Donnerstag, 7. November 2013

Zentrale Rolle von Genossenschaften

Eine Studie des deutschen Unternehmensberaters Baker Tilly Roelfs untersuchte die Potenziale und Risiken genossenschaftlicher Bürgerbeteiligungen im Energiebereich. Sie kommt zu einem Fazit, das in übertragenem Sinn durchaus für die Schweiz gelten kann. 
 
Genossenschaftliche Bürgerbeteiligungen können zu einem wesentlichen Hebel für den Umbau der deutschen Energielandschaft avancieren. Unter bestimmten Voraussetzungen tragen Genossenschaftsmodelle sowohl zur Finanzierung der Energiewende als auch zur Auflösung bestehender Konfliktfelder bei. Das geht aus einer aktuellen Studie hervor, die das Beratungsunternehmen Baker Tilly Roelfs gemeinsam mit fünf regionalen Energieversorgern, der Beteiligungsgesellschaft Stadt Solingen mbH und dem Institut für Genossenschaftswesen der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster erstellt hat. 

Danach sind die wesentlichen Erfolgsfaktoren die Berücksichtigung individueller Interessenlagen vor Ort, vorausschauende Strukturen sowie eine transparente und offene Kommunikation. So können Genossenschaftsmodelle gerade vor dem Hintergrund sich verändernder regulatorischer und politischer Rahmenbedingungen nachhaltig dazu beitragen, Bürger, Energieversorger und Kommunen wieder näher zusammenzubringen, um Projekte für erneuerbare Energie gemeinsam zu finanzieren und erfolgreich umzusetzen. 
 
Während über das Ziel der Energiewende deutschlandweit große Einigkeit herrscht, ist der Weg dorthin noch mit einer Vielzahl von Konflikten geebnet – vor allem auch im Hinblick auf die Finanzierung eines ökologisch nachhaltigen Energiesystems. Hinzu kommen beispielsweise steigende Strompreise, regulatorische Barrieren, Einschnitte in das Landschaftsbild und weitreichende Auswirkungen auf Fauna und Flora. „Genossenschaftliche Bürgerbeteiligungen an Stadtwerken stellen eine neue attraktive Möglichkeit dar, die Energiewende gemeinsam anzugehen und die Interessen aller Parteien zu vereinen“, fasst Alexandra Sausmekat, Studienautorin und Partner bei Baker Tilly Roelfs, das zentrale Ergebnis der Studie zusammen. So sind in diesem Jahr umfangreiche relevante steuerliche und rechtliche Neuerungen in Kraft getreten, wobei Genossenschaftsmodelle im Zeichen der Energiewende eine spürbare Renaissance erfahren haben. 

Waren es zunächst einzelne Projekte im Bereich der Erneuerbaren Energien, die Energieversorger und Bürger gemeinsam aufgesetzt haben, diskutieren zurzeit immer mehr Kommunen und Genossenschaften über gemeinsame Beteiligungsmodelle an kommunalen Energieversorgern. „Erste Praxisbeispiele in Jena und Wolfhagen zeigen, dass dies kein theoretisches Konstrukt, sondern ein Erfolg versprechendes Finanzierungs- und Geschäftsmodell für alle Beteiligten sein kann“, so Sausmekat: „Wie solche Genossenschaftsmodelle aufgesetzt werden müssen, damit sie erfolgreich sind und so die Energiewende nachhaltig beleben können, haben wir in unserer Studie untersucht.“


Im Fokus der Beteiligungsmodelle sollte stets die individuelle Interessenlage vor Ort stehen. Die Übertragung bestehender Modelle ist in der Regel nicht eins zu eins umsetzbar, da die Strukturen und Betätigungsfelder der Stadtwerke sehr verschieden sind. Theoretische Basismodelle müssen daher immer flexibel auf die jeweiligen Gegebenheiten vor Ort angepasst werden. Neue Herausforderungen entstehen, wenn sich – wie in jüngster Vergangenheit geschehen – die regulatorischen Rahmenbedingungen ändern. Dabei muss insbesondere den Änderungen im Bereich der Streubesitzdividende und das Kapitalanlagegesetzbuch entsprochen werden. Das Bewusstsein für die Herausforderung Genossenschaftsmodell sollte bei allen Beteiligten rechtzeitig geschärft werden und das Projekt von Anfang an sehr genau strukturiert werden. Implementierung und Umsetzung stellen hohe Anforderungen vor allem auch an die Kommunikation. Bei allen Beteiligten sollte volle Transparenz stets gewährleisten sein.

„Zusammenfassend kann man sagen, dass bei der Konstruktion und der Kommunikation solcher Modelle sowohl lokal unterschiedliche Bürgerinteressen als auch betriebswirtschaftliche, politische, rechtliche und steuerliche Aspekte zu beachten sind, um den Mehrwert für Bürger, Energieversorger und Kommunen zu maximieren“, so Sausmekat.

 
„Genossenschaften bieten Bürgern die Chance, selbst Gesellschafter oder gar Initiator von Projekten im Bereich der Erneuerbaren Energien zu werden. Bürger gewinnen an Einfluss, was sich unter anderem in einer stärkeren Kundenorientierung der Stadtwerke niederschlägt. Zudem erbringt die Genossenschaft Leistungen für ihre Mitglieder und stellt diese langfristig günstig – beispielsweise über Sondertarife – zur Verfügung“, erklärt Eric Christian Meyer, Geschäftsführer des Instituts für Genossenschaftswesen der Universität Münster: „Als positiver Nebeneffekt steigt zudem die Akzeptanz von Projekten, wenn die Bürger sich selbst engagieren und die Projekte mit initiieren.“ 

„Für den Erfolg von Bürgergenossenschaften sind politische Rahmenbedingungen erforderlich, die es der Idee einer echten unternehmerischen Bürgerbeteiligung gestatten, ihr Poten-zial zu entfalten. Das gilt für alle politischen Entscheidungsebenen vom Stadtrat über die Parlamente in Berlin bis zum Europaparlament und betrifft sowohl das politische Selbstverständnis der Entscheidungsträger als auch die gesetzlichen Rahmenbedingungen“, sagt Ralf W. Barkey, Vorstandsvorsitzender des Rheinisch-Westfälischen Genossenschaftsverband e. V.: „Es ist an der Zeit, unternehmerische Bürgerbeteiligung in Form von Genossenschaften zu fördern. Wenn wir von Bürgerbeteiligung reden, sollten wir auch Bürgerbeteiligung ermöglichen, nicht nur politisch, sondern auch konkret wirtschaftlich. Das heißt loslassen und Verantwortung übergeben. Dafür sind Genossenschaften ein sehr geeignetes Instrument.“ 

Neben Baker Tilly Roelfs, dem Rheinisch-Westfälischen Genossenschaftsverband, dem Institut für Genossenschaftswesen der Westfälische Wilhelms-Universität Münster und der Beteiligungsgesellschaft Stadt Solingen mbH waren die regionalen Energieversorger Troisdorf, Solingen, Emsdetten, Gronau und Iserlohn an der Ausarbeitung der Studie beteiligt.
 
Zum Download der Studien-Zusammenfassung...

Quelle: Baker Tilly Roelfs

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Mittwoch, 6. November 2013

Bewegung in Europas Energiepolitik

Wie das Solarportal Photon berichtet, konkretisiert sich langsam die künftige Energiepolitiik der Europäischen Union (EU). Deren Ausgestaltung wird auch Folgen für die Schweiz haben, insbesondere wenn es zu einem Stromabkommen Schweiz - EU kommen sollte. Betroffen von der künftigen EU-Politik ist auch die deutsche Energiewende - die künfigen Koalitionspartner kämpfen entsprechend derzeit um Abstimmung.

Die Europäische Kommission hat einen Leitfaden für die EU-Mitgliedsländer zu regulatorischen Eingriffen in die Energiemärkte veröffentlicht, der auch vier Prinzipien für die Förderung erneuerbarer Energien enthält. Einer Mitteilung der Kommission zufolge solle finanzielle Unterstützung »auf das nötige Maß« beschränkt bleiben und dazu beitragen, dass erneuerbare Energien wettbewerbsfähig werden.« 

Die derzeit bestehenden Einspeisevergütungen sollten durch Einspeiseprämien oder andere Mechanismen ersetzt werden, »die Erzeugern Anreize bieten, sich auf Marktentwicklungen einzustellen«. Allerdings warnte die Kommission davor, bestehende Fördersysteme durch rückwirkende Maßnahmen zu verändern. Außerdem rät sie dazu, Förderstrategien der einzelnen Statten besser untereinander abzustimmen, um damit die Kosten für die Energieverbraucher gering zu halten. Die Regierungen sollten zudem darauf hinwirken, dass Erneuerbare-Energien-Anlagen stärker auf Marktsignale reagieren und dass Anreize geschaffen werden, außerhalb der Spitzenlastzeiten Strom anzubieten, heißt es weiter. Der Leitfaden hat keine verbindliche Wirkung, jedoch plant die Kommission Rechtsinstrumente zu prüfen, »damit die Grundsätze angewandt werden.

Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) und die Ministerpräsidentin von Nordrhein-Westfalen, Hannelore Kraft (SPD), haben sich am Montag beim zweiten Treffen der Arbeitsgruppe Energie im Rahmen der Koalitionsverhandlungen für die von der EU-Kommission vorgeschlagene Verknappung von CO2-Zertifikaten ausgesprochen. »Wir wollen einen wirksamen Emissionshandel in der EU«, sagte Kraft Medienberichten zufolge und erklärte, das von der EU-Kommission geplante »Backloading« als »einmaligen Eingriff« zu unterstützen. 

Damit würde Deutschland seinen Kurs ändern; der noch amtierende Wirtschaftsminister Rösler (FDP) hatte die Pläne der EU-Kommission bisher abgelehnt. Bereits beim ersten Treffen der Arbeitsgruppe plädierte die SPD außerdem dafür, das Ziel für den Ökostromanteil bis 2020 auf mindestens 40 Prozent zu erhöhen. Bis 2030 solle er dann bei rund 75 Prozent liegen. Dies berichtete die Nachrichtenagentur Reuters bereits am vergangenen Freitag unter Berufung auf Parteikreise. 

Auch seien sich beide Koalitionspartner einig, den Einspeisevorrang für Strom aus erneuerbaren Energien beizubehalten. Darüber hinaus soll sich die SPD für die Halbierung der Industrierabatte bei den Strompreisumlagen aussprechen, heißt es weiter. Da aber die großen Verbraucher hiervon verschont bleiben sollen, wären von dieser Maßnahme nur gut zehn Prozent der begünstigten Strommenge betroffen. Nach der Sitzung am Donnerstagabend hatten beide Parteien angekündigt, bis Ostern entsprechende Reformvorschläge vorlegen zu wollen. Sie sollten vor der Sommerpause 2014 beschlossen werden und ab 2015 in Kraft treten.

Quellen: 
http://www.wsj.de/article/SB10001424052702303936904579178870794705680.html
http://de.reuters.com/article/domesticNews/idDEBEE9A000W20131101
http://europa.eu
http://europa.eu/rapid/press-release_IP-13-1021_de.htm

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Dienstag, 5. November 2013

CH-Allianz für Eigenwärme /-strom

2 SOL ist eine Allianz aus führenden Unternehmen der Schweizer Wirtschaft.  Ihr Fokus liegt auf der zuverlässigen und wirtschaftlichen Reduktion von CO 2-Emissionen in Gebäuden. Das System 2 SOL basiert auf der idealen Verbindung von Energieeffizienz, Komfort und Ästhetik. Es bindet erneuerbare Energien, hauptsächlich die Sonne, in die Gebäude ein und ermöglicht einen emissionsfreien Betrieb mit tiefen Betriebskosten. 

Die Basis hierzu bilden modernste Technologien zur Energiegewinnung, -speicherung und -aufbereitung. Die Allianz 2 SOL wurde Mitte Februar von den sieben Gründungsmitgliedern ins Leben gerufen und präsentiert sich am Montag erstmalig der Öffentlichkeit. Es haben sich bereits 12 führende Geräte- und Systemanbieter, Ingenieur-, Planungsunternehmungen sowie Installationsfirmen der Allianz angeschlossen. Die Herstellerfirmen garantieren für die 2 SOL-optimierten und  aufeinander abgestimmten Produkte. 

Referenzgebäude an der Bolleystrasse in Zürich-Oberstrass, welches nach den 2-Sol-Prinzipien erstellt wurde (Bild: Guntram Rehsche).












2 SOL ist der Ansprechpartner für  die Realisierung von zukunftsorientierten, umweltverträglichen Gebäuden und  bietet der Bauherrschaft eine Gesamtlösung. Die Kunden profitieren von einer zuverlässigen und intelligenten Wärme- und Stromversorgung mit tiefen Betriebskosten, die durch kompetente Fachpersonen umgesetzt wird. Die Komponenten werden nicht einzeln optimiert, sondern das ganze Gebäudesystem als Einheit betrachtet. 

Die Optimierung des Gesamtsystems besteht in einer minimalen Zufuhr von Netzstrom nur während der kältesten Wochen des Jahres.  So kann ein Grossteil der bestehenden und zukünftigen Gebäude ohne wesentlichen Ausbau des elektrischen Versorgungsnetzes emissionslos versorgt werden. Das System besteht aus den fünf Hauptkomponenten Hybridkollektor, Erdwärmesonde, Wärmepumpe, Lüftung und Steuerung. 2 SOL eignet sich für alle grösseren Bauprojekte – von Mehrfamilienhäusern bis  hin zu grossen Überbauungen sowie für Industrie- und Gewerbegebäude.  Die Gesamtlösung eignet sich insbesondere auch für Sanierungsprojekte, bei  welchen der finanzielle und materielle Aufwand für eine energetische Modernisierung ansonsten sehr hoch wäre.

Quelle: 2 Sol

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Montag, 4. November 2013

Atomstrom schnell ersetzbar

Seit der Bekanntgabe der BKW, das AKW Mühleberg 2019 stilllegen zu wollen, geistert wieder der Begriff der «Stromlücke» durch die Schweizer Medienlandschaft. Woher soll der Strom kommen, der heute in Mühleberg produziert wird? Selbstverständlich aus erneuerbaren Energien! 

Das ist ganz im Sinne der Energiestrategie des Bundes und absolut realistisch. In Europa herrscht auf absehbare Zeit ein Strom-Überangebot, also wäre eine Substitution versorgungstechnisch noch nicht einmal nötig. Es wäre aber aus Sicherheitsgründen sinnvoll und problemlos möglich, auch die beiden Uraltreaktoren in Beznau vor 2020 abzuschalten - so eine Stellungnahme der Schweizerischen Energie Stiftung SES. Kaum hat die BKW ihren Entscheid kommuniziert, sind schon erste Stimmen laut geworden, die sich fragen, woher denn dereinst der Strom kommen soll. So sagte FDP-Nationalrat Christian Wasserfallen gegenüber dem Tagesanzeiger (1): «Um das Kernkraftwerk Mühleberg zu ersetzen, bräuchte es etwa 740 Windturbinen». Er fragt sich, was die Alternativen seien. Davon abgesehen, dass bereits 500 moderne Windräder genügend Strom produzieren würden, vergisst Wasserfallen unter anderem die Photovoltaik – die Alternative mit dem grössten Potenzial. Das ist sicher Absicht, weil die Photovoltaik erstens kein Konfliktpotenzial mit dem Landschaftsschutz birgt und zweitens für die grossen Stromunternehmen offenbar nicht interessant ist.
 
Seit 2009 werden erneuerbare Energien in der Schweiz mit der kostendeckenden Einspeisevergütung (KEV) gefördert. Ein Blick in die Statistik(2) zeigt, dass die KEV-geförderten Anlagen, die bereits in Betrieb sind, jährlich rund 1700 Gigawattstunden (GWh) Strom produzieren. Dazu kommen Anlagen mit einer Zusage im Umfang von 3448 GWh und die, die auf der Warteliste stehen und noch auf Bescheid warten, mit 5255 GWh. Total sind das 10'387 GWh erneuerbaren Strom aus konkreten Projekten, der mit dem entsprechenden politischen Willen bis 2019 ins Netz eingespiesen werden könnte. Damit könnte man Mühleberg (Produktion 2012: 3117 GWh) rund drei Mal ersetzen. Oder noch besser Beznau I und II gleich dazu: Diese drei Uraltreaktoren haben 2012 zusammen 8870 GWh produziert – ein Ersatz wäre also auch möglich, wenn man davon ausgeht, dass das eine oder andere Windprojekt nicht schnell genug realisiert werden kann. Insbesondere Windprojekte sind häufig von Einsprachen von Nachbarn blockiert. Alle Windprojekte (inkl. der bereits realisierten) machen aber weniger als einen Drittel der KEV-Projekte aus. 


BKW-Konzernchefin Suzanne Thoma hat gegenüber der NZZ erklärt (3), es werde rund 10 Jahre dauern, bis der Wegfall von Mühleberg mit einheimischem Strom ersetzt sei. Dies liege an den langen Verfahren, welche Wasserkraftprojekte über Jahre blockieren können. Das ist eine stark verkürzte Aussage: Es mag sein, dass die BKW so lange braucht, um genügend erneuerbare Kapazitäten aufzubauen, weil sie fast ausschliesslich auf den Ausbau der Wasserkraft setzt. Schweizweit und damit versorgungstechnisch gedacht, ist das eine unrealistisch lange Zeit, denn:
  • Die Photovoltaik wächst viel schneller als erwartet: Die Zuwachsraten lagen zwischen 2009 und 2010 bei 65%, zwischen 2010 und 2011 bei 77%, zwischen 2011 und 2012 bei 67%. Ende 2013 werden gemäss Swissolar 720 MW Leistung installiert sein. Damit werden 1,2% des Stromverbrauchs der Schweiz aus Solarstrom stammen. Wenn man zwischen 2014 und 2019 von einem Wachstum von 50% pro Jahr ausgeht, wären es Ende 2019 8200 MW installierte Leistung, sprich rund 8200 GWh oder 14% des Stromverbrauchs. Selbstverständlich wird es je länger je schwieriger, die Wachstumsraten beizubehalten – das ist auf längere Frist auch nicht sinnvoll. Aber in den nächsten Jahren ist eine konstante Wachstumsrate durchaus realistisch.
  • Die Wasserkraft in der Schweiz ist in den letzten Jahren viel stärker gewachsen als erwartet. Seit 2009 wurden 620 GWh zugebaut, seit 2003 insgesamt 880 GWh. Im Schnitt der letzten Jahre entspricht das jährlich über 150 GWh – bei gleichbleibendem Zubau bis 2019 rund 1000 GWh.
  • Die Produktion in Biomassekraftwerken entspricht heute schon der Produktion des AKW Mühleberg: Die Stromproduktion aus Biomasse und Abfall setzte sich 2012 wie folgt zusammen: Holz – 410 GWh; Abfall (erneuerbarer Anteil) – 2‘020 GWh; Kläranlagen (erneuerbarer Anteil) – 123 GWh; Biogas – 64 GWh. Das sind insgesamt 2617 GWh und entspricht damit fast Mühleberg 2012 (3117 GWh) und liegt sogar über der Produktion des AKW 2011 (2605 GWh).

Jürg Buri, Geschäftsleiter der SES, sieht aber auch eine verfehlte Geschäftspolitik bei der BKW als Grund für den langsamen Zubau einheimischer Kraftwerke: Die BKW habe 2011 und 2012 insgesamt 334 Mio. Franken in fossilen Kraftwerken im Ausland abgeschrieben, weil diese nicht rentabel laufen. «Hätte man dieses Geld in der Schweiz in Solarstrom investiert, könnte man dafür 300 GWh Strom produzieren», rechnet er vor. Dass die BKW erneut in ein Kohlekraftwerk in Deutschland investiert, kann vor diesem Hintergrund nur erstaunen. Bei den heutigen europäischen Strompreisen sind deswegen wohl die nächsten BKW-Abschreiber nötig.
  

Die Schweiz ist traditionell ein Stromexportland, 2012 wurden 2200 GWh exportiert. Wer rechnet, sieht also: Mühleberg und Beznau können deutlich vor 2019 vom Netz, die «Stromlücke» ist (immer noch) ein Hirngespinst. Die Schweiz hat zwei traurige Rekorde zu verzeichnen: Wir haben das älteste AKW der Welt (4) und sind im Vergleich mit den umliegenden Ländern das Schlusslicht, was den Zubau von Photovoltaik und Windkraft angeht (5). Wir fordern die Schweizer Stromkonzerne und die Politik auf, diese Rekorde umzukehren: Wir wollen Weltmeister sein im Zubau erneuerbarer Energien und im Abstellen von gefährlichen AKW.

Quellen:
(1) http://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/Muehleberg-ist-fuer-die-Versorgungssicherheit-irrelevant/story/22365379
(2) http://www.swissgrid.ch/swissgrid/de/home/experts/topics/renewable_energies/crf/registration_to_implementation/waiting_list.html
(3) http://www.nzz.ch/aktuell/schweiz/atomkraft-und-kohle-liefern-strom-fuer-muehleberg-1.18177439
(4) http://www.energiestiftung.ch/aktuell/archive/2013/01/28/beznau-und-muehleberg-vom-netz-jetzt.html
(5) http://www.energiestiftung.ch/aktuell/archive/2013/05/02/die-schweiz-bleibt-das-schlusslicht.html

Quelle: Schweizerische Energie Stiftung SES

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D: 35 GW - Vergütung sinkt erneut

Die Vergütungssätze für Photovoltaik-Anlagen (PV-Anlagen) sinken in Deutschland im Zeitraum vom 1. November 2013 bis zum 1. Januar 2014 jeweils zum Monatsersten um 1,4 Prozent. Dies gab die Bundesnetzagentur Ende Woche bekannt. Die Preissenkung zeigt: Einspeisevergütungen stellen keine ewig anhaltende Subvention dar, sondern eine Umlage von den StromkonsumentInnen zu den Produzenten Erneuerbarer Energien, die mit der Zeit ganz verschwindet.

Inzwischen ist deutlich erkennbar, dass sich der monatliche Zubau von Photovoltaik-Anlagen verstetigt, sagte Jochen Homann, Präsident der Bundesnetzagentur. Zudem bewegen sich die jährlichen Zubauzahlen zunehmend auf den gesetzlich festgelegten Zubaukorridor von 2.500 MW bis 3.500 MW zu. Mit einer Überschreitung von diesmal lediglich 559 MW ist hier ein starker Rückgang zu verzeichnen. Bei der letztmaligen Berechnung der Vergütungssätze für die Monate August bis Oktober 2013 wurde der Korridor noch um knapp 1.500 MW überschritten.

Nicht nur Deutschland - rund 60 Länder kennen eine Einspeisevergütung für Solarstrom - wie Australien (Anlage bei Canberra, Bild Christine Meister). Überall werden die Vergütungen mit der Zeit gesenkt.




Die Einspeisevergütung für PV-Anlagen nach dem Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) wird monatlich angepasst. Hierbei ist eine konstante Absenkung der Vergütungssätze um jeweils ein Prozent vorgesehen. Die Einspeisevergütung wird zusätzlich abgesenkt, wenn sich der Zubau oberhalb des im EEG festgelegten Korridors von 2.500 bis 3.500 MW pro Jahr bewegt. Die Absenkung erfolgt dabei stufenweise je nach Höhe der Überschreitung. Eine Unterschreitung des Zubaukorridors würde dagegen dazu führen, dass die Vergütung weniger stark sinkt, gleich bleibt oder sogar ansteigt. 

Der Bundesnetzagentur wurden für die vergangenen zwölf Monate - den relevanten Bemessungsspielraum -  Solarstromanlagen mit einer Gesamtleistung von knapp 4,06 Gigawatt (GW) gemeldet, davon 290,89 Megawatt im September 2013. Damit überschreitet die in Deutschland installierte Solarstromleistung zum 30. September die Marke von 35 GW . 

Die Bundesnetzagentur ist für die Registrierung der nach dem EEG geförderten PV-Anlagen zuständig. Darüber hinaus ermittelt sie die neuen Einspeisevergütungen und veröffentlicht diese im Bundesanzeiger.  Für die jeweilige Degressionsberechnung bilden stets die zurückliegenden zwölf Monate die Datengrundlage. Im Rahmen der aktuellen Absenkung der Vergütungssätze sind dies die Zubauzahlen der Monate Oktober 2012 bis September 2013. Die Annäherung des Zubaus neuer PV-Anlagen an den Zubaukorridor ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass die zubaustarken Monate Juli, August und September des vergangenen Jahres nun nicht mehr in die Bemessungsgrundlage einfließen. 

Weitere Informationen zu den Vergütungssätzen sowie zur installierten Leistung der gemeldeten PV-Anlagen für September 2013 sind auf den Internetseiten der Bundesnetzagentur veröffentlicht.

Quelle: Deutsche Bundesnetzagentur

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Freitag, 1. November 2013

Energiewende: Wärmesektor stockt

Von Januar bis September wurden in Deutschland rund 820.000 Quadratmeter Kollektorfläche für Solarwärmeanlagen verkauft. Das entspricht einem Absatzrückgang von rund elf Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Auch in der Schweiz stockt der Absatz gemäss Industrieangaben.

Das gaben diese Woche der Bundesindustrieverband Deutschland Haus-, Energie- und Umwelttechnik (BDH) und der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW-Solar) bekannt. Beide Verbände appellieren an die Politiker vom Union und SPD, in den Koalitionsverhandlungen die Weichen für eine Energiewende im Wärmesektor zu stellen. Für einen wirksamen Klima- und Verbraucherschutz sei dies unverzichtbar. Deutschlands Heizungsbestand gilt als veraltet. Die Wärmeerzeugung in Deutschland ist für rund zwei Fünftel der Treibhausgasemissionen und ein Drittel der Energiekosten der Bürger verantwortlich. 

Seit 2010 stagniert der Anteil der Erneuerbaren Energien an der Wärmebereitstellung weitgehend bei rund 11 Prozent. Bei der Solarthermie verzeichnen BDH und BSW-Solar aktuell sogar ein geringeres Wachstum als noch 2012. „Mit angezogener Handbremse sind die energiepolitischen Ziele nicht zu erreichen“, betont Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer vom BSW-Solar. Mehr als 80 Prozent des Endenergieverbrauchs von Privathaushalten entfallen auf die Wärmeerzeugung. Die Erneuerbaren Energien sollen daran im Jahr 2030 einen Anteil von 30 Prozent haben, so legt es das Energiekonzept der Bundesregierung fest. „Um den Sanierungsstau alter Heizungen aufzulösen und Erneuerbare Energien zum Wärmestandard zu machen, bedarf es einer intelligenten Kombination aus Anreizen und Mindeststandards und einer verlässlichen Mittelausstattung bestehender Förderprogramme“, fordert Körnig. Eine Energiewende im Wärmesektor entlaste den Verbraucher und könne auch damit den Anstieg der Strompreise kompensieren. 

Die Solaranlagen zur Wärmeerzeugung sparen in Deutschland  jedes Jahr über eine Million Tonnen klimaschädliches Kohlendioxid ein. Bereits mehr als 1,8 Millionen Haushalte betreiben in Deutschland eine Solarwärmeanlage. Immer noch zu wenige, findet Andreas Lücke, Hauptgeschäftsführer des BDH: „Wer seine veraltete Heizung modernisiert, zum Beispiel durch Brennwerttechnik oder eine Pelletheizung in Kombination mit Solarthermie, kann die Heizrechnung um bis zu 70 Prozent senken. Und dennoch verwenden vier von fünf Haushalten noch immer veraltete Heizungstechnik.“ In den vergangenen 15 Jahren haben sich für die Haushaltskunden die Erdgaspreise verdoppelt und die Heizölpreise vervierfacht. Mit solarer Wärme können Verbraucher die wachsenden Ausgaben für Heizöl oder Gas erheblich senken. Die meist überfällige Heizungsmodernisierung wird mit Zuschüssen gefördert: Für den Einbau eines neuen Heizkessels plus Solaranlage gibt es über das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) mindestens 2.000 Euro dazu. Zusätzlich hilft die staatliche Förderbank KfW bei der Finanzierung mit bis zu 50.000 Euro zu attraktiven Kreditkonditionen. 

Das Verbraucherportal www.solartechnikberater.de informiert kostenlos über Fördermöglichkeiten in Deutschland und hilft bei der Suche nach einem qualifizierten Fachbetrieb. Angaben für die Schweiz sind erhältlich über www.swissolar.ch.

Quelle: Bundesverband Solarwirtschaft / Bild: Guntram Rehsche

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