Montag, 29. Juni 2026

Versorgungs-Sicherheit auch ohne neue AKW

Eine neue ETH-Studie belegt: Neue Atomkraftwerke rechnen sich für die Schweiz nicht. Für eine sichere Energieversorgung und für das Erreichen der Netto-Null-Ziele sind sie nicht notwendig. Die Studie bestätigt aus Sicht der Schweizerischen Energiestiftung, warum der Gesetzesentwurf, der AKW wieder ermöglicht, abgelehnt werden muss. 

Die Forschenden der ETH Zürich und des PSI haben untersucht, unter welchen Rahmenbedingungen neue Atomkraftwerke technisch und wirtschaftlich für das zukünftige Energiesystem der Schweiz sinnvoll wären. Mit Hilfe von vier unterschiedlichen Energiesystem-Modellen haben die Forschenden dabei variiert, ob der Bund neue AKW subventioniert, wie hoch die Baukosten sind und wie viel die Kredite zur Finanzierung der Bauten kosten.   

Hohe Subventionen für Bau und Betrieb: Neue AKW rechnen sich in der Schweiz nicht. Laut den ETH-Modellen wären sie nur mit tiefen Baukosten realisierbar – und selbst dann braucht es Kreditsubventionen vom Bund für den Betrieb. Die Studie belegt: Für die Schweiz  vergleichbar sind Neubauprojekte in Europa und in den USA, die massive Kostenüberschreitungen aufweisen.

«Die ETH-Studie zeigt: Neue Atomkraftwerke rechnen sich in der Schweiz nicht. Sie bräuchten massive Bundessubventionen – und so tiefe Baukosten, wie sie für die Schweiz nicht realistisch sind. Im Gegenteil: Die vergleichbaren Projekte in Europa und in den USA zeigen nämlich explodierende Kosten und jahrelange Verzögerungen.»
— Nils Epprecht, Geschäftsleiter Schweizerische Energiestiftung

Versorgungssicherheit und Klimaziele sind gewährleistet – ohne neue AKW: Für Netto Null bis 2050 und eine verlässliche Stromversorgung braucht die Schweiz keine neuen Atomkraftwerke. Die ETH-Modelle zeigen verschiedene Wege: Neben der Wasserkraft als Rückgrat der Versorgung sind 36 bis 43 TWh Solarenergie und 0,3 bis 8,6 TWh Windkraft die zentralen Bausteine.

«Die ETH-Studie belegt klar: Die Schweiz kann ihre Stromversorgung sichern und ihre Klimaziele erreichen – ohne neue Atomkraftwerke. Die Modelle zeigen gleich mehrere Wege zu Netto Null ohne AKW. Wasser, Sonne und zumeist Wind bilden das Fundament einer sicheren und bezahlbaren Stromversorgung.»
— Nils Epprecht, Geschäftsleiter Schweizerische Energiestiftung

Aussenhandel: doppelter Gewinn für die Schweiz: Alle Modelle zeigen: unabhängig davon, ob AKW gebaut werden oder nicht, exportiert die Schweiz im Sommer unter dem Strich Strom und importiert im Winter. Neue AKW reduzieren die Importe etwas, verbessern die Rechnung aber nicht. Importe zu Niedrigtarifen und Exporte bei hohen Preisen sind ökonomisch sinnvoll und tragen zu einer stabilen, günstigen Stromversorgung bei. 

 

Viele Fragen bleiben offen: Die Studie betrachtet ausschliesslich die techno-ökonomischen Rahmenbedingungen für den Bau neuer AKW. Ausgeklammert bleiben zentrale Fragen für den politischen Entscheid darüber, etwa die gesellschaftliche Akzeptanz, die militärische Sicherheit, gesundheitliche Risiken oder die Abfallproblematik. Offen bleibt zudem, ob neue AKW für die Allgemeinheit teurer wären als eine rein erneuerbare Stromversorgung und ob Fördergelder andernorts wirksamer eingesetzt wären.

Zudem untersucht die Studie nur den Ausbau der Stromproduktion, nicht aber das Potenzial von Energieeffizienz. Dabei zeigen die Statistiken: Trotz fortschreitender Elektrifizierung sowie Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum ist der Schweizer Stromverbrauch dank Effizienzgewinnen seit Jahren stabil.


Beilage:

Fact Sheet: Einordnung des ETH White Papers,
Schweizerische Energiestiftung, 29. Juni 2026 (PDF)

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