Donnerstag, 24. März 2011

Die Leute wollen sanieren

Seit über einem Jahr fördert das Gebäudeprogramm energieeffiziente Sanierungen und erneuerbare Energien. Und dies sehr erfolgreich: Die bis Ende 2010 eingegangenen Gesuche übertreffen den jährlichen Sollwert bei Weitem (siehe Solarmedia vom 2. März 2011). Um einen Liquiditätsengpass zu vermeiden und um gleichzeitig die CO2-Wirkung des Programms zu erhöhen, werden auf den 1. April 2011 sanfte Anpassungen vorgenommen.

Im Jahr 2010 sind im Rahmen des Gebäudeprogramms fast 30'000 Gesuche zur Sanierung der Gebäudehülle mit einer Fördersumme von insgesamt 244 Mio. Franken eingegangen. Dies ist weit mehr als prognostiziert. Gestützt auf Erfahrungen mit früheren Förderprogrammen rechneten Bund und Kantone mit 12'000 bis 16'000 Gesuchen pro Jahr. Auch in den ersten Monaten des laufenden Jahres war keine abnehmende Tendenz beim Gesuchseingang zu beobachten. Hausbesitzer zeigen also ungebrochen grosses Interesse, ihre Liegenschaften energetisch zu sanieren. Denn langfristig profitieren sie von tieferen Energiekosten und leisten einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz.

Der Erfolg des Programms hat aber eine Kehrseite. Die jährlich zur Verfügung stehenden Fördermittel von rund 133 Mio. Franken (zur Sanierung der Gebäudehülle) werden im ersten Programmjahr deutlich überbeansprucht. Konkret: die Fördermittel für das Jahr 2011 waren bereits zu Jahresbeginn verpflichtet. Um über die gesamte Laufzeit von zehn Jahren die Liquidität gewährleisten zu können und um die CO2-Wirkung des Programms zu optimieren, haben Bund und Kantone beschlossen, auf den 1. April 2011 sanfte Programmanpassungen vorzunehmen.

Konkret treten auf den 1. April 2011 folgende zwei Programmanpassungen in Kraft:
* Die Minimalfördersumme pro Gesuch wird von 1'000 auf 3'000 Franken erhöht;
* der Förderbeitrag für den Fensterersatz wird von 70 auf 40 Franken gesenkt.

Dahinter stehen folgende Überlegungen:
Die Erhöhung der Minimalfördersumme erhöht die Effizienz des Programms: Die Anzahl der Kleingesuche wird reduziert, und somit auch die Bearbeitungskosten pro gefördertem Quadratmeter. Durch die gesamthaft tieferen Bearbeitungskosten stehen nun mehr Mittel für Sanierungsprojekte zur Verfügung; dadurch kann das Gebäudeprogramm noch mehr CO2-Emissionen reduzieren.

Die Senkung des Förderbeitrags für den Fensterersatz wiederspiegelt die rasante technische Entwicklung: Dreifachverglaste Fenster werden immer mehr zum Standard; die Preisdifferenz zu den zweifach verglasten Fenstern wird kleiner. Der bisherige Beitrag von 70 Franken pro Quadratmeter kann fallweise gar die Preisdifferenz zwischen zwei- und dreifach verglasten Fenstern übertreffen. Ein Förderbeitrag von mehr als 40 Franken pro Quadratmeter Fensterersatz ist deshalb nicht mehr gerechtfertigt. Durch den tieferen Fördersatz kann mit weniger Mitteln gleich viel CO2 eingespart werden.

Die Programmanpassungen gehen teilweise zu Lasten der Breitenwirkung des Programms. Die Bedürfnisse „kleiner" Gesuchsteller stehen jedoch im Konflikt mit einer zentralen Zielsetzung des Gebäudeprogramms: dem effizienten Einsatz der Fördergelder zur Senkung der CO2-Emissionen. Bund und Kantone haben diese widersprüchlichen Zielsetzungen sorgfältig gegeneinander abgewogen und sich für eine sanfte Anpassung mit möglichst grosser Wirkung entschieden. Der Charakter des Gebäudeprogramms wird dabei gewahrt: Es ist kundenfreundlich, effizient und mit hoher Klimawirkung verbunden. Auch für Einfamilienhausbesitzer bleibt das Programm attraktiv: So entspricht die neu festgelegte Minimalfördersumme von CHF 3‘000.- beispielsweise einer Aussendämmung der Fassade und/oder des Daches von 75 Quadratmetern.

Was überhaupt ist Das Gebäudeprogramm?
Dieses wurde durch einen Parlamentsbeschluss ausgelöst und soll einen wesentlichen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Es wird aus der CO2-Abgabe und aus Fördergeldern der Kantone finanziert, was auch seine zwei Bestandteile definiert:
1. Ein nationaler, schweizweit einheitlicher Teil mit Massnahmen zur Gebäudehülle. Hierfür stellt der Bund aus der CO2-Abgabe auf Brennstoffen 133 Mio. Franken pro Jahr zur Verfügung.
2. Kantonal unterschiedliche Zusatzprogramme zur Förderung erneuerbarer Energien, der Abwärmenutzung und der Optimierung der Haustechnik. Dafür stellt der Bund aus der CO2-Abgabe 67 Mio. Franken zur Verfügung, die von den Kantonen um mindest denselben Beitrag ergänzt werden. Die Kantone haben dafür in ihren Budgets 80 bis 100 Mio. Franken pro Jahr eingestellt.

Während zehn Jahren können somit insgesamt 280 bis 300 Mio. Franken pro Jahr
für Investitionen in Energieeffizienz und erneuerbare Energien eingesetzt werden. (Die aktuell vorliegende Jahresstatistik bezieht sich nur auf den Teil zur Sanierung der Gebäudehülle. Der erste umfassende Jahresbericht zu beiden Teilen folgt voraussichtlich im August 2011.) Hinter dem Gebäudeprogramm stehen sowohl die Kantone als auch der Bund. Entwickelt wurde es von den Kantonen, vertreten durch die Konferenz kantonaler Energiedirektoren (EnDK), gemeinsam mit dem Bundesamt für Energie (BFE) und dem Bundesamt für Umwelt (BAFU). Die Hauptverantwortung für die Realisierung des Programms liegt bei den Kantonen.

Quelle: Bundesamt für Umwelt

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