Sonntag, 19. Juli 2026

Neue AKW in der Schweiz gefährden Arbeitsplätze

Würden Atomkraftwerke wieder erlaubt, hätte das negative Folgen für die Beschäftigung in den Bau- und Erneuerbaren-Branchen der Schweiz. Eine neue Studie der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) zeigt, dass bis zu 16’000 Arbeitsplätze gefährdet wären, sollte ein Projekt für ein neues Atomkraftwerk entstehen. Der Bau und der Betrieb eines neuen AKW könnten diese Verluste nicht kompensieren. Wertschöpfung würde ins Ausland abfliessen.  

Die Rückkehr zur Atomenergie würde die Aufträge für Solarenergie und Gebäudesanierungen bremsen – mit negativen wirtschaftlichen Auswirkungen für das betroffene Gewerbe. Das zeigt eine Studie der ZHAW, über die der Sonntagsblick heute (19. Juli 2026) berichtet.  

Bis zu 16’000 Arbeitsplätze und Wertschöpfung gefährdet 

Laut der Studie würde allein die Aufhebung des Bauverbots für neue Atomkraftwerke – noch ohne konkretes Projekt – in den kommenden fünf Jahren zwischen 5800 und 9500 Arbeitsplätze in den Bau- und Erneuerbaren-Baubranchen gefährden, im Zeitraum von zehn Jahren sogar bis zu 10’600 Arbeitsplätze. Kommt es zur Planung und zum Bau eines AKW, wären im gleichen Zeitraum zwischen 10’000 und 16’000 Arbeitsplätze gefährdet. 

Die mit dem Bau und Betrieb eines neuen Atomkraftwerks geschaffenen Arbeitsplätze könnten diese Verluste nicht annähernd kompensieren. Die Technologie und das Know-how im Nuklearbereich müssten importiert werden. Der Anteil der in der Schweiz erzielten Wertschöpfung bliebe gering und ein Grossteil der Aufträge würde ins Ausland abfliessen. 

Werden die Erneuerbaren ausgebremst, leiden KMU und das Gewerbe  

Am stärksten von einer Rückkehr der Atomenergie betroffen wären die Solarenergie-Branche, die Unternehmen für Haustechnik und Installationen sowie das Gewerbe für energetische Gebäudesanierungen, das aktuell rund 6200 Arbeitsplätze ausmacht.

Gemäss der Studie generieren die Unternehmen mit der Solarenergie aktuell rund 1,4 Milliarden Franken inländische Wertschöpfung pro Jahr und beschäftigen heute bereits Tausende von Fachkräften. Im Referenzszenario (Beibehaltung des AKW-Neubauverbots) würden bis 2035 rund 20'700 Vollzeitäquivalente (VZÄ) in der Solarenergie-Branche entstehen. Bei einem AKW-Bau wären es 2035 nur noch rund 7400 VZÄ – ein Rückgang um 64 Prozent. 

Diese Branchen sind heute ein wesentlicher Motor für die Schaffung von Arbeitsplätzen. Im Gegensatz zum Atomenergiesektor stützen sie sich weitgehend auf eine lokal verankerte Wertschöpfungskette und schaffen nachhaltige Arbeitsplätze in KMU, die über alle Regionen des Landes verteilt sind.

«Die Studie der ZHAW zeigt, dass weitere Investitionen in Solarenergie, Energieeffizienz und Gebäudesanierungen nicht nur der wichtigste Hebel zur Erreichung der Klimaziele sind, sondern auch ein starker Motor für mehr Wertschöpfung und Arbeitsplätze in der Schweiz. Diese Dynamik würde mit teuren AKW-Plänen ausgebremst und Stellen wären gefährdet.»
– Nils Epprecht, Geschäftsleiter Schweizerische Energiestiftung.


Studie zum Download 

Müller, D., Perot, A., Stalder, N., und Rohrer, J. (2026): «Technologieoffenheit» und Arbeitsplätze: Auswirkungen einer Aufhebung des AKW-Neubauverbots auf die Beschäftigung in der Schweiz. Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften ZHAW.
https://doi.org/10.21256/zhaw-2583 (deutsch, Quelle: digitalcollection.zhaw.ch)

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