Samstag, 16. November 2019

Europäischer Solarpreis für Kirche Ebmatingen

Zuerst der Schweizerische Solarpreis - nun auch noch der europäische! Am Freitag fand im luxemburgischen Esch-sur-Alzette die  Verleihung des Europäischen Solarpreises 2019 für herausragende Leistungen und Engagement im Bereich Erneuerbare Energien statt. Auch dieses Jahr konnte sich trotz sehr starken Konkurrenzprojekten aus verschiedenen EU-Ländern wieder ein Schweizer Projekt durchsetzen.

Vergrössern mit Klick auf Bild !
Die 1989 erstellte Röm.-Kath. Kirche St. Franziskus Ebmatingen (ZH) ist nach der energetischen Sanierung 2018/19 emissionsfrei. Dank erheblich verbesserter Dachdämmung, der solarbetriebenen Erdsonden-Wärmepumpe, der Solarwärmenutzung mit 161 m2 photovoltaisch-thermischen Modulen (PVT) und der LED-Beleuchtung konnte der bisherige Gesamtenergiebedarf von 84’400 kWh/a um rund 35% auf 54’700 kWh/a reduziert werden. Die alte Ölheizung wurde herausgerissen. Damit konnten jährlich 7’000 Liter Heizöl eingespart und 21 t CO2-Emissionen pro Jahr vermieden werden. Die vorbildlich ganzflächig integrierte 90 kW starke PV-Anlage in nord-südlicher Ausrichtung erzeugt 78’900 kWh/a. Damit weist die Kirche eine Eigenenergieversorgung von 221% auf.

Mit dem Schweizer Solarpreis werden Gemeinden, Unternehmen, Eigentümer und Einzelpersonen ausgezeichnet, die sich um einen nachhaltigen Nutzen von Sonnenenergie bemühen. Dabei hat das Beispiel einer Kirchensanierung Eindruck gemacht. Der 29. Solarpreis der Schweiz wurde am 18. Oktober in Genf verliehen. Die Konzeption und Umsetzung innovativer Technologien zur Nutzung erneuerbarer Energien wurde in diesem Jahr unter anderem an die Kirche St. Franziskus Ebmatingen im Pfarrvikariat Maur im Kanton Zürich vergeben. Die römisch-katholische Kirche wurde erst 1989 gebaut. Nach der für 1,2 Millionen Franken erfolgten Renovation in den Jahren 2018/2019 gilt sie sowohl ökologisch als auch energetisch als vorbildlich.  Nun wurden diese Anstrengungen sogar mit dem europäischen Solarpreis honoriert.

Quellen: Solar-Agentur und weitere

^^^ Nach oben

Dienstag, 12. November 2019

Rezepte für Energiewende

Die Schweizerische Energie-Stiftung SES präsentierte am Montag eine neue Studie von Rudolf Rechsteiner, die verschiedene Massnahmen zur Stärkung der Stromerzeugung mit erneuerbaren Energien vorschlägt. Dies ist nötig für die Erreichung des Netto-Null-Ziels des Bundesrats. Die innovativen Vorschläge sind kostengünstig, können rasch umgesetzt werden und berücksichtigen den Schutz der Landschaft. Die Versorgungssicherheit wird so auch bei einer Elektrifizierung von Verkehr und Wärmeversorgung dank inländischer Erzeugung gestärkt.

Rechsteiners Analyse zeigt, dass Solar- und Windstrom sich in den letzten Jahrzehnten zu den günstigsten Technologien für die Stromproduktion entwickelt haben. Doch die Schweiz liegt beim Anteil Wind- und Solarstrom auf Platz 26 in Europa. 2018 sank der Zubau an neuen erneuerbaren Energien gar auf den tiefsten Stand seit Einführung der kostendeckenden Einspeisevergütung (KEV) vor 10 Jahren. Schweizer Energieversorger investieren vorwiegend in den europäischen Nachbarländern in neue Kraftwerke, weil die Investitionssicherheit für erneuerbare Energien dort viel besser ist. Der Ausbau neuer erneuerbarer Energien bleibt also blockiert!
  
Der Blick über die Grenzen zeigt, wie es anders ginge. Die meisten EU-Länder haben die Finanzierung neuer Kraftwerke auf wettbewerbliche Ausschreibungen mit Marktprämien umgestellt. Wenn der Preis an der Strombörse witterungsbedingt unter den wettbewerblichen Zuschlagswert fällt, erhalten die Betreiber eine Marktprämie, die sie vor Preisschwankungen schützt. Die Finanzierung neuer Kapazitäten wird dadurch entscheidend verbilligt und die Gestehungskosten insgesamt werden tiefer gehalten als in der Schweiz. Diese verfügt über einen grossen Handlungsspielraum, um die Investitionssicherheit zu verbessern. Die Konflikte um den Landschaftsschutz können entschärft werden, wenn bereits bestehende Infrastrukturen als Stellflächen für Photovoltaik zugänglich gemacht werden. «Bereits mit dem geltenden Netzzuschlag von 2,3 Rappen pro Kilowattstunde kann die Stromerzeugung im Inland gestärkt und wettbewerbsfähig gestaltet werden», so die Einschätzung von Rechsteiner. «Die im Ausland erprobten Instrumente könnten sofort eingeführt werden.»

Zur Verbesserung der Wettbewerbsposition für Solarstrom wird eine neue Gebührenordnung für die Netznutzung vorgeschlagen, die dem Verursacherprinzip besser Rechnung trägt. Der Transport von Elektrizität soll – wie bei Grossverbräuchen – nur mit den Kosten jener Netzebene belastet werden, die tatsächlich beansprucht wird. Der Kauf und Verkauf von Strom innerhalb des Verteilnetzes (Netzebene 7) würde entlastet. Der Marktwert von dezentral erzeugtem Solarstrom könnte sich so um 5 Rp/kWh verbessern.

Um mehr Standorte für grosse, kostengünstige Photovoltaik-Anlagen nutzbar zu machen, sollen bestehende Infrastrukturen einem Nutzungsrecht unterstellt werden. Die Potenziale sind gross: Dächer und Fassaden von Ställen, Lagerhallen, Parkplätzen, Lärmschutzwände, Zäune und Mauern entlang von Verkehrswegen und wo weiter. «Flächen auf Infrastrukturen der öffentlichen Hand sollten als Cluster ausgeschrieben werden. So erhalten wir billigeren Strom als aus neuen Wasserkraftwerken, auch im Winterhalbjahr», fordert Rechsteiner.

Neben der Ausgestaltung einer Strommarktordnung, die den Ausbau der erneuerbaren Stromerzeugung ermöglicht, gilt es auch, eine weitere politische Stellschraube anzupassen. «Die Ziele für den Ausbau der erneuerbaren Energien in der Schweiz müssen erhöht werden», fordert Felix Nipkow, Leiter Fachbereich erneuerbare Energien bei der SES. «Sie tragen den Klimazielen ungenügend Rechnung.» Bis 2035 brauche es eine Verzweieinhalbfachung der angestrebten 11,4 TWh auf 26 TWh und bis 2050 solle ein neues Ziel von 45 TWh anvisiert werden, so die Forderung der SES. Zudem gilt es, die Effizienzpotenziale besser auszunutzen: Eine 100% erneuerbare Energieversorgung soll die Messlatte setzen. Die anstehenden Revisionen des Stromversorgungs- und des Energiegesetzes bieten die politischen Hebel hierzu.

Quelle: Schweizerische Energie-Stiftung SES

^^^ Nach oben

Donnerstag, 7. November 2019

EKZ investiert in riesige Solaranlage in Spanien

EKZ - die Elektrizitätswerke des Kantons Zürich - haben das Photovoltaik-Projekt «Algibicos» in der Region Murcia, in Spanien von der Basler Aventron AG erworben. Die 49 Megawatt-Anlage soll Ende 2020 in Betrieb gehen und erhält keinerlei staatliche Unterstützung, d.h. der Strom wird am Markt verkauft. Mit dem Kauf von «Algibicos» setzt EKZ erneut auf die Kraft der spanischen Sonne und ergänzt damit ihr Portfolio erneuerbarer Sonnenenergie. Bisher hatte EKZ vor allem in Windkraftanlagen im Ausland investiert.

Die Freiflächen-Solaranlage entsteht in der Nähe der Stadt Murcia, im Südosten Spaniens. Der Start der Bauarbeiten ist für das erste Quartal 2020 vorgesehen. Die Aufnahme des
Vergrössern mit Klick auf Grafik !
kommerziellen Betriebs wird im vierten Quartal 2020 erwartet. Um die Produktion zu erhöhen, sind einachsig bewegliche Modulträger vorgesehen, um die PV-Module tagsüber der Sonne nachzufahren. Die Anlage wird jährlich 92 GWh sauberen Strom erzeugen, was dem Strombedarf von rund 20 500 Haushalten entspricht. Da in Spanien PV-Projekte keine staatlichen Einspeisevergütungen – sogenannte «Feed-in tariff» (FIT) – mehr erhalten, wird der zukünftig produzierte Strom am Markt abgesetzt.

Das Angebot an neuen Photovoltaik-Projekten war in den letzten Jahren gering, da ohne FIT keine ausreichenden Renditen möglich waren. Die Produktionskosten für Strom aus neuen PV-Anlagen sind jedoch kontinuierlich gesunken, sodass diese nun auf der sonnenreichen iberischen Halbinsel PV-Anlagen unter den Strommarktpreisen liegen und einen rentablen Betrieb der Anlagen ermöglichen. Die langfristigen Produktionsprognosen sind zuverlässiger als bei Windenergie und die Produktionsschwankungen geringer. Das Auslandsportfolio von EKZ beinhaltet eine Beteiligung an einer solarthermischen Anlage in Spanien und Windkraftanlagen in Portugal, Italien, Deutschland und Frankreich, welche alle von einem staatlichen FIT profitieren. Die entstehende Anlage ist mehr als fünfmal so gross wie jede in der Schweiz....

Quelle: EKZ / Solarmedia

^^^ Nach oben

Mittwoch, 6. November 2019

Grosse Power-to-Gas-Anlage in Dietikon (ZH)

Die Trägergemeinden von Limeco haben dem Bau einer industriellen Power-to-Gas-Anlage zugestimmt: Aus Abfall und Abwasser produziert sie erneuerbaresGas. Das Hybridkraftwerk ist ein Novum in der Schweiz. Es entsteht in Kooperation mit Swisspower in Dietikon im Kanton Zürich. 

Visualisierung der industriellen
Power
-to-Gas-Anlage
auf dem Areal von Limeco in -
Vergrössern mit Klick auf Bild !
Mit der Energiestrategie 2050 setzt die Schweiz auf den Atomausstieg, die Reduktion von Treibhausgasen und den Ausbau von erneuerbarer Energie wie Solar- oder Windkraft. Die grösste Herausforderung dabei lautet: Wie lässt sich die saubere Energie speichern? Power-to-Gas ermöglicht Speicherung von erneuerbarer Energie. Ein ganzheitlicherAnsatz ist die sogenannte Sektorkopplung: die Energiesektoren Strom, Wärme und Mobilität werden nicht einzeln und isoliert betrachtet, sondern als Gesamtsystem

Power-to-Gas ist eine verbindende Technologie in diesem System und funktioniert folgendermassen: Bei der Kehrichtverwertung erzeugter Strom wird zu Wasserstoff umgewandelt und mit Klärgas aus der Abwasserreinigungsanlage gemischt so entsteht erneuerbares Gas. Ins bestehende Gasnetz eingespeist, ersetzt es fossile Energieträger. Aus Abfall und Abwasser wird ein umweltschonender Energieträger, der genau dann zur Verfügung steht, wann und wo er gebraucht wird zwei Fliegen auf einen Streich. 

Perfekter Standort in Dietikon: Zusammen mit Swisspower, der Allianz von 22 Stadtwerken, realisiert Limeco auf ihrem Areal in Dietikon die erste industrielle und wirtschaftlich betriebene Power-to-Gas-Anlage der Schweiz. Thomas Di Lorenzo, Leiter Abwasserwirtschaft bei Limeco: «Wir engagieren uns tagtäglich für die saubere Zukunft. Die Energiewende ist ein Teil davon. Mit Strom aus unserer Kehrichtverwertungsanlage und dem Klärgas aus unserer Abwasserreinigungsanlage liefern wir die zwei wichtigsten Zutaten im Power-to-Gas-Prozess und zwar am gleichen Standort! Darum macht das erste Schweizer Hybridkraftwerk genau hier in Dietikon Sinn.» Der Baustart war im Herbst 2018, die Inbetriebnahme im Sommer 2019 geplant. Durch die Verbrennung von erneuerbarem Gas anstelle von Heizöl entstehen jährlich 4'000-5'000 Tonnenweniger CO2-Emissionen, was dem Verbrauch von ungefähr 2'000 Haushaltungen entspricht. 

Grosses Potenzial für mehr erneuerbares Gas in der Schweiz: Von den Erkenntnissen des Leuchtturmprojekts sollen andere Stadtwerke und Energieversorger profitieren können. «Mit Power-to-Gas-Anlagen werden wir in Zukunft doppelt so viel erneuerbares Gas erzeugen», sagt Thomas Peyer, Leiter Energiedienstleistungen bei Swisspower. «Die 100 grössten Schweizer Abwassereinigungsanlagen bieten einen idealen Standort für Power-to-Gas-Anlagen. Damit könnte in Zukunft der Energieverbrauch von über 250'000 Personen gedeckt werden. 

Samstag, 2. November 2019

Die Sonne gewinnt !

Seit dem Jahr 2.000 wurde die Solarenergie-Gewinnung weltweit etwa um das 200-fache gesteigert, die Windenergie-Gewinnung um das 30-fache. Der Siegeszug der Erneuerbaren Energien ist nicht mehr zu stoppen. Sie haben global die Nische verlassen. Und was für Deutschland gilt, gilt in übertragenem Sinn auch für die Schweiz. Ein Kommentar von Franz Alt.

Seit sechs Jahren wird bereits Jahr für Jahr mehr in die Erneuerbaren investiert als in die alten fossil-atomaren Technologien. Am Anfang der Entwicklung waren Solar- und Windstrom – wie bei allen neuen Technologien – noch sehr teuer. Im Jahr 1990 kostete in Deutschland die Produktion einer Kilowattstunde Solarstrom ca. einen Euro. Im Jahr 2000 noch 70 Cent, heute sind wir in Deutschland bei 4.9 Cent, in Afrika, in Südasien oder in der Wüste Chiles bei ca. zwei Cent. Die Regierung Saudi-Arabiens hat angekündigt, bis zum Jahr 2025 Solarstrom für einen Cent pro Kilowattstunde produzieren zu können. Die entsprechende Anlage soll dann eine Leistung von 200 Gigawatt liefern. Das entspricht etwa der Leistung von 70 Atomkraftwerken. Das ist dann das Solarzeitalter.

Das Solarzeitalter beginnt
Es ist völlig klar, wem die Zukunft gehört. Warum? Sonne und Wind sind Geschenke des Himmels. Die Solarindustrie boomt weltweit, sie erreichte in Deutschland 2018 ein Plus gegenüber dem Vorjahr von 30%. Aber hierzulande strauchelt die Windenergie. Im ersten Halbjahr 2019 wurden in Deutschland 82% weniger Windräder erstellt als im Vorjahr. Hauptursache: Bürokratische Willkür und kurzsichtiger Widerstand aus der Bevölkerung.

Seit 2006 sind die Preise für Photovoltaik-Anlagen um sensationelle 90% gefallen. Eine einmalige Erfolgsgeschichte. Ein Solarpark läuft 30 bis 40 Jahre – wartungsarm, während ein Windpark mit beweglichen Windflügeln wartungsintensiv ist. Die Planungszeit für einen Windpark dauert zurzeit in Deutschland sechs Jahre. Ein Solarpark kann nach einem Jahr gebaut werden.

Sechs Kilowatt solare Leistung auf dem Dach reichen aus für eine vierköpfige Familie samt Solarauto. Das Tanken eines Benziners kostet etwa fünfmal mehr an der Zapfsäule als der Strom auf dem eigenen Dach. Das spricht sich allmählich herum. Und dafür braucht man etwa 40 Quadratmeter Dachfläche. Die Installation dauert ein bis zwei Tage. Inzwischen haben in Deutschland 1.6 Millionen Dächer Solaranlagen. Das heißt aber auch: 85% unserer Dächer stehen noch völlig umsonst in der Gegend herum, obwohl die Sonne auf fast jedes Dach scheint. Warum eigentlich?

Auch die Speichermöglichkeiten für Solarstrom haben sich verbessert. Zu den heute gekauften Solarstromanlagen werden in Deutschland bereits meist auch die Speicher dazu gekauft. Die Batterien stehen im Keller. Hinzu kommt: Immer mehr Landwirte treiben jetzt doppelte Landwirtschaft. Auf dem Boden klassische Landwirtschaft und sechs oder acht Meter darüber eine aufgeständerte Solaranlage. Bauern können auf derselben Fläche ihren Ernteertrag jetzt verdoppeln. Das hat Zukunft.

Photovoltaik-Anlagen sind recycelbar
Und das Recycel-Problem? Dazu Andreas Bett vom Fraunhofer-Institut gegenüber der „Welt“: „Solarmodule sind zu 100 Prozent recycelbar. Sie enthalten keine giftigen Stoffe“. Endlich hat auch die Groko in Berlin alle Vorteile der Solarenergie verstanden: Im Klimaschutzpaket soll der Anteil des Solarstroms bis 2030 von 49 Gigawatt auf 98 verdoppelt werden. Warum aber nicht verdreifacht oder verfünffacht? Die Dachflächen sind vorhanden.

Die gesamte Symphonie der Erneuerbaren
Für eine zuverlässige Stromversorgung brauchen wir künftig einen intelligenten Mix aller erneuerbaren Quellen: Sonne, Wind, Wasserkraft, Bioenergie, Geothermie sowie Strömungs- und Wellenenergie der Ozeane. Sozusagen die gesamte Symphonie der Erneuerbaren. Was früher als zu teuer und als unzuverlässig galt, ist heute Zukunft. Sonne und Wind und Co sind zuverlässiger als das Gas von Wladimir Putin oder das Öl der Saudis, was ohnehin in wenigen Jahrzenten zu Ende geht. Alle erneuerbaren Energiequellen haben wir noch einige Milliarden Jahre - umweltfreundlich, klimaneutral und preiswert. Worauf warten wir eigentlich noch?