Dienstag, 15. Oktober 2013

Ökostrom-Umlage steigt auf Rekord

Für Deutschlands StromkundInnen steigt die Ökostromumlage - vergleichbar mit den höchstens 0,9, später 1,5 Rappen in der Schweiz pro Kilowattstunde verbrauchten Stroms - erneut, und zwar kräftig: auf 6,24 Cent (rund 7,5 Rappen). Für einen durchschnittlichen Haushalt bedeutet das Mehrkosten von etwa 35 Euro pro Jahr.


Die Umlage für Ökostrom wird damit um knapp einen Cent erhöht. Die über den Strompreis zu zahlende Umlage zur Förderung erneuerbarer Energien wird für 2014 auf den Rekordwert von 6,24 Cent je Kilowattstunde festgesetzt, wie die vier deutschen Übertragungsnetzbetreiber am Dienstag mitteilten. Die Stromkosten dürften in der Folge für die Verbraucher deutlich steigen. Derzeit werden 5,3 Cent je Kilowattstunde fällig, die Steigerung beträgt damit 18,2 Prozent. Ein Durchschnittshaushalt mit 3500 kWh Verbrauch zahlt derzeit im Jahr 185 Euro. Künftig steigen die Ausgaben auf gut 220 Euro. 
  
Die EEG-Umlage ist das zentrale Förderinstrument für den Ausbau der erneuerbaren Energien. Wind-, Solar- und Biogasanlagen können am Markt noch nicht mit Kohle- und Atomkraftwerken konkurrieren. Damit sie trotzdem rentabel sind, wird solchen Kraftwerken der Strom zu einem fixen Preis abgenommen. Dieser liegt deutlich über dem Preis an der Strombörse EEX. Die Differenz von Börsenpreis und fixem Abnahmepreis zahlen die Verbraucher über ihre Stromrechnung.
Die EEG-Umlage erhöht sich aus drei Gründen:
    • Durch die Energiewende gehen eine große Menge neuer Ökostromanlagen ans Netz. Die Menge des zu fördernden Ökostroms steigt dadurch.
    • Die EEG-Umlage steigt paradoxerweise auch, weil die Großhandelspreise an der Strombörse sinken. Die erneuerbaren Energien erhöhen das Stromangebot. Gleichzeitig versuchen die großen Versorger, ihre bestehenden Kraftwerke möglichst lange weiterzubetreiben. Die Folgen sind wachsende Überkapazitäten und ein sinkender Preis an der Strombörse. Dadurch steigt die Differenz zwischen dem Strombörsenpreis und dem garantierten fixen Abnahmepreis, die Verbraucher per EEG-Umlage ausgleichen müssen.
    • Zusätzlich steigen die Kosten für den einzelnen, weil immer weniger Verbraucher die volle EEG-Umlage zahlen. Ausgerechnet die größten Stromfresser der Nation werden durch Sonderregeln immer stärker entlastet. Laut Branchenverband BDEW tragen die Haushalte inzwischen 7,2 Milliarden Euro und die Industrie 6,1 Milliarden Euro zur Umlage bei; der Rest entfällt unter anderem auf Handel, Verkehr und öffentliche Einrichtungen.
Ursprünglich war ein noch stärkerer Anstieg der EEG-Umlage erwartet worden. Von bis zu 6,5 Cent war die Rede. Aber im September gab es überdurchschnittlich wenig Wind- und Solarstrom. Deshalb fällt die Erhöhung nun etwas moderater aus.
Indirekt profitiert auch Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) von der Erhöhung. Der Grund: Die Mehrwertsteuereinnahmen im Strombereich dürften deutlich zulegen, wie eine Berechnung der Nachrichtenagentur dpa ergab. Bei einem jährlichen Stromverbrauch in privaten Haushalten von derzeit 139 Terawattstunden und 1,19 Cent Mehrwertsteuer auf künftig 6,240 Cent Umlage summieren sich die Mehrwertsteuereinnahmen aus diesem Posten 2014 auf rund 1,65 Milliarden Euro. Bisher sind es rund 1,4 Milliarden.

Quelle: Agenturen  / dpa

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Montag, 14. Oktober 2013

Schweizer Solarpreis 2013

Am Montag wurden in Genf zwölf Schweizer Solarpreise für Persönlichkeiten, Institutionen, Neubauten, Sanierungen und Solaranlagen vergeben. Hinzu kommen zwei Norman Foster Solar Awards und zwei Solarpreise für PlusEnergieBauten (PEB) sowie zehn PEB-Diplome und zwei Schweizer Solar- preis-Diplome für Energieanlagen. Lord Norman Foster und weitere Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft verliehen die weltweit einzigartigen Preise für PlusEnergieBauten.  

Energiewende 2050: Innovative Unternehmer/innen, Solarpreispartner/innen und Solarpreisträger/ innen bauten 2012/2013 Wohn- und Geschäfts-PlusEnergieBauten (PEB), welche eine Energieversorgung von 100% bis über 400% aufweisen. Damit zeigt die innovative Gebäudebranche heute schon, wie der Ausstieg aus der Atomenergie problemlos umgesetzt werden kann: PEB brauchen kein zusätzliches Kulturland und können mit Abstand den grössten Energiebeitrag für die Energiewende und den AKW- Ausstieg leisten. Statt jährlich über zehn Milliarden Franken für Erdöl- und Gasimporte ins Ausland zu überweisen, kann die Schweiz einen grossen Teil davon in das einheimische Gebäudetechnologiegewerbe investieren und Tausende von Arbeitsplätzen schaffen.  Eine Übersicht über die GewinnerInnen des diesjährigen Solarpreises:


 Werner Setz, Setz Architektur, 5102 Rupperswil/AG: Der innovative Architekt Werner Setz aus Rupperswil/AG (im Bild mit Bundesräting Widmer-Schlumpf bei früherer Preisverleihung) setzt sich seit dem Jahr 2000 mit seinem Planungsteam für eine energieeffiziente Solararchitektur ein. Von seinem vorbildlichen Einsatz zeugen zahlreiche Pionier-Gebäude - darunter 8 PlusEnergieBauten (PEB) und 22 Minergie-P-Gebäude, mit denen er 6 Solarpreisauszeichnungen gewann. Mit seinen PEB und seiner Öffentlichkeitsarbeit hat Werner Setz im letzten Jahrzehnt für eine energieeffiziente Bauweise im Kanton Aargau gesorgt und landesweit Erhebliches für die Solarenergie geleistet. Nach einer Solarpreisauszeichnung stiegen die positiven Medienberichte über die innovativen „Setz-Solarbauten“ jeweils um das 20- bis 100-fache. Sein Einsatz ist konsequent und wegweisend für die Solararchitektur in der Schweiz und über die Landesgrenzen hinaus.

Urs Wolfer, Bundesamt für Energie, 3003 Bern/BE
Neben seinem privaten Engagement hat sich Urs Wolfer im Bundesamt für Energie (BFE) während mehr als 20 Jahren für verschiedene Belange der Solarenergie eingesetzt. Zuerst im Rahmen des nationalen Programms Energie 2000 im Bereich der Solarmobile, bald aber mit Schwerpunkt Solarthermie und später auch Photovoltaik. Als Bereichsleiter Solarenergie stellte Urs Wolfer für Forschung und Entwicklung, Pilot- und Demonstrationsprojekte sowie in der Umsetzung wichtige Weichen, immer mit dem Gesamtblick auf eine umfassende Energiestrategie. Auch später bei der Umsetzung der kostendeckenden Einspeisevergütung (KEV) war es Urs Wolfer immer ein grosses Anliegen, die Nutzung der Solarenergie durch einfache administrative Abläufe zu ermöglichen und die Kontinuität der Förderprogramme nachhaltig zu gewährleisten.

Ville de Neuchâtel, 2000 Neuchâtel/BE
Die Stadt Neuchâtel bemüht sich seit Jahrzehnten um eine effiziente Energieversorgung, verschärfte das Baugesetz, senkt den Bedarf an thermischer und elektrischer Energie und fördert die erneuerbaren Energien. Mit Erlass des „Rapport du Conseil communal pour les installations solaires photovoltaïques privées sur le territoire communal“ vom
11. Januar 2012 zeigt die Stadt Neuchâtel auf, wo die Energiewende ansetzen muss: Sanierung der Gebäude auf kommunaler Ebene. Sie fördert mit einer kommunalen KEV auch private Solaranlagen mit 1‘500 CHF pro kWp installierte Leistung. Dafür äufnete die Stadt Neuchâtel einen Fonds von 1 Mio. Franken. 


Solargemeinde Altbüron, 6147 Altbüron/LU: Die Gemeinde Altbüron fördert intensiv Photovoltaik-Anlagen (PV), den Wärmeverbund und den Einsatz von erneuerbaren Energien. Seit Mai 2013 sind alle gemeindeeigenen Gebäude mit einer PV-Anlage ausgestattet. Die installierte Leistung aller PV-Anlagen gehört mit 1‘540 kWp oder 1‘620 Wp pro Einwohner/in (der CH-Durchschnitt liegt bei 50 Wp/Person) zu den höchsten in der Schweiz und Europa. Pro Einwohner/in ergeben sich in Altbüron 10.8 m2 im Vergleich zu 38 cm2 im Schweizer Durchschnitt. 32% des gesamten Strombedarfs der Gemeinde Altbüron wird mittels Solarstrom gedeckt. – Ein Solarstrom-Rekord, der in der Schweiz seinesgleichen sucht. Die PV-Euphorie in Altbüron ist ansteckend. Sie ist wegweisend für die Energiewende auf kommunaler Ebene und spornt weitere Gemeinden im Kanton Luzern und darüber hinaus an. 

GEBÄUDE: NEUBAU 


106%-PlusEnergie-Ersatzneubau, 9030 Abtwil/ SG 
Das Sechsfamilienhaus in Abtwil ist das erste Minergie-P-ECO Mehrfamilienhaus (MFH) der Ostschweiz. Mit 33.6 kWp ganzflächig integrierten monokristallinen Photovoltaikzellen nutzt es die gesamte Süd- und Südostseite des Daches. Zusammen mit diesen 30‘290 kWh/a Solarstrom und den 32.4 m Flachkollektoren, die 6‘750 kWh/a Wärmeenergie erzeugen, generiert das Sechsfamilienhaus 37‘000 kWh pro Jahr. Damit deckt das Gebäude in einem Durchschnittsjahr rund 106% des Gesamtenergiebedarfs von 33‘640 kWh/a und wird zum PlusEnergie-Mehrfamilienhaus.

Solare Dreifachturnhalle BS Visp, 3930 Visp/VS 
Das Projekt umfasst den Bau einer Turnhalle, deren Wärmedämmung den Mindeststandard übertrifft. Die 145 kWp-Photovoltaikanlage erzeugt zusammen mit einer thermischen Solaranlage 153‘400 kWh/a und deckt damit 45% des Gesamtenergiebedarfs von 338‘800 kWh/a. Die PV-Module wurden von der Firma Tritec clever in die drei um 15° Grad geneigten Dachreiter integriert und fügen sich harmonisch in die Gebäudehülle ein. Der Standort ist von Bergen umgeben und der südwestliche Dachflügel wird ab dem späteren Nachmittag (16 Uhr) von Bäumen beschattet. Dennoch liefert die Anlage fast die Hälfte des Gesamtenergiebedarfs.

Solare Wohn- und Geschäftsbauten, 8008 Zürich/ZH
Die beiden Minergie-P-Wohn- und Geschäftsbauten in Zürich weisen eine Energiebezugsfläche von 4‘420 m2 auf und umfassen in beiden Gebäuden 15 Wohnungen und 6 Büros. Die 95 m2 thermischen Solarkollektoren sind in die eine Südwestfassade integriert und weitere 20 m2 auf den Flachdächern zusammen mit 41 kWp PV-Modulen. Die monokristallinen PV-Anlagen erzeugen 32‘630 kWh/a. Zusammen mit den 31‘210 kWh/a thermischer Solarenergie generieren die Anlagen einen Solarenergieertrag von jährlich 63‘840 kWh. Bei einem Energiebedarf von 205‘500 kWh/a ergibt sich eine Eigenenergieversorgung von 31%. Die Luft der Lüftungsanlage wird durch drei Erdsonden vorgewärmt oder vorgekühlt. Eine Pellets-Feuerung, die zwischen 17 kW und 60 kW modulierbar ist, sorgt für die Wärmeerzeugung.  


GEBÄUDE: SANIERUNG  

MFH-Sanierung Wogeno Aargau, 5000 Aarau/AG: Das gut 900 m2 grosse, energetisch sanierte Mehrfamilienhaus (MFH) aus den 1950er Jahren umfasst acht Wohnungen. Die Erneuerung zeichnet sich durch einen sorgfältigen Umgang mit dem durchgehend bewohnten Gebäudebestand aus. Die Gebäudehülle wurde gedämmt und mit einer vorbildlich dachintegrierten Photovoltaikanlage ausgestattet, die auch noch eine Erdsonden-Wärmepumpe versorgt. Durch diese Massnahmen konnte der Energiebedarf von jährlich 218‘333 kWh um beinahe 80% auf 46‘600 kWh/a gesenkt werden. Die 283 m2 grosse, dach-, seiten- und firstbündig integrierte 42.2 kWp PV-Anlage erzeugt mit monokristallinen Solarzellen 36‘500 kWh/a. Damit deckt sie 78% des Gesamtenergiebedarfs. 

EFH-Sanierung Weibel, 8810 Horgen/ZH
Mit der energetischen Sanierung konnte die Familie Weibel den Energiebedarf des 1950 errichteten Einfamilienhauses von jährlich 36‘230 kWh um 86% auf 5‘040 kWh senken. Thomas und Ursula Weibel isolierten das Haus und installierten gleichzeitig eine 6.15 kWp-PV-Anlage. Sie erzeugt jährlich 5‘430 kWh und deckt den Gesamtenergiebedarf von 5‘040 kWh/a zu knapp 108%. Mit diesem Solarstrom wird auch die Wärmepumpe emissionsfrei betrieben. Die 37.5 m2 monokristallinen, nicht ganzflächig integrierten Photovoltaikmodule erbringen 145 kWh pro Quadratmeter und Jahr. Die Renovierung führt zu einer Reduktion von rund 19.6 Tonnen CO pro Jahr. 


GEWINNER: NORMAN FOSTER SOLAR AWARD 2013 FÜR PLUSENERGIEBAUTEN 

107%-PEB-Sanierung Viridén, 8590 Romanshorn/TG
Das Büro Viridén+Partner setzt das im neuen Raumplanungsgesetz (RPG) geforderte “verdichtete Bauen“ auch im Stadtzentrum von Romanshorn beispielhaft um. Das 1962 erbaute Mehrfamilienhaus (MFH) mit 3 Läden erweiterte Viridén von 6 auf 22 vorbildlich sanierte Wohnungen zu sozialverträglichen Mietzinsen. Der bisherige Energiekonsum sank dank Minergie-P-Gebäudehülle von 296‘120 kWh/a um mehr als 70% auf 84‘100 kWh/a. Die 53 kWp grosse, monokristalline PV-Anlage ist optimal in die Fassaden und Balkone des MFH integriert. Eine weitere PV-Anlage mit 26.3 kWp ist auf dem Dach neben den 69 m2 Sonnenkollektoren montiert. Zusammen generieren die Solaranlagen gut 89‘700 kWh/a. In einem Durchschnittsjahr weist dieser Vorzeige-PlusEnergieBau (PEB) mit 56% mehr Wohnraum eine Eigenenergieversorgung (EEV) von 107% auf. Genug, um drei Elektroautos emissionsfrei zu betreiben.

187%-PEB-MFH-Sanierung Rudolf, 3600 Thun/BE

Das 1947 erstellte Mehrfamilienhaus (MFH) in Thun wurde beispielhaft zum PlusEnergieBau (PEB) saniert. Der bisherige Energiebedarf von 78‘200 kWh/a wurde dank guter Wärmedämmung auf 20‘550 kWh/a gesenkt. Die 224 m2 vorbildlich ganzflächig dachintegrierten, monokristallinen Zellen erzeugen mit 34.6 kWp 33‘860 kWh/a oder 165% des Eigenenergiebedarfs. Zusätzlich produzieren die im Balkongeländer schön integrierten 8.6 m2 Vakuumröhrenkollektoren knapp 80% des Warmwasserbedarfs. Insgesamt erbringen die Solarsysteme 87% mehr Energie, als das um 38% vergrösserte Haus benötigt. Für den Notfall verfügt jede Wohnung über eine kleine Holzstückheizung von 6 kW, die bisher kaum zum Einsatz kam. Architektonisch und ästhetisch fügt sich das PEB-MFH bestens ins Quartier ein und wertet es auf.

GEWINNER: PLUSENERGIEBAU® SOLARPREIS 2013 


454%-PEB Sägewerke Christen AG, 6156 Luthern/LU: Die Sägewerke Christen AG realisierte landesweit das erste energieautarke Sägewerk. Dabei setzte der Eigentümer Bruno Christen auf ein neuartiges Montagesystem für eine optimal ganzflächig integrierte PV-Anlage mit Wasserführung ohne Unterdach. Die insgesamt 6‘000 m2 grossen, vorbildlich integrierten PV-Anlagen auf allen Dächern des Sägewerks in Luthern produzieren mit 910 kWp im „nassen Jahr“ 2013 621‘000 kWh/a.  In einem Durchschnittsjahr erzeugen sie etwa 15-20% mehr. Dazu erzeugt das Werk in Luthern noch rund 8.5 GWh/a Wärmeenergie, welche die Gemeinde versorgt. Wird nur der Energiebedarf des Betriebes in Luthern berücksichtigt, resultiert daraus ein PlusEnergieBau mit einem Brutto-Eigenversorgungsgrad von 454%.

273%-PEB EFH Walser, 1721 Cormérod/FR
Auf dem Dach des Einfamilienhauses (EFH) in Cormérod/FR installierte die Familie Daniel und Astrid Walser 8.62 kWp monokristalline PV-Module, die 11'360 kWh/a Strom erzeugen. Damit übertrifft die Produktion den jährlichen Gesamtenergiebedarf von 4'150 kWh um das 2.7-fache. Der PlusEnergieBau (PEB) erreicht eine Eigenenergieversorgung von 273% mit einem Solarstromüberschuss von 7'200 kWh/a. Mit 1'670 kWh/a des Überschusses fährt die Familie Walser ganzjährig ihren solarbetriebenen Citroën C-Zéro. Sie erstellte damit eines der ersten PlusEnergie-EFH der Romandie und das erste im Kanton Fribourg. Familie Walser belegt, dass ein PEB nebst vollständiger Energieversorgung des Wohnhauses und des Elektroautos noch 5'300 kWh/a als  Stromüberschuss in das öffentliche Netz einspeisen kann.  


HEV SCHWEIZ-SONDERSOLARPREIS

196%-PEB-Sanierung Flubacher, 4304 Giebenach/BL
Das Einfamilienhaus (EFH) der Familie Flubacher in Giebenach/BL ist dank einer etappenweise erfolgten Erneuerung und einer 115 m2 grossen Photovoltaikanlage (PV) vom 19 Liter-Haus zum PlusEnergieBau (PEB) geworden. Die 20.25 kWp-Anlage mit monokristallinen Zellen ist einwandfrei in die beiden südseitigen Dachflächen integriert und bildet mit den schieferverkleideten Giebelfassaden eine Einheit. Im ersten Betriebsjahr hat die PV-Anlage rund 21‘000 kWh Solarstrom produziert. Dank dieser Anlage wird für die jährlich benötigte Energie für Heizung, Warmwasser und Haushaltsstrom ein Deckungsgrad von 196% erreicht. Das EFH Flubacher zeigt exemplarisch, wie eine Reduktion auf die wirtschaftlich interessantesten Massnahmen zum Erfolg führen kann. Deshalb gewinnt es den HEV Schweiz-Sondersolarpreis und das PlusEnergieBau-Diplom 2013.


Quelle: Solaragentur

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Hermann Scheer fehlt mehr denn je

"Der Kampf geht weiter" schrieb mir der Vater des Erneuerbare-Energien-Gesetzes  EEG, Hermann Scheer, wenige Tage vor seinem Tod als Widmung in sein letztes Buch. Diese Vorhersage ist drei Jahre alt. Selten aber aktueller als derzeit:  Das EEG müsse "grundlegend reformiert" werden, forderten die Berliner Regierungsparteien, die SPD und dann auch die Monopolkommission - nicht zufällig zwei Wochen vor der Bundestagswahl.  Mit Franz Alt erinnert sich ein enger Weggefährte an den vor drei Jahren unerwartet verstorbenen Vorkämpfer der Energiewende.

Das Papier liest sich, als hätten es die Gegner der erneuerbaren Energien wie der ehemalige Rösler in Auftrag gegeben. Als ob es der Verband der Chemischen Industrie persönlich in Auftrag gegeben hat. Die Monopolkommission schlug ein Quotenmodell vor und übersieht, dass zum Beispiel das britische Quotenmodell grandios gescheitert ist. Beim Quotenmodell bestimmt nicht der Staat das Tempo der Energiewende, sondern die Energiekonzerne.

Das letzte Buch von Hermann Scheer, kurz vor seinem Tode im Oktober 2010 erschienen, hat nichts von seiner Aktualität eingebüsst.













Beim Ausbau der erneuerbaren Energien ist Großbritannien deshalb heute dort, wo Deutschland vor zehn Jahren war. Das britische Quotenmodell hat technologische Innovationen verhindert, ist wettbewerbsfeindlich und führt zu höheren Preisen für die Erneuerbaren als in Deutschland. Es ist kein Zufall, dass das deutsche EEG von 58 Ländern erfolgreich kopiert wurde, darunter China und Indien und zuletzt auch Japan

Auch das von der Monopolkommission und vom letzten Spiegel propagierte schwedische Quotenmodell ist für Deutschland unbrauchbar. Schweden produziert seinen Strom zu 50 Prozent aus Wasserkraft und nutzt – ganz anders als Deutschland – bisher kaum Wind- und Solarstrom. In Schweden ist die gesamte Stromversorgung noch in der Hand von wenigen Monopolisten – was sich in Deutschland gerade ändert.

Die knapp 25 Prozent Ökostrom, die wir heute in Deutschland haben, werden überwiegend von Bürgerinnen und Bürgern und von Energiegenossenschaften erwirtschaftet. Der erneuerbare Anteil wird deshalb von Tag zu Tag größer. Das schmerzt die alten Monopolisten und auch die Monopolkommission, die sich mit ihrem jüngsten Vorschlag in Wahrheit als Kommission pro Monopole entlarvt hat.

Trotz Atomausstieg und großer Zustimmung für die Energiewende in der Bevölkerung geht der Kampf um diese Wende also weiter. Es ist in Wahrheit ein Kampf um eine demokratische Energieversorgung in den Händen möglichst vieler. Richtig ist: Die Energiewende kostet. Richtig ist aber auch, dass keine Energiewende unsere Zukunft und erst recht die unserer Kinder und Enkel kostet.

Der Streit ums Geld verdunkelt die großen Chancen: Noch können wir den Klimawandel stoppen und schon mittelfristig die Energie preisgünstiger generieren als heute und ohne riesige Folgekosten wie bei Atom oder Kohle und Öl. Denn Sonne und Wind schicken keine Rechnung, während die alten Energieträger immer teurer werden. Jede Investition in erneuerbare Energieträger ist eine Investition in eine bessere Zukunft.

Und vernünftige Vorschläge, um die derzeitig steigenden Kosten einzudämmen, gibt es auch: Weniger Ausnahmen bei der Ökostromumlage, niedrigere Energiesteuern und ein finanzieller Ausgleich für die sozial Schwachen sind nur drei Möglichkeiten, die eine neue Regierung nach der Bundestagswahl sofort umsetzen kann. Wir lernen gerade wieder: Ohne Kampf kein wirklicher Fortschritt. Dem stehen immer die alten Interessen und die alten Milliardengewinne gegenüber. Und wir lernen, dass Vorkämpfer wie Hermann Scheer fehlen. Schmerzlich.

Sonntag, 13. Oktober 2013

Putzroboter für die PV-Anlage

Damit Photovoltaik-Anlagen ihre volle Leistung erbringen können, müssen sie regelmäßig geputzt werden. Bislang gibt es kaum Geräte, die für den Hausgebrauch geeignet sowie erschwinglich sind. Ein Putzroboter, den die Hochschule Luzern – Technik & Architektur und das Centre Suisse d’Electronique et de Microtechnique (CSEM) entwickeln, soll helfen.

Die Zahl der Photovoltaik-(PV)-Anlagen in der Schweiz nimmt seit einigen Jahren stark zu. Wurden bis 2006 gemäss Bundesamt für Energie (BFE) jährlich zwischen 60 und 250 neue PV-Anlagen installiert, waren es von 2007 bis 2010 zwischen 500 und 2ʼ000 Anlagen pro Jahr, 2011 kamen insgesamt gar 6ʼ500 hinzu. Zwar ist die Strom erzeugende Photovoltaik (anders als die Warmwasser aufbereitende Sonnenkollektoren-Anlage), nach wie vor eine teure Technologie – aufgrund des starken globalen Ausbaus und der technischen Entwicklungen sinken die Kosten jedoch kontinuierlich.

Schmutz verringert die Leistungskraft: Für Betreiber von PV-Anlagen stellt sich die Frage, wie sie die Anlagen sauber halten können. Werden sie nicht geputzt, verringert sich nach ungefähr fünf Jahren die Leistungsfähigkeit um bis zu 10 Prozent, Sand kann den Stromertrag gar um 35 Prozent mindern. Zwar gibt es schon roboterähnliche Putzgeräte, doch sind sie mehrheitlich für sehr grosse Anlagen entwickelt worden und entsprechend schwerfällig und teuer.

"Für private Hauseigentümer mit kleineren PV-Anlagen fehlt bislang ein erschwingliches, handliches Hilfsmittel", sagt Philipp Glocker vom Forschungs- und Entwicklungszentrum Centre Suisse d’Electronique et de Microtechnique (CSEM) in Alpnach. Um ein solches Putzgerät zu entwickeln, gelangte das CSEM an die Spezialisten und Spezialistinnen für Mechatronik der Hochschule Luzern, während das CSEM selbst sein Know-how in der Steuerungstechnik einbringt.

Energiesparende Kopplung von Putz- und Fortbewegung: Roboter wie zum Beispiel autonome Rasenmäher oder Staubsauger fahren meist auf Rädern, wobei die Mäh- bzw. Saug-Funktion einen zweiten, separaten Antrieb benötigt. Ziel des Putzroboter-Projekts ist es, Putz- und Fortbewegungsfunktion so zu koppeln, dass ein Antrieb für beide genügt und damit energiesparender ist.

Dafür entwickelt der Projektleiter und Mechatronik-Ingenieur Marco De Angelis von der Hochschule Luzern mit seinem Team eine neue Bewegungsart, die in einem Prototyp erfolgreich umgesetzt wurde: "Die vier Rundbürsten des PV-Putzroboters sind über eine Kurvenscheibe jeweils mit einer Art Silikon-Raupe verbunden: Wird die Kurvenscheibe angetrieben, drehen sich die Bürsten und gleichzeitig drückt die kleine Erhöhung der Scheibe viele radial angeordnete Hebel so, dass diese die kreisförmige Silikon-Raupe in einer kontinuierlichen Bewegung Stück für Stück auf die zu putzende Fläche drücken."

In der Kombination von vier Putzmodulen und dank der Haftwirkung des Silikons sollte der Roboter Steigungen bis zu 35° bewältigen, Spalten bis zu zwei Zentimetern überwinden und problemlos über die PV-Modulrahmen steigen können, die in der Regel einige Millimeter hoch sind. Zurzeit wird der Prototyp vom Forschungsteam weiter entwickelt und eine kommerzielle Produktion geprüft. 

Quelle: Hochschule Luzern 2013 

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Donnerstag, 10. Oktober 2013

Grossanlagen senken Stromkosten

Freiflächen-Solarkraftwerke können zukünftig preiswerteren Strom erzeugen als Steinkohle oder Erdgas - wenn die entsprechenden politischen Rahmenbedingungen geschaffen werden. Sie würden nicht nur einen kostengünstigen, sondern zugleich einen technisch wertvollen Beitrag zur Stromerzeugung leisten. Das zeigt eine aktuelle Studie der Prognos AG, die am Donnerstag in Berlin vorgestellt wurde.

In der neuen Studie hat Prognos die Kostenentwicklung von verschiedenen neugebauten konventionellen und erneuerbaren Stromerzeugungstechniken in unterschiedlichen geographischen Regionen Deutschlands neu bewertet und miteinander verglichen. Es wird unter anderem deutlich, dass Freiflächen-Solarkraftwerke bereits heute in einigen Regionen Deutschlands und insbesondere in Süddeutschland die günstigste Erzeugungsform aus erneuerbaren Energien sind. „2015 werden Freiflächen-Solarkraftwerke bezogen auf die reinen Stromgestehungskosten auf 40 Jahre gerechnet mit 7,5 Cent/kWh sogar günstiger sein als Steinkohle- und Erdgasstromerzeugung“, sagt Frank Peter, Senior Projektleiter Energiewirtschaft der Prognos AG.

Ein Zubau an Freiflächen-Solarkraftwerken würde die Kosten der Energiewende und somit auch der EEG-Umlage wesentlich senken. „Insbesondere in Süddeutschland lassen sich die durchschnittlichen Kosten der erneuerbaren Energien um mehr als 10% reduzieren, wenn ein höherer Anteil an Freiflächen-Solarstrom realisiert werden würde“, erläutert Frank Peter die möglichen Kostenersparnisse. Ein im Schnitt um 0,5 Cent/kWh günstigerer Jahrgang erneuerbarer Energien im Jahr 2015, der etwa 10 TWh pro Jahr Strom liefert, verringert somit die zu zahlenden Vergütungen und damit die Belastung der Endkunden in Deutschland um 1 Mrd. Euro über 20 Jahre Vergütungszeitraum.

Durch einen höheren Anteil an Freiflächen-Solarstromanlagen können teurere Techniken ersetzt und auch der Unterschied zwischen den Kosten der verschiedenen Regionen reduziert werden. Ein gerichteter Stromtransport aufgrund von Kostenunterschieden zwischen einzelnen Regionen wird folglich wirtschaftlich weniger attraktiv. „Dies gilt sowohl für den Import von Solarstrom aus Südeuropa bzw. Wüstenregionen Nordafrikas wie für Offshore-Windenergie aus Nord- und Ostsee. Die absolut sinkenden Kosten für erneuerbar erzeugten Strom sprechen für eine verbrauchsnahe Erzeugung durch Windenergie an Land und Freiflächen-Solarkraftwerke“, .kommentiert Holger Krawinkel, Energieexperte des Verbraucherverbandes.

Ein weiterer Vorteil von Freiflächen-Solarkraftwerken ist ihre stabilisierende Wirkung auf das  Stromnetz mittels netztechnischer Systemdienstleistungen. Sie senken damit die Netzbelastung sowie die Kosten für den Netzausbau. Matthias Dümpelmann, Geschäftsführer von 8KU, betont, es sei notwendig, dass die erneuerbaren Energien Systemdienstleistungen bereitstellen können. „Damit die Erneuerbaren im Zusammenspiel mit Energieversorgern und Netzbetreibern das System stabil halten und weiterentwickeln, müssen sie aber auch regulatorisch hierzu in die Lage versetzt werden. Das hält das System sicher und die Kosten im Griff.“ 8KU ist eine bundesweite Kooperation von acht großen kommunalen Energieversorgungsunternehmen, die sich für Wettbewerb sowie ein modernes und preisgünstiges System der Energieversorgung einsetzen.

In der Studie stellt Prognos fest, dass die aktuellen gesetzlichen Rahmenbedingungen nicht dafür geeignet sind, Freiflächen-Solarkraftwerke ab Ende 2013 in Deutschland wirtschaftlich betreiben zu können. „Freiflächen-Solarkraftwerke können aufgrund von gesetzlich getriebenen Größenbeschränkungen, Flächenrestriktionen und eines Zubaudeckels - der eigentlich die teureren Photovoltaik-Dachanlagen beschränken sollte - nicht mehr wirtschaftlich in Deutschland gebaut werden“, erläutert Bernhard Beck, Geschäftsführer der BELECTRIC. „Freiflächen-Solarkraftwerke sollten wieder dort gebaut werden können, wo sie netz- und verbrauchertechnisch Sinn machen. Sie sollten in der Lage sein, wie konventionelle Kraftwerke Systemdienstleistungen erbringen zu dürfen, und brauchen eine eigene Vergütungsstruktur, die unabhängig ist vom Zubaumechanismus der PV-Dachanlagen,“ so Bernhard Beck. „Sonst wird eine wichtige Chance zur kosteneffizienten Umsetzung der Energiewende vertan und die Freiflächen-Solarkraftwerkstechnik mit sehr hoher deutscher Wertschöpfung käme nur im Ausland zum Einsatz.“ 

Quelle: Bellectric

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Mittwoch, 9. Oktober 2013

Kleinanlagen ohne Plangenehmigung

Der Bundesrat hat die Teilrevision der Verordnung über das Plangenehmigungsverfahren (VPeA) gutgeheissen. Dank der neuen Regelungen können kleine Photovoltaik-Anlagen und andere kleine Stromerzeugungsanlagen künftig ohne Genehmigung des Eidgenössischen Starkstrominspektorats ESTI gebaut werden. 

Eine Plangenehmigungspflicht besteht demnach nur noch für Anlagen mit einer Leistung über 30 kVA. Die revidierte Verordnung tritt am 1. Dezember 2013 in Kraft. Hauptpunkt der revidierten VPeA ist die Anhebung der Untergrenze für die Planvorlagepflicht von Energieerzeugungsanlagen, so dass kleinere Anlagen künftig ohne elektrotechnische Genehmigung erstellt werden können. Als Ausgleich für die damit wegfallende vorgelagerte technische Kontrolle solcher Anlagen wird eine technische Abnahmekontrolle und eine periodische Kontrolle eingeführt. Damit ist sichergestellt, dass diese Anlagen einerseits rasch erstellt und in Betrieb genommen werden können und andererseits die Sicherheit der Anlage ohne grossen administrativen Aufwand während ihrer ganzen Lebensdauer gewährleistet ist. Neben der bereits geltenden Befreiung von der Baubewilligungspflicht (Artikel 18a, Raumplanungsgesetz) bedeutet dies eine zusätzliche Erleichterung für die Installation von Solaranlagen an und auf Gebäuden.

Weiter setzt die Verordnung verschiedene Massnahmen zur Beschleunigung der Sachplan- und Plangenehmigungsverfahren um. Dazu gehören unter anderem die detaillierte Regelung des Ablaufs eines Sachplanverfahrens, Behandlungsfristen für das BFE im Plangenehmigungsverfahren, flexiblere Kriterien für den Verzicht auf ein Sachplanverfahren, Verzicht auf ein Sachplanverfahren bei SBB-Leitungen oder Ausnahmen vom Plangenehmigungsverfahren für Instandhaltungsarbeiten. Diese Anpassungen tragen zu einer zeit- und bedarfsgerechten Realisierung der künftigen Netzinfrastrukturen bei. 
Der Verordnungsentwurf wurde vom 12. Februar bis 11. April 2013 öffentlich aufgelegt. Es gingen 56 Stellungnahmen ein. Die Entlassung der Energieerzeugungsanlagen bis 30 kVA aus der elektrotechnischen Plangenehmigung wird überwiegend begrüsst und auch die vorgeschlagenen Massnahmen zur Verfahrensbeschleunigung finden grundsätzliche Zustimmung.