionen des Stroms

Wie hoch sind die CO2-Emissionen des Stromverbrauchs und der Stromproduktion in der Schweiz? Die Plattform ElectricityMap bietet dazu Einblicke in Echtzeit.


Open Innovation macht’s möglich: Innerhalb von nur einem halben Jahr konnte die Schweiz in die Plattform Electricity Map integriert werden. Dies auf Initiative des Digital Innovation Office des Bundesamts für Energie (BFE) und auf Basis von Resultaten des vom Programm EnergieSchweiz unterstützten Open Innovation Programms.

Electricity Map schätzt die CO2-Intensität der Stromerzeugung und des Stromverbrauches eines Landes in stündlicher Auflösung und macht die Daten online verfügbar. Die Webseite erfreut sich reger Nutzung und gibt Interessierten aus Bevölkerung, Politik, Wirtschaft, und Forschung Einblicke in die zeitlichen Variationen der strombedingten CO2-Emissionen. Die Informationen können auch für die Entwicklung von detaillierten Analysen, Beratungsdienstleistungen und neuen Geschäftsmodellen in und ausserhalb der Energiebranche genutzt werden.

Bisher war die Schweiz auf Electricity Map nicht vertreten. Wie kann das sein? Analysen zeigten, dass dies vor allem an einer unvollständigen oder teils widersprüchlichen Datenbasis der Schweiz auf der ENTSO-E Transparency Plattfom lag. Die Daten aus der Schweiz waren qualitativ einfach nicht gut genug, um daraus modellbasierte Echtzeitinformationen abzuleiten.

Dieses Problem hat das Digital Innovation Office BFE vergangenen August im Rahmen einer «Challenge» an den Open Energy Hackdays in Brugg zur Bearbeitung gestellt (energeia berichtete). Ein findiges Team aus Ingenieurinnen, «Data Scientists» sowie Informatik- und Softwarentwicklern präsentierte am Ende der Open Energy Hackdays 2020 eine gangbare Lösung. Nämlich einen Workaround, der die Daten der ENTSO-E Transparency Platform mit den Daten der Schweizer Elektrizitätsstatistik abgleicht. Das Digital Innovation Office BFE sorgte in einem Folgeprojekt mit den Verantwortlichen der Electricity Map und mit Unterstützung von Swissgrid für die Implementierung des Workarounds in die Plattform.

Die Sichtbarmachung der Schweiz auf der Electricity Map zeigt das ganze Potenzial des Open Innovation Ansatzes. Die kollektive Kreativleistung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Open Innovation Events lieferte einen konkreten Beitrag zur Lösung eines lang bekannten Problems. Das Beispiel zeigt auch, wie kritisch die Verfügbarkeit und gute Qualität von Daten im Stromsystem sind. Denn wenn gute Daten verfügbar sind, so finden sich auch innovative Köpfe, die mit daten-basierten Werkzeugen neue Applikationen und damit neue Einblicke ermöglichen, die die Transformation des Energiesystems voranbringen.

Noch sind die neuen Möglichkeiten der Digitalisierung bei weiterem nicht ausgeschöpft. Wichtige Messdaten zum Schweizer Stromsystem sind noch nicht verfügbar und können daher auf der «Transparency Platform» der ENTSO-E nicht vollständig abgebildet werden. Hier gibt es noch einige Baustellen, die das Digital Innovation Office BFE sukzessive angehen will. Es wird in diesem Sinne weiter an digitalen Lösungen arbeiten und die Entfaltung kollektiver Kreativität im Rahmen von Hackathons unterstützen.

Quelle:  energeiaplus.com / Fabian Heymann, BFE-Fachspezialist Digital Innovation Office

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Donnerstag, 22. April 2021

Tschernobyl forderte in der Schweiz viele Opfer

 «Tschernobyl» hat das Vertrauen in die Atomtechnologie weltweit erschüttert: Die nördliche Hemisphäre wurde durch den AKW-Unfall mit der Energie von über 200 Hiroshima-Atombomben massiv verstrahlt. Hauptbetroffene waren – und sind immer noch – die Einwohnerinnen und Einwohner der Ukraine, Weissrusslands und weiterer Staaten der ehemaligen UdSSR. Aber auch die von Tschernobyl weit entfernte Schweiz ist vom radioaktiven Fallout betroffen: Krebstote, Krankheiten und erhöhte Säuglingssterblichkeit sind die Folgen. PSR/IPPNW und die Schweizerische Energie-Stiftung SES fordern, dass die Schweizer Behörden die langfristigen Folgen der ionisierenden Strahlung anerkennen und in der Strahlenschutzgesetzgebung verankern müssen.

Wer sind die Strahlenopfer? Gemäss Bundesamt für Gesundheit BAG liegt die Gesamtdosis der von der Schweizer Bevölkerung infolge des Unfalls von Tschernobyl vor allem mit der Nahrung aufgenommenen ionisierenden Strahlung bei rund 3500 Sievert (ca. 0.5 Millisievert pro Person). Manche ernsthafte Auswirkungen auf die Gesundheit treten erst nach vielen Jahren auf. Im Gegensatz zu anderen Unfällen sind die Strahlenopfer nicht individuell bekannt – ihre Zahl lässt sich jedoch mit sorgfältigen epidemiologischen Studien abschätzen. So zeigen unabhängige wissenschaftliche Untersuchungen der letzten zwei Jahrzehnte, dass auch in der Schweiz von mehreren Tausend Strahlenopfern ausgegangen werden muss. Dies wird jedoch von den auch für unser Land massgebenden internationalen Strahlenschutzbehörden noch nicht adäquat berücksichtigt.

Strahlenbedingte schwere Krankheiten in der Schweiz: Bereits 2005 hat das BAG bekanntgegeben, der GAU von Tschernobyl würde in der Schweiz zu Hunderten Krebserkrankungen führen. Aufgrund der heutigen Kenntnisse muss dabei von mindestens 400 Krebstoten sowie zusätzlich von ebenso vielen Toten durch Herzinfarkte und Hirnschläge als längerfristigen Strahlenfolgen ausgegangen werden. Die Häufung weiterer strahlenbedingter schwerer Krankheiten wurden erstmals in ihrer Tragweite bei den stark strahlenexponierten 800’000 Aufräumarbeitern der AKW-Ruine erkannt.

Früh- und Säuglingssterblichkeit erhöht: Neuere Studien zeigen aber auch, dass als Folge von Tschernobyl zusätzlich Störungen der Fortpflanzung nachgewiesen werden können, was jedoch noch kaum bekannt ist. Für die Schweiz lässt sich wie auch im übrigen Europa eine Zunahme der Frühsterblichkeit nachweisen. Es findet sich ferner eine statistisch signifikante Zunahme der in ihrem ersten Lebensjahr verstorbenen Kinder: Die Säuglingssterblichkeit hat in der Schweiz ab 1987 um über 10% zugenommen. Nur schon in den ersten sieben Jahren – d.h. den Jahren mit der höchsten Strahlenbelastung nach dem AKW-Unfall in Tschernobyl – entspricht dies zusätzlich über 400 vor ihrem ersten Geburtstag verstorbenen Kindern. Weitere Untersuchungen weisen nach, dass seit 1986 über 3200 Schwangerschaften fehlen – am ehesten als Folge von Frühaborten.

Diese Resultate sind Ausdruck der genetischen Risiken sogenannt niedriger Strahlendosen – definiert als eine Dosis von weniger als 100 Millisievert pro Person. Diese Beobachtungen bestätigen, dass es keine unbedenkliche Strahlendosis gibt, sei sie noch so klein. PSR/IPPNW und die SES fordern das Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation UVEK dazu auf, diese neueren Forschungsresultate in die Strahlenschutzgesetzgebung einfliessen zu lassen.


» Download Ergänzende Hintergrundberichte (.pdf):

  1. Mehr Totgeburten und erhöhte Säuglingssterblichkeit: Genetische Schäden durch ioni-sierende Strahlung nach Tschernobyl werden auch in der Schweiz offensichtlich
  2. Strahlungsbedingte Schäden im Erbgut nach den AKW-Unfällen in Tschernobyl 1986 und Fukushima 2011
  3. Voraussetzungen und Ergebnisse des Krisenmanagements von Tschernobyl - Bericht zum 35. Jahrestag des Tschernobyl-Unfalles
  4. Tschernobyl: 35 Jahre später - Erinnerungen für die Zukunft
  5. Eine handgestrickte nukleare Katastrophe – sie ist auch in der Schweiz möglich

Quellen  Schweizerische Energie-Stiftung SES

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Mittwoch, 21. April 2021

So geht Windenergie

Die Potsdamer NOTUS energy hat in dieser Woche im Norden des deutschen Bundeslandes Brandenburgs zwei Windräder vom Typ Vestas V150 mit je 5,6 MW in Betrieb genommen (siehe Bild). Die beiden Anlagen erzeugen zusammen deutlich mehr Strom, als die gut 10.000 privaten Haushalte in der nahen Kreisstadt Prenzlau verbrauchen.

Notus energy setzt als erster Betreiber in Deutschland den neuen Anlagentypen des Weltmarktführer für Windenergieanlagen ein. Vestas und Notus Energy verbindet eine langjährige Partnerschaft. Die beiden Anlagen vom Typ V150-5,6 MW bilden eine Verdichtung des bestehenden Windparks Beesenberg.
„Wir erreichen hier ähnlich hohe Stromerträge wie an der Ostseeküste“, erklärt Heiner Röger, Geschäftsführer des unabhängigen Stromerzeugers NOTUS energy aus Potsdam. 

Die Landschaft nördlich von Prenzlau ist seit mehr als einem halben Jahrhundert durch große Äcker und eine intensive Landwirtschaft geprägt und bietet hervorragende Windverhältnisse. Das Vestas Modell der Serie V150 erzeugt bis zu 5,6 Megawatt Leistung. Die bei Prenzlau eingesetzten modernen Türme heben die Nabe der Rotorblätter auf 166 Meter über dem Fundament. In dieser Höhe erreicht der Wind am Standort eine durchschnittliche Windgeschwindigkeit von etwa 7,5 Metern je Sekunde.

Genügend Strom für alle privaten Haushalte in Prenzlau: Die beiden Windräder werden voraussichtlich deutlich mehr Strom bereitstellen, als die gut 10.000 Privathaushalte in Prenzlau verbrauchen. Deren Strombedarf liegt laut Stadtwerken bei 21 Mio. kWh jährlich. 

Quelle:  iwr-pressedienst.de

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Dienstag, 20. April 2021

Die USA übernehmen den Lead bei Erneuerbaren

Die USA überflügeln sogar alle. Und zwei Amerikaner rocken die Szene der Erneuerbaren Energien: Tony Seba sieht in der Kombi von Solar, Wind und Batterien das Mittel, eine 100prozentige Vollversorgung mit Erneuerbaren bereits bis 2030 zu erreichen. Und Mark Z. Jacobson forscht an diesem gleichen Ziel und unterlegt seine Prognosen mit detaillierten Übergangsplänen für die meisten Länder der ganzen Welt – sie alle können, yes they can!

Das waren noch Zeiten - Öl-
Förderung in Texas

Wieder mal ist ein Kampf der Polit-Systeme und um die weltweite Vorherrschaft im Gange. Die wachsenden Spannungen zwischen den USA und China um eben diese sind nicht mehr zu übersehen – aber der Kampf spielt auch auf einer anderen Ebene. Feld der Auseinandersetzungen ist – nicht zum ersten Mal – die Energieversorgung und die technische Führerschaft. Dabei ist die Nuklearfrage immer noch präsent, aber es geht vor allem um den kometenhaften Aufstieg der Erneuerbaren Energien, siehe auch hier.

Protagonisten auf Seiten der USA sind zwei Kalifornier, die bis vor kurzem naturgemäss zu den grossen Gegenspielern des früheren Präsidenten Trump gehörten. Allerdings waren sie, entgegen der vollmundigen Versprechungen von Trump, schon zu dessen Amtszeit die eigentlichen Sieger. Denn in den USA haben die Stromgewinnung aus Sonne und Wind schon in den vergangenen Jahren mächtig zugelegt. Das berüchtigte Fracking-Gas konnte dem trotz laufender Verbilligung als Quelle für Strom wenig entgegen setzen. Zudem konnte der von Trump versprochene Revival der Kohleindustrie überhaupt nicht Fuss fassen. Dank der in die Obama- (und Biden-Ära) zurückreichenden Steuervergünstigungen, die abzuschaffen Trump trotz gegenteiliger Versprechungen nicht gelang, legten sowohl Solar- wie Windindustrie in der zweiten Hälfte der letzten Dekade mächtig zu. Erstmals konnte sich vor den Küsten der USA auch die Offshore-Windindustrie etablieren, siehe auch > den konkreten Plan von Los Angeles.

Doch zurück in die Zukunft. Aufbauend auf den Rekordzahlen von 2020 rücken die USA dem absoluten Weltmarktführer in der Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen immer stärker auf die Pelle. Ans Auf- oder gar Überholen ist weniger zu denken, angesichts der über viermal grösseren Bevölkerung Chinas auch nicht weiter verwunderlich. Doch wenn die USA im laufenden Jahr etwa in der Solarstromproduktion ein Plus von über 20 Gigawatt Kapazität erzielen, so wird das im Pro-Kopf-Vergleich mit der asiatischen Übermacht nicht schlecht aussehen. Und es gibt da zwei Protagonisten in den USA, die bald auch für Europa und letztlich für die Energiediskussion in der Schweiz eine grosse Bedeutung erlangen dürften. Der eine ist Tony Seba – auf Solarmedia schon vorgestellt mit seinem Video (siehe hier >>> The Solutions-Project).

Der andere Verfechter Erneuerbarer Energien ist Mark Z. Jacobson, dessen Werk «100% Clean, Renewable Energy and Storage for Everything» nun auch in einer Paperback-Version (und damit für rund 70 CHF relativ günstig) vorliegt. Er hat im Verbund mit Wissenschaftern aus aller Welt seit Jahren für einzelne Länder die Pfade zu einer Vollversorgung im Detail errechnet – und zeichnet nur die Gesamtheit der Erkenntnisse nach. Wind-, Wasser und Solarenergie (nun eingeführt als WWS) in Kombination mit Speichertechnologien machen alles möglich. Der Erkenntnis, dass der politische Wille unabdingbar ist, um das Ziel effektiv zu erreichen, verschliesst sich Jacobson nicht.

Seba wie Jacobson sind Ausdruck der Entwicklung, die die Erneuerbaren Energien in den USA kräftig voranbringt, die damit die Fossilen zurückbindet im Einklang mit der neuen US-Regierung und die so weltweit das Tor öffnet zu einer 100prozentigen Versorgung der ganzen Welt mit im Wesentlichen Solar- und Windenergie, und das nicht nur im Strombereich, sondern auch für Wärme und Antrieb. Jüngstes Beispiel ist der Bundesstaat Texas, der kürzlich im Zweiten Deutschen Fernsehen als Vorreiter der Erneuerbaren vorgestellt wurde > Video siehe hier. Fazit: Die USA haben sich mit Präsident Biden beim Klimaschutz auf der ganzen Linie zurück gemeldet - Solare Revolution inklusive.

Copyright: Guntram Rehsche Solarmedia

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Samstag, 17. April 2021

Speichertechnologien sind vorhanden und marktreif!

Die Energiewende ist vollumfänglich machbar - und Speichertechnologien stehen bereit: Diese Kern-Erkenntnisse präsentiert der deutsche Energie-Ökonom Michael Sterner in seinem neuesten Video.

Quelle: Youtube

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Freitag, 16. April 2021

Stromverbrauch wegen Pandemie gesunken

Im Jahr 2020 lag der Stromverbrauch in der Schweiz mit 55,7 Milliarden Kilowattstunden (Mrd. kWh) unter dem Niveau des Vorjahres (-2,6%). Die inländische Erzeugung (nach Abzug des Verbrauchs der Speicherpumpen) betrug 65,5 Mrd. kWh. Der physikalische Stromexportüberschuss lag bei 5,6 Mrd. kWh.

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Der Landesverbrauch lag 2020 bei 59,9 Mrd. kWh. Nach Abzug der Übertragungs- und Verteilverluste von 4,2 Mrd. kWh ergibt sich ein Stromverbrauch von 55,7 Mrd. kWh. Das sind 2,6% oder 1,5 Mrd. kWh (entspricht etwa dem Jahresverbrauch von 296‘800 Haushalten) weniger als 2019 (57,2 Mrd. kWh). Die Veränderungen gegenüber dem Vorjahr betrugen -4,3% im ersten Quartal (Lockdown ab Mitte März), -7,8% im zweiten (erste Lockerungen Lockdown Ende April), -0,3% im dritten und +1,9% im vierten.

Neben den Auswirkungen der Lockdowns wirkten 2020 auch die Wirtschaftsentwicklung, die Witterung sowie Effizienzsteigerungen verbrauchssenkend. Leicht verbrauchssteigernd wirkte hingegen die Bevölkerungsentwicklung.

  • Wirtschaftsentwicklung: Das Bruttoinlandprodukt (BIP) nahm 2020 gemäss den ersten provisorischen Ergebnissen um 2,9% ab (Quelle: Staatssekretariat für Wirtschaft, SECO).
  • Bevölkerungsentwicklung: Die Bevölkerung der Schweiz nahm 2020 gemäss den provisorischen Ergebnissen des Bundesamtes für Statistik (BFS) vom 6. April 2021 um 0,7% zu.
  • Witterung: 2020 nahmen die Heizgradtage gegenüber dem Vorjahr um 4,4% ab (siehe Tabelle im Anhang). Da in der Schweiz gegen 10% des Stromverbrauchs für das Heizen verwendet werden, wirkt diese Entwicklung leicht verbrauchssenkend.

Gemäss Angaben des SECO wirkte sich die zweite Corona-Welle deutlich weniger auf die Wirtschaft aus als die erste im Frühjahr (das zeigen auch die quartalsweisen Veränderungsraten des Stromverbrauchs). Besonders der Dienstleistungssektor (z.B. Gastgewerbe, Freizeit, Kunst, Unterhaltung, Erholung, Transport) war über das ganze Jahr betrachtet stark von den Pandemiemassnahmen betroffen. Zu den Bestimmungsfaktoren der Stromverbrauchsentwicklung werden die jährlichen Ex-Post-Analysen des Energieverbrauchs weitere Aufschlüsse liefern können (Publikation im Oktober 2021).

Inländische Elektrizitätsproduktion 2020: Die Elektrizitätsproduktion (Landeserzeugung) sank 2020 um 2,7% auf 69,9 Mrd. kWh (2019: 71,9 Mrd. kWh). Nach Abzug des Verbrauchs der Speicherpumpen von 4,4 Mrd. kWh ergibt sich eine Nettoerzeugung von 65,5 Mrd. kWh. In je zwei Quartalen lag die Landeserzeugung über bzw. unter dem entsprechenden Vorjahreswert (+7,3%, +1,4%; -11,6%, -5,4%).

Die Wasserkraftanlagen (Laufkraftwerke und Speicherkraftwerke) produzierten 0,1% mehr Elektrizität als im Vorjahr (Laufkraftwerke -0,3%, Speicherkraftwerke +0,5%). Im Sommer sank die Produktion der Wasserkraftwerke im Vergleich zum Vorjahr um 5,6% (Laufkraftwerke -2,4%, Speicherkraftwerke -8,5%), in den beiden Winterquartalen stieg die Produktion hingegen um 8,1% (Laufkraftwerke +3,2%, Speicherkraftwerke +11,2%).

Die Stromproduktion der vier schweizerischen Kernkraftwerke sank um 9,1% auf 23,0 Mrd. kWh (2019: 25,3 Mrd. kWh). Hinweis: Am 20. Dezember 2019 erfolgte nach 47 Betriebsjahren die Einstellung des Leistungsbetriebs des Kernkraftwerks Mühleberg, das 2019 noch rund 3,1 Mrd. kWh produziert hatte. Das Kernkraftwerk Gösgen stellte 2020 mit über 8,2 TWh einen neuen Produktionsrekord auf. 2020 lag die Verfügbarkeit des schweizerischen Kernkraftwerkparks bei 88,0% (2019: 86,9%). An der gesamten Elektrizitätsproduktion waren die Wasserkraftwerke zu 58,1% (davon Laufkraftwerke 25,2%, Speicherkraftwerke 32,9%), die Kernkraftwerke zu 32,9% sowie die konventionell-thermischen und erneuerbaren Anlagen zu 9,0% beteiligt.

Exportüberschuss im Jahr 2020
: Bei physikalischen Importen von 27,0 Mrd. kWh und physikalischen Exporten von 32,6 Mrd. kWh ergab sich 2020 ein Exportüberschuss von 5,6 Mrd. kWh (2019: Exportüberschuss von 6,3 Mrd. kWh). Im ersten und im vierten Quartal (Winterquartale) importierte die Schweiz per Saldo 0,8 Mrd. kWh (2019: 1,4 Mrd. kWh), im zweiten und dritten Quartal exportierte sie per Saldo 6,4 Mrd. kWh (2019: 7,7 Mrd. kWh).
Der Erlös aus den handelsbasierten Stromexporten betrug gemäss den Angaben der Eidgenössischen Zollverwaltung (EZV) 1'547 Mio. Franken (4,07 Rp./kWh). Für die handelsbasierten Stromimporte fielen Ausgaben von 1’254 Mio. Franken an (3,82 Rp./kWh). Somit ergab sich im Jahr 2020 für die Schweiz ein positiver Aussenhandelssaldo von 293 Mio. Franken (2019: positiver Aussenhandelssaldo von 399 Mio. Franken) [Quelle: EZV / swissimpex; Stand: 1.4.2021].

 

Seit Januar 2021: Publikation von frühzeitigen Schätzungen der monatlichen Elektrizitätsbilanz: Seit dem Statistikmonat Januar 2021 publiziert das BFE neu jeden Monat Schätzungen der monatlichen Elektrizitätsbilanz mit Zeithorizont «t+50 Tage» im Internet («Gesamte Erzeugung und Abgabe elektrischer Energie in der Schweiz»). Die definitiven monatlichen Elektrizitätsbilanzen folgen dann wie bisher mit Zeithorizont «t+90 Tage».



Herausgeber: Bundesamt für Energie

http://www.bfe.admin.ch
 

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