Samstag, 23. Oktober 2021

Wärme für die Zukunft - So funktioniert Anergie

Über das Anergienetz wird Abwärme aus den benachbarten Rechenzentren von Swisscom Binz und Credit Suisse Uetlihof im Quartier verteilt und mit Hilfe von Wärmepumpen zum Heizen der Gebäude genutzt. Dafür wird die im Sommer anfallende Abwärme in mehreren Erdsonden-Feldern im Untergrund gespeichert und im Winter wieder gefördert. Dank der Abwärmenutzung sinkt der Bedarf an fossilen Energieträgern und der Ausstoss von CO2.

Quelle: fgzzh.ch

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Freitag, 22. Oktober 2021

Klimaschutz schafft 100'000e Arbeitsplätze

Die älteste Leier der deutschen Klimapolitik? „Man darf die Wirtschaft nicht überfordern.“ Nun zeigt eine Greenpeace-Studie: Mehr Klimaschutz schafft Jobs und Wachstum.

Mehr Ehrgeiz beim Klimaschutz schafft Arbeitsplätze und stärkt die Wirtschaft, zeigt eine heute veröffentlichte Studie der Gesellschaft für wirtschaftliche Strukturforschung (GWS) im Auftrag von Greenpeace. Als erste Metastudie ihrer Art in Deutschland analysiert sie 25 Klimaschutz-Szenarien aus insgesamt zwölf Studien auf ihre ökonomischen Folgen. Alle untersuchten gesamtwirtschaftlichen Szenarien zeigen dabei einen positiven Effekt verglichen mit dem Status Quo. Im Durchschnitt aller Studien entstehen durch ambitionierten Klimaschutz bis zum Jahr 2030 etwa 275.000 zusätzliche Arbeitsplätze. Im optimistischsten Szenario sind es sogar 1,2 Millionen Jobs, im konservativsten immer noch 30.000. „Besserer Klimaschutz sorgt nicht für weniger, sondern für mehr Beschäftigung“, sagt Greenpeace Volkswirt Mauricio Vargas. „Die Menschen in Deutschland profitieren, wenn die nächste Bundesregierung die ökologische Modernisierung mit aller Kraft voranbringt.“ (Die Studie online: https://act.gp/3jjgKSb)

Mehr Ehrgeiz, etwa durch eine Entfesselung des Ausbaus der erneuerbaren Energien, wirkt sich insgesamt positiv auf die deutsche Wirtschaftsleistung aus. Alle untersuchten Studien weisen im Schnitt bis zum Jahr 2030 eine Wachstumsbeitrag von 1,1 Prozent aus, im optimistischsten Fall sogar um 2,5 Prozent. „Ohne Nachbesserungen beim Klimaschutz verpasst die Wirtschaft Wachstumsimpulse und riskiert Wettbewerbsnachteile. Der gefährliche Rückstand der deutschen Autobauer beim Umstieg auf saubere Antriebe ist hier eine deutliche Warnung“, so Vargas. „Die potenziellen Koalitionäre sollten diese Gefahr ernst nehmen. Ein schnellerer ökologischer Umbau stärkt die Wirtschaft und hilft, künftige Klimaschäden zu vermeiden.“

Branchen profitieren unterschiedlich von mehr Klimaschutz: Hinter den kalkulierten gesamtwirtschaftlichen Auswirkungen durch besseren Klimaschutz stecken deutliche Branchenunterschiede. Zu den klaren Profiteuren höherer Anstrengungen zählen die Bauwirtschaft und die Elektroindustrie. Gewinnen werden voraussichtlich auch der Handel und der Dienstleistungssektor sein. Schwieriger gestaltet sich der Umbau für die fossile Energiewirtschaft und die noch immer stark vom Verbrenner abhängige Automobilwirtschaft. Die sinkenden Beschäftigtenzahlen werden hier jedoch durch parallel wirkende positive Effekte gering ausfallen.

Donnerstag, 21. Oktober 2021

Axpo: Yes we can!

Am Donnerstag haben Axpo CEO Christoph Brand und Axpo-Chefökonom Martin Koller ein Szenario präsentiert, wie und zu welchen Kosten die Schweiz die Energiewende bei gleichzeitig hoher Stromversorgungssicherheit erreichen kann. Sie zeigten gemäss der folgenden Medienmitteilung, dass der notwendige Ausbau erneuerbarer Energien möglich ist – wenn Bewilligungsverfahren und Finanzierungsmöglichkeiten dies zulassen.  

Die Schweiz will aus der Kernenergie aussteigen und den CO2-Ausstoss auf Netto-Null reduzieren. Dafür sollen die einheimischen erneuerbaren Energien gemäss Energiestrategie 2050 deutlich ausgebaut werden. Doch die Schweiz kommt kaum voran – die Ausbaugeschwindigkeit müsste sich vervielfachen. Stromversorgungsunterbrüche könnten schlimmstenfalls bereits ab 2025 Realität werden. Erhöht sich das Ausbautempo nicht, müsste bereits ab 2035 fast ein Drittel des Stroms importiert werden. Wenn die Versorgungssicherheit gewährleistet bleiben soll, muss die Schweiz jetzt entscheiden, mit welchem Strommix die Jahrhundertaufgabe gelingen kann, wie die gewünschten Stromquellen im notwendigen Ausmass zugebaut werden können und welche Kosten dabei entstehen dürfen.

Gestützt auf ihre Expertise aus dem In- und Ausland hat Axpo als grösste Stromproduzentin der Schweiz am Donnerstag einen Beitrag zu dieser Diskussion präsentiert. CEO Christoph Brand und Chefökonom Martin Koller stellten interessierten Kreisen aus Medien, Politik, Verwaltung, Forschung und Branche ein Szenario vor, mit dem die Energiewende bei gewährleisteter Stromversorgungssicherheit erreicht werden kann.

Axpo Szenario für eine sichere Stromversorgung mit erneuerbaren Energien

Annahmen des Szenarios: Die Nachfrage steigt bis 2050 um über 35 Prozent, da Elektroautos, Wärmepumpen und die Wasserstoffproduktion sowie die wachsende Bevölkerung mehr Strom verbrauchen, als durch Effizienzmassnahmen eingespart werden kann. Damit ist die Schweiz ist im Winter in jedem Fall auf Importe angewiesen, um den Strombedarf in einzelnen Momenten effizient decken zu können. Das Axpo-Szenario definiert eine Limite von 10 TWh Importen. Das Ziel einer vollständig autarken Schweiz wäre mit viel zu hohen Kosten und gesellschaftlichen Widerständen verbunden.

  • In der Produktion sieht das Axpo-Szenario die Nutzung diverser CO2-neutraler Technologien vor und setzt neben einem starken Ausbau von PV auf Dächern auch flankierend auf alpine PV, Wind, Geothermie und Biomasse. Im Vergleich zu einem Fokus auf eine einzelne Technologie nutzt dieser diversifizierte Ansatz alle Potenziale und führt zu einer stärkeren Stromeinspeisung im Winter. Es gibt keine einzelne Technologie oder Massnahme, die das Problem integral lösen könnte. Nur mit einem Zusammenspiel gelingt eine sichere Energiewende rechtzeitig. Für die Wasserkraft trifft das Szenario die eher optimistische Annahme, dass sich Restwassersanierungen und Ausbau in etwa ausgleichen und die Produktion auf dem heutigen Niveau verharren wird.
  • Ab 2040 werden in den Wintermonaten zusätzlich Gaskraftwerke basierend auf CO2-neutralem Gas eingesetzt, um die drohende Knappheiten zu decken, wenn die Kernkraftwerke nach 60 Jahren Laufzeit zu ersetzen sind.
  • Mit diesem Mix ist die Schweizer Jahresbilanz ungefähr ausgeglichen, es wird im Inland in etwa so viel Strom erzeugt wie verbraucht.
  • Während einer «Dunkelflaute», einer Extremsituation mit sehr wenig Photovoltaik und sehr wenig Wind, kann sich die Schweiz dank einer Speicherreserve – einer Rückhaltung von Wasser zur Stromproduktion – während mindestens zwei Wochen versorgen.
  • Im Axpo-Szenario müsste sich der Netzzuschlagsfonds mit maximal rund elf Milliarden Franken im Jahr 2046 verschulden können, was zurzeit nicht möglich ist. Anschliessend beginnt der Verschuldungsgrad wieder abzusinken. Diese Kosten könnten durch einen stärkeren Fokus auf eine Technologie (PV) und durch mehr Stromimporte zwar reduzieren werden, doch dies würde die Importabhängigkeit verschärfen und im Stressfall zu Versorgungsengpässen führen. In jedem Fall aber gilt: Die Finanzierungskosten sind im Vergleich zu einer Strommangellage vernachlässigbar.
  • Das Szenario geht von einer substanziellen Beschleunigung der Verfahren gegenüber dem Status Quo aus. Mit weiteren Verbesserungen bei den langwierigen Prozessen könnten die erneuerbaren Energien Wasser und Wind stärker ausgebaut werden.

Neben der Präsentation des Szenarios und des zugrundeliegenden Berechnungs-Tools «Power Switcher» wies Axpo CEO Christoph Brand auf verschiedene Hürden hin. «Technisch wäre der notwendige Ausbau erneuerbarer Energien machbar. Doch lange Bewilligungsprozesse und fehlende Wirtschaftlichkeit verhindern ein rasches Vorankommen. Die Schweiz muss diese Probleme nun lösen, damit der Ausbau endlich richtig vorwärtsschreitet.»

Den eigenen Strommix erstellen – mit dem «Power Switcher»

Berechnet und dargestellt wurde das Axpo-Szenario mit dem neuem «Power Switcher». Mit dem öffentlich zugänglichen online Tool konfigurieren Interessierte den Ausbau verschiedener Stromquellen. Sie erstellen so individuell den Schweizer Strommix der Zukunft. Sie erkennen, ob ihr Strommix die künftige Nachfrage decken kann oder wieviel Importe notwendig wären, um ein Blackout abzuwenden. Neben dem Axpo-Szenario sind auch diejenigen des Bundesamts für Energie sowie von SP-Nationalrat Roger Nordmann, GLP-Nationalrat Jürg Grossen und alt SP-Nationalrat Rudolf Rechsteiner dargestellt. Und schliesslich ist ebenfalls ersichtlich, wie sich ein «Weiter wie bisher» auswirken würde.

Die Berechnungen erfolgen basierend auf transparenten und nachvollziehbaren Daten. Sämtliche Annahmen werden offengelegt. Axpo entwickelt den Power Switcher stetig weiter.
powerswitcher.axpo.com

Zudem: Erfahren Sie Fakten, Hintergründe und Zusammenhänge zur Energiewende auf axpo.com/energiewende-schweiz und hören Sie die neuste Folge des Podcasts Energy Voices mit Bundesrätin Simonetta Sommaruga.

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Dienstag, 19. Oktober 2021

Energievorbilder für Klimaschutz bis 2030

Die zivile Bundesverwaltung, das VBS sowie 13 weitere Akteure der Initiative Vorbild Energie und Klima gehen als Vorreiter voran: Bis 2030 werden sie die Energieeffizienz weiter steigern und die erneuerbaren Energien ausbauen. Die Bundesrätinnen Simonetta Sommaruga (UVEK) und Viola Amherd (VBS) haben auf dem Waffenplatz Thun gemeinsam mit den Akteuren die zweite Phase der Initiative Vorbild Energie und Klima eingeläutet. Die Initiative trägt zur Umsetzung der Energiestrategie 2050 und zur Erreichung des Klimaziels Netto-Null bis 2050 bei. Ein neues Handlungsfeld in der zweiten Phase sind die klimaverträglichen Finanzflüsse, denn die Investitionsentscheide von heute sind mitentscheidend, wie viele Treibhausgase in Zukunft emittiert werden.

In der Initiative Vorbild Energie und Klima haben sich während der ersten Phase von 2013 bis 2020 zehn Akteure – die Post, ETH-Bereich, Genève Aéroport, SBB, SIG, Skyguide, Suva, Swisscom, VBS und die zivile Bundesverwaltung – zusammengeschlossen, um ihre Energieeffizienz zu erhöhen und die Verwendung erneuerbarer Energien zu fördern. Für die neue Phase von 2021 bis 2030 haben sich fünf weitere Akteure – PostFinance, PostAuto, die SRG, die Flughafen Zürich AG und die RUAG MRO Holding AG – für die Initiative verpflichtet. Der Energieverbrauch aller Akteure macht mehr als 2,5 Prozent des Schweizerischen Gesamtenergieverbrauchs aus.

Ambitionierte Ziele definiert für neue Phase 2021 bis 2030: Am Startanlass vom 19. Oktober 2021 haben die Bundesrätinnen Simonetta Sommaruga und Viola Amherd sowie die Direktoren und CEOs der Akteure die Absichtserklärung für die neue Phase 2021 bis 2030 unterzeichnet. Damit verpflichten sich alle Akteure, die Energieeffizienz weiter zu steigern und den Umstieg auf erneuerbare Energien voranzutreiben. Sie werden 15 gemeinsame Massnahmen in den Bereichen Management, Beschaffung und Betrieb umsetzen und zahlreiche individuelle, auf die Akteure zugeschnittene Massnahmen realisieren. Für die Energieeffizienz, die ökologische Stromproduktion sowie den Anteil an erneuerbarer Wärme respektive Kälte und Treibstoffe haben die Akteure ambitionierte, individuelle Ziele bis 2026 bzw. 2030 festgelegt. Der Anteil an erneuerbarem Strom soll bei allen bis spätestens 2026 auf 100 Prozent steigen.

Energieziele in der ersten Phase übertroffen: Die Bilanz der ersten Phase ist äusserst positiv. Von 2013 bis 2020 steigerten die zehn Akteure ihre Energieeffizienz im Vergleich zum Basisjahr 2006 um 31,1 Prozent. Das gemeinsame Ziel, die Energieeffizienz um 25 Prozent zu erhöhen, haben sie bereits 2015 erreicht. Ihren Anteil an erneuerbaren Energien – inklusive Strom – steigerten sie von ursprünglich 35,5 auf 60,2 Prozent. Der Strom stammt bereits jetzt beinahe zu 100 Prozent aus erneuerbaren Quellen. Das zeigt der im Juni 2021 publizierte Bericht zur ersten Phase 2013–2020. Diese Fortschritte waren möglich dank 39 gemeinsamen und 117 spezifischen Massnahmen. Darunter etwa die mit dem Watt d’Or ausgezeichneten Projekte: Das Anergienetz der ETH Zürich sowie das mit Regenwasser gekühlte Rechenzentrum der Swisscom, dessen Abwärme eine ganze Nachbarschaft heizt. Weitere Beispiele von Massnahmen waren die Umstellung der Hälfte der Postzustellfahrzeuge auf umweltfreundliche Antriebe oder das optimierte Anflugmanagement der Skyguide für den Flughafen Zürich.

Gemeinsame Fortschritte und Sichtbarkeit der Massnahmen: Mit klaren Zielen, Massnahmen, dem Controlling und dem gemeinsamen Austausch bietet die Initiative den Akteuren einen unterstützenden Rahmen für Fortschritte im Klima- und Energiebereich und sorgt für Sichtbarkeit und Akzeptanz der Massnahmen. Die Akteure gehen als Vorbild voran und zeigen anhand guter Beispiele und mit praxistauglichen Hilfsmitteln, wie das Ziel einer klimaneutralen Schweiz erreicht werden kann. Der Beitritt der fünf neuen Akteure und das Interesse weiterer Unternehmen und Organisationen zeigen, dass die Initiative das Bedürfnis nach einem strukturierten Rahmen und einem aktiven Netzwerk für die Umsetzung der Energiestrategie 2050 gut abdeckt.

Über die Initiative Vorbild Energie und Klima: Die Initiative ist eine Massnahme der Energiestrategie 2050 und richtet sich an die wichtigsten Schweizer Anbieter von öffentlich relevanten Dienstleistungen, die im Bereich Energie und Klima innovativ und vorbildlich handeln wollen, indem sie ihre Energieeffizienz steigern und den Umstieg auf erneuerbare Energien fördern. Die Akteure leisten damit ihren Beitrag zur Umsetzung des Pariser Übereinkommens von 2015. Dieses hat zum Ziel, die weltweite Klimaerwärmung im Vergleich zur vorindustriellen Zeit auf deutlich unter 2 Grad Celsius zu begrenzen und einen maximalen Temperaturanstieg von 1,5 Grad Celsius anzustreben.


Adresse für Rückfragen

Andreas Renggli, Polarstern AG, Kommunikation für die Geschäftsstelle Vorbild Energie und Klima, 079 304 17 07, andreas.renggli@polarstern.ch
Medienstelle BFE, 058 460 81 52


Mittwoch, 13. Oktober 2021

So geht Versorgung mit Strom im Winter

Wie steht es um die künftige Energieversorgung und die Versorgungssicherheit, wenn die Schweiz bis 2050 das Netto-Null-Ziel erreichen will? Die Energieperspektiven 2050+, die im November 2020 publiziert wurden, geben Antworten darauf. Ein wichtiges Thema dabei ist zum Beispiel die Stromversorgung der Schweiz im Winterhalbjahr. Dazu liegt nun ein ergänzender Exkurs vor – ebenso einer zur Rolle der Biomasse in der künftigen Energieversorgung.

Michael Kost ist im Bundesamt für Energie Leiter der Sektion Analysen und Perspektiven. Energeiaplus hat bei ihm nachgefragt, welche Bedeutung diese Exkurse haben und was die wichtigsten Erkenntnisse sind.

Energeiaplus: Knapp 70 Seiten umfasst der Exkurs zur Winterstrom-Versorgung. (Französische Version hier) Es ist eine umfassende Zusammenstellung, welche den Status Quo, die mögliche Entwicklung und die zentralen Optionen der Schweizer Stromversorgung im Winterhalbjahr einbezieht. Warum die gesonderte Betrachtung dieses Themas?

Michael Kost leitet die Sektion
Analysen und Perspektiven
im Bundesamt für Energie; Bild: BFE

Michael Kost: Bereits heute ist die Schweiz im Winter ein Netto-Stromimporteur. Dies wegen des höheren Strombedarfs während der kalten Monate und des hohen Anteils der Wasserkraft an der Stromerzeugung, die im Winter weniger liefert. Im Sommer ist die Schweiz hingegen ein Netto-Exporteur. Wenn die Kernkraftwerke nach und nach vom Netz gehen, wird sich die Winter-Importsituation mittelfristig, das heisst in den 2030er Jahren, vorübergehend verschärfen, bis gegen 2050 genügend erneuerbare Anlagen wie Photovoltaik, Windenergie inländisch produzierten Strom liefern.

Durch den Abbruch der Verhandlungen über ein Rahmenabkommen mit der EU liegt auch das geplante Stromabkommen nun auf Eis. Dadurch ergeben sich bereits kurz- bis mittelfristig gewisse Unsicherheiten bezüglich der Winterstromversorgung (siehe Medienmitteilung des Bundesrates vom 13. Oktober 2021). Die Energieperspektiven 2050+ sind auf diese kurze Frist aber nur bedingt aussagekräftig. Ihr Fokus liegt darauf, in verschiedenen Szenarien Erkenntnisse zur längerfristigen Versorgungslage zu liefern.

Die bisher publizierten Ergebnisse der Energieperspektiven 2050+ fokussieren auf die jährliche beziehungsweise auf die saisonale Betrachtung. Gerade bei der Diskussion über die Stromversorgung im Winter ist aber eine detailliertere Analyse, eine feinere zeitliche Auflösung notwendig. Deshalb werden im Exkurs auch wöchentliche und stündliche Analysen der Szenarienergebnisse dargestellt und diskutiert.

Was ist die Haupterkenntnis des Exkurses zum Winterstrom?

Auch wenn künftig die Winteranteile der Schweizer Stromerzeugung tiefer sind als heute und nach dem Kernenergieausstieg mehr Strom importiert werden muss, kann der Strombedarf auch im Winterhalbjahr zu jeder Stunde gedeckt werden. Das zeigen die Szenarien der Energieperspektiven 2050+. Sie gehen davon aus, dass die europäischen Nachbarn zur Erreichung der Klimaziele ebenfalls ihre Energiesysteme umstellen und es keine technischen oder politischen Handelsrestriktionen für den Stromaustausch mit dem Ausland gibt.

Wichtig ist: Es wird zwar Stunden geben, in denen die Schweiz keinen Strom importieren kann, aber in der Regel wird der Import möglich sein.  Ausserdem: Die Speicher- und Pumpspeicherkraftwerke, die Batteriespeicher bei Photovoltaikanlagen, die flexiblen Lademöglichkeiten der Elektromobile, oder die flexible Steuerung von Wärmepumpen verleihen dem Schweizer Stromsystem eine hohe Flexibilität. Das ermöglicht auch im Winter den Ausgleich über Stunden oder Tage. Davon profitiert nicht nur die Schweiz, sondern auch das Ausland.

Kann man auf Grund dieser Zusammenstellung Aussagen über die zukünftigen Herausforderungen machen?

Es braucht einen raschen Ausbau der erneuerbaren Stromproduktion inklusive der Wasserkraft. Daneben gilt es, die Flexibilitätspotenziale auf der Verbraucherseite auszunutzen. Diese entstehen insbesondere auch bei neuen Stromverbrauchern wie Elektrofahrzeugen und Wärmepumpen. Wichtig ist ebenfalls, dass die Schweiz in den europäischen Strommarkt eingebunden bleibt und die Stromnetze entsprechend den Bedürfnissen weiterentwickelt werden.

An wen richtet sich dieser Exkurs?

Der Exkurs ist eher technisch und richtet sich an all jene, die sich vertieft mit der Stromversorgung im Winter auseinandersetzen wollen.

Ein weiterer Exkurs wurde dem Thema Biomasse gewidmet. Warum zu diesem Thema?

Erneuerbare Energieträger wie Holz und Biogas können vielfältig eingesetzt werden und spielen bei der Dekarbonisierung des Energiesystems eine tragende Rolle. Aber die nachhaltigen Biomassepotenziale sind begrenzt. Künftig wird es wichtig sein, die vorhandene Biomasse am richtigen Ort einzusetzen.

Was zeigt dieser Exkurs auf?

Die einheimischen Biomassepotenziale müssen ausgeschöpft werden. Es kann auch eine gewisse Menge nachhaltiger Biomasse zum Beispiel in Form von Biogas importiert werden. Die beschränkten Biomassepotenziale sind als Ersatz für fossile Brennstoffe dort einzusetzen, wo die Elektrifizierung schwierig ist.

Hierzu gehören beispielsweise Hochtemperaturprozesswärme in der Industrie oder die Bereitstellung von Spitzenlast in Wärmenetzen. Wird die Wärme mittels Wärme-Kraft-Kopplung (WKK) erzeugt, kann so auch erneuerbarer Strom erzeugt werden. Hierzu gibt es mehr Informationen im bereits publizierten Exkurs zu den WKK-Anlagen.

Welche Rolle wird Biomasse in der künftigen Energieversorgung spielen?

Biomasse spielt auch in Zukunft bei der Wärmeversorgung der Gebäude eine nicht zu vernachlässigende Rolle, wobei hier vermehrt Wärmenetze zum Einsatz kommen. Längerfristig spielt Biogas in der Industrie eine bedeutende Rolle bei der Bereitstellung von Hochtemperaturprozesswärme. Es ersetzt hierbei das fossile Erdgas. Der in Kehrichtverwertungsanlagen genutzte biogene Abfall bleibt ein wichtiger biogener Energieträger zur Strom- und Fernwärmeerzeugung.

Nebst der Erzeugung von nahezu treibhausgasneutraler Wärme und Strom ist die Biomasse auch von hoher Bedeutung für die Erzeugung von negativen Emissionen. Werden grössere Biomassefeuerungsanlagen und Kehrichtverwertungsanlagen mit Carbon Capture and Storage (CCS) kombiniert, kann bei der Verbrennung das CO2 abgeschieden und nachträglich dauerhaft gespeichert werden. Hierzu ist im bereits publizierten Exkurs zu Carbon Capture & Storage (CCS) und Negativemissionstechnologien (NET) mehr zu erfahren. Sie finden den Artikel hier.

Interview: Brigitte Mader, Kommunikation, Bundesamt für Energie

Quelle: energeiaplus.com 

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Dienstag, 12. Oktober 2021

Erstes solarelektrisches Firmengebäude in Austria

Der österreichische Spezialist für solarelektrische Wärmeerzeugung my-PV hat nach sieben Monaten Bauzeit sein neues Betriebsgebäude eröffnet. Mit dem Neubau in Neuzeug folgt der Hersteller seinem Konzept „Kabel statt Rohre“ und setzt gemäss Medienmitteilung Maßstäbe in der solarelektrischen Wärmeversorgung. 

 

Andersherum entworfen hat my-PV sein neues Firmengebäude: „Anstatt die Solaranlage auf dem Gebäude zu planen, haben wir die Außenhülle rund um die Photovoltaikmodule geplant“, erläutert Geschäftsführer Dr. Gerhard Rimpler das Konzept. Die 108 Solarmodule, deren Maße die Gestaltung der Gebäudehülle vorgegeben haben, hängen an der Außenfassade. Die Paneele integrieren sich bündig in die Gebäudewand aus Lärchenholz. Auf dem mit neun Grad nach Süden geneigten Pultdach erzeugen weitere 200 Solarmodule insgesamt jährlich mehr als 82.000 Kilowattstunden Strom.

 

Überschüssiger Solarstrom aktiviert Gebäudefundament: Egal ob Warmwasser, Heizung oder Strom – die 100-kWp-Photovoltaikanlage versorgt das Gebäude komplett solarelektrisch. Dafür hat my-PV Elektroheizdrähte in das 25 bis 50 Zentimeter dicke Fundament eingegossen. Eine stufenlos leistungsgeregelte 40-Kilowatt-Elektroheizung aktiviert in den kälteren Monaten das Betonfundament mit überschüssigem Solarstrom. Die maximale Heizlast des Niedrigenergiehauses in Holzleichtbauweise ist mit 14 Kilowatt zwar deutlich geringer, die überschüssige Energie kann jedoch durch die Bauteilaktivierung zwischengespeichert und später wieder abgegeben werden.

 

Die Heiztechnik kommt vollständig ohne wassergeführte Leitungen aus. Denn auch das erste Obergeschoss wärmt eine handelsübliche Elektro-Fußbodenheizung, deren Heizdrähte im Estrich verlegt wurden. Im Sommer nutzt ein VRF-System den überschüssigen Solarstrom zum Kühlen der Räume. „Mit unserem neuen Firmengebäude verwirklichen wir unsere solarelektrische Vision“, sagt Rimpler.

 

Zwölf Leistungssteller AC•THOR bzw. AC•THOR 9s und ein übergeordnetes Energiemanagementsystem steuern die Haustechnik. my-PV hat die Geräte sowie einen 300-Liter-Warmwasserspeicher inklusive des Heizstabs AC ELWA-E gut sichtbar im Eingangsbereich des Gebäudes untergebracht. So sehen Besucher direkt beim Betreten des Gebäudes, wie die Gebäudeversorgung funktioniert. „Außerdem haben wir uns gegenüber konventioneller Haustechnik einen 20 Quadratmeter großen Haustechnikraum erspart. Das allein spart fast drei Prozent der Baukosten“, erklärt Rimpler.

 

Parkplätze ohne Flächenversiegelung: Die Parkplätze hat my-PV aus Kunststoffrastern mit recycelten Materialien angelegt. Es ermöglicht eine Begrünung der Parkflächen, sodass Regenwasser im Boden versickern kann. „Unser Parkplatz kommt fast komplett ohne Bodenversiegelung aus“, erläutert Rimpler. An zwei Schnellladestationen können Kunden künftig ihre Elektroautos mit umweltfreundlichem Solarstrom tanken; darüber hinaus verfügt jeder Parkplatz über eine 230-Volt-Anschlussmöglichkeit.  

 

Geringe Investitions- und Betriebskosten: Rund zwei Millionen Euro hat my-PV in das Projekt investiert. Die jährlichen Kosten für Strom, Heizung und Warmwasser für das Gebäude mit einer Geschossfläche von 858 Quadratmetern belaufen sich voraussichtlich auf rund 2.100 Euro. Das sind 67 Prozent weniger als bei Betriebsgebäuden ähnlicher Größe mit herkömmlicher Heiztechnik.

 

Die Aufzeichnung der Eröffnungsfeier finden Sie unter folgendem Link: https://www.youtube.com/watch?v=eIlOuVRHIEo&t=2552s

 

Über my-PV

Der Hersteller my-PV GmbH aus Neuzeug wurde 2011 gegründet. Er hat sich seitdem zu einem bedeutenden Hersteller für die Warmwasserbereitung mit Photovoltaik entwickelt. Zu Beginn stand eine autarke Insellösung für Warmwasser aus Photovoltaik (ELWA) zur Verfügung; das Wechselstrommodell (AC ELWA-E) wandelt überschüssigen Strom netzgekoppelter Photovoltaikanlagen in Wärme um und ist kompatibel zu vielen gängigen Herstellern. Mit der AC•THOR Produktreihe wird die Kombination mit Batteriesystemen, gängigen Wechselrichtern und Energie-Management-Systemen für ein perfektes Überschuss-Management erweitert. Bereits seit 2018 denkt my-PV auch im Sektor Heizung bzw. Raumwärme solarelektrisch. Im August 2021 erfolgte die Übersiedelung in das einzigartige solarelektrische Firmengebäude in der Betriebsstraße 12 in 4523 Neuzeug in Oberösterreich mit dem Ziel: Empowering the Solar Future.

 

Quelle:  pr-krampitz.de

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