Donnerstag, 6. Dezember 2012

Banken zur Energiebranche

Gleich zwei Banken haben sich - je gestützt auf ihre ausgebauten Abteilungen für Nachhaltiges Investment - unlängst zu entsprechenenden Aktienengagements geäussert. Insgesamt zweistellige Wachstumsraten während der letzten zehn Jahre verdeutlichen dabei laut der Bank Sarasin die ungebremste Entwicklung der erneuerbaren Energien. Und die Zürcher Kantonalbank (ZKB) widmet sich insbesondere der Solarbranche.

«Steht die Solarenergie im Dauerregen?» fragt die ZKB, um die Antwort postwendend nachzuliefern: Betrachtet man die letzten fünf Jahre aus der Sicht eines Investors, müsse die Frage mit enem klaren Ja beantwortet werden. Die Performance von Herstellern und Zulieferern der Photovoltaik-(PV)-Branche war miserabel (minus 96 Prozent). Nur, fährt der ZKB-Newsletter fort, diese Betrachtungsweise greift zu kurz. Dafür gibt es zwei Gründe: Über einen längeren Zeitraum betrachtet, sieht die PV-Welt deutlich besser aus - und die Performance betrug zeitweise bis zu 2000 Prozent. Investitionen in Solarunternehmen waren also zeitweise überaus lohnend. Zudem haben die jährlichen Investitionen von PV-Systemen von 1,58 Gigawatt (GW) innert fünf Jahren bis 2011 auf rund 30 GW massiv zugenommen. 

Wenn sich insgesamt also in der Solarbranche Ernüchterung breit mache, gibt sich die ZKB dennoch verhalten optimistisch. Genährt einerseits durch die Tatsache, dass PV-Systeme in China bald einmal konkurrenzfähig würden mit der Gasbranche - andererseits durch die Hoffnung, dass weiterhin technologische Fortschritte einigen Unternehmen Impulse für das Bestehen an den künftig unzweifelhaft weiterhin wachsenden Solarmärkten geben.


Laut der Bank Sarasin sind es zusätzliche Technologien wie Meeresenergie und Geothermie, die den Anteil der Erneuerbaren an der Stromproduktion nochmals steigern würden. Dadurch gewinnen neue Herausforderungen wie Energiespeicherung, Netzintegration und -stabilisierung an Bedeutung. Die veränderten Rahmenbedingungen erfordern in den nächsten Jahren eine neue Architektur des Energiesystems und eine stärkere Zusammenarbeit der verschiedenen Akteure.

Auch 2012 werden die Erzeugungskapazitäten für regenerativen Strom mehr als die Hälfte aller globalen Neuinstallationen ausmachen. Wind- und Sonnenkraft sind mit 80% des Zubaus weiterhin die bedeutendsten erneuerbaren Energieträger. Gesamthaft steigt die kumulierte Stromkapazität aus regenerativen Energien Ende 2012 auf 1473 GW. Die einzelnen Technologien konnten ihre Kosten in den vergangenen Jahren drastisch senken. Die Preise für Solarmodule beispielsweise fielen in den letzten zwei Jahren um mehr als 60%. Einzelne Firmen haben zusehends Schwierigkeiten, damit Erträge zu erwirtschaften.

Der Energiebedarf in Schwellenländern wie China, Indien, Südafrika und Brasilien wird angesichts ihrer schnell wachsenden Wirtschaftskraft weiterhin steigen. Ausserdem haben etliche konventionelle Kraftwerke in Industrieländern wie den USA, Japan oder der EU das Ende ihrer Laufzeit erreicht. Mehr als die Hälfte aller sich in Betrieb befindlichen Kraftwerke sind über 20 Jahre alt. Der Grossteil der Atomkraftwerke steht sogar kurz vor Ablauf der vorgesehenen Betriebsdauer von 40 Jahren. In vielen Ländern ergeben sich dadurch politische Diskussionen und Investitionsentscheide mit weitreichenden Folgen. Für die Schweiz, Deutschland und Japan könnte sowohl der frühe Entscheid zum Atomausstieg als auch der Vorsprung bei den erneuerbaren Energien zukünftig ein enormer volkswirtschaftlicher Vorteil sein.

Zukünftig geht es darum, das technische sowie ökonomische Optimum aus Erzeugungsarten, Speicherung und Netzausbau zu finden. Der ideale Erzeugungsmix aus erneuerbaren Energien scheint sehr länderspezifisch zu sein. In Deutschland ergibt sich der niedrigste Speicherbedarf bei einem Verhältnis von Wind- zu Solarstrom von 3:1. In der Schweiz mit ihren hohen Kapazitäten an Pumpspeicherkraftwerken liegt ein Optimum für den Ersatz von 40% Atomstrom bei rund 70% Solarstrom und 30% Wind und Biomasse.

Die veränderten Rahmenbedingungen verlangen von allen Mitstreitern eine übergeordnete Sicht, um ein verlässliches und kostengünstiges Gesamtsystem zu erschaffen. Gemeinsam könnten bis ins Jahr 2050 80% und mehr regenerative Stromerzeugung in Europa, Amerika und in vielen Regionen der Welt erreicht werden. Dabei entstehen grosse Investitionsvolumina für eine nachhaltige Stromversorgung und machen die Energiewende auch in Zukunft zu einem attraktiven Anlagethema.

Die verfügbaren Technologien an erneuerbaren Energien zeigen auch in den kommenden Jahren weitere Kostenreduktionen. Bis 2020 werden alle Technologien Gestehungskosten unter 0,15EUR/kW erreichen und damit ihre Wettbewerbsfähigkeit weiter steigern. Die PV-Installationen werden auch dieses Jahr trotz schwierigen wirtschaftlichen Umfeldes um 9% auf 33 GW zunehmen. Neue starke Solarmärkte wie die USA, Brasilien, China, Indien und Südafrika kompensieren den Rückgang in gewissen europäischen Märkten. Bis 2016 sieht das Sustainability Research der Bank Sarasin ein globales durchschnittliches Wachstum von jährlich 17%. Damit werden in 2016 mehr als 66 GW an neuer PV-Leistung installiert. Die Windinstallationen steigen bis 2016 auf rund 68 GW an. Dies entspricht einem durchschnittlichen jährlichen Wachstum von 10%.

Kommentare:

  1. Da wird leider wieder einmal die alte Mär von der angeblich hohen Pumpspeicherkapazität in der Schweiz aufgetischt. PSKW sind nicht gebaut worden um Oekostrom über die Zeit zu retten. Dies wäre im besten Fall und für ein begrenztes Versorgungsgebiet nämlich nur über Tage möglich. Beispiel: Das sich im Bau befindliche PSKW Linth Limmern der Axpo wird einmal über eine Stromspeicherkapazität von etwa 36 MWh verfügen. Und dies bei einer Investition von etwa 2 Mia Fr. Seine grosse Pumpleistung von 1´000 MWe ändert an dieser Tatsache nichts.

    Und über den Tellerrand hinausgeschaut: Die totale Speicherkapazität der bestehenden PSKW im Alpenraum beträgt im Moment gut 300 MWh und wird bis 2020 noch etwas wachsen. Um aber in Europa bei wachsender Oekostromproduktion genügend Kapazität bereitzustellen wären mindestens 100 mal mehr nötig. also etwa 30 TWh. Angesichts der damit verbundenen Kosten praktisch unmöglich.

    Der Traum von der Schweiz als "Batterie für Europa" und dies im besten Fall gar saisonal (!), wie ihn BR Leuthard und andere ignorante Politiker träumen bleibt damit klar ein Traum.



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    1. Der Zweck der Pumpspeicher ist die Tages- und die Wochenspeicherung. weil die windkraft stärker wächst als die Solarenergie, sind saisonale Speicher in zusätzlichem Ausmass in der Schweiz nicht nötig. die Politiker sind keineswegs ignorant, eher scheint mir, dass die Atomlobby nicht zugeben will, dass sie in allem völlig gescheitert ist: bei den Kosten, bei der Sicherheit, bei den Atomabfällen, für die man nirgends Lösunen bereit hat.

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  2. Selbst schuld wenn man meine Aussage nicht glaubt. Auch von Tagesspeicherung von europäischem Windstrom kann überhaupt nicht die Rede sein. Grosszügig gerechnet wären 500 MWh noch immer rein nichts. Das kann jeder selbst nachrechnen. Was dies mit Atomlobby zu tun hat ist mir völlig schleierhaft. Aber bitte, nur weiter so !

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