Mittwoch, 5. Dezember 2012

Französisches AKW immer teurer

Anfangs Woche sorgte in Frankreich eine Meldung für Aufsehen, die hierzulande bislang übergangen wurde. Das einzige Neubauprojekt für ein französisches AKW in Flamanville, das einst auch als Referenzanlage für eine neue Anlage in der Schweiz dienen sollte, verzögert sich weiter – und wird fast dreimal so teuer wie geplant.

Einst sollte das Werk in Flamanville (im Nordwesten des Atomstaates mit seinen über 50 AKW) um die drei Milliarden Euro kosten. Dann wurden es ständig mehr – und nun überrascht der Bauherr mit einer neuerlichen Verteuerung um zwei Milliarden – macht dann deren 8,5 in Euro und über 10 Milliarden Schweizer Franken. Neben der eklatanten Verspätung (ursprüngliche Inbetriebnahme: 2011 – nun verzögert bis mindestens 2016, ein Datum, das aber gemäss Mitteilung ebenfalls kaum zu halten sein wird) und dem Imageschaden für die verantwortliche EDF bedeutet die Verteuerung, dass der Strom aus Flamanville dereinst ab Werk mindestens 8, vielleicht aber auch deren 12 Eurocent kosten wird.

Was auf einen entscheidenden Aspekt in dieser leidigen Atomgeschichte hinweist: Atomstrom aus neuen AKW wird selbst ohne Berücksichtigung weiterer Kosten rein vom Bauwerk her so teuer, dass er nicht mehr mit anderen Energiequellen konkurrieren kann. Es sei denn, der Staat biete seine stützende Hand, wie das neuerdings in Grossbritannien eben doch vorgesehen ist, nachdem es früher hiess, neue AKW auf der Insel müssten ohne staatliche Unterstützung aus kommen.

Doch zurück nach Frankreich und zu den Details der neuerlichen Verteuerung: Gemäss der Zeitung «Le Figaro» wird sich der italienische Teilhaber Enel aus dem Projekt in Flamanville zurückziehen – und der französichen Staatsgesellschaft damit noch weitere finanzielle Verpflichtungen auferlegen, nämlich die Übernahme des rund 700 Millionen Euro teuren Anteils. EDF wird damit Alleinaktionär in Flamanville. Damit wird die Gesellschaft aber auch für die ständige Verteuerung allein grade stehen müssen. Der Rückzug des italienischen Energiekonzerns ist andererseits Ausdruck der Tatsache, dass in Italien nach der Volksabstimmung gegen neue AKW kaum je mehr ein Werk erstellt werden wird.

Die französischen Medien stellen unterdessen die Rentabilität neu erstellter AKW in Frage. In Flamanville wird nun ein Kostenniveau für Atomstrom von mindestens acht Eurocent je Kilowattstunde (Kwh) erreicht. Da kommt etwa Le Figaro nicht umhin darauf zu verweisen, dass das bereits teuer sei als zu Land produzierter Windstrom. Für den Eneergieexperten Lionel Taccoen gilt demgegenüber immer noch, dass zumindest die Chinesen in der Lage seien, Atomstrom billiger zu erzeugen – mit Verweis auf einen zu Flamanville baugleichen Reaktor, der nächstes Jahr mit Taishan 1 ans Netz gehen soll.

Unschwer allerdings zu erraten, warum die Atomkraft in Südostasien billiger bleibt – darauf verweist in LeMonde Bernard Laponche, der einst selbst an der Entwicklung des umfangreichen französischen Atomparks beteiligt war – diesem heute aber kritisch gegenüber steht. Er bezeichnet den Druckwasserreaktor, der in Flamanville erstmals erbaut werden soll als ein Fass ohne Boden. Mit Verweis darauf, dass beim Bau noch nicht einmal die kritischen Installationen in Angriff genommen worden seien, fordert er den sofortigen Bauabbruch. Und führt die stetig steigenden Kosten auf jene Faktoren zurück, die eben in China weniger eine Rolle spielen dürften: Nicht alle Kosten wurden in der Planung korrekt ausgewiesen, ständig neue Sicherheitsanforderungen kamen hinzu, auch gestalte sich die Grösse des Projekts als zunehmend nicht beherrschbar und komplex. Laponche verweist schliesslich darauf, dass auch in den jetzt ermittelten bereits sehr hohen Kosten noch längst nicht alle inbegriffen seien. Es fehlten jene für den Rückbau und die Lagerung der Abfälle ebenso wie jene für eine adäquate Versicherung. Gute Nacht Atomstrom auch in Frankreich!

© Solarmedia Text und Bild

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ABB baut riesige PV-Anlagen

Der schweizerische-schwedische Elektrokonzern ABB erhält Solaraufträge über 225 Mio. US- Dollar in Südafrika. Die Photovoltaik-Grossanlagen werden genug sauberen Strom für rund 36.000 Haushalte erzeugen und die CO2-Emissionen um ca. 130.000 Jahrestonnen reduzieren. 

ABB hat gemäss der Firmenmitteilung von Dienstag Aufträge in Höhe von rund 225 Millionen US-Dollar für die Lieferung von zwei schlüsselfertigen Photovoltaik-Kraftwerken erhalten, die in der nördlichen Provinz Limpopo in Südafrika gebaut werden (siehe Karte). Die Aufträge wurden von Core Energy und Erika Energy erteilt, zu deren Hauptaktionären Sun Edison zählt, ein weltweit führender Dienstleister für die Solarindustrie.

Die beiden Anlagen Witkop Solar Park und Soutpan Solar Park werden in der Nähe von Polokwane, der Hauptstadt der Provinz Limpopo, errichtet. Mit einer Erzeugungskapazität von 33 Megawatt (MW) bzw. 31 MW werden sie zu den ersten Photovoltaik-Grossanlagen zählen, die in ersten Phase des langfristigen Programms für erneuerbare Energien in Südafrika gebaut werden. Das Programm zielt darauf ab, die Umweltbelastung durch die Stromerzeugung zu reduzieren und den Energiemix des Landes breiter abzusichern. Zu diesem Zweck werden unabhängige Energieerzeuger ermutigt, die reichhaltigen Potenziale für die Nutzung erneuerbarer Energien in Südafrika zu erschliessen.


Der von den Kraftwerken erzeugte Strom wird über eine neue Hochspannungsstation in das Hochspannungsübertragungsnetz eingespeist. Die Anlagen werden zusammen 130 Gigawattstunden Elektrizität im Jahr erzeugen. Mit dieser umweltfreundlichen Energie können rund 36.000 südafrikanische Haushalte versorgt und die CO2-Emissionen um circa 130.000 Tonnen im Jahr verringert werden. Die Projekte sollen 2013 abgeschlossen werden. „Dank unserer umfangreichen Erfahrung in der Lieferung hocheffizienter Photovoltaik-Kraftwerke sowie unserer lokalen Kompetenzen und Präsenz können wir branchenführende Lösungen bereitstellen und Südafrika bei der Verwirklichung seiner Vision unterstützen, erneuerbare Energien in den Strommix zu integrieren“, sagt Brice Koch, Leiter der Division Energietechniksysteme von ABB.


Quelle: ABB

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Dienstag, 4. Dezember 2012

Erneuerbare erleichtern Klimaschutz

Für den weltweiten Klimaschutz sind Erneuerbare Energien unverzichtbar. Rund 38 Prozent der globalen Klimagasemissionen entfallen auf den Energiesektor – und die weltweiten Emissionen dieses Sektors steigen schneller als die aller anderen Industriezweige. Ein entschlossener Ausbau Erneuerbarer Energien kann diesen Trend stoppen. 

Die Investitionen in Erneuerbare Energien haben neue Rekorde erreicht, doch im Wettbewerb mit der fossil-atomaren Energiewirtschaft haben es die sauberen Alternativen zu Kohle und Uran weiterhin schwer. Ein weltweit wirksames Klimaschutzabkommen könnte den Erneuerbaren Energien weiteren Auftrieb verschaffen. Die globalen Investitionen in Erneuerbare Energie stiegen 2011 laut Angaben des vergangene Woche veröffentlichten Statusberichts von REN21 gegenüber dem Vorjahr um 17 Prozent auf den neuen Rekordwert von 257 Milliarden US-Dollar, davon 51 Milliarden US-Dollar in China, 48 Milliarden Dollar in den USA, 31 Milliarden US-Dollar in Deutschland und 29 Milliarden US-Dollar in Italien. 

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Begleitet war dieser Investitionsboom von einer starken Verbilligung einzelner Technologien wie Solarmodulen zur Stromproduktion. Die Stromerzeugung durch erneuerbare Energieträger wird in Deutschland durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) mit technologiespezifischer Einspeisevergütung und garantiertem Netzzugang als Kernbestandteilen gesichert. Die CO2-Emissionen des Stromsektors erreichten in Deutschland 2011 trotz des Ausbaus Erneuerbarer Energien noch mehr als 300 Millionen Tonnen. Zugleich sparten Erneuerbare Energien im vergangenen Jahr bundesweit rund 130 Millionen Tonnen an Treibhausgasen ein: Zum Vergleich: Deutschlandweit betrug der Ausstoß an Treibhausgasen 2011 laut Schätzungen 917 Millionen Tonnen, das entsprach rund drei Prozent der globalen Emissionen.

„Durch seine beispielhafte Förderung der Erneuerbaren Energien hat Deutschland nicht nur innerhalb der eigenen Grenzen, sondern weltweit zur Verbilligung von Photovoltaik, Windkraft und Co. beigetragen. Dadurch bestehen gute Voraussetzungen den Klimaschutz in diesem Bereich weiter voranzutreiben“, betont der Geschäftsführer der Agentur für Erneuerbare Energien (AEE), Philipp Vohrer. Neben Erneuerbaren Energien sind allerdings auch fossile Energieträger - bedingt durch neue Fördermethoden wie das Fracking - reichlich vorhanden. So ist der Ausstoß an Treibhausgasen in Deutschland zwar mit bedingt durch Erneuerbare Energien deutlich gesunken, global aber weiter gewachsen, mit den einhergehenden Gefahren für das Weltklima.

An fairen Wettbewerbsbedingungen fehlt es. Zum einen profitiert die fossil-atomare Energiewirtschaft von massiven Subventionen, die sich laut Angaben der Internationalen Energieagentur (IEA) im vergangenen Jahr auf 523 Milliarden US-Dollar summierten – während für die Erneuerbaren Energien nur 88 Milliarden US-Dollar an öffentlicher Förderung bereitgestellt wurden. Zum anderen fallen die externen Kosten der konventionellen Energieträger in Form von Umweltverschmutzung und anderer Ewigkeitslasten wie ungeklärten Endlagerproblemen unter den Tisch. „Ein globales Klimaabkommen könnte dazu beitragen, etwas mehr Wettbewerbsgerechtigkeit zwischen Erneuerbaren Energien einerseits und konventionellen Energien andererseits herzustellen,“ unterstreicht Vohrer.

Welches Potenzial Erneuerbare Energien im weltweiten Maßstab haben, hatte im vergangenen Jahr ein Sonderbericht des Weltklimarates (IPCC) aufgezeigt. In einem Szenario des Berichts (SRREN) heißt es, dass bis zur Mitte des Jahrhunderts knapp 80 Prozent des Weltenergiebedarfs aus Erneuerbaren Energien stammen könnten. Die technische Verfügbarkeit ist dabei nicht das Problem. Weniger als 2,5 Prozent des global verfügbaren technischen Potenzials müssten angezapft werden. Weltweit wie auch in den meisten Weltregionen übersteigt das technische Potenzial Erneuerbarer Energien den tatsächlichen Energiebedarf bei weitem, wie der IPCC betont.

Notwendig für den forcierten Ausbau Erneuerbarer Energien sind aber funktionierende Fördermechanismen. Nicht nur in Deutschland, sondern auch in anderen Ländern sind die Zunahmen bei der Nutzung Erneuerbarer Energien durch verstärkte politische Anstrengungen zustande gekommen. Die schädlichen Folgen von politischer Unsicherheit spiegeln sich dagegen in der jüngsten Zurückhaltung bei Investitionen im ersten Halbjahr 2012 wider - weniger in Deutschland, sondern vielmehr in anderen Staaten. „Ein Doha-Nachfolgeabkommen kann als internationaler Rahmen dienen, der dringend notwendige Investitionen in Erneuerbare Energien weiter vorantreibt“, unterstreicht Vohrer.


Quelle: Agentur für Erneuerbare Energien Deutschland

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So sind Effizienzziele zu erreichen

Die Schweizer Elektrizitätsversorgungsunternehmen (EVU) sollen aktiv zur Steigerung der Energieeffizienz beitragen. Das erste Massnahmenpaket zur Umsetzung der Energiestrategie 2050, das noch bis Ende Januar 2013 in der Vernehmlassung ist, sieht ein Effizienzmodell für Stromverteiler vor. Grundlage dafür bildet unter anderem eine Studie der Beratungsgesellschaft Ecofys, die das BFE heute veröffentlicht hat.

Verpflichtende Energieeinsparquoten zur Förderung von Energie- und Stromeffizienz werden seit einigen Jahren in verschiedenen Mitgliedsländern der Europäischen Union erfolgreich angewendet. Dänemark, Frankreich, Grossbritannien, Italien sowie der flämische Teil von Belgien haben ihre Energieversorger verpflichtet, jährlich eine bestimmte Menge Energie einzusparen. Ziel dieser Massnahmen ist es, die Energieunternehmen aktiv in die Förderung von Energieeffizienz einzubinden. Die Unternehmen sind durch ihre enge Beziehung zum Endkunden besonders gut positioniert, energieeffiziente Produkte, Dienstleistungen und Finanzierungsmodelle anzubieten und so ihre Geschäftsmodelle durch Effizienzdienstleistungen zu ergänzen. In einigen Staaten können die verpflichteten Energieunternehmen die so erzielten Einsparungen mit „Weissen Zertifikaten" zertifizieren lassen und mit diesen Handel betreiben (z.B. Italien).

Die Ecofys Studie beschreibt die Effizienzmodelle der erwähnten Länder, die sich in ihrer Ausgestaltung teils erheblich unterscheiden. Die Modelle haben beispielsweise in Frankreich dazu geführt, dass die verpflichteten Unternehmen neue Geschäftsmodelle entwickelt und sich am Energiedienstleistungsmarkt teilweise über Partnerschaften mit Einzelhändlern, Installateuren, Herstellern und Banken positioniert haben. Auch in Italien und Dänemark haben sich Energiedienstleistungsmärkte entwickelt. Händler etablieren Nischenmärkte für z.B. Einsparmassnahmen in öffentlichen Gebäuden, Klimapartnerschaften, und Contractingprojekte. Anhand der Beispiele aus der Praxis vergleicht und bewertet die Ecofys Studie drei mögliche Effizienzmodelle für die Schweiz. 

Die Autoren kommen zum Schluss, dass das Modell der verpflichtenden Effizienzziele mit weissen Zertifikaten die meisten Vorteile bietet. Es ist kompatibel mit einem teilregulierten und mit einem vollliberalisierten Strommarkt sowie mit der heterogenen Elektrizitätslandschaft der Schweiz (grosse Zahl sehr kleiner Stromversorger). Das Modell ist nahe am Markt und verursacht den vergleichsweise geringsten Eingriff in die Preissetzung der verpflichteten Unternehmen. Durch einen breiten Einsatz von Standardmassnahmen können die Transaktionskosten relativ gering gehalten werden.

Quelle: BfE - http://www.bfe.admin.ch

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Montag, 3. Dezember 2012

Klimaschutz: Schweiz auf Rang «7»

Die deutsche Umweltorganisation Germanwatch hat ihren Klimaschutz-Index veröffentlicht. Während die ersten drei Ränge gar nicht erst vergeben werden, da kein Land eine solche Rangierung verdient, folgt Dänemark an 4. Stelle als bestklassiertes Land. Platz 7 (resp. viertbestes Land) ist sodann die Schweiz, dicht gefolgt von Deutschland - welches als beste Klimaschutznation der grossen Treibhausgasemittenten gilt. Fortschritte macht insbesondere China.

Es ist eine symbolische Geste: Wenn die Umweltschutzorganisation Germanwatch einmal jährlich ihren Klimaschutz-Index veröffentlicht, bleiben die ersten drei Plätze traditionell frei. Die Rangliste zeigt, wie sehr sich die Staaten der Welt beim Klimaschutz ins Zeug legen. Und weil nach Ansicht der Öko-Aktivisten kein Staat der Welt genug gegen die Erderwärmung tut, sind die Medaillenränge auch dieses Jahr unbesetzt. 


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Am Montag hat die Organisation das aktuelle Ranking auf dem Klimagipfel in Doha vorgestellt. "In manchen Ländern gibt es positive Ansätze, bei den großen Emittenten passiert aber zu wenig", fasst Jan Burck von Germanwatch die Ergebnisse im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE zusammen. Auf den vorderen Rängen liegen mit Dänemark (Platz vier) und Schweden (Platz fünf) zwei alte Bekannte. Doch schon der nächste Staat auf der Liste überrascht auf den ersten Blick: Portugal hat sich im Ranking weit nach vorn geschoben, auf Platz sechs - und dann eben die Schweiz.

Portugals gute Rangierung liegt zum einen an der Wirtschafts- und Finanzkrise, die auch in anderen Problemländern wie Spanien, Italien, Irland und Griechenland zu einem Rückgang der Industrieproduktion - und damit auch der Emissionen - führte. Doch im Fall von Portugal lobt die Organisation zum anderen, dass die Regierung auch in schwierigen Zeiten an ihren Klimaschutz-Bemühungen festgehalten habe. 
Drastische Kritik unter den europäischen Ländern müssen sich dagegen die Niederlande (Platz 49) und Polen (Platz 44) gefallen lassen. Die Haltung Polens gilt auf dem Gipfel in Doha auch als entscheidender Grund dafür, dass die Europäische Union ihr CO2-Reduktionsziel bis zum Jahr 2020 nicht von 20 auf 30 Prozent anhebt - denn knapp 20 Prozent hat die Gemeinschaft schon jetzt erreicht. Deutschland ist im aktuellen Ranking um zwei Plätze abgerutscht und nun auf Platz acht zu finden. "Weltweit funktioniert Umweltschutz nur noch über den Ausbau an erneuerbaren Energien", sagte Umweltminister Peter Altmaier noch am Wochenende in einem Gastkommentar in der "Bild am Sonntag". Doch genau daran hakt es in der Praxis. Die deutsche Energiewende ist ins Stocken gekommen - auch durch Zankereien in der schwarz-gelben Koalition: "Die Regierung blockiert sich gegenseitig", klagt Jan Burck. Punktabzug gibt es für Deutschland auch bei der Energieeffizienz: "Da ist noch viel Luft nach oben." 

Im Detail werden für den Index folgende Bereiche ausgewertet:
  • Höhe der Emissionen (30% der Gesamtnote)
  • Entwicklung der Emissionen (30%)
  • Erneuerbare Energien (10%)
  • Energieeffizienz (10%)
  • Klimapolitik (20%)
Zu den positiven Überraschungen zählt Mexiko, das sich auf Rang 14 wiederfindet. Der große Gewinner sind in diesem Jahr allerdings die USA. Zwar liegen sie auf Platz 43 noch immer im hinteren Drittel der Liste, haben aber einen Sprung nach vorne gemacht, weil die CO2-Emissionen des Landes merklich gesunken sind. Das hat neben der Krise vor allem mit dem Erdgas aus unkonventionellen Quellen zu tun, das die amerikanischen Märkte seit einiger Zeit flutet. Weil durch den Gasboom die Energieerzeugung aus noch klimaschädlicherer Kohle zurückgegangen ist, haben sich die Emissionen bei der Verbrennung verbessert. Allerdings fehlen in den Statistiken die Klimagase, die direkt am Bohrloch anfallen - und diese Mengen können beträchtlich sein. Die Bewertung der USA ist also mit einiger Vorsicht zu genießen. Dennoch loben die Umweltschützer das Land ein wenig: "Die Lage ist nicht mehr ganz so schlecht wie unter der Bush-Regierung", heißt es, nicht zuletzt wegen massiver Investitionen von Bundesstaaten wie Kalifornien in erneuerbare Energien.

Auch im Fall von China (Platz 54) sieht man bei Germanwatch zumindest "einige Lichtblicke" - obwohl der Treibhausgas-Ausstoß des Landes von Rekord zu Rekord klettert. "Das Land steht am Scheideweg", sagt Burck. So habe es bei der Energieeffizienz immerhin leichte Verbesserungen gegeben. Die massiven chinesischen Investitionen in klimafreundliche Energietechnik spiegelten sich jedoch noch nicht in den Daten zum CO2-Ausstoß wieder.

Die letzten Plätze auf der Rangliste belegen Kanada (Platz 58), Kasachstan (Platz 59), Iran (Platz 60) und Saudi-Arabien (Platz 61). Die Länder sind für die Umweltschützer alte Bekannte, denn sie sind von ihren Ressourcenexporten abhängig und haben bisher wenig bis gar kein Interesse am Klimaschutz gezeigt. Immerhin hat Saudi-Arabien aber eine Investitionsstrategie für Erneuerbare Energien angekündigt. Gipfelgastgeber Katar taucht in der Liste wegen "methodischer Schwierigkeiten" nicht auf, hätte aber wegen der höchsten CO2-Pro-Kopf-Emissionen der Welt kaum Chancen auf vordere Plätze.

Insgesamt ist das Urteil der Umweltschützer klar: Kein Land der Welt tut genug, um einen gefährlichen Klimawandel zu verhindern. Umweltminister Altmaier sieht das offenbar auch so: "Es fehlt allerorten an politischem Willen und an öffentlicher Unterstützung", klagte er in seinem Kommentar. Was das bedeutet, haben die Forscher des Global Carbon Project gerade im Fachjournal "Nature Climate Change" vorgerechnet: Allein zwischen 1990 und 2011 ist der globale CO2-Ausstoß demnach um 54 Prozent gestiegen. Mit dem für 2012 prognostizierten weiteren Plus ergibt sich sogar ein Zuwachs um insgesamt 58 Prozent. Bis zum Ende dieses Jahrhunderts könnte das zu einem Anstieg der Durchschnittstemperaturen um bis zu fünf Grad führen, warnen die Forscher. Corinne Le Quéré vom britischen Tyndall Centre for Climate Change ist eine der Autorinnen der Studie. Sie klagt: "Angesichts der steigenden Emissionen könnte man meinen, dass niemand auf die gesamte Gemeinschaft der Wissenschaftler hört."

Quelle: Spiegel 3. Dezember 2012

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Samstag, 1. Dezember 2012

Batteriebetrieb konkret gerechnet

Strom aus der Steckdose wird immer teurer. Deshalb machen Eigenversorger mit Solaranlagen und Kellerspeichern inzwischen ein gutes Geschäft. Das neue Green-Portal der deutschen Wirtschaftswoche (siehe auch Screenshot) stellt eine konkrete Rechnung mit Akkus für Solarstrom an. Wenn auch die Preise in der Schweiz differieren, zeigt das Ganze, wie gerechnet werden muss. 


Es war lange Jahre der Traum vieler Besitzer einer Fotovoltaikanlage: Ihren Strom nicht nur ins Netz einzuspeisen, sondern ihn zu 100 Prozent selbst zu verbrauchen. Bisher fehlten aber die dafür nötigen Batterien, um den Strom für wolkige Tage oder die Nacht zu speichern. Das ändert sich jetzt, denn immer mehr Unternehmen wie der Energieversorger RWE (siehe Solarmedia vom 26. November 2012) bringen Keller-Akkus auf den Markt.

Hinzu kommt, dass es sich zunehmend auch finanziell lohnt, den Strom vollständig selbst zu nutzen. Denn die Einspeisevergütung für Fotovoltaikanlagen ist inzwischen unter 20 Cent pro Kilowattstunde gesunken. Und es geht weiter abwärts. Gleichzeitig kostet der Strom aus der Steckdose in manchen Regionen mittlerweile schon mehr als 25 Cent. Hier steigen die Preise. Je breiter diese Schere wird, je attraktiver der Eigenverbrauch. Bisher war es aber so, dass Solaranlagenbesitzer bei geschicktem Timing nur auf eine Eigennutzung von 30 Prozent kamen. Waschmaschinen und regelbare Kühl- und Gefrierschränke liefen dann, wenn die Sonne schien.

Akkus, die Strom speichern, können diesen Anteil erheblich erhöhen. Die Batterien nehmen den Strom vom Dach auf, wenn er nicht sofort verbraucht wird und geben ihn bei Bedarf wieder ab. Bisher scheiterten Solaranlagenbesitzer an den hohen Kosten für solche Systeme. Doch jetzt könnte eine Abwärtsspirale in Gang kommen. RWE gab erst kürzlich bekannt, ab 2013 in das Solarspeichergeschäft einzusteigen. HomePower solar heißt das RWE-System, das zugleich Managementfunktionen übernimmt. Außer als Stromspeicher fungiert es als Mittler zwischen den Solarzellen auf dem eigenen Dach, den Geräten im Haushalt und dem öffentlichen Stromnetz, das den Restbedarf beisteuert. Der Eigenverbrauch lässt sich durch ein solches System auf mindestens 70 % hochschrauben. 

Der kleinste Speicher im Angebot, der rund sechs Kilowattstunden aufnehmen kann, kostet 15500 Euro. Dazu kommen noch die Kosten für den Einbau und die der Solarzellen, die mit gut 1000 Euro pro Kilowatt peak – das bedeutet, sie erzeugen bei maximaler Sonneneinstrahlung pro Stunde eine Kilowattstunde Strom – veranschlagt werden müssen. Trotzdem soll sich die Anschaffung der Kellerbatterie lohnen. „Sie amortisieren sich innerhalb ihrer Lebensdauer“, verspricht RWE. Die liegt bei 20 Jahren.

Das ist die Rechnung, die dahinter steht: Ein durchschnittlicher Vier-Personen-Haushalt zahlt bei einem Verbrauch von 5000 Kilowattstunden bei einem angenommen Preis von 25 Cent pro Kilowattstunde pro Jahr 1250 Euro für Strom aus dem Netz. Setzt man einen Stromspeicher ein, sinken die Kosten bei Berücksichtigung der Einspeisevergütung und der Einsparung durch selbst erzeugten Strom von 1250 auf knapp 100 Euro pro Jahr. Damit lässt sich tatsächlich eine Amortisationszeit von etwa 20 Jahren erreichen. Wahrscheinlich geht es sogar schneller. Denn der Strompreis steigt stetig an, im kommenden Jahr allein wegen der Abgaben nach dem Erneuerbare Energien Gesetz um rund zwei Cent pro Kilowattstunde. Und manche Versorger, so klagt Bundesumweltminister Peter Altmaier, satteln noch ein bisschen drauf.

Außer Neueinsteiger RWE bieten unter anderem Aleo Solar in Oldenburg, Conergy Deutschland und Solarworld in Bonn Solarstromspeicher an. Die Bonner setzen allerdings Bleiakkus ein, die nur zur Hälfte entladen werden dürfen. Deren System, das Solarzellen mit 6,5 Kilowatt peak und einen Akku mit einer Kapazität von 6,9 Kilowattstunden umfasst, ist mit einem Startpreis von knapp 20000 Euro insgesamt günstiger als das von RWE. Andererseits: Geräte, die Drehstrom brauchen, im wesentlichen also Durchlauferhitzer, Elektroherd und Backofen, können die meisten Solarstromspeicher nicht versorgen. Eine Ausnahme ist das RWE-System.

Verbraucher können sich darauf freuen, dass die Preise für große Heimakkus in den kommenden Jahren sinken, weil Hersteller sie in größeren Stückzahlen fertigen. Denn außer für Solaranlagen werden sie auch für Elektroautos benötigt, deren Boom tatsächlich noch kommen könnte. Spätestens dann lohnt es sich wirklich, Solarzellen für den Eigenverbrauch aufs Dach zu schrauben, zumal deren Preis in den vergangenen Jahren dramatisch gesunken ist. Solarzellen mit einer Leistung von einem Kilowatt peak kosten heute zwischen 1000 und 2000 Euro. Vor zehn Jahren waren es noch 15000 Euro.

Quelle: Wirtschaftswoche Green

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