Freitag, 9. August 2013

Solare Revolution frisst ihre Kinder

Solarworld ist gerettet – zumindest vorläufig. Die Art und Weise der Rettung und ihr Preis sind aber eher ein Symbol der Krise als ein Zeichen der Hoffnung auf Zukunft in der deutschen Solarbranche. Und was ist die Ursache der Krise? Ein Kommentar von Franz Alt. 
 
In der öffentlichen und veröffentlichten Wahrnehmung dieser Tage sind meist die „chinesischen Billighersteller“ schuld  am Sonnenuntergang der deutschen Branche. Conergy, Solon oder Q-Cells liegen in Trümmern, Solarworld steht noch immer am Abgrund. Weltkonzerne wie Siemens und Bosch sind aus dem Solargeschäft ausgestiegen. 

Wer aber ist wirklich schuld daran, dass Deutschland grüne Revolution ins Straucheln geriet? Der dramatische Absturz der meist einst von der ganzen Welt bewunderten Branche in Deutschland ist primär hausgemacht. Er ist einer falschen Politik der Bundesregierung geschuldet. Es ist vor allem politisches Versagen, dass die Zahl der Arbeitsplätze von etwa 120.000 innerhalb von 18 Monaten auf 88.000 gesunken ist.

Die Insolvenz-Welle begann Anfang 2012 als die schwarz-gelbe Bundesregierung beim Kürzen der PV-Einspeise-Vergütung Augenmaß mit Kahlschlag verwechselte – vor allem der FDP-Teil dieser Koalition und der CDU-Wirtschaftsflügel. Die Solarbranche hat über zwölf Jahre damit rechnen können, dass die Einspeise-Vergütung  pro Jahr um fünf Prozent zurückgefahren wird. Daraus wurden aber im letzten Jahr überhastet bis zu 50%. Auch keine andere Branche hätte diese Brutalität überstehen können. Und Peter Altmaier hat 2013 mit seinem Gerede über die Strompreis-Bremse das Desaster noch verstärkt.

Auch diese Bundesregierung sonnte sich lange im Erfolg der deutschen Solarbranche und warb mit dem Versprechen auf viele neue Arbeitsplätze für die Energiewende. Mit der jetzigen Politik aber frisst die solare Revolution ihre Kinder. Es ist geradezu tragikomisch, dass ausgerechnet Wirtschaftminister Rösler sich an die Spitze derer geschwungen hat, welche die wichtigste Schlüsselbranche des 21. Jahrhunderts abgemurkst und über 30.000 Arbeitsplätze vernichtet haben. Zudem haben wir noch einen Umweltminister, der sich rühmt, den Zubau von Solarmodulen 2013 gegenüber 2012 halbiert zu haben.

Es ist ganz offensichtlich: Die Bürgerinnen und Bürger wollen die Energiewende, aber die derzeitige Bundesregierung verstolpert sie, obwohl sie diese Wende gleichzeitig propagiert. Deutschland wurde dank des EEG Solarweltmeister. Nicht „chinesische Billigware“, sondern eine katastrophale Politik in Berlin hat den Erfolg der deutschen Technik jetzt kaputt gemacht.

Die Solarbranche ist weltweit nicht am Ende, sondern erst am Anfang. Der Strom vom Hausdach ist bereits in vielen Ländern billiger als der alte fossil-atomare Stoff. Das ist ein Geschenk Deutschlands an die Welt, vor allem an die Menschen in den sonnreichen Ländern der Dritten Welt. Dieses EEG hat die effizienteste Entwicklungspolitik zustande gebracht. Anstatt mit diesem Pfund zu wuchern und die Chancen der solaren Weltrevolution zu propagieren und zu nutzen, machen Regierungspolitiker diesen Erfolg madig. An der solaren Weltrevolution führt kein Weg vorbei.

Wenn „Made in Germany“ dabei zu den Gewinnern zählen will, dann brauchen wir eine intelligentere Politik und intelligentere Politiker. Die sitzen aber zurzeit eher in Peking als in Berlin.

Quelle:  sonnenseite.com

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Donnerstag, 8. August 2013

Waka Waka: persönliche Solarstation

   
 
Jetzt gibt es die nach Angaben der Produzenten ergiebigste persönliche Solarladestation der Welt, ein holländisches Produkt, das direkt über das Internet zu bestellen ist. Kosten: 24 € (nur Lampe), 69 € (mit Ladestation für Iphone) plus Versandkosten. Alles Weitere im vierminütigen Film über das solare Produkt, das sich aufmacht, die Welt zu erobern (in Englisch).

Quelle: Waka Waka

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Mittwoch, 7. August 2013

Mit Doris Leuthard Pro-Solar


Wussten Sie, dass «Star Wars» einer der Lieblingsfilme von Doris Leuthard ist? Die Bundesrätin ist selbst Hauptdarstellerin in einer filmreifen Auseinandersetzung: «Solar Wars». Die Atom-, Öl- und Gasindustrie arbeitet hinter den Kulissen daran, die Energiewende in letzter Minute zu sabotieren. Helfen Sie mit, den drohenden Solar-Stopp zu verhindern! Unterstützen Sie den dringlichen Appell auf www.pro-solar.ch.

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Dienstag, 6. August 2013

Meyer Burger: Erholungszeichen

Meyer Burger sieht Anzeichen für eine Markterholung in der Photovoltaik und hat strategische Verträge für die Lieferung von Hightech Diamantdraht-Sägesystemen und von industrieführenden Modulproduktions- und Testing-Technologien mit neuen Kunden im asiatischen Markt abgeschlossen. Die Aufträge haben zusammen einen Wert von über CHF 22 Millionen.

Meyer Burger Technology AG (im Bild der neue Firmensitz) konnte erfolgreich einen strategisch wichtigen Vertrag für die Lieferung von wasserbasierten Diamantdraht-Sägesystemen mit einem führenden Solarwafer-Hersteller in Asien unterzeichnen. Der Kunde ist ein wichtiger Anbieter von monokristallinen Silizium-Solarwafern für Hochleistungszellen und vertraut auf die Hightech Diamantdrahttechnologie von Meyer Burger, um die Herstellkosten zu senken und gleichzeitig neue Perspektiven für Hocheffizienzzellen zu eröffnen. Die Auslieferung der Drahtsägesysteme ist für Ende September 2013 geplant.

Meyer Burger hat auch erfolgreich einen Vertrag für die Lieferung von Solarmodul-Produktionsmaschinen für die Herstellung von hochwertigen, innovativen Solarmodulen mit einem wichtigen Modulhersteller in Asien unterschrieben. Die hochmodernen Modulanlagen bestehen aus String-Lötautomaten, Laminierstrasse, Handlingsystem und Modultester sowie einem umfassenden Schulungs- und Servicepaket. Der Kunde plant die Produktion Ende August 2013 aufzunehmen.

Diese Verträge bestätigen Meyer Burger die Anzeichen für eine Markterholung im PV-Markt. Es ist das erste grössere Auftragsvolumen, welches das Unternehmen seit dem Beginn der Solarmarktkrise in der zweiten Jahreshälfte 2011 erhalten hat und gleichzeitig ein wichtiger Erfolg für die Diamantdrahttechnologie. Meyer Burger ist mit ihren Technologien und mit dem strategischen Fokus auf die gesamte Wertschöpfungskette der Photovoltaik klar positioniert, um die zukünftigen Anforderungen im Herstellungsprozess der Photovoltaik abzudecken. Das Unternehmen erwartet ein Wiederanziehen der Nachfrage nach Produktionsequipment im Laufe der zweiten Jahreshälfte 2013.

Die Marktsituation in der Solarindustrie blieb im ersten Halbjahr 2013 angespannt und erwartungsgemäss war das Ergebnis der Meyer Burger Gruppe in der Berichtsperiode von einer tiefen Nachfrage der Kunden in Bezug auf neues Produktionsequipment geprägt. Gemäss vorläufigen Ergebnissen belief sich der Nettoumsatz auf CHF 90.4 Mio. Auf Stufe EBITDA weist das Unternehmen einen Verlust von CHF 58.6 Mio. bzw. auf Stufe EBIT von CHF 98.8 Mio. aus. Beim Konzernergebnis beläuft sich der Verlust nach vorläufigen Zahlen auf CHF 81.9 Mio. Im Laufe des ersten Halbjahres 2013 wurden die Optimierungs- und Konzentrationsprogramme wie vorgesehen umgesetzt. Die operativen Kosten konnten im Vergleich zur Vorjahresperiode um CHF 54.7 Mio. gesenkt werden (Personalaufwand um CHF 30.1 Mio., Sonstiger Betriebsaufwand um CHF 24.6 Mio.).

Weitere Informationen sowie der vollständige Halbjahresbericht 2013 werden am 15. August 2013 veröffentlicht.

PV weiterhin auf Wachstumskurs

Der Photovoltaik-(PV)-Absatz stieg im Juni 2013, und die Preise erholten sich, berichtet Bloomberg New Energy Finance (BNEF). In den letzten Monaten seien die Preise entlang der gesamten PV-Wertschöpfungskette leicht gestiegen, auch die Spotmarktpreise für Polysilizium. Grund dafür sei vor allem das Anziehen der Nachfrage in Japan. Außerdem seien viele Photovoltaik-Produkte nach Europa verkauft worden, bevor die gefürchteten Antidumping-Zölle im August 2013 in Kraft traten. Das Unternehmen geht davon aus, dass die globale Photovoltaik-Nachfrage 2013 um 21 % auf 37 Gigawatt (GW) steigt, wie die Solarplattform solarserver.de schreibt. 

“Diese Zahlen zeigen, dass die Photovoltaik-Produkte der größten Hersteller trotz der Unsicherheit und der vielen schlechten Nachrichten vom globalen Solar-Markt stark nachgefragt werden“, sagt die Photovoltaik-Analystin Jenny Chase von BNEF. „Die Konsolidierung hält an, 2013 wird die gesamte Industrie dennoch wachsen.“ NPD Solarbuzz (Santa Clara, Kalifornien, USA) hat eine andere neue Studie veröffentlicht, laut welcher der europäische Photovoltaik-Markt 2013 um 33 % auf 11,2 Gigawatt (GW) schrumpfen wird. Der Markt bewege sich im Moment weg von Einspeisevergütungen und hin zum Eigenverbrauch von preislich konkurrenzfähigem Solarstrom.

Die Marktforscher gehen davon aus, dass der europäische Photovoltaik-Markt im ersten Quartal 2014 mit 2,3 GW die Talsohle erreicht und dann gleich wie 2013 bleibt. In den nächsten vier Quartalen seien Deutschland, Großbritannien und Italien die führenden europäischen Solarmärkte.

Nach Schätzungen von BNEF wiederum stiegen die Preise für chinesische Photovoltaik-Module von renommierten Anbietern auf 0,75 US-Dollar  je Watt (0,56 Euro), für Module aus anderen Ländern auf 0,86 USD je Watt (0,65 Euro). Die beobachteten Marktteilnehmer rechnen damit, dass die Modulpreise sich stabilisieren. Der “Solar Shipments Index” von BNEF zeigt, dass die führenden chinesischen Solarzellen-Hersteller im Juni 2013 ein Verkaufsvolumen erreichten, das 116 % ihrer durchschnittlichen Produktionskapazität entsprach. Bei den Modulherstellern betrug das Verhältnis 99 %, bei den taiwanesischen Solarzellen-Produzenten im Durchschnitt 84 %. Bei der Erhebung sind allerdings große und mittlere Unternehmen überrepräsentiert, da sie bessere Jahresdaten geliefert hätten. Seit Mai 2013 seien die Produktionsanlagen für Solarzellen und Photovoltaik-Module wieder besser ausgelastet. Die Polysilizium-Spotmarktpreise stiegen auf 17 USD pro kg. Im Dezember 2012 lag der Kilogramm-Preis noch bei 16 USD.

Sonntag, 4. August 2013

Kampf Atom-Solar spitzt sich zu


Es sind zwar ein paar saure Gurken darunter, aber von Ereignislosigkeit lässt sich diesen Sommer in der Energiebranche nicht sprechen. Da bringt zum Beispiel ein Erdbeben einen der Pfeiler der Energiewende ins Wanken – diese selbst wankt aber kaum. Denn Wind- und Solarenergie machen unaufhörliche Kostenfortschritte, wenn das auch hierzulande auf wenig Resonanz stösst. Aber dass sich bisherige Atombefürworter nun von der Kernenergie aus Kostengründen abwenden, lässt aufhorchen. Ein sommerlicher Kommentar des Solarmedia-Autors Guntram Rehsche.

Was die tschechische Regierung anfangs vergangener Woche verlauten liess, kommt einer Sensation nahe (siehe Artikel Solid vom 26.7.13). Zumal sich die polnische Administration zuvor schon ähnlich geäussert hatte. Hingehört haben allerdings nur wenige – darum sei es hier eingangs klar fest gehalten: Beide Länder verabschieden sich von ihren atomaren Ausbauplänen, nachdem sie zuvor als wichtige Pfeiler der (vermeintlichen) Atom-Renaissance galten. Der Grund für die Abkehr liegt in den aktuell tiefen Strompreisen sowie in der Aussicht, dass sich unter anderem auch durch das schnelle und heftige Aufkommen der Erneuerbaren Energien dieser Preiszerfall kaum so schnell ins Gegenteil verwandelt.

Es ist schon so: Während in den USA die Fracking- oder Schiefersandwunder zumindest vorderhand zusätzliche Energien mit preisdämpfender Wirkung über den Strommarkt ergiessen, ist es in anderen Weltgegenden, vor allem natürlich in Europa, der Wind- und Solarstrom, der plötzlich als Strommarktsäule erkannt wird. Erkannt werden muss, sei hier gesagt, denn noch vor wenigen Jahren war deren Ergiebigkeit durch die herkömmliche Stromlobby bestritten. Ein deutscher Strom-CEO versteifte sich einst gar zur Aussage, Erneuerbare seien etwa so ergiebig wie Ananas-Plantagen in Grönland. Und ein Schweizer Pendant meinte, mehr als wenige Prozent gäben die Erneuerbaren hierzulande niemals her. Der erste (Grossmann von RWE) wurde unterdessen aus dem Amt gedrängt. Der zweite (Karrer von der Axpo) ist noch der letzte Mohikaner unter den CEO der grossen vier in der Schweiz, der seine Haut bislang retten konnte. Jede Wette – auch er macht es nicht mehr allzulange, zumal noch Gefahr droht von der Gasfront, hat Karrer doch das Axpo-Engagement in der so genannten TAP-Leitung zu verantworten.

Ein anderer Schweizer Spitzen-Stromer ist zwar noch Verbandschef, doch seinen operationellen Posten bei der BKW ist er los. Trotzdem durfte er in der Sendung 10vor10 wieder einmal sein altes Credo vertreten, beflügelt durch das vermeintliche Desaster beim St.Galler Geothermie-Projekt. Die Schätzungen zu den Potentialen der Erneuerbaren auf Grundlage des hiesigen Projekts Energiewende 2050 seien weit überrissen, meinte Kurt Rohrbach – und blieb fast unwidersprochen. Immerhin – das Potential der Sonnenenergie fand Erwähnung aufgrund des unterdessen auf 0,6 Prozent angestiegenen solaren Stromanteils am Schweizer Gesamtmarkt. Wohl schon zu Ende des laufenden Jahres dürfte hierzulande die Ein-Prozent-Hürde überschritten werden. Andere Staaten machen vor, wie auch das Zehnfache möglich und Realität ist (Deutschland, Italien, Spanien und Belgien) oder demnächst sein wird (Japan, China, USA).

Da kommt nun einer – und das ist sein gutes demokratisches Recht – und ergreift das Referendum gegen das neue Energiegesetz. Basierend wiederum auf der Annahme geringer Ergiebigkeit und hoher Kosten der Erneuerbaren. Vielleicht gar nicht so schlecht, käme dieses Referendum zustande – dann würde die Sache endlich in der Breite diskutiert und kämen endlich auch die aktuellen Fakten auf den Tisch. Angefangen bei der zu teuren Atomkraft (siehe oben, aber auch die chinesische Regierung, die den Preis für Atomstrom ab neuem Werk unterdessen bei rund sieben Rappen je Kilowattstunde sieht), der keinesfalls vorhandenen Alternative – bis hin zu den stark gesunkenen Preisen für Solaranlagen, aber auch den Möglichkeiten von Kleinwasserkraft, Windenergie und Biomasse – die Geothermie mal beiseite gelassen.

Eine Gefahr droht den Erneuerbaren allerdings wirklich – dieser allgemeine Strompreiszerfall, der die Konkurrenzfähigkeit in die weitere Ferne rücken liesse. Aber so weit ist es noch nicht, und so weit wird es vielleicht auch gar nicht kommen. Wenn klar wird, auf welcher Ebene sich gerade in der Schweiz der Kampf abspielen wird – atomarer Strom (auch aus dem Ausland) versus solarer Energieerzeugung, die wahrlich das Zeugs hat, zusammen mit einer klugen Effizienzstrategie den Atomstrom aus dem Markt zu drängen. Eingedenk dessen, dass dieser Markt immer ein politisch stark beeinflusster sein wird, also die rein wirtschaftliche Überlegung sich allein kaum durchsetzen kann. Das Referndum ist dann der erste, aber sicher nicht der letzte Kampf um die Energiezukunft der Schweiz.

©  Solarmedia  / Bild Charlie Shailer

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