Montag, 18. Oktober 2010

Investition in die Zukunft

Die erneuerbaren Energien bergen ein enormes Potenzial für eine sichere und saubere Energieversorgung, für Klimaschutz und Zukunftsmärkte. Das betonte Bundesumweltminister Dr. Norbert Röttgen (siehe Bild) anlässlich der Bekanntgabe der EEG-Umlage für das nächste Jahr. „Bei der Förderung der erneuerbaren Energien handelt es sich um eine Investition in Zukunftstechnologien, die von entscheidender strategischer Bedeutung für unsere weitere wirtschaftliche Entwicklung sind“.

Ziel sei eine Anschubfinanzierung bis zur Erlangung der Marktreife. Die Förderung sei ökonomisch, ökologisch und auch geopolitisch sinnvoll, müsse allerdings regelmäßig an die positive Marktentwicklung angepasst werden: „Je stärker ihr Marktanteil wächst, desto mehr muss die Förderung sinken. Denn es geht um die Einführung einer ressourcenschonenden, wachstumsfördernden, sicheren Energieversorgung zu bezahlbaren Preisen“. Nach Angaben der vier Übertragungsnetzbetreiber beträgt die deutsche EEG-Umlage für 2011 rund 3,5 Cent/Kilowattstunde (ct/kWh). Für einen durchschnittlichen Haushalt bei einem Verbrauch von 3.500 Kilowattstunden pro Jahr ergeben sich daraus Kosten von rund 10 Euro im Monat. Die Ursachen für den deutlichen Anstieg der Umlage sind der massive Ausbau der Photovoltaik in diesem Jahr und der Zuwachs bei den Biogasanlagen sowie der niedrige Strompreis an der Börse. Röttgen wies darauf hin, dass die Bundesregierung auf die Entwicklung bei der Photovoltaik bereits im Januar dieses Jahres mit ersten Vorschlägen reagiert hat. Zusätzlich zu der gesetzlich bereits vorgesehenen Absenkung zum 1. Januar 2010 um 10 Prozent wurden mit Wirkung vom 1. Juli 2010 die Fördersätze für Photovoltaikanlagen auf Gebäuden um 13 Prozent und zum 1. Oktober um weitere 3 Prozent gesenkt. Ähnliche Absenkungen wurden für Freiflächenanlagen vorgenommen.

Entscheidend ist, dass die Vergütungssätze jedes Jahr an das Ausbauvolumen angepasst werden. Je mehr Anlagen errichtet werden, umso stärker führen entsprechend sinkende Kosten auch zu sinkenden Vergütungssätzen. Bei dem jetzigen Ausbautempo werden die Vergütungssätze zum 1. Januar 2011 voraussichtlich um weitere 13 % sinken. Daraus ergibt sich eine deutliche Absenkung der Vergütung für PV-Anlagen um insgesamt ein Drittel innerhalb nur eines Jahres.

Röttgen: „Es war absolut richtig, die Fördermittel für die Solarenergie auch gegen massive Widerstände der Opposition, einzelner Bundesländer und der Branche zurückzufahren“. Damit schafft die Neuregelung den notwendigen Anreiz für Innovationen und sinkende Kosten. Darüber hinaus hat sich die Bundesregierung im Energiekonzept darauf verständigt, weitergehende Maßnahmen zur Steigerung der Kosteneffizienz zu ergreifen und beispielsweise die Vielzahl der Boni bei den Vergütungen zu überprüfen.

Die Bundesregierung hat beschlossen, den kosteneffizienten Ausbau der erneuerbaren Energien durch konkrete Ziele, Maßnahmen und eine solide Finanzierung weiter voranzutreiben. Dazu ge- hört auch das Festhalten am Einspeisevorrang und die weitere konsequente Förderung durch das EEG. Röttgen verwies auf den überzeugenden ökonomischen Nutzen: „Die erneuerbaren Energien sind die Basis für ein zukunftsgerechtes, ressourcenschonendes und klimaverträgliches Wachstum unserer Volkswirtschaft. Ihre Entwicklung trägt dazu bei, unsere Wettbewerbsfähigkeit zu stärken.

Die damit verbundenen Technologien sind schon jetzt ein Exportschlager:
* Die erneuerbaren Energien schaffen zukunftsfähige Arbeitsplätze. Sie bieten bereits heute rund 340.000 Menschen einen Job. Dies ist mehr als doppelt so viel als noch im Jahr 2004.
* Außerdem wird Deutschland unabhängiger von Energieimporten. Durch die erneuerbaren Energien werden die Energieimporte jährlich um mehr als 5 Mrd. € vermindert.
*n Trotz der Wirtschaftskrise wurden 2009 über 20 Mrd. Euro in Anlagen zur Nutzung erneuerbarer Energien investiert. Damit sind die Erneuerbaren Energien Wachstumstreiber der stärker werdenden Konjunktur.
* Die gesamte Wertschöpfung aus erneuerbaren Energien ist 2009 im Vergleich zum Vorjahr um fast 25 % auf 37,5 Mrd. Euro gestiegen; die Wertschöpfung hat sich im Vergleich zu 2005 sogar verdoppelt.
* Vor allem aber leisten die erneuerbaren Energien einen überzeugenden Beitrag zum Klimaschutz. So wurde 2009 die Emission der Treibhausgase um rund 109 Mio. Tonnen vermindert.

Das EEG ist ein Instrument zur Markteinführung für neue Technologien. Als solches wird es ständig überprüft und an die technologischen Fortschritte angepasst. Das BMU arbeitet derzeit an einem umfangreichen Erfahrungsbericht zum EEG, der die aktuelle Kostenentwicklung berücksichtigt. Daraus werden möglichst bald fundierte Vorschläge für die geplante EEG-Novelle vorliegen.

Quelle: Deutsches Bundesministerium für Umwelt

Samstag, 16. Oktober 2010

Solarfirmen-News Woche 41

Nachdem letzte Woche kaum Firmennews zu vermelden waren, ging es in dieser um so wilder zu und her: Der Schweizer Solarkonzern Meyer Burger hat erneut ein grosses Asiengeschäft an Land gezogen. In Südkorea überstürzen sich die solaren Ereignisse. Die chinesische LDK vermeldet derweilen neue Rekorde am Laufmeter. Und eine andere chinesische Solarfirma schickt sich an, die USA zu erobern. Erstmals ist eine grössere PV-Produktionsanlage in Vietnam angekündigt.

Weltmarkt-Leader First Solar, Inc. kündigte an, zwei neue Produktionsstätten mit jeweils vier Linien bauen zu wollen. Der Ausbau würde First Solars jährliche Produktionskapazität um weitere 500 MW heben. Damit wolle das Unternehmen der weltweit steigenden Nachfrage nach Dünnschicht Solarmodulen gerecht werden. Die neuen Fabriken sollen in den Vereinigten Staaten und in Vietnam (das Bild zeigt die sonnenreiche Küste des südostasiatischen Landes - Foto: Guntram Rehsche) gebaut und schon in 2012 fertiggestellt werden. Derzeit laufen laut First Solar Verhandlungen und Standortauswertungen in beiden Ländern. Die neu angekündigten First Solar Fabriken würden gemeinsam mit den vorangegangenen Erweiterungen die jährliche Produktionskapazität von heute 1,4 GW auf 2,7 GW in 2012 fast verdoppeln. Quelle: ee-news

Nach der Insolvenz des Photovoltaik-Dünnschichtproduzenten Sunfilm wechselt die Produktionsstätte in Thalheim bei Berlin den Besitzer. Nun wird die Arbeit unter der Wilms-Gruppe wieder aufgenommen. Alle 79 Mitarbeiter können gemäss den neuen Eignern ihren Arbeitsplatz behalten. Quelle: Photovoltaik

Meyer Burger hat erfolgreich einen Vertrag für die Lieferung von Drahtsägen von über CHF 30 Millionen mit einem Kunden in Asien abgeschlossen.Der Kunde plant die Erweiterung seiner Waferproduktionsstätte im Jahr 2011. Die Hightech-Systeme der Meyer Burger AG werden die Herstellung von hochwertigen Solarwafern sicherstellen. Die Auslieferung der Maschinen erfolgt im Finanzjahr 2011. Quelle: EE-News

Die Solar Millennium AG reduziert ihre Prognose für das laufende Geschäftsjahr von € 350 Millionen auf ca. € 150 Millionen (Umsatz) bzw. von 30 Millionen auf ein ausgeglichenes bis leicht negatives EBIT. Der Grund sind die Verzögerungen beim Finanzierungsabschluss für die geplanten US-Kraftwerke Blythe 1 und 2 in Kalifornien, unter anderem wegen Änderungen durch das US-Energieministerium sowie durch andere involvierte US-Behörden im Verfahrensprozess für das Kreditgarantieprogamm (Loan Guarantee Program). Quelle: EE-News

Als erster Hersteller aus China hat der Solarkonzern Suntech Power eine Produktionsstätte in den USA eröffnet. Die Fabrik in Goodyear im Bundesstaat Arizona kommt laut dem Unternehmen mit Hauptsitz im chinesischen Wuxi nahe Shanghai auf eine Produktionskapazität von 30 Megawatt und stellt zunäscht ausschließlich Solarmodule her. Geplant sei, die Kapazität im kommendne Jahr auf 50 Megawatt zu erhöhen und langfrsitig 120 Megwatt zu erreichen. Quelle: Photovoltaik

Der chinesische Solarkonzern LDK Solar hat seine Prognose für das dritte Quartal erhöht. Demnach beliefen sie sich bei den Soalrwafern auf 550 bis 570 Megawatt (MW) statt auf 520 bis 550 MW, bei den Modulen auf 80 bis 90 MW statt wie bislang angenommen auf 75 bis 85 MW. Ferner teilten die Chinesen mit, dass der Ausbau der Produktionskapazität nach Plan verlaufe. Zum Ende September habe man im Bereich Silizium 11.000 metrische Tonnen (MT) erreicht, im Bereich Solarwafer 2,6 Gigawatt (GW), im Bereich Solarzellen 120 MW und im Bereich Solarmodule 760 MW. Quelle: Ecoreporter

Durch die Übernahme von knapp der Hälfte der Aktien ist der südkoreanische Chemiekonzern Hanwha Chemical beim chinesischen Solarproduzenten Solarfun eingestiegen. Wie das Unternehmen aus Shanghai nun bekannt gab, wurden nun leitende Mitarbeiter von Hanwha in das Leitungsgremium von Solarfun bestellt, unter anderem Chief Executive Officer (CEO) Ki-Joon Hong. Quelle: Ecoreporter

Nach dem Start zum Bau einer zweiten Fabrik von Avancis in Deutschland im Juni dieses Jahres gibt Saint-Gobain zusammen mit Hyundai Heavy Industries Co., Ltd. (HHI) den Bau eines dritten Werks für hocheffiziente Photovoltaikmodule in Korea bekannt. Die Partnerschaft erfolgt in Form eines Gemeinschaftsunternehmens unter dem Namen Hyundai Avancis, das von beiden Seiten zu jeweils gleichen Teilen gehalten wird. Die von Avancis entwickelte Technologie basiert auf der CIGS-Beschichtung eines Glassubstrats. Durch sie kann auf herkömmliches kristallines Silizium verzichtet werden. Sie vereint die für alle dünnschichtbasierten Techniken niedrigen Produktionskosten mit einem elektrischen Wirkungsgrad (mehr als 12 % industriell und bis zu 20 % im Labor), der dem mittels polykristallinen Siliziumzellen erreichbaren Wert nahekommt. Quelle: EE-News

© Solarmedia

Freitag, 15. Oktober 2010

Tod des Erfolgreichen

Mit Hermann Scheer ist der erfolgreichste Solarpolitiker der Welt gestorben, schreiben Bigi und Franz Alt in ihrem Nachruf. „Solarpapst“ wurde er auf der ganzen Welt genannt – anerkennend von China bis Japan und von Afrika bis Lateinamerika.

In den nächsten Wochen wollte Hermann Scheer sein neues Buch „Der energethische Imperativ – 100% jetzt – Wie der vollständige Wechsel zu erneuerbaren Energien zu realisieren ist“ in fünf Städten vorstellen. Das Buch wurde sein Vermächtnis. Am Donnerstag ist der Träger des Alternativen Nobelpreises und SPD-Bundestagsabgeordnete in Berlin gestorben. Kurz vor seinem Tod durfte ich – zusammen mit ihm – dieses Buch in seinem Wahlkreis bei Stuttgart vorstellen.


Scheer war der weltweit erfolgreichste Verfechter der Erneuerbaren Energien. „Solarpapst“ wurde er auf der ganzen Welt genannt – anerkennend von China bis Japan und von Afrika bis Lateinamerika. Tausende Vorträge hat er in den letzten 30 Jahren auf allen Kontinenten gehalten – bis 200 pro Jahr. Seine zahlreichen, wegweisenden Bücher wurden in 18 Sprachen übersetzt. Dass 47 Länder das deutsche „Erneuerbare-Energien-Gesetz“ (EEG) übernommen haben, ist hauptsächlich sein Verdienst. Zusammen mit Michaele Hustedt und Hans-Joachim Fell von den Grünen ist er der Vater des EEG. Schon vor 18 Jahren hatte er in meiner „Zeitsprung“-Sendung in der ARD prognostiziert, dass bis 2030 der hundertprozentige Umstieg auf erneuerbare Energien in Deutschland möglich ist. In seinem letzten Buch zeigt er ganz konkret und praktisch Wege auf, dieses Ziel sogar weltweit zu erreichen.

Ein Visionär, Kämpfer und Vorkämpfer wie Hermann Scheer ist natürlich umstritten – in seiner eigenen Partei, beim politischen Gegner und am meisten bei den Vertretern der alten Energiewirtschaft. Er war Realist genug, dies immer zu wissen, aber sich nicht davor abschrecken zu lassen. Oft sagte er: „Ein Strukturwandel hat viele Gewinner und wenige Verlierer. Die vier großen Energiekonzerne werden durch die solare Energiewende verlieren. Die vielen Gewinner sind Millionen Hausbesitzer mit Solaranlagen auf dem Dach oder Pellet-Heizungen im Keller, hunderttausende Bauern, Handwerker und Mittelständler.“

2008 sollte er in Hessen Wirtschafts- und Umweltminister in einem Kabinett Ypsilanti werden. Dank Hermann Scheer und seiner Vision von einem erneuerbaren Hessen gewann die SPD 8 % Stimmen hinzu und die CDU unter Roland Koch verlor 12% . Die SPD hat anschließend ihren Sieg selbst vermasselt.

Hermann Scheer war der Kohlefraktion seiner eigenen Partei mindestens so suspekt wie der Atomfraktion der Konservativen. Sein Credo in seinen Büchern und in ganzseitigen Anzeigen vieler Tageszeitungen bis in diese Tage hieß: „Die Erneuerbaren Energien brauchen keine Brücke“ Die solare Energiewende werde durch längere Laufzeiten der Atomkraftwerke oder durch neue Kohlkraftwerke eher behindert als befördert.

Hermann Scheer war ein mitreißender Redner – vor 100 Zuhörern genauso wie vor 10.000 auf Kundgebungen. Bei einer Kundgebung gegen Stuttgart 21 hörten ihn zuletzt 50.000 Menschen. Er hat als erster SPD-Politiker eine Volksbefragung vorgeschlagen. Er wollte keine Parteikarriere, wichtiger waren ihm stets seine inneren Anliegen. Deshalb engagierte er sich in den 80-igern in der Friedensbewegung und später in den Umweltbewegungen. Gerhard Schröder hat ihm einmal unter vier Augen gesagt: „Das Gefährliche an Dir ist, dass Du zu Deinen Überzeugungen stehst.“

Hermann Scheer war ein außergewöhnlicher Mensch und ein eigensinniger und begeisternder Politiker. Es kommt wohl selten vor, dass ein Journalist gesteht, von einem Politiker viel gelernt zu haben. Ich gestehe: Von niemand habe ich politisch so viel gelernt wie von Hermann Scheer. 2007 war ich mit ihm bei der Bundeskanzlerin. Zuvor hatte Hermann 20 Jahre lang für seine Idee einer Weltagentur für Erneuerbare Energien (IRENA) geworben. Er hat Angela Merkel charmant klargemacht, dass die Erneuerbaren neben der Weltenergie-Agentur und neben der Internationalen Atomenergieagentur eine eigene Agentur auf Augenhöhe brauchen. Die Bundeskanzlerin wurde aktiv und zwei Jahre später haben über 100 Regierungen die IRENA gegründet. Hermann Scheer ist ihr Inspirator – wie so oft parteiübergreifend. Er glaubte an und arbeitete für eine bessere Welt.

Ciao, lieber Hermann und gute Reise, lieber Freund. Dein Vorbild ist uns Auftrag. Wir trauern um Hermann Scheer und denken an seine Familie!

Quelle: © Franz und Bigi Alt 2010 / Sonnenseite

Hermann Scheer gestorben

Tragischer Verlust für Alle, die die Erneuerbaren Energien und insbesondere die Solarenergie auf den Schild gehoben haben. Der deutsche Parlamentarier und Träger des Alternativen Nobelpreises ist gestern überraschend gestorben. Im gerade anlaufenden Film «Die 4.Revolution» hat Scheer damit ebenso ein Vermächtnis gefunden wie in seinem neuesten Buch «Der energethische Imperativ» (siehe Solarmedia vom 2. September 2010).

Spiegel Online macht die tragische Nachricht soeben öffentlich: Hermann Scheer galt als streitlustiger sozialdemokratischer Aktivist, erhielt zahlreiche Preise, war in der Parteiführung aber heftig umstritten. Jetzt ist der SPD-Bundestagsabgeordnete im Alter von 66 Jahren gestorben. Das bestätigte ein Mitarbeiter seines Büros an diesem Freitag SPIEGEL ONLINE. Scheer sei bereits am Donnerstag in einem Berliner Krankenhaus gestorben, sagte er. "Sein plötzlicher Tod erschüttert alle", hieß es auf der Homepage des Politikers. Scheer, der in Waiblingen bei Stuttgart lebte, hinterlässt seine Frau und ein Kind.

Scheer war seit 1965 Mitglied der SPD und saß für die Partei seit 1980 im Bundestag. Von 1993 bis November 2009 gehörte er dem Parteivorstand an. Er engagierte sich in den vergangenen Jahrzehnten vor allem für die Umwelt und den Einsatz erneuerbarer Energien und erhielt dafür zahlreiche internationale Auszeichnungen, darunter den Weltsolarpreis 1998. Ein Jahr später wurde er für seinen "unermüdlichen Einsatz zur weltweiten Förderung der Sonnenenergie" mit dem Alternativen Nobelpreis ausgezeichnet. Vom amerikanischen "Time Magazine" wurde Scheer als "Hero for the Green Century" (Held des grünen Jahrhunderts) ausgezeichnet.

Er setzte sich vor allem für Solarenergie als Alternative zur Atomenergie ein. Scheer war Präsident der Europäischen Vereinigung für Erneuerbare Energien (Eurosolar), deren Ziel es ist, atomare und fossile Energie vollständig durch erneuerbare Energien zu ersetzen. Er schrieb zahlreiche Bücher und war auch als Herausgeber tätig. In den achtziger Jahren machte der SPD-Linke sich für eine aktive Friedenspolitik und Abrüstung stark. Im SPD-Vorstand brachte Scheer Ende der neunziger Jahre mit Äußerungen, das Nato-Vorgehen im Kosovo sei ein "Kriegsverbrechen", den damaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) gegen sich auf. Dieser meinte seinerzeit sogar, Scheer gehöre aus der Partei geworfen.

Auch zuletzt war Scheer in seiner Partei stark umstritten: Vor allem sein vehementer Einsatz für die hessische Landesvorsitzende Andrea Yspsilanti und ihr Projekt einer rot-rot-grünen Koalition in Wiesbaden sorgte intern immer wieder für Streit zwischen Scheer und führenden Köpfen der SPD. Vor der hessischen Landtagswahl gehörte Scheer dem Schattenkabinett der SPD-Spitzenkandidatin Ypsilanti an. In einer möglichen Regierung sollte er für Wirtschaft und Umwelt zuständig sein und damit eine Art "Superminister" in Hessen werden. Nach der Wahl vom Januar 2008 scheiterte die Bildung einer rot-grünen Minderheitsregierung jedoch an Widerstand von vier SPD-Abgeordneten.

Politische Weggefährten reagierten bestürzt auf Scheers Tod. "Wir haben ihm sehr viel zu verdanken", sagte der hessische SPD-Generalsekretär Michael Roth. Scheer habe sich wie nur wenige andere im Wahlkampf gegen die CDU-geführte Regierung in Hessen eingesetzt und dort maßgeblich zum SPD-Wahlergebnis beigetragen. Das Konzept der Energiewende, mit dem die SPD angetreten sei und viel Profil gewonnen habe, sei vor allem auf Scheer zurückgegangen. Auch die Grünen würdigten das umweltpolitische Engagement des Politikers. "Mit ihm verlieren wir einen leidenschaftlichen Politiker, einen freien Geist, der mit großem Intellekt und aufrechtem Gang für seine Ideale gekämpft hat und nie den 'einfachen Weg' gegangen ist", erklärten die Parteivorsitzenden Claudia Roth und Cem Özdemir. Als Vordenker und Architekt des solaren Zeitalters sei er den Grünen auf ganz besondere Weise verbunden gewesen.

Quelle: Spiegel Online

Donnerstag, 14. Oktober 2010

D: Immer mehr Solarstrom

Der Anteil des Ökostroms in Deutschland ist weiter auf jetzt 19 Prozent gestiegen. Die „Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen“ hat diese Zahl errechnet. Damit nähert sich der Anteil der Erneuerbaren Energien dem Anteil des Atomstroms an. Atomkraftwerke produzieren noch etwa 23 Prozent.

In zwei bis drei Jahren könnten die Erneuerbaren Energien in Deutschland dann mehr Strom erzeugen als die Atomwirtschaft. Besonders der Photovoltaik Strom wuchs in den ersten sechs Monaten 2010 stark um über 64 Prozent an. Damit deckte der Solarstrom 2,1 Prozent des Stromverbrauchs ab – in Bayern sind es bereits knapp 5 Prozent. Im selben Zeitraum betrug der Stromanteil durch Wasserkraft 3,7 Prozent, die Windkraft 7,1 Prozent und die Biomasse 6,3 Prozent. Im ersten Halbjahr hat Deutschland deutlich mehr Strom exportiert (30,9 Milliarden KWh) als importiert (19,5 Milliarden KWh) - es gibt demnach einen Stromüberhang in Deutschland.

Das Verbraucherportal verivox hat eine Umfrage zum Thema Ökostrom und Ökogas durchgeführt. Das Ergebnis: Verbraucherinnen und Verbraucher, die sich bisher für einen solchen Ökostrom-Tarif entschieden haben, sind mit ihrer Entscheidung zufrieden. An der Umfrage haben sich insgesamt 2.246 Verbraucherinnen und Verbraucher beteiligt. Von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern gaben 33 Prozent (729) an, bereits einen Ökostromtarif zu beziehen. 90 Prozent der Befragten würden wieder einen Ökotarif zu wählen. Neben dem Wunsch, etwas für die Umwelt zu tun (96 Prozent), möchten die Verbraucherinnen und Verbraucher durch ihre Entscheidung für einen Ökotarif dazu beitragen, den Wettbewerb auf dem Energiemarkt anzukurbeln (93 Prozent). 95 Prozent der Befragten waren mit dem Anbieterwechsel zufrieden.

Von den Verbraucherinnen und Verbrauchern, die sich nicht für einen Ökotarif entschieden haben, befürchten 76 Prozent höhere Preise. Diese Sorge ist jedoch laut Marktuntersuchungen unbegründet, denn viele Ökotarife sind günstiger als die örtlichen Grundversorgungstarife. So bezahlt ein Musterhaushalt mit einem jährlichen Stromverbrauch von 4.000 kWh in der Grundversorgung derzeit durchschnittlich 971 Euro. Die Kosten für Ökostromtarife mit Gütesiegeln liegen beim gleichen Verbrauch bei durchschnittlich 950 Euro.

Quelle: SolarLokal, verivox

Umbruch in Solarbranche

Weit gehend unbemerkt in Europa, vollzieht sich derzeit ein gewichtiger Umbruch in der Branche der photovoltaischen Stromerzeugung (PV). Die Impulse kommen in der Überzahl aus den USA. Dort wächst nicht nur der Anwendermarkt im laufenden Jahr explosionsartig. Die Produktionskapazitäten nehmen gewaltig zu und es künden sich neue Technologien an. Aufwärts geht es in den USA auch mit der Solarthermie.

Die Meldung über die neue Solaranlage auf dem Weissen Haus in Washington mag unbedeutend erscheinen (siehe Solarmedia vom 8. Oktober 2010), in den USA hat sie dennoch grossen Symbolwert. Im Land des Erdöls und der Erdölpräsidenten (die Bushdynastie war direkt involviert und machte ihr Vermögen mit dem Schwarzen Gold) wird im Frühjahr 2011 eine doppelte Sonnenenergienutzung für Aufsehen sorgen – sowohl eine solarthermische (wie früher schon mal unter Präsident Carter) als auch eine photovoltaische Anlage kommt auf dem Sitz des Präsidenten zu stehen. Und wird den Öljunkies mit ihren Spritsäufern und ungedämmten Häusern zeigen: Es geht auch anders.

Der wirkliche Umbruch vollzieht sich jedoch im Hintergrund und auf ganz unterschiedlichen Parketts, allesamt amerikanischen Ursprungs. Die Ausstellung Solar Power International, die derzeit in Los Angeles statt findet (siehe Bild vom Messeeingang), liefert vielerlei Anschauungsunterricht. So wurde der US Solar Market Insight Bericht veröffentlicht, der ein gewaltiges Wachstum bei den installierten Anlagen für das laufende Jahr konstatiert. Mindestens 944 Megawatt an neuen Kapazitäten werden erstellt, was einer Verdoppelung gegenüber dem Vorjahr gleich kommt (PV und Solarthermie mit deutlichem Übergewicht der ersteren). Auch die Solarthermie, also die Nutzung der Sonne für den Wärme- und Kältemarkt, wird deutlich zulegen (plus 16 Prozent und einer installierten Fläche von rund drei Millionen Square Feet). Noch Aufsehen erregender: der PV-Markt wird in den USA bis 2015 ein Volumen von 10 Gigawatt erreichen – was auch heisst, in den USA wird dann so viel an Solarkapazität errichtet, wie ein grosses AKW Strom zu liefern in der Lage ist. Mit dem Unterschied, dass auch Mitte des Jahrzehnts in den USA kein neues AKW erstellt sein wird.

Unter den aufstrebenden Produzenten sei stellvertretend General Electric, der weltgrösste Industriekonzern überhaupt, genannt. Bislang war GE im Nachhaltigkeitsbereich vor allem als Hersteller von Windrädern bekannt und einer der grossen Drei neben der dänischen Vestas und Siemens. Nun setzt GE an zum Sprung in den PV-Markt: Und zwar mit der Produktion von Dünnfilmmodulen – jener Technik, die mit weniger Silizium als Rohstoff auskommt und der ein grosses Kostensenkungspotential attestiert wird. Explizites Ziel von GE: die Installation grosser Solaranlagen, die einzeln je über mehrere Megawatt Leistung verfügen. Zu dem Zweck arbeitet GE mit PrimeStar Solar, Inc. zusammen und baut auf die Cadmium-Tellurid-Anwendung, die bereits First Solar zum Weltmarktführer gemacht hat. Die Module kommen im nächsten Jahr auf den Markt – ob die Ausrichtung ausgerechnet auf den wegen seiner teilweisen Giftigkeit umstrittenen Rohstoff sinnvoll ist, steht auf einem anderen Blatt.

Für die Kaufhauskette Macy’s Inc. hat der kalifornische Solarkonzern SunPower bereits etliche Photovoltaikprojekte umgesetzt. Nun errichtet SunPower eine Anlage in Goodyear im Bundesstaat Arizona. Das Aufdachprojekt wird im März 2011 in Betrieb genommen und mit 3,5 Megawatt (MW) das größte Aufdachprojekt in den USA sein.

Neben den Grossen, die jetzt wie GE in die Solarproduktion einsteigen, sind es weiterhin auch kleinere Unternehmen, an deren Namen man sich wird gewöhnen müssen – Ascent Solar Technologies, Inc. zum Beispiel, die einer anderen Dünnfilmtechnologie zum Durchbruch verhelfen wollen (copper indium gallium (di)selenide (CIGS). Die Module versprechen eine Lebensdauer von mindestens 20 Jahren und umschiffen damit eine der bisherigen Klippen dieser Technologie, der man im Gegensatz zur kristallinen nur geringe Langlebigkeit zuerkannte.

Möglich schliesslich auch, dass eine weitere Technologie plötzlich bedeutsam wird für die ganze PV-Branche: Die so genannte konzentrierende PV (CPV) nutzt das seit Kindertagen bekannte Lupenphänomen, dank dem Sonnenlicht durch Spezialgläser mehrfach konzentriert wird – mit dem Effekt einer bedeutenden Leistungssteigerung. Auch hier mehrere US-Unternehmen an der Spitze der Entwicklung: Soliant gab an der Solarmesse die Entwicklung von Modulen bekannt, die es erlauben werden, Solarstrom zu Produktonskosten von acht Cents je Kilowattstunde zu erzeugen. Womit die Konkurrenzfähigkeit gegenüber allen anderen Stromerzeugungsarten und insbesondere gegenüber der sich ständig verteuernden Atomtechnologie endgültig geschafft wäre.

© Solarmedia
/ Quelle: Greentechmedia u.a.