Freitag, 21. August 2026

Neue AKW würden zu einem Milliardenloch

Eine am Freitag veröffentlichte Studie der Akademien der Wissenschaften Schweiz (SCNAT) zeigt: Auch im günstigsten Fall liegen die zu erwartenden Baukosten für neue AKW so hoch, dass sie nicht mehr wirtschaftlich sind. Die Kosten könnten aber auch deutlich teurer werden. Für die Schweizerische Energie-Stiftung SES ist deshalb klar: Neue AKW kämen die Bevölkerung teuer zu stehen – viel zu teuer. Eine Aufhebung des AKW-Neubauverbots wäre gegenüber Stromkunden und Steuerzahlenden unverantwortlich und ein Fass ohne Boden, so die SES in einer Medienmitteilung.

Die Ende Juni veröffentlichte Studie «Kernkraft und das zukünftige Schweizer Energiesystem» von der ETH Zürich und dem PSI berechnete mit vier Modellen, unter welchen Bedingungen neue AKW Teil eines kostenoptimalen, klimaneutralen Schweizer Stromsystems im Jahr 2050 wären.

ETH/PSI-Studie: AKW rentieren sich nur bei Tiefstpreisen und mit Staatshilfe

Neue AKW würden im Modell nur dann überhaupt gebaut, wenn der Staat AKW massiv subventioniert und über Kreditgarantien oder Ko-Finanzierung die Finanzierungskosten (WACC) von 8 auf 5 Prozent senkt. Selbst dann braucht es tiefe Baukosten: Nur bei 5000 Franken pro Kilowattstunde (CHF/kW) sehen die Modelle einen relevanten Zubau von 2,6 – 4,9 Gigawatt vor. Bei 12'000 CHF/kW – von der ETH bereits als «hoch» eingestuft – bricht der Ausbau aus wirtschaftlichen Gründen fast vollständig ein.

SCNAT-Studie: Der «optimistische» Fall ist bereits das ETH-Extremszenario

Die neue SCNAT-Studie «Baukosten und Finanzierung von neuen Kernkraftwerken in der Schweiz» zeigt, dass solche tiefen Baukosten unrealistisch sind. Für die Schweiz kommen laut SCNAT nur EDF/Framatome mit dem EPR und Westinghouse mit dem AP1000 infrage.

Die aktuellen Offertpreise beider Anbieter liegen bereits bei rund 12'000 CHF/kW – also genau an der Schwelle, ab der neue AKW laut ETH selbst unter besten Förderbedingungen aus dem Energiesystem herausfallen. Und dies noch vor möglichen Kostenüberschreitungen, die bei bisherigen Projekten in Europa und den USA historisch das Zwei- bis Dreifache der Offerte betrugen.

Selbst das «Tief»-Szenario der SCNAT liegt ohne Finanzierungskosten bereits in der Grössenordnung der ETH-«Hoch»-Schwelle. Das von der SCNAT als plausibler eingeschätzte «Hoch»-Szenario liegt sogar 40 bis 90 Prozent darüber. Die bisherigen Erfahrungen mit AKW-Projekten im Ausland sprechen laut Studienautoren eher für dieses teurere Szenario.

Finger weg von diesem Fass ohne Boden

«Zwei unabhängige Studien aus der Wissenschaft kommen innert weniger Wochen zum selben Schluss: Neue AKW sind für die Schweiz nur mit enormer Staatshilfe finanzierbar – und nicht rentabel betreibbar. Wer heute neue AKW will, stimmt für ein offenes Milliardenloch für die Steuerzahlenden», urteilt Nils Epprecht, Geschäftsleiter der Schweizerischen Energie-Stiftung.

Netto-Null ist mit Wasserkraft, Solarenergie, Speicher, Stromhandel und Windenergie, ohne neue AKW, zu erreichen. Zu diesem Schluss kam auch die ETH-Studie vom Juni. 

Die SES fordert den Bundesrat auf, im Hinblick auf die Volksabstimmung zum indirekten Gegenvorschlag zur «Blackout-Initiative» (voraussichtlich Februar 2027) die realistischen Zahlen offenzulegen und die finanziellen Risiken für den Bund, die Kantone und die Steuerzahlenden ehrlich und ungeschönt transparent zu machen.


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