Mittwoch, 2. September 2026

Rund 1’800 lokale Elektrizitätsgemeinschaften im ersten Halbjahr

 

Seit Anfang 2026 können in der Schweiz lokale Elektrizitätsgemeinschaften (LEG) umgesetzt werden. Bereits nach dem ersten Halbjahr 2026 zeigt sich: Das neue Modell wird rege genutzt. Eine aktuelle Erhebung von Swissolar bei den 30 grössten Schweizer Verteilnetzbetreibern, ergänzt mit Daten des LEGhub, ermöglicht nun eine erste Hochrechnung, wie viele LEG schweizweit per Ende Juni bestehen und wie gross diese ungefähr sind.
 

Insgesamt konnten über die Umfrage und den LEGhub 1’323 LEG erfasst werden. Die Netzgebiete der berücksichtigten Verteilnetzbetreiber (VNB) decken zusammen rund 71 Prozent der Bevölkerung ab. Wird die beobachtete Anzahl LEG anhand dieser Bevölkerungsabdeckung auf die gesamte Schweiz hochgerechnet, ergibt sich eine Anzahl von etwa 1’860 LEG. 

Die Verbreitung der LEG ist allerdings alles andere als gleichmässig. Während in einigen Regionen schon viele LEG aktiv sind, gibt es in anderen noch gar keine umgesetzten Projekte. Gründe dafür können neben der Nachfrage auch unterschiedliche Prozesse, IT-Systeme oder Angebote der jeweiligen VNB sein. 

Meist kleine Gemeinschaften – mit grossen Unterschieden: Auch bei der Grösse der einzelnen LEG gibt es beträchtliche Unterschiede. Über die erhobenen Daten hinweg liegt die durchschnittliche Zahl der Teilnehmenden bei rund 7,2 Teilnehmenden beziehungsweise Anschlüssen pro LEG. Zwischen den einzelnen Regionen zeigen sich jedoch deutliche Unterschiede: Die durchschnittliche Anzahl Teilnehmende pro LEG reicht von 3 bis 29. Damit zeichnet sich ab, dass LEG keineswegs nur einem einzigen Modell folgen. Neben kleinen Gemeinschaften aus wenigen Nachbarschaften entstehen auch deutlich grössere Zusammenschlüsse. 

Die Daten geben zudem Einblick in die Zusammensetzung der Gemeinschaften. Rund 78 Prozent der Teilnehmenden beziehen ausschliesslich Strom, 9 Prozent produzieren ausschliesslich Strom und 13 Prozent sind Prosumer, die sowohl Strom produzieren als auch verbrauchen. Entsprechend produzieren rund 22 Prozent der Teilnehmenden selbst erneuerbaren Strom (dabei ist zu berücksichtigen, dass ein LEG-Teilnehmer je auch mehrere Produktionsanlagen oder Verbrauchsstellen umfassen kann.) Genau dieses Zusammenspiel ist zentral für eine LEG: Lokal produzierter Strom kann innerhalb der Gemeinschaft verkauft und möglichst direkt vor Ort genutzt werden.

«Werden die bestehenden regulatorischen Hürden abgebaut und die gesetzlichen Möglichkeiten besser ausgeschöpft, können LEG noch deutlich attraktiver werden und einen noch grösseren Beitrag zur effizienten Nutzung von erneuerbarem Strom leisten.»
– Wieland Hintz, stv. Geschäftsführer Swissolar
 
Regulatorische Hürden abbauen: Trotz des positiven Starts bestehen bei LEG weiterhin regulatorische und praktische Hürden. Swissolar fordert deshalb, das im Gesetz vorgesehene Potenzial beim Rabatt auf die Netznutzung vollständig auszuschöpfen, unnötige Einführungs- und Mutationsgebühren zu vermeiden und eine Stromlieferung innerhalb einer LEG auch zwischen den Netzebenen 5 und 7 und gemeindeübergreifend zu ermöglichen. Diese Anliegen werden auch in mehreren aktuellen parlamentarischen Vorstössen aufgenommen (26.3972 «Rabatte bei lokalen Elektrizitätsgemeinschaften. Gesetzlichen Rahmen voll ausnutzen»26.3970 «Lokale Elektrizitätsgemeinschaften. Hürden reduzieren»25.3665 «Netzebenenübergreifende lokale Elektrizitätsgemeinschaften»). 

Wie sich LEG weiterverbreiten und welche Modelle sich besonders bewähren, wird sich in den kommenden Monaten zeigen. Wieland Hintz, stv. Geschäftsführer bei Swissolar, sagt dazu: «Die ersten Zahlen machen deutlich: Die gemeinschaftliche Nutzung von lokal produziertem Strom ist in der Schweiz bereits Realität. Gleichzeitig besteht noch erhebliches Potenzial. Werden die bestehenden regulatorischen Hürden abgebaut und die gesetzlichen Möglichkeiten besser ausgeschöpft, können LEG noch deutlich attraktiver werden und einen noch grösseren Beitrag zur effizienten Nutzung von erneuerbarem Strom leisten.»
 
Lokale Strommodelle verständlich erklärt: Die Schweizer Plattform www.lokalerstrom.ch von EnergieSchweiz, Swissolar und dem VSE unterstützt Haushalte, Fachpersonen, Gemeinden, Energieversorger und weitere Akteure bei der Umsetzung lokaler Strommodelle wie ZEV, vZEV und LEG. Dafür stellt sie neutrale und praxisnahe Informationen, Tools und Vorlagen zur Verfügung.

Über Swissolar

Swissolar ist der Schweizerische Branchenverband für Sonnenenergie. Er vertritt die Interessen von rund 1300 Verbandsmitgliedern mit über 10’000 Arbeitsplätzen in der Öffentlichkeit, der Politik und gegenüber den regulierenden Behörden. www.swissolar.ch

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