Sonntag, 18. März 2018

Speicherausbau ungewiss

«Energiespeicher für unabhängige Produzenten» war das Thema der diesjährigen VESE-Tagung, die am Wochenende mit immerhin rund 80 Teilnehmenden stattfand. VESE steht dabei für den Verband unabhängiger Energieerzeuger – und vereinigt in erster Linie Betreiber von Solarstromanlagen in der Schweiz.

Auch vorgestellt an der VESE-Tagung: Speicherlösung
des schweizerisch-deutschen Batterienherstellers
Leclanché für die Atlantikinsel Graciosa
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Eine Meldung aus der Welt der sich schnell entwickelnden Speichertechnologie sorgte in diesen Tagen für Aufsehen: Der (deutsch-holländische Strom-) Netzbetreiber Tennet will mit Partnern herausfinden, wie Batterien von Elektroautos zur Stabilität des Stromnetzes beitragen können. Quasi parallel behandelte auch VESE an der Frühjahrstagung in Zürich (unter anderem) diese Frage. Dem übergeordnet galt es herauszufinden, ob die Zeit für Batteriespeicherlösungen in der Schweiz schon reif ist. Das Resultat war nicht eindeutig – der Basler Ex-Nationalrat und Energiespezialist Rudolf Rechsteiner plädierte etwa dafür, alle Kraft in den Ausbau der Erneuerbaren Energien zu stecken. Zumal die verfügbaren Batterien noch nicht wirtschaftlich zu betreiben seien. 

Dennoch: Die Entwicklung der Speichertechnologie vollzieht sich rasend schnell – vor allem auch in ökonomischer Hinsicht. Hier sind Preisentwicklungen zu beobachten, wie sie vor zehn Jahren bei den Solarmodulen einsetzten (und immer noch anhalten). Schliesslich kennt man das auch von der anderen grossen Technologie, die Halbleiter als Basis hat – der Computertechnologie: Man hinkt der Entwicklung immer hinterher - und wenn man sich nie für eine Investition entscheidet, verpasst man sicher etwas. Mit anderen Worten: Speicherlösungen machen als Ergänzung einer Solaranlage eben doch auch heute schon Sinn. Und das vor allem, wenn man das Ganze im System denkt und die Elektro-Mobilität einbezieht. Das propagiert der Solarpionier Thomas Nordmann schon lange – und fährt entsprechend auch schon länger ein Elektroauto, das er mit selbst erzeugtem Solarstrom lädt. 

Nur ein bestimmter Schritt ist mit dieser Lösung hierzulande noch kaum möglich, obwohl er sinnvoll und technisch an sich möglich wäre: Die Autoproduzenten verhindern  in vielen Fällen, dass ihre leistungsfähige Autobatterie als häuslicher Stromspeicher verwendet wird – bei Tesla scheint’s aus Garantieüberlegungen. Und dennoch – die eingangs erwähnte Meldung aus Deutschland macht es deutlich: Elektroautos werden in Zukunft verstärkt auf den Straßen rollen. Und die Zunahme von erneuerbaren Energien und Elektroautos stellt die Stromwirtschaft vor  Herausforderungen. Der Übertragungsnetzbetreiber Tennet, der Energiedienstleister The Mobility House und der Automobilhersteller Nissan haben dafür in Deutschland ein gemeinsames Pilotprojekt gestartet, bei dem die Autobatterien  als Strompuffer dienen sollen (Quelle: iwr.de). In einem Pilotprojekt nutzen die Projektpartner das Potenzial der Batterien von Elektrofahrzeugen, lokal produzierten Strom zu speichern und wieder einzuspeisen, um das Stromnetz zu stabilisieren. Dabei werden Batterien für Elektrofahrzeuge genutzt, die sowohl Strom speichern als auch wieder ins Stromnetz einspeisen können – der Batteriespeicher wird zur Entlastung für das Stromnetz - und damit auch die Notwendigkeit vermindert, das Stromnetz auszubauen. 

Hierzulande allerdings, das wurde an der VESE-Tagung auch klar, klappt noch nicht einmal das Zusammenspiel von Batterien, Hochleistungs-Ladestationen und Automodellen reibungslos. Aber wie erwähnt – die Technologie entwickelt sich rasend schnell...

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