Samstag, 15. Juni 2013

Spektakuläres aus CH-Solarszene

Gleich mehrere Projekte aus den Bereichen Solarwärme und Solarstrom haben diese Woche in der Schweiz für Aufsehen gesorgt. Sie belegen: die Energiewende ist bereits Realität - wenn auch bisher nur Stückwerk ohne übergreifendes Konzept - und sie ist vor allem auch eine Sonnenwende.

An diesem Samstag stellt die Jenni Energietechnik AG in Burgdorf zwei grosse Solarspeicher auf (siehe Bildmitte - Vergrössern mit Klick auf Foto). Gleich neben dem neuen Produktionsgebäude der Emmentaler Solarfirma entstehen derzeit zwei Mehrfamilienhäuser. Die Gebäude werden ganzjährig zu 100 Prozent mit Sonnenenergie für Heizung und Warmwasser versorgt. 108`000 Liter Inhalt, 10 Meter Höhe, 3.75 Meter Durchmesser und 10 Tonnen Gewicht. Dies sind die eindrücklichen Dimensionen der beiden Stahltanks, die künftig die Sonnenenergie in Form von heissem Wasser für den Winter speichern werden. In den nächsten Monaten werden rund herum 16 Miet- und Eigentumswohnungen gebaut.

Die Bauparzelle an der Lochbachstrasse grenzt an das 2007 eingeweihte Solar-Mehrfamilienhaus. Dank technischen Innovationen basierend auf diesem Pionierprojekt, können die Solaranlagen in den neuen Häusern kleiner dimensioniert und die Wohnungsfläche vergrössert werden. Damit werden solar beheizte Mehrfamilienhäuser nun auch wirtschaftlich interessant und für Bauinvestoren attraktiv. Gegenüber einer konventionellen Heizung reichen Mehrinvestitionen von nur 25`000 Franken pro Wohnung aus, um die Heizenergie und das Warmwasser ganzjährig mit Sonnenenergie zu erzeugen. Das Gebäude wird ohne jegliche Zusatzheizung auskommen. 

40 Prozent des Schweizer Gesamtenergieverbrauchs werden für Heizen und Warmwasser benötigt. Es besteht also ein grosses Potenzial, konventionelle Energie (Öl, Gas, Strom etc.) durch effiziente Solarthermieanlagen zu ersetzen. Mit einem Sonnenhaus ist man unabhängig von künftigen Energieengpässen und steigenden Energiekosten. Gleichzeitig wird die Umwelt geschont und die lokale Volkswirtschaft unterstützt, denn statt laufend teure ausländische Energie einzukaufen, investiert man einmalig in eine Solaranlage und hat nachher geheizt.

Doch auch bei der Solarstromerzeugung tut sich einiges - abgesehen vom Parlamentsbeschluss, die Kostendeckende Einspeisevergütung auszuweiten (siehe Solarmedia vom 13, Juni 2013). Die Stadt Payerne und die Groupe E Greenwatt entwickeln gemeinsam das grösste Solarstromprojekt der Schweiz: Solarpayerne. Geplant sind mehrere Solarstromanlagen mit insgesamt 16 Megawatt Leistung auf den Gemeindegebäuden sowie auf einem Grundstück in der Industriezone. Ziel ist es, den Strombedarf der 9'500 Einwohnern von Payerne zu decken.

Vorgesehen ist die Installation von 100’000 m2 PV-Modulen, die jährlich rund 16 Millionen KWh Solarstrom produzieren, was dem Stromverbrauch der 9‘500 Einwohnern von Payerne enspricht. Die Stadt möchte das Label « Energiestadt - Cité de l’énergie » erhalten und Solarpayerne ist ein weiterer Schritt in diese Richtung. Das Projekt Solarpayerne ist Teil einer Energie- und Umweltschutzpolitik die zeigt, dass es für globale Energieprobleme lokale Lösungen gibt. 

Die Industriellen Werke Basel (IWB) bauen ihre bisher grösste Photovoltaik-Anlage auf dem Dach des Fussballstadions St. Jakob-Parks in Basel. Die Eigentümerschaft des Fussballstadions und die IWB haben eine entsprechende Vereinbarung unterzeichnet. Noch in diesem Jahr soll die Anlage fertig gestellt werden. Sie wird dereinst Solarstrom für rund 240 Haushalte produzieren. In wenigen Wochen beginnen im Stadion St. Jakob-Park die Bauarbeiten für die bisher grösste Photovoltaik-Anlage der IWB. Die Eigentümerschaft der Sportstätte, die Genossenschaft Stadion St. Jakob-Park und die Suva, haben eine entsprechende Vereinbarung mit den IWB unterzeichnet. Diese ermöglicht es dem Basler Energieversorger, auf dem Dach des Fussballstadions eine Photovoltaik-Anlage mit einer Fläche von 5'450 Quadratmetern zu erstellen und zu betreiben.

Die Anlage erstreckt sich über einen grossen Teil des Stadiondachs. Aufgrund seiner Beschaffenheit und Ausrichtung eignet sich das Tribünendach des St. Jakob-Parks sehr gut zur Nutzung von  Sonnenenergie. Die gesamte Anlage erreicht eine maximale Leistung von 850 Kilowattpeak (kWp). Die jährliche Stromproduktion wird auf 830'000 Kilowattstunden (kWh) veranschlagt. Dies entspricht dem Verbrauch von rund 240 durchschnittlichen Basler Haushalten.


Die Gemeinde Münchenstein (BL) plant schliesslich auf Initiative von zwei Jungsozialisten eine Solaroffensive, wie anfangs Woche bekannt wurde. Demnach soll die Gemeinde alle geeigneten Dächer mit Fotovoltaikanlagen bebauen. Der Gemeinderat schlägt nun vor, insgesamt 1.4 Millionen Franken in Fotovoltaikanlagen zu investieren. Zwischen 2015 und 2018 sollen der Werkhof, die Asylunterkunft und diverse Schulhäuser bebaut werden. Die Solaranlagen werden dann ungefähr 400’000 kWh Strom produzieren. Falls der Antrag am 17. Juni erheblich erklärt wird, arbeitet der Gemeinderat einen definitiven Fahrplan aus, der im Dezember wieder vor die Gemeindeversammlung kommt.

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