Freitag, 8. Oktober 2021

Heilungsprozess für Erde

„Die sanfte Energiewende bietet Vorteile für alle: „Arbeitsplätze für die Arbeitslosen, Kapital für Geschäftsleute, Umweltschutz für Umweltschützer, größere nationale Sicherheit für das Militär, Gelegenheiten zur Innovation für kleine Unternehmen und zum Recycling für Großunternehmen, faszinierende Technologien für die mehr weltlich Orientierten, eine Wiedergeburt spiritueller Werte für die Religiösen, traditionelle Tugenden für die Alten, radikale Reformen für die Jungen, Ordnung und Gleichheit für die Welt der Globalisten, Energieunabhängigkeit für die Isolationisten, Bürgerrechte für Liberale, Rechte der Einzelstaaten für Konservative.“ Diese Hymne auf die erneuerbaren Energien schrieb der US-Zukunftsforscher Amory Lovins im Jahr 1978. Ein nun aktueller Kommentar von Franz Alt zu den deutschen Wahlen.

Energiewende mehr denn je:  Das wichtigste Projekt der neuen Bundesregierung ist die rasche solare Energiewende. Im deutschen Wahlkampf 2021 hörten wir noch das exakte Gegenteil: Die solare Energiewende sei zu teuer, nachts scheine keine Sonne, der Wind sei zu unbeständig usw., also alles, was den Bedenkenträgern so einfällt. Dabei ist längst erwiesen und wissenschaftlich belegt, dass die fossil-atomaren Energieträger ein Nichts sind gegenüber den sechs großen alternativen Energieträgern Sonne, Wind, Wasserkraft, Bioenergie, Erdwärme sowie Wellen- und Strömungsenergie der Ozeane.

Allein die Sonne schickt uns circa 15.000 mal mehr Energie als alle Menschen heute verbrauchen. Theoretisch natürlich. Aber auch praktisch kann Deutschland ca. hundertmal mehr Energie aus Sonne und Wind erzeugen als wir zur Zeit verbrauchen. Und: erneuerbare Energien sind weit preiswerter als die alten Klima- und umweltzerstörenden Energien. Worauf also warten wir noch? Nirgendwo in der Welt gibt es Marktwirtschaft in der Energiepolitik. Überall muss die alte Energie mit Milliarden-Subventionen unterstützt werden. Wenn diese Subventionen in Deutschland wegfallen, dann ist hierzulande der Kohleausstieg bis 2025 vollzogen. Weil die Sonne keine Rechnung schickt, ist Solarpolitik heute Sozialpolitik. Auch der Wind schickt keine Rechnung. Sonne und Wind sind natürliche Geschenke des Himmels. Also: Weg mit den bürokratischen Hindernissen beim Ausbau von Windrädern und Solaranlagen.

Was heißt das für die künftige Bundesregierung? Bitte befreit euch von den alten Vorurteilen und öffnet euch für die Riesenchance, welche uns eine rasche Energiewende bringen wird. Sie ist preiswert, umweltfreundlich und schafft Millionen neue zukunftsfähige Jobs. Das Wichtigste: Die solare Energiewende leitet einen Heilungsprozess für die kranke Erde und für alles Leben ein. Eine gesunde Erde ist die Basis für ein gesundes Leben. Heute sterben Jahr für Jahr sieben Millionen Menschen an verschmutzter Luft. Tendenz stark steigend, sagt die Weltgesundheitsorganisation WHO.

Diese unschlagbaren Argumente müssten doch Grüne, Liberale und sozial engagierte Politikerinnen in einer rot-grün-gelben Zukunftskoalition in gleicher Weise überzeugen. Über eine sanfte Energiewende finden wir einen Weg von der heutigen fossilen zur solaren Kultur von morgen. Der Abschied fällt vor allem aus ästhetischen Gründen leicht. Denn die fossile Kultur bedeutet rauchende Schornsteine, Dreck, Staub, Schwefelgestank, ölverschmierte Vögel, Ölfilme im Wasser, verarmte und verbrauchte Landschaften, stinkende und laute Autos. Deshalb wird zum Beispiel der Übergang vom Verbrenner- zum Elektroauto weit schneller vollzogen als sich das die meisten Menschen heute noch vorstellen.

Die rasche solare Energiewende ist das wichtigste Projekt einer neuen Bundesregierung. Wir stehen an der Wende zu einem solaren Zeitalter mit riesigen Chancen für die künftigen Generationen. Erneuerbare Energien sind der Stimulans für Klimaschutz, Gesundheit und für eine neue Wohlstandgesellschaft von morgen.

Bürger, zur Sonne, zur Freiheit! Solarier aller Länder vereinigt euch!

Quelle: sonnenseite.com

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Donnerstag, 7. Oktober 2021

CH-Energiewende: Erfolg nur mit den Bürger:innen

Die direkte Beteiligung von Bürger:innen an erneuerbaren Energie-Projekten ist ein massgeblicher Erfolgsfaktor für das Gelingen der Energiewende. Eine neue Studie im Auftrag der Schweizerischen Energie-Stiftung SES trägt Erfahrungswerte aus europäischen Nachbarländern zusammen und leitet Empfehlungen für die Schweiz ab. Wie können wir Beteiligungsmöglichkeiten stärken? Die Studie stellt drei Vorschläge in den Raum, welche die Debatte über ein neues Energiegesetz beeinflussen.

Europaweit existieren verschiedene Formen, wie sich Bürger:innen an Wind- oder Solarkraftwerken beteiligen können. Die Europäische Union hat das Erfolgspotenzial solcher Modelle erkannt und fördert diese entsprechend. Im Auftrag der SES hat Benjamin Schmid analysiert, welche Erfahrungen aus der Förderpolitik fünf europäischer (Teil-)Staaten gezogen werden können, um deren Potenzial für die Energiewende in der Schweiz besser zu nutzen. «Die Vorteile liegen auf der Hand», erklärt Studienautor Schmid. «Beteiligungsmöglichkeiten können die Akzeptanz der Energiewende insgesamt erhöhen, zusätzliches Kapital zur Finanzierung von neuen Anlagen generieren und die demokratische Mitbestimmung in der Energieversorgung verbessern. Dadurch sollten mehr erneuerbare Energieanlagen realisiert werden.»

Drei Vorschläge für die Schweiz: Als Fazit der Analysen von Dänemark, Deutschland, Österreich, Schottland (UK) und Wallonien (BE) leitet die Studie drei Vorschläge ab, welche die Beteiligungen von Bürger:innen und die Akzeptanz der Energiewende auch in der Schweiz erhöhen und somit die Energiewende beschleunigen können.

  1. Bei den derzeit eingesetzten Finanzierungsinstrumenten für erneuerbare Energien ist fehlende Planungs- und Investitionssicherheit ein zentrales Hindernis für die Entwicklung von Bürger:innnen-Beteiligungsprojekten. Ein schweizweit einheitlicher und langfristig garantierter Rückliefertarif für eingespeisten Strom aus kleinen und mittelgrossen Photovoltaikanlagen (< 500 Kilowatt) könnte hier Abhilfe verschaffen und damit den Ausbau befördern.
  2. Das Modell der «Zusammenschlüsse für den Eigenverbrauch» sollte erweitert werden, so dass Eigenverbrauch nicht nur am Ort der Produktion, sondern im gesamten lokalen Verteilnetz möglich ist. Dies schafft Anreize, verfügbare Flächen vollständig für Photovoltaikanlagen zu nutzen und die brachliegenden Potenziale optimal auszuschöpfen.
  3. Ähnlich wie in Dänemark sollte die Pflicht eingeführt werden, dass ein bestimmter Anteil des Eigentums neuer erneuerbare Energie-Anlagen – beispielsweise 20 Prozent – für Investitionen von Anwohner:innen und Standortgemeinden geöffnet werden. Damit kann die Bevölkerung besser eingebunden werden, was die Akzeptanz – gerade bei Windkraftprojekten – verbessern kann.

Energiewende – ein gesamtgesellschaftliches Projekt: «Die erfolgsversprechenden Aspekte der europäischen Förderpolitik sollten der Schweiz als Vorbild dienen», kommentiert Felix Nipkow, Leiter Fachbereich erneuerbare Energien bei der SES, die Studienresultate. «Denn dort kommt der Ausbau von Sonne und Wind rascher voran als bei uns.» Es sei klar, dass die Energiewende nicht allein mit technologischen Lösungen umgesetzt werden kann. «Es eilt. Für das nötige Tempo beim Ausbau erneuerbarer Energien brauchen wir alle. Die Energiewende muss ein gesamtgesellschaftliches Projekt werden.»

Politik kann den Rahmen setzen: Für Priska Wismer-Felder, Mitte-Nationalrätin und Mitglied der Energiekommission UREK, kommen die Studienerkenntnisse zum richtigen Zeitpunkt. «Ich kenne die Bedeutung von Beteiligungsmöglichkeiten für Bürger:innen aus eigener Erfahrung mit dem Windkraftprojekt auf unserem Hof in Rickenbach», so Priska Wismer. «Ideen, welche die Akzeptanz für erneuerbare Energien fördern, sind gesucht. Die Energiewende gelingt nur gemeinsam mit der Bevölkerung.» Das Parlament wird noch dieses Jahr mit der Beratung des Energiegesetzes beginnen. «Die Politik kann und muss hier einen wichtigen Beitrag leisten.»

Download:  Studie «Politikinstrumente zur Förderung der Bürgerenergiewende – Erfahrungen aus fünf europäischen Ländern und Vorschläge für die Schweiz» (.pdf)

Quelle: Schweizerische Energie Stiftung SES

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Mittwoch, 6. Oktober 2021

Messe in München - startet Energiewende neu


Die vergangenen Wochen mit dem extremen Starkregen in Deutschland, den Überflutungen von Teilen New Yorks und den Feuersbrünsten in Südeuropa und Kalifornien sind auch nach Meinung der meisten Klimaexperten ein klares Warnsignal: Es müssen so schnell wie möglich geeignete Maßnahmen ergriffen werden, um die schwerwiegenden Folgen der Klimakrise einzudämmen. Weltweit muss CO2 in großem Umfang eingespart werden und die Energieversorgung noch stärker auf Erneuerbare Energien setzen. Die Lösungen und Technologien dafür sind längst vorhanden. Die Innovationsplattform The smarter E Europe Restart 2021 und die vier parallel stattfindenden Energiefachmessen Intersolar Europe, ees Europe, Power2Drive Europe und EM-Power Europe präsentieren in München die Lösungen und Innovationen entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Zu erleben sind die Messen vom 6. bis 8. Oktober auf der Messe München - und in der Medienmitteilung der Veranstalter.

Die jetzt nötigen Klimaschutzmaßnahmen stellen die Dringlichkeit eines massiven Ausbaus der erneuerbaren Energien klar heraus. Nur im Mix verschiedener erneuerbarer Energieträger, flächendeckender Speicherinfrastrukturen und einer intelligenten Kopplung der Sektoren Strom, Wärme und Verkehr lässt sich die Energiewende umsetzen. Für Deutschland und Europa bedeutet das vor allem, den Photovoltaik-Ausbau zu vervielfachen, um eine Stromlücke, die durch einen zu langsamen Ausbau drohen könnte, zu schließen. Laut einer Analyse von EUPD Research droht diese in Deutschland ab 2022 und könnte sich in den Folgejahren zunehmend ausweiten – im Jahr 2025 auf über 100 Terawattstunden (TWh).

Diese Stromlücke kündigt sich aufgrund des steigenden Strombedarfs durch die Elektrifizierung des Verkehrs- sowie von Teilen des Wärmesektors an – bei gleichzeitiger Abschaltung der Atom-und Kohlekraftwerke und dem zu geringen Ausbaupfad für die wesentlichen erneuerbaren Energien Photovoltaik und Windenergie. Dazu Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Solarwirtschaft e.V. (BSW): „Wir müssen jetzt den ‚Solar- und Speicherturbo‘ einlegen, um fossile Kraftwerkskapazitäten rechtzeitig zu ersetzen. Konkret heißt das, die Solarisierung unserer Energieversorgung schnellstmöglich mindestens um den Faktor drei bis vier zu beschleunigen. The smarter E Europe ist als zentrale Innovationsplattform in Europa dafür jetzt ein zentraler Katalysator.”

Neben dem schnelleren Ausbau der Photovoltaik
mit klassischen Dach- und Freiflächenanlagen können gebäudeintegrierte PV-Anlagen (BIPV) und Agri-Photovoltaik (Agri-PV) auf landwirtschaftlichen Flächen ebenso beitragen wie die Nutzung von Wasserflächen. „Floating PV“ bietet den Vorteil neue Flächen für die Energiewende nutzen zu können und Landnutzungskonflikte zu minimieren. Mehr zu diesen Themen bieten die Intersolar Europe, die weltweit führende Fachmesse für die Solarwirtschaft, die in diesem Jahr ihr 30jähriges Jubiläum feiert, sowie die begleitende Intersolar Europe Conference. Hier erleben die Teilnehmer die wichtigsten Trends und Innovationen, erfahren alles über neue Märkte und Geschäftsmodelle und wie digitale Technologien das Anlagendesign, Betrieb und Wartung von PV-Anlagen optimieren können.

Grüner Wasserstoff- ein wichtiger Faktor für den Ausbau von Photovoltaik und Windkraft: Doch damit die Energiewende und die neue Energiewelt funktionieren können, sind neben dem Ausbau der Solar- und Windenergie auch effiziente Stromspeicher für diese Systeme gefragt. Vor allem für die kurzzeitige Stromspeicherung werden Batteriespeicher in Zukunft von zentraler Bedeutung sein, insbesondere angesichts der aktuellen Ausweitung von Produktionskapazitäten und der damit einhergehenden weiteren Kostensenkung. Laut Bundesverband Solarwirtschaft (BSW-Solar), wurden allein im privaten Bereich in Deutschland im vergangenen Jahr rund 88.000 neue Heimspeicher installiert und damit nahezu jede zweite PV-Anlage mit einem Batteriespeicher kombiniert. Der geplante deutliche Ausbau der Kapazitäten zur Produktion von grünem Wasserstoff kommt jetzt hinzu und tritt als ein weiteres Schlüsselelement der Energiewende immer stärker in den Fokus. Grüner Wasserstoff wird damit zu einer wichtigen Option, um die Sektoren Strom, Wärme und Verkehr über regenerative Energien enger aneinander zu koppeln. Mit grünem Wasserstoff lassen sich zudem Anwendungen in der Industrie, bei Schiffs-, Schwer- und Flugverkehr dekarbonisieren, die nicht direkt elektrifiziert werden können. 

Digitalisierung für die intelligente Steuerung eines komplexen Energiesystems: Machine Learning, künstliche Intelligenz (KI) und Big Data schaffen neue Möglichkeiten für das Design von Energiesystemen, die Anlagenkonfiguration, vorausschauende Wartung, Monitoring und Ertrags- und Wetterprognosen (Forecasting). All das dient der Reduzierung der Stromgestehungskosten und damit der Rentabilität der Anlagen. Digitale Anwendungen sorgen in Zukunft für die intelligente Steuerung und Verteilung eines immer komplexer werdenden Energiesystems und bringen Angebot und Nachfrage in Einklang – egal ob in der energieintensiven Industrie, auf regionaler Ebene oder in Quartieren und Einfamilienhäusern. 

Auch die Wirtschaft hat die Zeichen der Zeit erkannt: Immer mehr Firmen versorgen ihren Betrieb kostengünstig und umweltfreundlich mit Elektrizität und betreiben ihre Produktionsprozesse klimaneutral. Um wirtschaftlich erfolgreich zu bleiben, wird ein niedriger Carbon Footprint in Zukunft essenziell sein. Nachhaltigkeitsratings führen nicht nur immer mehr Kapitalgeber für ihre Investitionsentscheidungen ein, sondern auch große Konzerne für die Auftragsvergabe an Zulieferer. Der Weg zum klimaneutralen Unternehmen ist eines der Fokusthemen der EM-Power Europe, der internationalen Fachmesse für Energiemanagement und vernetzte Energielösungen. Auch im EM-Power Forum in Halle B5 nimmt das Thema einen größeren Raum ein. Daneben stehen Sektorkopplung in Gebäuden und Quartieren sowie Zukunftsthemen rund um Smart Grids und Netzinfrastruktur auf dem Programm.

Das Ende der Verbrenner: Die öffentliche Ladeinfrastruktur in Europa ist 2020 um 35 Prozent gewachsen, das Interesse an privaten Wallboxen in Deutschland ist riesig. Entsprechend steigt die Zahl der Anbieter und Produkte. Der Anteil privater Ladevorgänge wird in den kommenden zehn Jahren weiter überwiegen – und zwar deutlich mit rund 80 Prozent, davon geht die Nationale Leitstelle für Ladeinfrastruktur in Deutschland aus. Lademöglichkeiten zu Hause, beim Arbeitgeber und an Einkaufszentren werden noch stärker gefragt sein. Die deutsche Bundesregierung fördert das und setzt dabei auf zukunftsweisende Kriterien wie die Steuerbarkeit der Ladelösungen und die Verwendung von Strom aus erneuerbarer Energie. Seit dem Start des Programms Ende November 2020 wurden 385.000 Anträge auf die Förderung von 470.000 privaten Ladepunkten gestellt. 

Ähnlich wie Tankstellen heute, werden die Betreiber von Ladeinfrastruktur sowie deren Service Provider in naher Zukunft eine zentrale Rolle in der Mobilität einnehmen – und damit systemrelevant werden. Strom wird idealerweise mit erneuerbaren Energien vor Ort erzeugt. Über den grünen Ladestrom wachsen der Energie- und Mobilitätsektor zusammen. Umso wichtiger ist die sinnvolle und effiziente Verteilung des zur Verfügung stehenden Stroms und damit die Einbeziehung der Netze, Gebäude und Fahrzeuge sowie der Stand- und Ladezeiten. Intelligente Ladesysteme mit entsprechendem Energie- und Lastmanagement, sowie einfache Bezahlfunktionen zur Abrechnung des Ladestroms sind notwendig.


The smarter E Europe findet mit ihren vier Einzelmessen (Intersolar Europe, ees Europe, Power2Drive Europe und EM-Power Europe) vom 06. bis 08. Oktober als The smarter E Europe Restart 2021 auf der Messe München statt.

Weitere Informationen unter: 

Dienstag, 5. Oktober 2021

Design kann Erneuerbare Energien gut fördern

Solarzellen als Designobjekte zieren neu die Fassade über dem Haupteingang des NEST-Gebäudes der Empa und Eawag. Das Design stammt aus einem interdisziplinären Design-Wettbewerb der Hochschule Luzern (HSLU) mit der Empa. Das Siegerprojekt zeigt an der NEST-Fassade, wie sich Photovoltaik-Module visuell in Gebäude integrieren lassen und die architektonische Qualität verbessern können.

Eine sechsköpfige Jury aus leitenden Personen der Empa, der HSLU
und der Firma Zug Estates haben im Februar 2021 den Entwurf «Glasklar»
von Lynn Balli (siebte von links) zum Siegerprojekt gekürt.
Die Photovoltaik-Module wurden diesen Sommer an der NEST-Fassade
installiert und feierlich in Betrieb genommen.

Gebäudehüllen bieten reichlich Platz zur Energiegewinnung. Dennoch sind Photovoltaik-Fassaden bis heute eher selten anzutreffen – dabei lassen sich Technik und Ästhetik durchaus verbinden. Das haben Studierende und Dozierende der beiden Departemente «Design & Kunst» und «Technik & Architektur» der Hochschule Luzern bewiesen, indem sie Photovoltaik-Module als Designobjekte für die Fassade des NEST auf dem Empa-Campus gestaltet haben. Die Entwürfe wurden im Februar 2021 einer Jury präsentiert.

Nun wurde das Siegerprojekt «Glasklar» der Textildesignstudentin Lynn Balli am NEST-Gebäude installiert und feierlich in Betrieb genommen. Björn Niesen, Innovationsmanager NEST ist erfreut über das Ergebnis. «Wenn wir das Interesse von Designerinnen und Designern für die Gestaltung von gebäudeintegrierten Photovoltaik-Modulen wecken können, leisten wir einen wichtigen Beitrag für mehr Akzeptanz von Photovoltaik-Fassaden und fördern somit den Ausbau der erneuerbaren Stromproduktion in der Schweiz», sagt er.

Photovoltaik-Module in die Umgebung integrieren: Eine Fassade hat unterschiedliche Funktionen. Primär schützt sie das Gebäude – daneben hat sie aber auch eine ästhetische Aufgabe. Im Gegensatz zu den Materialien Beton oder Holz, die sich mit der Zeit an der Fassade visuell verändern und anpassen, bleibt Glas unverändert. Das Siegerprojekt «Glasklar» von Lynn Balli hat bei dieser visuellen Problematik angesetzt. Es greift die Frage auf, wie man den Werkstoff Glas als Oberfläche attraktiver gestalten kann, damit er nicht wie ein Fremdkörper an der Fassade wirkt. Ballis Design überzeugte die Jury im Februar 2021 durch das elegante Hervorheben der Dynamik von Glas und die gelungene Umsetzung mit zehn Einzelkunstwerken. «Ein grosses Learning für mich war die Erkenntnis, dass Glas durch seine beständige Art Unmengen an Gestaltungsmöglichkeiten bietet, die im Kontext von Gebäuden gut funktionieren. Man muss sich nur darauf einlassen», so Lynn Balli.

Quelle: Empa / Annina Schneider

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Sonntag, 3. Oktober 2021

Totale Stromautarkie ist eine irre Schnapsidee

Ein drohender Versorgungsengpass rückt in den Vordergrund des Interesses: Weil das Stromabkommen mit der EU in absehbarer Zeit kaum zustande kommt, sehen Isolationist*innen aller Couleur ihre Zeit gekommen. Sie drohen mit einem Blackout, der alles lahm legt und fordern die totale Autarkie für die Stromversorgung.

Anthony Patt, Professor für Klimapolitik,
ETH Zürich. Plädierte in der Arena-Sendung
von SRF für Importe von künftig genügend
 verfügbarem Windstrom aus Europa -
Bild (Screenshot) vergrössern mit Klick !
Hand aufs Herz: In was für einem Bereich ist die Schweiz total selbst versorgend? Auch in der viel gehätschelten Landwirtschaft ist das nicht der Fall. Die Produktionsausfälle dieses Sommers aufgrund von Wasser- und Hagelschäden haben bereits zu einer deutlichen Steigerung der Importe etwa von Obst und Gemüse geführt. Auch in Normalzeiten bewegt sich der Grad der Selbstversorgung nur um die 50-60 Prozent, natürlich mit produktespezifischen und zeitlichen Abstufungen. Für die reibungslose Versorgung ist die Landwirtschaftspolitik verantwortlich, die das weit gehend  anstandslos erledigt - preisliche Ausschläge auf den Märkten inbegriffen. Und erinnert sei auch an die Auslandabhängigkeiten in den übrigen Energiesparten - sowohl Uran für die AKW (wenn auch lagerbar) wie die Heiz- und Brennstoffe stammen überwiegend aus dem Ausland - eine Abhängigkeit, die mit Solar- und Windenergie sogar eindeutig vermindert werden kann.

Man mag argumentieren, die Landwirtschaft sei ein anderer Wirtschaftszweig als die Strom- und Energieversorgung. Aber im Grundsatz gilt hier wie dort: Ein kleines Land wie die Schweiz erreicht in keinem dieser Märkte auch nur annäherungsweise eine vollständige und über die Zeit anhaltende Autarkie, auser eventuell zu sehr hohen Kosten und mit unabwägbaren Unsicherheiten. Erinnert sei an die heutigen Verhältnisse in der Elektrizitätswirtschaft: Über's Jahr gesehen sind wir vor allem dank Wasserstrom sogar selbstversorgend, im Winter allerdings kommt es regelmässig zu Importen grösseren Stils - die aufs Jahr gerechnet aber auch nicht mehr als 10-15 Prozent des Gesamtstromverbrauchs ausmachen. Und im Sommer exportieren die CH-Elektrizitätswerke gar einen noch grösseren Anteil ins Ausland.  

Zugegeben: die Verhältnisse werden sich in den kommenden Jahren bedeutend verändern, die Dekarbonisierung der Wirtschaft (Null-CO2-Emissionen) erfordert selbst bei weit gehenden Effizienzmassnahmen ein Mehr an Strom. Über dessen Ausmass gehen die Vorstellungen allerdings weit auseinander. Und zudem gilt: die Veränderung wird sich über einen Zeitraum von zehn bis 30 Jahren erstrecken und steht keinesfalls schon morgen vor der Tür (AKW beispielsweise werden ja frühestens (aber dann hoffentlich) in den 30ern abgeschaltet). 

Die absehbare technische Entwicklung wird jeweils völlig missachtet, ein drohender Strommangel vielmehr heraufbeschworen (im Kanton Zug erwägen FdP-Parteigänger*innen gar eine Autarkie-Initiative). Neben steigender Effizienz im Verbrauch, die wie erwähnt sicher nicht genügt, zeichnen sich vor allem im Bereich der Stromspeicherung neue Lösungen ab, die das wesentliche Problem von Sonnen- und Windstrom, die nicht dauernde Verfügbarkeit, ohne Zweifel zu einem guten Teil lösen werden. Und wo das nicht der Fall sein wird, hilft ein in Europa künftig zweifelsfrei vorhandener Stromüberschuss dank dem rasanten Ausbau der Erneuerbaren Energien. Er wird Importe vor allem von Windstrom ermöglichen, auch wenn das derzeit noch von gewissen Kreisen genauso wie die Wirksamkeit der Corona-Impfung bestritten wird. Wie in der ja ebenfalls existentiell wichtigen Landwirtschaft ein Handel über die Grenzen also zum Vorteil aller. Warum soll das in der Energie plötzlich nicht mehr gelten? 

Freitag, 1. Oktober 2021

Atom-Affront auf Kosten künftiger Generationen

Der Atomlobby-Verband Swissnuclear hat am Freitag mit der Kostenstudie 2021 die Kosten für den Rückbau und die Entsorgung der Schweizer Atomkraftwerke präsentiert. Eine erste Analyse der Schweizerischen Energie-Stiftung SES zeigt: Insbesondere bei den Entsorgungskosten werden massgebliche Kostenrisiken auf die Allgemeinheit und die künftigen Generationen abgewälzt. Die SES fordert in ihrer Medienmitteilung die für die Überprüfung zuständige Stenfo-Verwaltungskommission auf zu korrigieren.

Als einziges ist bislang das AKW
Mühleberg im Rückbau - Ende und
Kosten noch unabsehbar.
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Der Schweizer Atomlobby-Verband Swissnuclear hat heute die alle fünf Jahre fällige Kostenprognose für den Rückbau der hiesigen Atomkraftwerke und die Entsorgung der radioaktiven Abfälle präsentiert. Ausgehend von diesen Prognosen werden die obligatorischen Rückstellungen der AKW-Eigentümer abgeleitet. SES-Geschäftsleiter Nils Epprecht kommentiert das Ereignis wie folgt: «Wir haben es hier mit einem klaren Missstand in Sachen Governance zu tun: Wenn Sie als 40-Jährige:r Geld für Ihr Pflegeheim beiseitelegen, das Sie mit 80 vielleicht benötigen werden, vielleicht aber auch nicht, und nicht gerade im Geld schwimmen, werden Sie Ihren Geldbeutel schonen. Genau dies ist aber die Übungsanlage bei der Kostenstudie.»

Betrieb auf Kosten künftiger Generationen: Swissnuclear kommt in der Kostenstudie 2021 zum Schluss, dass die Kosten im Vergleich zur Vorgängerstudie 2016 leicht sinken. Nils Epprecht sieht das alles andere als positiv: «In der Welt von Swissnuclear ist das Endlager ein simpler Tunnel, in der Realität ist die Tiefenlagerung radioaktiver Abfälle eine Geschichte von sehr teuren Misserfolgen. 2016 war Swissnuclear viel zu optimistisch und hat massgebliche Kostenrisiken für die Entsorgung auf die Allgemeinheit abgewälzt. Würden diese Risiken verursachergerecht berücksichtigt, müssten die Kosten deutlich ansteigen anstatt zu sinken. In dieser Form ist die Kostenstudie ein Affront gegenüber den künftigen Generationen, die dereinst die Zeche werden bezahlen müssen.»

Zu den auf die Allgemeinheit abgewälzten Kostenrisiken gehören unter anderem:

  • Der Zuschlag, um eine zu optimistische Kostenschätzung abzufedern (Optimism Bias), ist gemäss international vergleichbaren Bauprojekten viel zu tief, die angewendeten Bandbreiten zur Berücksichtigung von Prognoseunsicherheiten zu wenig konservativ.
  • Mit einer absichtlichen Insolvenz in Form von Atomkraftwerken, die als separate Gesellschaften organisiert sind, ist es nach wie vor möglich, dass die Eigentümerkonzerne späteren Beitragserhöhungen und der gesetzlichen Nachschusspflicht und Solidarhaftung entgehen.
  • Black Swan Ereignisse: Unerwartete und unwahrscheinliche Ereignisse mit erheblichen Auswirkungen, werden kategorisch nicht in den Kosten berücksichtigt. Dazu gehört beispielsweise eine Rückholung der Abfälle, wie sie in Endlagern in Deutschland oder den USA bereits nötig wurde. Ein weiteres Beispiel ist der Erfolg des Sachplan-Verfahrens zur Bestimmung des Standorts für die Endlagerung der radioaktiven Abfälle, ein ablehnender Bevölkerungsentscheid im fakultativen Referendum wird kostenseitig nicht berücksichtigt.
  • Kosten Langzeitbeobachtung: Die im Entsorgungskonzept vorgesehene Langzeitbeobachtung nach dem Verschluss der Endlager ist in den Kosten nicht berücksichtigt, allfällige Kosten müssten nach aktueller Gesetzeslage wohl die betroffene lokale Bevölkerung tragen.

Die SES fordert die für die Überprüfung zuständige Stenfo-Verwaltungskommission auf, die offenen Kostenrisiken zu berücksichtigen. Die SES wird die Kostenstudie 2021 weiter analysieren, sobald die Detailberichte dazu veröffentlicht sind.

Quelle: Schweizerische Energie Stiftung SES