Zwei Staaten haben übers Wochenende für Furore gesorgt. Erwähnt wurde hier auch schon Ungarn (siehe Solarmedia vom 6.April 2026). Dieses steht an der Spitze unter den Solar-Anwendern in Europa, und das ganz plötzlich, nachdem es lange Zeit als Nachzügler galt.
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| Pakistans Entwicklung gilt als eigentliche Solar-Revolution, getrieben von hunderttausenden von Anwendungen - Bild WION |
- Energiekrise als Katalysator: Pakistan litt unter jahrelangen Stromausfällen (Load Shedding bis zu 12 Stunden täglich), explodierenden Strompreisen (um über 155 % in nur drei Jahren gestiegen durch teure IPP-Verträge aus den 1990er-Jahren, Rupien-Abwertung und globale Preisschocks wie den Ukraine-Krieg). Gleichzeitig wurden Diesel-Generatoren teuer. Solar wurde plötzlich zur günstigen, zuverlässigen Alternative – vor allem für Bewässerungspumpen, Industrie und Haushalte.
- Günstige Technik aus China: Die Preise für Solarmodule sanken dramatisch (von ca. 0,35 USD/Watt 2017 auf 0,08 USD/Watt 2025). Pakistan importierte riesige Mengen: 17 GW Module allein 2024 (weltweit einer der größten Importeure, teilweise sogar mehr als manche Industrieländer installieren), kumulativ rund 50 GW. Viele Anlagen wurden „behind-the-meter“ (ohne Netzeinspeisung) oder off-grid gebaut.
- Net-Metering-Politik als Turbo: Die 2015 eingeführten Net-Metering-Regeln erlaubten eine 1:1-Verrechnung von eingespeistem Überschussstrom zum hohen Durchschnittspreis (ca. 26–27 PKR/kWh ≈ 0,093 USD). Die Amortisation betrug oft nur 1–2 (max. 4) Jahre – extrem attraktiv. Dazu kamen Steuerbefreiungen auf Module (seit 2013, erweitert 2022).
- Net-metered Rooftop-Solar: Von ca. 2,5 GW (2024) auf 5,3 GW (Ende April 2025) bzw. 6,1 GW (Juni 2025). Monatlich wurden zeitweise 500+ neue Systeme installiert.
- Gesamte verteilte Solarleistung (inkl. Off-Grid, Behind-the-Meter, Landwirtschaft): Schätzungen von Think-Tanks liegen bei 27–33 GW installiert (davon ca. 19 GW nicht net-metered).
- Utility-Scale (große Kraftwerke): Nur ca. 0,5–0,7 GW (z. B. Quaid-e-Azam Solar Park 400 MW + weitere Projekte).
- Anteil am Strommix: Solar lieferte 2025 zeitweise bis zu 25 % des Netzstroms; die Erzeugung aus Solar stieg deutlich schneller als global.
- Rahmen: Alternative & Renewable Energy (ARE) Policy 2019 mit dem Ziel 20–30 % Erneuerbare bis 2030 (Solar als Schwerpunkt). Solarpotenzial wird auf über 40 GW geschätzt.
- Kerninstrument: Net-Metering-Regulations 2015 (bis 1 MW, 7-Jahres-Lizenz, volle Einspeisevergütung).
- Wichtige Änderung 2025: NEPRA hat im Dezember 2025 die Prosumer Regulations 2025 vorgestellt und konsultiert (ersetzen die alten Regeln).
- Wechsel von reinem Net-Metering zu Net-Billing: Verbrauch (Import) wird zum vollen Retail-Tarif bezahlt, Überschuss (Export) nur noch zum deutlich niedrigeren „National Average Energy Purchase Price“ vergütet (von ca. 26–27 PKR/kWh auf ca. 10–13 PKR/kWh – über 60 % Kürzung für Neuanlagen).
- Lizenzdauer verkürzt auf 5 Jahre.
- Bestehende Anlagen bleiben bis Vertragsende geschützt.
- Grund für die Reform: Hohe Einnahmeverluste der Verteilnetzbetreiber (DISCOs), Quersubventionierung (Nicht-Solar-Kunden, vor allem Ärmere, zahlen mehr), Netzstabilität und „free-battery“-Effekt. Es gibt zusätzlich eine 10 %-Importsteuer auf Module seit Juni 2025, aber auch provinziale Subventionsprogramme für Arme und Landwirtschaft (z. B. Punjab für Tube-Wells).
- Positiv: Der Boom dämpft Stromausfälle, steigert Energieunabhängigkeit (Pakistan ist weniger anfällig für globale LNG- oder Ölkrisen) und schafft ländliche Arbeitsplätze/Produktivität (z. B. solarbetriebene Bewässerung). Bis 2026 könnte Solar 20 % oder mehr des Stroms liefern; weitere Utility-Scale-Projekte (z. B. Layyah 1.200 MW) sind geplant. Die Politik bleibt grundsätzlich solarfreundlich, nur die Anreize werden „nachjustiert“, um das System nachhaltig zu machen.
- Herausforderungen: Netzstabilität (Überschuss bei Tag, Nachfrage bei Nacht → Speicher nötig), Datenlücken bei nicht gemeldeten Anlagen, soziale Ungleichheit (Solar lohnt sich vor allem für Besserverdienende) und mögliche Verlangsamung durch die neuen Regeln.
- Prognose: Das Wachstum geht weiter, aber etwas gebremst und strukturierter. Pakistan gilt bereits als Lehrbeispiel, wie ein Entwicklungsland mit instabilem Netz durch dezentrale Solarenergie resilienter werden kann – vorausgesetzt, die Politik begleitet den Boom mit smarter Netzintegration und inklusiven Maßnahmen für alle Schichten.Quelle: Solarmedia & Grok


