Mittwoch, 24. November 2021

Wider die Atom-Euphorie

Ein paar Einwände zur wiederholten Verunglimpfung der möglichen Rolle der Solarenergie in der künftigen Energiepolitik der Schweiz (tröstlich ist, dass solche  Einschätzungen letztlich durch den Siegeszug der Solarenergie in aller Welt widerlegt werden). Die folgenden Argumente beziehen sich unter anderem auf einen Artikel des Musikprofessors Martin Schlumpf, der sich in letzter Zeit als vehementer Gegner der Energiestrategie 2050 und als Befürworter der Atomenergie zu profilieren versucht. Hier die Gegenrede von Solarmedia-Autor Guntram Rehsche.

- Der verwendete Energie-Effizienz-Begriff der Solarskeptiker ist unangemesssen, denn auch Atomstrom ist nicht effizient, nur 1/3 der erzeugten Energie wird genutzt (Rest verpufft als Wärme in den Kühltürmen).
- Was mühsam mit einer Artikel-Grafik herbei geschrieben wird > siehe hier, ist längst allgemein bekannt und weder bestritten noch unlogisch. Aber schon unter Einbezug der Berglagen sieht die mögliche solare Stromproduktion wesentlich anders aus, und damit auch die verwendete Grafik - abgesehen von technologischen Fortschritten, die sich bereits handfest abzeichnen.
- Wenn die jetztigen Solarkapazitäten um den Faktor 11,6 vergrössert werden und dabei die gegenwärtige Struktur fortschrieben wird (fast keine Anlagen in alpinen Gebieten), so wird das der angestrebten Entwicklung der Solarwirtschaft in der Schweiz (viele Anlagen in den Bergen) eben nicht gerecht.
- Atomkraft ist nicht wie von den Atombefürwortern immer wieder behauptet verbrauchsgerecht - sie produziert beispielsweise in der Nacht Strom, den wir eigentlich nicht brauchen (und der völlig ineffizient in Heizungen geleitet wurde / wird). Zuverlässig ist auch ein grosses Wort: Leibstadt steht wie schon mehrfach seit Monaten still (wo ist da eigentlich der immer auch herbeigeschriebene Blackout?). Und international hat beispielsweise Fukushima 2011 die japanische Atomstromproduktion für Jahre still gelegt.
- Nur 10% Auslastung der Solarkapazität sagt wenig aus. Vielmehr liefern die PV-Anlagen während des ganzen Tages und eben nicht nur jede zehnte Stunde, wie mit dieser Aussage suggeriert. Nur liefern sie mal mehr, mal weniger. Wenn hingegen ein AKW ausfällt, was so selten nicht ist, dann herrscht wirkliche Flaute.
- Zum Speicherargument (Schlumpf Originalton: «Viele werden jetzt einwenden, dass wir den sommerlichen Überschussstrom einfach für den Winter speichern können. Dies ist aber ein reines Wintermärchen, denn für die erforderliche Langzeitspeicherung gibt es noch keine im geforderten Ausmass etablierte Technologie, die auch nur einigermassen kostengünstig ist»): Es ist anerkannt, aber längst nicht so verheerend wie dargestellt. Jener Strom, der in die E-Mobilität fliessen soll, wird selbstredend in Autobatterien gespeichert, braucht also nur wenig zusätzliche allgemeine Speicherkapazität. Die Speichertechnologie macht auch laufend grosse Fortschritte bei laufend verminderten Kosten.
- Ist ja nett, dem Solarstrom wenigstens seine Mittagstauglichkeit (Produktion während Verbrauchsspitze) zuzusprechen.
- Fazit zu den vermeintlich grossen Vorteilen der Atomkraft: All deren Probleme werden in Ihrer Argumentation einfach weggelassen. Diese hier aufzuzählen, sprengt sowohl den Rahmen wie auch den Atomwahn, von dem die neu erweckten Atom-Apologeten beseelt sind (und die sogenannte Volkspartei SVP). Stichworte mögen hier genügen: Zu spät, zu teuer, weiterhin zu gefährlich und systemuntauglich in den meisten Bereichen - sowie weder gesellschafts- noch politikfähig und -tauglich.  

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