Freitag, 22. Mai 2026

Ein Gespenst geht um in der Energiepolitik - oder sieht so Hoffnung aus?

In der energiepolitischen Diskussion, insbesondere auch in der Schweiz, ist dieses Gespenst fast schon allgegenwärtig und bald Gegenstand einer Volksabstimmung. Unzählige, ja allzu viele Institutionen und deren Exponenten haben sich bereits darauf eingeschossen, dass so genannte Small Modular Reactors (SMR), die Energieversorgung bald ergänzen sollen. Einen erhellenden Beitrag dazu geliefert hat kürzlich die Neue Zürcher Zeitung (NZZ),die die sogenannten Mini-AKW als Hoffnungsträger bezeichnete, dann aber eine fast unendliche Argumentationskette entspann, die all die Schwierigkeiten mit diesen SMR sehr eindrücklich aufzeigte. Sie seien hier als Argumentationshilfe zusammen getragen.

So hält der NZZ-Artikel vom 18. Mai (im Internet nur hinter Bezahlschranke  zugänglich) zusammenfassend fest, dass die grössten Probleme dieses Reaktor-Typs in der Lieferkette, der Personal-Verfügbarkeit, dem Zugang zu Kapital sowie in der Regulierung und bei behördlichen Genehmigungen lägen. Besonders interessant ist der Lieferketten-Hinweis: er hält fest, dass es derzeit nur eine Anlage gibt auf der ganzen Welt, die hochgradig schwach angereichertes Uran herstellt. Es könnte Jahre dauern, bis eine Produktion in grösseren Massstab entsteht. Engpässe gibt es auch bei der Herstellung von Druckbehältnissen sowie von Gussteilen, Pumpenventilen und Rohrleitungen, die logischerweise für die Nukleartechnologie eine spezielle Güte aufweisen müssen.

Ins Gewicht fällt für das Wirtschaftsblatt auch, dass die effektiven Kosten für diese neuen Atommeiler schwierig zu prognostizieren sind. Bei den neuesten Werken gehen die Konzpte neue Wege mit den Kühlmitteln und mit teilweise anderen Brennstoffen. Ziele sind dabei höhere Sicherheit eine bessere Nutzung von Ressourcen und die Verringerung des Atommülls, die meisten dieser Neu-Konzepte sind ja noch in einer frühen Entwicklungsphase - da kann man sich vorstellen, dass die Kosten a) schwer zu prognostizieren sind und b) aller Voraussicht nach übers. Ziel hinaus schiessen werden.

Kritisch wird bei dem SMA besonders auch der Umgang mit dem Atommüll, obwohl ihnen teils die Eigenschaft zugeschrieben wird, aufbereiteten Atommüll als Brennstoff zu verwenden. Die Wiederverwertung ist allerdings gemäss NZZ beschränkt auf das im abgebrannten Kernbrennstoff enthaltene Uran und Plutonium - und so oder so eine Abfallbewirtschaftung erfordert, die bislang nicht existiert. Zu guter letzt hält die NZZ noch fest, dass wenige SMR zwar schon in Betrieb stehen - als spezielle Prototypen, die noch keinerlei Gewähr bieten, dass sich deren Konzepte auch kommerzialisieren  lassen. Zwar wurde in der EU bereits mit Vorbereitungen für erste Projekte begonnen, aber deren Einführung werde mindestens noch 10-15 Jahre dauern, wenn auch die Meinungen darüber auseinander gehen. Hier sei darauf verzichtet die Einwände zur anderen Atom-Zukunftstechnologie (der Kernfusion) zu wiederholen. Denn auch sie ist eine Leidensgeschichte mit noch viel längerer Dauer, für sie galt schon vor 50 Jahren, in 50 Jahren sei es dann soweit und heute heisst es das sinngemäss wieder.

Man kann sich also mit Fug und Recht fragen, warum das Leitblatt der Wirtschaft die Mini-AKWs als Hoffnungsträger bezeichnet - ohne allgemeine Einschränkung. Aufgrund all der aufgeführten Bedenken lässt sich nur festhalten: auch die Minis werden sehr viel später, sehr viel teurer und wenn überhaupt jemals zum Einsatz gelangen.

Copyright: Guntram Rehsche Solarmedia

^^^ Nach oben

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen