Mittwoch, 5. Februar 2020

Dank Erneuerbaren CO2-Ausstoss deutlich runter

Der Stromsektor der Europäischen Union EU emittierte im vergangenen Jahr zwölf Prozent weniger CO2 als 2018. Der Anteil Erneuerbarer Energien an der Stromproduktion stieg EU-weit auf einen Rekordwert von 35 Prozent. Das zeigt eine Analyse von aktuellen Stromdaten durch Agora Energiewende und Sandbag.


Die Treibhausgasemissionen der Kraftwerke in der Europäischen Union sind im vergangenen Jahr so stark zurückgegangen wie nie zuvor seit 1990. Sie sanken um 120 Millionen Tonnen CO2 im Vergleich zu 2018, das entspricht einem Rückgang um 12 Prozent. Der Grund dafür ist ein Einbruch der Stromerzeugung von Stein- und Braunkohlekraftwerken: Sie verminderte sich EU-weit um beinahe ein Viertel und erreichte ein Rekordtief. Dazu kam es, weil der Preis für den Ausstoß von Treibhaugasen im Jahr 2019 auf rund 25 Euro je Tonne CO2 stieg, wodurch CO2-intensiver Kohlestrom teurer als Strom aus Erdgas, Atomstrom und Erneuerbaren Energien wurde. Der wegfallende Kohlestrom wurde je zur Hälfte durch Strom aus Gaskraftwerken und Strom aus Erneuerbaren Energien ersetzt. Der Anteil der Erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung wuchs EU-weit im Jahr 2019 auf 34,6 Prozent, er lag damit um 1,8 Prozentpunkte höher als im Jahr 2018. Windkraft- und Solarstromanlagen lieferten damit erstmals mehr Strom als Kohlekraftwerke. Das zeigt der Jahresrückblick 2019 auf das EU-Stromsystem, den Agora Energiewende jetzt gemeinsam mit dem britischen Think Tank Sandbag vorgestellt hat.
 
Zu beobachten war der Rückgang der Kohleverstromung in allen EU-Ländern, in denen Kohlekraftwerke betrieben werden. Insgesamt sank die Menge an Kohlestrom um 24 Prozent beziehungsweise 150 Terawattstunden. Dabei brach die Stromerzeugung von Steinkohlekraftwerken im Vergleich zu 2018 europaweit um 32 Prozent ein, die Braunkohleverstromung nahm um 16 Prozent ab. Auf Deutschland, Spanien, die Niederlande, das Vereinigte Königreich und Italien zusammen entfielen zusammen 80 Prozent des Rückgangs in der Steinkohleverstromung. Bei der Braunkohle sind fast zwei Drittel des Rückgangs allein auf Deutschland und Polen zurückzuführen. Kernkraftwerke verzeichneten einen leichten Rückgang um 1 Prozent. Gaskraftwerke waren die einzigen konventionellen Stromerzeuger, bei denen die Stromproduktion anstieg und zwar um 12 Prozent. „Europa legt weltweit eine einzigartige Geschwindigkeit bei der Ablösung von Kohlestrom durch Wind- und Solarenergie an den Tag. Das hat dazu geführt, dass die CO2-Emissionen des Stromsektors im letzten Jahr so schnell wie nie zuvor gesunken sind", sagt Dave Jones, Analyst für den europäischen Stromsektor bei Sandbag.

Die Stromproduktion von Windkraft- und Solaranlagen wuchs um 64 Terawattstunden gegenüber 2018 und übertraf mit insgesamt 569 Terawattstunden erstmals die Mengen an Kohlestrom um gut 100 Terawattstunden. Auch aufgrund eines guten Windjahres lieferten Windkraftanlagen 14 Prozent mehr Strom als im Vorjahr. Die Solarstromproduktion nahm um 7 Prozent zu. Infolgedessen stieg der Anteil von Solar- und Windstrom am Strommix in allen EU-Mitgliedsstaaten mit Ausnahme von Tschechien. Die Stromerzeugung aus Wasserkraft ging hingegen aufgrund von anhaltender Trockenheit um gut sechs Prozent zurück. Die Trockenheit machte besonders im Juli auch Kernkraftwerken zu schaffen, die ihre Kühlung über Flusswasser bewerkstelligen. Niedrigere Flusspegel behinderten gleichzeitig die Kohlelieferungen an Kraftwerke auf dem Wasserweg.

Bei der Windkraft kamen EU-weit Anlagen mit einer Leistung von 16,8 Gigawatt hinzu – der Zubau gegenüber 2018 wuchs damit um 5,1 Gigawatt. Bei der Photovoltaik war sogar eine Verdoppelung des Zubaus von 8,2 Gigawatt im Jahr 2018 auf 16,7 Gigawatt im vergangenen Jahr zu verzeichnen. „Trotz der positiven Entwicklung muss das Zubautempo noch weiter beschleunigt werden“, sagt Matthias Buck, Leiter Europäische Energiepolitik bei Agora Energiewende.  Denn bis 2030 soll ein knapp ein Drittel der Gesamtenergie in der EU aus Erneuerbaren Energien stammen, hierfür ist ein Wachstum von 97 Terawattstunden Strom jährlich bis 2030 nötig – also 33 Terawattstunden mehr als 2019.
 
„Den Rückgang der Treibhausgasemissionen in der EU im vergangenen Jahr verdanken wir größtenteils dem CO2-Preis, der 2019 wieder ein Niveau erreicht hat, bei dem die klimaschädlichen Energieträger vom Markt verdrängt werden“, sagt Buck. „Damit wir dauerhaft Klimaschutz sehen, ist es wichtig, dass der Preis für CO2 das aktuelle Niveau mindestens hält.“ Über den Zertifikatshandel legt die EU die Menge an Treibhausgasemissionen fest, die in der Energie- und Industriewirtschaft sowie im innereuropäischen Flugverkehr ausgestoßen werden dürfen. Allerdings werden aktuell etwa 300 Millionen Zertifikate pro Jahr mehr ausgegeben, als verbraucht. „Damit der Emissionshandels weiterhin zum Klimaschutz beiträgt und Investitionssignale für Erneuerbare Energien sendet, sollte die EU die Menge der jährlich ausgegebenen Zertifikate stärker als bislang vorgesehen verringern. Das sollte ein Kernelement der Debatte um eine Erhöhung der europäischen Klimaschutzziele für 2030 werden“, sagt Buck.
 
Die Länder mit dem ambitioniertesten Zubau von Windkraft- und Solaranlagen verzeichneten den stärksten Abfall der Börsenstrompreise – allen voran das Vereinigte Königreich, Irland und Spanien. „Bei der Entwicklung der Börsenstrompreise sehen wir, dass die Länder, die Erneuerbare Energien ausbauen, unabhängiger von Importen, fossilen Rohstoffpreisen und natürlich dem CO2-Preis sind“, sagt Buck.

Für 2020 halten Agora Energiewende und Sandbag eine weiterhin positive Entwicklung für möglich. „Der Abwärtstrend beim Kohlestrom wird anhalten. 21 europäische Mitgliedstaaten und das Vereinigte Königreich haben inzwischen Kohleausstiegspläne verabschiedet oder aber gar keine Kohlekraftwerke im inländischen Strommix, in zwei weiteren Ländern wird der Kohleausstieg diskutiert. Gesellschaftliche Forderungen nach schnelleren Fortschritten beim Klimaschutz haben das Jahr 2019 geprägt, dieses Jahr wird Europa seine Klimaschutzziele für 2030 erhöhen“, sagt Buck. „Zeitgleich sinken die Preise für Erneuerbare Energien immer weiter und bei richtiger Rahmensetzung wird der CO2-Preis weiterhin auf einem substantiellen Niveau bleiben. Das postfossile Zeitalter kommt also, darauf müssen die sich EU-Mitgliedstaaten jetzt einstellen.“

„Europa hat die wichtige Aufgabe weltweit ein Vorbild zu werden, wie der Abschied von Kohle schnell und vollständig realisiert werden kann. Für einen vollständigen europäischen Kohleausstieg fehlen noch die Ausstiegspläne der Braunkohleländer Polen, Tschechien, Rumänien und Bulgarien. Braunkohlekraftwerke sind inzwischen vom Vermögenswert zur Belastung geworden, seitdem die niedrigeren Strompreise und die höheren CO2-Preise im Jahr 2019 ihre Wirtschaftlichkeit zunichte gemacht haben“, sagt Dave Jones von Sandbag.

Die Studie „The European Power Sector in 2019” steht unter www.agora-energiewende.de/en zum Download bereit. Sie umfasst 48 Seiten und enthält zahlreiche Grafiken und Tabellen. Die Grafiken stehen zur freien Verwendung in verschiedenen Dateiformaten und www.agora-energiewende.de/en zur Verfügung.

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Montag, 3. Februar 2020

Jetzt ist es amtlich: Energiestrategie ist bis 2050 umsetzbar !

Seit 2013 haben Forschende von verschiedenen Hochschulen im Rahmen zweier Nationaler Forschungsprogramme wissenschaftliche Grundlagen im Hinblick auf die Umsetzung der Energiestrategie 2050 erarbeitet. Nun sind das NFP 70 «Energiewende» und das NFP 71 «Steuerung des Energieverbrauchs» abgeschlossen. Aus über 100 Projekten liegen die Resultate vor. Rolf Schmitz, Leiter Energieforschung beim Bundesamt für Energie erklärt, welche Erkenntnisse daraus zentral sind.
  • Rolf Schmitz, welches sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten Erkenntnisse aus den beiden Nationalen Forschungsprogrammen 70 und 71?
    Jedes der abgeschlossenen Projekte trägt seinen Teil zur Zielerreichung der Energiestrategie bei. Zentral ist für mich aber die Erkenntnis, dass die Energiestrategie bis 2050 umsetzbar ist, und das sowohl in wirtschaftlicher Hinsicht, als auch sozialverträglich. Nun stehen wir vor der Herausforderung, das generierte Wissen weiterzutragen und umzusetzen. Letztlich sollen ja Kilowattstunden eingespart oder zusätzlich erneuerbar produziert werden. Aus meiner Sicht ist es darum ermutigend, dass bei einer Umfrage im Rahmen des NFP 71, an welcher sich 61 der 120 Praxispartner beteiligt haben, 30 den Wissensgewinn als wichtigen Output der Zusammenarbeit mit den Hochschulen sehen. Aber auch die Entwicklung von Produkten, Modellen und Verfahren wurde 15 Mal als spezifischer Nutzen aufgeführt. Für rund einen Viertel ist zudem der Kontakt zu den Wissenschaftlern ausschlaggebend. Das ist ja dann der Nährboden für weitere Zusammenarbeiten.
  • Andreas Balthasar, Verantwortlicher des NFP71, erklärte gegenüber den Medien, die Energiewende sei primär eine gesellschaftliche Herausforderung. Es gehe darum, die Akzeptanz zu erhöhen, wofür Wissensdefizite abgebaut werden müssten. Was muss nun geschehen, damit die vielen Erkenntnisse aus den NFPs die gewünschten Adressaten erreichen?
    Technisch ist heute bereits vieles machbar, die dazu nötigen Technologien sind vorhanden. Die Umsetzung stösst aber verschiedentlich an die unterschiedlichsten Grenzen. So glauben immer noch rund 20 Prozent der Bevölkerung, dass der Klimawandel nicht stattfindet. Es braucht daher weiterhin eine neutrale Wissensvermittlung, die zielgruppengerecht aufbereitet werden muss. Eine der Empfehlungen der NFP adressiert genau diese Problematik. Eine andere Empfehlung zeigt in die gleiche Richtung: Die Bevölkerung soll bei Infrastrukturprojekten früh aktiv einbezogen werden. So lässt sich beispielsweise die Akzeptanz für den Ausbau der erneuerbaren Energie deutlich erhöhen.
    Andere Hemmnisse betreffen die Gesetzgebung. Mit einer gezielten und effektiven Regulierung kann die Energieeffizienz gefördert und der Ausbau erneuerbarer Energie stark vorangetrieben werden. Aber auch schnellere Bewilligungsverfahren oder geeignete Finanzierungsmodelle können diese Entwicklung beschleunigen. Viele Projekte scheitern aber letztlich an unserem Verhalten. Interessant diesbezüglich ist das Projekt «Energiesparpotenziale in Haushalten von älteren Menschen», das in Zusammenarbeit mit dem Hauseigentümerverband durchgeführt wurde. Bei Seniorinnen und Senioren haben sich die bisherigen finanziellen Anreize für die Umsetzung von energetischen Sanierungen als unzureichend erwiesen. Die Studie empfiehlt unter anderem, neben neuen, innovativen Anpassungen der Rahmenbedingungen für die Finanzierung von Sanierungsmassnahmen auch wertorientierte Ansätze anzusprechen. So kann beispielsweise der Umzug in eine moderne, altersgerechte Wohnung dem Wunsch entgegenkommen, so lange wie möglich selbstständig zu wohnen. Dieser Schritt kann zudem eine «Befreiung» von einem Zuviel an Dingen bedeuten.
  • Welche Rolle kann das Bundesamt für Energie (BFE) beim Wissenstransfer spielen?
    Gerade bei der neutralen Wissensvermittlung kommt dem BFE eine wichtige Rolle zu und es nimmt diese unter anderem im Rahmen des Programms EnergieSchweiz auch wahr. Ich bin zuversichtlich, dass die gewonnenen Erkenntnisse rasch in das grosse Informations-, Beratungs- und Bildungsangebot von EnergieSchweiz einfliessen werden. Im Übrigen hat das BFE den Ball schon frühzeitig aufgenommen: am 30. Januar hat an der Universität Basel bereits die vierte Jahresveranstaltung stattgefunden, die wir zusammen mit unserem eigenen Forschungsprogramm zur Sozio-Ökonomie, dem Energieforschungsprogramm der Stadt Zürich und dem NFP 71 durchführen.
  • Die NFPs 70 und 71 sind abgeschlossen. Braucht es eine Fortsetzung?
    Die beiden NFP sind nun abgeschlossen und auch die Swiss Competence Centers in Energy Research (SCCER) laufen Ende Jahr aus. Damit fallen zwei wichtige Förderinstrumente des Bundes weg. Das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) und das BFE haben daher bereits 2018 der Eidgenössischen Energieforschungskommission CORE den Auftrag erteilt, die Gültigkeit des Aktionsplans für eine koordinierte Energieforschung Schweiz, der den SCCER zugrunde liegt, zu prüfen. Die CORE kommt zum Schluss, dass auch nach 2020 wesentliche Forschungsanstrengungen nötig sein werden, um die Zielsetzungen der Energiestrategie 2050 zu erreichen. Sie empfiehlt, ein flexibles Förderinstrument mit langfristiger Forschungsförderung zu etablieren, das periodisch inter- und transdisziplinäre thematische Ausschreibungen durchführt. Dieses Förderinstrument soll langfristige Forschungsförderung über flexible Konsortialprojekte ermöglichen.
Das BFE hat mit SWEET, – Swiss Energy research for the Energy Transition – ein solches Förderinstrument entwickelt und plant, dieses auf Anfang 2021 umzusetzen. Damit können die über die SCCER aufgebauten Kapazitäten für die Energiestrategie genutzt und die aus den NFP gewonnen Erkenntnisse weiterverwendet werden.

Interview: Sabine Hirsbrunner, Kommunikation BFE

Quelle: energeiaplus.com

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Sonntag, 2. Februar 2020

Schau mal bei Twitter vorbei - es lohnt!

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Kurz und prägnant informiert über Twitter - dort ist auch Solarmedia aktiv! Einfach auf den Twitter-Button der Solarmedia-Site drücken (Spalte links oben) oder direkt hier: www.twitter.com/rehsche. Wer allerdings ganz allgemein twittern möchte, geht zur Einstiegssite www.twitter.com und meldet sich dort an (kostenfrei und ohne weitere Verpflichtungen). Unter #es2050 spielt sich eine dauerhaft heftige Auseinandersetzung zwischen Befürwortern und Gegnern der Energiestrategie 2050 ab. Dort kann man seine Favoriten kennzeichnen und diesen zu mehr Publizität verhelfen. Und immer ist diese Solarmedia-Site präsent mit neuesten Meldungen aus der Solarbranche!

© Text und Bild: GuntramRehsche / Solarmedia

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Freitag, 31. Januar 2020

Geldsparen mit Sektorenkoppelung



Der Video rechnet vor, wie mit einer Gesamtanlage für Stromerzeugung (Photovoltaik), einer Batterie und einem kleinen E-Auto in Deutschland bereits heute Geld gespart werden kann - Ab Sendezeit 10'40 erfolgt eine entsprechende Rechnung, die mit den hiesigen Preisen auch auf die Schweiz übertragen werden kann.

Quelle: Youtube / Transparenz TV

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Dienstag, 28. Januar 2020

Zusammenschluss zum Eigenverbrauch (ZEV)

Die Auswirkungen des Klimawandels werden deutlicher – und damit auch die Dringlichkeit, Klimaschutz-Massnahmen umzusetzen. Bei vielen Zielen der Energiestrategie 2050 ist die Schweiz bereits gut auf Kurs. Doch vor allem bei der Stromproduktion aus erneuerbaren Energien und bei der Energieeffizienz sind weiterhin Anstrengungen nötig. Eine Lösung, die den Ausbau erneuerbarer Energien vereinfachen soll, ist die Stromverrechnungsplattform Ormera.

Dank dem neuen Energiegesetz haben alle Bürgerinnen und Bürger die Chance, Strom selbst zu produzieren und an Dritte weiterzuverkaufen. Wer diese Chance nutzt, steht gleichzeitig vor neuen Herausforderungen: Einen ZEV (Zusammenschluss zum Eigenverbrauch) zu verwalten und abzurechnen ist administrativ sehr aufwändig. Die Plattform Ormera automatisiert den gesamten Verrechnungsprozess vom Ablesen der Stromzähler bis zum Kontoabzug über eine Blockchain. Dank eines Dashboards behalten die Nutzerinnen und Nutzer den Überblick über den produzierten und bezogenen Strom sowie über die verrechneten Tarife und können so ihren Konsum optimieren.

Um eine solche Gesamtlösung anzubieten, ist breites Know-How aus verschiedenen Branchen gefordert. Ormera hat die Plattform mit diversen Partnern wie etwa der ABB, IB Langenthal oder Eniwa in Pilotprojekten getestet und stetig weiterentwickelt. Heute wird bereits das Zukunftsareal Erlifeld von Eniwa (siehe Bild oben) über die Ormera-Plattform vollautomatisch abgerechnet. Der ZEV in Unterentfelden mit neun Mehrfamilienhäusern und insgesamt 90 Wohnungen wiederum strebt einen Eigenverbrauchanteil von 80 Prozent an und  ist damit ein Vorzeigeprojekt im Energiemarkt. Das Projekt ist ausgerüstet mit Luft-Wasser-Wärmepumpen, einer öffentlichen Schnelladestation für Elektrofahrzeuge und Photovoltaikanlagen auf allen Dächern.

Quelle:  energeiaplus.com - Angela Bönzli, Ormera AG

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Montag, 20. Januar 2020

Deutscher Solarmarkt wuchs 2019 um 30 %

Nachfrage nach Photovoltaiksystemen zog 2019 kräftig an / Wichtigste Wachstumsimpulse: sinkende Preise für Solaranlagen bei zugleich steigenden Strompreisen, Klimadebatte und Elektromobilität – Branche warnt vor Stromerzeugungslücke und fordert 2020 schnellen Abbau von Marktbarrieren.

Die Nachfrage nach Solarstromanlagen zog 2019 nach einer ersten Bilanz des Bundesverbandes Solarwirtschaft um rund 30 Prozent an. „Wir freuen uns über die Marktbelebung, können aber noch nicht zufrieden sein. Es klaffen gravierende Lücken zwischen dem Erreichten und den Klimazielen. Wir werden diese Lücken schließen können, wenn wir das Ausbautempo verdreifachen“, sagt Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Solarwirtschaft e. V. (BSW). Auch die Versorgungssicherheit mit bezahlbarer und umweltfreundlicher Energie sei andernfalls gefährdet, warnt er: „Ohne einen deutlich schnelleren Ausbau Erneuerbarer Energien droht bereits in der ersten Hälfte der 20er Jahre eine Stromerzeugungslücke infolge des Atom- und Kohleausstiegs.“

Solarenergie genießt bereits seit Jahren die höchsten Akzeptanzwerte in der Bevölkerung unter allen Energieformen. Als Gründe für die jüngste Marktbelebung sieht der BSW vor allem den starken Preisverfall der vergangenen Jahre. Auch die verstärkte Klimadebatte und der Ausbau der Elektromobilität steigern nach BSW-Einschätzung die Investitionsbereitschaft in Solartechnik.

Von der Politik wünscht sich der BSW im kommenden Jahr, diese Investitionsbereitschaft noch deutlich stärker zu nutzen. Körnig: „2020 müssen die Solarenergie-Ausbauziele endlich an die Klimaziele angepasst und Marktbarrieren wie die finanzielle Belastung der solaren Selbst- und Quartiersversorgung endlich abgeschafft werden.“ Am vordringlichsten sei jedoch die gesetzliche Umsetzung der von der Koalition im Rahmen des Klimaschutzprogramms 2030 ursprünglich bereits zum Jahreswechsel zugesagten Streichung des 52 GW-Förderdeckels für Photovoltaik im Erneuerbare-Energien-Gesetz. In der Sache sei sie zwar unstrittig, sie dürfe aber auch nicht länger Gegenstand verhandlungstaktischer Spielchen sein.

„Die Abschaffung des Solardeckels muss im Januar abgeschlossen werden“, fordert Körnig. Aufgrund erwartbarer Vorzieheffekte drohe andernfalls bereits im Frühjahr 2020 ein Ausbaustopp neuer PV-Dächer. „Nur sehr schnelles Handeln kann diesen klimapolitischen Super-GAU und den damit verbundenen Imageschaden für die Bundesregierung in letzter Minute noch abwenden. Wer hätte angesichts eskalierender Klimaschäden noch Verständnis, wenn neben der Windkraft nun auch noch die Photovoltaik als unverzichtbarer Motor der Energiewende abgewürgt würde?“

Eine aktuelle Studie im Auftrag des Bundesverbandes Solarwirtschaft kommt zu dem Schluss, dass der geplante Atom- und Kohleausstieg schon in wenigen Jahren zu Versorgungsengpässen führen könnte, wenn jährlich nicht mindestens 10 Gigawatt (GW) an neuer solarer Kraftwerksleistung errichtet werden. Die in Deutschland inzwischen installierten rd. 50 GW decken rd. 9 Prozent des Nettostromverbrauchs. 2019 wurden Solarstromanlagen mit einer Leistung von knapp 4 Gigawatt neu installiert. Mit Erzeugungskosten von unter 10 Cent je Kilowattstunde kostet Strom vom eigenen Gewerbedach oder Eigenheim nur noch ein Bruchteil gegenüber Strom vom Energieversorger. Neue, ebenerdig errichtete Solarstromanlagen im Kraftwerksmaßstab sind in Deutschland bei Stromerzeugungskosten von rund 5 Cent je Kilowattstunde inzwischen sogar bereits wettbewerbsfähig. 

Quelle: Bundesverband Solarwirtschaft

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