Donnerstag, 13. Dezember 2018

Einfach zu wenig Solar

Die Mehrheit der Schweizer Privathaushalte bezieht den Strom beim lokalen Energieversorger. Die Untersuchung der Standardstromprodukte von 125 Schweizer Energieversorgern zeigt, dass der Anteil des Solarstroms nicht entsprechend der Produktion steigt und damit die Ziele der Energiewende gefährdet werden.

Schweizer Haushalte sind durch die ausbleibende Liberalisierung bei ihrem jeweiligen Energieversorger gefangen und beziehen mehrheitlich das lokale Standardprodukt. Die Stromherkunft dieses bedeutenden Absatzkanal ist also wichtig. Deshalb hat myNewEnergy die Zusammensetzung der Standardprodukte von 125 der grössten Schweizer Energieversorgern untersucht, womit rund 80% der Privatkunden abgedeckt werden.

Zusammensetzung nur auf den ersten Blick positiv: In den letzten Jahren hat sich die Qualität des Stroms stark verändert. Viele Anbieter haben fast vollständig erneuerbare Standardprodukte auf Wasserbasis eingeführt und sind bei den verkauften Produkten aus Kernenergie und Graustrom ausgestiegen. Der Wasserstrom stammt allerdings mehrheitlich aus jahrzehntealten Wasserkraftwerken. Standardprodukte mit erhöhtem Anteil an neuem Solar- oder Windstrom sind gibt es praktisch keine. Die produzierte Kernkraft wird für den Privatkunden ausgeblendet und mehrheitlich günstiger an Firmen und Grossabnehmer verkauft. So wird leider die Realität nicht abgebildet und sowohl der sehr langsame Ausstieg aus der Kernenergie verschleiert, wie auch der Aufbau der dringend nötigen neuen Solar- und Windkraftwerke zu wenig unterstützt.

Solarstrom wichtigster Pfeiler für die Umstellung: Die Energiestrategie und die aktuellen Ausbauraten zeigen, dass Solarstrom essentiell für die Umstellung der Stromversorgung ist. Wind- und Geothermieprojekte sind grossteils blockiert, während  Solartechnik mittlerweile konkurrenzfähig ist, immer noch günstiger wird und breit von der Bevölkerung befürwortet wird. Der schnelle Ausbau von Photovoltaik ist also nicht nur der günstigste Weg, sondern unsere einzige Chance die Atomkraftwerke ohne negative Klimafolgen abstellen zu können.

Dieser Ausbau wird derzeit vor allem von Privatpersonen und Eigentümergemeinschaften finanziert, die den überschüssigen Strom in die Netze einspeisen, aber dafür immer weniger Geld erhalten. Denn solange die Solarprodukte in der Nische bleiben und zu wenig Solarstrom verkauft wird, sind die Preise unter Druck. Auch die kostendeckende Einspeisevergütung (KEV) trägt wenig zur Lösung bei, da sie demnächst ausläuft und sowieso gedeckelt ist.

Solaranteil steigt zu langsam: Wie die  Analyse zeigt, steigt der Anteil des PV Stroms in den Standardprodukten zu langsam, um mit der realen Produktion und den nötigen Ausbauraten für das Abschalten der Atomkraftwerke mitzuhalten. Nur rund 60 der untersuchten 125 Stromversorger mischen für 2019 aktiv Solarstrom in die Produkte. Um den Wandel voranzutreiben, wäre es nötig, dass der Standard Schritt für Schritt an die zunehmende PV-Produktion angepasst wird und damit der Ausbau attraktiver wird. Georg Meier von Energiezukunft Schweiz stimmt zu und meint. "Solarstrom lässt sich zudem einfach und günstig direkt bei den Produzenten beschaffen, z.B. via Ökostrombörse.ch und kann damit direkt gefördert werden."

Die Energieversorger spielen also mit der Zusammensetzung der Standardprodukte eine wichtige Rolle in der Gestaltung unserer Stromzukunft und sollten aktiver werden. Verbraucher, die nicht auf die Umstellung ihres Stromversorgers auf Solarstrom warten wollen, können jederzeit handeln. 

Den umfassenden Stromprodukte Vergleich für 2019 findet man auf www.mynewenergy.ch.

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