Dienstag, 6. Juli 2010

Erneuerbare auf Vormarsch

Der Anteil erneuerbarer Energien an neu installierten Kapazitäten zur Stromerzeugung ist in der EU 2009 auf 62% gestiegen. Am meisten legte erneut die Erzeugung von Windstrom zu. Fossile und nukleare Energieträger tragen nur noch einen Drittel bei.

Neue Anlagen zur Stromerzeugung in der EU nutzen immer mehr erneuerbare Energien. Zwischen 2008 und 2009 ist der Anteil erneuerbarer Energien an neu installierten Stromerzeugungskapazitäten EU-weit auf über 60 Prozent gestiegen. Die Windenergie stellte mit knapp 40 Prozent den Löwenanteil. Die ist das Ergebnis eines Berichts der Gemeinsamen Forschungsstelle der Kommission. Dem Bericht ("Momentaufnahmen zu den erneuerbaren Energien") ist zu entnehmen, dass zwischen 2008 und 2009 der Anteil der erneuerbaren Energien an den neu installierten Stromerzeugungskapazitäten in den EU27 von 57 % auf 62 % (17 GW) angestiegen ist. Im zweiten Jahr in Folge kommt dabei die Windenergie für den Löwenanteil auf: Von der neu installierten Energiegesamtleistung von 27,5 GW gingen 10,2 GW d.h. 38 % auf Windenergie zurück. In absoluten Zahlen wurden somit 19,9 % des Gesamtelektrizitätsverbrauchs in der EU im letzten Jahr aus erneuerbaren Energien gedeckt.

Auf den Gesamtenergieverbrauchs (3042 TWh) bezogen, erreichte der Anteil der erneuerbaren Energiequellen 2009 in der EU ungefähr 19.9% (608 TWh).
Der größte Teil entfiel dabei auf Wasserkraft (11,6%), gefolgt von Windkraft (4,2%), Biomasse (3,5%) und Solarenergie (0,4%). Die in diesem Jahr neu installierten Kapazitäten an erneuerbaren Energien von 27,5 Gigawatt (GW) verteilten sich zu 35% auf Windenergie, zu 21% auf Photovoltaikanlagen, zu 2,1 % auf Biomasse, zu 1,4 % auf Wasserkraftwerke und zu 0,4 % auf konzentrierte Solarenergie. Der Rest entfiel auf Erdgaskraftwerke (24 %), Kohlekraftwerke (8,7 %), Öl (2,1 %), Abfallverbrennungsanlagen (1,6 %) und Kernenergie (1,6 %) (siehe Schaubild 1). Nicht alle der installierten Anlagen sind 24 Stunden täglich in Betrieb. Die neuen Erdgaskraftwerke dürften jährlich 28 TWh erzeugen, gefolgt von Windkraft- und Photovoltaikanlagen mit 20 bzw. 5,6 TWh.

Wenn die aktuellen Wachstumsraten beibehalten werden, könnten laut dem Bericht im Jahre 2020 bis zu 1.400 TWh Strom aus erneuerbaren Ressourcen bezogen werden. Damit könnte, in Abhängigkeit vom Erfolg der Strategien zur Stärkung der Energieeffizienz, ungefähr 35-40 % des gesamten Energieverbrauchs in der EU gedeckt und ein maßgeblicher Beitrag zur Erreichung des 20 %-Ziels für die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien geleistet werden. Bis dahin gilt es jedoch noch einige Probleme zu lösen. Im Mittelpunkt stehen dabei die Gewährleistung eines gerechten Netzzugangs, eine umfassende staatliche Förderung der FuE und die Anpassung der aktuellen Elektrizitätssysteme an die Aufnahme von Strom aus erneuerbaren Energiequellen. Weiterhin wird in dem Bericht betont, dass Kostensenkungen und eine beschleunigte Umsetzung vom Produktionsvolumen, nicht vom Faktor Zeit abhängig sind.

Die Windenergie ist der klare Spitzenreiter unter den Erneuerbaren in Europa: mit einem Anteil von mehr als 74 GW an den 2009 neu installierten Erzeugungskapazitäten hat die Windenergie das im Weißbuch von 2010 vorgegebene Ziel von 40 GW bereits um 80 % übertroffen. Die europäische Windenergievereinigung strebt nun bis 2020 die Aufstockung des Beitrags zur neu installierten Stromerzeugungskapazität auf 230 GW (davon 40 GW durch Offshore-Anlagen) an und würde damit 20 % des EU-Bedarfs decken.

Bei der Solarenergie stellt die so genannt konzentrierte
(Stromerzeugung über den thermischen Weg) mit 0.430 GW im Mai 2010 und einem Anteil von 0,5 % an der Gesamtkapazität noch immer einen eher kleinen Bereich dar, der jedoch ständig wächst. Bis 2020 könnten schätzungsweise 30 GW zugebaut werden, wenn die Initiative der Europäischen Solarstromindustrie ESII umgesetzt wird. Die meisten Solarstromanlagen werden derzeit in Spanien installiert. Anders die direkte Umwandlung von Sonnenlicht in Strom mit Photovoltaikanlagen: seit 2003 hat sich die installierte Erzeugungskapazität jährlich verdoppelt und erreichte 2009 16 GW, d.h. 2% der Gesamtkapazität. Dieses Wachstum wird sich fortsetzen, da 2010 Anlagen mit einer Kapazität von bis zu 10 GW geplant sind. Damit hat auch die Energieerzeugung aus Photovoltaikanlagen die von der EU in ihrem Weißbuch festgelegten Ziele übertroffen. Andere Energiequellen: Erdwärme-, Gezeiten- und Wellenkraftwerke befinden sich noch im Entwicklungsstadium und wurden daher nicht im Bericht der JRC berücksichtigt.

Seit 2007 legt die JRC mit ihren jährlichen "Momentaufnahmen zu den erneuerbaren Energien" einen aktuellen Überblick über die Fortschritte vor, die die EU bei der Umsetzung ihres verbindlichen Ziels, den Anteil der erneuerbaren Energien an der Energieerzeugung bis zum Jahre 2020 auf 20% zu erhöhen, verzeichnet. Der Bericht stützt sich zum einen auf offizielle Daten von EU-Mitgliedstaaten und EUROSTAT und zum anderen auf Daten von Industrieverbänden, Forschungsinstituten u. Ä.. Bei letzteren handelt es sich um sogenannte "graue Daten", die aktueller und noch nicht konsolidiert sind, wie sie für eine so zeitnahe Analyse benötigt werden. Diese Daten werden von der JRC abgeglichen, geprüft und validiert. Aufgrund dieser Erhebungsmethode können sich abweichende Werte ergeben, so dass eine gewisse Fehlermarge zu berücksichtigen ist.

Quelle: Europäische Kommission 2010

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