Donnerstag, 2. Dezember 2021

Die Replik zur Republik

Wer  vom eingeschlagenen Weg zur Energiewende und in der Schweiz, konkret von der Energiestrategie 2050, einigermassen überzeugt ist, dem kann der Republik-Artikel «Die Sage vom sauberen Strom - 1.12.21» nicht gefallen. Nicht einmal wegen der vielen erwähnten kritischen Punkte, zu deren (teilweisen) Widerlegung im folgenden angesetzt wird. Sondern wegen einer Grundstimmung im Text, die diese Energiestrategie von vorne herein in die Ecke des Scheiterns stellt, aus dem es kein Entrinnen mehr gibt > hier geht es zum umstritten Republik-Text - und nachstehend die Replik vom Solarmedia-Autor.

 

Zuerst der Hinweis auf drei Ereignisse der jüngsten Vergangenheit, die im Republik-Artikel noch gar nicht Berücksichtigung finden (konnten): Deutschland erhält eine neue Regierung, die neben Enttäuschungen in verschiedener Hinsicht vor allem bezüglich der Energiewende Schub verspricht. Was nicht ohne Auswirkungen auf die Schweiz bleiben wird (nur schon wegen der Beschaffenheit des aus Deutschland importierten Stroms, dem fälschlicherweise immer wieder das auch heute schon nur beschränkt gültige Totschlagetikett «dreckiger Kohlestrom» verpasst wird). Die Abstimmung über die kantonalzürcher Energiepolitik zeigte Ende November sodann, dass «die Schweiz noch nicht verloren ist in klimapolitischer Hinsicht». Und gerade in dieser Woche hat eine Schweizer Delegation, angeführt von Bundesrätin Simonetta Sommaruga, am Ministertreffen des Pentalateralen Energieforums (Penta-Forum) ein Memorandum of Understanding (MoU) zur Zusammenarbeit in der Stromkrisenvorsorge mit Nachbarstaaten  unterzeichnet (siehe > hier). Diese Übereinkunft heisst zumindest: Das Problem ist auch in Bundesbern erkannt.

 

Doch was lässt sich nun zu den im Republik-Artikel erwähnten – zum Teil vermeintlichen – Fakten sagen resp. schreiben? Hier eine Abhandlung Punkt für Punkt, ohne Anspruch auf Vollständigkeit, aber im Verständnis, dass dabei jeweils doch über die Stränge geschlagen wird:

 

·       «Alles passte so gut zusammen, gäbe es nur diesen Spielverderber Stromlücke nicht». Aber stimmt das so? Nein, das stimmt ganz und gar nicht. Denn was die verschiedenen Elemente nicht zum passen bringt, ist eine Politik, die diese Stromlücke – wie der Artikel ja selbst belegt – immer wieder aufleben lässt. Ohne dazwischen zu grätschen und dieser Stromlücke den Kampf anzusagen. Nicht anders etwa ist die jüngere  Vergangenheit zu interpretieren (seit der Abstimmung 2017), in der die Notwendigkeit eines schnellen Ausbaus der Erneuerbaren nun wirklich bereits bekannt was – und doch fast nichts geschah. Der Zubau an Photovoltaik ging vielmehr in der zweiten Hälfte der 10er Jahre zurück und nahm erst 2020 wieder zu. Im vergangenen Jahr wurde diesbezüglich erstmals seit vielen Jahren wieder ein Rekordergebnis erzielt – eine fürwahr sonderbare Tatsache angesichts der anerkannten Notwendigkeit des Ausbaus der Erneuerbren Energien (und nebenbei: dieser Rekord wird 2021 nochmals deutlich übertroffen).

·       Dass es nur eine Saga sei, dass in der Schweiz künftig viel an Erneuerbarem Strom produziert werde, gehört in die gleiche Strickart der Argumentation. Schon früher wurde den Erneuerbaren die Existenzmöglichkeit abgesprochen – als etwa der damalige Axpo-VR Heinz Karrer in den Nullerjahren dreist behauptete, Erneuerbare könnten in der Schweiz auf alle Zeiten hinaus nie mehr als zwei bis vier Prozent der Stromproduktion erbringen.

·       Richtig ist, dass die Stromlücke nun in diesem Jahr wieder explizit beschworen wurde. Aber ein Schelm, wer dahinter böse Absicht vermutet – etwa die gekränkte Familiensage der Blocher’s, deren Übervater dem Kaiseraugst-Debakel einst Pate stand. Und der mit dem damaligen Verzicht vielleicht eine seiner (wenigen) grossen politischen Niederlagen eingestehen musste. Dieses AKW war damals nicht realisierbar. Aber vielleicht könnte man die Scharte ja jetzt ausmerzen. Also setzte die Tochter den Floh von dessen Unausweichlichkeit  in die Welt. Interessant in diesem Zusammenhang auch, dass ja nicht nur in der Schweiz die Unmöglichkeit neuer AKW beschworen wird, sondern dies auch in Deutschland, Spanien, Belgien, Portugal, Italien – und all den rund 160 Ländern weltweit, die nie auch nur eine Anlage hatten und auch nicht gedenken, je eine solche zu erstellen.

·       Die Wirklichkeit kann also gemäss Republik nicht mithalten mit der ambitionierten Rhetorik rund um die Erzeugung von sauberem Strom. Wie sollte sie auch unter den bereits geschilderten Umständen – und vor allem soll sie das ja in der Zukunft, deren Gestalten mit Verlaub noch nicht definitiv bestimmt ist. Wir haben es vielmehr noch in der Hand, ausser wir lassen uns durch dieses Gespenst Stromlücke noch mehr verunsichern als schon geschehen.

·       Der Republik-Artikel vergisst zu begründen, unter welchen Umständen das Gespenst jeweils auch wieder verschwand – und dafür gab es viele Gründe und wird es auch wieder viele geben: Zum Beispiel jenen, dass die europaweit beschworene Stromlücke eben vielleicht doch nicht eintreten wird – denn  die gesamten Erzeugerkapazitäten könnten bald einmal unsere Vorstellungskraft weit übertreffen: Der Ausbau der Windenergie in Schottland und Dänemark ist derart rasant, dass plötzlich zu viel Strom europaweit die Netze überfluten könnten. Und selbst wenn die EU ihren Mitgliedländern vorschreiben wird, 70% der Kapazitäten für EU-weiten Bedarf vorzuhalten, so bleiben immer noch deren 30%, die für eine Versorgung unter anderem der Schweiz in Frage kämen. Man mag es auch kaum mehr hören, aber die Schweiz ist für den Strombedarf des EU-Landes Italien derart wichtig, dass ihr wohl kaum der Saft abgestellt wird – denn das träfe dann insbesondere Italien.

·       Das Nein zum CO2-Gesetz ist zwar bedauerlich für die Energiestrategie – einen Zusammenhang mit der nun plötzlich auftretenden Stromlücke herbeizuschreiben, ist dennoch eine artistische Volte. Da fällt das europapolitische Argument zweifellos stärker ins Gewicht. Das heisst aber auch nur, dass sich der Bundesrat und die Schweiz als Ganzes im Verhältnis zu Europa um einen gangbaren Weg bemühen muss (was mit der jüngsten Übereinkunft zumindest ansatzweise geschieht - siehe oben), der zweifellos auch ein möglicher ist – wenn man das denn überhaupt will. Wer den stark steigenden Strompreis mit dem Auftauchen des Gespenstes Stromlücke verbindet, verkennt ökonomische Gegebenheiten. Dieser wird, wenn er denn auf hohem Niveau verbleibt, vielmehr einem anderen Phäomen zum Durchbruch verhelfen – nämlich einem rasanten Anstieg der erneuerbaren Kapazitäten. Ganz automatisch wird das auch hierzulande nicht einfach gegen die Stromlücke helfen – aber die neuen Preisrelationen bieten zumindest eine nicht unerhebliche Chance, diese auch wieder schnell vergessen zu machen. Ja man kann sogar getrost darauf hoffen und vertrauen! In diesem Sinn liesse sich der Republik-Artikel in weiteren Punkten demontieren – dem grossen Aufwand ist es geschuldet, dass dies zumindest hier nun nicht weiter geschieht.

 

Fazit:  Die Masche der eingefleischten Wende-Kritiker*innen war und ist klar – man lege einem politischen Anliegen (hier der Energiewende) alle erdenklichen Steine in den Weg, torpediere diese über Jahrzehnte – und schreibe dann das endgültige Scheitern herbei, nachdem man es bis zum geht nicht mehr beschworen hat. Gelegentlich gelingt ein solches Taktieren – doch im Fall der fossilen und nuklearen Energie scheint (siehe Entwicklungen im Weltmassstab) das Gegenteil der Fall, auch wenn das derzeit nicht allen einleuchten mag. Ich persönlich bin als Autor von Solarmedia überzeugt, dass sogar hierzulande der Tag nicht mehr so weit entfernt ist, an dem die Erneuerbaren Energien ihren Siegeszug gegen alle Widerstände endgültig vollziehen. Es ist nur eine Frage der Zeit –  diesbezüglich bin ich für die Schweiz allerdings doch eher pessimistisch.

Dienstag, 30. November 2021

Anreize für grössere PV-Anlagen und -Fassaden

Der Bundesrat hat in seiner Sitzung vom 24. November 2021 die Revision der Energieförderungsverordnung (EnFV) gutgeheissen. Mit dieser Revision wird bei der Einmalvergütung für PV-Anlagen zwar der Grundbeitrag gesenkt, im Gegenzug aber der Leistungsbeitrag ab 30 kW um 10 Franken auf 300 Franken pro kW erhöht. Für Anlagen mit Fassadenmodulen ist ein Bonus von 250 Franken pro kW auf dem Leistungsbeitrag vorgesehen.

Fassaden-Potenzial in der Schweiz
liegt bei rund 17 Terawattstunden
pro Jahr (Bild vergrössern mit Klick)
Mit der Revision wird ab 1. April 2022 bei der Einmalvergütung für Photovoltaikanlagen der Grundbeitrag von aktuell 700 Franken auf 350 Franken gesenkt. Im Gegenzug wird der Leistungsbeitrag ab 30 Kilowatt (kW) um 10 Franken auf 300 Franken pro kW erhöht. Das setzt einen Anreiz, grössere Anlagen zu bauen und dafür möglichst die gesamte geeignete Dachfläche für die Stromerzeugung zu nutzen.

Der Leistungsbeitrag ab 100 kW wird zudem um 20 Franken auf 270 Franken pro kW gesenkt. Dies stellt sicher, dass die Einmalvergütung weiterhin höchstens 30 Prozent der Investitionskosten von Referenzanlagen ausmacht. Durch die Absenkungen werden pro Jahr rund 12 Millionen Franken an Fördergeldern frei, mit denen Photovoltaikanlagen gefördert werden können.

Bessere Förderung des grossen Solarfassaden-Potenzials: Mit den freigewordenen Fördergeldern werden auch Fassadenanlagen besser gefördert. Im Winter kann mit solchen Anlagen bis zu 30% mehr Strom produziert werden als mit gleich grossen Anlagen auf Flachdächern. Fassadenanlagen werden heute aber erst selten realisiert. Das Fassaden-Potenzial in der Schweiz liegt bei rund 17 Terawattstunden pro Jahr. Das entspricht einem Viertel des gesamten Photovoltaik-Potenzials des Schweizer Gebäudeparks. Um dieses Potenzial zu erschliessen, sieht die EnFV für integrierte Anlagen mit einem Neigungswinkel von mindestens 75 Grad gegenüber dem Horizont einen Bonus von 250 Franken pro kW auf dem Leistungsbeitrag vor. Der Fachverband Swissolar begrüsst die Revision der neuen Energieförderungsverordnung, zu welcher der Verband sich auch per Vernehmlassung geäussert hat.

Mehr Informationen beim Bundesamt für Energie

Quelle: Swissolar

Montag, 29. November 2021

Eurosolar: Deutschland auf richtigem Weg

Die Umsetzung des Ziels von EUROSOLAR für das solare Energiezeitalter, rückt nun in greifbare Nähe, wenn der Koalitionsvertrag der neuen Ampel-Regierung in Deutschland  in zentralen Feldern umgesetzt und mancher Widerspruch im Regierungsalltag ausgeräumt wird. Allerdings bestehen auch erhebliche Risiken insbesondere im Hinblick auf die Abstimmung mit der Beihilfen- und Energiepolitik der EU. In einer ersten Kurzanalyse nimmt EUROSOLAR Stellung:
  • Der alte, noch nie richtige Gegensatz zwischen wirtschaftlicher Zukunft und Klima-, Umwelt- und Menschenschutz wird aufgelöst. Endlich wird anerkannt, dass – hier in den Worten von Eurosolar-Gründer Hermann Scheer – die Energiewende hin zu 100% Erneuerbaren Energien für die gesamte Volkswirtschaft die „größte greifbare wirtschaftliche und soziale Zukunftschance ist“.
  • Entsprechend der Resolution der EUROSOLAR-Mitgliederversammlung 2021 soll bis Ende 2022 ein „Klimaschutz-Sofortprogramm“ mit allen notwendigen Gesetzen, Verordnungen und Maßnahmen auf den Weg gebracht werden. In diesem Zusammenhang müssen Olaf Scholz und der Ampel-Koalition bewusst sein, dass manche Maßnahmen keinen Aufschub dulden und noch schneller als bis Ende 2022 gehandelt werden muss, insbesondere wegen des drohenden Fadenrisses bei PV-Dachanlagen mit geringem Potenzial zur Eigenversorgung im Gebäude. Die schikanöse Vergütungsabsenkung durch den atmenden Deckel ist zu beenden.
  • 80 Prozent Strom aus Erneuerbaren Energien bis zum Jahr 2030, 200 GW Photovoltaik bis zum Jahr 2030 und 2% des Bundesgebiets für Windenergie sind auch vor dem Hintergrund der Ersetzung von Heiz- und Kraftstoffen durch Strom (Sektorenkopplung) realistische und erreichbare Ziele, die bei beherztem Vorgehen auch noch übertroffen werden können. Dazu sollte die neue Bundesregierung mehr Freiraum für Investoren schaffen und so kreatives Potenzial freisetzen, das einen noch ambitionierteren Ausbau möglich macht. Die Ausbauziele können aber nur dann erreicht werden, wenn im kleineren PV-Anlagensegment die feste Vergütung erhalten bleibt und sich der atmende Deckel zu einem Booster entwickelt.
  • Sorgenvoll blickt EUROSOLAR diesbezüglich auf die Beibehaltung der Ausschreibungsverfahren und das Festhalten an der Beihilfekontrolle durch die EU-Kommission anstatt das EEG endlich wieder – wie ursprünglich – beihilfefrei auszugestalten. Mit dieser Vorgehensweise macht sich die Bundesregierung abhängig vom widersprüchlichen Verwaltungshandeln der EU-Kommission, die den Ausbau der Erneuerbaren Energien in Sonntagsreden lobt und unter anderem durch Beihilfeverfahren behindert. Dass ausgerechnet der EU-Rechtsrahmen „Fit for 55“ und die EU-Erneuerbare-Energien-Richtlinie „technologieoffen“ oder „technologieneutral“ ausgestaltet werden sollen, widerspricht fundamental dem sonstigen Geist des Koalitionsvertrags, der die Erneuerbaren Energien und insbesondere Solar- und Windenergie ins Zentrum stellt. Um diese Risiken zu mindern, wird es im Regierungshandeln entscheidend darauf ankommen, wie sich die Bundesregierung verhält. Nur mit einer starken Interessenwahrnehmung in Brüssel durch Bundeskanzler und Bundesminister für Wirtschaft und Klimaschutz, sind die Erneuerbaren-Energien-Ziele zu erreichen.
  • Hoffnung macht das klare Bekenntnis der Koalitionsparteien für die Stärkung des dezentralen Ausbaus der Erneuerbaren Energien und der Bürgerenergie. Verbesserungen für Quartierskonzepte und gestärkte Prosumer gilt es entschlossen umzusetzen sowie den Spielraum der Beihilfeleitlinien bei den De-minimis-Regelungen für kleinere Windparks auszuschöpfen. Wichtig ist auch, dass Mieterinnen und Mieter endlich zu Gewinnerinnen und Gewinnern der Energiewende werden und günstigen Solarstrom einfach nutzen können.
  • Der Kohleausstieg bis 2030 wird begleitet vom Umweg Gaskraftwerke. Dies hält den Weg ins solare Energiezeitalter unnötig auf. In diesem Zusammenhang ist auch nicht nachzuvollziehen, warum die kleine und große Wasserkraft mit keinem Wort im Koalitionsvertrag erwähnt wird und die Maßnahmen für die Energiespeicherung unkonkret bleiben. Die gesicherte und regelbare Leistung der Wasserkraft wird gebraucht, Ausbau ist zu begrüßen und Rückbau zu verhindern. Gaskraftwerke sind aus unserer Sicht nur dann modern, wenn sie dezentral (z.B. als Mini- oder Micro-BHKW) in Kraft-Wärme-Kopplung betrieben werden und die Umstellung auf erneuerbaren Wasserstoff (H2-ready) an eine klare Frist gebunden wird, die in den Betriebsgenehmigungen zu verankern sind.
Quelle: EUROSOLAR 2021

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Sonntag, 28. November 2021

Noch ist die Schweiz nicht verloren! Zürich sagt deutlich JA zum Energiegesetz

Die Zürcherinnen und Zürcher wollen etwas für den Klimaschutz tun und fossile Heizungen durch Wärmepumpen ersetzen: Laut Hochrechnung wird das kantonale Energiegesetz klar angenommen (gemäss aktueller Hochrechnung des Statistischen Amtes ein JA-Anteil von 63 %).

Absturz bei Solaraktien


Der PPVX fiel letzte Woche um 5,6% auf 4.137 Punkte, der NYSE Arca Oil stieg um 1,9%. Der Solaraktienindex PPVX liegt mit +1,7% seit Jahresanfang 2021 währungsbereinigt rund 55 Prozentpunkte hinter dem Erdölaktienindex NYSE Arca Oil (+57,0%). Die Top-3-Titel seit Jahresanfang sind GCL Poly Energy Holding (+148%), Enphase Energy (+41%) und West Holdings (+38%). Der PPVX-Börsenwert beträgt rund 147,9 Mrd. Euro. Die Gewinner der Woche waren Meyer Burger Technology AG (+3%) und Sino-American Silicon Products (+3%), die Verlierer JinkoSolar Holding (-17%) und SunRun (-14%). Seit Anfang 2003 liegt der PPVX (+1.371%) rund 1.233 Prozentpunkte vor dem Erdölaktien-Index (mit +138%). 

Vergrössern mit Klick auf Tabelle !

Der Solaraktienindex PPVX erscheint auf Solarmedia jeden Monat neu

 Quelle: oeko-invest.net

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Samstag, 27. November 2021

Deutsche Solarwirtschaft ist mit Ampel zufrieden

Die Entfesselung der Solarenergie kann beginnen  - Koalitionsvertrag solide Grundlage, um mit der Solarenergie Klimaziele zu erreichen – Ampel-Koalition will Solarstromerzeugung in Deutschland bis 2030 mehr als verdreifachen, Wärmeversorgung bis 2030 klimaneutral gestalten und alle Marktbarrieren für Erneuerbare Energien schnell abbauen

Der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW) sieht im Koalitionsvertrag das Signal für die dringend nötige Entfesselung der Solarenergie. Dazu erklärt BSW-Hauptgeschäftsführer Carsten Körnig: „Der Koalitionsvertrag ist eine solide Startrampe für die erfolgreiche Solarisierung der Energieversorgung in Deutschland. Damit diese Solar-Rakete rasch abheben kann, müssen jetzt schnell die Triebwerke gezündet werden.“ Das Vorhaben der neuen Koalition, den Kohleausstieg auf 2030 vorzuziehen und die Ausbauziele für Solartechnik deutlich zu erhöhen sei folgerichtig. „Aus dem Koalitionsvertrag ist der Wille ablesbar, Solarenergie endlich zu entfesseln. Wir hoffen, dass zahlreiche Marktbarrieren jetzt tatsächlich schnell beseitigt und rasch attraktive Investitionsbedingungen für Photovoltaik, Solarthermie und Speichertechnologien geschaffen werden. Die Investitionsbereitschaft in der Bevölkerung und bei Unternehmern ist da und die Solarwirtschaft steht in den Startlöchern.“  

Viele von der Branche seit Jahren adressierte Empfehlungen wurden im Koalitionsvertrag aufgegriffen: Neben dem erklärten Ziel, die Photovoltaik in Deutschland von derzeit knapp 60 Gigawatt (GW) „bis 2030 auf ca. 200 GW“ auszubauen, sollen Vergütungssätze entsprechend angepasst und „alle Hürden und Hemmnisse für den Ausbau Erneuerbarer Energien aus dem Weg geräumt“ werden. Der BSW begrüßt ebenso die Zielsetzung, dass die Wärmeversorgung bis 2030 zur Hälfte klimaneutral und Speicher als eigenständige Säule des Energiesystems endlich rechtlich definiert werden sollen. 

Der BSW unterstreicht die Notwendigkeit eines Sofortprogramms zur gewünschten Beschleunigung des Solar-Ausbaus. Eile sei dringend geboten, um die Versäumnisse und politischen Fehlentscheidungen der vergangenen Legislaturperiode zu korrigieren und zunehmend negativ wirkende Marktbremsen zu lösen. Körnig: „In den ersten 100 Tagen wird sich entscheiden, ob der überfällige Klimaschutz-Turbo in dieser Legislaturperiode gezündet wird. Dann kann die gewaltige Klimaschutz- und Ökoenergie-Lücke in letzter Minute noch geschlossen werden. Als überaus beliebte, preiswerte und schnell skalierbare Energieform wird die Solarenergie den entscheidenden Ausschlag geben, ob die erfreulichen Regierungsziele insgesamt erreicht werden und die Klimaschutz-Ampel auf Grün springt.“

Über den Bundesverband Solarwirtschaft e.V.: Der BSW – Bundesverband Solarwirtschaft e.V. vertritt als Exklusivpartner der Messen Intersolar und ees Europe die Interessen von einigen hundert Solar- und Speicherunternehmen in Deutschland. Der Verband agiert als Informant, Berater und Vermittler im Aktionsfeld zwischen Wirtschaft, Politik und Verbrauchern. Er sorgt für Investitionssicherheit in der Wachstumsbranche Solarenergie. Wichtige Unternehmen der Solar- und Speicherbranche – von Rohstofflieferanten und Produktionsfirmen über das Handwerk bis hin zu Betreibergesellschaften, Planern und Financiers – sind im BSW organisiert. 

Quelle: Bundesverband Solarwirtschaft

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Mittwoch, 24. November 2021

Wider die Atom-Euphorie

Ein paar Einwände zur wiederholten Verunglimpfung der möglichen Rolle der Solarenergie in der künftigen Energiepolitik der Schweiz (tröstlich ist, dass solche  Einschätzungen letztlich durch den Siegeszug der Solarenergie in aller Welt widerlegt werden). Die folgenden Argumente beziehen sich unter anderem auf einen Artikel des Musikprofessors Martin Schlumpf, der sich in letzter Zeit als vehementer Gegner der Energiestrategie 2050 und als Befürworter der Atomenergie zu profilieren versucht. Hier die Gegenrede von Solarmedia-Autor Guntram Rehsche.

- Der verwendete Energie-Effizienz-Begriff der Solarskeptiker ist unangemesssen, denn auch Atomstrom ist nicht effizient, nur 1/3 der erzeugten Energie wird genutzt (Rest verpufft als Wärme in den Kühltürmen).
- Was mühsam mit einer Artikel-Grafik herbei geschrieben wird > siehe hier, ist längst allgemein bekannt und weder bestritten noch unlogisch. Aber schon unter Einbezug der Berglagen sieht die mögliche solare Stromproduktion wesentlich anders aus, und damit auch die verwendete Grafik - abgesehen von technologischen Fortschritten, die sich bereits handfest abzeichnen.
- Wenn die jetztigen Solarkapazitäten um den Faktor 11,6 vergrössert werden und dabei die gegenwärtige Struktur fortschrieben wird (fast keine Anlagen in alpinen Gebieten), so wird das der angestrebten Entwicklung der Solarwirtschaft in der Schweiz (viele Anlagen in den Bergen) eben nicht gerecht.
- Atomkraft ist nicht wie von den Atombefürwortern immer wieder behauptet verbrauchsgerecht - sie produziert beispielsweise in der Nacht Strom, den wir eigentlich nicht brauchen (und der völlig ineffizient in Heizungen geleitet wurde / wird). Zuverlässig ist auch ein grosses Wort: Leibstadt steht wie schon mehrfach seit Monaten still (wo ist da eigentlich der immer auch herbeigeschriebene Blackout?). Und international hat beispielsweise Fukushima 2011 die japanische Atomstromproduktion für Jahre still gelegt.
- Nur 10% Auslastung der Solarkapazität sagt wenig aus. Vielmehr liefern die PV-Anlagen während des ganzen Tages und eben nicht nur jede zehnte Stunde, wie mit dieser Aussage suggeriert. Nur liefern sie mal mehr, mal weniger. Wenn hingegen ein AKW ausfällt, was so selten nicht ist, dann herrscht wirkliche Flaute.
- Zum Speicherargument (Schlumpf Originalton: «Viele werden jetzt einwenden, dass wir den sommerlichen Überschussstrom einfach für den Winter speichern können. Dies ist aber ein reines Wintermärchen, denn für die erforderliche Langzeitspeicherung gibt es noch keine im geforderten Ausmass etablierte Technologie, die auch nur einigermassen kostengünstig ist»): Es ist anerkannt, aber längst nicht so verheerend wie dargestellt. Jener Strom, der in die E-Mobilität fliessen soll, wird selbstredend in Autobatterien gespeichert, braucht also nur wenig zusätzliche allgemeine Speicherkapazität. Die Speichertechnologie macht auch laufend grosse Fortschritte bei laufend verminderten Kosten.
- Ist ja nett, dem Solarstrom wenigstens seine Mittagstauglichkeit (Produktion während Verbrauchsspitze) zuzusprechen.
- Fazit zu den vermeintlich grossen Vorteilen der Atomkraft: All deren Probleme werden in Ihrer Argumentation einfach weggelassen. Diese hier aufzuzählen, sprengt sowohl den Rahmen wie auch den Atomwahn, von dem die neu erweckten Atom-Apologeten beseelt sind (und die sogenannte Volkspartei SVP). Stichworte mögen hier genügen: Zu spät, zu teuer, weiterhin zu gefährlich und systemuntauglich in den meisten Bereichen - sowie weder gesellschafts- noch politikfähig und -tauglich.  

Allein Freiwilligkeit reicht nicht aus!

Wie stark soll der Staat den Rahmen für das Erreichen der Schweizer Klimaziele vorgeben? Die Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften ZHAW hat die Potenziale freiwilliger und politischer Massnahmen zur Reduktion der Treibhausgas-Emissionen analysiert. Ihr Fazit: Eigenverantwortung alleine reicht nicht zum Erreichen von netto Null Treibhausgasemissionen. Die Schweizerische Energie-Stiftung beschreibt in einer Medienmitteilung die Mechanismen von Freiwilligkeit und staatlichen Rahmenbedingungen.

Der Fussabdruck der Treibhausgase, welche jede:r Schweizer:in durchschnittlich emittiert, entspricht 13.6 Tonnen CO2-Äquivalenten pro Jahr. Die Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften ZHAW ist im Auftrag der Schweizerischen Energie-Stiftung SES der Frage nachgegangen, welchen Anteil freiwillige Massnahmen von Privatpersonen im Vergleich zu politischen Massnahmen leisten können, um die Klimaschutzziele der Schweiz bis 2050 zu erreichen.

Freiwilligkeit allein führt nicht zum Ziel: Die Studie kommt zum Schluss, dass realistischerweise gerade mal ein Fünftel der Schweizer Treibhausgasemissionen durch freiwillige Entscheidungen vermieden werden können. Gemeint sind persönliche Verhaltensänderungen wie eine Verminderung der Anzahl Flüge, des allgemeinen Konsums, ein Umstieg auf vegetarische oder vegane Ernährung sowie etwa auf Elektromobilität. Studienautor Jürg Rohrer, Leiter Forschungsgruppe Erneuerbare Energien ZHAW, dazu: «Leider hört man gerade in Abstimmungskampagnen oft das Schlagwort ‘Eigenverantwortung’. Damit erreichen wir die Klimaziele aber bei weitem nicht.»




Mieter:innen können beschränkt entscheiden: Der Rest – vier Fünftel – muss mit politischen Massnahmen adressiert werden, denn viele Klimaschutzhebel liegen ausserhalb der persönlichen Entscheidungskompetenz einzelner Bürger:innen. «Politische Massnahmen sind unverzichtbar für den Klimaschutz», kommentiert Felix Nipkow, Leiter Fachbereich erneuerbare Energien bei der SES, die Studie. «Damit zum Beispiel erneuerbare Heizsysteme in Mietwohnungen installiert werden, braucht es politische Vorgaben und Anreize, wie sie am 28. November beispielsweise im Kanton Zürich mit dem Energiegesetz zur Abstimmung gelangen.» Für die Erreichung der Klimaziele braucht es beides – Eigenverantwortung und politische Massnahmen. Wer ausschliesslich auf die Eigenverantwortung von Privaten setzt, verzögert und bekämpft damit wirkungsvolle und unverzichtbare politische Instrumente. So kommt der notwendige Klimaschutz nicht voran. 

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Weitere Informationen
Prof. Jürg Rohrer, Studienautor, Leiter Forschungsgruppe Erneuerbare Energien, ZHAW
Tel.: 058 934 54 33
Mobile: 079 291 96 19
Mail: juerg.rohrer@zhaw.ch

Felix Nipkow, Leiter Fachbereich erneuerbare Energien, SES
Tel.: 044 275 21 28
Mobile: 077 413 24 31
Mail: felix.nipkow@energiestiftung.ch
Twitter: @FelixNipkow

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Dienstag, 23. November 2021

CH-Stromproduktion jetzt online verfolgen


Seit Montag kann man auf einer neuen Online-Plattform verfolgen, wie sich die Stromproduktion in der Schweiz, die Importe sowie die Exporte entwickeln. Die Website www.energy-charts.ch bietet einen visuellen Überblick in Form einer leicht verständlichen Grafik. 

Die Daten sind sehr reaktionsschnell, sie werden fast minütlich aktualisiert, mit Ausnahme der Photovoltaik, die mehr Zeit benötigt, um in das System implementiert zu werden. Es ist möglich, Änderungen in der Produktion schnell zu beobachten, wie z. B. als das Kernkraftwerk Gösgen am 12. November für einige Stunden abgeschaltet wurde.

Dank der Verbindung der Plattform mit der Leipziger Strombörse EEX ist es auch möglich, die Informationen mit anderen europäischen Ländern zu vergleichen. Das Ganze soll in den nächsten Jahren weiterentwickelt werden, u.a. in Bezug auf die schnelle Beschaffung von Produktionsdaten oder auch detailliertere Daten je nach Technologie. Die Kontrolle der Daten, die auf der Plattform zur Verfügung gestellt werden, wird ebenfalls ein wichtiger Punkt in ihrem Betrieb sein.

Quelle: energeiaplus.com - Bild: Ausserbetriebsetzung AKW Gösgen 12.11.21

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Montag, 22. November 2021

Immer gilt: Die Sonne schickt keine Rechnung

Der Slogan des deutschen Energiepublizisten hat nicht nur Eingang gefunden in ein vieltausendfach verkauftes Buch - er steht auch über einem Vortrag von Franz Alt, den Transparenz.TV kürzlich ausgestrahlt hat und der sich hier übr Youtube ansehen lässt - angereichert mit vielen illustren aktuellen Beispielen aus der Solarwirtschaft und allen relevanten Grundsatz-Bemerkungen.

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Samstag, 20. November 2021

Märchen vom billigen französischen Atomstrom


„Brot und Spiele“(Panem et circenses) waren die Durchsetzungsstrategien im römischen Reich, um die Macht zu erhalten. „Billiges Benzin, kostengünstiger Strom und Fußball“ sind in der Demokratie gerne propagierte Wahlkampfstrategien. Von Axel Mayer, dem Vizepräsidenten des Trinationalen Atomschutzverbandes.

In Frankreich ist die Atomindustrie im Niedergang und der Atomkonzern EDF hoch verschuldet. Gleichzeitig verspricht Staatspräsident Macron wieder einmal billigen Atomstrom und will neue kleine AKW bauen lassen. Ein kleiner Teil der finanziellen Probleme der französischen Atomwirtschaft soll mit EU-Geldern gelöst werden. Gerne wird in diesem Zusammenhang in Frankreich und auch in Deutschland (Solarmedia: und der Schweiz) das Märchen vom billigen französischen Atomstrom verbreitet, die Nutzung der Atomenergie als rettende Wunderwaffe im verlorenen Krieg gegen Natur und Umwelt gepriesen.

Der Strompreis in Frankreich ist allerdings nur scheinbar günstig… Nach einem Bericht des obersten Rechnungshofes in Frankreich kosteten die Erforschung, Entwicklung sowie der Bau der französischen Kernkraftwerke insgesamt 188 Mrd. Euro. Da in Frankreich die „zivile“ und die militärische Nutzung der Atomkraft nicht zu trennen sind, liegt die Summe vermutlich wesentlich höher. Die Nachrüstung der überalterten französischen Reaktoren wird über 55 Milliarden kosten. Die Zeitschrift Liberation berichtet von Nachrüstkosten von fast 100 Milliarden bis 2030.

Laut einem Bericht des französischen Wirtschaftsministeriums hatte die halbstaatliche EDF Ende 2019 rund 41 Milliarden Euro Schulden und bis 2028 sollen es fast 57 Milliarden Euro (57.000.000.000) sein. Um innenpolitische Probleme zu verhindern, darf die EDF den Strompreis aus politischen Gründen nicht erhöhen. Die EDF-Verbindlichkeiten treiben Frankreichs Staatsverschuldung massiv in die Höhe. Die Menschen in Frankreich (und insbesondere deren Enkel) zahlen den scheinbar billigen, teuren Atomstrom mit der Steuer. In diesen Kosten ist weder der Abbau der AKWs noch eventuelle Kosten eines schweren Unfalls einberechnet. Ein schwerer Atomunfall hätte in Frankreich verheerende Folgen. Eine Regierungsstudie rechnet mit 430 Milliarden Euro Kosten.

In Frankreich betreibt die EDF 56 überalterte Reaktoren, die jetzt fast gleichzeitig alt und marode werden, hat aber fast keine Rücklagen für den Abriss gebildet. In Deutschland geht der Staat sehr optimistisch von 47 Milliarden Kosten für Abbruch und Endlagerung aus. Der Abbruch der großen Zahl an französischen AKWs könnte bei steigenden Kosten weit über 100 Milliarden Euro kosten, wenn bei der Sicherheit nicht gespart wird. Es besteht durchaus die Möglichkeit, dass die Atomwirtschaft den französischen Staat auch ohne einen jederzeit möglichen Atomunfall in den Ruin treibt.

An der französischen Atlantikküste in Flamanville wird seit dem Jahr 2007 ein „Europäischer Druckwasserreaktor“ (EPR) gebaut. Das Vorzeigeprojekt sollte ursprünglich 2012 zum Fixpreis von 3,2 Milliarden Euro fertiggestellt sein. Seitdem wurde der Betriebsbeginn immer wieder verschoben, der Rechnungshof beziffert die Kosten auf über 19 Milliarden Euro. Ob der EPR 2024 ans Netz geht, ist fraglich. Wirtschaftlich arbeiten wird der Musterreaktor nie.

Der Schweizer Atom-Lobbyist und Axpo-Chef Christoph Brand lässt die Träume vom billigen Atomstrom aus neuen, kleinen AKW platzen. „Die Produktionskosten für den Strom, den neue Kernkraftwerke liefern, seien gegenwärtig etwa doppelt so hoch wie jene von größeren Wind- und Solaranlagen, so Brand. Egal, wie man die Risiken der Kernkraft einschätze, es sei schlicht nicht wirtschaftlich, auf neue AKW zu setzen.“ sagte er in der atomfreundlichen NZZ am 21.10.2021.

In Ländern mit einem funktionierenden Markt werden keine neuen AKWs gebaut.
Im Zweifelsfall hilft immer auch ein Blick auf den langfristig massiv gesunkenen Aktienkurs der EDF, um die Marktchancen der von Staatspräsident Macron angekündigten, atomaren Renaissance zu bewerten. „Brot und Spiele“ mit künstlich niedrig gehaltenen Atom-Strompreisen kann im französischen Wahlkampf funktionieren. Kostengünstiger, risikoloser Strom entsteht heute jedoch mit Fotovoltaik und Windenergie.


Linkliste: Atomkraft, AKW, neue AKW, Atomunfälle, atomar-fossile Seilschaften

Noch nicht abgestellte AKW in Deutschland:

Neue gefährliche, kleine AKW & der Thorium Reaktor:

Atomar-fossile Seilschaften, rechts-libertäre Atom-Lobbygruppen und industriegelenkte Schein-Bürgerinitiativen:

Quelle: Axel Mayer | Mitwelt Stiftung Oberrhein. Der Autor ist Vizepräsident im Trinationalen Atomschutzverband TRAS und war 30 Jahre lang BUND-Geschäftsführer in Freiburg

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Freitag, 19. November 2021

Jetzt ein JA zum Zürcher Energiegesetz

Am 28. November stimmen der Kanton Zürich über das Energiegesetz ab. Mit dem Energiegesetz können die 120'000 Öl- und Gasheizungen, die heute für rund 40 Prozent des CO2-Ausstosses im Kanton verantwortlich sind, rasch durch klimafreundliche Alternativen ersetzt werden. Mehr Informationen im Erklärvideo

 

Das Zürcher Energiegesetz würde zudem den Photovoltaik-Ausbau auf Dächern und Fassaden von Neubauten beschleunigen. Dass das nötig ist, zeigt ein Blick auf einige Neubauten, zum Beispiel in erst kürzlich neu gebauten Europaallee am Hauptbahnhof. Das Potenzial wird noch nicht genutzt. Mehr Informationen bei Swissolar

 

Damit ist das Energiegesetz das wirksamste Gesetz gegen den Klimawandel, das der Kanton Zürich je beschlossen hat. Und nicht nur das: Weil klimafreundlich heizen auf Dauer günstiger ist als mit Öl oder Gas, senkt es auch noch die Heizkosten und erhöht die lokale Stromproduktion. Mehr Argumente

 

Quelle: Pro Solar

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Sonntag, 14. November 2021

Marshall-Plan Klima


Initiativprojekt der Sozialdemokratischen Partei der Schweiz - nachfolgend die entsprechende Medienmitteilung: Der Klimaschutz ist die grösste Herausforderung unserer Zeit. Darum achten die meisten Menschen darauf, sich klimafreundlich zu verhalten. Doch wir merken alle: Das reicht nicht. Solange fossile Energie unsere Häuser heizt und unsere Fahrzeuge antreibt, solange der Strom nicht sauber und die Industrie nicht CO2-neutral ist, werden wir nur schleppend vorankommen. Diese Zeit haben wir nicht. Es braucht massive öffentliche Investitionen in den Klimaschutz – und zwar jetzt. 

Die Geschäftsleitung der SP Schweiz hat deshalb am Freitag zugestimmt, dass wir eine entsprechende Volksinitiative ausarbeiten. Die grösste Herausforderung unserer Zeit muss in der richtigen Grössenordnung angepackt werden: Der Initiativtext sieht vor, dass wir jedes Jahr zwischen 0.5 und 1% des Bruttoinlandproduktes in den ökologischen Umbau der Schweiz investieren. Das sind rund 7 Milliarden Franken jährlich.

Die Klimafonds-Initiative erlaubt es uns – wie 2019 in unserem Marshall-Plan detailliert dargelegt – mit der notwendigen Geschwindigkeit voranzugehen. Dabei geht es nicht nur um die Kosten für Solarpanels, Gebäudesanierungen und den Ausbau des öffentlichen Verkehrs. Wir werden mit diesen Investitionen auch sicherstellen, dass sich all diejenigen Menschen weiterbilden können, die heute in Berufen arbeiten, welche es nach dem ökologischen Umbau nicht mehr geben wird. Für die Energiewende sind wir auf clevere Köpfe und geschickte Hände angewiesen. Klimaschutz ist nur möglich, wenn die Kosten des Jahrhundertumbaus gerecht verteilt werden, er allen eine Perspektive bietet und die ganze Bevölkerung mit an Bord holt.

Genau so, wie frühere Generationen die SBB lanciert, die AHV erschaffen, die ETH gegründet und die NEAT gebaut haben, werden wir die Schweiz klimaneutral machen. Wir möchten dabei mit allen Menschen und Organisationen zusammenarbeiten, welche ebenfalls überzeugt sind, dass wir nicht auf technische Wunderlösungen warten können, sondern jetzt handeln müssen. Alles Weitere inkl. Initiativtext > hier.

Quelle: Sozialdemokratische Partei der Schweiz

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Samstag, 13. November 2021

 Jetzt live Schluss-Session COP26 Glasgow:

https://unfccc-cop26.streamworld.de/webcast/informal-stocktaking-plenary-by-the-president-6

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ISE: 40 Jahre Solarforschung

Das deutsche Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE feiert in diesem Jahr sein 40jähriges Jubiläum. Das größte Solarforschungsinstitut Europas mit mittlerweile rund 1300 Mitarbeitenden begleitete die Energiewende in Deutschland von Anfang an. Heute ist es weltweit einer der wichtigsten Impulsgeber und Forschungspartner für eine Energieversorgung basierend auf 100 Prozent erneuerbaren Energien.

Zu diesem Anlass veranstaltete das Fraunhofer ISE ein Symposium unter dem Titel »Nachhaltige Forschung für die Energiewende – und für die Generationen nach uns«. Dazu Institutsleiter Prof. Dr. Hans-Martin Henning »Von Anfang an haben wir am Fraunhofer ISE mit großer thematischer Bandbreite und einem Blick auf das gesamte Energiesystem Forschungs- und Entwicklungsarbeit geleistet«. Institutsleiter Prof. Dr. Andreas Bett ergänzt: »Bei unserem Symposium blicken wir auf 40 erfolgreiche Jahre zurück. Wir fragen aber auch, welche gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Anstrengungen jetzt erforderlich sind, um einem klimaneutralen Energiesystem zum Durchbruch zu verhelfen.« Der Solarpionier Prof. Adolf Goetzberger, damals Leiter des Fraunhofer-Instituts für Angewandte Festkörperphysik IAF, gründete das Fraunhofer ISE 1981 gegen anfängliche Widerstände. Das Institut umfasst heute zwei etwa gleich große Bereiche: Photovoltaik sowie Energietechnologien und -systeme. Das spiegelt sich auch bei der Institutsleitung wider, die seit 2017 Prof. Dr. Hans-Martin Henning und Prof. Dr. Andreas Bett als Doppelspitze innehaben.

Photovoltaikforschung für höhere Wirkungsgrade und niedrigere Kosten: PV-Technologien, die am Fraunhofer ISE entwickelt wurden, haben starke Verbreitung in der internationalen Solarzellenproduktion gefunden, wie zum Beispiel der Einsatz von Lasern oder die TOPCon-Technologie. In der Anwendung dieser und weiterer PV-Technologien erzielte das Institut zahlreiche Rekorde: Weltrekorde, wie den Wirkungsgradrekord für multikristalline Siliciumsolarzellen mit TOPCon Technologie (22,3 %), beidseitig kontaktierte Siliciumsolarzellen mit TOPCon-Technologie (26.0 %) und für III-V-Tandemzellen auf Silicium (35.9 %).

Forschung für CO2 neutrale Energietechnologien und -Systeme: Der Umbau der Energieversorgung auf erneuerbare Energien endet nicht bei der Energiebereitstellung. Um den systemischen Anforderungen einer erneuerbaren Energieversorgung in der gesamten Breite gerecht zu werden, beschäftigen sich die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Fraunhofer ISE von Beginn an auch mit der Integration solaren Stroms und solarer Wärme in das Energiesystem. Sie betreuten zum Beispiel ab 1987 das Energieprojekt an der Rappenecker Hütte, die unter ihrem Geleit die erste vollständig mit Solarenergie versorgte Wandergaststätte wurde. Ihr Jahresstromverbrauch von 4000 kWh wird zu rund 65 Prozent von der Photovoltaik, zu circa 10 Prozent von Windkraft und zu 25 Prozent mit Hilfe einer Brennstoffzelle gedeckt. Auch Meilensteine wie die Entwicklung des ersten vollelektrischen Wechselrichters zum Einsatz in autonomen PV-Anlagen oder ein hocheffizientes induktives Ladesystem für Elektrofahrzeuge tragen die systemische Handschrift des Instituts. Heute wird an einem eigenen Standort die Leistungselektronik der zukünftigen Stromnetze, die immer größere Anteile von Strom aus Sonne und Wind enthalten, entwickelt.

Im Bereich der Solarthermie entwickelte das Institut unter anderem Solarkollektoren aus Ultrahochleistungsbeton und neuartige selektive Solarabsorberschichten für thermische Solarkollektoren, entwickelte aber auch Verfahren zu optimierten Regelung von solarthermischen Kraftwerken. Wärmepumpen – einer zentralen Heiztechnologie der Zukunft – widmen sich die Forscherinnen und Forscher mit umfangreichen Feldtests, sowie der Weiterentwicklung von Kältekreisen mit natürlichen, klimaschonenden Kältemitteln.

Die entscheidende Phase der Energiewende begleiten: Wegweisende Studien des Fraunhofer ISE, wie zum Beispiel jüngst die wieder aktualisierte, auf dem ReMod-Modell basierende Studie »Wege zu einem klimaneutralen Energiesystem – Die deutsche Energiewende im Kontext gesellschaftlicher Verhaltensweisen« zeigen, dass der Ausbau der erneuerbaren Energien in Deutschland bis 2045 stark intensiviert werden muss. Sie belegt zugleich den hohen Einfluss gesellschaftlichen Verhaltens auf Aufwand und Kosten des Umbaus des Energiesystems.

Die umfassende, öffentlich zugängliche Energiedatenbank »Energy-Charts« bereitet Energiedaten in Deutschland und mittlerweile auch anderen europäischen Ländern auf und dient vielen Akteurinnen und Akteuren als Informations- und Diskussionsgrundlage zum Stand der Energiewende.

Der Anforderung an das sechs- bis achtfache der aktuellen Flächen für Photovoltaik, begegnen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit Forschung zu Integrierter Photovoltaik: 2017 konzipierten sie die erste Agri-PV Anlage in Deutschland, 2019 präsentierten sie ein farbiges PV-Autodach. Neuartige Modulverschaltungen wie neue Zellverbinder, Klebeverfahren für Schindelmodule, Module für Gebäudeintegrierte Photovoltaik und farbige MorphoColor®-Schicht ermöglichen immer bessere Photovoltaikmodule auch für anspruchsvollere Flächen.

Die Effizienz der Solarzellen und -module soll auch zukünftig vorangetrieben werden, zum Beispiel mit einem Forschungsschwerpunkt auf höchsteffiziente Tandemphotovoltaik in einem dafür im Sommer 2021 eingeweihten Zentrum für höchsteffiziente Solarzellen. Die Speicherung des so gewonnen Stroms wird ab 2022 ebenfalls ein neues Laborgebäude erhalten, in dem Forschung und Test von Batteriespeichersystemen noch umfassender möglich sein wird als aktuell. Und auch beim letzten großen Baustein der Energiewende, Wasserstoff, ist ein Ausbau der Infrastruktur geplant. Die erste solare Wasserstofftankstelle in Freiburg, 2012 als öffentlich zugängliche Pilotprojekt und Forschungsplattform eröffnet, bekommt längst mehr Andrang, als sie bedienen kann.

»Viel wurde erreicht, um eine auf erneuerbaren Energien basierende Energieversorgung überhaupt denkbar zu machen. In der Umsetzung liegt allerdings noch das größte Wegstück für uns«, so Hans-Martin Henning. Und Andreas Bett ergänzt: »Deshalb wird angewandte Forschung zum Transfer neuer Technologien und Systemlösungen auch in den nächsten Jahrzehnten nicht an Bedeutung verlieren.«

Quelle: ISE Fraunhofer

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Freitag, 12. November 2021

Bau von Solaranlagen: Rekord um Rekord

2020 wurden in der Schweiz Photovoltaikanlagen mit einer Leistung von 475 Megawatt (MW) neu installiert. Ein Rekordzubau, der im laufenden Jahr noch übertroffen werden könnte. Damit der Zubau auch im nächsten Jahr rasch und ohne Wartefristen für Fördergelder weitergehen kann, stehen 2022 für die Förderung der Photovoltaik 450 Millionen Franken zur Verfügung.

Von Januar bis Ende Oktober 2021 wurden über 18’000 Photovoltaikanlagen mit einer Leistung von insgesamt 360 MW für die Einmalvergütung angemeldet. Das sind rund 25% mehr Anlagen als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Im dritten Quartal 2021 waren es gar 40% mehr als im Vorjahresquartal. Allein im Monat September gab es mehr als 2'000 Anmeldungen.

Einmalvergütung für kleine Photovoltaikanlagen (KLEIV): Alle Anlagenbetreiber, die ihr vollständiges Gesuch bei der Pronovo AG zwischen 1. April 2020 und 31. August 2021 eingereicht hatten, erhalten bis Ende 2021 die Zusicherung für ihren KLEIV-Förderbeitrag. Somit können 2021 rund 26’000 Anlagen mit einer Leistung von insgesamt rund 350 MW mit der KLEIV gefördert werden. Die Auszahlungen betragen insgesamt 150 Millionen Franken. Ausblick 2022: Die KLEIV kann voraussichtlich für alle Anlagenbetreiber ausbezahlt werden, die ihr vollständiges Gesuch bis zum 31. Oktober 2022 einreichen.

Einmalvergütung für grosse Photovoltaikanlagen (GREIV): 2021 erhalten rund 500 Anlagen mit einer Leistung von insgesamt 168 MW eine GREIV. Somit können alle Gesuche, die bis 31. Oktober 2021 bei der Pronovo AG vollständig eingetroffen waren, gefördert werden. Ausblick 2022: Die Zusicherung für eine GREIV erhalten 2022 voraussichtlich alle Anlagenbetreiber, die ihr vollständiges Gesuch bis zum 31. Oktober 2022 einreichen.

Einspeisevergütungssystem (KEV): 2021 wurden keine weiteren Anlagen in das KEV-System aufgenommen. Die KEV-Warteliste bei den übrigen Technologien wird seit 2020, diejenige der Photovoltaik seit 2021 nicht weiter abgebaut. Eine Einspeisevergütung erhalten aktuell 12'085 Photovoltaikanlagen, 656 Wasserkraftanlagen, 44 Windenergieanlagen und 320 Biomasseanlagen. Ausserdem haben 19 Photovoltaik-, 79 Wasserkraft-, 422 Windenergie- und 42 Biomasseprojekte eine Förderzusage für die KEV. Sie wird nach dem Bau dieser Anlagen ausbezahlt.

Investitionsbeiträge: 2021 ging bisher ein Gesuch für einen Investitionsbeitrag für Kleinwasserkraft-Anlagen (300 kW bis 10 MW) ein. Bis Ende des Jahres werden voraussichtlich Zusicherungen in der Höhe von insgesamt rund 150'000 Franken erteilt. Neue Gesuche können sofort bearbeitet werden. Es besteht keine Warteliste. Zum Stichtag 2020 wurden zwei Gesuche für Investitionsbeiträge für Grosswasserkraft-Anlagen (ab 10 MW) eingereicht. Das Budget von rund 100 Millionen Franken wurde nicht ausgeschöpft. Für Gesuche, die vor dem nächsten Stichtag Ende August 2022 nachgereicht werden, stehen rund 55 Millionen Franken zur Verfügung.

2021 wurde bisher kein Gesuch für einen Investitionsbeitrag für stromproduzierende Klärgas-, Kehrichtverbrennungsanlagen oder Holzkraftwerke eingereicht. Neue Gesuche können sofort bearbeitet werden. Es besteht keine Warteliste. 2021 wurde bisher kein Gesuch für einen Erkundungsbeitrag für Geothermieprojekte zur Stromproduktion eingereicht. Ebenfalls gingen keine Gesuche für eine Garantie für Geothermieprojekte im Strombereich ein. Neue Gesuche können sofort bearbeitet werden. Es besteht keine Warteliste.

Wie werden die Fördermassnahmen finanziert? Für die Förderung der Stromproduktion aus erneuerbaren Energien, Stromeffizienzmassnahmen und Gewässersanierungen bezahlen die Schweizer Stromkonsumentinnen und -konsumenten seit 1. Januar 2018 einen Netzzuschlag von 2,3 Rappen pro Kilowattstunde. Das Geld fliesst in den Netzzuschlagsfonds, aus dem verschiedene Fördermassnahmen finanziert werden (siehe Grafik in der Beilage).


Adresse für Rückfragen

Marianne Zünd, Leiterin Medien und Politik BFE, 058 462 56 75


Herausgeber: Bundesamt für Energie - http://www.bfe.admin.ch

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Donnerstag, 11. November 2021

An den Fassaden soll die Solarwirtschaft genesen

Fassadenintegrierte Photovoltaik-Module sind für das WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung (SLF) nicht neu. Die im Jahr 2002 auf dem Weissfluhjoch installierte Anlage war eine der ersten Photovoltaikanlagen in Davos auf 2693 Metern Höhe. Am jetzigen Standort des Instituts in Davos Dorf haben andere Gebäude zu Recht Module in ihre Fassade integriert.


Das Gebäude auf dem Weissfluhjoch ist seit einiger Zeit nicht mehr der Hauptstandort des Instituts für Schnee- und Lawinenforschung (SLF), da es zu klein und zu schwer zugänglich ist. Im Jahr 1996 zog das Personal in verschiedene Gebäude in Davos Dorf um. Heute arbeiten dort etwa 140 Personen, um das Institut zu betreiben und Forschung in den Bereichen Schnee, Atmosphäre, Naturgefahren, Permafrost und Bergökosysteme zu betreiben. Im Jahr 2019 geht das Höhengebäude schliesslich in den Besitz der Davos Klosters Bergbahnen AG über. Die vertikalen Fotovoltaikmodule blieben an ihrem Platz.

Zwei der FLS-Gebäude mit jeweils drei Stockwerken beherbergen verschiedene Forschungs- und Büroräume. Im Jahr 2010 wurden die Gebäudehüllen beider Gebäude renoviert, um sie auf den neuesten Stand zu bringen. Das SLF nutzte die Gelegenheit, in die Fassade integrierte Photovoltaikmodule zu installieren. "Ich wollte den Sanierungsbedarf der Gebäudehülle für die Installation einer Solaranlage nutzen, da Davos relativ nebelfrei ist", erklärt Martin Gentner, Leiter der Abteilung Betrieb des SLF. So wurden 76 monokristalline Siliziummodule unauffällig in die Fassade integriert.

Funktionalität und Ästhetik: In der Planungsphase erforderten die vielen zu berücksichtigenden Faktoren eine enge Abstimmung zwischen dem Architekten und dem Bauherrn. Die Solarmodule an der Fassade sind schwerer als herkömmliche Leichtbauverkleidungen, so dass stärkere Fassadenträger erforderlich sind. Örtliche Gegebenheiten wie Wetter, Ausrichtung und mögliche Verschattungen durch andere Infrastrukturen müssen bei der Planung ebenfalls berücksichtigt werden. In dieser Hinsicht hat sich die enge Zusammenarbeit mit dem Architekten ausgezahlt. Neben den Anforderungen an die Gebäudehülle und den Standort spielt auch die Ästhetik eine wichtige Rolle. Da die vertikalen Module gut sichtbar sind, darf die Ästhetik nicht vernachlässigt werden, ebenso wenig wie die Effizienz. Es geht auch darum, einen attraktiven Arbeitsplatz und einen schönen Anblick für die Nachbarschaft zu bieten", betont Martin Gentner. Seiner Meinung nach gibt es genügend Spielraum, um Effizienz und Ästhetik in Einklang zu bringen.

Geeigneter Standort: Es ist kein Zufall, dass sich die Fassadenanlagen auf einer Höhe von rund 1560 Metern befinden. Eine herkömmliche Aufdachinstallation wäre durch Schnee beeinträchtigt oder würde eine mühsame Schneeräumung erfordern. Für die SLF-Anlage ist Schnee jedoch sogar erwünscht: Er reflektiert die Sonnenstrahlen (Albedo-Effekt) in Richtung der senkrecht montierten Module und erhöht so deren Ertrag. Weniger erwünscht sind Schatten (z. B. von anderen Gebäuden), da sie die Leistung des Systems verringern. Die Südseite der Gebäude, die der unverschatteten Kantonsstrasse zugewandt ist, ist optimal belichtet. In der Höhe ist der Wartungsaufwand der vertikalen Lösung daher geringer als bei Dachanlagen, während die Wartungsarbeiten denen herkömmlicher horizontaler oder aufgeständerter Photovoltaikanlagen entsprechen: "In allen Fällen sind Hilfsmittel erforderlich und die Häufigkeit der Wartung ist gleich.

Maximale Leistung im Frühjahr und Herbst: Die auf der Südseite installierten 120 Quadratmeter Module produzieren rund 21 Megawattstunden Solarstrom pro Jahr. Aufgrund der südlichen Ausrichtung erreicht die Stromerzeugung in der Mittagszeit ihren Höhepunkt. Neben der Tageszeit ist auch die Jahreszeit von Bedeutung: In der Planungsphase errechneten die Experten eine maximale Produktion im Sommer. In der Praxis zeigt sich jedoch, dass die Fassaden im Frühjahr und Herbst 30 bis 50 % mehr Strom produzieren. Denn der hohe Sonnenstand im Sommer führt dazu, dass der Einfallswinkel der Sonnenstrahlen für senkrecht installierte Fassadenanlagen nicht optimal ist. Am besten ist es im Winter. Der niedrige Sonnenstand ermöglicht eine direktere Bestrahlung der Anlagen, die dann ihr volles Potenzial ausschöpfen können. Das bedeutet, dass Photovoltaikmodule ihren maximalen Ertrag nicht im Sommer erreichen, sondern in den Übergangsjahreszeiten, wenn Sonnenstand und Sonnenscheindauer den besten Kompromiss bieten. Selbst im Winter ist die Produktion trotz der wenigen Sonnenstunden etwas höher als im Sommer. Ein Vergleich zwischen den Monaten März und September verdeutlicht die Rolle des Schnees: Die um 25 % höhere Produktion im Frühjahr ist zumindest teilweise auf das Vorhandensein von Schnee und die damit verbundene Reflexion zurückzuführen.

Erneuerbare Energie im Winter: Diese Besonderheit der fassadenintegrierten Photovoltaikanlagen ist für die Entwicklung der erneuerbaren Energien besonders wichtig, denn während die Photovoltaikanlagen im Sommer die meiste Energie produzieren, ist der Stromverbrauch im Winter am höchsten. Zu Recht hat der Bundesrat deshalb kürzlich den Bericht "Winterstromerzeugung mit Photovoltaik" verabschiedet. Es stimmt, dass vertikale Lösungen im Durchschnitt nur zwei Drittel des Jahresertrags einer konventionellen Anlage erzielen. In den Wintermonaten erzeugt eine Anlage, die vertikal an einer Südfassade montiert ist, jedoch 30 % mehr Strom pro Modul als eine Anlage auf einem Flachdach. Da gut ausgerichtete Fassaden in der Schweiz in den Wintermonaten ein Potenzial von rund 7 Terawattstunden Solarstrom haben, sind sie trotz höherer Kosten eine interessante Alternative zu herkömmlichen Anlagen. [1 ] Um die Erschliessung dieses Potenzials zu beschleunigen, hat das Eidgenössische Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK) im Rahmen der Revision der Verordnung über die Förderung der Stromproduktion aus erneuerbaren Energien, die am1. Januar 2022 in Kraft treten soll, die Einführung einer spezifischen Förderung für Fassadenanlagen vorgeschlagen. 2] Die genauen Details dieser Förderung werden derzeit vom Bundesamt für Energie ausgearbeitet und sollen im Herbst vom Bundesrat beschlossen werden.

Photovoltaikforschung im Alpenraum: Im CRYOS-Labor arbeiten die SLF-Forscher mit der Eidgenössischen Technischen Hochschule Lausanne (EPFL) zusammen, um erneuerbare Energien und die spezifischen Herausforderungen im Alpenraum zu untersuchen. "Die Installation von Windturbinen in Kombination mit Sonnenkollektoren in den Alpen ist die effektivste Lösung, um die Energieneutralität und -autonomie der Schweiz zu erreichen", heisst es in der Pressemitteilung der EPFL. [3 ] Das SLF hat auch Empfehlungen für die Installation von Fotovoltaikanlagen auf Lawinenverbauungen erarbeitet. [4 ] Forschung und Praxis gehen am Institut in Davos also Hand in Hand.

Zukunftsperspektiven: Dank der Sanierung der Gebäudehüllen erfüllen beide Gebäude aus energetischer Sicht den Minergie-Standard. Außerdem wird der Hauptstandort seit 2019 mit einer geothermischen Wärmepumpe beheizt und kommt somit ohne fossile Brennstoffe aus. Doch Martin Gentner und dem Institut ist das nicht genug: Gerade hat der Bau eines neuen Gebäudes begonnen, das das in die Jahre gekommene "Haus D" ersetzen soll. Das alte Gebäude war zu klein und entsprach nicht mehr den energetischen Anforderungen. Für Gentner war von Anfang an klar, dass auch dieses Gebäude mit Solarmodulen ausgestattet werden sollte: "Wir haben bisher nur positive Erfahrungen mit diesen Anlagen gemacht. Die Module sind auf einer Holzkonstruktion montiert, die in den vorgefertigten Holzrahmen integriert ist. Die 225 Quadratmeter Photovoltaikfläche werden das Erscheinungsbild der West- und Ostfassade optisch prägen - eine bewusste Entscheidung: Die Südseite, die für die Stromerzeugung am optimalsten ist, ist aufgrund des Schattenwurfs der bestehenden Gebäude nicht geeignet. Infolgedessen wird erwartet, dass die Stromerzeugung am Morgen und am Abend ihren Höhepunkt erreicht. Dank diesen und weiteren Massnahmen dürfte das "Haus D" das erste Gebäude im ETH-Bereich (zu dem das SLF gehört) sein, das nach dem SNBS-Standard zertifiziert wird.

Das Gebäude wird voraussichtlich im Herbst 2022 bezugsfertig sein. Zusammen mit den bestehenden Gebäuden wird das SLF dann rund 345 Quadratmeter Photovoltaik-Anlagen betreiben, die zu verschiedenen Zeiten ihren maximalen Ertrag erreichen werden. "Ich freue mich darauf, die tatsächliche Leistung dieser Anlagen zu sehen", so Martin Gentner abschließend.

[1] https://www.fedlex.admin.ch/fr/consultation-procedures/ended/2021#https://fedlex.data.admin.ch/eli/dl/proj/2021/53/cons_1

[2] S. Perroud, "Die Schweiz muss auf Solar- und Windenergie in den Bergen setzen", 2021. https://actu.epfl.ch/news/la-suisse-doit-miser-sur-le-solaire-et-l-eolien-en/

[3] "Empfehlungen für die Installation von Photovoltaikanlagen auf Lawinenverbauungen". https://www.slf.ch/fr/projets/solaranlagen.html

VORBILDLICHE ENERGIE UND KLIMA

Die Initiative für Energie- und Klimavorbildlichkeit ist eine der zwölf Maßnahmen der Energiestrategie 2050. Im Rahmen dieser Initiative verpflichten sich die wichtigsten Schweizer Service-public-Anbieter gemeinsam, die globale Erwärmung auf weniger als 1,5 Grad zu begrenzen. Zu diesem Zweck verbessern sie kontinuierlich ihre Energieeffizienz und stellen auf erneuerbare Energien um. Sie kommunizieren transparent über die Erreichung ihrer Ziele und teilen ihre Erfahrungen, damit andere Unternehmen und Organisationen davon profitieren können. Derzeit beteiligen sich folgende Unternehmen an der Initiative: ETH-Bereich, Flughafen Zürich AG, Flughafen Genf, Schweizerische Post, PostAuto, PostFinance, RUAG MRO Holding AG, SBB, SIG, Skyguide, SRG, Suva, Swisscom, VBS und die Eidgenössische Zivilverwaltung.

Nadia Kammermann, Kommunikation Exemplarität Energie und Klima, Polarstern

Bilder: SLF/WSL/Empa

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