Samstag, 3. September 2022

Neuer CO2-Rekord – wo bleibt unser Instinkt?

Es wird immer heißer – die Gletscher schmelzen immer schneller – Emissionen erreichen immer neue Rekordwerte. Kommen alle Bemühungen zur Rettung des Weltklimas zu spät? Haben wir unseren Brutinstinkt schon total verloren? Der deutsche Energiepublizist Franz Alt stellt und beantwortet diese Frage aller Fragen.

2021 hat die Konzentration der Treibhausgase den höchsten Wert seit mindestens einer Million Jahre erreicht. Das teilte soeben die US-Behörde für Klima- und Ozeanografie (NOAA) für das Jahr 2021 mit.

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Im Jahr 1900 betrug der CO2-Gehalt in der Atmosphäre 280 ppm (Teilchen pro Million Teilchen). 1940 waren es bereits 310 ppm, im Jahr 2000 circa 370 ppm und 2021 waren es genau 414,7 ppm. Der neue Rekordwert seit einer Million Jahren. Das sind exakt 2,3 ppm mehr als noch im Jahr zuvor. Also auch im letzten Jahr kein Rückgang, sondern ein weiterer Anstieg – trotz des Paris-Versprechens aller 196 Regierungen im Jahr 2015, das 1.5-Grad-Ziel erreichen zu wollen.

Die neuen Zahlen kommen wenig überraschend, sind aber dennoch eine Katastrophe, denn nach demselben Bericht sind die Jahre zwischen 2015 und 2021 die wärmsten seit Beginn der Aufzeichnungen vor 140 Jahren. Die NOAA teilt weiter mit, dass auch die Meerestemperatur und der Anstieg des Meeres-Spiegels neue Rekordhöhen erreicht haben.

Anstieg der Methanwerte

Geradezu beängstigend ist der Anstieg der Methanwerte. Dieser habe sich seit 2014 dramatisch beschleunigt und ein Methan-Molekül belastet das Klima etwa 30mal mehr als ein CO2-Molekül. Für 2021 haben die Wissenschaftler den größten Anstieg der Methanzuwächse seit 1880 gemessen. Die drei Treibhausgase CO2, Methan und Dioxidstoffmonoxid haben 2021 Rekordwerte erreicht. Dieser Jahresbericht des NOAA basiert auf der Mitarbeit von 530 Mitarbeitern aus über 60 Ländern.

Klimaexperten warnen schon seit Jahren vor den Kipp-Punkten der Klimakrise. Kipp-Punkte sind Entwicklungen, nach denen es kein Zurück mehr geben wird

Die gefährlichsten Kipp-Punkte:

  • das Auftauen der Permafrostböden in den nördlichen Breiten (Sibirien, Alaska, Kanada)
  • das Abschmelzen der Landeismassen auf Grönland
  • das Abholzen der Regenwälder Amazoniens
  • die Veränderung des Golfstroms
  • die Sättigung der Ozeane mit CO₂

Sollte die hier aufgezeigte Entwicklung so weitergehen, dann wird noch in diesem Jahrhundert Afrika unbewohnbar und Südeuropa wird Afrika. Schon 2050 könnten in tropischen und subtropischen Gebieten hunderte Millionen Menschen an 120 bis 200 Tagen im Jahr einer gefühlten Hitze von bis zu 39 Grad ausgesetzt sein – das hat die University of Washington in Seattle errechnet.

Tiere haben noch ihren Brutinstinkt, den wir Menschen offensichtlich bereits verloren haben. Noch nie hat eine Maus eine Mausefalle gebaut, aber Menschen heizen weiter die Klimakatastrophe an, obwohl sie seit Jahrzehnten wissen, dass daran schon heute Jahr für Jahr Millionen Menschen sterben  und dass  spätestens auch ihre eigenen Enkel diese Hitze kaum überleben können.

© www.ametsoc.org

Freitag, 2. September 2022

Na also - da geht doch was: Mobile Gasturbinen!

Der Bund hat den Vertrag für ein mobiles Reservekraftwerk unterzeichnet: Neben der Wasserkraftreserve, die bereits im kommenden Winter bei Bedarf gezielt genutzt werden kann, gehören auch Reservekraftwerke zu den vorgesehenen Massnahmen gegen die Energieknappheit. 

Mitte August 2022 hat der Bundesrat sein Einverständnis für entsprechende Vertragsverhandlungen gegeben. Nun hat das UVEK den ersten Vertrag unterzeichnet. Der Bund beschafft damit bei der Firma GE Gas Power acht mobile Gasturbinen. Sie werden auf dem Firmengelände von GE in Birr (AG) aufgebaut. Die Turbinen können neben Gas auch mit Öl oder Wasserstoff betrieben werden. Der heute unterzeichnete Vertrag ermöglicht es, dass diese Turbinen bereits für die kritische Zeit gegen Ende des kommenden Winters 2022/23 bis Ende April 2026 zur Verfügung stehen.

Mit dem Abschluss der Verhandlungen zwischen dem Bund und der Firma GE Gas Power bestehen jetzt die vertraglichen Grundlagen dafür, dass ein temporäres Reservekraftwerk in der kritischen Zeit gegen Ende Winter 2023 bei Bedarf eingesetzt werden kann. Die Verhandlungen mit möglichen weiteren Anbietern von Reservekraftwerken laufen noch. Die Turbinen werden von GE Gas Power auf dem Betriebsgelände am Standort Birr im Kanton Aargau aufgebaut. Es handelt sich um acht modulare, mobile Gasturbinen des Typs TM2500 mit je mindestens 30 Megawatt Leistung, insgesamt also gegen 250 Megawatt. Das entspricht in etwa der zweieinhalbfachen Leistung des Wasserkraftwerks Rheinfelden. Sie können neben Gas auch mit Öl oder Wasserstoff betrieben werden. Die Gesamtkosten für die ganze Laufzeit betragen rund 470 Millionen Franken.

Die Regelungen für den Aufbau, sowie für die Vorbereitungsarbeiten und Regelungen zu deren Inbetriebnahme und Betrieb werden in einer Verordnung verankert, über die der Bundesrat Mitte September entscheiden wird. Die Reservekraftwerke werden dem Emissionshandel unterstellt. Parallel dazu laufen die Abklärungen, welches Unternehmen den Betrieb der Anlage übernehmen wird.

Die Bevölkerung von Birr wird in der zweiten Septemberhälfte vom Bundesamt für Energie, dem Kanton Aargau und der Gemeinde Birr an einer Informationsveranstaltung direkt informiert. Termin und Ort werden demnächst bekanntgegeben.
 

Donnerstag, 1. September 2022

Ernst Schweizer AG ist Energiewendemacher 22

Soeben an diesem Donnerstagvormittag entschieden: Am aee-Kongress kürten die Teilnehmer*innen den oder die Energiewendemacher*in. Zahlreiche innovative und spannende Projekte gingen ein, aus deren acht konnte das Publikum schliesslich wählen. Gewonnen hat das folgende Projekt «Klimaoptimierte Photovoltaik-Systeme MSP» der Ernst Schweizer AG in Hedingen (ZH).

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© Solarmedia Guntram Rehsche

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Mittwoch, 31. August 2022

Sehr unterschiedliche Strompreis-Aufschläge

Nun ist es klar, auf Privathaushalte warten 2023 teilweise markante Preisaufschläge von über 40% - allerdings nicht in allen Gemeinden. Einige Stromanbieter haben offenbar ihre Hausaufgaben gemacht und die Stromversorgung, dank Eigenproduktion so gestaltet, dass sie weniger abhängig von Marktschwankungen ist.  

Jeweils per Ende August müssen die Schweizer Stromversorger der Regulierungsbehörde Elcom ihre Tarife für das Folgejahr melden. Worüber die Medien in den letzten Wochen heftig spekulierten, steht nun fest: Auf Privathaushalte warten 2023 teilweise markante Preisaufschläge, die sich jedoch nach Anbieter stark unterscheiden. Während grosse Stromversorger wie die Zürcher EWZ oder BKW keine Aufschläge beim Energiepreis machen, müssen beispielsweise Kunden des Stadtwerks Wetzikon mit einem Aufschlag von über 40 Prozent rechnen. Auch viele überregionale Stromversorger, wie die EKZ oder die CKW, schlagen bei den Strompreisen für Privathaushalte zwischen 25 und 30 Prozent auf.
 
Eigenproduktion dämpft die Preisexplosion
Der Strompreis der Grundversorgung setzt sich aus den drei Komponenten zusammen: Netz (ca. 50%), Energie (ca. 30%) und Abgaben (ca. 20%). Rekordhohe Strompreise am Markt sowie der Ukraine-Krieg wirken sich vor allem auf die Energiekosten aus. Die Höhe des gegenwärtigen Preisaufschlags hängt im Wesentlichen von zwei Faktoren ab: Anteil Eigenproduktion und Langfristigkeit der Verträge. Einerseits können jene Stromversorger diese Schwankungen besser abfedern, welche eigene Kraftwerke betreiben, und weniger Strom auf dem Markt einkaufen müssen. Andererseits profitieren Anbieter, welche noch vor der Krise zu guten Konditionen Strom mit langfristigen Verträgen eingekauft haben. Eine Umfrage des VSE vom Mai 2022 zeigt auf, dass vier von fünf EVU den Strom mehrheitlich auf dem Markt einkaufen und somit in erster Linie als Stromverteiler agieren. Diese können je nach Vertragsdauer und Konditionen die Preise im Moment noch tief halten. Das kann sich aber nach Auslaufen der Verträge schnell ändern.
 
Nachhaltige Stromproduktion kann Preislage stabilisieren
Private Haushalte können als sogenannt gefangene Kunden den lokalen Anbieter nicht wechseln. Teilweise erscheint es verlockend, jetzt auf etwas günstigere Graustromprodukte zu wechseln, welche einige Versorger anbieten. Aber gerade dieses Produkt kommt oft aus dem Ausland und trägt nichts zu einer langfristig sicheren, zahlbaren Schweizer Stromversorgung bei. Nur ein massiver Ausbau der günstigen Solar- und Windkraftwerke kann uns dauerhaft vor den Unsicherheiten des globalen Strommarktes schützen. Deshalb macht es weiterhin Sinn die lokalen Öko- und Grünstromprodukte zu kaufen und von seinem lokalen Anbieter einen massiven Ausbau der erneuerbaren Energien zu fordern. «Die Aufschläge der besseren Produkte liegen für eine Familie normalerweise unter 10 Franken pro Monat. Vor allem die Photovoltaik hat Potenzial für einen raschen Ausbau, aber auch Windenergie sollte besser genutzt werden.» sagt dazu myNewEnergy-Geschäftsleiterin Beatrice Jäggi.
 
Die Beispiele (siehe Download) beziehen sich auf einen 4-Personen-Haushalt (zwei Erwachsene, zwei Kinder) mit einem Verbrauch von 3470 kWh / Jahr. Alle Preise sind inkl. MWST und wurden dem Stromvergleich mynewenergy.ch entnommen.
 
Quelle: Über myNewEnergy - mynewenergy.ch
myNewEnergy betreibt einen nachhaltigen und umfassenden Strom-Vergleichsdienst. Neben dem Preis wird auch die Qualität der Produkte berücksichtigt. Neben dem Vergleichsdienst setzt es als Dienstleister auch diverse Projekte im Bereich nachhaltige Energieversorgung um, wie aktuell die Stromlandschaft Schweiz.

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Sonntag, 28. August 2022

Atom-Initiative schadet der Energiewende

Die Initiative des Energie Club Schweiz will das Neubauverbot für Atomkraftwerke aus dem Kernenergiegesetz streichen. Dieses Projekt schadet der Energiewende und verfolgt den einzigen Zweck, von den dringenden energiepolitischen Aufgaben abzulenken. Der Angriff auf das Neubauverbot ist destruktiv und bietet keine Lösungsansätze. Die Schweizerische Energie-Stiftung SES lehnt die Initiative entschieden ab.

2017 haben die Schweizer Stimmberechtigten der Energiestrategie 2050 deutlich zugestimmt. Diese basiert auf den Grundpfeilern Atomausstieg, Förderung erneuerbarer Energien und erhöhter Effizienz im Umgang mit Energie. Stimmbevölkerung, Wissenschaft, Stromwirtschaft und eine breite politische Allianz sind sich einig, dass nur der rasche Zubau erneuerbarer Energieträger eine zuverlässige Stromversorgung der Schweiz garantiert. Die heute lancierte Initiative will diesen Volksentscheid in sein Gegenteil verkehren – ohne praktikable Lösungsansätze zu bieten. Das Resultat wäre Chaos und Unsicherheit in der ganzen Strombranche.

Atomenergie ist der zentrale Risikofaktor
Die Forderung nach neuen Atomkraftwerken ignoriert die Entwicklungen des 21. Jahrhunderts. Die Initiative basiert auf energiepolitischen Maximen der 1970er Jahre und ignoriert eine Reihe von entscheidenden Fakten:

  • AKW stellen bereits heute ein Klumpenrisiko für die Stromversorgung dar – unplanmässige Ausfälle sind kaum zu kompensieren. Die ElCom hat in ihrem Bericht explizit darauf hingewiesen, dass die Strommangelszenarien von AKW-Ausfällen ausgelöst werden. Fabian Lüscher, Leiter Fachbereich Atomenergie der SES kritisiert: «AKW sind in der Stromversorgung der zentrale Risikofaktor und nicht die Lösung.»
  • Neue AKW wären frühestens in 20 bis 25 Jahren einsatzbereit. Sie können bis dahin nichts zur Versorgungssicherheit beitragen. Neue Reaktortechnoloien existieren bisher nur auf dem Papier und stehen noch jahrzehntelang nicht zur Verfügung.
  • Neue AKW sind finanziell kaum zu stemmen und würden auf Kosten des Ausbaus erneuerbarer Energien gehen. Alle grossen Energieversorgungsunternehmen in der Schweiz haben sich klar auf den Atomausstieg zugunsten erneuerbarer Stromproduktion festgelegt und öffentlich bekundet, dass eine AKW-Neubaudebatte der Energiewende in der Schweiz schadet.
  • Weder Energieversorgungsunternehmen noch Banken und Versicherungen sind bereit in neue AKW zu investieren, allfällige ausländische Investoren würden immense Abhängigkeiten schaffen.
  • AKW schaffen jahrzehntelange Pfadabhängigkeiten und schränken damit die Entscheidungsfreiheit künftiger Generationen enorm ein.

Problembehaftete Technologie
Der Krieg in der Ukraine führt uns wieder in aller Deutlichkeit vor Augen, welche Gefahren von Atomkraftwerken ausgehen. Die absolute Sicherheit gibt es nicht – weder bei bestehenden noch künftigen Reaktoren. Auch die radioaktiven Abfälle verschwinden nicht, egal auf welchen Reaktortyp gesetzt würde. Fabian Lüscher, Leiter Fachbereich Atomenergie der SES macht klar: «Selbst nach über 50 Jahren Kernenergie in der Schweiz haben wir keine sichere Entsorgung für radioaktive Abfälle gefunden. Das Kapitel Kernenergie muss so bald wie möglich abgeschlossen werden.»  

Atom-Initiative präsentiert Scheinlösung
Die SES lehnt die neue Volksinitiative entschieden ab, weil sie destruktiv ist, keine praktikablen Lösungen für die anstehenden Herausforderungen anbietet und den eingeschlagenen Weg der Energiestrategie sabotiert. Die SES setzt sich dafür ein, den Umbau des Energiesystems mit Nachdruck voranzutreiben – basierend auf den politisch breit abgestützten Pfeilern der Energiestrategie 2050.

Quelle: Schweizerische Energie Stiftung SES

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Freitag, 26. August 2022

Zeit sich zu erinnern (2)

In der aufgeladenen Diskussion um die CH-Energieversorgung sowie die Versorgungssicherheit mit Strom im Winter erinnert Solarmedia, wer was wann gesagt hat - ein Beitrag zur Meinungsbildung rund um Wirtschaftsführer*innen, Journalist*innen und Politiker*innen in der energiepolitischen Diskussion:

- Sonnenkollektoren sind nicht sauber. Sie produzieren 300-mal mehr Giftmüll als hochradioaktiver Atomabfall. Mit einem Unterschied: Während Atommüll sicher gelagert wird und niemanden verletzt, besteht bei der Entsorgung von Solarmodulen eine ... - schrieb Pierre Heumann in der Weltwoche vom 24.8.22 - siehe hier >

- 26.8.22 Kalt duschen mit Doris: Die Alt-Bundesrätin und ehemalige Energieministerin Doris Leuthard sieht die Schweiz punkto Energiewende auf Kurs – obwohl uns wegen Strommangel das grosse Lichterlöschen droht - meint Hubert Moser in Weltwoche daily, siehe hier > 

- 23.8.22 “Die Strompreise bleiben in den nächsten 20 Jahren hoch”, meint Unternehmer Markus Blocher im #srfecotalk siehe hier >

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