Montag, 29. Februar 2016

Für sonnige Zukunft Griechenlands


Weg in Griechenlands Energieunabhängigkeit: Go Solar! © Panons Mitsios / Greenpeace

Horrende Energierechnungen, Arbeitslosigkeit und Armut. So sieht momentan das Bild in Griechenland aus. Und statt neue Wege zu gehen und Lösungen mit Zukunft anzustreben, plant die Regierung ein neues Ölkraftwerk. Greenpeace startete deshalb ein Crowdfunding für die Solarisierung Griechenlands. Die Kampagne trägt Früchte: Dank der grosszügigen finanziellen Unterstützung von SupporterInnen konnten in Rhodos zwei Solarsysteme installiert werden – ein erster kleiner Schritt in die Energieunabhängigkeit.

«Ich möchte, dass meine Schüler den Gemeinderat in einem Brief um Solarpanels für die Dächer unserer Schule bitten», meint Dimitris Grigoriadis, Lehrer an der «Lyceum of Paradisi», in einem Dorf an der Nordwestküste Rhodos. Er und acht seiner Schüler halfen dabei, ein 2kWp-Solarsystem auf dem Dach des Hauses einer Mutter mit einem 5-jährigen Sohn zu installieren. Die Familie wird damit die exorbitanten Energiekosten reduzieren können.  Die Wirtschaft- und Finanzkrise stürzte viele Familien in eine existenzielle Krise. Deshalb startet die Umweltorganisation die Kampagne «Solarisieren wir Griechenland»: Griechenland würde dabei nicht nur unabhängiger und finanziell stabiler – das Projekt würde auch die Umwelt schonen.

Dank der Hilfe von SpenderInnen konnte das Projekt in die Tat umgesetzt werden. Greenpeace gab vor Ort Workshops und Trainings zum Thema Solarsysteme und installierte mithilfe von lokalen Schülern Photovoltaikanlagen auf den Dächern von mittellosen Familien. Die TeilnehmerInnen lernten die Grundlagen von Solarenergie und Energiepolitik kennen, bauten ihre eigenen Solarlampen und kochten mit Solarenergie. 

Der 15-jährige Schüler Michalis von Paradisi war begeistert: «Ich hoffe, dass ich irgendwann in die Fussstapfen meines Vaters treten und ein erfolgreicher Elektriker oder Ingenieur werden kann.» Und: «Ich möchte ganz viele Solaranlagen installieren.» Die bisherigen Reaktionen der SchülerInnen, deren LehrerInnen und Familien waren inspirierend und ermutigend. Greenpeace war beeindruckt von der Ernsthaftigkeit, mit der die SchülerInnen an die Sache gingen. Nebst der Tatsache, dass sie die Vorteile einer sauberen und sicheren Energieproduktion erkannten, Chancen auf einen Job zum Beispiel, gefiel ihnen vor allem eins: Der soziale Aspekt des Projekts. Irini etwa, 16-jährige Schülerin von Kremasti, schätzte den Teamgeist und die Möglichkeit, mit vielen verschiedenen Menschen arbeiten zu können.

Von diesem Teamgeist braucht Griechenland jetzt so viel mehr. Das Gefühl von Solidarität zwischen Armen und Reichen. Und Vertrauen in die Zukunft. Das ist es, was Erwachsene jungen Menschen mit auf den Weg geben sollten: Vertrauen, Hoffnung und  Zuversicht. Sie dabei in ein Projekt wie dieses zu involvieren, scheint ein guter Anfang zu sein. Auf der anderen Seite erscheint es unglaublich, dass Energiekonzerne – mit grosszügiger Unterstützung von Kapitalgebern – immer noch in Öl- und Kohlekraftwerke investieren. In einem Land mit Sonnenschein im Überfluss. Der Gedanke, Griechenland könnte im Mittelmeerraum eine Pionierrolle übernehmen und die hohen Schulden gegen eine erneuerbare Zukunft eintauschen, ist verlockend. Damit würde das Land eine führende Rolle in den Klimaschutzbemühungen übernehmen.

Bekommt Greenpeace die Möglichkeit, genug Zeit und Ressourcen in das Projekt zu stecken, steht einer erfolgreichen Solarbewegung nichts mehr im Weg. Rhodos, die Sonneninsel, hat mit 300 Tagen im Jahr die höchste Sonnenscheindauer in Griechenland und ist damit hervorragend geeignet, energietechnisch völlig unabhängig zu werden. Die Pläne der Regierung würden die Energiepolitik Griechenlands um Jahre zurückwerfen und die zukunftsorientierte Entwicklung in Richtung Erneuerbare zurückhalten. Deshalb sollten sie gestoppt werden. Was es jetzt braucht, ist der Enthusiasmus, etwas ändern zu wollen, und die Zuversicht, dass dies gelingen kann. Die Leute von Greenpeace Griechenland haben das, und auch die BewohnerInnen von Rhodos zeigen ihre Unterstützung.

Quelle: Greenpeace Schweiz

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Sonntag, 28. Februar 2016

Laue Erholung der Solaraktien



Der PPVX ist letzte Woche um 2,0% auf 1.181 Punkte gestiegen, der NYSE Arca Oil um 1,7%. Seit Jahresanfang 2016 liegt der PPVX mit -23,1% währungsbereinigt rund 14 Prozentpunkte hinter dem Erdölaktienindex (-8,9%). Die Top 3 Titel seit Jahresanfang sind First Solar (+6%), Advanced Energy Industries (+6%) und GCL Poly Energy (+2%). Die grössten Gewinner der Woche waren SunEdison (+58%) und Canadian Solar (+13%), die grössten Verlierer waren Sky Solar (-17%) und Motech Industries (-9%). Der PPVX-Börsenwert beträgt rund 30,4 Mrd. Euro. Seit Anfang 2003 liegt er (+320%) rund 209 Prozentpunkte vor dem Erdölaktien-Index (mit +111%).


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Der Solaraktienindex PPVX erscheint abwechslungsweise auf Solarmedia und in den Zwischenwochen auf  Vorsorgemedia!

Quelle: Öko-Invest-Verlag, Wien, oeko-invest@teleweb.at

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Donnerstag, 25. Februar 2016

Licht und Schatten der Solarbranche

Die 14. Nationale Photovoltaik-Tagung stand zu Beginn dieser Woche im Banne eines sich rasant entwickelnden Marktes. Allerdings: Produktion und Verbrauch von Solarstrom stehen in der Schweiz derzeit wieder einmal im Gegenwind – die Energiestrategie 2050, die die Photovoltaik als Pfeiler der hiesigen Energiepolitik etablieren soll, ist noch nicht in trockenen Tüchern. Und nicht zuletzt die etablierten Stromunternehmen zeigen sich aus Sicht des Fachverbandes Swissolar häufig als Bremser des Ausbaus der Solarenergie. 

Weiterhin belegen schweizweit rund 35'700 Gesuche für die Kostendeckende Einspeisevergütung (KEV) das ungebrochene Interesse, Photovoltaik-(PV)-Anlagen aller Grössen zu errichten. Kleinere Anlagen mit einer Leistung unter zehn respektive 30 Kilowatt profitieren unterdessen von der schneller verfügbaren einmaligen Bezuschussung. So konnten im Jahr 2015 wieder annähernd gleich viele Kapazitäten für die Solarstromerzeugung wie im Vorjahr zugebaut werden (280 bis 300 Megawatt Leistung). Es wäre viel mehr möglich – und es wäre auch mindestens das Doppelte an jährlichen Zubau nötig, um gegen Ende des kommenden Jahrzehnts einen Grossteil des dannzumal gemäss Energiestrategie wegfallenden Atomstroms durch solaren zu ersetzen. 

Unterdessen macht nicht nur der ungenügende Zubau der Solarbranche Kopfzerbrechen. Wie die nationale Tagung in Bern aufzeigte, sind es vielfältige administrative Hindernisse und willkürliche Einschränkungen einzelner Elektrizitätsversorger, die das Wachstum behindern. Zuvorderst steht die Sorge um den angemessenen Rücklieferpreis, auf dessen sinkende Tendenz eine neue Studie aufmerksam macht. Hinzu kommt die eklatante Spanne, in der sich der Rücklieferpreis bewegt – je nach Versorger zwischen vier und 20 Rappen je Kilowattstunde Strom. Stossend, dass manche der Preisdrücker den Strom dann mit einer massiven Marge von bis zu 100 Prozent weiter verkaufen.

Vergällt wird den Erzeugern von Solarstrom ihr Geschäft zudem durch die Aussicht, dass sie neu für die Netzkosten zur Kasse gebeten werden sollen. Alt-Nationalrat Rudolf Rechsteiner aus Basel warnte an der PV-Tagung davor, eine entsprechende Gesetzesänderung könnte der Solarbranche endgültig den Garaus machen. Von Entsolidarisierung könne keine Rede sein, wenn die Solarproduzenten – deren zusätzliche Herstellung erneuerbarer Energie ja politisch erwünscht sei – von dieser Abgabe befreit bleiben. Zumal die Beanspruchung des Netzes durch den Solarstrom bei den aktuellen Produktionszahlen als vernachlässigbar erscheint. Gegenteiliger Ansicht sind die im VSE zusammengeschlossenen Elektrizitätswerke, die die Gesetzesänderung angestossen haben und nur so glauben, die Finanzierbarkeit des Stromnetzes sicherstellen zu können.

Während für die Schweiz der erwünschte Solarausbau auf rund einen Viertel der gesamten Stromproduktion derzeit also auf wackeligen Füssen steht – und finanziell stark von der Erhöhung des Strompreiszuschlags von 1,5 auf 2,3 Rappen je Kilowattstunde abhängt – geht es in einer weltweiten Perspektive munter voran. Der Präsident von Photovoltaic Austria, dem Pendant von Swissolar, sprach an der Tagung gar von einer kopernikanischen Energiewende, die so ziemlich alles auf den Kopf stellt, was bislang in der Energiewelt Gültigkeit hatte.  Und wenn bislang von einem Kampf der Erneuerbaren als David gegen Goliath die Rede war, stelle sich unterdessen die Frage, wer denn hier David und wer Goliath sei.


Auch Swissolar-Präsident und SP-Nationalrat Roger Nordmann hielt fest, die Energiewende sei unumkehrbar angestossen. Er erinnerte an deren Hintergrund, der in den kommenden Wochen mit traurigen Jubiläen fürAufmerksamkeit sorgen wird. Denn es stehen der fünfte Jahrestag des japanischen AKW-Desasters in Fukushima und der 30. der grössten aller Atomkatastrophen in Tschernobyl an. Um die hiesige Energiewende nicht zu gefährden, brachte der Lausanner einen Rückzug der Atomausstiegs-Initiative ins Spiel – zumal sich die Atomenergie allein schon aus ökonomischen Überlegungen von selbst erledige.

Seit den Fanalen der Energienutzung in Japan und der Sowjetunion hat sich vieles getan in Bezug auf die Erneuerbaren. Aber es ist noch viel mehr möglich. Christian Breyer, Dozent an der finnischen Lappeenranta Universität, modelliert ein weltumspannendes Energieversorgungssystem, das vollständig auf Erneuerbare abstellt. Sein erstaunliches Fazit – ein solches ist zu vertretbaren Kosten zu realisieren.

Die Kosten sind auch für Volkswirtschaftprofessor Beat Hotz-Hart Dreh- und Angelpunkt der Beurteilung auch der Erneuerbaren im allgemeinen und der Photovoltaik im besonderen. Vor den rund 550 Kongress-TeilnehmerInnen widersprach er jenen VWL-Professoren, die Kosten von weit über 100 Milliarden Franken für die Energiewende veranschlagen. Diese vergessen, dass auch ein Weiter-wie-bisher in der Energiepolitik nicht zum Nulltarif zu haben ist. In einer volkswirtschaftlichen Beurteilung der Energiewende hätten nur die Differenzkosten zu diesem Weiter-wie-bisher Bedeutung. Diese betragen gemäss Hotz-Hart rund 40 Milliarden Franken, verteilt über 25 Jahre. Fazit: Die Energiewende kostet etwa gleich viel das Neat-Eisenbahnprojekt – und sei praktisch ohne Wachstumseinbusse zu stemmen.

Dass das wiederum nicht rein professorale Theorie ist, belegten die vielen Praxisbeispiele, die an den Solartagen trotz winterlichem Wetter in der Bundeshauptstadt allen Sorgen zum Trotz auch für zuversichtliche Stimmung sorgten. So beanspruchen viele Solarprojekte gar keine staatliche Förderung. Die Genossenschaft Migros-Aare etwa hat eine ganze Anzahl von Anlagen für den Eigenverbrauch erstellt und investiert so insgesamt rund 20 Millionen Franken – ohne jegliche staatliche Unterstützung. Grosse Mietwohnungs-Siedlungen im baslerischen Frenkendorf oder im nördlichen Zürich versorgen die Bewohner direkt mit Solarstrom. Und sie können gemäss den Projektvertretern auf gute Partnerschaft mit den jeweiligen Elektrizitätswerken aufbauen.

Ein Blick auf die schweizerische Solarforschung und -entwicklung rundete den zweitägigen Anlass ab. Was sich im Vorjahr angekündigt hatte, scheint für die gebäude-integrierte Photovoltaik auf gutem Weg. Unterdessen sind viele Produkte für die fassadenintegrierte (Built-In) Photovoltaik verfügbar, auch in zahlreichen farblichen Abstufungen. Anwendung haben sie noch immer erst in einzelnen Fällen gefunden – nächstes grösseres Projekt ist der neue Verwaltungsbau des Bauzulieferers Sika in Zürich-West. Das Start-up-Unternehmen Flisom will mit seinen im Druck-Roll-Verfahren hergestellten PV-Elementen 2017 in Produktion gehen. Und die Forschung ist an verschiedenen Instituten wie der Empa in Dübendorf und dem Csem in Neuenburg daran, mit wegweisenden Projekten ihren international bedeutsamen Ruf abzusichern. 

Als Fazit der diesjährigen nationalen Photovoltaiktagung kann denn gelten: Passiert die Energiestrategie des Bundes weit gehend unbeschadet National- und Ständerat und verfolgen die Kantone die Empfehlungen zur Umsetzung im kantonalen Bau- und Energierecht (die so genannten MuKEn) konsequent, könnte die Photovoltaik schon fast zum Selbstläufer werden.

Montag, 22. Februar 2016

Solarstrom - mehr oder weniger willkommen

Der Verband der unabhängigen Stromproduzenten (VESE) hat erstmals die Einspeisebedingungen für Solarstrom schweizweit erhoben und auf einer Webseite veröffentlicht (www.pvtarif.ch). Es zeigt sich, dass, per 1.1.2016, je nach Gemeinde, für eingespiesenen Solarstrom zwischen 3.5 und 25 Rp/kWh bezahlt werden, für die exakt gleiche Energielieferung. Der gewichtete schweizer Mittelwert sank beim Jahreswechsel 2015/16 um 4.7% auf 9.8 Rp/kWh, nachdem schon mehrere grosse Elektrizitätsverteiler im Laufe des Jahres 2015 Absenkungen vorgenommen hatten. 

PV-Anlage auf der Kalkbreite in Zürich
Bild: Guntram Rehsche
Die Untersuchung der lokalen Rücknahmebedingungen fördet weiteres zutage: während ein Teil der lokalen EW’s mit guten Einspeisebedingungen den Aufbau der Solarenergie in ihren Regionen offensichtlich fördern wollen und dies auch können, so halten sich mindestens 10% der EWs explizit nicht an die minimalen Vorgaben des Bundesrats zu den Mindestvergütungen und der eidgenössischen Elektrizitätskommission ElCom zu den Lastgangmesskosten.  Die Städtischen Werke Schaffhausen und Neuhausen am Rheinfall zum Beispiel, die sich an keine der Vorgaben halten, haben die Energie einer 30 kVA Solaranlage im 2015 mit 3.9 Rp/kWh vergütet. Gleichzeitig kostet aber die Lastgangmessung für diese Anlagegrösse 2.6 Rp/kWh, so dass für den Anlagenbesitzer noch genau 1.3 Rp pro eingespiesene kWh übrig bleiben. Wie viele EW’s die Vorgaben effektiv einhalten oder nicht, lässt sich nicht genau feststellen, da viele EW’s die Einspeisevergütungen für grössere PV-Anlagen gar nicht gar nicht bekannt geben. 

Auch gibt es einige Beispiele zusätzlicher Hindernisse bei der Einspeisung von Solarenergie:erhöhte Tarife beim Verkauf  von Energie für Solaranlagenbesitzer, Leistungstarife, hohe Zählergebühren, Wechselgebühren, Anschlussgebühren etc.  Dr. Diego Fischer, Projektverantwortlicher für pvtarif.ch und Mitglied des Vorstandes von VESE, meint dazu:“Soll das Ausbauzeil für Solarstrom, nämlich 14 GWp bis 2050, erreicht werden, benötigt es nebst den Solaranlagen auf Einfamilienhäusern auch viele grössere Anlagen. Unsere Mitglieder haben das Kapital, das Know-How und den Willen, diese Anlagen zu bauen und zu betreiben. Was sie aber auch benötigen, sind verlässliche Rahmenbedingungen, wie z.B. Rückliefertarife, welche sich am Bezugstarif H4 orientieren.“   

Im Abschluss an seine Untersuchung fordert der VESE den Bundesrat auf, seine Verantwortung für die Energiewende ernst nehmen, und als erstes seinen Handlungspielraum nutzen, um zummindestens gewisse minimale Einspeisebedingungen in der ganzen Schweiz zu garantieren:

·         Einführung einer Informationspflicht der Einspeisevergütungen: es darf nicht sein, dass Einspeisevergütungen im Monopolbereich nicht publik sind, und somit Ungleichbehandlung von verschiedenen Anlagen möglich werden.

·         Durchsetzung der BFE-Empfehlung H4 - 8% für den eingespiesenen Strom.

·         Diskiminierung von PV-Anlagenbesitzern auf der Verbrauchseite und überhöhte Kostenverrechnungen im Monopolbereich, z.B. für die Lastgangmessung und Anschluissgebüren, sollen verboten werden. Die ElCom muss hier mehr in die Pflicht genommen werden.

·         Die Tarife für Lastgangmessungen dürfen CHF 20.- / Monat nicht überschreiten. Dies entspricht dem Stand der Technik. 

Sonntag, 21. Februar 2016

Atomausstieg und Klimaschutz in Gefahr

Die weltweiten Investitionen in Erneuerbare Energien steigen seit Jahren. Das zeigen die neuen Zahlen von Bloomberg Energy Finance. Nur in Europa und vor allem in Deutschland sind 2015 die Ökostrominvestitionen völlig eingebrochen, während sie weltweit immer schneller zunehmen. Was der deutsche Energieökonom Hans-Josef Fell für sein Land befürchtet, steht auch für die Schweiz vor der Tür, wenn sich das neuzusammengesetzte rechtsbürgerliche Parlament durchsetzt.

Die Novelle des EEG 2014 von Union und SPD hat in 2015 die befürchteten schlimmen Auswirkungen gebracht. Außer bei Wind sind die Ökostrominvestitionen völlig eingebrochen. Der Zubau liegt weit unter den schon viel zu niedrigen Ausbaukorridoren der Bundesregierung.
Schuld daran sind unter anderem der Wechsel zu den Ausschreibungen bei PV-Anlagen, die EEG-Umlagenbelastung bei Ökostromeigenerzeugung und massiver Bürokratieaufbau. Bei den Investitionen in Windkraft ist mit dem Wechsel zu Ausschreibungen mit der EEG-Novelle 2016 das gleiche zu befürchten.

Damit wird sogar der Atomausstieg in Frage gestellt werden, weil der Ausbau der Erneuerbaren Energien nicht mehr den notwendigen Ersatz von Atomstrom bereitstellen kann. Ein aus Klimaschutzgründen notwendiges Abschalten von Kohlekraftwerke wird dann parallel zum Atomausstieg sogar unmöglich. Etwa 90 TWh jährlicher Atomstromerzeugung müssen bis 2022 ersetzt werden. Wenn es bei den aktuellen Rahmenbedingungen und den Vorschlägen zur EEG-Novelle 2016 bleibt, werden Wasserkraft, Bioenergien und Geothermie bis 2022 keine zusätzlichen Strommengen beitragen können. Ein jährlicher Zubau von unter 1,5 GW Photovoltaik wie heute und etwa 2,5 GW Windenergie, wie ab 2017 geplant, wird aber maximal die Hälfte des zu ersetzenden Atomstromes beitragen können. Ab 2020 werden sogar verstärkend die sich heute schon abzeichnenden Abschaltungen von Windkraft- und Biomasseanlagen hinzukommen, die dann keine EEG-Vergütung mehr erhalten. Wegen Unsicherheiten über fehlende Anschlussregelungen werden wichtige Investitionen in die Instandhaltung nicht mehr getätigt und die Betreiber lassen ihre Anlagen auf Verschleiß laufen. Ein wirtschaftlicher Betrieb wird nach Auslaufen der Vergütung nicht mehr möglich sein. Bei der Bioenergie sind alleine 50 TWh jährlicher Stromerzeugung gefährdet.
Auch die Energieeinsparung wird mit den Erfahrungen der letzten Jahre bei den fehlenden Aktivitäten der Bundesregierung keinen nennenswerten Beitrag liefern können – und wer die Abschmelzung des Exportüberschusses von etwa 60 TWh für den deutschen Atomausstieg nutzen will, muss wissen, dass dann die Atom- und Kohlekraftwerke in den Nachbarländern wieder vermehrt angefacht werden.

Es ist abzusehen, dass ab 2018 deshalb die Rufe nach der nächsten Laufzeitverlängerung lauter werden. Die AfD hat in ihrem Wahlprogramm schon die 10-jährige Festschreibung des aktuellen Energiemixes und ein Weiterlaufen der noch in Betrieb befindlichen AKW gefordert. Auch die klima- und gesundheitsschädliche Energie aus Gas und Kohle wird wieder Aufwind erhalten.

Vizekanzler Gabriel (SPD) kennt aber keine Gnade und unternimmt keine Anstrengungen, um eine Trendumkehr zu mehr Investitionen bei den Erneuerbaren Energien zu bewirken. Das Ergebnis wird der weitere Abbau von Arbeitsplätzen und Insolvenzen sein. Gabriel, Merkel, Seehofer und ihr zuständiger grüner Staatsekretär Baake setzen so sogar den Atomausstieg aufs Spiel. Deutschland ist dabei, sich von der weltweiten Entwicklung abzukoppeln und wird damit vom ökologischen Musterknabe zum Buhmann der Energiewende, worüber der Rest der Welt nur noch unverständlich den Kopf schüttelt.

Hier eine Zusammenstellung interessanter Zahlen zu der Entwicklung der Erneuerbaren Energien.

Quelle: Hans-Josef Fell 2016 | Präsident der Energy Watch Group (EWG) und Autor des EEG

Freitag, 19. Februar 2016

sonnendach.ch zeigt Solarpotential

Strom und Wärme auf dem eigenen Hausdach zu produzieren wird dank sinkender Preise für Solaranlagen und neuer Speichertechnologien immer interessanter. Die neue interaktive Anwendung sonnendach.ch zeigt, wie geeignet die Immobilie für die Solarenergieproduktion ist. Bereits sind 50% des Gebäudebestands auf sonnendach.ch erfasst; bis Anfang 2018 werden alle Hausdächer der Schweiz verfügbar sein.

Ist mein Hausdach geeignet für eine Solaranlage? Diese Frage lässt sich schon bald ganz einfach für jedes beliebige Hausdach der Schweiz beantworten. In einem Gemeinschaftsprojekt erarbeiten das Bundesamt für Energie, das Bundesamt für Landestopografie (swisstopo) sowie das Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie MeteoSchweiz einen Solarkataster, der für die Öffentlichkeit auf sonnendach.ch zugänglich ist. Auf sonnendach.ch kann abgefragt werden, ob das eigene Hausdach für die Solarenergienutzung geeignet ist und wieviel Strom und Wärme produziert werden könnte. Die Anwendung verknüpft in Zusammenarbeit mit Meteotest Daten von Swisstopo zur Grösse und Orientierung jeder einzelnen Dachfläche mit satellitenbasierten solaren Einstrahlungsdaten von MeteoSchweiz.

Heute sind auf sonnendach.ch  insbesorund 50% des Gebäudebestands abgebildet,ndere in der Zentral- und Nordostschweiz. Halbjährlich werden weitere Regionen hinzugefügt so dass voraussichtlich Anfang 2018 die Hausdächer der ganzen Schweiz verfügbar sein werden. Die Anwendung wird zudem monatlich mit den aktuellen solaren Einstrahlungsdaten ergänzt. Eine Übersicht über die einzelnen Projektetappen zeigt die Beilage zu dieser Medienmitteilung. sonnendach.ch ist eng in das Beratungsangebot von EnergieSchweiz eingebunden, welches Schritt für Schritt den Weg zur eigenen Solaranlage aufzeigt (siehe Link).

Quelle: BFE