Freitag, 12. Mai 2017

Batterien bald wirtschaftlich

Die Kosten für Stromspeicher fallen weiter. Erste Anlagen für Haushalte sind in Deutschland mit der Förderung bereits profitabel.

 

Noch ist die Ergänzung von Photovoltaik mit einer Batterie
in der Schweiz unwirtschaftlich - aber in absehbarer Zeit
wird die Entwicklung wie in Deutschlan verlaufen.
Bild: Guntram Rehsche
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Photovoltaikanlagen lohnen sich für Hauseigentümer im nördlichen Nachbarland schon lange finanziell. Mit Solarstromspeichern wird sich der Gewinn künftig noch erhöhen. Denn die Speicher stehen unmittelbar vor der Wirtschaftlichkeit. Zu diesem Ergebnis kommen  Berechnungen des Solar Clusters Baden-Württemberg. In den vergangenen 12 Monaten sind die Kosten für Speicherbatterien von Photovoltaikanlagen durchschnittlich um über 10 Prozent gefallen. „Im ersten Quartal 2017 lagen sie teilweise bei nur noch rund 1.150 Euro pro Kilowattstunde Speicherkapazität“, sagt Carsten Tschamber vom Solar Cluster. Die Grenze, unter der die Kleinspeicher mehr einbringen, als sie kosten, liegt bei 1.000 Euro. Zieht man noch die in Deutschland erhältliche und halbjährlich sinkende KfW-Förderung ab, erreichen erste Speicherprodukte bei guter Planung bereits die Wirtschaftlichkeit. Bis zum Ende der Förderung 2018 könnten die Batterien noch einmal um bis zu 20 Prozent günstiger werden – ein Kauf würde sich dann auch ohne staatliche Förderung für den Verbraucher lohnen. 

Die Kosten von Solarstrom aus neuen Wohnhaus-Photovoltaikanlagen sind auf bis zu 8 Cent pro Kilowattstunde gefallen – weniger als ein Drittel dessen, was Hauseigentümer für den Haushaltstrom vom Energieversorger zahlen müssen. Daher lohnt es sich für sie, möglichst viel davon selbst zu verbrauchen. Solarbatterien helfen dabei, den lukrativen Eigenverbrauch von 30 bis 35 auf bis zu 70 Prozent zu verdoppeln. „Solarstrom, der mittags anfällt und aufgrund des geringen Energiebedarfs zu dieser Tageszeit nur teilweise sofort genutzt werden kann, wird gespeichert und abends, wenn die Familie wieder komplett zuhause ist, verbraucht“, erklärt Dr. Jann Binder vom Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW). „Mit dem klimafreundlichen Strom vom Dach kann man die Beleuchtung betreiben, das Smartphone aufladen oder die Spülmaschine anstellen.“ Vielen Speichernutzern mache es einfach Spaß, mehr von der Solarstromernte im eigenen Haus zu nutzen, so Binder weiter.  

Bislang war die Anschaffung eines Solarstromspeichers jedoch nicht wirtschaftlich. Vielen Nutzern war das zweitrangig. Sie legten sich trotzdem einen zu. Eine erhöhte Energieunabhängigkeit und technische Faszination zählten zu den Gründen. Von 2013 bis Ende 2016 kauften die Deutschen rund 52.000 Solarstromspeichersysteme. Der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW) geht davon aus, dass aktuell bereits 60.000 Speicher installiert sind und prognostiziert bis Ende 2018 einen Anstieg auf 100.000 Speicher. Das Potenzial für weiteres Wachstum ist hoch: Es gibt bundesweit rund 1,6 Millionen Solarstromanlagen, jährlich kommen zudem zehntausende Neuanlagen hinzu.
2021 endet zudem für die ersten Solaranlagen die auf 20 Jahre festgelegte EEG- Förderung. Sie hatten den PV-Strom noch komplett in das Stromnetz eingespeist. Weil es dann jedoch keine Einspeisevergütung für diese Anlagen mehr gibt, muss möglichst viel eigener Strom verbraucht werden. Da die Anlagen bereits abgeschrieben sind und sich die Kosten für den erzeugten PV-Strom auf Wartungs- und Betriebskosten beschränken, ist der Solarstrom mit rund 2 bis 4 Cent pro Kilowattstunde unschlagbar günstig. Hier lohnt sich eine Steigerung der Eigenverbrauchsquote mit Speichern so richtig. Um diese Zeit läuft darüber hinaus die EEG-Förderung auch für Neuanlagen aus, da dann in Deutschland 52 Gigawatt an Photovoltaik-Leistung installiert sein sollen. Das Auslaufen der EEG-Förderung für Alt- und Neuanlagen wird dem Speichermarkt einen weiteren Schub geben, prophezeien Experten wie Jann Binder vom ZSW. 

Auch Marktforscher gehen von einem weiteren Wachstum auf dem Speichermarkt aus. Das lässt die Preise in den Keller purzeln, was wiederum die Nachfrage anheizt. Grundsätzlich gilt: Verdoppelt sich die Zahl der Speicher, sinken die Kosten um 20 Prozent. In den Jahren 2014 und 2015 sind die Systempreise für Lithiumspeicher pro nutzbarer Kilowattstunde um jeweils 18 Prozent gefallen. Im vergangenen Jahr waren es laut Angaben der ees Europe, Europas größter Fachmesse für Batterien und Energiespeichersysteme, bis zu 15 Prozent. Aktuell ist ein Speichersystem auf Lithium-Ionen-Basis inklusive Installation bereits ab rund 1.150 Euro netto pro nutzbarer Kilowattstunde Speicherkapazität erhältlich.
 
Abzüglich der Förderung der KfW, die 2016 wieder eingeführt wurde, unterschreiten manche Anlagen nun die magische 1.000-Euro-Grenze. Die Zahlen gelten freilich nicht für alle Speichersysteme, die auf dem Markt sind. Doch eines ist klar: Die Zeit spielt für die Batteriespeicher. In den nächsten Monaten werden die Kosten weiter sinken, spätestens 2018 könnte eine Mehrzahl der Speicher bei guter Planung die Wirtschaftlichkeitsgrenze auch ohne Förderung erreichen. Dann kostet das Speichern einer Kilowattstunde Solarstrom den Betreiber rund 18 Cent pro Kilowattstunde. Auf die ausgelegte Speicherbetriebsdauer von 20 Jahren inklusive einer geringen Haushaltsstrompreis-Steigerung in dem Zeitraum stellt dieser Wert die Grenze dar, unter der die Kleinspeicher mehr einbringen, als der Käufer zahlen muss. Dann kostet die Kilowattstunde Solarstrom aus dem Speicher weniger als der Haushaltsstrom. 

Fazit: Da neben den sinkenden Speicherkosten derzeit auch die Kosten der Photovoltaikanlagen weiter zurückgehen und der Haushaltsstrompreis als Referenzgröße wahrscheinlich in Zukunft weiter steigen wird, wird Solarstrom aus dem Speicher im Vergleich zum Strombezug aus dem Netz immer günstiger. „Mit Batteriespeicher sind Solaranlagen künftig noch gewinnbringender als ohne“, fasst Carsten Tschamber vom Solar Cluster zusammen. „Die Batteriespeicher etablieren sich derzeit als ein integraler Teil von privaten Photovoltaikanlagen.“
 

Siegeszug der Lithium-Ionen-Batterien

Lithium-Ionen-Batterien haben mittlerweile den Speichermarkt erobert, die Bleitechnologie spielt keine relevante Rolle mehr. Hauptgründe für den Siegeszug der Lithiumspeicher sind hohe Wirkungsgrade, hohe Lebensdauern – sowohl kalendarisch als auch bezogen auf die Anzahl der Ladezyklen – und nutzbare Kapazitäten von bis zu 95 Prozent der installierten Kapazität gegenüber rund 70 Prozent bei Bleibatterien.


Donnerstag, 11. Mai 2017

Und es funktioniert !

Die Auseinandersetzungen im Abstimmungskampf um das neue Energiegesetz treiben die seltsamsten Blüten. Da ist es eine Wohltat, von neuen Projekten zu berichten, die ganz im Sinne der Energiestrategie 2050 bereits heute funktionieren. Sie benötigen allerdings Nachahmer – weshalb die Annahme des Energiegesetzes so wichtig ist. Nachstehend ist die Rede von einem grösseren Mietshaus in Zürich-Schwamendingen, das trotz schwieriger Bedingungen zum Musterenergiehaus gemäss Norm Minergie A umfunktioniert wurde.

Die Fassade links trägt die grossen Sonenkollektoren,
die Fassade rechts lässt auch noch Platz für Begrünung
Bild: Guntram Rehsche
Es war im Oktober des vergangenen Jahres, als in einer Aufsehen erregenden Aktion ein 19 Meter langer Wasserspeicher in den 70er-Jahre-Bau an der Stettbacherstrasse in Schwamendingen gehievt wurde (siehe Solarmedia 27. Oktober 2017). Der Speicher des Solarpioniers Josef Jenni mit Fabrikation in Oberburg beim bernischen Burgdorf ist unterdessen erfolgreich in Funktion – gespiesen von den neu entwickelten Sonnenkollektoren der Firma Schweizer Metallbau in Hedingen (ZH). Diese sind unter anderem mit einer gläsernen Oberschicht bedeckt, die zwar hier entwickelt, aber in Dubai produziert wurde - und die je nach Lichteinfall in unterschiedlichen Farben schimmert. So zeigen schon die zentralen Bausteine des Energiesystems: Hier ist Schweizer Facharbeit im Spiel und die Wertschöpfung zu einem grossen Teil hierzulande gewonnen. Das gilt für weitere Elemente wie die Steuerung des Gesamtsystems.

Das Energiehauses in Zürich-Schwamendingen macht klar, dass ein solches 6,5-Millionen-Projekt nur der speziellen Initiative des Eigner-Ehepaars Dubois sein Entstehen verdankt. Da gaben die rund 150'000 erhaltenen Beitragsfranken nicht den Ausschlag für die Realisierung. Sollen ähnliche Initiativen künftig zum Zuge kommen, braucht es ohne Zweifel verstärkte Unterstützung – die vom neuen Energiegesetz zu erwarten ist – unter anderem durch die darin festgeschriebene Fortsetzung des Gebäudeprogramms.

Dank solarer Architektur, von Beat Kämpfen und seinem Team entwickelt,  ist das Haus schweizweit die erste Minergie-A-Erneuerung eines Mehrfamilienhauses mit Plus-Heizenergie-Bilanz. Der Energieverbrauch von 30’000 Liter Heizöl pro Jahr wurde in einen Energieüberschuss verwandelt. Für den Umbau wurden nur etwa 25 Prozent der Grauen Energie aufgewendet, die bei einem gleich grossen Ersatzneubau hätte aufgewendet werden müssen. Die erneuerte Fassade passt sich gemäss Kämpfen ästhetisch ins Gesamtbild, produziert aber nicht Strom, sondern Wärme für Warmwasser und Heizung - und ist kostenmässig durchaus im Rahmen einer Fassadensanierung. Einige weitere energetische Kennzahlen: Der Energieverbrauch wurde bei gleichzeitiger Vergrösserung der Wohnfläche um 22 Prozent von rund 300’000 kWh/a auf rund 90’000 kWh/a reduziert. Pro Quadratmeter Wohnfläche bedeutet dies eine Verringerung um einen Faktor Vier! Möglich wurde das durch die Solarthermie: Insgesamt 180 m2 Sonnenkollektoren sind an der Ost-, Süd- und Westfassade angeordnet. Dadurch ist die nutzbare Solarenergie relativ gleichmässig übers Jahr verteilt.

Die in Schwamendingen realisierte Lösung ähnelt einem Konzept, welches auch in dieser Woche von der Firmenallianz 2sol an deren Firmensitz in Zürich-Schlieren vorgestellt wurde. Zur Allianz zählen bereits gut zwei Dutzend etablierter Schweizer Energiefirmen, die nach einer standardisierten Gesamtlösung für die Energieversorgung von Gebäuden suchen und dabei verbesserte Einzelkomponenten einsetzen. Mit letzteren hapert es allerdings teils noch  - während eine hocheffiziente Wärmepumpe unterdessen das Stadium der Entwicklung überschritten hat, gibt es Probleme mit verbesserten Erdsonden. Doch auch die sollen im von ETH-Professort Hansjürg Leibundgut initierten Projekt demnächst gelöst sein.

© Text und Bild:  Solarmedia

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Mittwoch, 10. Mai 2017

CH-Holzenergie als Vorreiterin

Am 21. Mai beschliesst das Schweizer Stimmvolk über die Zukunft unserer Energiepolitik. Dabei stellt sich die Gretchenfrage, ob wir weiterhin jährlich zweistellige Milliardenbeträge ins Ausland transferieren wollen für den Import fossiler Energien, oder ob wir stattdessen vermehrt auf Energieeffizienz und inländische Produktion setzen - eine Stellungnahme von Holzenergie Schweiz. 

Holzschlag am Zürcher Üetliberg - Bild: Guntram Rehsche
Während hierzulande händeringend über das „ob“ und „wie“ der Energiewende diskutiert wird, findet weltweit bereits seit Jahren ein rasanter Umbau der Energiesysteme statt. Die Lösung ist der Energiemix: Sonne, Wind, Wasser, Geothermie und Biomasse – alle haben Potenzial und müssen nur optimal eingesetzt werden. Was das bedeutet, demonstriert die Holzenergienutzung schon seit Generationen: Im Rahmen einer nachhaltigen Ressourcenpolitik verwenden wir einen einheimischen, nachwachsenden Rohstoff zur umweltfreundlichen Erzeugung von Wärme – in einer Handvoll WKK-Anlagen sogar zur Stromproduktion. 

Die Technologien sind ausgereift und die ökologischen wie auch die wirtschaftlichen Vorteile wurden längst erkannt. Im Gegensatz zu Öl oder Gas findet bei der Holzenergienutzung rund 98% der Wertschöpfung im Inland statt. Gleichzeitig begünstigt dies die Energieeffizienz von Holzbrennstoffen, denn aufgrund kurzer Transportwege und tiefer Verarbeitungsgrade ist der Anteil an grauer Energie minim. Allerdings ist die verfügbare Menge begrenzt, was Holz zu einem wertvollen Energieträger macht. Folglich müssen die anderen Erneuerbaren ihr Übriges tun. Dies gelingt schneller und zielführender, wenn das Stimmvolk am 21. Mai JA zur Energiestrategie sagt.

Quelle:  www.holzenergie.ch

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Dienstag, 9. Mai 2017

PV-Anlagen halten lange

Anders als konventionelle Kraftwerke kommen Photovoltaik-(PV)-Anlagen ohne bewegliche Teile aus. Dies ermöglicht deren lange Nutzungsdauer. Laborversuche zeigen, dass diese bei über 30 Jahren liegt. Eine Übersicht mit eindrücklichen Beispielen des Fachverbands Swissolar, sie zeigt, dass Solarstrom schon heute wirtschaftlich ist.

Das Elektrizitätswerk des Kantons Zürich
erforscht an seinem Hauptsitz in Dietikon
den Ertrag von PV-Modulen über lange
Zeiträume - Bild: Guntram Rehsche
Derzeit erreichen die ersten Anlagen in realer Umgebung dieses Alter – unter anderem die europaweit erste mit dem Stromnetz verbundene Anlage in Canobbio TI, die immer noch tadellos läuft. Diese Erfahrung hat wesentliche Auswirkungen auf die Wirtschaftlichkeit von Photovoltaikanlagen: Die Investitionen können über mindestens 30 Jahre abgeschrieben werden, dies bei geringen Unterhaltskosten. Dies belegen viele Beispiele: Im Mai 1982, also vor genau 35 Jahren, wurde eine 10-Kilowatt-Photovoltaikanlage auf dem Dach der heutigen Fachhochschule der Südschweiz SUPSI gebaut und als erste Anlage in Europa ans öffentliche Stromnetz angeschlossen. Sie ist seit dann ununterbrochen in Betrieb und funktioniert immer noch gut. Vor 30 Jahren wurde auf dem Betriebsgebäude der Horlacher AG in Möhlin die erste private Solarzellenanlage der Schweiz im Netzverbund installiert. Auch sie läuft problemlos ohne jegliche Unterhaltsarbeiten. Der Strom wird hauptsächlich in der Fabrik genutzt, nur kleine Überschüsse werden ins Stromnetz eingespiesen.

Eine Betriebsdauer von über 25 Jahren ist bei PV-Anlagen keine Ausnahme. Eine der ersten Grossanlagen mit 100 kW Leistung wurde 1989 als Lärmschutzwand entlang der A13 bei Felsberg GR realisiert – auch sie ist immer noch in Betrieb.
Besonders erwähnenswert ist auch die Anlage an einer Fassade auf dem Jungfraujoch, die seit 1993 trotz äusserst harscher Bedingungen läuft, und dies mit konstant hohen Erträgen. Langzeitmessungen durch die Berner Fachhochschule zeigen kaum feststellbare Ertragsreduktionen von nur etwa 0.05 % pro Jahr. 

Für die Wirtschaftlichkeit von Photovoltaikanlagen hat diese Erkenntnis grosse Bedeutung: Die Investitionen können über 30 Jahre oder länger abgeschrieben werden. Dabei wird basierend auf den Langzeiterfahrungen eine Ertragsminderung von 0.5 % pro Jahr berücksichtigt.
Auch bezüglich der Unterhaltskosten besteht inzwischen umfangreiche Praxiserfahrung. Sie liegen je nach Grösse und Typ der Anlage im Bereich von 2 bis 4 Rp. pro Kilowattstunde. Zusammen mit den heute günstigen Anlagekosten kann somit Solarstrom sowohl ökologisch wie auch ökonomisch nachhaltig produziert werden.

Quelle: Swissolar

Sonntag, 7. Mai 2017

Jetzt fetzen sie sich doch noch

Die abgelaufene Woche bringt an diesem Sonntag nochmals eine Aufsehen erregende Erkenntnis: Die Schweizerische Energie-Stiftung SES hat ihre neueste Studie veröffentlicht. Sie zeigt: Die Annahme des Energiegesetzes bringt volkswirtschaftlich mittel- und langfristig Vorteile. Nichts desto trotz machte diese Woche vor allem die Connection Blocher - Aegerter mächtig Dampf gegen die Energiestrategie 2050.

An der SES-Jahresversammlung zeigte
Studienautor Beat Meier auf: Die CH-
Energiewende ist kein Fass ohne Boden
Bild: Guntram Rehsche
 Zuerst zur neuen Studie der Energie-Stiftung, die an deren Jahresversamlung am Donnerstag in Zürich schon angekündigt und heute Sonntag nun veröffentlicht wurde. Sie hält zusammenfassend und gemäss Communique fest: Die Gesamtenergieversorgung ist heute zu 75% von importierter Energie in Form von Öl, Gas und Uran abhängig. Eine zunehmende Ressourcenverknappung birgt preislich und beschaffungspolitisch grosse Unsicherheiten. Es ist die Aufgabe der Politik, langfristig zu denken und die Rahmenbedingungen für eine nachhaltig sichere und unabhängige Energieversorgung zu schaffen. Die Energiewende kommt zur richtigen Zeit. Es ist weise, auf den Zug aufzuspringen und die Binnenkonjunktur zu stärken.

Die neue econcept-Studie im Auftrag der SES zeigt: Die Energiewende lohnt sich auf jeden Fall. Die Kosten liegen bis zum Jahr 2033 etwas höher als im Szenario Referenz, danach führen die für Energieeffizienz und in erneuerbare Energien getätigten Investitionen zu steigenden Kostenvorteilen. Die Energiewende ist eine Investition in die Zukunft. Die Studie vergleicht die energiepolitischen Szenarien «Referenz» und «Energiewende». Zusammenfassend sind für die SES die folgenden Punkte besonders hervorzuheben:
  • Steigende Kostenvorteile: Eine Energiewende kostet etwas. Längerfristig ist das Szenario «Weiter wie bisher» jedoch teurer.
  • Beispiel Wärmebereitstellung: Die Kosten für Energieträger und den Energiebedarf gehen im Szenario Energiewende massiv zurück, dafür steigen z.B. die Ausgaben für Wärmedämmung. Dieses Geld wird vermehrt in der Schweiz ausgegeben.
  • Versicherung gegen Preisanstiege: Eine Energiewende wirkt als Versicherung gegen starke Preisanstiege bei den importierten, fossilen Energieträgern.
  • Energiewende und Klimaschutz bilden ein sinnvolles Paket. Eine Energiewende führt zu massiven Reduktionen beim Energieverbrauch und bei den Treibhausgasemissionen.
  • Beschäftigungswirkung: Die Beschäftigungswirkung der Energiewende ist für die Energie- und Effizienzbranche wahrscheinlich eher positiv, jedoch nicht ausschlaggebend für oder gegen eine Energiewende.
  • Unabhängigkeit: Eine konsequente Energiewende entspricht einem Paradigmenwechsel weg von unvorhersehbar schwankenden, variablen Kosten für Energieträger hin zu langfristigen, unabhängigen und eigenständigen Entscheidungen bei Investitionen.
  • Energiewende lohnt sich: die Energiewende lohnt sich aus verschiedenen Gründen und ist auch deshalb keine Ja/Nein-Grundsatzfrage. Wir müssen uns vielmehr die Frage nach der optimalen Ausgestaltung der Energiewende stellen. Ein erster Schritt dazu folgt mit einem JA zur Energiestrategie 2050 am 21. Mai.
Andererseits waren es die Blochers und die Aegerters, die mächtig gegen die Energiestrategie mobilisierten in der vergangenen Woche. Zuerst am Montagabend - ironischerweise am 1.Mai - im schwyzerischen Lachen. An einer SVP-Veranstaltung sollte ursprünglich der glücklose SVP-Parteipräsident Albert Rösti auftreten, um der Energiestrategie den Garaus zu machen. Doch bei der SVP selbst scheint man dem Öl- /Wasser- / und Atomlobbyisten  nicht mehr zu trauen. Seine vielfältigen und derart offensichtlichen Wirtschaftsinteressen machen ihn längst unglaubwürdig. Also muss jetzt einerseits sein Vorgänger im Parteipräsidium, Toni Brunner (in SRF-Arena und TA-Chat), andererseits vor allem Blocher alt (in Lachen - siehe Solarmedia vom 2. Mai 2017) und Blocher jünger (in epischem 20Minuten-Interview) in die Bresche springen. Man könnte fast meinen - es handelt sich um das letzte Gefecht der SVP. 

An der Fachhochschule Nord-Westschweiz
FHNW fetzten sich Physikerin Irene
Aegerter (Mitte rechts) und Thomas Nordmann
(Mitte linkes) Bild: Guntram Rehsche
Das letzte Gefecht ist es wohl für Mutter Irene Aegerter, die trotz hohen Alters in der SRF-Arena vom 28. April und dann am Freitag wieder an der Fachhochschule Brugg-Windisch vor allem gegen die Solarenergie mobil machte, deren sie einen Beitrag an die Schweizer Stromversorgung schlichtweg abspricht. Aegerter's Sohn Daniel - Selfmade-Milliardär nach einem Startupverkauf vor rund 15 Jahren - gilt als der heimliche Financier der Anti-Kampagne im Hintergrund. In Brugg aber stiess die Mutter auf den Falschen. Solar-Urgestein Thomas Nordmann (trotzdem um Jahrzehnte jünger) rückte deren Vodoo-Physik ins rechte Sonnenlicht. Schade nur, dass Nordmann in der ganzen Abstimungsdebatte zu wenig Platz eingeräumt erhält. Nordmanns Überblick zur Geschichte der Solarenergie zeigt deren sensationellen Siegeszug auf. Mehr noch, er blickt vor allem in die Zukunft und kommt zum einleuchtenden Schluss: Die Zukunft ist solar! Denn die Solarenergie hat nicht nur das Potential, die Hälfte des hiesigen Strombedarfs zu decken (die vorhandenen Dachflächen genügen). Überschusstrom kann vielmehr auch in einem Gesamtenergiesystem sowohl für die Elektromobilität wie für die Erzeugung von Wärme eingesetzt werden. Man ist versucht zu schreiben und zu sagen: Schöne neue und solare Energiewelt! Zu den Unterlagen von Nordmann geht es hier >>>.

Nötig ist zuallererst ein JA als Zustimmung im Abstimmungspoker am 21. Mai. Dass es hierbei darum geht, ein JA in den Abstimmungsbriefkasten - und nicht ein Nein in die Atommülltonne - zu werfen, machte in der abgelaufenen Woche auch die Aktion von Pro Solar deutlich - davon nachstehend nochmals ein paar exklusive Bilder:




















  
Aktions-Bilder: Simon Rehsche / Heimat AG

Samstag, 6. Mai 2017

First Solar holt wieder auf


Der PPVX fiel letzte Woche um 0,1% auf 1.004 Punkte, der NYSE Arca Oil um 0,9%. Seit Jahresanfang 2017 liegt der PPVX mit +4,3% währungsbereinigt rund 17 Prozentpunkte vor dem Erdölaktienindex (-12,7%). Die Top-3-Titel seit Jahresanfang sind United Photovoltaics Group (+60%), JA Solar (+49%) und SolarEdge Technologies (+29%). Die grössten Gewinner der Woche waren First Solar (+17%) und Shunfeng International (+6%), die grössten Verlierer SunRun (-8%) und United Photovoltaics Group (-3%). Der PPVX-Börsenwert beträgt rund 21,7 Mrd. Euro. Seit Anfang 2003 liegt der PPVX (+257%) rund 110 Prozentpunkte vor dem Erdölaktien-Index (mit +147%).

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Der Solaraktienindex PPVX erscheint auf Solarmedia jeden Monat neu - Quelle: Öko-Invest-Verlag, Wien, oeko-invest@teleweb.at 

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