Zugleich erhielt die Nachfrage immer wieder
empfindliche Dämpfer, weil die gesetzlich garantierten
Einspeisevergütungen in wichtigen Solar-Nationen, wie Spanien,
Frankreich und Deutschland 2012 kurzfristig und stark gesenkt wurden. In
Spanien und Italien waren die Änderungen Teil von Sparprogrammen, die
wegen der Euroschuldenkrise aufgelegt werden mussten. Die schwarz-gelbe
Bundesregierung begründete die Senkung der Solarstromtarife im
Erneuerbare Energie-Gesetz (EEG) allerdings damit, dass der Fortschritt
der Solarenergie zu teuer und zu schnell sei. Ursprünglich sollten die
deutsche Einspeisevergütung bereits im Frühjahr abrupt je nach Größe und
Datum der Inbetriebnahme im Vergleich zum Vorjahrestarif um bis zu 43
Prozent gesenkt werden. Nach schweren Protesten aus der Branche und
langem politischen Hickhack traten die neuen Tarife dann mit
mehrmonatigen Übergangsfristen in Kraft.
Besonders
hart traf die Krise die Solartechnik-Hersteller. Mit dem Bitterfelder
Solarkonzern Q-Cells SE ging ein weiteres ehemaliges Schwergewicht der
deutschen Photovoltaikbranche pleite. Als das Unternehmen im März 2012
einen dreistelligen Millionenverlust vor Steuern und Zinsen (EBIT) für
2011 bekannt gab, war der ursprüngliche Rückzahlungstermin für eine
Wandelanleihe im Umfang von 200 Millionen Euro schon einig Tage
verstrichen. Zudem erhöhten zwei weitere Anleihen die 2014 und 2015
fällig gewesen wäre die Schuldenlast von Q-Cells gegenüber
Anleihegläubigern auf zusammen 580 Millionen Euro. Ein Schuldenschnitt,
der das Unternehmen retten sollte scheiterte am Widerstand einzelner
Gläubiger. Es folgte die Pleite und die Übernahme der Kernbestandteile
von Q-Cells durch den koreanischen Mischkonzern Hanwha Group. Im August
2012 beantragte Insolvenzverwalter Hennig Schorisch schließlich den
Widerruf der Börsenzulassung.
Die finanziell ebenfalls schwer angeschlagene
Conergy AG aus Hamburg blieb von der Pleite verschont. Anhaltend
tiefrote Geschäftszahlen zwangen Conergy jedoch zu tiefgreifenden
Restrukturierungsmaßnahmen. Der Vorstand verschlankte das Kerngeschäft:
Aus dem Solarkonzern mit Fokus auf die Herstellung von
Solartechnikkomponenten wurde ein Anbieter von Solarsystemen. Die
Conergy-Aktie verblieb angesichts dessen beständig im Kurskeller – al.
Pennystock; Am 28. Dezember ging sie mit 0,28 Euro aus dem Xetra-Handel
der Deutschen Börse.
Auch die SolarWorld AG konnte sich dem Sog der
Branchenkrise nicht entziehen. Für die ersten neun Monate 2012 verbuchte
der Bonner Solarhersteller 189,5 Millionen Euro EBIT-Verlust nach 89,7
Millionen Euro Ertrag vor Steuern und Zinsen im Vorjahreszeitraum. Der
Umsatz dieser Zeit sank gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 37,7 Prozent
auf 468,9 Millionen Euro. Die SolarWorld musste dem anhaltenden
Preisdruck und dem Überangebot „hohen Tribut zollen“, kommentierte
Vorstandchef Dr. Frank Asbeck die Entwicklung. Im Sommer 2012 hatte er
gegenüber Medienvertretern angekündigt, so lange auf seine finanziellen
Bezüge zu verzichten, bis die SolarWorld AG in die Gewinnzone
zurückkehrt. Von der rasanten Talfahrt, zu der die SolarWorld-Aktie im
März 2012 ansetzte, erholte sie sich bis Ende Dezember nicht mehr. Am
28. Dezember schloss die Aktie im Xetra der Deutschen Börse bei 1,05
Euro. Anleger, die ein Jahr zuvor investierten und ihr Kontingent bis zu
diesem Tag behielten, haben damit rund 68 Prozent des Investments
verloren. Das Jahreshoch von 4,50 Euro (10. Februar 2012) scheint
mittlerweile in weite Ferne gerückt zu sein.
Vergleichsweise solide durch das Krisenjahr kam
die SMA Solar Technologies AG, der Weltmarktführer unter den Herstellern
von Wechselrichtern. Speziell der Markteintritt in China verlieh der
SMA-Aktie zum Jahresausklang nochmals Auftrieb. Ende
Dezember hatte Vorstandschef Pierre Pascal Urbon erklärt, SMA habe für
umgerechnet 40 Millionen Euro 72,5 Prozent aller Anteile des
chinesischen Konkurrenten Zeversolar New Energy Co. Ltd aus Suzhou
übernommen. Das so entstandene deutsch-chinesische Joint-Venture werde
im Januar 2013 seine Geschäfte aufnehmen.
Teils schwer überschuldet: Chinas Solarkonzerne, denn viele
der chinesische Marktschwergewichte unter den Solarherstellern gerieten
2012 ebenfalls in Bedrängnis: Konzerne wie LDK Solar aus Xinyu häuften
immer höherer Schuldenberge an, um ihre Produktionskapazitäten stark
auszubauen. Ziel war es vielfach, pro Stück billiger zu produzieren und
sich so im Wettbewerb zu behaupten. Die Strategie schlug fehl, weil so
der Preisverfall nur weiter beschleunigt wurde. Auch Suntech aus Wuxi
und Trina Solar aus Jishan erlitten 2012 in mehreren Quartalen
millionenschwere Verluste. Sie konnten sich teils nur mit Hilfe immer
neuer günstiger Kredite chinesischer Staatsbanken und dank großzügiger
staatlicher Förderprogramme zur Belebung des heimischen Marktes
wirtschaftlich am Leben halten. Die chinesische Regierung hat die
Photovoltaik für sich als Schlüsseltechnologie des 21. Jahrhunderts
erkannt. Mit ihrer offensiven Solarpolitik will sie wenige chinesische
Photovoltaik-Riesen an der Weltspitze etablieren.
Der
wichtigste US-amerikanische Solarkonzern blieb First Solar. Die
Dünnschicht-Solarmodule-Spezialistin aus Tempe in Arizona verpasste sich
2012 eine Radikalkur in Sachen Produktionskapazität. Zudem verstärkte
das Unternehmen vor allem das Projektgeschäft am boomenden Heimatmarkt
und im asiatisch-pazifischen Raum, speziell Indien und Australien. Die
ersten drei Quartale des vergangenen Jahres beendete First Solar mit
250,5 Millionen Dollar Nettoverlust. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres
hatte First Solar noch 373,6 Millionen Dollar Nettogewinn erzielt. Dabei
war es den Amerikanern gelungen den Neun-Monatsumsatz auf Jahressicht
um 8,9 Prozent auf 2,29 Milliarden Dollar zu steigern. Den
letzten Handelstag des Jahres an der US-Technologiebörse Nasdaq beendete
die First-Solar-Aktie bei 29,80 Dollar. Damit verlor Sie auf
Jahressicht 8,86 Prozent an Wert.
Die
Situation bei den Herstellern schlug sich auf die Solarausrüster
nieder: Weil viele Produzenten ihre Kapazitäten zusammenkürzten brach
die Nachfrage ein. Die vielen Pleiten sorgten zusätzlich dafür, dass
diejenigen Unternehmen, die neue Produktionslinien suchten, diese auch
gut gebraucht einkaufen konnten. Darunter litten Ausrüster wie die Meyer
Burger Technologies AG aus Thun im Kanton Zug in der Schweiz oder die
centrotherm photovoltaics AG aus Blaubeuren. Letztere ging 2012 Pleite
und befindet sich seither in der Planinsolvenz. Das heißt, das
Unternehmen hat seine Entschuldung selbst in die Hand genommen, wobei es
einem gerichtlich festgelegten Restrukturierungsplan verfolgt und von
einem Insolvenzfachmann als sogenanntem Sachwalter begleitet wird.
Dementsprechend ging es von Mitte März bis Ende Dezember 2012 für die
centrotherm-Aktie fast ausnahmslos bergab. Am 28. Dezember 2012 ging sie
mit 0,86 Euro aus dem Handel im Xetra der Deutschen Börse. Damit verlor
der Anteilsschein innerhalb eines Jahres 91 Prozent an Wert. Ihr
Jahrestief erreichte die Aktie am 11 Juli mit 0,42 Euro.
Nachdem die Meyer Burger Technologies AG schon
zum Halbjahr rote Zahlen meldete, kassierte der Konzern im November
seine Umsatzprognose für das Gesamtjahr 2012 und gab eine Gewinnwarnung
heraus. Die Halbjahresbilanz der Schweizer wies umgerechnet 39,2
Millionen Euro EBIT-Verlust aus. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres
hatte Meyer Burger noch 104 Millionen Euro EBIT-Gewinn verbucht. Der
Umsatz zwischen Januar und Juni brach auf Jahressicht um 46 Prozent
255,6 Millionen Euro ein. Für das Gesamtjahr 2012 erwartet der
Solarausrüster seiner erneuerten Prognose zufolge zwischen 16,6 und 33,2
Millionen Euro Verlust vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA).
Dabei soll der Umsatz des Gesamtjahres umgerechnet 498,2 Millionen Euro
erreichen. Um Gegenzusteuern setzt auch Meyer Burger auf
Kostensenkungsprogramme und starken Stellenabbau. Bis Ende November
hatte das Unternehmen seine Belegschaft im Vergleich zum Jahresbeginn um
19 Prozent gekürzt und weitere Entlassungen in Aussicht gestellt.
Die
die teils drastische kurzfristige Kürzungen der Vergütungstarife für
Solarstrom in vielen bisherigen Kernmärkten sorgten 2012 dafür, dass
auch die Geschäfte zahlreicher Projektierer nicht gut liefen. Zwar
drückten, die fallenden Modulpreise die Fixkosten der Projektierer
beträchtlich. Jedoch verschlechterten sich die gesetzlichen
Rahmenbedingungen für große Solarparks vielerorts in Europa so sehr,
dass dieses Geschäft deutlich unrentabler wurde.
Der US-Solarprojektierer SolarCity Inc. aus San
Mateo in Kalifornien vollzog das einzige große Solar-Börsendebüt des
Jahres 2012. Das Unternehmen ist auf Dachanlagen spezialisiert und
konzentriert sich auf seinen Heimatmarkt USA, der 2012 einen Boom
erlebte. Einer der größten Kunden von SolarCity ist das US-Militär.
SolarCity rüstet landesweit Dächer von heimischen Militärbasen mit
Dachsolaranlagen aus. Bei der Erstnotiz an der US-Technologiebörse
Nasdaq im Dezember verkaufte SolarCity 11,5 Millionen Aktien zu acht
Dollar das Stück und warb so 92 Millionen Dollar ein. An ihrem ersten
Börsentag legte die SolarCity-Aktie dann insgesamt 47,4 Prozent zu und
schloss bei 11,79 Dollar. Ursprünglich hätte das Börsendebüt zwei Tage
früher vollzogen werden sollen, als es nun tatsächlich der Fall war. Die
Unternehmensführung hatte jedoch kurzfristig einen Rückzieher gemacht
und den Erstausgabepreis stark gesenkt. Die Aktie sollte nämlich
eigentlich zu Preisen zwischen 13 und 15 Dollar in den Handel gehen.
Experten taxierten den Börsenwert von SolarCity nach dem Debüt an der
Nasdaq auf 585 Millionen Dollar.
Eine
positive Ausnahme unter den Solaraktien war 2012 der Anlagen-Betreiber
Capital Stage AG aus Hamburg. Er ist nach eigenen Angaben der größte
unabhängige Solarparkbetreiber Deutschlands und besitzt europaweit
Solarparks und Windkraftanlagen mit zusammen knapp 160 Megawatt
Leistungskapazität. Die
Hamburger erwerben zum einen Projektrechte für den Bau großer
Solarparks und treten dann als Generalunternehmer auf. Zudem betreiben
sie die Solarparks und übernehmen selbst die technische Betriebsführung.
Seit 2009 hat die Capital Stage AG die Marktkapitalisierung von 50
Millionen Euro auf über 136 Millionen Euro verdreifacht.
Die
weltweite Konsolidierung in der Solarbranche soll sich 2013 fortsetzen.
Das prognostizieren die Experten der US-Marktforschungsagentur IMS
iSuppli Dabei gehen die Forscher davon aus, dass sich die Preise für
Solarmodule in der zweiten Jahreshälfte stabilisieren. Der Ausbau der
Solarenergie werde weiter schnell fortschreiten und zweistellige
Zubauraten erreichen. Ein Kernproblem der Branche, die großen
Überkapazitäten, würde 2013 zwar langsam entschärft, jedoch nicht gelöst.
Als künftige Wachstumsmärkte haben die IMS-Forscher Schwellenländer wie
Rumänien und Südafrika ausgemacht. Beide Länder seien im Begriff ihre
Photovoltaik-Kapazität bis 2014 um einige hundert MW zu steigern. Auch
China und die USA sollen demnach weiter auf Wachstumskurs bleiben.
Einige europäische Solarmärkte befinden sich der Studie zufolge auf dem
Sprung zur Netzparität. Dies spreche dafür, dass auch in Teilen Europas
2013 weiterhin zahlreiche Solaranlagen errichtet werden.
Quelle: ecoreporter.de
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