Mittwoch, 17. Februar 2016

Die USA werden zum Sonnenstaat

Es war ein geschüttelt Mass an Auf und Ab, welches die US-amerikanische Photovoltaik-Industrie im letzten Jahrzehnt durchlaufen hat. Aber plötzlich lichtet sich der Nebel über der amerikanischen Solarbranche. Den Durchbruch gebracht hat unter anderem die Verlängerung des 30prozentigen Steuerkredits für Solarinvestitionen, die Präsident Obama (siehe Bild) noch Ende 2015 durchs Parlament peitschte  - sowie die unterdessen erreichte Kostengünstigkeit des Solarstroms. 

Nun befinden sich die USA auf einmal unter den wichtigsten Produzenten von Sonnenstrom. China ist enteilt mit einem jährlichen Zubau von rund 20 Gigawatt, definitive Zahlen für 2015 stehen noch aus. Dahinter folgen bereits die USA und Japan, welches seit der Atomkatastrophe von Fukushima still und leise an alte Erfolge im Ausbau der Sonnenenergie angeknüpft hat. Während in Japan vor allem kleinere Dach- und bestenfalls mittelgrosse Freiflächenanlagen zum PV-Boom beitragen, waren es in den USA lange Zeit vor allem die ganz grossen. Nicht überraschend finden sich so in der Liste der weltgrössten Anlagen sieben der zehn grössten in Nordamerika (siehe Wikipedia). 

Der US-Boom gründet nicht mehr nur auf gigantischen Grossprojekten. Die schon erwähnte Fortführung der Steuerkredite hat mit der Zeit auch zum Bau unzähliger kleinerer PV-Anlagen auf Einfamilienhäusern geführt. Hier hatte der sonst schon viel gerühmte Starunternehmer Elon Musk seine Finger im Spiel, der nicht nur Inititant des Tesla-E-Autos und der Powerwall-Speicher-Batterien ist. Sondern Musk gehört zu den wichtigsten Finançiers des Unternehmens SolarCity. Dieses errichtete zehntausende der PV-Kleinanlagen von Einzelhaushalten und gilt als Star an der US-Aktienbörse (mit einem aktuellen Einbruch nach plus 80 Prozent im letzten Jahr). SolarCity ist unter den Anlage-Erbauern speziell, weil das Unternehmen einer Art Leasing-Finanzierung zum Durchbruch verholfen hat – in dieser Art bislang weltweit einmalig im Solar- und Energiebereich. 

Das führende Energieportal der USA (renewableenergyworld.com) kommt in einer aktuellen Analyse zum Schluss, der Anteil erneuerbarer Energien am Gesamtstromverbrauch werde im Jahr 2040 in den USA bereits 24 Prozent betragen. Das ist angesichts der aktuellen vier Prozent und auch angesichts der politischen und ökonomischen Voraussetzungen der Weltmacht zweifellos ein riesiger Schritt. Auf dem Weg dorthin machen die Investitionen in erneuerbare Energien in den USA unterdessen rund zwei Drittel aller Energieinvestitionen aus (siehe dazu ebenfalls Renewableenergyworld). Der Anteil des Solarstroms am Gesamtstromverbrauch der USA liegt unterdessen bei rund 1,5 Prozent (gegenüber 6,3 Prozent Windstrom). 

Nicht überraschen können die Gründe für den eingesetzten Aufschwung, der neben der Sonnen- auch die Windenergie betrifft (allerdings in anderen Bundesstaaten wie etwa Texas). Neben Präsident Obamas Energiepolitik ist es vor allem die Abwärtsentwicklung bei den Kosten für Solaranlagen, die quasi Flügel verleihen. So rechnet das schon erwähnte Energieportal mit bereits erreichten und subventionsfreien Kilowatt-Erzeuger-Preisen von drei bis sechs US Cents – entsprechend drei bis sechs Rappen pro Kilowattstunde. Diese geradezu sensationell tiefen Preise, die Solar- und Windstrom sogar gegenüber Gas- und Kohlestrom günstig aussehen lassen (nicht zu sprechen vom Strom aus neuen Atommeilern), sind auch den in einigen US-Bundesstaaten paradiesisch anmutenden Einstrahlungswerten der Sonne zu verdanken (Kalifornien, Arizona und südlichere Staaten an der Ostküste weisen bis doppelt so hohe Werte wie gute europäische Lagen auf). Vor allem aber hat die Modul- und allgemeine Anlagenverbilligung unterdessen auch in den USA durchgeschlagen. 

Fazit der Entwicklung in den USA: Solarstrom hat in etwa 20 Bundesstaaten die so genannte Netzparität erreicht (oder ist deutlich billiger als der aus der Steckdose bezogene Haushaltstrom – siehe dazu auch die Meldung von solarserver.de). Barack Obama wird als Präsident in die Geschichte eingehen, der dem Solarstrom in den USA zum Durchbruch verhalf – was aufgrund der Gegebenheiten nicht unbedingt zu erwarten war.

© Solarmedia Guntram Rehsche

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