Freitag, 16. Oktober 2009

Deutscher Solarpreis

Unter den im nördlichen Nachbarland ausgezeichneten Projekten findet sich jenes von Sun-Area für die Ermittlung geeigneter Dachflächen.

Das Forschungsprojekt SUN-AREA verfolgt das Ziel, mittels hochauflösender Flugzeugscannerdaten optimale Standorte für Photovoltaik- und thermische Solaranlagen zu finden. Das Energiepotential einer Stadt oder eines Landkreises wird dabei vollautomatisch berechnet. Über ein Solarkataster wird jede geeignete Dachfläche dargestellt. Zur Ermittlung des Solarpotentials werden Dachneigung, -ausrichtung und -verschattung analysiert. Für jede Teilfläche eines Daches werden die solare Eignung, der potentielle Stromertrag, die CO2-Einsparung sowie das Investitionsvolumen berechnet. Die Ergebnisse werden in einer interaktiven Internetkarte für Bürger und Behörden bereitgestellt.

Die SUN-AREA Methode wurde von einem jungen Forscherteam unter der Leitung von Prof. Dr. Martina Klärle aufgebaut. Diese Wissenschaftlerinnen entwickelten mit SUN-AREA ein praxistaugliches Werkzeug gegen den Klimawandel und für Erneuerbare Energien. Pilotregion des Forschungsprojekts war das Stadtgebiet Osnabrück. Die Stadt bot den Eigentümern mit sehr gut geeigneten Dachflächen zusätzlich ein kostenloses Beratungsgespräch durch externe Fachleute an. Inzwischen haben sich sieben weitere Städte und ein Verbund von 82 Gemeinden in Baden-Württemberg für SUN-AREA entschieden.

Das Forschungsprojekt SUN-AREA erbringt den Nachweis, dass in Deutschland ca. 20 % der vorhandenen Dachflächen für die solare Energienutzung geeignet sind. Würde man diese Flächen tatsächlich nutzen, so könnte man nahezu den kompletten privaten Strombedarf Deutschlands durch dezentrale Solaranlagen decken. Frühere Abschätzungen von Swissolar für die Schweiz gelangten zu ähnlichen Resultaten, ein Instrument wie Sun-Area fehlt hierzulande allerdings noch.

Kontakt:
Fachhochschule Frankfurt am Main
Fachbereich 1
Nibelungenplatz 1
60318 Frankfurt am Main
www.fb1.fh-frankfurt.de/geko

Quelle: Eurosolar

Mär von Atom-Renaissance

Der neue Statusreport Atomwirtschaft weist eine Abnahme der Zahl produktiver AKW’s aus. Und die Bauplätze sind von chaotischen Verhältnissen gekennzeichnet.

Schlechte Tage für die Atomwirtschaft, obwohl sie seit Monaten versucht, eine Renaissance ihrer Branche zu beschwören. Zuerst wies das deutsche Politmagazin Der Spiegel auf die anhaltenden massiven zeitlichen Verzögerungen und Kostenüberschreitungen hin, die beim Bau der finnischen Anlage Olkiluoto entstanden sind: Finnlands neuer Reaktor in Olkiluoto zeige, welche Probleme die Renaissance des Atomstroms bereitet. Auftraggeber und Herstellerfirmen sind heillos zerstritten, sie kämpfen vor einem Schiedsgericht um Milliarden. Die Kosten explodieren, die Fertigstellung verzögert sich um Jahre. Vor allem aber werfen Kritiker dem Konsortium vor, gefährlich zu pfuschen. Beton sei porös, Stahl sei rissig, und manche Konstruktionsprinzipien seien so gewagt, dass es die Experten von der finnischen Atomaufsicht schaudern lasse (siehe auch Solarmedia vom 6. September 2009).

Auch die Schweizer Atomwirtschaft plant drei neue AKW vom Typ der finnischen Anlage. Doch der Weg ist so weit, dass eine Aufgabe der Pläne wie einst in Kaiseraugst wahrscheinlicher scheint. Im Bild von Guntram Rehsche der Kühlturm von Gösgen (AG).

Nach außen hin bemühen sich die finnische Betreibergesellschaft TVO und Anlagenbauer Areva weiterhin, alles im besten Licht erscheinen zu lassen. Im Verwaltungsgebäude zählt TVO-Projektmanager Jouni Silvennoinen einen Superlativ nach dem anderen auf: Hier in Olkiluoto am Bottnischen Meerbusen wird der erste Atomreaktor der dritten Generation gebaut, der Europäische Druckwasser-Reaktor, kurz EPR. Der leistungsstärkste Meiler der Welt könnte eine Millionenstadt komplett mit Strom versorgen.

Die Realität sieht anders aus: Ursprünglich hätte das Kraftwerk schon in diesem Frühjahr ans Netz gehen sollen. Doch nun soll es erst 2012 so weit sein - vielleicht. Ob es klappt, "hängt vom Verhalten meiner Kunden ab", sagt Areva-Manager Mouroux spitz. Damit meint er TVO. Außerdem wird der Bau mindestens 2,3 Milliarden Euro teurer als geplant. Die Rückstellungen für den erwarteten Verlust fressen fast den gesamten Konzerngewinn von Areva auf. Auch Siemens musste bereits dreistellige Millionenbeträge zurücklegen.

Mehr noch als auf Neubauten setzen die Atommanager in den Industrieländern ohnehin auf eine Art Billig-Renaissance: Ihre Uraltkraftwerke aus einer Zeit, in der VW in Deutschland noch den Käfer baute, sollen einfach weit über ihre ursprünglich geplante Lebensdauer hinaus Strom produzieren. Selbst im atomkritischen Deutschland will die künftige schwarz-gelbe Regierung der Atomindustrie längere Laufzeiten ermöglichen. Modernisierung statt Neubau - ist das die neue Strategie, die auf eine Renaissance durch die Hintertür hinausläuft? Zumindest zeigt das Chaos um den Olkiluoto-Reaktor, dass die Branche gar nicht ohne weiteres in der Lage ist, in der westlichen Welt günstig und sicher genug neue Kraftwerke zu bauen. Und Energieversorger können solche Mammutprojekte mit ihren gewaltigen Finanzrisiken nicht mehr stemmen - das geht nur, wenn der Staat einspringt.

Die Süddeutsche Zeitung schrieb derweil: In Finnland wird ein neuer Reaktor gebaut, in Frankreich auch. Alles ist vorbereitet für die große Renaissance der Atomkraft. Theoretisch - denn faktisch wird die Rolle der Reaktoren in den nächsten Jahren schrumpfen. Das jedenfalls ist das Ergebnis einer Studie des Schweizer Prognos-Instituts, die der Süddeutschen Zeitung vorliegt. Im Auftrag des Bundesumweltministeriums hatten die Schweizer die internationalen Neubaupläne überprüft - und sehen nur für einen Bruchteil der avisierten Vorhaben echte Realisierungschancen. "Wir erwarten bis 2030 keine Renaissance der Kernenergienutzung", heißt es in der Studie. "Vielmehr werden die altersbedingten Abschaltungen dazu führen, dass die Zahl der Reaktoren, die installierte Leistung und die Stromerzeugung in Kernkraftwerken deutlich zurückgeht."

Und schliesslich zeigt der Welt-Statusreport Atomindustrie 2009, dass die Atomtechnologie keine Zukunft hat. Im Gegenteil, sie befindet sich im globalen Abwärtstrend, denn sie rentiert nicht. Für die Schweizerische Energie-Stiftung SES ist klar: Lieber heute in erneuerbare Energien investieren, als das Geld in zukünftige Finanzruinen zu investieren. Der Welt-Statusbericht Atomindustrie 2009 zeigt einen detaillierten Überblick über die Wirtschaftlichkeit von Atomkraftwerken: 435 Reaktoren sind weltweit in Betrieb (Stand 1.8.09), das sind neun weniger als 2002. Im Bau befinden sich gemäss Internationaler Atomenergie-Organisation IAEO 52 Reaktoren. Die Hälfte dieser Projekte verzeichnen erhebliche Verzögerungen und ein Viertel ist seit über 20 Jahren im Bau. 2008 war das erste Jahr, in dem kein neues Atomkraftwerk in Betrieb genommen wurde. Dieser Abbau liegt auf der Hand. Die Atomkraftwerke produzieren weltweit zu wenig Strom – für zuviel Geld: Mit der gefährlichen Atomkraft werden nur zwei Prozent der benötigten Endenergie produziert – Tendenz stark sinkend. Zudem ist die Atomenergie viel zu teuer, so der Report. Die Kosten (ohne Finanzierungskosten) haben sich von 2´000 auf 4´000 Dollar pro installiertem Kilowatt verdoppelt.


© Solarmedia / Quellen: Spiegel, Süddeutsche, EE-News

Freitag, 2. Oktober 2009

Solarmedia an der Sonne

Hoffentlich zumindest... Der Autor verabschiedet sich für die nächsten Tage an Orte, wo selbst der Zugriff aufs Netz schwierig, die Sonne dafür für einmal eher still stehen wird. Ab 15. Oktober nimmt der Blog seine übliche und tägliche Berichterstattung rund um die Solarelektrizität wieder auf.

Schauen Sie in der Zwischenzeit mal in die «Best of» der vergangenen Zeit:
• Solarprogramm für die Schweiz
• Solarboom hält an
• Lärmschutz mit PV
• Übernimmt ABB Oerlikon Solar?
• Photovoltaik für Afrika
• Zukunftsfirma Surfurcell
• Nanosolar – too big too fail?
• Alles rund um Solarenergie
• Atomenergie auf Rückzug
• Dünn oder kristallin?

Industrie setzt auf Recycling

Die Mitglieder von PV CYCLE sind im Rahmen der 24. European Photovoltaic Solar Energy Conference and Exhibition in Hamburg übereingekommen, im Jahr 2010 mit der Rücknahme und dem Recycling von Fotovoltaikmodulen zu beginnen.

Die PV CYCLE-Mitglieder verabschiedeten den Funktionshaushalt 2010 sowie die neue Satzung und die Richtlinien zur Finanzierung und Umsetzung ihres Rücknahme- und Recycling-Programms für Fotovoltaikmodule am Ende ihrer Lebensdauer. „Die überwältigende Unterstützung für den Funktionshaushalt 2010 sowie für neue Satzung und die Richtlinien durch die Mitglieder von PV CYCLE bildet einen maßgeblichen Meilenstein für die Umsetzung der Selbstverpflichtung der Fotovoltaikbranche, Fotovoltaikmodule am Ende ihrer Lebensdauer zurückzunehmen und zu recyceln“, erklärte Karsten Wambach, Vorsitzender von PV CYCLE.

Solarmodule halten voraussichtlich länger als die versprochenen 25 Jahre - irgendwann stellt sich dennoch die Frage des Recyclings. Die Industrie hat nun einen Weg gefunden, der sich in der Praxis beweisen muss.

„Die Fotovoltaikbranche hat sich die Selbstverpflichtung auferlegt, „doppelt grün“ zu handeln: zum einen natürlich durch die Bereitstellung von sauberer und erneuerbarer Energie als Maßnahme gegen den Klimawandel, zum anderen aber auch indem sie gewährleistet, dass aus den heute gegen den Klimawandel eingesetzten Lösungen keine Entsorgungsprobleme für kommende Generationen erwachsen,“ so Karsten Wambach weiter.

Jan Clyncke, Geschäftsführer von PV CYCLE, erklärte: „Die beschlossenen Maßnahmen bilden einen wesentlichen Meilenstein bei der Umsetzung eines freiwilligen Rücknahme- und Recycling-Programms der Fotovoltaikbranche. Eine derartige Vereinbarung stellt ein Novum dar, denn zum ersten Mal hat sich damit eine europäische Industriebranche freiwillig organisiert, um die Rücknahme und das Recycling ihrer Produkte am Ende der Lebensdauer zu gewährleisten Es freut mich sehr, einen Branchenverband führen zu dürfen, der sich mit derartiger Voraussicht und derartigem Engagement für das Ziel einsetzt, die Fotovoltaikbranche doppelt grün zu machen.” Im Vorfeld der für 2010 geplanten Umsetzung wird PV CYCLE nun Ausschreibungen für die Rücknahme- und die Recycling-Leistungen veranstalten.

Quelle: PV Cycle

Mega-Solar-Landwirtschaft

Während sich in der Schweiz die so genannten Solarbauern ehr- und redlich bemühen, kleinere Solaranlagen ans Netz zu bringen (siehe Solarmedia vom 27. September), macht die Landwirtschaft im nördlichen Nachbarland in grossem Stile vorwärts.

Der Solarpark Udestedt im deutschen Thüringen, eine weitere Solarstrom-Anlage des Photovoltaik-Projektinitiators und Betreibers meridian, wurde anfangs Oktober in Betrieb genommen. Auf einer Dachfläche von rund 20.000 m² hat das Unternehmen 5.738 Solarmodule mit einer Gesamtleistung von 1.004,15 Kilowatt (kWp) installiert. meridian rechnet mit einem spezifischen Solarstrom-Ertrag von 915 Kilowattstunden pro installiertem Kilowatt Photovoltaik-Leistung (kWh/kWp). Der Jahresenergieertrag soll sich auf insgesamt: 918.800 kWh belaufen. Die jährlich eingesparten CO2 Emissionen beziffert meridian mit 570 Tonnen.

Im Rahmen einer vorherigen umfassenden Sanierung von 13 Dächern der Agrargenossenschaft Udestedt e.G. (Rinderanlage) seien unter anderem rund 400 Tonnen Asbest beseitigt und entsorgt worden sowie alle erforderlichen Maßnahmen zur Verstärkung der Dachkonstruktion einschließlich einer Neueindeckung der Dachflächen mit modernem Trapezblech durchgeführt worden. Für die Abbruch-, Zimmerer- und Dachdeckerarbeiten wurden Firmen aus der Region beauftragt und somit zur Unterstützung der lokalen Wirtschaft beigetragen. Darüber hinaus will die meridian Neue Energien GmbH in diesem Jahr weitere Photovoltaik-Aufdachprojekte mit einer Gesamtleistung von rund 15 Megawatt (MWp) in Betrieb nehmen.

Quelle: meridian Neue Energien GmbH

Donnerstag, 1. Oktober 2009

Der erste Photovoltaik-Fonds

Solarmedia-Initiant Guntram Rehsche hatte einen solchen Fonds schon vor Jahren etwa bei der Privatbank Pictet angeregt. Jetzt wird ein erster Solarfonds aufgelegt – allerdings in Deutschland.

Für Anleger, die an der Entwicklung und den Chancen der Solar-Technologie partizipieren möchten, legt die WARBURG INVEST KAG MBH ab 1. Oktober 2009 den WARBURG PHOTOVOLTAIK GLOBAL 30 FONDS auf. Der Fonds ist einer der ersten Solaraktienfonds weltweit und der einzige in Deutschland.

Für Schweizer AnlegerInnen sind derzeit nur diverse Fonds für Erneuerbare Energien mit starken Solaranteilen erhältlich. Die Zürcher Kantonalbank bietet zudem einen Photovoltaik-Basket an. Der global ausgerichtete Basket enthält sowohl Basisinvestitionen wie Q-Cells oder Renewable Energie Corp als auch eine Auswahl von Anlagenherstellern. Zudem wurden aufgrund der steigenden Bedeutung von China mehrere Unternehmen aus dem Reich der Mitte ausgewählt. Sämtliche Unternehmen sind gemäss Bankangaben im ZKB Nachhaltigkeitsuniversum vertreten.

Doch zurück zum neuen Solarfonds aus Deutschland: Der WARBURG PHOTOVOLTAIK GLOBAL 30 FONDS investiert ausschließlich in die größten und liquidesten Unternehmen der Solarbranche und orientiert sich am „Photovoltaik Global 30-Index“. Dieser Index wurde von der Deutschen Börse AG am 1. Juni 2009 aufgelegt und wird börsentäglich berechnet.n Er wird regelmäßig im Fachmagazin „photovoltaik“ veröffentlicht und gilt in der Branche als Leitindex.

Während der Index jedoch Unternehmen ausschließlich nach ihrer Marktkapitalisierung bewertet, werden im Fonds kleinere Solarunternehmen mit großem Wachstumspotential stärker gewichtet. Bis zum Jahr 2020 erwarten Experten ein sehr dynamisches Wachstum der Solarbranche, denn aufgrund von Überkapazitäten ist das Preisniveau bei Photovoltaik-Anlagen stark gesunken. Dadurch dürfte das Branchenziel der Netzparität deutlich früher erreicht werden als geplant. Netzparität liegt vor, wenn Photovoltaik-Strom zum gleichen Preis wie herkömmlicher Strom aus der Steckdose angeboten werden kann. Eine Solarstromanlage zu betreiben ist dann nicht nur ökologisch sinnvoll, sondern auch lukrativ.

Ab diesem Zeitpunkt kann davon ausgegangen werden, dass Stromerzeugung mit Hilfe einer Solaranlage auf dem eigenen Dach langfristig preisgünstiger sein wird als der Strombezug vom Energieversorger. Daher rechnen Experten mittel- bis langfristig mit einem starken Nachfrageschub bei Photovoltaik-Anlagen in Deutschland, aber auch auf globaler Ebene. Dabei wird davon ausgegangen, dass insbesondere Länder mit hoher Sonneneinstrahlung von der neuen Technologie profitieren werden.

Solarmedia Quelle: WARBURG INVEST / ZKB