Montag, 4. Juli 2011

Erfolgreiche EE-Stellenbörse

Das deutsche eejobs.de Jobportal für erneuerbare Energien (kurz: EE) erreicht die hochgesteckten Ziele der Einführungsphase. Ein Flatrate-Angebot fürs Inserieren wird verlängert. Unter den angebotenen Stellen finden sich auch einige aus der Schweiz.

Bereits über 300 verschiedene Unternehmen der Erneuerbare-Energien-Branche haben auf dem Internetportal eejobs.de seit dessen Start am 1. März ihre freien Stellen inseriert. Rund 400 zumeist hochqualifizierte, aktuelle Jobs sind inzwischen im Schnitt auf der neuen Jobbörse zu finden. eejobs.de ist ein gemeinsames Angebot von greenjobs.de, der führenden Stellenbörse für Umweltfachkräfte im deutschprachigen Raum, und der Fachzeitschrift Solarthemen.

Ein spezieller Stellenmarkt für Berufsleute im Bereich der Erneuerbaren Energien entspricht offenbar einem Bedürfnis, zum Beispiel auch für jene, die PV-Anlagen installieren, kurz und neudeutsch auch Solateure genannt.




„Mit unserer Einführungsphase, die am 30. Juni endete, sind wir höchst zufrieden“, sagt greenjobs-Geschäftsführer Jan Stroh schein. „Es ist uns gelungen, den Bedarf der Branche für einen spezialisierten Onlinestellenmarkt mit hohen Zugriffszahlen genau zu treffen“, schließt er aus der eigenen Statistik und aus positiven Rückmeldungen der inserierenden Unternehmen. Wesentlicher Teil dieser Strategie ist das neue Portal eejobs.de, das alle Stellen im Bereich der erneuerbaren Energien bündelt. Dafür haben sich die greenjobs-Pioniere mit der Fachzeitschrift Solarthemen zusammengetan.

„Dass wir in eine Marktlücke stoßen würden, war uns klar, als wir zusammen mit den greenjobs-Leuten vor einem halben Jahr die ersten Pläne geschmiedet haben“, sagt Solarthemen-Herausgeber Guido Bröer. „Der Erfolg bestätigt schon jetzt unser gemeinsames Konzept.“ Um noch mehr Unternehmen, die schon erste positive Erfahrungen mit eejobs.de gesammelt haben, schnell zu Stammkunden zu machen, wird der Aktionspreis von 1450 Euro für die zwölfmonatige Flatrate um eine Woche bis zum 7. Juni verlängert. Die Pauschale lohnt sich für alle Unternehmen, die mindestens 15 Stellen pro Jahr ausschreiben - und das sind in der wachsenden Ökoenergie-Branche nicht wenige.

Quelle: eejobs.de / Sonnenseite

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Greenpeace weist den Weg

Intelligente Speicher für Solarstrom sollten gezielter gefördert werden. Mit solchen Speichern sind bei privaten Photovoltaik-Anlagen Eigenverbrauchsquoten von über 90 Prozent erreichbar. Derzeit nutzen die Haushalte nur 20 Prozent des Stroms ihrer PV-Anlagen selbst. Was Greenpeace Energy für Deutschland errechnet hat, gilt sinngemäss auch für die Schweiz.

Zum Ergebnis eines möglichen hohen Eigenverbrauchsanteils kommt die neue Greenpeace-Energy-Studie zur Selbstversorgung mit Solarstrom, die das Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) im Auftrag erarbeitete. Zurzeit steht man allerdings ohne Speicher wirtschaftlich besser da. Damit die Batterien sich künftig rentieren, müssen sie eine Laufzeit von mindestens 20 Jahren haben und dürfen nicht mehr als 300 bis 400 Euro pro Kilowattstunde kosten. Bislang liegen die Kosten noch mehr als doppelt so hoch.

Speicher sind derzeit der grosse Hype der Solarszene: Der Hamburger Systemhersteller Conergy stellte beispielsweise auf der Messe Intersolar (siehe Solarmedia vom 18. Mai 2011) erstmals seinen neuen Sonnenspeicher vor. Die Speicherlösung mit integriertem hoch effizientem Stringwechselrichter und intelligentem Energiemanagementsystem basiert gemäss Angaben des Unternehmens auf moderner Lithium-Ionen Technologie.






Speicher können das Stromnetz entlasten.
Die IÖW-Studie zeigt jedoch, dass dies nur geschieht, wenn sie auch mit smarter Regelung ausgestattet sind. Dazu zählt beispielsweise, dass der Netzbetreiber bei Bedarf extern schalten kann, ob der Strom privater PV-Anlagen gespeichert oder ins Stromnetz eingespeist wird. Zugleich kann der Netzbetreiber auch die privaten Speicher mit Strom aus dem öffentlichen Netz füllen, wenn dort ein PV-Überangebot herrscht. "Diese Eingriffe müssten dann natürlich vergütet werden", erklärt Mark Bost, Wissenschaftler beim IÖW und Co-Autor der Studie. Ein Vergütungssystem für die Nutzung der Speicherkapazität bzw. für die Strommengen, die ein- und oder ausgespeist werden, sei noch zu entwickeln.

Zwar fördert das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) schon jetzt den Eigenverbrauch. Anreize für intelligente Speicher fehlen jedoch. "Das ist für den Moment akzeptabel", sagt Marcel Keiffenheim, Leiter Energiepolitik bei Greenpeace Energy. "Künftige Regelungen sollten aber vor allem den Einsatz von Speichern mit smarter Regelungstechnik anreizen." Das trage dazu bei, dass auch bei einem weiteren starken Ausbau PV-Anlagen die örtlichen Stromnetze nicht überlasten, sondern im Gegenteil stabilisieren helfen.

Die Netzparität tritt für Anlagen ohne Speicher laut IÖW-Studie wahrscheinlich 2013 oder 2014 ein.
Dann wird – so die Definition der Parität – der Solarstrom genauso viel wie der Haushaltsstrom kosten. Es wird also zunehmend attraktiver, möglichst viel des selbst erzeugten Stroms auch selbst zu verbrauchen. Die Möglichkeiten dafür sind in privaten Haushalten ohne Speicher jedoch begrenzt. Die Netzparität ist für IÖW-Forscher Bost daher "vor allem ein psychologisches Datum, keine Revolution des PV-Marktes". Die Anlagen blieben zunächst weiterhin auf die EEG-Förderung angewiesen. Ohne Förderung könnten sich erste PV-Anlagen mit Speicher ab dem Jahr 2019 rechnen.

Das Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW)
mit Sitz in Berlin ist seit 26 Jahren auf dem Gebiet der praxisorientierten Nachhaltigkeitsforschung tätig. Greenpeace Energy ist eine Energiegenossenschaft, die deutschlandweit mehr als 100.000 Kunden mit Ökostrom versorgt. Greenpeace Energy hat zudem mehr als 100 Millionen Euro in den Bau sauberer Kraftwerke investiert und bietet künftig auch „Windgas“ an – ein Gas, das mithilfe von überschüssigem Windstrom hergestellt wird und eine Alternative zu Biogas darstellt:

Quelle: Greenpeace Energy

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Sonntag, 3. Juli 2011

USA schreiben Solargeschichte

Eben war es noch die Ankündigung riesiger neuer Bauprojekte, sodann wird in den USA massiv in Forschung und Entwicklung der Erneuerbaren und insbesondere der Solarenergie investiert. Und zuletzt schockte Google mit einer schier unglaublichen Prognose bezüglich der künftigen Stromgesehungskosten. So oder so – Solargeschichte wird derzeit offenbar in der noch grössten Volkswirtschaft der Welt geschrieben.

Gegen Ende der Woche sorgte für Aufsehen, dass mit First Solar einer der Weltmarktführer eine Kreditgarantie in Milliardenhöhe erhielt, um neue Solarparks in Gigawattgrösse zu errichten (siehe Solarmedia vom 2. Juli 2011). Besonders daran ist, dass eine renommierte Firma von Weltmarktniveau diesen Riesenkredit erhielt – ähnliche wirtschaftspolitische Unterstützung war bislang nur aus China bekannt. Wo im Laufe des vergangenen Jahres die grössten Firmen gleich reihenweise ähnliche Kreditunterstützung erhielten. Man geht kaum fehl in der Annahme, dass es beim Schritt der US-Regierung um einen Konter geht, um die eigene Solarindustrie im Rennen um die Solarmärkte zu halten. Denn kostenmässig machen die Asiaten gewaltig Druck und erreichen mit ihren leistungsfähigeren kristallinen Modulen bald ein Niveau, wie es eben bislang nur vom Kostenführer First Solar bekannt war (pro Watt Leistung unter einem US-Dollar).

Auffällig in diesen Tagen ist auch, wie häufig Meldungen aus den USA von weiteren geplanten Grossanlagen berichten. Eingebettet in die Branchenübersicht von IHS Emerging Energy Research. Demnach soll die US-Solarbranche in 15 Jahren mit 42 Gigawatt just soviel an Leistung aufweisen, wie derzeit weltweit installiert ist. In den USA sind es aktuell grad mal deren 2,8 Gigawatt. Der Löwenanteil wird dabei auf die Photovoltaik entfallen. In Gebieten mit hoher Sonneneinstrahlung würden sich eher solarthermische Kraftwerke und Konzentrator-Photovoltaik durchsetzen und den restlichen Zubau decken.

Aber nicht nur die Quantität ist für die Entwicklung der solaren Energieversorgung zentral, vielmehr ist es auch der Preis der erzeugten Solarenergie. Und da wartet Internet-Gigant Google mit einer extremen Vorhersage auf. Und weist auf die Bedeutung der Unterstützung der Energiewende hin, deren Realisierung die US-Wirtschaft um 244 Mrd. US-$ pro Jahr ankurbeln und 1,9 Mio. neue Arbeitsplätze schaffen könnte – abgesehen von stark gesenkten Treibhausgas-Emissionen. Google untersuchte mögliche Entwicklungen bei Photovoltaik-Kraftwerken, Solarstrom-Dachanlagen und solarthermischen Kraftwerken. Das Unternehmen schätzt, dass mit technologischen Durchbrüchen bei Photovoltaik-Großanlagen bis 2050 Stromgestehungskosten von 0,022 USD/kWh erreicht werden könnten. Man stelle sich vor: Stromkosten von ungefähr 2 Rappen pro Kilowattstunde!

Google verfasst aber nicht nur Studien, sondern die philantropische Tochtergesellschaft Google.org hat bereits zahlreiche Erneuerbare-Energien-Projekte unterstützt: Die Organisation rief mit der SolarCity Corporation (San Mateo, Kalifornien, USA) einen 280 Millionen USD (196 Millionen EUR) schweren Solarprojekt-Fonds ins Leben und investierte 130 Millionen USD (91 Millionen EUR) in eSolar (Pasadena, Kalifornien, USA).

Diverse Quellen, u.a.: Solarserver / Solarserver

© Solarmedia

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Samstag, 2. Juli 2011

First Solar setzt Massstäbe

Das US-Energieministerium hat dem Photovoltaik-Unternehmen Kreditgarantien in Höhe von 4,5 Milliarden Dollar für drei Projekte gewährt. Insgesamt sollen die Solarparks in Kalifornien eine Gesamtkapazität von 1,33 Gigawatt haben.

First Solar Inc. erhält vom Energieministerium der USA insgesamt Garantien für Darlehen in Höhe von umgerechnet mehr als 3,1 Milliarden Euro (im Bild der Hauptsitz des Unternehmens in Tempe, Arizona). Das Geld sei für mehrere Photovoltaik-Großprojekte gedacht, teilte das US-Photovoltaik-Unternehmen mit. Jeweils mehr als 1,3 Milliarden Euro davon seien für die geplanten Solarparks „Desert Sunlight“ und „Topaz Solar“ gedacht. Die restlichen Garantien seien für das „Antelope Valley Solar Ranch 1“-Projekt bestimmt, hieß es weiter.

Das „Desert Sunlight“-Projekt in Kalifornien soll ein 550 Megawatt großer Solarpark werden. Insgesamt 8.8 Millionen der eigenen Dünnschichtmodule wolle First Solar dabei installieren. In der ersten Phase sollen zunächst 300 Megawatt der Photovoltaik-Kraftwerks realisiert werden, wie First Solar weiter mitteilte. Das „Topaz Solar“-Projek in Kalifornien sei ebenfalls als 550-Megawatt-Solarpark geplant. In der Mojave-Wüste werde zudem das dritte vom US-Energieministerium abgesicherte Projekt entstehen. Das Photovoltaik-Kraftwerk nördlich von Los Angeles werde eine Kapazität von 230 Megawatt haben. In allen Solarparks setzt First Solar dabei auf seine eigenen Dünnschichtmodule auf Cadmiumtellurid-Basis.

Mit der Einführung des ersten vorfinanzierten Programms zur umfassenden
Rücknahme und Wiederverwertung von Solarmodulen setzt First Solar gemäss eigenen Angaben den Maßstab für das ökologisch verantwortungsvolle Management von Produktlebenszyklen. Von der Rohmaterialbeschaffung bis hin zu Rücknahme und dem Recycling hat das Unternehmen damit die Kritik gekontert, die aus der umstrittenen Verwendung der Rohstoffverbindung Cadmium-Tellurid erwuchs - wobei deren Giftigkeit nicht jener von reinem Cadmium gleichzusetzen ist.

Quelle: Photovoltaik / Solarmedia

Freitag, 1. Juli 2011

Consolar revolutioniert Thermie

Der deutsche Solarthermie-Hersteller Consolar (Frankfurt am Main) stellt die nächste Generation der Solar-Heizung vor: SOLAERA sei das solare Vollversorgungs-Heizsystem mit der höchsten Energieausbeute und dem kleinsten Platzbedarf im Markt, berichtet der Hersteller in einer Medienmitteilung. Das Unternehmen hatte bereits früher mit unkonventionellen solarthermischen Lösungen für Extremklimaverhältnisse auf sich aufmerksam gemacht (siehe Solarmedia vom 7. Februar 2011).

Die neuen Hybridkollektoren von SOLAERA könnten gerade in den kritischen Wintermonaten November bis Februar im Vergleich zu herkömmlichen Solarwärmekollektoren die bis zu vierfache Energiemenge gewinnen, hält das Unternehmen fest. Auf Grund der Betriebsweise unterhalb der Außentemperatur im Zusammenspiel mit einer Wärmepumpe erzeugen die Kollektoren laut Consolar 50 Prozent mehr Energie als normale Kollektoren. Hinzu komme die Wärme, die durch ein eingebautes Gebläse der Umgebungsluft entzogen wird. Insgesamt ergebe sich dadurch das Vierfache an Wärme. Dies sei ein bislang noch nicht erreichter Technologiesprung, der auch im Hinblick auf die angestrebte Energiewende Zeichen setzt, betont der Hersteller.

Solarhaus von Architekt Dipl-Ing. (FH) Jochen Schneider bei Tübingen mit Solar-Heizung SOLAERA und Solarstromanlage.







Neben der hohen Energieeffizienz sei die neue Generation der Solarheizung SOLAERA zusätzlich auch kostenoptimiert: 20 Prozent an Investitionskosten könne der Kunde künftig einsparen. Das SOLAERA-Komplettsystem nimmt nur sehr wenig Raum ein, was insbesondere für kleine oder ungünstig ausgerichtete Dächer wichtig ist. Das Solarsystem benötigt laut Consolar die geringste Kollektorfläche von allen gängigen Solaranlagen am Markt: Mit nur fünf Kollektoren und einer Kollektorfläche von 14 Quadratmetern lasse sich ein Neubau oder ein gut sanierter Altbau ganzjährig mit Wärme für Warmwasser und Heizung versorgen.

Bislang waren acht Kollektoren (21 Quadratmeter Kollektorfläche) das Minimum. Auch im Keller sei der Platzbedarf gering: Eine Stellfläche von 3 mal 1,2 Metern reiche aus, um das Energiezentrum und den Wärmespeicher von SOLAERA unterzubringen. Im Vergleich zu Biomasse-Systemen oder Ölkesseln kann so wertvoller Lagerplatz gespart werden, und das Haus braucht keinen zusätzlichen Kamin. Bei der Installation von SOLAERA sind weder die Aufstellung von Luftgeräten (Verdampfern) noch Erdarbeiten (Sonden) im Garten nötig. Das System bezieht die erforderliche Wärme zu 100 Prozent über die neuartigen Hybridkollektoren.

Durch die Kombination von Sonnen- und Umgebungswärme spart das SOLAERA-Vollversorgungssystem Strom und reduziert die umweltgefährdenden CO2-Emissionen auf ein Minimum. Die Zielsetzung von maximal 10 Kilogramm CO2-Emissionen pro Quadratmeter Wohnfläche und Jahr für eine maximale Erderwärmung von 2 Grad werde mit einer SOLAERA-Anlage mit elf Kollektoren unterschritten, so der Hersteller. Konventionelle Heizsysteme wie Luft- und Erdsonden-Wärmepumpensysteme, Öl- oder Gasheizungen würden im Vergleich dazu 50 bis 150 Prozent mehr CO2-Emissionen erzeugen.

SOLAERA wurde mit Unterstützung der Deutschen Bundesstiftung Umwelt und in Zusammenarbeit mit dem ITW in Stuttgart entwickelt und mit verschiedenen Preisen, wie dem OTTI-Innovationspreis, dem Preis „Grünes Haus Wärme 2011“ und dem Energissima-Preis ausgezeichnet. Mehrere Patente seien beantragt. Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) fördert SOLAERA aufgrund der zukunftsfähigen und nachhaltigen Energieversorgung.

Der Einstieg in das solare Zeitalter mit einer solaren Vollwärmeversorgung lohnt sich in Deutschland derzeit besonders: Das Bundesumweltministerium hat die BAFA-Förderung befristet bis zum Jahresende 2011 erhöht. Die Basisförderung für Solarkollektoren zur kombinierten Warmwasserbereitung und Raumheizung beträgt derzeit 120 Euro pro Quadratmeter und sinkt dann 2012 auf 90 Euro. Auch Kesseltauschbonus und Kombinationsbonus sollten sich Interessierte schnell sichern, empfiehlt Consolar, denn diese wurden ebenfalls bis Ende 2011 befristet erhöht.

Quellen: Consolar | solarserver.de

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Revolution kommt von unten

Die kommunalen Stadtwerke sind inzwischen die Turbolader in Sachen Klimaschutz, hält die Projektierungsgesellschaft Wirsol fest. Über Bürgerbeteiligungen schaffen sie demnach auf intelligente Weise die nötige Akzeptanz für erneuerbare Energien. Was hier exemplarisch für Deutschland aufgezeigt wird, gilt analog für hiesige Verhältnisse: Dezentralisierung heisst das Stichwort.

Keine politische Diskussion kommt derzeit ohne Energiewende aus. Ein Konsens über den richtigen Weg rückt einstweilen in immer weitere Ferne. Einig ist man sich allenfalls darin, dass noch gestritten werden muss über Sinnhaftigkeit, Machbarkeit und Vorgehensweise. Die Debatten zeigen aber vor allem eines: Die erneuerbaren Energien gehorchen anderen Gesetzen. Sie sind nicht zentral organisierbar wie die konventionelle Energiewirtschaft. Sie sind dezentral als natürliche Umgebungsenergie an jedem Ort vorhanden und müssen deshalb auch dezentral genutzt werden. „Jede Revolution kommt von unten“, sagt Markus Wirth, Vorstand der Wirsol Solar AG, einem der größten Photovoltaik-Dienstleister Deutschlands. „Die Energiewende kann man nicht am Berliner Reißbrett planen.“

Wie die Energiewende in der Realität funktioniert, erfährt man auf den Treffen der Branche, zum Beispiel auf der „Eurosolar“ in Darmstadt. Das Top-Thema: Die Rekommunalisierung der Stromnetze. Was sperrig klingt, ist nichts weniger als der Beginn einer Demokratisierung des Energiemarktes. Zum Hintergrund: Konzessionsverträge für Strom- und Gasverteilernetze galten früher für 50 Jahre – eine endlos lange Zeit und daher ein mächtiges Instrument in den Händen der großen Energieversorger. Der Gesetzgeber schob dieser Praxis vor 20 Jahren einen Riegel vor und verkürzte die Vertragslaufzeit auf maximal 20 Jahre - diese Angaben gelten für Deutschland und differieren teils in der Schweiz.

Nun laufen bis 2013 rund 3000 dieser Verträge aus. Die Kommunen (resp. Gemeinden und Kantone hierzulande) stehen damit vor der Qual der Wahl. Denn neben einer Vertragsverlängerung mit den bisherigen Netzbetreibern oder der Wahl eines neuen Partners gibt es eine weitere Option: Der Ankauf des Netzes und die Gründung eigener Stadtwerke. „Volkswirtschaftlich relevante Infrastrukturen sind in kommunaler Hand viel besser aufgehoben“, sagt Timm Fuchs vom Deutschen Städte- und Gemeindebund, „denn Kommunen sind dem Gemeinwohl verpflichtet und nicht den finanziellen Interessen Einzelner.“ Damit seien Instandhaltung und Versorgung auf das Wohl der Allgemeinheit und nicht auf Investoreninteressen gerichtet.

Es geht um die wohl gewaltigste Systemtransformation der letzten 100 Jahre. Und die kann von regionalen Versorgern deshalb besonders glaubhaft übernommen werden, weil gerade sie durch ihre örtliche Nähe das nötige Wissen besitzen, um lokale Synergien zu erkennen und zu nutzen – ein Vorteil, der im Bereich der erneuerbaren Energien gar nicht hoch genug bewertet werden kann. Durch die Stärkung der eigenen Stadtwerke erhält eine Gemeinschaft außerdem die Möglichkeit, direkten Einfluss auf regionale Erzeugungskapazitäten zu nehmen. Die standortgemäße Entwicklung von Ökologie und Infrastruktur ist dabei ein weiterer natürlicher Schritt. „Es gilt nach wie vor, dass die Menschen vor Ort die Dinge meist kompetenter beurteilen können, als irgendwo von einem fernen Schreibtisch aus“, sagt Fuchs, der die allmähliche Entwicklung der Kommunen hin zur Selbstversorgung seit Jahren unterstützt.

Das nötige Know-How ist allerdings auch hier die Grundvoraussetzung für den Erfolg. Deshalb ist die Auswahl der richtigen Partner das zentrale Erfolgskriterium auf dem Weg in die Unabhängigkeit. Idealer Weise handelt es sich um solche Partner, die willens sind, ihr Know-How auch zu vermitteln. Nur so steht am Ende die Transformation vom Versorgten zum Versorger. Johannes van Bergen, Geschäftsführer der Stadtwerke Schwäbisch Hall, hat bereits mehrere Kommunen bei der Netzübernahme und auf dem Weg in die Selbstversorgung begleitet: „Die positiven Effekte liegen vor allem im Querverbund“, erklärt er, „also in der Fähigkeit, die vorhandenen Strom-, Gas-, Wasser-, Fernwärmeressourcen und die erneuerbaren Energien zu einem an diesem Ort schlüssigen Gesamtkonzept zusammenzuführen.“ Ein Querverbund, der nicht zuletzt steuerliche Vorteile verspricht. Denn auf diese Art können weniger erfolgreiche Sparten mit gewinnbringenden verrechnet werden und so die Steuern für letztere senken.

Unverzichtbar ist es, die Bürger in die neuen Strukturen der Energiewende einzubinden.
Aber auch bei der Schaffung gesellschaftlicher Akzeptanz haben die Stadtwerke klare Vorteile gegenüber den großen Versorgern. Der Name und die handelnden Personen sind vor Ort bekannt, das schafft Vertrauen und die Bereitschaft zum Diskurs. „Frühzeitige Information ist nicht zuletzt eine Frage der örtlichen Nähe“, sagt Markus Wirth.

Quellen: WIRSOL SOLAR AG / Sonnenseite

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