Eine am Freitag veröffentlichte Studie der Akademien der Wissenschaften Schweiz
(SCNAT) zeigt: Auch im günstigsten Fall liegen die zu erwartenden
Baukosten für neue AKW so hoch, dass sie nicht mehr wirtschaftlich sind.
Die Kosten könnten aber auch deutlich teurer werden. Für die
Schweizerische Energie-Stiftung SES ist deshalb klar: Neue AKW kämen die
Bevölkerung teuer zu stehen – viel zu teuer. Eine Aufhebung des
AKW-Neubauverbots wäre gegenüber Stromkunden und Steuerzahlenden
unverantwortlich und ein Fass ohne Boden, so die SES in einer Medienmitteilung.
Die Ende Juni veröffentlichte Studie «Kernkraft und das zukünftige
Schweizer Energiesystem» von der ETH Zürich und dem PSI berechnete mit
vier Modellen, unter welchen Bedingungen neue AKW Teil eines
kostenoptimalen, klimaneutralen Schweizer Stromsystems im Jahr 2050
wären.
ETH/PSI-Studie: AKW rentieren sich nur bei Tiefstpreisen und mit Staatshilfe
Neue
AKW würden im Modell nur dann überhaupt gebaut, wenn der Staat AKW
massiv subventioniert und über Kreditgarantien oder Ko-Finanzierung die
Finanzierungskosten (WACC) von 8 auf 5 Prozent senkt. Selbst dann
braucht es tiefe Baukosten: Nur bei 5000 Franken pro Kilowattstunde
(CHF/kW) sehen die Modelle einen relevanten Zubau von 2,6 – 4,9
Gigawatt vor. Bei 12'000 CHF/kW – von der ETH bereits als «hoch»
eingestuft – bricht der Ausbau aus wirtschaftlichen Gründen fast
vollständig ein.
SCNAT-Studie: Der «optimistische» Fall ist bereits das ETH-Extremszenario
Die
neue SCNAT-Studie «Baukosten und Finanzierung von neuen Kernkraftwerken
in der Schweiz» zeigt, dass solche tiefen Baukosten unrealistisch sind.
Für die Schweiz kommen laut SCNAT nur EDF/Framatome mit dem EPR und
Westinghouse mit dem AP1000 infrage.
Die aktuellen Offertpreise beider Anbieter liegen bereits bei rund
12'000 CHF/kW – also genau an der Schwelle, ab der neue AKW laut ETH
selbst unter besten Förderbedingungen aus dem Energiesystem
herausfallen. Und dies noch vor möglichen Kostenüberschreitungen, die
bei bisherigen Projekten in Europa und den USA historisch das Zwei- bis
Dreifache der Offerte betrugen.
Selbst
das «Tief»-Szenario der SCNAT liegt ohne Finanzierungskosten bereits in
der Grössenordnung der ETH-«Hoch»-Schwelle. Das von der SCNAT als
plausibler eingeschätzte «Hoch»-Szenario liegt sogar 40 bis 90 Prozent
darüber. Die bisherigen Erfahrungen mit AKW-Projekten im Ausland
sprechen laut Studienautoren eher für dieses teurere Szenario.
Finger weg von diesem Fass ohne Boden
«Zwei
unabhängige Studien aus der Wissenschaft kommen innert weniger Wochen
zum selben Schluss: Neue AKW sind für die Schweiz nur mit enormer
Staatshilfe finanzierbar – und nicht rentabel betreibbar. Wer heute neue
AKW will, stimmt für ein offenes Milliardenloch für
die Steuerzahlenden», urteilt Nils Epprecht, Geschäftsleiter der
Schweizerischen Energie-Stiftung.
Netto-Null ist mit Wasserkraft, Solarenergie, Speicher, Stromhandel und
Windenergie, ohne neue AKW, zu erreichen. Zu diesem Schluss kam auch die
ETH-Studie vom Juni.
Die
SES fordert den Bundesrat auf, im Hinblick auf die Volksabstimmung zum
indirekten Gegenvorschlag zur «Blackout-Initiative» (voraussichtlich
Februar 2027) die realistischen Zahlen offenzulegen und die finanziellen
Risiken für den Bund, die Kantone und die Steuerzahlenden ehrlich
und ungeschönt transparent zu machen.