Dienstag, 11. Januar 2011

Welt-Atombilanz 2010

Erneut kein Wiederaufstieg der Atomkraft. Nach den Statistiken der IAEA (International Atomic Energy Agency) wurden im Jahr 2010 weltweit fünf Atomkraftwerke (AKW) mit zusammen 3.700 Megawatt (MW) in Betrieb genommen und vierzehn AKW-Bauten begonnen; acht davon in China. Damit sind 441 Kernkraftwerke in Betrieb und 65 in Bau. Allerdings wurden 12 Bauten vor 1990 begonnen, sind eher Bauruinen als Baustellen.

Im Jahr 2010 war auf unserer Erde nur ein AKW mehr in Betrieb als vor elf Jahren. Trotz jahrelanger Beschwörung eines Wiederaufstiegs der Atomkraft steigen die Zahlen nicht. Vor zwei und drei Jahrzehnten wurden in vielen Jahren mehr als 30 AKW-Bauten begonnen und mehr als 30 AKW starteten den Betrieb. Im menschenreichsten Land der Erde wurden im vergangenen Jahr acht neue AKW-Bauten begonnen und zwei neue AKW in Betrieb genommen. China hat allerdings 2010 nur so viel Atomstrom erzeugt wie zum Vergleich Baden-Würt­temberg und Bayern zusammen. Knapp 1,8 Prozent seines Stromverbrauchs deckt China aus Atomkraft. Das energiehungrige China setzt viel stärker auf Windkraft und zunehmend auch Photovoltaik. Legt man die China-Jahreszahlen des GWEC (Global Wind Energy Council) neben die der Atomorganisation IAEA, sieht man Erstaunliches: Im Jahr 2000 wurden 0 MW Atomkapazität und nur 50 MW Windkraft geschaffen. Im Jahr 2005 lag der AKW-Zuwachs ebenfalls bei 0 aber der Windkraftzuwachs schon bei 500 MW. Im Jahr 2009 verzeichnete die Atomkraft wieder Nullwachstum – die Windkraft wuchs aber schon um sagenhafte 13.800 MW. Im Jahr 2010 wurden in China zwei neue AKW mit zusammen 1.600 MW in Betrieb genommen. Zur Windkraft liegen nur Prognosen vor, die von einem Zubau von über 15.000 MW ausgehen.

Die jetzt 26 chinesischen AKW-Baustellen werden allerdings – wenn nicht vorher der befürchtete Großunfall geschieht – in den kommenden Jahren die Atomkraft in China anschwellen lassen, wie es in den 1970er Jahren auch in Frankreich und den USA der Fall war. Deutschland erzeugt heute 23 Prozent seines Stroms atomar, die USA 20 Prozent, Frankreich 75 Prozent und China eben 1,8 Prozent.

Fazit 2010: Weltweit stagniert die Zahl der AKW. Die jetzt in Bau befindlichen Reaktoren werden in den kommenden zwei Jahrzehnten zahlenmäßig nur die aus Altersgründen abgeschalteten AKW ersetzen können. Die älter werdenden AKW lassen immer mehr Störungen und auch Katastrophen befürchten. Deutschland steigert vorbildlich den Ausbau der Erneuerbaren Energien. Dieser Weg wäre gefährdet, wenn die Bundesregierung zur Sicherung des Stromabsatzes der Atomkraftwerke den Zubau der Photovoltaik rigoros beschnitte und weiter der Windkraftausbau in Baden-Württemberg, Bayern und Hessen behindert würde.

Quelle: Sonnenseite / Raimund Kamm 2011 Bayern Allianz 2010 für Atomausstieg und Klimaschutz 2011

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