Montag, 20. Januar 2014

Energiewende für jederman in Gefahr

Der deutsche Wirtschaftsminister Gabriel plant eine EEG-Umlage auf Solarstrom. Die Solarwirtschaft sieht die Verbreitung der Solarenergie massiv behindert und appelliert eindringlich an die Bundesregierung, auf die vorgesehene Solarstrom-Abgabe zu verzichten.

Bundeswirtschaftsminister Gabriel plant, solaren Eigenstromerzeugern bereits ab August 2014 einen Teil der Energiewende-Kosten in Rechnung zu stellen. Dies geht aus dem Entwurf eines Eckpunktepapiers des Bundesministers hervor, das am Wochenende an die Öffentlichkeit durchgesickert war und bereits am Dienstag im Bundeskabinett verabschiedet werden könnte. Danach soll die Eigenstromerzeugung größerer neuer Solarstromanlagen künftig mit der EEG-Umlage belastet werden. 

Vielleicht bald nicht mehr möglich: Im Eiserfelderring (Berlin) wurden auf sieben Dächern der Charlottenburger Baugenossenschaft eine PV-Anlage mit einer Spitzenleistung von 360kWp installiert (siehe Solarmedia vom 25. Juni 2011). 

Dies würde verhindern, dass künftig auch Mieter und Gewerbetreibende aktiv die Energiewende vorantreiben können, warnt der Bundesverband Solarwirtschaft e.V. (BSW-Solar). Der Solarverband appelliert deshalb eindringlich an die Bundesregierung, auf das Vorhaben zu verzichten. „Jetzt ist die Energiewende für Jedermann in Gefahr! Statt die Verursacher des Klimaproblems stärker zur Kasse zu bitten, sollen Solaranlagenbetreiber nun Teile der Energiewende selbst bezahlen. Dies würde die Rentabilität vieler neuer Photovoltaik-Anlagen zerstören, zahlreiche Investoren abschrecken und den Solarmarkt weiter einbrechen lassen“, warnt Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer des BSW-Solar. Solarenergie für ihre eigene Markteinführung zur Kasse zu bitten, gleiche der Planung eines Perpetuum mobile.  

Das Verursacherprinzip würde ad absurdum geführt, die Einführung selbst tragender Vermarktungsmodelle von Öko-Strom behindert und die Abhängigkeit von der EEG-Förderung wieder erhöht werden. Dies könne politisch nicht gewollt sein und gefährde die gesellschaftliche Akzeptanz der Energiewende. Bei einer EEG-Umlage auf Solarstrom drohen erste Angebote im Markt, mit denen Mieter direkt mit günstigem Solarstrom versorgt werden, unwirtschaftlich zu werden. Auch Gewerbetreibende, die mit Solarstrom einen Teil ihrer Energieversorgung umweltfreundlich decken wollen, würden dann von einer Investition in die eigene Photovoltaik-Anlage Abstand nehmen, befürchtet der Branchenverband. 

„Nur wenn wir Solarstrom jetzt auch in Gewerbegebiete und Städte bringen und Geschäftsmodelle für klimafreundlichen Nahstrom ermöglichen, kann die Energiewende gelingen“, so Körnig. Aufgrund starker Einschnitte bei der Solarstromförderung in der letzten Legislaturperiode verzeichnete die Solarbranche 2013 in Deutschland einen Marktrückgang von rund 55 Prozent. Die Preise für Solartechnik sind in den letzten Jahren aufgrund technologischen Fortschritts und eines harten internationalen Wettbewerbs um über zwei Drittel gesunken. Für einige Jahre ist sie aber noch auf die Befreiung von Steuern und Abgaben und eine flankierende EEG-Förderung angewiesen. 

Freitag, 17. Januar 2014

Solarwärme immer wichtiger

Die Erreichung der beschlossenen Klimaziele erfordert in Zukunft ein verstärktes Engagement bei der regenerativen Wärmeerzeugung, also der Nutzung der Solarwärme.  Die Intersolar Europe erweitert 2014 entsprechend ihr Themenspektrum. Neben den Bereichen Photovoltaik, PV-Produktionstechnik, Energiespeicher und Solarthermie wird die weltweit größte Fachmesse der Solarwirtschaft um den Themenbereich „Regenerative Wärme“ erweitert.

Der Wärmemarkt hat beispielsweise in Deutschland mit 40 Prozent den größten Anteil am Energieverbrauch (was in der Schweiz nicht viel anders ist - siehe Bild aus dem Emmental) und bietet damit ein enormes Potenzial, um CO2-Emissionen zu reduzieren. Bestandsgebäude und besonders die Effizienz der dort installierten Heizsysteme bieten dabei viele Möglichkeiten. Moderne Heizungsanlagen reduzieren aber nicht nur den CO2-Ausstoß durch fossile Brennstoffe, auch die Heizkosten können deutlich gesenkt werden. Die Forderungen an die Politik nach einem stärkeren Einsatz für die Energiewende am Wärmemarkt werden lauter. Auch die Intersolar Europe treibt das Thema verstärkt voran: 2014 präsentiert die Fachmesse im Rahmen des neuen Themenbereichs „Regenerative Wärme“ Trends und Komplettlösungen für das regenerative Heizen. Zudem wird eine dreitägige Forumsveranstaltung zum Thema in Halle C4 der Messe stattfinden.

Die Bundesregierung hat sich zum Ziel gesetzt, die Treibhausgasemissionen in Deutschland bis zum Jahr 2020 um 40 Prozent und bis 2050 um 80 bis 95 Prozent zu reduzieren (jeweils bezogen auf das Basisjahr 1990). Dem Wärmemarkt kommt zur Erreichung dieser Ziele eine besondere Bedeutung zu: Nur knapp ein Viertel der rund 20 Millionen Heizungsanlagen in Deutschland sind auf dem aktuellen Stand der Technik. Drei Viertel, also gut 15 Millionen Heizgeräte, sind damit bis 2020 modernisierungsbedürftig, hat der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft e.V. (BDEW) festgestellt.

Vor diesem Hintergrund sollten sowohl Haus- und Wohnungsbesitzer als auch Architekten, Energieberater, Installateure und Planer die Vorteile regenerativer Heizsysteme berücksichtigen. Die Intersolar Europe 2014 informiert dazu in einem neuen Themenbereich „Regenerative Wärme“ und in einer Forumsveranstaltung über Technologien, Produkte und Dienstleistungen.

Derzeit liegt der Anteil erneuerbarer Energien an der Wärmeversorgung in Deutschland bei 9,5 Prozent und soll bis 2020 laut Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz (EEWärmeG) auf 14 Prozent steigen. Andernorts ist man dagegen deutlich ambitionierter. In Dänemark soll bereits bis 2035 die gesamte Wärmeversorgung durch erneuerbare Energien sichergestellt sein. Um dieses Ziel einzuhalten, dürfen seit diesem Jahr in Dänemark keine Öl- oder Erdgas-Heizkessel mehr in Neubauten installiert werden. Ab dem Jahr 2016 müssen Öl-Heizkessel  bei Sanierungen in Bestandsgebäuden gegen regenerative Wärmeerzeuger ausgetauscht werden.

Aber auch in Deutschland machen gesetzliche Vorgaben in Zukunft effizientere Heizsysteme notwendig. So legt die europäische Richtlinie „Nearly Zero Energy Building (NZEB)“ ab 2020 für Neubauten einen minimalen Energieverbrauch fest. Ab 2015 sieht zudem die „EU-Verordnung zur umweltgerechten Gestaltung von Warmwasserbereitern und Warmwasserspeichern“ – kurz: „Energy Labelling“ – neue Mindestanforderungen und ein Energielabel für Heizsysteme vor. Davon werden vor allem regenerative Heizsysteme profitieren.

Laut einer Analyse der Agentur für Erneuerbare Energien e.V. (AEE), Berlin, gibt ein durchschnittlicher Drei-Personenhaushalt in Deutschland rund 1.500 Euro pro Jahr für Heizung und Warmwasser aus. Die stark in der Diskussion befindlichen Stromkosten machen dagegen nur durchschnittlich 996 Euro aus. Hinzu kommt: Noch fast 80 Prozent der deutschen Haushalte heizen mit fossilen Energiequellen, wie Erdgas, Kohle oder Öl. Wer mit Öl heizt, zahlt laut AEE inzwischen das Doppelte im Vergleich zum Jahr 2000. Auch der Preis für Erdgas ist seitdem um 70 Prozent gestiegen. Bei dieser Preisentwicklung ist regenerative Wärme nicht nur ökologischer, sondern inzwischen auch ökonomischer als fossile Energieträger. Über 20 Jahre gerechnet kostet eine Kombianlage aus Pelletsheizung und Solarthermie und deren Betrieb in einem Einfamilienhaus nur noch etwa halb so viel wie Anschaffung und Unterhalt eines Öl-Brennwertgeräts.

Auch aus volkswirtschaftlicher Sicht lohnt sich die Energiewende im Wärmemarkt. 93,5 Milliarden Euro wurden 2012 an Nettoimportkosten für Gas, Kohle und Öl ausgegeben, so das Forschungsbüro Energy Comment, Hamburg. Damit belief sich der Anteil der Energieimporte am Bruttoinlandsprodukt auf 3,5 Prozent. Zehn Jahre zuvor lag dieser Anteil noch bei 1,6 Prozent. Würde dieses Geld zukünftig in den Ausbau regenerativer Wärme investiert, würde davon nicht nur die Umwelt, sondern insbesondere auch die Wirtschaft profitieren: vom Anlagenhersteller bis zum regionalen Handwerker und Installateur.

Die Intersolar Europe erweitert 2014 ihr Themenspektrum. Neben den Bereichen Photovoltaik, PV-Produktionstechnik, Energiespeicher und Solarthermie wird die weltweit größte Fachmesse der Solarwirtschaft um den Themenbereich „Regenerative Wärme“ erweitert. Der neue Bereich integriert dann neben der solaren Wärmeerzeugung auch regenerative Heizsysteme wie Pellets- und Hackschnitzelheizungen sowie energieeffiziente Technologien wie Mini-Blockheizkraftwerke bzw. Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen und Wärmepumpen. Eine Forumsveranstaltung in Halle C4 trägt zum vertieften Informationsaustausch bei. Mit der Erweiterung ihres Angebots will die Intersolar Europe dazu beitragen, die Energiewende im Wärmemarkt schneller voranzutreiben.

Die Intersolar Europe 2014 findet vom 4. bis 6. Juni auf der Messe München statt. Weitere Informationen zur Intersolar Europe unter www.intersolar.de.
Quelle: Intersolar Europet 2014  / Bild: Guntram Rehsche

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Donnerstag, 16. Januar 2014

Der Speicher-Markt hebt ab

Das Marktforschungsunternehmen IHS prognostiziert ein starkes Marktwachstum für netzgekoppelte Batteriespeicher.

In einem aktuellen Report zur Zukunft von netzgekoppelten Energiespeichersystemen (The Future of Grid-Connected Energy Storage) geht das Markforschungsunternehmen IHS von einem starken Wachstum in diesem Marktsegment aus. Bis 2017 soll der Markt laut Prognose auf über 6 Gigawatt anwachsen. Weitere fünf Jahre später soll sich der Markt dann nochmal mehr als versechsfachen. "Der netzgekoppelte Energiespeicher-Markt wird explodieren, auf insgesamt über 40 Gigawatt installierter Leistung bis zum Jahr 2022", sagt Sam Wilkinson, Solar-Research Manager bei IHS.

In den Jahren 2012 und 2013 wurden laut IHS weltweit nur schätzungsweise 340 Megawatt neuer Batteriespeicher-Kapazitäten installiert. Dies auch nur in wenigen Regionen, wie Deutschland, Japan, USA und Teilen von Mittel- und Südamerika. In Zukunft werden laut IHS die USA der größte Markt für Speichersysteme sein, wo bis 2017 rund 43 Prozent aller netzgekoppelten Speichersysteme ans Netz angeschlossen werden sollen. Weitere wichtige Zukunftsmärkte: Deutschland und Japan.

Was die verwendete Technologie angeht, werden laut IHS bis zum Jahr 2017 Lithium-Speicher dominieren, mit einem Anteil von mehr als 60 Prozent. Langfristig werde Lithium aber wieder Anteile verlieren, zugunsten von Technologien wie Natrium-Schwefel, Natrium-Nickel-Chlorid, Flow-Batterien und Druckluftspeichern.

Dienstag, 14. Januar 2014

Deutsche Bank erwartet Solarrausch

Vor Jahresfrist hatte die Schweizer Grossbank UBS bereits eine «Revolution» im Solarbereich vorausgesagt (siehe Solarmedia vom 25. Mai 2013). Nun sprechen Experten der Deutschen Bank gar von einem solaren Goldrausch - die globale Nachfrage soll demnach von 35 Gigawatt (GW) Leistung im abgelaufenen Jahr auf deren 46 im aktuellen und sogar 56 im 2015 steigen - welcome back to the boom! 

Marktanalysten der Deutschen Bank erwarten für die kommenden zwei Jahre hohe Absätze auf dem globalen Photovoltaik-Markt. Für 2014 rechnen die Experten laut einer jetzt veröffentlichten Studie mit einem Absatz von 46.000 Megawatt (oder 46 GW) Solarleistung. 2015 soll dieser den Prognosen zufolge sogar bei 56.000 Megawatt liegen. Die Experten sprechen bereits von einem "solaren Goldrausch", wie das Portal klimaretter.info schreibt.

Was die Experten so optimistisch stimmt, sind verschiedene politische und ökonomische Signale aus China (siehe Bild), Japan und den USA. So will China die Rahmenbedingungen für den Bau von Solaranlagen verbessern und bis Ende 2015 insgesamt 35.000 Megawatt Solarleistung installieren. Die Experten erwarten für 2014 und 2015 Zubauraten von bis zu 7.000 beziehungsweise 10.000 Megawatt.

Für Japan und die USA prognostizieren die Analysten für das laufende Jahr den Bau von jeweils 8.000 Megawatt Solarleistung. Die Energieforschungs- und Entwicklungsbehörde des US-Bundestaates New York hat beispielsweise 960 Millionen Dollar zusätzlich beantragt, um über die New York-Sun Initiative bis 2023 kleine und mittlere Solaranlagen jährlich mit mehr als 100 Millionen Dollar (79 Millionen Euro) fördern zu können. Allein im Bundestaat New York sollen zwischen 2016 und 2023 drei Gigawatt Solarleistung installiert werden.

Zum Vergleich: In den Spitzenjahren 2010 bis 2012 wurden in Deutschland jährlich rund 7.500 Megawatt installiert. Im vergangenen Jahr ließen die gekürzten Einspeisetarife den Ausbau der Photovoltaik drastisch einbrechen: auf nur noch 3.300 Megawatt. Die Analysten der Deutschen Bank erwartet in Gesamteuropa für dieses Jahr einen Zubau von 7- bis 8.000 Megawatt. Für Deutschland prognostizieren sie 2.800 Megawatt.

Quelle: klimaretter.info 

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Montag, 13. Januar 2014

Fast doppelt so viel Solarstrom

Gemäss Schätzungen des Solarenergie-Fachverbandes Swissolar wurden 2013 Solarstrom-Anlagen mit einer Fläche von rund 2.1 Quadratkilometern gebaut. Somit fliesst heute rund 1 Prozent Schweizer Solarstrom im Netz, fast doppelt so viel wie vor einem Jahr. Für das laufende Jahr wird mit einem stagnierenden Markt gerechnet. Ob das Wachstum danach weiter geht und wie rasch Photovoltaik zu einer zentralen Stromquelle für unser Land wird, hängt von den politischen Entscheiden der nächsten Wochen ab. 

Eine Befragung grosser Installationsfirmen durch Swissolar kurz vor Jahresende zeigt ein positives Bild: 2013 wurden Photovoltaik-Anlagen mit einer Leistung von rund 300 Megawatt (MW) neu installiert, was einer Fläche von rund 2.1 Quadratkilometern entspricht. Die gesamthaft installierte Leistung der Schweiz liegt Ende Jahr bei rund 730 MW, und der Solarstromanteil liegt über ein Jahr gerechnet bei rund 1% des Landesverbrauchs oder dem Verbrauch von 200‘000 typischen Haushalten (knapp 600 Millionen Kilowattstunden). 

Der Ausbau der Solarenergie verläuft deutlich schneller als es der Bundesrat projiziert. In seiner im letzten September präsentierten Energiestrategie wird für 2020 ein Solarstromanteil von 2% vorausgesagt – ein Wert, der bereits 2016 erreicht sein wird. Soll die Energiewende real werden, wäre ein Zielwert von 5% angemessen – so viel liefert das AKW Mühleberg, das spätestens 2019 stillgelegt wird. Ein Blick nach Deutschland mit heute schon 6% Solarstrom zeigt, was in wenigen Jahren möglich ist.

In absoluten Zahlen ist die zugebaute Leistung 2013 zwar um ein Drittel höher als im Vorjahr, prozentual gesehen zeichnet sich jedoch ein Rückgang des Wachstums ab. Private Bauherren wie auch Grossinvestoren wurden im vergangenen Jahr durch die „Stop and Go“-Politik stark verunsichert. Von August bis Oktober 2013 hat die Unsicherheit über die künftigen Einspeisetarife den Markt destabilisiert, bis vom Bundesrat eine praktikable Lösung beschlossen wurde. Dank der parlamentarischen Initiative 12.400, die nun in Kraft ist, hat sich die Lage für die nächsten zwei Jahre entschärft. 

2014 und 2015 werden grössere Photovoltaik Kontingente in der kostendeckenden Einspeisevergütung (KEV) freigegeben. Die voraussichtlich ab 1. April 2014 verfügbare Einmalvergütung für Kleinanlagen wird zumindest für private Bauherren den Investitionsentscheid erleichtern und den Markt stützen. Diese Einmalvergütung wird ohne Wartezeit ausbezahlt, was den Bau stark vereinfacht. Eine weitere Neuerung ist das Recht auf Eigenverbrauch des Solarstroms. Photovoltaik wird damit insbesondere für private Hausbesitzer sehr attraktiv, wodurch das Marktvolumen 2014 mindestens auf dem Niveau des Vorjahres gehalten werden dürfte.

Swissolar hat wesentlich mehr Sorgen bezüglich der Jahre ab 2016: Zurzeit liegt die Energiestrategie zur Beratung bei der nationalrätlichen Energiekommission UREK. Die nächsten Sitzungen dieses Gremiums werden darüber entscheiden, wie die erfolgreiche kostendeckende Einspeisevergütung so weiterentwickelt werden kann, dass sie auch nach 2016 Anreize zum Bau von Solaranlagen schafft. Der Handlungsbedarf ist gross, denn es stehen zurzeit fast 30‘000 Solarprojekte mit einer potenziellen Jahresproduktion von 1.5 Milliarden Kilowattstunden – die Hälfte der Mühleberg-Jahresproduktion – auf der KEV-Warteliste. Und zusammen mit den Wartelisten-Projekten der anderen Technologien könnte sogar die Produktion aller drei kleinen AKW (Mühleberg, Beznau 1 und 2) ersetzt werden. Deshalb verlangt Swissolar, dass der Deckel der Förderabgabe auf Strom von heute 1.5 Rappen pro Kilowattstunde wie vom Bundesrat vorgeschlagen mindestens auf 2.3 Rappen erhöht wird.

Seit Einführung der KEV konnten die Einspeisetarife für Solarstrom um 60% gesenkt werden - eine Reduktion, die keine andere Technologie vorweisen kann und die die Marktreife der Photovoltaik eindrücklich unterstreicht. Das bedeutet auch: Mit einem Förderfranken können mehr als doppelt so viele Anlagen wie 2009 gefördert werden. Angesichts der ungleich langen Spiesse im europäischen Strommarkt – Stichwort ungedeckte Klimafolgekosten des Kohlestroms und fehlende Transparenz beim Atomstrom – braucht es die KEV weiterhin.

Swissolar vertritt als Branchenverband die Interessen von 500 Verbandsmitgliedern mit rund 10‘000 Arbeitsplätzen der Schweizer Solarenergiebranche in der Öffentlichkeit, der Politik und gegenüber den regulierenden Behörden. Swissolar setzt sich für eine schnell wachsende Nutzung von Solarenergie in der Schweiz ein. Diese wird zur Stromerzeugung, zur Beheizung von Gebäuden sowie zur Warmwasseraufbereitung genutzt. Der Grundstein für den Verband wurde bereits 1978 gelegt. Swissolar zählt damit zu den ersten Solarorganisationen weltweit.

Die Sonne liefert der Schweiz jährlich 220-mal mehr Energie als wir brauchen. Swissolar setzt sich für die Energiewende hin zu einer Energieversorgung ohne den Einsatz fossiler oder nuklearer Energieträger ein. Als Sprachrohr der Branche stellt Swissolar ehrgeizige aber realistische Ziele zur Verbreitung von Sonnenenergie in der Schweiz: 20% Solarstrom bis 2025 (12 m² Modulfläche pro Einwohner).

Quelle: Swissolar  / Bild: Guntram Rehsche

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Starke regionale Wertschöpfung

Erneuerbare Energien tragen erheblich zur regionalen Wertschöpfung bei. Das belegt eine Studie der Universität Kassel. Zugleich geben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Empfehlungen, wie beim Bau von Anlagen das regionale Wertschöpfungs-Potenzial genutzt werden kann.

Eine Forschungsgruppe unter Führung von Prof. Dr. Reinhold Kosfeld, Leiter des Fachgebiets Statistik an der Universität Kassel, untersuchte für die Studie, welche regionalwirtschaftlichen Effekte die verschiedenen Strom-Erzeugungsarten Photovoltaik, Windkraft, Wasserkraft und Biogas haben. Sie vergleicht dabei die fünf Modellregionen Landkreis Dithmarschen, Planungsregion Lausitz-Spreewald, Landkreis Rhein-Sieg, Planungsverband Westmittelfranken sowie Nordhessen (genauer: der Regierungsbezirk Kassel). „Diese fünf Regionen haben wir ausgewählt, weil sie für die verschiedenen Energieerzeugungsarten jeweils spezifische Vorteile und Schwerpunktsetzungen aufweisen“, erläutert Prof. Kosfeld. „Entsprechend unterschiedlich fallen die Ergebnisse aus.“ 

Die regionale Wertschöpfung durch Erneuerbare Energien betont in der Schweiz etwa die Region Emmental - mit dem Label «Oil of Emmental».

 




Für die Region Nordhessen summiert sich die regionale Wertschöpfung auf über 115 Mio. Euro jährlich – und das obwohl die Studie sich auf Anlagen konzentriert, die nach dem EEG-Gesetz gefördert werden. Großanlagen wie das Edersee-Kraftwerk fließen nicht mit ein. Außerdem lässt die Studie Energieerzeugungsarten wie die Geothermie aus der Rechnung, die bislang nur in geringem Umfang zur Energiegewinnung beitragen. Den größten Anteil zur Wertschöpfung steuert in Nordhessen demnach mit rund 90,4 Mio. Euro die Photovoltaik bei. Daneben spielen auch Windkraft (12,2 Mio. Euro) und Biogas (12,0 Mio. Euro) eine große Rolle. Die Wasserkraft trägt – ohne das Edersee-Kraftwerk – nur einen kleinen Teil zur Wertschöpfung bei (0,8 Mio. Euro). Die jährliche Wertschöpfung pro Kopf beträgt in Nordhessen 94,30 Euro. „Zu beachten ist, dass wir in unserer Untersuchung regionalwirtschaftliche Effekte ermitteln. Das schließt nicht aus, dass Anlagen aus anderen Gründen anders bewertet werden können“, stellte Prof. Kosfeld klar. „Das kann der Energiemix sein, aber auch betriebswirtschaftliche Gründe. Ein anderes Beispiel sind Pumpspeicherwerke, die nur eine geringe Wertschöpfung haben, deren Vorteil aber in der Stabilisierung des Netzes liegt.“ 

Berücksichtigt wurde in der Studie nur die Stromerzeugung, nicht die Erzeugung anderer Energie (wie Wärme- oder Biosprit-Gewinnung). Zudem beschränkt sich die Studie auf die Betriebsphase der Anlagen, die Anfangsinvestitionen für den Bau der Anlagen fließen nur als Betriebskosten über die Abschreibungen ein. Eine Rechnung, die die Anfangsinvestitionen in ihrer vollen Wirkung einbezieht, hätte allein auf volkswirtschaftlicher Ebene Sinn. Die Hochrechnung der Kasseler Forschungsgruppe basiert auf der Ende 2011 tatsächlich installierten Leistung. 

Die Methode zur Errechnung der Wertschöpfung leitet sich aus der Entstehungs- und Verteilungsrechnung der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung ab. Neben dem Wert des erzeugten Stromes wurden dabei auch jährlich anfallende Kosten etwa für Wartung, Versicherung oder Fremdkapitalzinsen eingerechnet. Höhere Kosten können dabei zu einer höheren regionalen Wertschöpfung führen – insbesondere, wenn sie noch durch entsprechende Erlöse gedeckt werden und das ausgegebene Geld in der Region bleibt. „Übernimmt ein Handwerker aus der Nachbarschaft die Wartung, erhöht das die regionale Wertschöpfung; kommt der Handwerker von weit her, dann versickert der regionale Effekt“, erläutert Prof. Kosfeld. Zudem berücksichtigten die Statistiker die Wirkung von Steuern und indirekten Effekten wie Abschreibungen. Und nicht zuletzt berechneten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auch die sogenannten induzierten Effekte: Die Einnahmen aus der Stromerzeugung lösen nämlich eine Kaskade weiterer Wertschöpfung aus. Vereinfacht gesagt: Der Besitzer einer Anlage gibt seine Einnahmen zu einem bestimmten Anteil für Waren und Dienstleistung aus der Region aus, wovon wiederum andere Gewerbetreibende profitieren – und so weiter. 

Die Forschungsgruppe bezifferte nicht nur die Wertschöpfung alternativer Stromerzeugung für ganze Regionen, sie führte darüber hinaus auch auf, wie viel einzelne, typische Anlagen pro installierter kW zur Wertschöpfung beitragen. Ergebnis: Die Effekte zwischen den einzelnen Energiearten differieren stark. Den größten Beitrag pro kW weisen dabei kleine eigenbetriebene Biogasanlagen auf (in Nordhessen 750 Euro pro kW). Dies ist primär auf die vergleichsweise hohen Vergütungssätze zurückzuführen, die insbesondere dann ins Gewicht fallen, wenn die Landwirte in der Biogas-Produktion nachwachsende Rohstoffe und Gülle in größerem Umfang einsetzen. Windkraft und Photovoltaik führen hingegen aufgrund eher geringer Betriebskosten zu deutlich niedrigeren Wertschöpfungseffekten. Aber auch innerhalb einer Energieart fallen die Unterschiede zwischen den einzelnen Regionen auf - begründet im Wesentlichen durch die standortspezifische Ertragslage und durch die unterschiedlichen regionalen Importquoten, die von der Größe und der Wirtschaftsstruktur der Regionen bestimmt werden. So ist der Beitrag pro kW installierter Leistung von Windkraftanlagen in Dithmarschen naheliegenderweise höher als im Binnenland.  

Die Autoren schließen ihre Studie mit konkreten Handlungsempfehlungen. Die Nutzung erneuerbarer Energien könne „seitens der Regionalplanung im Sinne ihrer Entwicklungsfunktion nicht nur als regulative Aufgabe, sondern auch als ökonomische Chance für die Region beworben werden“, heißt es darin. „Je größer der Wertschöpfungseffekt einer erneuerbaren Energie ist, umso nachhaltiger ist ihr Beitrag zur Regionalentwicklung, wodurch sich insbesondere auch in strukturschwachen ländlichen Räumen völlig neue Perspektiven ergeben können.“ So empfehlen die Autoren die Finanzierung von Anlagen über regionale Banken und Fonds oder über die Bereitstellung von Bürgerkapital – denn nur dann bleiben auch die Erlöse in der Region.

Das Fachgebiet Statistik der Universität Kassel führte die Untersuchung im Auftrag des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung und des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung durch. Kooperationspartner war die Firma MUT Energiesysteme, Kassel. 


Quelle: Universität Kassel 

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