Montag, 16. Juli 2018

D: Bereits Millionen ernten Solarenergie

Mehr als zehn Millionen Menschen in Deutschland nutzen bereits Solarenergie. In der Schweiz dürften es immerhin Zehntausende sein. Zudem wollen im nördlichen Nachbarstaat die Bundesländer aktiver bei der Förderung der Solarenergie werden - da könnten sich die Schweizer Kantone etwas abschauen!

Fast überall in Deutschland scheint die Sonne an diesen Sommertagen länger als zwölf Stunden täglich, wie der Bundesverband Solarwirtschaft in einer Medienmitteilung festhält. Bereits mehr als zehn Millionen Menschen nutzen diese kostenlose Energie für die Strom- oder Wärmeversorgung des eigenen Hauses – oft sogar auch nach Sonnenuntergang. „Mit einer Photovoltaik-Anlage kann man auf dem eigenen Dach bereits ab zehn Cent pro Kilowattstunde klimafreundlichen Solarstrom erzeugen. Das ist unschlagbar preiswert“, sagt Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Solarwirtschaft (BSW-Solar). „Die rund 30 Kilowattstunden, die eine typische Hausdachanlage an einem sonnigen Tag wie heute erzeugt, reichen zum Beispiel für eine 200-Kilometer-Tour mit dem Elektroauto.“ Gesunkene Anlagenpreise sorgen für einen starken Nachfrageschub. Allein in den ersten fünf Monaten dieses Jahres wurden Solarstromanlagen mit einer Gesamtleistung von rund 1 Gigawatt installiert – über 40 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.
 
Immer mehr Menschen komplettieren ihre Photovoltaik-Anlage mit einem Solarstromspeicher. So können sie den günstigen und klimafreundlichen Strom aus eigener Erzeugung auch nach Sonnenuntergang nutzen. Für den Strom, den sie nicht selbst verbrauchen, erhalten sie eine für zwanzig Jahre garantierte Einspeisevergütung. Dachflächen bieten in aller Regel ausreichend Platz, die Sonnenenergie nicht nur zur Stromerzeugung, sondern mithilfe solarthermischer Kollektoren auch zur kostengünstigen Warmwasserbereitung und Heizungsunterstützung zu nutzen. 

Millionen Menschen setzen aber bereits auch auf Solarwärmeanlagen. Energiespeicher gelten dabei längst als Standard. Körnig: „Eine Solarwärmeanlage sorgt zuverlässig und umweltfreundlich für warmes Wasser. Im Sommerhalbjahr kann sie die Aufgabe des Heizkessels oft komplett übernehmen und den Brennstoffverbrauch auf null senken. In den Übergangszeiten und an sonnigen Wintertagen kann sie, je nach Größe und Auslegung, die Raumheizung unterstützen.“ Der Staat unterstützt den Einbau einer Solarwärmeanlage in Bestandsgebäude mit großzügigen Zuschüssen von bis zu 3.600 Euro. „Jetzt ist der ideale Zeitpunkt, sich bei einem Fachbetrieb über die vielen Möglichkeiten zu informieren, um noch vor Beginn des Herbstes auf Solarenergie umzusteigen“, so Körnig. 

Auch wollen immer mehr deutsche Bundesländer die Solarenergie aktiv fördern. Als drittes nach Bayern und Baden-Württemberg will Hessen künftig Standorte auf sogenannten „benachteiligten Flächen“ für Solarkraftwerke zur Verfügung stellen. Dabei handelt es sich um ertragsschwache landwirtschaftliche Flächen. Der Bundesverband Solarwirtschaft begrüßt dieses Ansinnen und geht davon aus, dass weitere Bundesländer in den nächsten Monaten folgen werden und in erforderlichem Umfang Flächen für die Solarstromerzeugung bereitstellen.

Kompetente Handwerksbetriebe für Deutschland findet man auf solartechnikberater.de - für die Schweiz unter Solarprofis auf swissolar.ch

Quellen: Bundesverband Solarwirtschaft 2018 und sonnenseite.com

Mittwoch, 11. Juli 2018

Grosse Solaranlagen braucht das Land

Die am Mittwoch veröffentlichte Sonnenenergie-Markterhebung für das Jahr 2017 widerspiegelt die schwierige Marktsituation vor Inkrafttreten der Energiestrategie 2050. Besonders augenfällig ist der durch fehlende Förderung bedingte Markteinbruch um fast ein Drittel bei den mittleren und grossen Photo-voltaikanlagen gegenüber dem Jahr 2016. 

Auch wenn für das laufende Jahr eine Erholung zu erwarten ist, bleibt die Marktsituation für Grossanlagen schwierig. Der Fachverband der Solarindustrie, Swissolar, fordert deshalb eine Verkürzung der bis zu 6-jährigen Wartefrist für die Einmalvergütung. Ein Lichtblick ist das leichte Wachstum bei der Solarwärme.

Am Mittwoch wurde die von Swissolar durchgeführte und vom BFE (Bundesamt für Energie) plausibilisierte Markterhebung Sonnenenergie 2017 veröffentlicht. Sie betrifft ein Jahr, das wegen der Diskussion über die Energiestrategie 2050 von fehlender Förderung und grosser Unsicherheit und geprägt war. Die Photovoltaik (PV)-Verkaufszahlen sanken gegenüber dem Vorjahr um 9% auf 241 Megawatt, was etwa einer Fläche von 225 Fussballfeldern  (ca. 1.5 Mio. m2)  neu installierten Modulen) entspricht. Verursacht wurde der Rückgang durch die letztes Jahr fehlende Förderung bei mittleren und grossen Anlagen über 30 kW Leistung (-31%). Besonders dramatisch war die Entwicklung bei Anlagen über 1 Megawatt Leistung (-73%). Die Analyse nach Art der Anlagen zeigte den grössten Rückgang bei Industrie und Gewerbe (-23%) und Landwirtschaft (-33%). In diesen Bereichen existieren viele grosse, bestens geeignete Dächer. 
 
Demgegenüber legte das Marktsegment der PV-Kleinanlagen (unter 30 kW Leistung, ca. 200 m2) um 38% massiv zu. Dies insbesondere bei Anlagen auf Einfamilienhäusern (+28%) und Mehrfamilienhäusern (+14%). Es zeigt sich, dass Photovoltaikanlagen auf neuen Wohnhäusern und bei Sanierungen heute zum Standard gehören. (2017 wurden 9131 PV-Anlagen auf Einfamilienhäusern installiert, während im gleichen Zeitraum rund 7000 neue EFH gebaut wurden.) 

Um 5% leicht zugelegt haben auch Kollektoranlagen zur Nutzung der Solarwärme – zum ersten Mal nach vier Jahren rückläufigen Marktes. Der Grund dafür ist die wachsende Beliebtheit solcher Anlagen zur Wassererwärmung in Mehrfamilienhäusern (+35% gegenüber Vorjahr, bezogen auf die Fläche). 

Es braucht mehr Schub für grosse Photovoltaikanlagen: 
Swissolar geht für das laufende Jahr von einem leichten Wachstum bei der Photovoltaik aus. Trotz der seit Jahresbeginn für alle Anlagengrössen verfügbaren Einmalvergütung bleibt die Marktsituation für Grossanlagen schwierig. Als Grund ist einerseits die lange Wartefrist für Neuanmeldungen für die «grosse Einmalvergütung» von mindestens sechs Jahren zu nennen. Swissolar fordert das Bundesamt für Energie auf, diese Frist durch eine Umverteilung der verfügbaren Mittel auf maximal zwei Jahre (wie bei der «kleinen Einmalvergütung») abzusenken. 
 
Ein weiterer Grund liegt in den vielerorts sehr tiefen Rückliefertarifen für nicht selbst verwendeten Strom. Diese zwingen Betreiber dazu, ihre Anlagen möglichst klein zu dimensionieren. Die Folge sind die vielerorts bereits sichtbaren (z.B. auf landwirtschaftlichen Bauten) eigenverbrauchsoptimierten Solaranlagen, die nur einen kleinen Teil der verfügbaren Dachfläche nutzen. Dies läuft den Zielen der Energiestrategie 2050 und den Erfordernissen des Pariser Klimaabkommens zuwider und ist auch volkswirtschaftlich unsinnig. Für die Erreichung der Ziele braucht es zwingend einen stärkeren Ausbau der Grossanlagen auf Industrie-, Gewerbe-, Dienstleistungs- und Landwirtschaftsbauten. Swissolar fordert deshalb von den Energieversorgern faire, der Energieverordnung entsprechende Rückliefertarife für Solarstrom. 
 
Die 2017 installierte Anzahl Batteriespeicher verdreifachte sich im Vergleich zum Vorjahr. Im Vergleich zu Deutschland werden in der Schweiz jedoch immer noch viermal weniger Batteriespeicher pro Kopf installiert als in Deutschland. Swissolar rechnet mit einer schnell wachsenden Nachfrage aufgrund des Preiszerfalls bei Batterien. Dank optimiertem Eigenverbrauch werden Stromspeicher zusehends wirtschaftlich.  

Solarwärme bleibt interessant – die Kantone sind gefordert: Bei der Solarwärme geht Swissolar für 2018 von einem stabilen Markt aus. Positive Effekte sind insbesondere von den laufenden Revisionen der kantonalen Energiegesetze zu erwarten. Diese sehen vor, dass bei Heizungssanierungen mindestens 10% der benötigten Energie mit erneuerbaren Energien abgedeckt werden muss. Sonnenkollektoren in Kombination mit fossilen Heizungen sind dafür besonders geeignet. Es ist jedoch von zentraler Bedeutung, dass die Kantone diese bis 2020 fälligen Revisionen nun ohne weitere Verzögerungen anpacken. 

> Zur Markterhebung Sonnenenergie 2017 
> Foto: Tissot-Arena in Biel, grösste Anlage auf einem Fussballstadion. © Schweizer Solarpreis

Quelle: Swissolar

Samstag, 7. Juli 2018

Tübingen überall !

Die süddeutsche Universitätsstadt Tübingen führt eine Solarpflicht ein - Tübingen will mit seinen neuen Vorschriften, dass sich möglichst viele Bürgerinnen und Bürger am Erreichen der Klimaschutzziele beteiligen. Ein Kommentar des Energiepublizisten Franz Alt zu einem Vorgang, der so auch in der Schweiz stattfinden könnte / sollte...

Nicht dutzendemal, sondern hundertemal wurde ich in den letzten Jahrzehnten gefragt: „Warum werden bei Neubauten Solaranlagen nicht vorgeschrieben?“ Ja warum wohl? Ein grüner Bürgermeister in Kassel hat es mal mit einer solchen Vorschrift versucht. Er wurde von seiner hessischen Landesregierung ausgebremst mit der Begründung, eine solche Vorschrift sei „Ökodiktatur“.
 
In Bayern gibt es meines Wissens zwei kleine Kommunen, die solche sinnvollen Vorschriften für Neubaugebiete mit Erfolg erlassen haben. Jetzt aber ist Tübingen die erste größere deutsche Stadt, die mit ihrem grünen Oberbürgermeist Boris Palmer und der Mehrheit des Stadtrats beschlossen hat: Neubauten werden nur noch zusammen mit Solarstromanlagen genehmigt. Architekten müssen also endlich lernen, wo Süden ist. Die bisherigen Ausreden der Kommunalpolitiker: Die Bauordnung lässt eine solche Vorschrift nicht zu, Denkmalschutz verbiete PV-Anlagen, Solarstrom sei zu teuer, eine PV-Vorschrift wäre „Ökodiktatur“ oder ähnlicher Unsinn. In Deutschland ist noch immer kein Argument zu doof, um nicht gegen die Energiewende ins Feld geführt zu werden.

Photovoltaik-Anlagen rechnen sich, seit es in Deutschland das Erneuerbare-Energien-Gesetz im Jahr 2000 gibt. Viele Hausbesitzer und Energiegenossenschaften haben sogar ordentliches Geld damit verdient oder gespart. Tübingen will mit seinen neuen Vorschriften, dass sich möglichst viele Bürgerinnen und Bürger am Erreichen der Klimaschutzziele beteiligen. Was das Problem von allen ist, muss auch von allen gelöst werden. Die Stadt am Neckar hat sich zum Ziel gesetzt, die CO2-Emissionen bis 2022 um ein Viertel zu senken – gemessen an 2014.

Windräder können in Städten nur in begrenzter Zahl aufgestellt werden, Wasserkraft ist in Tübingen ausgeschöpft und auch Bioenergie natürlich begrenzt. Also bleiben die Dächer und Fassaden für Solaranlagen. Hier liegt das größte bisher ungenutzte Potential. Die Sonne scheint auf jedes Dach, kostenlos, umweltfreundlich und nahezu für alle Zeit. Aber der Preis für die Anlagen? Es ist ein nahezu unausrottbares Vorurteil der Ignoranten, dass Solarstrom zu teuer sei.

Preiswerte Sonnenenergie: Dabei ist in den meisten Ländern der Welt die Sonnenenergie bereits die preiswerteste Energiequelle und wird immer billiger. Eben weil die Sonne keine Rechnung schickt. Und sie hat so gut wie keine Folgekosten im Gegensatz zur alten, fossil-atomaren Energieversorgung. Die Stadtwerke Tübingen machen Hausbesitzern, die selbst nicht investieren wollen, ein Angebot: Die Dachflächen Anderen zur Verfügung zu stellen. Pachtmodelle sollen ermöglicht werden.  

Die Stadtwerke Tübingen bieten auch an, die Anlagen selbst zu finanzieren und zu warten. Ein gutes Geschäft. Oberbürgermeister Palmer rechnet damit, dass seine Bürger mitmachen – schon des Preisvorteils wegen. Das  Benutzen eines Elektroautos mit selbst erzeugtem Solarstrom macht den Ökostrom noch preiswerter. Er kostet höchstens ein Drittel dessen, was die Autofahrer bisher an der Tankstelle bezahlt haben.

Tübingen sollte jetzt überall werden. Es gibt keine Ausreden mehr - Anmerkung Solarmedia: So auch in der Schweiz!
  • taz "Photovoltaikpflicht in Tübingen - Sonne darf nicht mehr nur so scheinen"
  • Boris Palmer zur neuen Photovoltaik-Pflicht in Tübingen | Interview: Die Stadt will nur dann zum Bau einer Solaranlage verpflichten, wenn es sich für Bauherren oder Mieter wirtschaftlich rechnet. Nach Ansicht des Tübinger Oberbürgermeisters Boris Palmer (Bündnis 90/Die Grünen) ist das in den meisten Fällen so, gerade wenn der Solarstrom vom Dach selbst verbraucht wird. Dadurch, dass die Pflicht für Neubauten zur Photovoltaik-Nutzung in Grundstückskaufverträgen und städtebaulichen Verträgen festgeschrieben wird, erwartet Palmer, dass sie nicht wie in Marburg vor acht Jahren geschehen, vor Gericht scheitern wird.

Freitag, 6. Juli 2018

Siehe auch links/rechts

Liebe Leserin, lieber Leser
Solarmedia freut sich über Ihr ungeteiltes Interesse an Meldungen und Berichten aus der weltweiten Solarwirtschaft. Zur Ergänzung dienen die Hinweise in der ganz linken und der rechten Spalte des Blog Solarmedia. Sie verlinken auf interessante Artikel internationaler Medien zu den Themen Solarwirtschaft, Energie sowie Nachhaltigkeit allgemein (aktuell zu stromerzeugenden Fensterfolien, Öl-Milliardären mit speziellen Interessen und die Bewegung der langsamen Städte in der Toskana - linke Spalte) sowie Finanz-Anlage und Vorsorge (rechte Spalte). Viel Vergnügen sodann mit der Bilderspalte (zweite von links), die auf Photographien internationaler KünstlerInnen wie auf Bilder des Solarmedia-Autors hinweist! Und wer es ganz aktuell mit täglich vielen Tweets haben will, wähle den Twitter-Bottom oberhalb der Bilder-Spalte oder ganz einfach twitter.com/rehsche.

Dienstag, 3. Juli 2018

1.Halbjahr: Solarstrom-Rekord in Deutschland

Solarkraftwerke in Deutschland erzeugen im ersten Halbjahr 2018 acht Prozent mehr Strom als 2017 / Für die Umsetzung der Klimaziele muss das Ausbautempo jedoch vervielfacht werden / Sonderausschreibungen müssen rasch umgesetzt werden / Gern wüsste man solche Zahlen auch für die Schweiz. 

Die Betreiber der in Deutschland installierten über 3,5 Millionen Solaranlagen können sich im ersten Halbjahr 2018 über eine Rekordernte freuen. So lag allein die Produktion von Solarstrom mit rund 23,6 Terrawattstunden fast acht Prozent über dem ersten Halbjahr 2017. Das geht aus aktuellen Berechnungen des Bundesverbandes Solarwirtschaft (BSW) hervor. Die gute Sonnenernte der letzten Monate sind das Resultat eines ungewöhnlich sonnenreichen Frühjahrs und einer anziehenden Nachfrage. Die Vereinigung der führenden Solar- und Speicherunternehmen fordert die Bundesregierung auf, die Potenziale der inzwischen überaus preiswerten Solartechnik noch deutlich stärker zu nutzen, um die Klimaziele zu erreichen. 

"Rund 10 Millionen Menschen profitieren in Deutschland bereits unmittelbar von den Vorzügen der Solarenergie. Für eine erfolgreiche Umsetzung der Klimaziele muss ihr Ausbautempo aber vervielfacht werden", sagt BSW-Hauptgeschäftsführer Carsten Körnig. "Dabei mangelt es weder an Sonne, intelligenten technischen Lösungen, noch an der Investitionsbereitschaft von Verbrauchern und Unternehmen, sondern oft an fairen Marktbedingungen und der klimapolitischen Durchsetzungskraft", so Körnig. Der BSW fordert die Bundesregierung auf, die im Koalitionsvertrag angekündigten Sonderausschreibungen von vier Gigawatt Solarstromleistung in den kommenden beiden Jahren ohne Abstriche umzusetzen und durch den Abbau von Investitionsbarrieren auch in den Folgejahren deutlich mehr Solaranlagen zu installieren. 

Die deutsche Bundesregierung müsse das jährliche Photovoltaik-Ausbauziel von 2,5 Gigawatt auf rund 10 Gigawatt erhöhen und den im EEG verankerten 52-Gigawatt-Zubaudeckel noch in diesem Jahr ebenso streichen wie die diskriminierende finanzielle Belastung von Mietern und Unternehmen, die sich selbst oder im ökologischen Quartiersverbund mit Solarenergie versorgen wollen, so die Forderung des Bundesverbandes. Körnig: "Diese Beschränkungen stammen aus einer Zeit, als Solarenergie noch teuer war. Inzwischen ist Solarstrom bei Preisen von 5-10 Cent je Kilowattstunde aber preiswerter als Strom aus vielen anderen neuen Kraftwerken. Es gibt überhaupt keinen Grund, den Ausbau noch zu deckeln, wenn wir nicht sehenden Auges das Klimaproblem weiter verschärfen und in eine Ökostrom-Lücke hineinlaufen wollen." Allein die Elektrifizierung des Autoverkehrs führe zu einem wachsenden Bedarf an Erneuerbaren Energien. 

Quelle: www.solarwirtschaft.de


^^^ Nach oben

Montag, 2. Juli 2018

Mehr Sonnenwärme für grosse Gebäude

Für einmal gibt es ausführliche Angaben zur weltweiten Nutzung der Solarthermie - im Hinblick auf die Energiewende eine der zentralen Komponenten. Mit 472 GWth bis Ende 2017 addierten sich solare Wärme und Kälte erneut zum größten Solarsektor weltweit, gefolgt von der Photovoltaik (402 GWp) und der Solarkraftwerke (5 GWel). 

Der neue Report Solar Heat Worldwide betont die zunehmende Nutzung von Megawattanlagen für die solare Beheizung und Kühlung großer öffentlicher und privater Gebäude sowie von Fabriken. Das IEA Solar Heating and Cooling Program (IEA SHC) hat den Jahresbericht Ende Mai veröffentlicht. Hauptautor ist das österreichische Forschungsinstitut AEE INTEC. Mit Daten aus 66 Ländern ist Solar Heat Worldwide der umfassendste Solarwärme-Report. Im Jahr 2016 beschäftigte der globale Solarthermie-Sektor 708.000 Menschen und erreichte einen weltweiten Umsatz von 16 Milliarden Euro (dies sind die aktuellsten verfügbaren Zahlen). 

"Angetrieben von wirtschaftlicher Wettbewerbsfähigkeit, starken Technologielieferanten und Richtlinien zur Reduzierung der Luftverschmutzung erlebten neue Solarwärme-Anlagen für Industrieprozesse 2017 ein Rekordjahr", sagte Ken Guthrie, Vorsitzender des IEA SHC-Programms. Insgesamt wurden 124 neue Großanlagen in Betrieb genommen. Die meisten Installationen entstanden in Indien und Mexiko. Solarwärme für Industrieprozesse ist ein globales Geschäft – die größten Anlagen haben letztes Jahr in Oman, China und Afghanistan ihren Betrieb aufgenommen. Bei dem Projekt in Oman handelt es sich um vier Parabolrinnenkollektor-Felder mit einer Leistung von insgesamt 100 MWth, die in Glashäusern aufgestellt sind. Der Solardampf ersetzt Gaskessel und wird in den Boden gepumpt, um erwärmtes Rohöl leichter zu fördern.

Steigende Nachfrage nach Großanlagen für solare Fernwärme und große Wohn-, Gewerbe- und öffentliche Gebäude weltweit – jährlicher Zuwachs und kumulierte Fläche in Betrieb im Jahr 2017 (Quelle: Solar Heat Worldwide 2018)
"Immer mehr Länder erkennen, dass solare Fernwärme der kostengünstigste Weg ist, den Heizungssektor zu entkarbonisieren", erklärt Guthrie. In Frankreich, Serbien, Australien und Kirgisistan wurden die ersten SDH-Anlagen über 500 m² (350 kWth) in Betrieb genommen. Insgesamt wuchs die solare Fernwärme im Jahr 2017 um 15 große Anlagen – vor allem in den etablierten Märkten wie Österreich, China, Dänemark, Deutschland und Schweden. Erstmals kamen Parabolrinnenkollektor-Technologien zur Einspeisung von Solarenergie in Fernwärmenetze zum Einsatz. Die größte Anlage läuft seit Oktober 2016 in der Inneren Mongolei, China) (75.000 m²), gefolgt von einer dänischen Installation mit 26.929 m² in der Gemeinde Brønderslev.

Aufgrund des zunehmenden Wettbewerbs mit anderen erneuerbaren Heiztechnologien im Wohnungssektor und der anhaltend niedrigen Energiepreise ging die Anzahl der Solarwärmeanlagen in China und Europa zurück. Folglich sank die 2017 weltweit neu installierte Solarthermie-Kapazität mit rund 35 GWth im Vergleich zum Vorjahr um 4,2 %. In China hat sich der rückläufige Trend der vergangenen Jahre 2017 allerdings etwas abgeflacht. Grund dafür war die steigende Nachfrage nach solarer Heizung und Warmwasserbereitung für große Immobilienprojekte. Nach einem Rückgang von 15 % im Jahr 2015 und 9 % 2016 sanken die Neuinstallationen 2017 in China lediglich um 6 %.
Marktwachstum konnten Indien (26%), Mexiko (7%) und die Türkei (4%) verzeichnen. Alle drei Märkte verfügen über wettbewerbsfähige Lösungen für den privaten Wohnbereich und verzichten auf direkte Förderprogramme. Daher ist es nicht verwunderlich, dass die solaren Wärmepreise in Indien und der Türkei mit 2 bis 3 €-ct/kWh gemäß der Berechnungen der Wärmegestehungskosten in Kapitel 5 am niedrigsten sind. Am oberen Ende der Kostenskala liegen Frankreich mit 19 €-ct/kWh für kleine Anlagen und 14 €-c /kWh für Mehrfamilienhäuser sowie Dänemark mit 16 beziehungsweise 12 €-ct/kWh.

China und Europa waren erneut die größten Märkte für Solarwärme und -kälte 2016. (Quelle: Solar Heat Worldwide 2018)

Weitere wichtige Markttrends

  • Die eingesetzte Kollektortechnologie ist abhängig von der jeweiligen Region: Vakuumröhrenkollektoren dominieren die weltweit installierte Solarthermieleistung (72%), während Flachkollektoren in Europa am häufigsten vorkommen (83%).
  • Im Jahr 2016 trugen Solarthermie-Anlagen in Mehrfamilienhäusern, Hotels und Schulen bereits 27% zur weltweit produzierten Solarwärme bei. Der Marktanteil solarer Warmwasserbereiter in Einfamilienhäusern ging leicht zurück. Solare Schwimmbadheizungen (4%) und Kombisysteme (2%) waren Nischenmärkte.
  • Die führenden Länder für Luftkollektoranlagen waren Australien, Kanada, Japan und die Vereinigten Staaten. Solare Luftheizungen liefern typischerweise 20 bis 30% des jährlichen Raumwärmebedarfs von Gebäuden und trocknen landwirtschaftliche Produkte.

Wichtige globale Zahlen zum solaren Heizen und Kühlen

Gesamtkapazität in Betrieb Ende 20171 472 GWth
Wachstum der Gesamtkapazität 2016/2017 +4%
Klimaschutzbeitrag in 2017 388 Terrawattstunden Solarwärme sparten 41,7 Millionen Tonnen Öl und 134,7 Millionen Tonnen CO2 ein
Top-Fünf-Länder: Neu installierte Kapazität 2016 2 China, Türkei, Brasilien, Indien und die USA
Top-Fünf-Länder: Gesamtkapazität in Betrieb Ende 2016 2 China, USA, Türkei, Deutschland und Brasilien
Top-Fünf-Länder: Gesamtkapazität pro Kopf Ende 2016 2 Barbados, Österreich, Zypern, Israel und Griechenland
1 Betrachtet wurden unverglaste und verglaste Flach- und Vakuumröhrenkollektoren mit Wasser als Energieträger sowie verglaste und unverglaste Luftkollektoren.
2 Betrachtet wurden verglaste und unverglaste wasserbasierte Kollektoren.

Solar Heat Worldwide

Erstmals 2002 veröffentlicht hat Solar Heat Worldwide inzwischen Marktdaten aus 66 Ländern gesammelt. Der 93-seitige Bericht enthält Kapitel zu kommerziellen Anwendungen und Wärmegestehungskosten. Solar Heat Worldwide gilt als solide Referenz unter internationalen Organisationen wie REN21 und IRENA (International Renewable Energy Agency). Die Studie war erneut einer der Haupt-Datenlieferanten für die Kapitel zum solaren Heizen und Kühlen im Renewable 2018 Global Status Report von REN21, einem der wichtigsten Politikberater-Berichte zum Thema erneuerbare Energien (Bärbel Epp).
Größte Anlage konzentrierender Kollektoren in Dänemark: 16,6 MWth Parabolrinnenkollektoren liefern Wärme an ein Fernwärmenetz. (/Foto: Aalborg CSP)

IEA SHC (International Energy Agency, Solar Heating and Cooling Technology Collaboration Programme) ist ein internationales Forschungsnetzwerk zu solaren Heiz- und Kühltechnologien. Mehr als 200 Experten aus 20 Ländern und von fünf internationalen Organisationen forschen gemeinsam an vielseitigen Themen, zum Beispiel: Lösungen zur Integration von Solartechnik in Gebäudehüllen, zukünftige Speicherkonzepte und die Einbindung von großen Solarfeldern in Fernwärme- und Fernkältenetze. 1977 gegründet ist SHC eines der ältesten Technologie-Kooperationsprogramme der IEA, und eines von zehn im Bereich der erneuerbaren Energien.

Solar Heat Worldwide seht unter iea-shc.org/solar-heat-worldwide zum Download bereit.

Quelle: iea-shc.org


^^^ Nach oben