Donnerstag, 10. März 2022

20. Nationale PV-Tagung

Am 29. und 30. März 2022 findet im Kursaal Bern die 20. Nationale Photovoltaik-Tagung von Swissolar, dem Verband Schweizerischer Elektrizitätsunternehmen (VSE) und EnergieSchweiz statt. Die jährlich durchgeführte Nationale Photovoltaik-Tagung ist der wichtigste Treffpunkt der schweizerischen Solarstrombranche.

Dass die Photovoltaik einen wesentlichen Beitrag zur zukünftigen Energieversorgung der Schweiz leisten muss, ist kaum mehr umstritten. An der Tagung setzen wir uns damit auseinander, wie der erforderliche beschleunigte Ausbau erreicht werden kann.

Ein besonderes Highlight wird die Ansprache von Bundesrätin Simonetta Sommaruga sein, gefolgt von einer Podiumsdiskussion zur Frage, ob die Schweiz in Sachen PV-Ausbau auf Kurs ist. Ein weiteres wichtiges Thema ist die Sicherstellung einer ganzjährig sicheren Stromversorgung mit einem hohen Solaranteil.
Programm: Link zu PDF
Mehr Informationen: www.pv-tagung.ch

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Mittwoch, 9. März 2022

Vermarktungsmodelle für Solarstrom

Sonnenenergie soll zusammen mit der Wasserkraft zur tragenden Säule der Schweizer Stromversorgung werden. Bis ins Jahr 2050 soll die Produktion auf knapp 34 TWh pro Jahr gesteigert werden. Dafür braucht es allerdings noch einen grossen Zubau an PV-Anlagen. Der Bund will das einerseits mit Förderung erreichen, andererseits sollen Vermarktungsmodelle zusätzliche Anreize schaffen. Die vom Bundesamt für Energie (BFE) kürzlich veröffentlichte Studie «Vermarktungsmodelle für Solarstrom» zeigt auf, was heute möglich ist und welche neuen Modelle es in Zukunft geben könnte.

Heute wird der Strom aus Photovoltaik-Anlagen grösstenteils an den lokalen Verteilnetzbetreiber verkauft, der dafür eine Abnahmevergütung bezahlen muss. Manchmal kauft der Verteilnetzbetreiber zusätzlich zum eigentlichen Strom auch den Herkunftsnachweis, der bescheinigt, dass es sich um lokalen Solarstrom handelt. Ist dies der Fall, kann der Netzbetreiber den Solarstrom als solchen an seine Kundinnen und Kunden in der Grundversorgung weiterverkaufen, in der Form eines Solaranteils im gelieferten Stromprodukt. Alternativ können Produzenten den Herkunftsnachweis auch an einen Dritten verkaufen, beispielsweise über eine Ökostrombörse.

Im Ausland haben sich weitere Modelle etabliert. Vor allem bei grösseren Anlagen wird der Strom oft über sogenannte Power-Purchase-Agreements (PPAs) zu langfristig fixierten Preisen direkt an grosse Endverbraucher verkauft. Damit unterstützen Unternehmen den Ausbau der erneuerbaren Energien und schützen sich gleichzeitig vor steigenden Strompreisen. Auch in der Schweiz kommt dieses Modell bereits vereinzelt vor. So hat sich Denner beispielsweise verpflichtet, den Strom aus der Solaranlage an der Muttsee-Staumauer während den nächsten 20 Jahren zu beziehen.

Die verschiedenen Vermarktungsmodelle auf einen Blick:

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(Quelle: «Vermarktungsmodelle für Solarstrom», EBP 2021)

Neben grösseren Unternehmen können im Ausland auch Haushalte und KMU den Solarstrom direkt aus Anlagen ihrer Wahl beziehen. In der Regel erfolgt dies über Plattformen, auf denen mit wenigen Klicks zum entsprechenden Angebot gewechselt wird. In der Schweiz ist dies noch nicht möglich, da kleine Endverbraucher/innen ihren Anbieter nicht wechseln dürfen. Dafür wäre die Öffnung des Strommarktes nötig. Die notwendige Gesetzesanpassung wird derzeit im Parlament beraten.

In einem Pilotprojekt in Walenstadt SG wurde das Modell eines lokalen Strommarktes getestet. Fast 40 Parteien machten mit, die meisten davon als «Prosumer» (Produzent + Konsument) mit eigener Solaranlage, rund 10 davon als reine Konsument/innen. Weiter gab es eine reine Produktionsanlage sowie acht Stromspeicher. Die Vermarktung erfolgte über eine digitale Handelsplattform, die der Energieversorger bereitstellte. Das Pilotprojekt hat aufgezeigt, dass ein solcher lokaler Strommarkt technisch machbar ist und sich die Nutzerinnen und Nutzer stark engagieren. Es wurde aber auch deutlich, dass eine definitive Umsetzung mit den heutigen regulatorischen Rahmenbedingungen ohne vollständige Strommarktöffnung nicht möglich ist.

Heutige Marktsituation: Heute werden in der Schweiz vor allem kleine bis mittelgrosse PV-Anlagen erstellt. Der Strom wird grösstenteils vor Ort genutzt, der Überschuss ins Netz eingespeist. Die Investoren (häufig private Hauseigentümer/innen) erhalten Förderbeiträge, zudem bezahlen sie für den Eigenverbrauch keine Abgaben und Netzgebühren. So können die Anlagen meist wirtschaftlich betrieben werden. PV-Anlagen, die keinen oder nur einen kleinen Eigenverbrauch aufweisen, können oftmals nur dann wirtschaftlich betrieben werden, wenn ein Abnehmer bereit ist, mehr für den Solarstrom zu bezahlen.

Beat Goldstein, Fachspezialist Marktregulierung, Bundesamt für Energie

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Sonntag, 6. März 2022

Erfolgreiche Geothermie in Riehen – Da geht mehr!


Die Wärmeverbund Riehen AG (WVR AG) fördert seit 27 Jahren erfolgreich heisses Wasser aus einer Geothermiebohrung und nutzt dieses um die Riehener Bevölkerung mit klimafreundlicher Fernwärme zu versorgen. Das Potenzial der tiefen Geothermie zur direkten Wärmenutzung ist damit in der Region aber bei weitem nicht erschöpft.

Daher hat die WVR AG das Projekt «geo2riehen» lanciert, dessen Ziel es ist, den Erfolg der existierenden Geothermieanlage mit einer weiteren Bohrung zu wiederholen und so den Anteil an erneuerbaren Energien im Fernwärmenetz Riehen stark auszubauen. Ein weiteres Ziel ist zu identifizieren, wie die Geothermie auch ausserhalb des Einzugsgebiets der WVR AG genutzt werden kann. Um die beiden Ziele zu erreichen, bedarf es einer vorgängigen Erkundung des Untergrunds, um die bestehenden Unsicherheiten bezüglich Aufbau und Eigenschaften des Untergrunds zu reduzieren.

In einer ersten Phase dieser Erkundungskampagne – der sogenannten Prospektion – hat die WVR AG zusammen mit IWB im Februar erfolgreich eine Seismikkampagne durchgeführt. Es handelt sich um dieselbe geophysikalischen Technik mit welcher bereits in der Romandie für zwei Geothermieprojekte der Untergrund durchleuchtet wurde. Der Messperimeter umfasste Gebiete in den Kantonen Basel-Stadt, Basel-Landschaft und auch in Deutschland. Trotz dieser komplexen Ausgangslage konnte die Messkampagne ohne grössere Probleme durchgeführt werden und kann als gutes Beispiel von grenzüberschreitender Koordination bei der Energieversorgung betrachtet werden.

Da die Geothermie einen wesentlichen Beitrag zur Dekarbonisierung des Wärmesektors und somit zur Erreichung der Klimaziele der Schweiz liefern kann, fördert der Bund im Rahmen des CO2-Gesetzes derartige Erkundungsarbeiten, im Fall von geo2riehen mit bis zu 2.8 Millionen Franken. Damit sollen die aus den geologischen Unsicherheiten stammenden Risiken für den Projektentwickler gemindert werden. Besonders interessant an diesem Projekt ist, dass hier erstmals in der Schweiz ein erfolgreiches geothermisches Nutzungskonzept erweitert resp. wiederholt werden soll. Das BFE erachtet dies als wichtigen Schritt auf dem Weg zur Aufskalierung der Geothermienutzung in der Schweiz.

Die WVR AG will bis Mitte 2023 die Auswertung der Messdaten und weitere begleitende Arbeiten der Prospektionsphase abschliessen. Danach folgt die zweite Phase der Erkundung, die Exploration und Erschliessung: Nach einer intensiven weiteren Planungsphase sollen 2023 – 2026 weitere zwei Bohrungen realisiert und die obertägigen Anlagen gebaut werden. Ab 2027 soll die Anlage in Betrieb gehen und die zusätzliche geothermische Energie ins Fernwärmenetz Riehen eingespeist werden.

Links:
geo2riehen Projektwebseite: geo2riehen – Erdwärme Riehen (erdwaermeriehen.ch)
Beitrag regionaljournal: Neues Geothermieprojekt in Basel – Regionaljournal Basel Baselland – SRF

Christian Minnig, Spezialist für tiefe Geothermie beim BFE

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Samstag, 5. März 2022

Moderate Aufholjagd der Solaraktien Index PPVX

 

 

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Der Solaraktienindex PPVX erscheint auf Solarmedia jeden Monat neu
  
 Quelle: oeko-invest.net

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Freitag, 4. März 2022

Das beredte Schweigen des Nuklearforums

Am Mittwoch noch hatte das Schweizer Nuklearforum - die Lobbyformation der hiesigen Atomwirtschaft - Zuversicht verbreitet: «Auch die Kernkraftwerke (in der Ukraine) werden weiterhin sicher betrieben.». Der Ausgewogenheit halber übernahm auch Solarmedia die entsprechende Meldung > siehe hier. Musste sich allerdings wenige Stunden später korrigieren, denn plötzlich galt das Gegenteil. 

Insbesondere das europäweit grösste AKW geriet ins Fadenkreuz der russischen Besatzungstruppen. Heute Nacht nun hat das AKW Saporoschje im Südosten der Ukraine gebrannt. Doch beim Nuklearforum herrschte weiterhin beredtes Schweigen - trotz des seit Mittwoch aufgeschalteten Hinweises «Update folgt». Unterdessen sind mit Bezug auf die Internationale Atom-Energie-Organisation IAEO nebulöse Bedrohungslagen vermerkt.

Beginnen wir bei der Aktualität: Der US-TV-Nachrichtensender CNN meldet sich am späteren Freitagvormittag live aus der Gegend des umkämpften AKW. Das Werk mit seinen sechs Reaktoren stand in der Nacht teils in Flammen. Gemäss CNN ist das Feuer gelöscht, vier Reaktoren wurden herunter gefahren, von ihnen sollte bei Beschädigung also zumindest eine geringere (Strahlen-) Gefahr ausgehen. Ein Reaktor produziert immer noch Strom zur Versorgung der Ukraine - und gemäss bisherigem Erkenntnisstand geführt von den zuständigen ukrainischen Fachkräften. Ein Reaktorblock wurde durch das Feuer offenbar zumindest beschädigt. Von erhöhter Strahlung oder anderen Schäden ist vorderhand aber nichts bekannt.

Und die Schweizer Interessenorganisation Nuklearforum? Sie präsentiert auch jetzt noch ihre (verharmlosende) Einschätzung der Lage weit gehend wie am Mittwoch - wie der folgende Screenshot von 10.45h belegt. 

Wer die in der rechten Spalte die News anklickt (siehe > hier), erfährt dann immerhin von aufgetauchten Problemen rund um das umkämpfte AKW. Allerdings - demgemäss nähern sich die Truppen erst noch. Erinnert fast an die putinsche Doktrin, wonach in den Medien nicht ist, was nicht sein darf. Erneut später wurde dann auszugsweise die IEAO zitiert (siehe > hier):

An dieser Stelle kann es nicht darum gehen,  Kriegsberichterstattung zu betreiben oder zu beurteilen. Lediglich sei darauf hingewiesen, dass der unsägliche Krieg in der Ukraine auch ein Energiekrieg ist - und dass dabei die Atomenergie unter verschiedenen Aspekten eine wichtige Rolle spielt. Oder anders ausgedrückt - in diesen Zeiten neue AKW als Lösung unserer Energieprobleme ins Spiel zu bringen, grenzt an Wahrnehmungsverweigerung: Die Atomtechnologie hat mit dem Einbezug der ukrainischen Reaktoren ins Kriegsgeschehen erwiesenermassen ein weiteres gewaltiges Gefahrenpotential offenbart. Nur Erneuerbare Energien wie Solar- und Wind weisen einen Ausweg.

Mittwoch, 2. März 2022

So steht es um Atom-Anlagen in der Ukraine

AKW_Saporoschje_Energoatom - mehr dazu Text unten

Die Internationale Atomenergie-Organisation (IAEO) verfolgt die Situation in der Ukraine und ist im ständigen Kontakt mit dem State Nuclear Regulatory Inspectorate of Ukraine (SNRIU). Gegenwärtig (Stand 1.März) gibt es laut IAEO keine Hinweise darauf, dass bei den Kriegshandlungen nukleares Material freigesetzt wurde. Die radioaktiven Abfälle sind weiterhin in den Zwischenlagern eingeschlossen. Auch die Kernkraftwerke werden weiterhin sicher betrieben. Trotzdem ist die IAEO besorgt und hat alle Beteiligten zur Zurückhaltung und zum Schutz der Nuklearanlagen aufgerufen. Stand 1.März 2022, Quelle wohlgemerkt das atomfreundliche Schweizer Nuklearforum.
 
Ergänzung vom 2.März 14h: Die Ukraine hat von der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) dringende Hilfe für die Sicherheit ihrer Nuklearanlagen angefordert. Das berichtete IAEA-Chef Rafael Grossi am Mittwoch bei einer Sondersitzung seiner Behörde in Wien. Welche Unterstützung im Zuge der russischen Invasion konkret gefordert wurde, sagte er nicht. Grossi berichtete auch, dass russische Einheiten nach Angaben aus Moskau das Gebiet um das Atomkraftwerk Saporischschja – das grösste ukrainische AKW – unter ihre Kontrolle gebracht hätten, dies entgegen den Feststellungen im nachstehenden Artikel. Quelle: Agenturen / Tages-Anzeiger / Solarmedia
 
Die Internationale Atom-Energie-Organisation IAEO verfolgt gemäss eigenen Angaben die Entwicklungen rund um die Sicherheit der Kernkraftwerke und anderer nuklearer Einrichtungen der Ukraine. Auf ihrer Website informiert sie über neue Erkenntnisse aus erster Hand. Dazu steht sie mit dem (SNRIU) in ständigem Kontakt. Die Ukraine betreibt 15 Kernreaktoren und Lager für radioaktive Abfälle aus den Kernkraftwerken sowie aus dem Medizin- und Industriebereich. Auch die Sperrzone um Tschernobyl, wo sich 1986 der Reaktorunfall ereignet hat, liegt auf dem Staatsgebiet der Ukraine. Betreiberin aller in Betrieb befindlichen ukrainischen Kernkraftwerke ist die NNEGC Energoatom.

Im Folgenden eine auf IAEO-Informationen basierte Zusammenfassung der Ereignisse, die nukleare Einrichtungen in der Ukraine betreffen: Kernkraftwerk Saporoschje nach wie vor unter ukrainischer Kontrolle (siehe Bild oben) - Das ukrainische Aussenministerium hat die IAEO am 27. Februar darüber informiert, dass russische Militärkräfte in die Nähe des grössten ukrainischen Kernkraftwerks Saporoschje vorgestossen sind. Diese Aussage wurde am 28. Februar vom Kernkraftwerkbetreiber an die IAEO mit der Ergänzung bestätigt, dass keine russischen Truppen auf das Kraftwerksgelände gelangt sind. Gemäss SNRIU sind alle sechs Blöcke sicher in Betrieb.

«Es ist von entscheidender Bedeutung, die Einsatzfähigkeit des Kraftwerkspersonals zu erhalten, um die Sicherheit zu gewährleisten», so Generaldirektor Grossi. «Zudem müssen die notwendigen Versorgungsketten verfügbar bleiben, um sicherzustellen, dass die ukrainischen Kernkraftwerke jederzeit mit den erforderlichen Dienstleistungen, Ausrüstungen und Komponenten versorgt werden können, um beispielsweise Notreparaturen durchführen zu können.»

Raketeneinschlag auf Endlagergelände – Gebäude sind intakt: Die Ukraine hat die IAEO darüber informiert, dass in der Nacht Raketen auf dem Gelände eines Endlagers für radioaktive Abfälle in Kiew eingeschlagen sind. Das in Mitleidenschaft gezogene Strahlungsüberwachungssystem konnte wiederhergestellt werden. «Es gab jedoch keine Berichte über Schäden am Gebäude oder Hinweise auf eine Freisetzung von Radioaktivität», sagte Generaldirektor Grossi. In solchen Lagern wie in Charkiw und Kiew werden in der Regel ausgediente radioaktive Quellen und andere schwachaktive Abfälle aus Krankenhäusern und der Industrie gelagert. «Auch wenn diese Endlager keine hochaktiven Abfälle enthalten, können die gelagerten und entsorgten radioaktiven Abfälle dennoch schwerwiegende radiologische Auswirkungen verursachen, was die Notwendigkeit ihres Schutzes unterstreicht», so der Generaldirektor.

Alle Kernkraftwerke sind weiterhin stabil und normal in Betrieb: Generaldirektor Grossi informiert, dass laut SNRIU alle Kernkraftwerke des Landes weiterhin stabil und in Betrieb sind: «Im Moment arbeiten die Anlagen normal und ihr Kernmaterial bleibt unter Kontrolle. Es ist von grösster Bedeutung, dass dies auch weiterhin der Fall ist und dass das Personal der Anlagen in der Lage ist, seine unerlässliche Arbeit ohne übermässigen Druck oder Stress zu verrichten», so Grossi. Er fordert alle Parteien nochmals dazu auf, «von Massnahmen oder Aktionen abzusehen, die die Sicherheit von Kernmaterial und den sicheren Betrieb aller kerntechnischen Anlagen gefährden könnten, da ein solcher Vorfall schwerwiegende Folgen für die menschliche Gesundheit und die Umwelt haben könnte.»

Keine Gefahr aufgrund erhöhter Strahlungswerte in Tschernobyl: Am Standort Tschernobyl wurden erhöhte Strahlungswerte gemessen. Das SNRIU sieht das Aufwirbeln von – seit dem Reaktorunfall in 1986 – kontaminiertem Boden durch schwere Militärfahrzeuge als mögliche Ursache an. Die IAEO kommt zum Schluss, dass die von der Aufsichtsbehörde gemessenen Werte innerhalb der Sperrzone von bis zu 9,46 Mikrosievert pro Stunde gering sind und für die Öffentlichkeit daher keine Gefahr darstellen. Gemäss SNRIU arbeiten die kerntechnischen Anlagen in Tschernobyl auch nach der Übernahme der Kontrolle durch russische Streitkräfte normal. In der Nähe der nordöstlichen Stadt Charkiw sei ein elektrischer Transformator in einer Deponie für schwachaktive Abfälle beschädigt worden, es sei jedoch kein radioaktives Material freigesetzt worden.

IAEO ruft zu Zurückhaltung auf: Nach dem Start der russischen Militärinvasion in der Ukraine appelliert IAEO-Generaldirektor Rafael Marino Grossi an ein «Höchstmass an Zurückhaltung, um jegliche Aktionen zu vermeiden, die die nuklearen Einrichtungen des Landes gefährden könnten». Und er verweist auf den Beschluss hin, welche die Generalkonferenz der IAEO 2009 gefasst hat: «Jeder bewaffnete Angriff auf und jede Bedrohung von Nuklearanlagen, die friedlichen Zwecken dienen, stellt einen Verstoss gegen die Grundsätze der Charta der Vereinten Nationen, des Völkerrechts und der Satzung der Organisation dar.»

Russlands Truppen nehmen Tschernobyl ein: Gemäss Angaben von SNRIU an die IAEO arbeiten alle in Betrieb befindlichen ukrainischen Kernkraftwerken sicher und geschützt. An einer Sitzung mit Energoatom machte der ukrainische Energieminister Herman Haluschtschenko zuvor publik, dass massive Cyberangriffe auf ukrainische Kernkraftwerke erfolgreich abgewehrt worden seien.

Die Ukraine meldet der IAEO, dass «nicht identifizierte bewaffnete Kräfte» die Kontrolle über die Einrichtungen des State Specialized Enterprise Chornobyl NPP übernommen hätten, das sich innerhalb der Sperrzone befindet. Es habe aber weder Opfer gegeben, noch seien nukleare Anlagen zerstört worden.