Mittwoch, 18. April 2018

Vor der PV-Tagung 2018

Die Nationale Photovoltaik-Tagung hat sich zum wichtigsten Treffpunkt der schweizerischen Solarstrombranche etabliert. Die Tagung organisiert Swissolar gemeinsam mit dem Verband Schweizerischer Elektrizitätsunternehmen (VSE) und EnergieSchweiz. Sie steigt diese Woche am Donnerstag und Freitag in Bern. Ein wichtiges Thema wurde bereits im Vorfeld in einem Textbeitrag auf www.swissolar.ch beleuchtet: Solarwärme und Solarstrom können ein gutes Team bilden!

PV-Thermie-(PVT)-Systeme kombinieren die Erzeugung beider Arten von Solarenergie in einem Element. Dies ist ein grosser Vorteil, wenn die Dachfläche begrenzt ist. In den letzten Jahren hat die Nachfrage nach dieser neuen Art von Solartechnik zugenommen. Um diesen aufstrebenden Markt zu unterstützen, startete das Programm "Solar Heating and Cooling" der Internationalen Energieagentur (IEA SHC) ein globales Forschungs- und Kommunikationsprojekt namens "Task 60: Anwendung von PVT-Kollektoren und neue Lösungen in HLK-Systemen". 

In mehreren europäischen Ländern nimmt der PVT-Markt derzeit Fahrt auf – allen voran in Frankreich und in der Schweiz. "Wir sehen das Interesse an neuen PVT-Lösungen in mehreren Ländern, da die Dachfläche in städtischen Gebieten begrenzt ist", sagte Jean-Christophe Hadorn, Manager der Schweizer Hadorn Business Consulting und Leiter des neuen Forschungsprojekts. Im Jahr 2016 installierte Frankreich laut dem französischen Branchendienst Observ'ER 620 PVT-Anlagen mit einer PV-Leistung von 1.6 MW (ungefähr 16,000 m2). Die meisten liefern warmes Wasser oder warme Luft zum Heizen von Einfamilienhäusern. 

In der Schweiz dominieren wasserbasierte PVT-Systeme den Markt: Die Paneele haben die gleiche Grösse und Struktur wie PV-Module, doch wird auf die Rückseite des PV-Moduls ein Wärmeabsorber laminiert, geklebt oder geklemmt. PVT-Systeme werden zunehmend in Kombination mit Erdwärmepumpen eingesetzt, weil die Solarenergie den Boden im Sommer wieder erwärmt – praktisch um die Wärmequelle zu "regenerieren", wie es Experten nennen. Forscher vom Schweizerischen Institut für Solartechnik (SPF) schätzen, dass Ende 2016 in der Schweiz 300 PVT-Anlagen in Betrieb waren. Trotz der wachsenden Nachfrage ist PVT immer noch eine junge Technologie. "Eine neue aufstrebende Industrie braucht umfassende Unterstützung aus Forschung und Marketing", sagt Hadorn. 

PVT-Technologien ermöglichen eine sehr effiziente Arbeitsweise. PV-Module nutzen – abhängig von der eingesetzten Zelltechnologie – 15 bis 20 % der einfallenden Sonnenenergie. Der Rest geht in Form von Wärme verloren. PVT-Elemente nutzen diese "verlorene" Energie, um Luft oder Wasser zu erwärmen. Gleichzeitig kühlt die Ableitung der Wärme die PV-Zellen ab und lässt sie so effizienter arbeiten. Die produzierte Menge an Strom und Wärme hängt jedoch von vielen Variablen ab. Deshalb sieht Hadorn die dringende Notwendigkeit, mehr Transparenz bezüglich Ertrag, Kosten und Zertifizierung verschiedener Arten von PVT-Systemen zu schaffen. Aus diesem Grund wird das IEA SHC-Forschungsprojekt Betriebsdaten von Heiz- und Kühlsystemen mit PVT-Komponenten sammeln, mit dem Ziel, die Daten mit dem simulierten Ertrag zu vergleichen. Simulationstools können dadurch optimiert werden. 

Wissenschaftler des SPF haben bereits einige Evaluationen durchgeführt: PVT-Kollektoren in der Zentralschweiz liefern in der Regel einen jährlichen elektrischen Ertrag von etwa 160 kWh/m². Die Warmwasserproduktion hängt stark von der Anwendung ab: Je niedriger die erforderliche Temperatur, desto höher die verfügbare Energiemenge. Wird Warmwasser direkt (für Duschen etc.) erhitzt, können jährlich rund 150 kWh Wärme pro Quadratmeter Kollektorfläche gewonnen werden. Wird das Wasser nur vorgewärmt, sind 250 kWh/m² pro Jahr möglich. Bei der Regeneration der Bohrlöcher von Erdwärmesonden können jährliche Solarerträge von 300 bis 400 kWh/m² erzielt werden. 

Wie stark die Stromerzeugung von der Kühlwirkung der PVT-Technologie profitiert, hängt von der Betriebstemperatur auf der Wärmeseite ab. Niedrigtemperaturanwendungen führen zur höchsten Effizienzsteigerung: Sie ermöglichen im Vergleich zu Standard-PV-Systemen typischerweise einen Anstieg der jährlichen Solarstromerzeugung um 5%. Auf Seiten der Hersteller sieht Hadorn ein grosses Interesse am IEA SHC-Projekt. In den letzten drei Jahren dominierten immer mehr spezialisierte Anbieter mit bewährten Technologien die europäischen PVT-Märkte. Einer von ihnen ist das in Frankreich ansässige Unternehmen Dualsun, das am Task 60 teilnimmt. Es hat laut eigenen Angaben bereits mehr als 500 PVT-Projekte in Europa realisiert. Dualsun hat Monitoring-Daten für zwei 300 m² grosse PVT-Felder für kommerzielle Schwimmbäder in Südfrankreich veröffentlicht, die mit Simulationsergebnissen gut übereinstimmen (siehe Tabelle). Dies zeigt, dass die Co-Produktion von Wärme und Strom zuverlässig vorhergesagt werden kann.

PVT-Standort
Jährlicher Solarwärme-Ertrag
(TRNSYS Simulation) kWh/a
Jährlicher Solarwärme-Ertrag (gemessen) kWh/a
Differenz
Jährlicher Strom-Ertrag (TRNSYS Simulation) kWh/a
Jährlicher Strom-Ertrag (gemessen) kWh/a
Differenz
Sète
81.354
82.100
2 %
55.826
59.113
5,9 %
Perpignan
97.077
119.870
23 %
60.535
63.942
5,6 %

Simulierte und kontrollierte Jahreserträge von zwei PVT-Anlagen (jeweils 300 m² Fläche), die in öffentlichen Schwimmbädern in Frankreich installiert sind. Quelle: Dualsun
 
Das Fraunhofer ISE und der Task-60-Koordinator Hadorn laden alle interessierten Akteure zum „Internationales Seminar zum Status von PVT-Systemen“ am 16. Mai in Freiburg ein. Die eintägige Veranstaltung findet in englischer Sprache statt. Experten aus dem Forschungsprojekt präsentieren neueste Erkenntnisse zur Markt- und Technologieentwicklung. Weitere Informationen und Updates erhalten Sie auf der Task-60-Website. Anmeldungen sind online möglich. 

IEA SHC ist ein internationales Forschungs- und Informationsprogramm zum solaren Heizen und Kühlen. Rund 200 Experten aus 21 Ländern und fünf Organisationen decken ein breites Themenspektrum ab – von der urbanen Solarplanung über zukünftige Speicherkonzepte bis hin zur Integration grosser Solarfelder in Fernwärme- und -kältenetze. Der „Einsatz von PVT-Kollektoren und neuen Lösungen in HLK-Systemen“ oder einfach "PVT-Systeme" ist eines von elf Forschungsprojekten, die im Rahmen des IEA SHC-Programms "Tasks" genannt werden. Das hier beschriebene Projekt läuft bis Ende 2020.

Informationen:

Dienstag, 17. April 2018

Solar- statt Kerosinlampen

Viele Fischer haben am zentralafrikanischen Viktoriasee die einst beliebte Kerosinlampe gegen sicherere und finanziell nachhaltigere Solarlampen getauscht. Denn die Verwendung von Kerosin für die Beleuchtung ist äußerst ineffizient, gefährlich und teuer. Schon die Gesundheits- und Umweltnachteile sind erhebliche: Die Weltbank schätzt, dass das Atmen von Kerosindämpfen gleichbedeutend mit dem Rauchen von zwei Zigarettenpäckchen pro Tag ist.

Seit vielen Jahren fahren am Viktoriasee jeden Abend tausende von kleinen Fischerbooten aus. Auf dem See entzünden die Fischer ihre verschiedenen Arten von Kerosinlampen und warteten darauf, dass jene sardinenartigen Fische vom Licht angezogen werden, die im Volksmund Omena genannt werden. Angesichts dezimierter Fischbestände im See dauern die nächtlichen Fischzüge inzwischen häufig über die ganze Nacht. Das bedeutet natürlich deutlich gestiegene Ausgaben für Kerosin.

Hellen Omondi, die seit mehr als 10 Jahren als Fischerin im kenianischen Usenge tätig ist, gehört zu denen, die auf Solarlampen umgestiegen sind: “Ich kann mein schlimmstes Erlebnis mit einer Kerosinlampe vor drei Jahren nicht vergessen, als einer meiner Arbeiter schwere Verbrennungen erlitt: Die Lampe war beim Versuch sie anzuzünden explodiert.” Dazu kommen für Hellen wirtschaftliche Gründe: “Ich habe für meine vier alten Lampen mehr als 600 Schilling pro Tag (knapp 5 Euro) für Kerosin ausgegeben, um sieben bis zehn Stunden in der Nacht arbeiten zu können.” Eine Studie Lighting Africa, einer Initiative der Weltbank, schätzt, dass Fischer bis zu 50% ihres Einkommens für den Kauf von Kerosin und Wartung ihrer Lampen ausgeben, aber mit modernen Solarlampen genauso viel Fisch zu geringeren Kosten fangen können.

Jedes Fischerboot nutzt fünf Laternen und verbraucht aufgrund ihrer geringen Effizienz pro Nacht etwa 1,5 Liter Kerosin, schätzt das Wuppertal Institut für Klima, Umwelt und Energie. Kerosin wird derzeit für 78,66 Schilling (0,63 Euro) je Liter an der Pumpe in Kisumu verkauft. Jedes Fischerboot benötigt also ungefähr 590 Schilling (4,72 Euro) pro Nacht für die Lampen. Für ein Kilogramm Fisch erhalten sie dann auf dem Markt 400 Schilling (3,20 Euro).

Laut Isaac Owuor, Vorsitzender der Ugambe Management Unit (einer Art Kooperative für Fischer), sind in Kenia inzwischen die meisten Fischer auf Solarlampen umgestiegen, weil sie sicher und kosteneffektiv sind. “Früher mussten die Fischer häufig ihren Fischfang abbrechen, weil die Kerosinlampen infolge Regens oder Glasbruch nicht mehr funktionierten”, sagt er. “Als jemand, der schlechte Erfahrungen mit Kerosinlampen gemacht hat, empfehle ich die Umstellung auf Solarlampen, die sich als zuverlässiger und effizienter erwiesen haben.”

Ein anderer Fischer, Daniel Okumu, ergänzt, dass die Verwendung von Kerosinlampen oft zu verdorbenem Fisch führte, wenn das Kerosin  verschüttet wurde. Mehrere Unternehmen, die am Viktoriasee Solarprodukte anbieten, berichten von einer regen Geschäftstätigkeit, da die Fischer am Viktoriasee mehr und mehr die neue Lichttechnologie nutzen.

Quelle:  afrika-heute.com
Vollständiger Originalbeitrag (englisch): Business Daily Kenya

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Montag, 16. April 2018

3. Runde der Energy Challenge

Die von EnergieSchweiz lancierte Energy Challenge geht 2018 in die dritte Runde. Während den nächsten sieben Monaten präsentiert sie spielerisch Themen zu Energieeffizienz und erneuerbaren Energien und vermittelt Energiewissen. Besucherinnen und Besucher der Messen muba, Comptoir Suisse und Züspa sowie dem Openair Frauenfeld und dem Festival Moon&Stars können aktiv mitmachen. Virtuell dabei sein und Preise gewinnen kann man über die Energy Challenge-App sowie die Online-Plattform 20min.ch.


Der offizielle Startschuss der Energy Challenge 2018 fällt diesen Freitag, 20. April 2018, an der Mustermesse Basel muba. Im Zentrum der Energy Challenge stehen neben sportlichen Wettbewerben und verschiedenen Energiespielen auch der individuelle und unternehmerische Energieverbrauch. Dieses Jahr will EnergieSchweiz gemeinsam mit den Partnern der Energy Challenge 2018 und der Schweizer Bevölkerung gesamthaft 30 Millionen Kilowattstunden einsparen. EnergieSchweiz schickt dafür eine vierköpfige Familie ins Rennen, die mit Tipps und Tricks ihre Energieeffizienz steigern und so insgesamt 20 Prozent weniger Energie verbrauchen soll. Auch einige der Partner werden sich individuellen Partner Challenges stellen. Die Energy Challenge 2018 wird von den Hauptpartnern AXA, Messe Schweiz und 20Minuten, von den Partnern BRACK.CH und VOLVO, vom Messepartner Emmi sowie vom Ausrüstungspartner Diamant unterstützt.

Wie 2017 wird die Energy Challenge 2018 an den Besuchermessen muba, Comptoir Suisse und Züspa sowie dem Festival Moon&Stars Halt machen. Besucherinnen und Besucher können dort unter anderem selber ein Kino zum Laufen bringen und mit Virtual Reality Games ihr Energiewissen testen. Zum ersten Mal gastiert die Energy Challenge dieses Jahr am Openair Frauenfeld. Dort können sich Musikfans durch Radeln auf dem Velo eine warme Dusche verdienen.

Auf dem grössten Schweizer Medienportal 20min.ch werden während der gesamten Dauer der Energy Challenge unter einer eigenen Rubrik Beiträge und Informationen rund um das Thema Energie publiziert. Über die Energy Challenge-App, die kostenlos zum Herunterladen bereit steht, können Userinnen und User ihr Energiewissen auffrischen, Commitments abgeben, bei Verlosungen teilnehmen und Direktpreise gewinnen. Für die Umsetzung und Kreation sind die Agenturen Aroma Productions und FS Activation verantwortlich.

www.energychallenge.ch

Stopps der Energy Challenge 2018:
20.04. - 29.04.2018   muba, Basel
05.07. - 07.07.2018   Openair Frauenfeld, Frauenfeld
13.07. - 21.07.2018   Moon&Stars, Locarno
14.09. - 23.09.2018   Comptoir Suisse, Lausanne
28.09. - 07.10.2018   Züspa, Zürich

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Sonntag, 15. April 2018

Weiterhin aufwärts mit PPVX


Der Solaraktienindex PPVX stieg letzte Woche um 2,5% auf 1.190 Punkte, der NYSE Arca Oil um 5,5%. Seit Jahresanfang 2018 liegt der PPVX mit -0,5% währungsbereinigt rund 3 Prozentpunkte hinter dem Erdölaktienindex (+2,6%). Die Top-3-Titel seit Jahresanfang sind Sino-American Silicon Products (+70%), SolarEdge Technologies (+44%) und SunRun (+44%). Die grössten Gewinner der Woche waren Sino-American Silicon Products (+23%) und Panda Green Energy Group (+11%), die grössten Verlierer Daqo New Energy (-8%) und Azur Power Global (-4%). Der PPVX-Börsenwert beträgt 29,4 Mrd. Euro. Seit Anfang 2003 liegt der PPVX (+323%)  153 Prozentpunkte vor dem Erdölaktien-Index (mit +170%). Der Gewichtungsfaktor von 8point3 Energy Partners wurde von 4 auf 3 reduziert.


Vergrössern mit Klick auf Grafik und Tabelle !

Der Solaraktienindex PPVX erscheint auf Solarmedia jeden Monat neu - Quelle: Öko-Invest-Verlag, Wien, oeko-invest@teleweb.at 

Quelle: oeko-invest.net 

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Samstag, 14. April 2018

Miteinander statt gegeneinander

Bundesverbände der Solar- und Windenergie in Deutschland betrachten erste gemeinsame Ausschreibung für gescheitert und plädieren für Festhalten an technologiespezifischen Auktionen zur Gewährung eines ausgewogenen Energiemixes.

Solaranlage der Bibliothek Hannover zvg
Die Bundesnetzagentur hat die Ergebnisse der ersten gemeinsamen Ausschreibung von Windkraft an Land und Photovoltaik vorgelegt. Die Spitzenverbände der Solarwirtschaft und der Windenergiebranche lehnen gemeinsame Ausschreibungen weiter entschieden ab. Der Bundesverband Solarwirtschaft e.V. (BSW-Solar) und der Bundesverband WindEnergie e.V. (BWE) sprechen sich mit Blick auf die Ergebnisse dagegen aus, die beiden Erzeugungstechnologien in einen nicht zielgerichteten Kostenwettstreit zu verwickeln. Eine erfolgreiche Umsetzung der Energiewende erfordere einen kraftvollen Ausbau der Wind- und Solarkapazitäten auf Augenhöhe. Gemeinsame Ausschreibungen seien dafür ungeeignet. Bei der Auktion sind alle Zuschläge auf die Photovoltaik gefallen, die Windenergie ging leer aus. 

Hermann Albers, BWE-Präsident, betont "Die Bundesregierung hat sich für 2030 ein ambitioniertes Ausbauziel bei den Erneuerbaren Energien gesetzt. Dieses kann nur erreicht werden, wenn sowohl Windenergie, als auch Solarenergie ab sofort deutlich stärker ausgebaut werden. Ein Gegeneinander der beiden wichtigsten Säulen unseres zukünftigen Energiesystems ist ineffizient und nicht zielführend. Stattdessen brauchen wir einen intelligenten Mix der beiden Technologien, da dieser Lastspitzen abfedert, zu einer Vergleichmäßigung der Netzauslastung beiträgt und die Systemdienlichkeit insgesamt erhöht." Zu diesem Ergebnis kam auch eine Analyse des Deutschen Wetterdienstes (DWD), der die Wetterdaten der vergangenen 20 Jahre untersucht hat. Demnach kann der kombinierte Einsatz von Photovoltaik sowie Windkraft an Land und auf See die Stromproduktion aus Erneuerbaren Energien stabilisieren. "Insgesamt ist es erforderlich, die Ausbaukorridore deutlich anzuheben, um das 65 Prozent Erneuerbare Energien-Ziel der Bundesregierung bis 2030 sicher zu erreichen."

Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer des BSW-Solar: "Wir freuen uns für die vielen Solargewinner, betrachten das Experiment aber dennoch als gescheitert. Die Auktionsergebnisse belegen das ausgezeichnete Preis-Leistungs-Verhältnis neuer Solarkraftwerke, nicht aber die Eignung gemeinsamer Ausschreibungen. Erfolgreicher Klimaschutz braucht ein Miteinander und kein Gegeneinander von Solar- und Windenergie sowie verlässliche und ambitionierte Ausbaupfade für beide Technologien." Bei der Solarstromerzeugung sieht Körnig erheblichen Nachholbedarf. Um beide Technologien auf Augenhöhe zu bringen, besser miteinander zu verzahnen und die Kosteneffizienz der Solarenergie stärker zu nutzen, empfiehlt der BSW, den Aufbau der Photovoltaik-Kapazität auf ein Niveau von jährlich rund 10 GW zu ermöglichen und dafür bestehende Barrieren im Kraftwerks- und Gebäudesektor zu beseitigen. BSW und BWE warnen davor, das marktwirtschaftliche Ausschreibungsverfahren zu überfrachten. "Statt technologieneutraler Verfahren sollte der Gesetzgeber es bei eigenständigen Ausschreibungsverfahren mit fairen Wettbewerbsbedingungen belassen und so ein zur Systemintegration optimales Verhältnis von Photovoltaik- und Windenergie sichern. Auch in den getrennten Verfahren konnten beide Branchen deutlich sichtbare Kostendegressionen realisieren, an denen wir weiter arbeiten", so Hermann Albers und Carsten Körnig. 

Hintergrund:
Die Zuschläge innerhalb der ersten technologieübergreifenden Ausschreibung weisen eine Preisspanne von 3,96 bis 5,76 Cent/kWh auf. Insgesamt wurden 32 Solarenergieprojekte bezuschlagt. Der durchschnittliche Gebotspreis lag bei 4,67 Cent/KWh.
Mehr Informationen zu den Ausschreibungsergebnissen finden Sie hier: https://bsw.li/2vcLb6c

Die Analyse des Deutschen Wetterdienstes finden Sie hier: https://bsw.li/2v9knDG

Quelle:  www.solarwirtschaft.de

Mittwoch, 11. April 2018

Für Bevölkerung oder Ensi/Axpo

Der Bundesrat will die Verordnungen zur AKW-Sicherheit revidieren, um die Beznau-Betreiberin Axpo und die Atomaufsicht ENSI vor einer möglichen Niederlage vor Gericht zu schonen. Zu diesem Zweck weicht er den geltenden Strahlenschutz massiv auf und erhöht damit das nukleare Risiko für die Bevölkerung. Die Schweizerische Energie-Stiftung SES fordert in dieser Stellungnahme den Bundesrat auf, auf die Revision zu verzichten und die gerichtliche Überprüfung der Atomaufsicht nicht zu unterlaufen:

Seit 2015 steht die Schweizerische Energie-Stiftung SES zusammen mit Anwohnenden und weiteren Umweltorganisationen in einem Gerichtsverfahren gegen die Atomaufsicht ENSI und die Beznau-Betreiberin Axpo. Der Vorwurf: Das ENSI wende die Sicherheitsbestimmungen bei Erdbeben im AKW Beznau falsch an. Die vom Bundesrat eingeleitete Verordnungsrevision übernimmt nun exakt den Standpunkt des ENSI vor Bundesverwaltungsgericht und unterläuft damit die gerichtliche Überprüfung.

Aufweichung der AKW-Sicherheit
Um die bisherige und vor Gericht beanstandete Praxis des ENSI im Nachhinein zu rechtfertigen, schränkt der Bundesrat den Anwendungsbereich der sogenannten Ausserbetriebnahmekriterien drastisch ein und erhöht die zulässige radioaktive Dosis bei häufigen und seltenen Störfällen um den Faktor 100. Nils Epprecht, SES-Projektleiter Strom & Atom, mahnt: «Der Bundesrat exponiert damit die Bevölkerung unzumutbaren Strahlenrisiken und missachtet zentrale Lehren aus dem GAU von Fukushima.»

Atomaufsicht ist befangen
In der laufenden Vernehmlassung unternimmt die Atomaufsicht alles, um der auf sie zugeschnittenen Revisionsvorlage zum Erfolg zu verhelfen und scheut sich dabei auch nicht unbelegte Behauptungen auszubreiten. Nils Epprecht gibt zu bedenken: «Die Aufsichtsbehörde beansprucht Deutungshoheit in einer Sache, wegen der sie gerade vor Gericht steht – da beisst sich die Katze in den Schwanz!»

Ergänzungen bei der Abklinglagerung
Geringere Vorbehalte äussert die SES bei den vorgesehenen Erleichterungen zu den Abklinglagern und ortet vor allem verfahrenstechnischer Anpassungsbedarf. Nils Epprecht: «Ein speditiver Rückbau der AKW liegt im Interesse aller. Solange Abklinglager ausserhalb der Kernanlagen auch aus Sicht des Umwelt- und Strahlenschutzes Vorteile bringen, haben wir dagegen nichts einzuwenden.»

> SES-Vernehmlassungsantwort (.pdf)

Quelle: Schweizerische Energie-Stiftung