Sonntag, 9. Dezember 2012

Europ. Solarpreis für Umweltarena

An sieben Preisträger wurde am Freitag in Berlin der Europäische Solarpreis 2012 verliehen. Die Auszeichnungen gingen nach Deutschland, Italien, Kroatien, Österreich, Spanien, Ungarn und .... in die Schweiz.

In der Kategorie „Eigentümer oder Betreiber von Anlagen zur Nutzung Erneuerbarer Energien“ wurde die Umwelt Arena AG in Killwangen-Spreitenbach für ihren 203 % Plusenergiebau (siehe Bild und Solarmedia vom 23. Augst 2012) ausgezeichnet - sie hatte bereits den Schweizerischen Solarpreis gewonnen. Dank der Kombination der vorbildlich integrierten Photovoltaikanlage mit innovativer Gebäudetechnik, produziert die Umwelt Arena fast das Doppelte des benötigten Energieverbrauchs. Der Plusenergiebau präsentiert damit auf beispielhafte Weise, wie Architektur, Ästhetik und Ökologie optimal vereint werden können.

Der Europäische Solarpreis wird alljährlich von der Europäischen Vereinigung für Erneuerbare Energien EUROSOLAR e.V. in Kooperation mit der KfW Bankengruppe verliehen. Dieses Jahr wurde der Solarpreis zum 19. Mal an Kommunen, Unternehmen, lokale Vereine, Architekten sowie an Einzelpersonen vergeben. Ausgezeichnet wurden innovative Projekte und Initiativen sowie engagierte Vorreiter im Bereich der Erneuerbaren Energien.

Prof. Peter Droege, Präsident von EUROSOLAR e.V., erklärte: „Der Solarpreis ist eine Auszeichnung für herausragendes Engagement beim Einsatz Erneuerbarer Energien. Die heute ausgezeichneten Preisträger sind wichtige, innovative und erfolgreiche Wegbereiter der Zukunft, in ihren Ländern, für ein erneuerbares Europa und für eine klimastabile, energetisch nachhaltige und gerechte Welt. Sie zeigen insbesondere, dass die Energiewende von vielen Akteuren aus allen Bereichen der Gesellschaft getragen wird.“ Die Preisverleihung fand vor über 200 Gästen in der Berliner Niederlassung der KfW Bankengruppe statt. Überreicht wurden die Auszeichnungen von Prof. Peter Droege und Werner Oerter, Bereichsleiter der KfW Mittelstandsbank, sowie von den jeweiligen Botschaften der Länder in Berlin, zur Würdigung der Verdienste der Preisträger ihres Landes.

Werner Oerter, Bereichsleiter der KfW Mittelstandsbank, betonte: „Die Rahmenbedingungen für Erneuerbare Energien befinden sich in einem starken Wandel und weder Deutschland noch Europa sind Energieinseln. Vielmehr verstärken sich weltweit die Wechselwirkungen zwischen den einzelnen Energieträgern, den Märkten und den Energiepreisen immer mehr. In diesem sich dynamischen entwickelnden Umfeld ist die vorbildhafte Wirkung der Preisträger für die Ausbreitung der Erneuerbaren Energien besonders bedeutsam.“

Die weiteren Preisträger: In der Kategorie „Städte/Gemeinden, Landkreise und Stadtwerke“ ging der Europäische Solarpreis in diesem Jahr nach Kroatien an die Kreise Zagreb, Karlovac, Krapina-Zagorje und die Stadt Zagreb. In den Kreisen wurde ein nachhaltiges Finanzierungsmodell ins Leben gerufen, um den Bürgern die Investition in Solarenergie zu erleichtern. Das Programm wurde durch die regionale Energieagentur Nord-West Kroatiens umgesetzt. Inzwischen haben landesweit Kreise und Städte die populäre Kampagne übernommen.

In der Kategorie „Lokale oder regionale Vereine/Gemeinschaften“ erhielt die spanische Energiegenossenschaft Som Energia den Europäischen Solarpreis. Die Kooperative verknüpft vorbildlich den genossenschaftlichen Gedanken mit bürgerschaftlichem Engagement und einer regionalen Energieerzeugung aus regenerativen Energien. Es sind schon einige Solaranlagen und auch Spaniens erste Bürger-Biogasanlage gebaut worden. Ziel ist es, soviel Strom zu produzieren wie die Mitglieder verbrauchen.

In der Kategorie „Solares Bauen und Stadtentwicklung“ sind der Architekt Silvio d’Ascia aus Paris sowie die IBA Hamburg zusammen mit der Forschungsgruppe Prof. Dr.-Ing. Dieter D. Genske von der FH Nordhausen ausgezeichnet worden. Silvio d’Ascia erhielt den Solarpreis für das solare Architekturkonzept des Turiner Bahnhofsneubau Porta Susa. Die im Dach des Gebäudes integrierte 600 kWp Solaranlage ist ein gelungenes Beispiel für die Einbindung der Photovoltaik in die Architektur. Durch die zentrale Lage des Bahnhofs wird die Nutzung der Solarenergie öffentlichkeitswirksam präsentiert.

Die IBA Hamburg und Prof. Dr.-Ing. Genske von der FH Nordhausen mit seinem Forscherteam dokumentieren in einem Energieatlas einen räumlich-strategischen Ansatz für den energetischen Umbau des Stadtviertels Wilhelmsburg. Im Energieatlas wird die Stadt als erneuerbares Kraftwerk dargestellt. Es werden nachhaltige Konzepte und Projekte für die klimaverträgliche Metropole der Zukunft entwickelt.

In der Kategorie „Transportsysteme“ wurde die Europa Studio Ltd. aus Ungarn ausgezeichnet, die in einer konventionellen Tankstelle in Budapest eine Elektroladestation und eine Photovoltaikanlage eingebunden hat. Sie wirkt als Forderung für den Ausbau einer flächendeckenden solaren Ladeinfrastruktur im öffentlichen Raum. Das Projekt dient der Bewusstseinsbildung und hebt die Notwendigkeit des Umstiegs auf Elektroantriebe anschaulich hervor.

Der Sonderpreis für persönliches Engagement ging an Ing. Franz Niessler aus Österreich. Seit einem halben Jahrhundert kämpft Franz Niessler unablässig für das Ziel einer nachhaltig regionalen und erneuerbaren Energieversorgung. Er etablierte zusammen mit anderen engagierten Mitstreitern den Wiener „Solarstammtisch“, ein gut besuchtes monatliches Treffen zum Informations- und Erfahrungsaustausch mit internationalem Ruf. Franz Niessler zählt zu den bedeutendsten Solarpionieren Österreichs und international.
Quelle: EUROSOLAR e.V. 2012  / Bild: Guntram Rehsche

^^^ Nach oben

Samstag, 8. Dezember 2012

Überbrückungshilfe in Zürich

Ab 2013 bietet das Stadtzürcher Elektritzitätswerk (EWZ) eine Übergangsfinanzierung für Solarstromanlagen auf der Warteliste der KEV an. Bedingung für diese Förderung ist eine installierte Leistung zwischen 10 Kilowatt Peak (kWp) und maximal 30 kWp.
 
Aufgrund des Gemeinderatsbeschlusses vom 21. März 2012 bietet EWZ per 1. Januar 2013 für in der Stadt Zürich geplante Solarstromanlagen, die auf der Warteliste der kostendeckenden Einspeisevergütung (KEV) stehen, eine Überbrückungsfinanzierung an. Bedingung zu dieser befristeten Finanzierung ist, dass die Anlagen weder im Bau noch gebaut sind und dass die Anlagen eine Leistung zwischen mindestens 10 kWp und maximal 30 kWp aufweisen. Die Finanzierung zu KEV-Bedingungen endet frühestens, wenn die Anlage in die KEV aufgenommen wird, oder spätestens am 31. Dezember 2015. Das Gesuch um Überbrückungsfinanzierung ist mit den Unterlagen zur Aufnahme in die  KEV-Warteliste bei ewz einzureichen. Das Beitragsgesuch und die Ausführungsbestimmungen sind verfügbar auf der Website von ewz. Die Höhe der Vergütung durch ewz entspricht der KEV gemäss den Bestimmungen des Bundesrechts. Die Anlage muss durch die Betreiberin oder den Betreiber bei der nationalen Netz-gesellschaft Swissgrid in der Herkunftsnachweis-Datenbank registriert werden. Dieser Schritt ermöglicht die Übernahme des ökologischen Mehrwerts für seine Kundinnen und Kunden.

Medienmitteilung. (PDF, 30 KB)

Freitag, 7. Dezember 2012

Meilenstein 100 Gigawatt erreicht

Die weltweit installierte Solarstrom-Leistung überschreitet nach einem rasanten Marktwachstum in den letzten Jahren in diesen Tagen die 100 Gigawatt-Schwelle, wie der deutsche Bundesverband Solarwirtschaft schreibt. Der Ausstoß klimaschädlicher Gase verringert sich dadurch um jährlich 70 Millionen Tonnen.  Bis 2020 wird sich die globale Solarstromleistung und der dadurch erzielbare Klimaschutzeffekt nach Einschätzung von Energieexperten verfünf- bis versiebenfachen. 

Keine andere klimafreundliche Energieform ist weltweit so beliebt und kann so schnell nahezu überall auf der Erde ausgebaut und genutzt werden wie die Solarenergie. Der Bundesverband Solarwirtschaft e.V. (BSW-Solar) appelliert deshalb an die derzeit in Katar versammelte internationale Staatengemeinschaft, die Potenziale der Solarenergie und anderer Erneuerbarer Energien zukünftig noch deutlich stärker für den Klimaschutz zu nutzen. "Solarstrom ist ein Patentschlüssel für den Klimaschutz", sagt Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer des BSW-Solar. 

Deutschland erzeugt bereits rund fünf Prozent seines Stroms aus Solarenergie, kann den Anteil bis zum Jahr 2020 ohne relevante Mehrkosten verdoppeln und bis 2030 sogar auf über 20 Prozent ausbauen, so die Prognose des BSW-Solar. Die Preise der Photovoltaik haben sich in den letzten drei Jahren halbiert. Der Einsatz von Solartechnik wird damit auch wirtschaftlich immer attraktiver, in Ballungsräumen wie auch in netzfernen Regionen der Erde. Mit einem besonders starken Marktwachstum rechnet der BSW-Solar 2012 unter anderem in den USA, Japan, China und Indien. 

Mit wachsendem Weltmarkt wird Solartechnik auch zu einem immer wichtigeren Exportschlager für die heimische Wirtschaft: Die Solarbranche in Deutschland verdient schon heute jeden zweiten Euro im Ausland. Bis 2025 soll nach Schätzungen des Umweltbundesamtes der Weltmarkt für umweltfreundliche Energien um 747 Milliarden Euro wachsen. Der BSW-Solar ist zuversichtlich, dass deutsche Unternehmen trotz starker Wettbewerber weiter davon profitieren werden: "Deutschland hat das Know-how, die Erfahrung und die Ideen, die im harten internationalen Wettbewerb unverzichtbar sind", erklärt Körnig. An die Bundesregierung richtet er den Appell, bei der Energiewende konsequent und mit gutem Beispiel voran zu gehen. Körnig: "Jetzt heißt es bitte: Kräftig Anpacken und nicht Angst vor zu viel Tempo oder der eigenen Courage haben! Anders ist die Kurve bei beim Klimaschutz und bei der Energiewende nicht zu schaffen." 

Quelle: Bundesverband Solarwirtschaft / Bild: Guntram Rehsche

^^^ Nach oben

Afrika braucht Einspeisevergütungen

World Future Council, Heinrich-Böll-Stiftung und Friends of the Earth geben umfassenden Leitfaden für afrikanische Entscheidungsträger heraus. Maßgeschneiderte Energie-Einspeisegesetze  sind demnach das beste Instrument, um die Nutzung erneuerbarer Energien in Afrika zu steigern.

Das ist das Ergebnis einer umfassenden Studie, die der World Future Council und die Heinrich-Böll-Stiftung heute beim UN-Klimagipfel COP 18 in Katar vorgestellt haben. Einspeise-Tarife fördern Investitionen in Anlagen zur Erzeugung von Strom aus erneuerbaren Quellen, weil sie die Abnahme und Bezahlung des erzeugten Stroms garantieren –  egal ob einzelne Hausbesitzer, Gemeinden, Städte oder Unternehmen den Strom produzieren.

Wenn sie optimal auf den lokalen Kontext zugeschnitten sind, können Einspeisetarife die erzeugte Energiemenge sowohl in netzangebundenen Regionen als auch in Regionen ohne vorhandenes Stromnetz deutlich steigern. Darüber hinaus ermöglicht der dezentrale Charakter alternative Eigentums-und Administrations-Modelle, gibt Gemeinden größere Handlungsfreiheit und stärkt dadurch die lokale Demokratie sowie die Selbstverwaltung. 

Die auch von Friends of the Earth unterstützte Studie leistet eine eingehende Analyse der bestehenden Einspeisegesetzgebung in 13 afrikanischen Ländern: Algerien, Botswana, Ägypten, Äthiopien, Ghana, Kenia, Mauritius, Namibia, Nigeria, Ruanda, Südafrika, Tansania und Uganda. Die einzelnen Fallstudien untersuchen die sozio-ökonomischen Auswirkungen der Einspeiseregelungen und präsentieren und analysieren sowohl unterstützende als auch behindernde Faktoren für eine erfolgreiche Umsetzung der Regelungen. Darüber hinaus beschreibt die Studie eine Vielzahl von nationalen und internationalen politischen Maßnahmen, die das Ziel verfolgen, die verstärkte Nutzung erneuerbarer Energien zielgerichtet zu finanzieren - durch Abgaben auf fossile Brennstoffe oder Finanzhilfen durch den Klimafonds der Vereinten Nationen.

Afrika sieht sich mit einer enormen Energiekrise konfrontiert, da der ständig wachsende Strom-Bedarf durch die bestehenden Produktionskapazitäten bei weitem nicht erfüllt werden kann. Die eklatanten Unterkapazitäten erschweren bzw. verhindern Wirtschaftswachstum, Entwicklung und die Bekämpfung von städtischer und ländlicher Armut. Darüber hinaus sind fossile Brennstoffe nicht nur unzuverlässig, sondern zunehmend unerschwinglich oder inakzeptabel geworden. Energie gilt mittlerweile als das "fehlende Millenniums-Entwicklungsziel“, da nur sie die Erreichung der acht formulierten Ziele ermöglicht, während nach Angaben der Weltbank weniger als 25 Prozent der Haushalte in den afrikanischen Staaten südlich der Sahara Zugang zu Elektrizität haben. In den ländlichen Gebieten des subsaharischen Afrika haben sogar nur zehn Prozent der Haushalte Strom. Genau dies verunmöglicht aber eine nachhaltige Armutsbekämpfung, Bildungsförderung  und Gesundheitsvorsorge.

Einspeisetarife für erneuerbare Energien haben deren Nutzung weltweit erfolgreich gefördert. In den 65 Ländern, in denen bisher eine Einspeiseregelung in Kraft gesetzt wurde,  stehen 64 Prozent aller Windkraftanlagen und gar 87 Prozent der weltweit installierten Photovoltaik-Anlagen zur Nutzung der Sonnenenergie. Die Mehrheit dieser Anlagen ist wiederum in den Industrieländern, vor allem in Europa zu finden, während der afrikanische Kontinent sein riesiges Potenzial zur Nutzung erneuerbarer Energien bislang kaum ausschöpft.

„Auf dem Weg zu einer nachhaltigen, bezahlbaren und zuverlässigen Deckung seines Strombedarfs hat  Afrika die wunderbare Möglichkeit, die schmutzige Entwicklung der Industrieländer ganz einfach zu überspringen“, sagt Ansgar Kiene, Direktor des WFC Afrika-Büros in Johannesburg. „Unsere Studie bietet Gesetzgebern den perfekten Leitfaden, wie man diese Entwicklung fördern kann. Afrika kann mithilfe von erneuerbaren Energien Strom für seine Volkswirtschaften und  Gesellschaften erzeugen, auch ohne erst entsprechende internationale Abkommen abzuwarten.“

„Unsere Studie zeigt, dass Einspeiseregelungen am erfolgreichsten sind, wenn sie als integraler Bestandteil der breiteren Entwicklungsstrategie eines Landes implementiert werden“, ergänzt Patrick Berg von der Heinrich-Böll-Stiftung. „So sind die Unterstützung der höchsten Ebenen der Politik sowie die frühzeitige und umfassende Beteiligung der Zivilgesellschaft und des privaten Sektors entscheidende Faktoren für die erfolgreiche Entwicklung und Umsetzung von Einspeise-Regelungen.“

Donnerstag, 6. Dezember 2012

Banken zur Energiebranche

Gleich zwei Banken haben sich - je gestützt auf ihre ausgebauten Abteilungen für Nachhaltiges Investment - unlängst zu entsprechenenden Aktienengagements geäussert. Insgesamt zweistellige Wachstumsraten während der letzten zehn Jahre verdeutlichen dabei laut der Bank Sarasin die ungebremste Entwicklung der erneuerbaren Energien. Und die Zürcher Kantonalbank (ZKB) widmet sich insbesondere der Solarbranche.

«Steht die Solarenergie im Dauerregen?» fragt die ZKB, um die Antwort postwendend nachzuliefern: Betrachtet man die letzten fünf Jahre aus der Sicht eines Investors, müsse die Frage mit enem klaren Ja beantwortet werden. Die Performance von Herstellern und Zulieferern der Photovoltaik-(PV)-Branche war miserabel (minus 96 Prozent). Nur, fährt der ZKB-Newsletter fort, diese Betrachtungsweise greift zu kurz. Dafür gibt es zwei Gründe: Über einen längeren Zeitraum betrachtet, sieht die PV-Welt deutlich besser aus - und die Performance betrug zeitweise bis zu 2000 Prozent. Investitionen in Solarunternehmen waren also zeitweise überaus lohnend. Zudem haben die jährlichen Investitionen von PV-Systemen von 1,58 Gigawatt (GW) innert fünf Jahren bis 2011 auf rund 30 GW massiv zugenommen. 

Wenn sich insgesamt also in der Solarbranche Ernüchterung breit mache, gibt sich die ZKB dennoch verhalten optimistisch. Genährt einerseits durch die Tatsache, dass PV-Systeme in China bald einmal konkurrenzfähig würden mit der Gasbranche - andererseits durch die Hoffnung, dass weiterhin technologische Fortschritte einigen Unternehmen Impulse für das Bestehen an den künftig unzweifelhaft weiterhin wachsenden Solarmärkten geben.


Laut der Bank Sarasin sind es zusätzliche Technologien wie Meeresenergie und Geothermie, die den Anteil der Erneuerbaren an der Stromproduktion nochmals steigern würden. Dadurch gewinnen neue Herausforderungen wie Energiespeicherung, Netzintegration und -stabilisierung an Bedeutung. Die veränderten Rahmenbedingungen erfordern in den nächsten Jahren eine neue Architektur des Energiesystems und eine stärkere Zusammenarbeit der verschiedenen Akteure.

Auch 2012 werden die Erzeugungskapazitäten für regenerativen Strom mehr als die Hälfte aller globalen Neuinstallationen ausmachen. Wind- und Sonnenkraft sind mit 80% des Zubaus weiterhin die bedeutendsten erneuerbaren Energieträger. Gesamthaft steigt die kumulierte Stromkapazität aus regenerativen Energien Ende 2012 auf 1473 GW. Die einzelnen Technologien konnten ihre Kosten in den vergangenen Jahren drastisch senken. Die Preise für Solarmodule beispielsweise fielen in den letzten zwei Jahren um mehr als 60%. Einzelne Firmen haben zusehends Schwierigkeiten, damit Erträge zu erwirtschaften.

Der Energiebedarf in Schwellenländern wie China, Indien, Südafrika und Brasilien wird angesichts ihrer schnell wachsenden Wirtschaftskraft weiterhin steigen. Ausserdem haben etliche konventionelle Kraftwerke in Industrieländern wie den USA, Japan oder der EU das Ende ihrer Laufzeit erreicht. Mehr als die Hälfte aller sich in Betrieb befindlichen Kraftwerke sind über 20 Jahre alt. Der Grossteil der Atomkraftwerke steht sogar kurz vor Ablauf der vorgesehenen Betriebsdauer von 40 Jahren. In vielen Ländern ergeben sich dadurch politische Diskussionen und Investitionsentscheide mit weitreichenden Folgen. Für die Schweiz, Deutschland und Japan könnte sowohl der frühe Entscheid zum Atomausstieg als auch der Vorsprung bei den erneuerbaren Energien zukünftig ein enormer volkswirtschaftlicher Vorteil sein.

Zukünftig geht es darum, das technische sowie ökonomische Optimum aus Erzeugungsarten, Speicherung und Netzausbau zu finden. Der ideale Erzeugungsmix aus erneuerbaren Energien scheint sehr länderspezifisch zu sein. In Deutschland ergibt sich der niedrigste Speicherbedarf bei einem Verhältnis von Wind- zu Solarstrom von 3:1. In der Schweiz mit ihren hohen Kapazitäten an Pumpspeicherkraftwerken liegt ein Optimum für den Ersatz von 40% Atomstrom bei rund 70% Solarstrom und 30% Wind und Biomasse.

Die veränderten Rahmenbedingungen verlangen von allen Mitstreitern eine übergeordnete Sicht, um ein verlässliches und kostengünstiges Gesamtsystem zu erschaffen. Gemeinsam könnten bis ins Jahr 2050 80% und mehr regenerative Stromerzeugung in Europa, Amerika und in vielen Regionen der Welt erreicht werden. Dabei entstehen grosse Investitionsvolumina für eine nachhaltige Stromversorgung und machen die Energiewende auch in Zukunft zu einem attraktiven Anlagethema.

Die verfügbaren Technologien an erneuerbaren Energien zeigen auch in den kommenden Jahren weitere Kostenreduktionen. Bis 2020 werden alle Technologien Gestehungskosten unter 0,15EUR/kW erreichen und damit ihre Wettbewerbsfähigkeit weiter steigern. Die PV-Installationen werden auch dieses Jahr trotz schwierigen wirtschaftlichen Umfeldes um 9% auf 33 GW zunehmen. Neue starke Solarmärkte wie die USA, Brasilien, China, Indien und Südafrika kompensieren den Rückgang in gewissen europäischen Märkten. Bis 2016 sieht das Sustainability Research der Bank Sarasin ein globales durchschnittliches Wachstum von jährlich 17%. Damit werden in 2016 mehr als 66 GW an neuer PV-Leistung installiert. Die Windinstallationen steigen bis 2016 auf rund 68 GW an. Dies entspricht einem durchschnittlichen jährlichen Wachstum von 10%.

Mittwoch, 5. Dezember 2012

Ganze Solaranlagen erneut billiger

Die Preisspirale bei kristallinen Solarmodulen dreht sich weiter rasant abwärts. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie der US-Marktforscher IHS iSuppli. Demnach sanken die Preise für kristalline Solarmodule im Oktober in allen großen Photovoltaik-Märkten außer Kanada um 1,9 bis 3,5 Prozent. Den stärksten Preisrückgang registrierten die Forscher für die USA. Dort wurden die Module im Verlauf des Oktobers um durchscnittlich 3,5 Prozent billiger. Endkunden zahlten demnach dort noch 0,69 Dollar (0,53 Euro) pro Watt - so die Finanzplattform ecoreporter.de.
 

"Die Modulnachfrage in Europa brach im Oktober ein, hauptsächlich aufgrund der Entwicklungen in Deutschland“, sagte Glenn Gu, Photovoltaik-Chefanalyst bei IHS. Zusammen mit den schlechter werdenden Bedingungen in anderen EU-Ländern wie Griechenland und Bulgarien habe sich die Schwäche des deutschen Marktes sehr auf die Modulnachfrage und -preise in der EU und auch weltweit ausgewirkt, so Gu. 

Betrachtet man die Kosten für ganze Photovoltaiksysteme, ergibt sich ein differenzierteres Bild. Das geht aus einer weiteren Studie des Marktforschungsunternehmens Solarbuzz hervor. Diese untersuchte die Kosten für Solarsysteme in wichtigen Photovoltaikmärkten, abhängig von ihrer Größe. Ergebnis: Die Preise sind weltweit regional sehr unterschiedlich. Das in dieser Hinsicht teuerste Land sei derzeit Japan, sowohl im Hinblick auf kleine Anlagen bis 10 KW Leistung als auch bei größeren Anlagen über 100 MW. Der Studie zufolge lagen große Solarsysteme in Japan im Oktober 2012 bei umgerechnet etwa 2,67 Euro pro Watt, während Kleinanlagen bei 4,2 Euro pro Watt lagen. 

Zweitteuerstes Photovoltaikland unter den wichtigen Solarnationen (China, Deutschland, Großbritannien, Indien, Italien, Japan und USA) sind laut Solarbuzz die USA. Hier bewegen sich die Preise für komplette Solarsysteme zwischen 3,81 Euro pro Watt für kleinere Anlagen und 2,76 Euro pro Watt für Solarsysteme ab 100 KW. Deutschland ist der Untersuchung zufolge das zweitbilligste Land vor China. Für Solarsysteme hierzulande bis zu 150 KW haben die Forscher 1,33 Euro pro Watt ermittelt. In China sei bei Anlagen bis zu einem Megawatt (MW) also 1.000 KW mit knapp 1,15 bis 1,20 Euro pro Watt zu rechnen. 

Beide Studien sehen das Ende der Abwärtsspirale der Preise für Solartechnik noch nicht als erreicht an. Der weltweite Wettbewerbsdruck und anhaltende Überkapazitäten seien Hauptgründe dafür. Dies sorge andererseits dafür, dass Photovoltaik für Schwellenländer zunehmend interessanter werde, so die Studienautoren von Solarbuzz.

Quelle Text: ecoreporter.de / Bild: Guntram Rehsche

^^^ Nach oben